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Ur. 62 Zweites Blatt

Außenpolitische Umschau.

Belgien Zndien. USA. Moskau.

Don Dl. Otto Voehsch, o. ö. pro|. der Geschichte an der Universität Berlin.

Der Reichswehrminister hat fest und Har dem französischen Kriegsminister geantwortet, der Frankreichs Richtabrüstungswillen mit der Kriegsschuldfrage in Verbindung gebracht hatte. SS ist gut, daß in solcher Weise daS Abrüstungs- gespräch unausgesetzt auch von Deutschland aus in Fluh gehalten wird. In diesem Zusammen­hang gehört sehr interessant und wichtig d i e Entwicklung der belgischen Außen­politik herein. Don sozialistischer wie von * flämischer Seite wird schon länger gegen das französisch-belgischc Militärabkom­men vom 7. September 1920 Sturm gelaufen, von der einen Seite wegen der Erschwerung der Abrüstung, von der anderen wegen der Bin­dung an die französische Politik. Der Druck ist immer stärler geworden, so bah am 4. März der Außenminister Hyrnansvor der Kammer zwar sehr vorsichtig formuliert, ooer doch deutlich in der gleichen Richtung Stellung nahm. Er' be­hauptete. niemals sei dieses Abkommen ein Bünd­nis gewesen, nur ein Abkommen für den Fall eines nichtprovozierten Angriffs von feiten Deutschlands. Diese Lage sei aber völlig gewan­delt durch Locarno und den Rheinpalt, die Bel­giens Sicherheit viel besser garantierten als das Militärabkommen mit Frankreich. Dieses letztere eine gemeinsame Auslegung der belgischen und französischen Regierung sei lediglich eine Vereinbarung der Generalstäbe, die die tech­nischen Bedingungen im Fall eines Angriffs von Deutsch la id festsehe.

Damit ist das französisch-belgische Militär­abkommen als solches zu Ende. Denn a l s Bündnis ist es natürlich von Frankreich ge­faßt und geschlossen worden, und diese Er­klärung von Hymans ist ein weiterer Schritt auf dem Wege Belgiens zur Selbständigkeit, zur Lösung seiner Abhängigkeiten von Frank­reich. Der belgische Standpunkt ist der, dah der Rheinpakt sormeller, präziser und weitergehend sei als das französisch-belgische Abkommen. Das ist so richtig, daß der belgische Außenminister das auch vollständig hätte sagen können. Warum bezieht er alles auf einen nichtprovo-- I zierten Angriff von feiten Deutschlands, das so immer als der einzig mögliche Angreifer be­zeichnet wird? Der Locarnopakt gilt für jeder­mann gegen jedermann. Er legt z. B. die englische Garantie fest sowohl für einen Angriff Deutschlands auf Frankreich und Bel­gien, wie für einen Angriff Frankreichs auf Deutschland oder Belgien. Wenn das so ist und es ist gar kein Zweifel, daß die Lage da­mit richtig bezeichnet ist, dann ist zwingend logisch, daß das Militärabkommen von Frank­reich einfach aufgehoben würde.

Man kann wohl annehmen, dah die Entwick­lung, in der Belgien eine neue außenpolitische Orientierung sucht, in dieser Richtung weiter­führt. Belgien will selbständiger werden und will aus einer nicht-natürlichen Grotzmachtstel- lung, in die es durch den Kriegsausgang gekom­men ist, wieder heraus, auf die ihm gemäße Basis eines kleinen Staates, der, an so gefähr­deter Stelle Europas gelegen, in der Reu- t ta I i t ä t das Heil sieht, zumal die Spannun­gen der Rationalitäten im eigenen Innern groß genug sind, und außerdem die wirtschaftlichen Beziehungen Belgien stark nach D:utschland wei­sen. Man vergesse nicht, daß auch in der Zeit der stärksten politischen Abhängigkeit von Frank- reich, Belgien den Handelsvertrag mit Frank-

Kreuzweg der Liebe.

Vornan von Paul Grabein

Urheberrechtsschuh: RomandienstDigo", Berlin W 30.

