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Dr. H.

durchgeistigte Bewegung.

Schwanenweiß, die Gute, Reine, kindlich und herzlich Liebende, wird von der bösen Stiefmutter bis aufs Blut gequält: ihre Verbindung mit dem sanften Freierprinzen immer wieder vereitelt und zerstört. Diese Stiefmutter hat aber nichts von der Dämonie einer unholden Fee oder eines mär­chenhaften Elementargeistes, sondern die pein­liche Realität einer keifenden Megäre: und nach­dem sie mit dürren Worten die Geschichte ihrer

..Schwanenweiß" ist für die Schauspielerin Har­riet Bosse geschrteben worden, Strindbergs dritte Gemahlin, von der er ebenfalls später geschieden wurde. Den Eindruck dieses Märchenspieles hat ein Kritiker mit den Worten zusammengefaht: Ein erwachsener Mann im Kinderkleidchen: so wirkt das Ganze."

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Bedeutsamer scheint uns der grundlegende Lin- terschied zwischen dem, was wir uns unter einem Märchen vorzustellen pllegen, und dem, was sich hier vor unseren Augen auf der Bühne begibt. Auch bei uns ist das Märchen grausam, wird die Llnschuld und Reinheit von bösen Geistern ver­folgt und gequält: aber immer löst sich doch am Ende der Alpdruck in der beglückenden Gewiß­heit: es ist ja alles nicht wahr. Bei Strindberg bleibt die Llnwirklichkeit des Märchens bis in die letzte Szene hinein fragwürdig, weil in alle Illusion immer wieder die kleine und schäbige Alltagsmisere seines eigenen Lebens hineinspukt. Was aber imInferno" oder imScheiterhau­fen" erschütternd und aufwühlend wirkt, erscheint hier nur trüb, peinlich und ernüchternd.

Die //Vereinigten Staaten von Aordeuwpa"

Zusammenarbeit der skandinavischen Reiche.

Don unserem ständigen Dr. ?.-Q.-Berichterstatter.

von Dr. Karl Böhm hatte Earl-Maria Z w i h l e r die musikalische Leitung übernommen: nach an­fänglichen Schwankungen im ersten Akt erfüllte er Me Partitur mit starkem Temperament bei dif­ferenzierender Beherrschtheit.

Besonders verdienen die Tänze (Hans Macke) im letzten Akt hervorgehoben zu werden. Das war kein Ballett alter Schule, es war ein Durch­gestalten des Musikalischen im modernen tänzeri­schen Sinne durch plastische Körpergebärde und

Gießener Stadttheater.

Lpcrngastlpicl:Carmen". August Ltrindberg:Schwanenweitz".

I.

Als die OperCarmen" acht Iahre nach der Uraufführung (1875) in Paris toieber Fuß fassen wollte, versuchte man sie den Parisern dadurch schmackhaft zu machen, daß man dem Zigeunermilieu einen Zug ins Sn^mhaste, Ele­gante verlieh. Zwar vermochte sich das Wer! so in Paris durchzusetzen (was ihm bet der Ur­aufführung nicht gelungen war): aber dre fol­gende Zeit löste sich doch wieder von dieserVer­feinerung" und stellte die Umwelt des Zigeuner» mms in voller Farbigkeit und Raturnahe wie­der her und gab der Musik D i z e t s den Ur­grund wieder, aus dem sie entwachsen tour.

Die Inszenierung durch die Darmstädter (Earl Ebert) verlegt die Handlung in das heutige Spanien und versucht so durch die Bindung mit der Jetztzeit die Auswirkung des Werkes zu verstärken, oder doch mindestens eine vic.gespielte Repertoireoper in neuem Lichte erscheinen zu lassen. Das Libretto knüpft an dieCarmen - Rovelle von Prosper Merimee an und be­hält deren farbenprächtige Umwelt bei. Ein Ver­legen der Handlung in die Gegenwart setzt sich über die historische Treue hinweg: denn die nwderne Zeit hat die Rativnaltrachten zum gro­ßen Teil aufgegeben. Die Trachten stehen aber m engster Beziehung zum Rationalcharakter: ihr Verlassen bedeutet ein Verlieren von persön­lichen individuellen Werten und kmne einer gleichmäßigen Uniformierung der Menschheit durch die Mode gleich. Verlangt nicht aber ge­rade die Oper die alte Farbenprächtigkeit: liegt darin nicht gerade ihr besonderer Reiz, daß sie mit ihrer Handlung und ihrer Musik an das historisch gegebene Milieu gebunden ist?

