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Helden und Heldenverehrung.
Charlie Chaplin ist auf seinem Curopalrip । auch nach Berlin gekommen: etwas früher, als । in seinem Programm eigentlich vorgesehen war. Aber er scheint sich über seine Landsleute in London irgendwie geärgert zu haben und hat deshalb die Flucht auf den Kontinent angetreten, 1 um Land und Leute in Deutschland zu studieren, noch bevor der geschäftliche Teil seines Aufenthalts, die Premiere seines neuesten Films, beginnt. Wir kennen ihn alle aus seinen Filmen, wir haben oft gern und herzlich über ihn gelacht, | über diesen Ritter von der traurigen Gestalt, der die brutale Komil mit einem Schuf; tiefster Tragik vermenschlicht. Er ist gewiß auch mehr als ein Clown oder Spaßmacher, er ist ein großer Künstler und erfreut sich mit Recht in den Kinotheatern international einer großen Beliebtheit.
Aber ist das ein Grund, ihn nun zu feiern, als ob er der Geistesheros des zwanzigsten Jahrhunderts wäre. Gerade Deutschland hat selbst einen Lieberfluß an glänzenden Schauspielern, die in ihrer Qualität — matt braucht ja nur Pallenbcrg zu nennen — Chaplin schon die Waage halten können. Aber deswegen wird niemand daran denken, bei ihnen derartige Irrsinnansähe übersteigerter Sensationsgier aufzuführen, wie wir das jetzt bei Chaplin erleben. Wir sind wieder aus dem besten Wege, in einen neuen Rummel hineinzugeraten, in dem wir uns doch eigentlich vor uns selbst lächerlich vorkommen sollten. Wer denkt nicht noch mit etwas peinlichem Befremden an den Triumphzug, den die Deutschamerikanerin, Fräulein Gertrud Eder le — genannt die Kanaltrude - durch Deutschland ausführen konnte, als sic den Kanal durchschwommen hatte: wer denkt nicht noch an die Szenen, die sich bei der Ankunft des „Weltmeisters" S ch m e l i n g auf deutschem Boden abspielten.
Wir mißgönnen es gewiß Herrn Chaplin nicht, wenn er bei uns herzlich ausgenommen wird, aber wir empfinden es als eine Geschmacklos ig- leit, wenn nun tagtäglich besondere Bulletins über ihn ausgegeben werden und jeder Schritt, den er geht, sich im Rampenlicht vollster Oeffent- lichkeit vollzieht. Die Zeitungen sollten zuviel auf Ernst halten, um Rotiz davon zu nehmen, daß Herr Chaplin keinen Auftrag gegeben hat, ihn morgens zu wecken und daß es infolgedessen zweifelhaft sei, ob er schon um neun Uhr morgens an einer bestimmten Veranstaltung teilnehmen könne. Das ist eine Würdelosigkeit, die über den Rahmen des Erlaubten hinausgeht. Gott schütze uns vor einem Amerikanismus, der sich an Aeuherlichkeiten und nur an solche Ob'ekte klammert. Es hat eine Zeit gegeben, wo wir uns stolz das Volk der Dichter und Denker nannten. Wir haben auch heute noch Gelehrte und Erfinder unter uns, um die uns die ganze Welt beneidet, und es wäre immerhin verständlich gewesen, wenn Filchner z. B. bei der Rückkehr von seiner Asiencxpedition einen begeisterten Empfang gefunden hätte. Damals aber kümmerte sich niemand um ihn. Das soll nicht unbedingt ein Borwurf sein, aber wenn wir schon zu skeptisch sind, um uns in Heldenverehrung zu üben, dann wollen wir doch auch gewöhnlichen Sterblichen gegenüber die nötige Distanz wahren und uns nicht künstlich in Ekstasen hineinsteigern, die schon hart an Unkultur herankommen.