NackHruck verboten

Hast wohl heute schön auf mich gewartet?"

Leichtfüßig eilte Urfula Drenck dem Verlobten entgegen, der eben in die Wohnung getreten war, und tot ihm die Lippen zum Gruß.

Georg Wigand zog heute nicht seine Verlobte zärtlich zu langer Begrüßung an sich. Kurz nur erwiderte er vielmehr den Kuh der Braut und machte sich alsbald aus ihren Armen frei.

Allerdings!" erwiderte er ihre Frage gemessen und mit Rachdruck.Unb warum bist du denn nicht gekommen?"

Wigand hatte in der Tat fast eine halbe Stunde vor seinem Hause auf die Verlobte gewartet, die ihn dort, wie gewohnt, hatte abholen sollen.

Mein Gott, Iörg! Ich konnte nicht!" Etwas schmollend kam es von ihren Lippen.Das hattest du dir doch wirklich auch selbst sagen tonnen.

So? Unb was hielt dich denn ab, wenn ich fragen darf?"

Ach ich hatte mich so darauf gefreut, dir die große Reuigkeit mitzutcilen; aber nun ist mir die ganze Freude verdorben!" Derdro'sen wandte sie sich von ihm ab, zum Fenster des Erkers hin.

Wigand wurde milder gestimmt. Den Arm um sie legend, trat er hinter sie.

iRa, was gabs denn, Ursel?" Lind lächelnd drehte er den widerspenstigen Kopf zu sich herum, seine Lippen auf das duftige, lote Draunhaar drückend. Da klärten sich auch ihre Mienen wieder auf, und, schnell versöhnt, stieß sie froh hervor:

.Fred kommt zu uns auf Besuch!"

Fred?"

»Run ja mein Detter."

Ach so! Alfred Drenck der Flieger."

Eine kleine Pause trat ein.Unb darum also konntest du mich nicht abhvlen?" Schon wieder grollte es leise in feiner Stimme.

Aber nein, Iörg!" Schmeichelnd nahm sie seinen Kopf zwischen die Hände. .Er kommt ja schon heut nachmittag. Er hat von der Dahn aus telegraphiert da muhte ich doch schleunigst mein Zimmer freimachen.

Dein Zimmer?" Wigands Mienen verfinster­ten sich.

216er natürlich! Wo sollen wir ihn denn sonst unterbringen? Wir haben doch kein Fremdenzim­mer! Da muh ich mich eben so lange bei Tante einlogieren."

Das finde ich aber nimm mir's nicht übel im höchsten Grade unpassend: Ein junger Mensch in deinem Zimmer! Wenn ihr keinen Platz

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Samstag, März 1931

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reich, der dieses Derhältnis wirtschaftlich er­gänzen sollte, niemals ratifiziert hat!

Ein ganz anderes Feld und eine ganz andere Frage: am selben 4. März ist in der Zusammen­kunft zwischen dem Dizetönig von Indien und Gandhi ein Abkommen geschlossen worden, das mit gegenseitigen Konzessionen zunächst einmal den Friedensschluh von Indien be­deutet. Lord Irwin hat sich als wirklicher Staatsmann bewiesen in der Geduld und Ge­schicklichkeit, mit der er die Ruhe wahrte und gegen überspannte Forderungen im eigenen La­ger zum Ziel kam. Es ist fast ein Iahr her, daß Gandhi von Allahbad aufbrach, um am Ufer des Meeres in der symbolischen Hand­lung der Salzgewinnung den unblutigen Wider­stand gegen die englische Herrschaft zu dokumen­tieren. Er hat feine Gefolgschaft auf dieser Dahn im großen und ganzen halten können, und dieses Iahr hat doch den Beweis einer Disziplin und Reife in der indischen Bevölkerung gebracht, der nicht übersehen werden darf. Auf der an­deren Seite hat der Vizekönig die Ruhe ge­wahrt. Scharfmacherei zurückgehalten, in der Ein­sicht, daß die indischen Mittel des Widerstandes, namentlich der Boykott, schließlich für die Po­sition Englands recht empfindlich werden könnten.