Die Reuinszenierung führt aber mit dem Wech­sel des äußeren Gewandes zugleich eine An­näherung an die geistige Haltung der Gegen­wart durch. Die einzelnen Typen erscheinen stark vvn den Idealen des Massenbewußtseins beein­flußt. Das ließen die Volksszenen namentlich im ersten Akt erkennen. Das zeigte sich auch in der Auffassung einzelner Rollen.

Wenn Friedrich Riehsche in der Carmendie in die Ratur zurückversetzte Liebe" bewundert, die sich alsFatum, als Fatalität, zynisch, unschuldig, grausam und eben darin als Ratur" gibt, so erblickt er in ihr den Inbegriff der Liebesgewalt, den Weibsteufel, der sich eben nur auf dem Raturgrunde entfalten kann. Jede Versetzung in eine andere Sphäre wird auch dem Carmencharak» ter eine andere Wendung geben. Anita M i t r o - vic betonte die Kokette. Berechnende, Raffinierte: sie konnte voller Hohn, Ironie. Zynismus im Bewußtsein ihrer persönlichen Ueberlegenheit fein; aber eins konnte sie nicht glaubhaft machen, das

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Stockholm, Mai 1931.

3n regelmäßigen Zwischenräumen veranstaltet die große OrganisationHorben in einer der skandinaschen Hauptstädte Tagungen, auf denen Fragen der nordischen Zusammenarbeit erörtert werden. Hervorragende Staatsleute und Kulturpersönlichkeiten aus den Rordländern hal­ten zündende Ansprachen und der Zuhörer muß den Eindruck erhalten, daß alle Unstimmigkeiten zwischen den skandinavischen Ländern beseitigt und eine neue Epoche des Skandina- v i s m u s angebrochen ist.

Ueber das Ausmaß der erstrebten Zusammen­arbeit gehen die Ansichten auseinander. Geistige Annäherung, kultureller Austausch und Ueber» Windung der Sprachgrenzen bilden das erste Darüber hinaus sehen sich einige Gruppen für wirtschaftliche Zusammenarbeit, für Erneuerung der Münzunion und Errichtungeiner skandinavischen Zollunion ein. Von dem eigentlichen Ziel des Skandinavismus. einer politischen Verschmelzung der Rorblander. wird im Ernst kaum mehr gesprochen und im allgemeinen deshalb auch das Wort Skandina- visrnus vermieden und durchnordische Zusam­menarbeit" erseht.

Gerade in diesen Tagen ist die Frage der nordischen Einheit ober wenigstens Einigkeit wie­der einmal aktuell. Diesmal jedoch nicht am Kon­ferenztisch, sondern in der rauhen Wirklichkeit. Der Gegensatz zwischen Dänemark und der mit ihm durch Personalunion verbundenen Insel Island hat sich von Jahr zu Jahr verschärft und es kann nur noch eine Frage der nächsten Zeit sein, wann di? letzten Bande endgültig zer­reißen. Auch die Inselgruppe der Färöer drängt nach Selbständigkeit, und im besonderen die Frage der eigenen Rationalflagge hat mehr­mals zu Zusammenstößen mit den dänischen De- Hörden geführt. _

Aber auch im Verhältnis der großen skandina­vischen Länder zueinander zu denen neuer­dings. seitdem es sich vom russischen Ioch be­freite, auch Finnland gerechnet wird fehlt cs keineswegs an Reibungsflächen. Das Schu^ beispiel ist die G r ö n l a n d f r a g e . die sich immer wieder als trennender Keil zwischen Dänemark und Rorwegen schiebt. Ror- wegen hält daran fest, baß Grönland norwegi­scher Besitz war und bei der Auflösung der dänisch-norwegischen Union widerrechtlich von Dänemark behalten wurde, ebenso wie Island und die Färöer. Auch die letzten Versuche, eine Einigung zu erzielen, sind gestrandet, und allem Anschein nach wird der Streitfall einem inter­nationalen Schiedsgericht vorgelegt werden.