nationalsozialistischen Abgeordneten Dr. Goebbels ein Antrag auf Erlaß eines B o r f ü h - rungsbefehlö und ein Antrag auf Zulassung der Haft vor. Der Geschästsord- nungsausschuh beschloß, zunächst nurdenVor- führungsbefehl zu genehmigen. Es soll abgetoartet werden, ob Dr. Goebbels ihm Folge leistet. Erst wenn dieser Schritt erfolglos bleibt, will der Ausschuß dem Plenum die Genehmigung
Berlin, 13. März. (WTB.) Die Deutsch- Französische Gesellschaft setzte gestern abend die Reihe der Vorträge, mit denen sie eine deutschfranzösische Aussprache durchzuführen beabsichtigt, mit einer Gegenüberstellung der Pariser Rechtsanwältin Madeleiu Misard und F auHennyPortenim Hotel Esp anabe fort.
Aus aller Welt.
Die neuen Grohrundfunksender.
Arbeiten zur Verstärkung
Der Reichsrat erhebt Einspruch.
die Aufhebung des Brotgesehes und gegen das Gefrierfleischkontingent.
Berlin, 13. März. (DDZ.) Der Reichs r a t rhob Einspruch gegen die vom Re chstag be- chlossene Novelle zum Brotgesetz und ;egcn das vom Reichstag angenommene sozial- emokratische Initiativgeseh, das weder ein ollfreies Gefrierfleischkontinent inführcn wollte.
Den Einspruch gegen das Gefrierfleischkontm- ient begründete der thüringische Gesandte Dr. Renzel. Der sächsische Gesandte Dr. Grad- lauer schloß sich diesem Einspruch an, ebenso «er Vertreter von Lippe. Dagegen erklärten ich Staatssekretär Dr W e i s m an n für Preu- >en. sowie ferner die Vertreter von Hamburg, Recklenburg-Strelitz und Lübeck, während der Vertreter Hessens sich der Stimme n t h i e l t.
Reichsernährung ^Minister Schiele führte dazu ms, die Reichsregierung habe bereits im Sep- ember dem zuständ gen Reichstagsausschuh eine Vorlage unterbreitet, in der Mittel angefordert ourden sür die Abgabevonver billigtem Frischfleisch an die minberbemüteltc Brvöl- erung. Er werde diesen Antrag mit aller Energie
Deutschlandsenders auf 75 Kilowatt und die Erprobung der neuen Großleistungs- röhren, die int übrigen für alle neuen Großsender vorgesehen sind, sind soweit fortgeschritten, daß mit der Inbetriebnahme des verstärkten Senders im April zu rechnen ist. Die Verstärkung des Langenberger Senders geht in der Weise vor sich, daß ein neuer 75-Kilowatt-Sender aufgestellt wird, um einen glatten ilebergang auf die höhere Leistung sicher- zustellen. Mit der Fertigstellung der neuen -Anlage ist im Herbst dieses Iahres zu rechnen. Den nächsten Abschnitt im Großsenderbau bildet die Erstellung der Sender Breslau, Leipzig und Frankfurt a. M. Der Breslauer Großsender, der an die Stelle des jetzigen Breslauer Senders tritt und seine COktte 923 kHz (325 Meter) übernimmt, wird 15 Kilometer südlich von Breslau bei dem Dorfe Rotsürben errichtet. Für Leipzig wer en d.e Messungen zur Auswahl des Platzes in der Rähe von Leipzig in den nächsten Tagen abgeschlossen fein. Der Leipziger Sender erhält die bisherige Welle des Frankfurter Senoers 717 kHz (389,6 Meter). Infolgedessen wird die Frankfurter Anlage, für die ein Sender von 25 Kilowatt auf der bisherigen Leipziger Welle 1157 kHz (259,3 Meter) vorgesehen ist, im Anschluß an die Leipziger Messungen ausgekundet und gleichzeitig in Angriff genommen. Mit der Fertigstellung der drei genannten Anlagen ist in zehn b i s elf Monaten zu rechnen.
Schwere Bluttat in einer Irrenanstalt.