Auch das ist nur ein Zwischen st ad ium auf einem Wege, der nun zu Ende gegangen werden muß: von der Verfassung von 1919 an über alle Schwierigkeiten und inneren Kämpfe zur Rundtafelkonferenz und zu der überraschen­den Erklärung der indischen Fürsten, sich mit den anderen Teilen Indiens in einer Föderation zusammenfinden zu wollen, zu dieser Dersöh- nung zwischen Gandhi und England und einer Kooperation englischer und indischer Elemente, für die freilich die abschließenden 'und völlig befriedigenden Formen erst gefunden werden müssen. Aber man sieht offenbar in England ein, dah ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Beziehungen zu Indien begonnen hat, und ist nun bereit, die Folgerungen daraus zu ziehen, um überhaupt diesen kostbaren Besitz zu er­halten. Für das Arbeiterkabinett ist dieser Frie­densschluß ein neuer großer außenpolitischer Er­folg neben dem Flotten abkommen mit Frank­reich und Italien ganz kurz zuvor.

Ganz und gar nicht mit dem Gefühl des Er­folges kann dagegen Hoover, der Präsident der Vereinigten Staaten, auf feine Politik blicken. Auch am 4. März hat der Kongreß sich bis zum 4. Dezember vertagt, vorher aber dem Präsidenten die schwerste Riederlage seit Be­ginn seiner Amtszeit beigebracht. Gegen sein Veto Halen Repräsentantenhaus und Senat das Gesetz angenommen, das den Kriegsinvaliden eine höh rr Beleihung ihrer Lebensvrrsicherungs- policen gestattet und eine Milliarde Be­la st u n g für den Staatshaushalt schasst, der ein schweres Defizit von einer halben Milliarde Solar aufweist. Man hoffte, es wür­den nur wenige der Kriegsveteranen davon Ge­brauch machen, aber diese haben die DureauS geradezu gestürmt, machen vom Rechte der hö­heren Beleihung Gebrauch und erzwingen so eine schwere Belastung des Geldmarktes. Die Opposition deS Präsidenten gegen diesen Vor­schlag war höchst begründet, aber der Kongreß ging über seinen Einspruch hinweg. Darin liegt ein Mißtrauensvotum gegen Hoo­ver, der Ausdruck einer schweren Enttäuschung über seine ganze innere Politik. Er hat jetzt knapp ein Iahr noch vor sich bis zum Beginn der neuen Wahlkampagne und wird cs sehr schwer haben, diese Riederlage wieder gutauma- chen und e n Renommee wiederzugewinnen, das er

sonst im Haus für ihn habt, so mag er gefälligst ins Hotel gehen."

216er Iörg! Papas Reffe! Und mein 'Bettet mein Iugendgefährte. mit dem ich mich wie Schwester und Drüber stehe!" Mit großen Augen sah sie auf den Verlobten.Das ist doch nicht dein Emst?"

Wigands Miene blieb hart und finster.Mein vollster Ernst!" beharrte er.Und ich verstehe deine Tante einfach nicht vor allem, ich ver­stehe dich nicht, daß du das nicht selber empfindest."

Einen Augenblick zuckte es heftig in Ursulas Gesicht, dann aber nahm dieses einen kalthoch­mütigen Ausdruck an, und schweigend wandte fie sich von ihm ab.

Wo willst du hin?"

Mein Zimmer fertig machen für Fred!" Trotzig betonte fie die Worte.

Unwillkürlich stampfte Wigands Fuß in leiden­schaftlichem Aufwallen leise den Fußboden. Einen Augenblick stand er so, dann eilte er zur Tür, die Wohnung zu verlassen. Auf der Schwelle aber stieß er fast mit Ursulas Vater zusammen.

2IH Iörg!" Der alte Major streckte ihm die Hand hin.Ra, so allein?" Er sah sich suchend im Zimmer um.Und du wolltest schon wieder gehn?"

Ia, Papa!" In unverhülltem Groll brachte es Wigand hervor.Ursula hat ja keine Zeit für mich. Eie muß für den Vetter sorgen."