Das dänisch-norwegische Verhältnis wird außer­dem mittelbar getrübt durch den norwegi- s ch e n Sp r a ch k a m p f. Die norwegische Schrift­sprache ist bis vor wenigen Iahrzehnten das Riksmal" gewesen, das sich eigentlich nur durch die Aussprache und Schreibweise vom- nischen unterscheidet. In der fast ein halbes Jahrtausend langen dänisch-nor w e g r s ch e n Union war die Sprache der dänischen Beam­ten, der Pfarrer und der Lehrer allmählich für den Hauptteil der Bevölkerung zur Muttersprache geworden, deren fremder Kern den meisteii gar

nicht mehr zum Bewußtsein kam. Daneben hatten sich jedoch auf dem flachen Lande die alten na­tionalnorwegischen Dialekte erhalten, aus denen in der Mitte des vorigen Iahrhunderts Ivar Aasen dasL a n d s m a l" schuf, die norwegi» sche Sprache. Das Riksmal und Landsmai sind jetzt gleichberechtigt: die Gesetze und Verord­nungen werden in beiden Sprachen erlassen und in den Schulen beide Sprachen gelehrt. Die llm- taufe norwegischer Städtenamen Kristiania zu Oslo und Trondhjem zu Ridaros sowie viele andere Vorgänge der letzten Zeit beweisen, daß die nationalnorwegische Sprache immer mehr an Boden gewinnt und das aus Dänemark im­portierte Riksmal verdrängt. Wenn es sich auch um eine innernorwegische Frage handelt, ist sie naturgemäß nicht dazu angetan, in Dänemark Freude zu erwecken und im Sinne der nordi­schen Zusammenarbeit zu wirken.

Obwohl noch kein Menschenalter darüber ver­gangen ist. seitdem Rorwegen die schwedisch­norwegische Union auflöste und den schwe­dischen Königaußer Funktion" setzte, hat sich das Verhältnis der beiden eigentlichen skandi­navischen Länder in den letzten Iahren doch sehr gut entwickelt. Im besonderen hat die dyna­stische Verbindung der beiden Königs­häuser durch die Ehe des norwegischen Kron­prinzen mit einer Richte des schwedischen Königs dazu beigetragen, daß das Kriegsbeil begra­ben wurde. Hatte doch 1905 eigentlich nur die Besonnenheit des schwedischen Königs Oskar einen Bruderkrieg verhindert.

Zwischen Schweden und Finnland lie­gen die Alanbsinseln. die 1918 bei der Aufnahme des neuen Vetters in die skandina­vische Familie nicht nur die schwedische Begei­sterung erheblich dämpften, sondern zu offenen Gegensätzen führten. Obschon die schwedischspra­chige Bevölkerung der Alandsinseln nicht Schwe­den zugesprochen wurde, sondern als kulturell autonomer Bestandteil im finnischen Staats­verband verblieb, hat die Schicksalsverbundenheit der beiden Ostseeländer die Unstimmigkeiten über­wunden. Für Schweden ist Finnland der wert­volle und notwendige Puffer st aat gegen­über Sowjetrußland. wie umgekehrt das Tausendseenland im Bedarfsfälle auf d i e Hilfe Schwedens angewiesen ist. Aus diesem Grunde gilt die Alandsfrage jetzt als inaktuell, unb. nach Möglichkeit wird auch in Presse und Öffentlichkeit die schwedische Mi­noritätsfrage im eigentlichen Finnland rücksichts­voll umgangen. Da jedoch die etwa 11 Prozent der Bevölkerung umfassende schwedische Mi­norität früher die führende Oberschicht des Lan­des darstellte und sich seit dem Verlust dieser Stellung ungerecht zurückgesetzt fühlt, verhindert das Minderheitsproblem, das naturgemäß auch auf das schwedische Mutterland herüberstrahlt, doch die Anbahnung echter Herzlichkeit zwischen den beiden Ostseestaaten.

Auch auf wirtschaftlichem Gebiet ist die nordische Einheit noch nicht allzu weit ge­diehen. Vor einigen Monaten haben zwar Schwe­den, Rorwegen und Dänemark zusammen mit Holland und Belgien in Oslo einen Vertrag unterzeichnet, der zuweilen als Zollunion bezeichnet worden ist. In Wirklichkeit besagt er Dämonische im Weibe, dem die Männer verfallen. Vielleicht mag das im Klang ihrer Stimme mit begründet sein, dem das von innerer Glut Zeu­gende, das Dämonisch-Verführerische, Faszinie­rende fehlt. Iene Wandlung vom koketten Spiel mit dem Manne bis zur echten wahren Liebe zu Escamillo wußte sie packend zu gestalten: aber noch viel stärker hätte sie jenen Fatalismus unter­streichen können, mit dem sie dem Tode entgegen» geht. (Darin benifjt die Tragik ihrer Gestalt, daß sie, geadelt durch die Menschlichkeit und Wärme, die ihr Iose entgegenbringt, zu echter Liebe ent» flammt^kurz vor ihrem sicher bevorstehenden Lln» tergang; unb baß sie ba einem Menschen verfällt, der sicher dem Don Iose an inneren Werten nicht gleich kommt.) Gesanglich lieh sie ihre Verlockungs- tonfte in allen Stabien unb mit allen Mitteln spielen, jedoch blieb ihr das heldische Ausmaß versagt.

In Don Iose (Johannes Schocke) trat ihr ein Partner entgegen, erfüllt mit wahrem Gefühl unb menschlicher Wärme, der jenen schicksals- haften Kampf zwischen Pflicht und Reigung stark erleben lieh. 3m ersten Akt erklang sein Organ spröde unb vermochte nicht bie melodische Linie in voller Weite zu spannen: im zweiten Akt da­gegen wuchs er in derBlumenarie" zu beacht­lichem Format: einen erschütternden Höhepunkt gab er in der Schlußszene. Micaela (Anny v. Stvsch) erscheint als Vertreter der Mutter Don Ioses und wird so zur Trägerin und Hüte­rin sittlicher Rormen im Gegensatz zu ©armen. Sie soll ein schlichtes Raturkind vom Lande sein; um so sonderbarer mochte es erscheinen, als sie hier im städtischen Straßenklied Don Iose nicht nur in der Stadt, sondern auch in demselben Kostüm in der Schlucht heimsuchte. Ihre Stimme klang stellenweise matt und erwies nicht jene Tragkraft, die in der Kantilene erforderlich ist; beachtlich aber war sie in der Wiedersehensszene mit Iose in der Schlucht. Dem Escamillo (Albert Lohmann) waren gewisse Züge zu eigen, die stark auf den heutigen Typus des Athleten quasi Boxer hinwiesen. Zwar soll Es­camillo großsprecherisch fein; es darf ihm aber ein gewisser Zug von Ritterlichkeit, Grandezza nicht fehlen. Das Auftrittslieb zeigt ihn in seinem Element mit der massigen Fülle seiner Stimme: im Duett mit Carmen (vierter Akt) vermißte man die lyrische Wärme. Das Schmuggler-Quintett im zweiten Akt (Hans R e y. Eugen Vogt, Maria Kienzl, Martha Liebel) war trefflich charakterisiert. Dem Zuniga verlieh Theo Herr­mann charakteristische Züge: den Sergeanten Morales verkörperte Bernhard Heyer.

Dem Chor ist in der Oper breiter Raum ge­währt; man hatte nicht gespart, und sv wirkten sich die starken Tonakzente mit besonderer Klang­fülle und Klangschönheit aus. Das Orchester ließ die Musik in charakteristischer Farbe unb akzentu­ierter Rhythmik erklingen; bie Bläser fielen auch diesmal wieder hervorragend auf zumal der Holz» körper im Vorspiel des dritten Aktes. An Stelle

jedoch nur, dah bie Llnterzeichner keine Zoll- erhöhungen vornehmen dürfen, ohne sich zuvor gegenteilig darüber zu verständigen. Zwecks Wiedererrichtung der skandinavischen Münz- union sind eine ganze Reche von Konferenzen abgehalten worden, die jedoch keinen Schritt weitergeführt haben. Schweden, das sich in den Kriegs- und Rachkriegsjcchren zu einer wirt­schaftlichen Großmacht entwickelt hat, lehnt fi­nanzielle Bindungen mit den beiden Nachbar­ländern. bie weniger gut über bie Krisenjahre weggekommen sind, höflich, aber entschieden ab; auf jeden Fall wollen sich bie führenben Dank« unb Wirtschaftskreise auf keinerlei Experimente einlassen.

Die Rordländer bilben das benfbar beste Bei­spiel für bie Realität bes Paneuropagebilbes. In Rasse. Sprache unb Wesen, in Kultur. Le- bensstanbard unb beinahe jeber Beziehung stehen sich Schweben. Rorwegen unb Dänemark so nahe, wie es überhaupt möglich ist wenn man von bem Verhältnis Oesterreichs zum Reich absieht, bas jeboch auch in Skanbinavien eigentlich stets als Teil bes beutschen Volkskörpers angesehen worden ist. Trohbem erscheint eine Aufgabe der politischen Selbstänbigkeit in jebem der Länber, bie zusammen kaum 12 Millionen Einwohner zählen, vollkommen unmöglich. Im Laufe ber Geschichte sind aus bem Einheitsstaat der Kalmarer Union vom Iahre 1397 nach unb nach immer mehr selbstänbige Reiche entftanben unb aller Wahrscheinlichkeit nach wird sich bie Zahl schon in Kürze toieber vergrößern. Geistig wer­den sich, je mehr bie Völker burch bie Vervoll­kommnung der Verkehrsmittel aneinander heran­rücken, neue Brücken schlagen lassen. Bis zu ben Vereinigten Staaten von Rvrbeuropa" jedoch ist der Weg ebenso weit und unauffinbbar wie bis nach Paneuropa ober nach Atlantis.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 15.Mai 1931.