Der alte «Herr, sonst immer von einem etwas verbitterten Ernst, mußte lachen.Ra, wenn dich sonst nichts drückt, mein Iunge, das brauchst du wirklich nicht so tragisch zu nehmen. Dersöhn- lich llopste er Wigand aus die Schulter und zog den nur noch halb Widerstrebenden mit sich ins Zimmer.Ra, komm nur hier, steck dir 'ne Zigarre an so! Und ->un fc*> di-b mal verständig zu mir fie nahmen am Sofatisch Platzund rauch dir den ersten vie-ger e..t o.fM-.i ab. Das ist immer das beste Habs oft genug selbst so ge­macht."

Schweigend rauchten beide ein paar Zuge.Ra, siehst du, nun wird's ja schon wieder Heller da!"

Der Major deutete auf Wigands Stirn, die sich in der Tat bereits zu entwölken begann.

Wigand verehrte den alten Herrn aufrichtig, seitdem er am Tage seiner Werbung aus dessen eigenem Munde die schwerwiegende Aufklärung für so manchen herben Zug seines Wesens emp­fangen hat e. Rückhalts los ijatte der Major Drenck zu dem Mann gesprochen, der um sein einziges Kind warb. Ein Ehrenmann von Grund aus, hatte er dem Dewerber nichts verheimlichen wollen. So hatte er denn von bem dunklen Punkt seines Le­bens reden müssen, von seiner unglücklichen Ehe mit Ursulas Mutter.

Der Major hatte als nicht mehr ganz junger Mann, als älterer Hauptmann erst geheiratet, und zwar eine junge Witwe von außergewöhnlicher

bei Amtsantritt in größtem Maßstab halte und das er in den zwei Iahren seiner Amtstätig­keit fast ganz verwirtschaftet hat.

Es läge nahe, dah er versuchen würde, auf dem Gebiet der auswärtigen Poli- t i k einen Ersolg hereinzuholen. In Flotten­fragen ist da wenig zu machen: Die Verständi­gung mit Frankreich und Italien, deren Eintritt in den Londoner Flottenpakt, das hat Eng­land durchgesetzt und Amerikas Mithilfe ift nicht bemerkt worden. Und die Schuldenfrage ist für den Präsidenten ein heiheS Eisen, na­mentlich, wenn man sie so lange hat schleifen lassen, wie es geschehen ist. So sind im Augenblick die Aussichten nicht sehr günstig, weder für eine Aktivität Nordamerikas in der Außenpolitik über­haupt, noch für Hoover im besonderen. Sollte sich das im Laufe deS IahreS steigern und klar werden, daß wieder einmal Europa auf den Ausfall amer kanischer Wahlen Rovember 1932! warten müßte, so ergäbe das eine Lage, die namentlich für die deutsche Außen­politik recht bedeutsam würde und sie vor sehr ernste Entscheidungen stellte.

In die gleiche ereignisreiche Woche fielen der "Beginn dcS 6. tekon grosse« in Moskau mit einer abermaligen betonten Erklärung Molotows für eine unbedingte Frie­denspolitik der Sowjet-Union, die Rußlandreis« einer bedeutenden deutschen WirtschaftSdelega- tion und die Einrichtung eines besonderen russi­schen Referats im amerikanischen Außenministe­rium, die beweist, daß der Staatssekretär 0tim- son, der sich bisher um Rußland nur wenig gekümmert hat, beabsichtigt, sich dessen Aner­kennung, die in diesen Tagen Senator Dorah abermals gefordert hat, mehr zuzuwenden. Alles Zeichen, daß das ruffifche Problem in eine neue Phase tritt. Man glaubt so leicht, es ver­ändere sich kaum, und behilft sich dann mit Ur­teilen und Gründen, die erstarrt, schematisch ge­worden sind, auf die jetzige Lage nicht mehr recht passen. Es wird Zeit, daß man sich auch in Deutschland mit dem sich so verändernden rupfte schen Problem ernster besaht. 2lber man hört gar nichts von Vorbereitungen zu Verhandlungen über den "Berliner Vertrag mit Rußland, Ser bekanntlich am 24. April d. I. abläuft?