Äeisehung von Exz Klingelhöffer.

Am Mittwochnachmittag fand auf bem Alten Friedhof in schlichter Weise die feierliche Bei­setzung ber sterblichen Hülle bes ®e- neralleutnants a. D. Exzellenz Klin­gelhöffer statt. In ber Kapelle wohnte eine statt­liche Trauergemeinbe, barunter auch ber Komman­deur unb eine Anzahl Offiziere sowie bie 2. Kompanie unseres Bataillons als Trabitionskompanie bes früheren Inf.-Regts. 116, ber Trauerfeier bei. Nach Choralmusik ber Pataillonskapelle schilberte Pfarrer A u s f e 1 d in seiner Trauerrede die vortrefflichen Eigenschaften des Entschlafenen, wobei er beson­ders dessen treue Pflichterfüllung, seine unver­brüchliche Treue zu Kaiser und Reich, sein vorbildliches Soldatentum und seinen glühenden Patriotismus hervorhob. Bei der Lieberführung der Leiche von der Kapelle zur letzten Ruhestätte geleiteten auch die Bataillons!apelle und die 2. Kompanie als Traditionskompanie den Sarg zur Gruft. Rach der kirchlichen Handlung bes Geistlichen am Grabe widmete General a. D. Mohr namens der Offiziere des früheren Regi­ments 116 und der Ortsgruppe Gießen des Deut­schen Offizier-Dunbes dem verewigten Kameraden unter warmer Würdigung seines Wirkens und Strebens einen herzlichen Rachruf. Für den Gie­ßener Verein ehemaliger 116er und für den 116er Verband sprach Herr Beil herzliche Abschieds­worte. Hierauf legten Oberstleutnant Klepke als Kommandeur unseres Bataillons namens des Of­fizierkorps und Hauptmann Scheuerpflug als

II.

Wir haben hier schon sehr lange keinen Strindberg mehr gehabt. Ieht gibt man einen in einer einzigen Aufführung!, der höchst unbedeutend und stark überaltert ist und den immerhin beträchtlichen Aufwand der Inszenierung kaum rechtferttgt.

Es erhebt sich die Frage, ob kein anderes, wert­volleres, erfreulicheres, für den Dichter entschie­dener und minder zweideutig zeugendes Werk ge­funden werden konnte; man hat bei Strindberg doch wahrhafttg die Auswahl. (Zu empfehlen für spätere Fälle:Rausch",Totentanz" bei ent­sprechender Besetzung,Die Kronbraut', Erich XIV.",Karl XU,Abu Casems Pan­toffeln".)

oieuag, 15. Mai I95(

Chef der 2. Kompanie (Traditionskompanie der 116er) Kränze nieder, während die Kapelle den ersten Vers des Liedes vom guten Kameraden spielte. Im Ramen der ehemaligen 17er Infante­risten der Verstorbene war bekanntlich Major und Oberstleutnant im Inf.-Regt. 17 brachte Herr Schäfer von hier dem Heimgegangenen den letzten Gruß bar. Sodann sprach ein Mitglied der Familie Klingelhöffer herzliche Worte des Abschieds von bem Familienmitglied. An bet letzten Ruhestätte des verdienten alten Soldaten wurden eine Anzahl Kränze niedergelegt.

Sanitätskolonnen - Hebung.