Die Brückenpfeiler nach Ostpreußen

Das Gchiffbauprogramm der Reichsmarine.

Don Erich Mehenthin, Korvettenkapitän a.O.,M.d,pr.^.

Einer Anregung aus dem Reichstage folgend, hat das Reichswehlm.nisterium zugleich mit dem Haus­haltsplan für 1931 ein Schiffbauprogramm sor­ge legt, das sich über sechs Jahre erstrecken soll. Der Zweck dieses Vorgehens liegt auf der Hand. Man will den sich wiederholenden Streit im Reichs­tage um einzelne Schiffsbauten vermeiden, die Mög­lichkeit zu zweckmäßiger Verteilung der Arbeiten auf die Reichswerft in Wilhelmshaven und die Deutschen Werke in Kiel gewinnen und durch vorausschauende Bestellungen die B au- ko st e n senken. Infolge der Fesseln des Ver­sailler Vertrages ist der Rahmen des Flottenaus­baues sicher eng gezogen. Unsere Flotte darf lediglich aus 6 gepanzerten Schiffen und 2 Reserveschiffen, 6 leichten Kreuzern und zwei Referoeschiffen, 16 Torpedobootzerstörern (davon 4 Reserve) und 16 Torpedobooten (4 Reserve) bestehen. Noch drückender als die Beschränkung der Zahl ift die Festsetzung einer bestimmten Höchstgrenze für die Größe jedes Schiffstyps. So dürfen die Panzerschiffe nur eine Wasserverdrängung von 10 000 t haben, während die Schlachtschiffe der großen Seemächte durchschnitt­lich 35 000 t groß sind, die Kreuzer dürfen 6000 t, die Torpedobootzerstörer 800 t nicht überschreiten, während die übrigen Seemächte Fahrzeuge dieser Art von 1500 bis 2000 t Grvße bauen. Untersee- boote und Flugzeuge sind uns ganz verboten. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, daß die Gesamtzahl des Marinepersonals auf 15 000 Köpfe festgesetzt ist.

Nach Kriegsende haben wir unser gesamtes mo­dernes Kriegsschifsmaterial a b l i e f e r n müssen und nur Schiffe behalten, die schon in den letzten Kriegs- jähren, weil veraltet, nicht mehr zum Frontdienst verwendet wurden. Trotz der finanziellen und poli­tischen Schwierigkeiten der Nachkriegszeit hat mit dem Jahre 1924 beginnenden eine allgemeine Er­neuerung unseres schwimmenden Materials ein­gesetzt. Da es zunächst unmöglich schien, mit der geringen uns erlaubten Tonnage ein leistungsfähiges Panzerschiff zu bauen, wurde zuerst an den Ersatz der kleinen Kreuzer herangegangen.(Em« den", .Königsberg",Karlsruhe" undKöln" sind fertiggestellt und haben die deutsche Kriegsflagge in

ausgedehnten Reisen über alle Meere der Welt ge­tragen.Leipzig" wird Ende dieses Jahres dis Flagge zur ersten Indienststellung hissen. In den gleichen Iahren sind sechs Torpedobootzer- störer der Möwe-Klasse, sechs vom Iltis-Typ gc- baut worden. Ein entscheidender Schritt vorwärts wurde 1928 mit dem Baubeginn des er st en Panzerschiffes Ersatz Preußen, getan. Dieses Schiff stellt einen durchaus neuen Typ dar. Es ist ein Panzerkreuzer, der 26 Seemeilen laufen und eine schwere Armierung von 6 bis 28 cm Sk in Tripeltürmen tragen wird und guten Panzer­schutz erhält.

Das Schissbauprograinin sieht den Baubeginn von drei weiteren ähnlichen Schiffen in den nächsten Jahren vor. Ende 1936 soll planmäßig der deutschen Kriegsmarine eine schwere Division von vier Pan- zerkreuzern zur Verfügung stehen. Mit der Annahme des Bauprogrammes ist die grundsätzliche Entschei­dung darüber gefallen, daß Deutschland das ver­hältnismäßig geringe Maß an Wehrkraft zur See, das ihm die Fesseln des Friedensvertragcs nur er­lauben, tatsächlich erreichen will. Die jährlichen B a u t o ft e n sollen durchschnittlich50Mil- Honen Mark betragen. Das ist eine hohe Summe und die Frage ist berechtigt, ob das, was an Kampfkraft dafür geschaffen werden kann, mehr als ein kostspieliges militärisches Spielzeug bedeutet. Ein Teil der öffentlichen Meinung nicht nur in Deutschland, sondern überall in der Welt, gefällt sich darin, davon zu sprechen, daß die Zeit der Stampf« schiffe vorüber fei, daß in einem künftigen Kriege Die Aufgaben der Flotten lediglich in der Handels­zerstörung und im Handelsschutz liegen würden. Dazu Staubt man nur leichte Kreuzer, große Zerstörer und nterfeeboote notwendig zu haben.

Lassen wir zunächst einmal die grundsätzliche Frage auf sich beruhen und fragen wir uns, worin die wahrscheinliche Hauptaufgabe der deutschen Kriegsflotte liegen wted. Sie ist bezeichnet durch bas Wort O st preuhen. Durch den Korridor vom Mutterlande getrennt, mit zahlenmäßig nur schwa­chen Reichswehrgarnisonen, fast ohne Industrie, kann die3nfe( in der slawischen Flut" sich bei kriege­rischen Verwicklungen im Osten Europas nur dann

Schönheit, bestrickendem Liebreiz und einem Tem­perament, das alle Manner zu ihren Füßen zwang. Qltan hatte daher seinerzeit dem Haupt- man Drenck mit geheimem Reid einenunglaub­lichen Dusel" nachgesagt, als ihn wider alles Erwarten die viel umworbene Frau mit ihrer Hand beglückte, um so mehr, als sie, bei ihrem luxuriösen Auftreten, im Rufe stand, eine schwer reiche Frau zu sein.

Wie anders war aber alM gekomm-n, als die erste Efezeit vorbei war und Ur ulas Mutter an­fing, wieder in der geteU,--a,tlichen ^oelt zu leben! Die Ratur hatte ihr alle Muttergefühle versagt. Das Kind war ihr gleichgültig, häufig sogar eine Last, die sie widerwillig abschüttelte. Eine schier unersättliche Lebensgier jagte diese Frau von Genuß zu Genuß, von Triumph zu Triumph.

Anfangs wußte sie ihren Mann, der noch immer im Dann ihrer berückeirden Persönlichkeit lag, mit sich in diesen Taumel hineinzureißen, als er aber, schließlich ernüchtert, sie warnend zur Umkehr be­schwor ihr Ruin drohte, wenn das so weiter­ging verlachte sie ihn leichtfertig. Als er aber endlich entschlo sen Einhalt gebot, lief sie von ihm.

Der Skandal kostete dem Major seine militari» sche Stellung er mußte quittieren, aber mehr als das, es brach ihm fast das Herz. Denn er hatte die Unwürdige aufrichtig geliebt mit der ganzen Kraft- einer verspäteten Leidenschaft. Daß er schließlich noch einmal das alles überwand, machte die Vaterpflicht, die Liebe zu dem Kinde, das nun bloß ihn noch hatte.

Diesem Kinde galt fortab sein Leb n, das er als ein verbitterter 2Kann, ohne Tätigten und Um­gang, still für sich führte. Als einziges Wesen in seinem Lebenskreise, dem er gelegentlich außer Ur­sula noch ein Intereise schenkte, war nur noch die Witwe seines Druders da, Ta.cke 2Earie, die seit einigen Iahren ganz zu ihm ins Haus gezogen war, um der Heranwachsenden Tochter zur Seite zu stehen.