Die Freiwilligen Sanitätskolvnnen vom Roten Kreuz in Gießen und in Leihgestern unternahmen am Sonntagvorrnittag einen gemein­samen äebungsmarsch, der mit einer Alarm- Übung beider Kolonnen in ber Rähe bes Schiffenbergs öerbunben war. Iede Kolonne marschierte von ihrem Stanbort aus in ber Rich­tung Schisfenberg nach Hausen. Der Llebung lag bie Annahme zugrunbe, bah die Kolonnen unter­wegs auf ihrem Marsche bie Meldung von einem größeren Verkehrsunfall erhalten hätten, nach der bie Kolonne Gießen vom Forsthaus aus, bie Kolonne Leihgestern von Watzenborn aus zur schnellen Hilfe an die Llnfalllstplle eilen sollten. Als Unfall war angenommen, daß an ber Straßenkreuzung GießenHausenSchiffenberg und Watzenborn ein nach Hausen fahrender voll­besetzter Postautobus von dem Autobus Schiffen­bergGipsten infolge Versagens der Bremse seit­lich gerammt und umgeworfen wurde, wobei mehrere Personen leichte und schwere Verletzun­gen davontrugen. Der Führer ber Kolonne Gie­ßen sollte sofort vom Forstgarten aus bie bei­den Sanitätsautos an bie Llnfallstelle rufen las­sen, bie beiben Kolonnen hatten bie Aufgabe, bis zum Eintreffen ber Sanitätsautos bie Ver- wunbeten zu versorgen unb bis zum Abtransport zu pflegen. Als bie Melbung nach biefem

unseligen Iugendliebr erzählt hat, kann man sich des Gefühls nicht erwehren, daß sie an einer Affektwunde leidet und am besten in einem nach Freudschen Methoden neuzeitlich geleiteten Sana­torium unter gebracht würde. Damr hätte die Quä­lerei schnell ein Ende.

*

Lind ber ganze, groteske Spuk im Iugendstil wäre verflogen. Dieser überdeutliche, längst un­erträglich gewordene Symbolismus mit Blumen und Vögeln, Zauberspiegel und Zaubermuschel, wechselndes Licht, wechselnde Farben und Ge­räusche: diese umständlich und raffiniert in Be­trieb gesetzte Apparatur der Gespenstersonaten- bühne würde weseirlos. Sehr spät, zu spät, fast überraschend im letzten Akt das christlich-fromme Bekenntnis zur Macht der alles überwindenden Liebe und des bergeversetzenden Glaubens, welcher der jungen Schwanenweih den- toten Geliebten wieder zum Leben erweckt.

Ein schwaches Stück also, von Bäuerle mit sichtlichem Bemühen in Szene gesetzt, vor Ausbau­ten in einem gemäßigt konstruktivistischen Stil, in einer darstellerischen Gesamthaltung, die stellen­weise wie ein Rachklang des fernen Expressionis­mus anmutete. Die De.orationen hatte Löffler entworfen; Keim sorgte für den komplizierten Deleuchtungswechsel; Kapellmeister Cuje diri­gierte die Begleitung. (Cs gibt zwei schwedische Bühnenmusiken zuSchwanenweiß : von Sibelius, Suite in sieben Sähen, und vvn Peterson-Berger.)

Schwanenweiß wurde von Elisabeth W i e 1 a n - der gespielt: eine Rolle, bie ihren darstelleri­schen Gaben sehr entgegenzukommen scheint, und die sie in allen Ausbrucksnuancen und ilebergän* gen durch brei Akte hindurch überzeugend be­herrscht: eine liebliche Prinzessin mit schönem langen Blondhaar, Dornröschen und Aschen­puttel zugleich mit skandinavischen Akzenten.

. Bruck war der Freier: ein sanfter, ein wenig melancholischer Märchenprinz aus Hamlets Be­zirken, ganz in Schwarz.

Maria Koch hatte die wenig bankbare Auf­gabe, mit schneidender Schärfe die von Haß ge­ladenen Tiraden der (Stiefmutter zu sprechen; ihr ist es zu bauten, dah sie die oben gekennzeichnete Figur immerhin vor dem Absinken in eine un­freiwillige Parodistik glücklich bewahrte.

Auguste Prasch-Grevenberg und Luise Schubert-Iüngling hatten sich mit Hin­gabe für die mehr pantomimisch als sprachlich aus­drucksfähigen Mutterrollen eingesetzt.

Bäuerle (der Herzog): Agathe Walther- Lederer (sehr bemüht um die kleine Rolle ber Signe); Schelcher (der König); Hub (ber Gärtner).

Das Publikum schien auffallend unruhig. Ein matter unb wenig befriedigender Ausklang bep Schauspiel-Saison. hth.

Oer neue Intendant der Städtischen Oper in Berlin.

Professor Carl Ebert, ber bisherige General» intenbant bes Hessischen Lanbestheaters in Darm- ft a b t, würbe wie bereits gcmelbet, vom Aufsichts­rat ber Stäbtifchen Oper in Berlin zum Inten- bauten gewählt. Seine Amtszeit beginnt im Herbst biefes Jahres unb läuft auf brei Iahre.