Der Major hatte den erzieherischen Einfluß einer echt häuslichen und weiblichen Frau um so notwendiger für die Entwicklungsjahre Ursulas gehalten, als er mit einer gewissen Sorge bemerkt hatte, daß in dieser zwei grundverschiedene Raturen um die Oberhand rangen. Sein Kind vereinte mit dem Pflichtgefühl und Emst des eigenen Wesens einen Hang nach heiterer, forg» lo,er Lebensfreude, der zwar nur gelegentlich durchbrach, barm aber ein verhängnisvolles Erbteil ber Mutter sich leicht bis zum Selbst­vergessen steigern konnte.

Als Uri ula mit zunehmender Reife diese Zwie­spältigkeit ihres Weseirs selbst erkannte, kam eine Zeit schwerer Kämpfe über fie. Don ihrem Vater in das Unglück ihres Ha-ses eingewe.ht, versuchte sie mit aller Energie die gefährliche Wurzel jenes LeichtsirmS tote sie es selbst normte sich auS

der Seele zu reißen. Sie wollte nicht den Weg ihrer Mutter gehen!

Es tarnen Stunden, wo es ihr im Herzen rief: WaS quälst du dich! Ist es denn Sünde, wonach dich verlangt? Waö willst du denn anderes als ein bißchen Sonnenschein nach dem trüben Grau, das deine Tage von Iuqend an einspinnt?" In solchen Stunden hätte sie entsetzt vor sich selbst fliehen mögen, denn sie ahnte, daß das da drinnen bei ihr stärker war als ihr Wille.

All diese Kämpfe aber hatte Ursula stets mit sich allein abgemacht. Eine begreifliche Scheu hielt sie davon ab, zum Vater davon zu sprechen. Sie wollte ihn, der so viel Leids erfahren, nicht noch mit Qtefüixbhingen ängstigen, die ihr selbst in anderer Stimmung übertrrbe., vielleicht grundlos vorkamen. Und mit der Tante, wie gut sie auch mit dieser stand, verband sie doch nicht ein so innerstes Dand, daß sie diese als Helferin in ihren Herzensnöten hätte anrufen mögen.

Für gewöhnlich, wenn das Leben im Drenckschen Hause seinen stillen, einförmigen Gang ging, war Ursula auch keinen Anfechtungen ausgesetzt. Rur wenn sie dann uni) wann einmal aus ihrem engen, freudlosen Lebenskreiß heraustrat etwa bei der Geburtstagsfeier einer Schulkameradin, wenn sie dann in eine ganz andere Welt hineinbltekte voller Licht und Glanz, dann kam es über sie. Am schlimmsten damals vor drei Iabren, als sie als Siebzehnjährige den ersten Ball mitgemacht hatte im Hause einer begüterten Freundin.

Das war für sie e n Traum, ein Rausch gewesen diese Atmofphäre lay.iiveii Frohsinns! Ver­sunken war da für lange Stunden die Enge und Trübe ihres Vaterhaufes.

Aber dann das Erwachen aus diesem Rausch, als sie am anderen 2Norgen daheim der nüchterne Alltag angähnte I Das war eine Krise für Ursula gewesen, und in ihrer jungen Seele hatte sich ein Entschluß durchgcrungen: Sie wollte nie wieder auf einen Ball, überhaupt nicht mehr in Gesell­schaft gehen!

Ursula hatte ihren Vor'ah wirllich ausgeführt, erst zur innersten Genugtuung ihres "Vaters. Recht so! dachte er. "Besser, sie lernt all den Lug und Trug der "Welt erst gar nicht kennen. Allmählich aber, von Tante Marie genährt, waren dem Major doch Bedenken gekommen, ob es richtig fei, ein junges Menschenkind so ganz in freudloser Zurückgezogenheit aufwachsen zu lasten.Das tut nicht gut!" warnte die Schwägerin.Unterdrückte Iugend rächt sich später einmal!

Der Major begann nachzudenken und gab ihr schließlich recht. Run wurde beschlossen, daß man um Ursulas willen aus der jahrzehntelangen 21b» geschiedenheit des Hauses heraustreten und einen angemessenen gesellschaftlichen Verkehr pflegen wollte.

(Fortsetzung folgt.)