In der Irrenanstalt in Schleswig hat sich Freitagabend eine schreckliche Bluttat ereignet. Die zehnjährige Tochter des An -- staltsarztes, Sanitätsrat Dr. Repke w i tz , wurde von einem 32jährigen, aus Flens- birg stammenden Anstaltsinsassen namens Richter auf bestialische Weise ermordet. Der Mörder, der mit häuslichen Arbeiten bei Sanitätsrat Repkewitz beschäftigt war, hat das Kind in den Garten gelockt und dort das Vev- brechen begangen. Rach der Tat flüchtete der Mörder. Er konnte bisher noch nicht ergriffen werden.
Henny poden spricht in der Deutsch-französischen Gesellschaft
Verschrfung der Krisis in Thüringen.
Weimar, 13. März. (Sil) Die thüringische ■ Koalitionskrisis nimmt ernsten Charakter an. Die
Kunst und Wissenschaft.
weihe des Schinkel-wuseums in Berlin.
Karl Friedrich Schinkel zu Ehren wurde an seinem 150. Geburtstage ein Museum geweiht, das dauerndes Zeugnis geben soll vom Genie und Fleiß dieses größten der preußischen Baumeister. Was bis jetzt von den von ihm hinterlassenen Schätzen unzulänglich verpackt, niemand recht zugänglich, bewahrt wurde, hat zusammen mit den Beuthschen Sammlungen im ehemaligen P r i n z c s f i n ne n p a l a i s Unter den Linden, das Heinrich Genh erbaut hat. eine würdige Stätte gefunden im lebendigen Umkreis der schönsten Bauten des Toten: der gegenüberliegenden Reuen Wache, der Kirche auf den nat^n Wcrderschen Markt und dem Schauspielhaus am Gendarmenmarkt. Bei der Feier der Eröffnung erzählte der Direktor der Rationalgalerie, Geh. Rat Iusti, von der Geschichte der Schinkel-Beuthschen Sammlungen, die nach einer abenteuerlichen Wanderung und allzulanger Zeit der Unzulänglichkeit nunmehr durch Gemälde Schinkels aus der Rationalgalerie vermehrt, an günstigster Stelle ein würdiges Heim gefunden hätten, das sich als ein lebendes Denkmal des Meisters erweisen werde. Ein Gang durch das neue Museum, dessen Erdgeschoß seinem Freunde Deuth zugeeignet ist, zeigt^daß es kaum einen Bezirk gibt, in dem Schinkel nicht Meister war. Der Kreis, den sein Wirken erfüllte, werd demonstriert durch die großartige Mannigfaltigkeit der ausgestellten Entwürfe und Bilder, die sich zusammensügen zu einem Denkmal des preußischen Klassizismus, also würdigster Ehrung ihres Schöpsers.
Die neuen Münzen des Vatikans.
Mit dem neuen vatikanischen Münzgeseh werden Münzen folgender Werte in Umlauf gesetzt: Goldmünzen zu 100 Lire, Silbermünzen zu 10 u d 5 Lire, Rickelmünzen zu 2 und 1 Lire und 50 und 20 Centesimi, Kupfermünzen zu 10 und 5 Gen* tefimi. Alle Münzen tragen die Ausschrift „Stadt des Vatikans" und das Emissionsdatum. Die Goldmünzen zeigen auf der Vorderseite die Büste des Pap st es mit Chvrrock und Kappe, die Silbermünzen die Büste des Papstes mit dem Bischofsmantel mit der Stola und der kleinen Kappe: die Rickelmünzen trage i das päpstliche Wappen. Auf der Rückseite z i- gen die Goldmünzen das Bildnis von Christus als König, die Silbermünzen zu 10 Lire das Bild der auf dem Throne sitzenden Mutte« Gottes, die zu 5 Lire die Figur des Heillgen P e t r u s. der in einer Barke sitzt di - rechte Ha d erhebt und mit der Linken das Steuer hält. Die Rickelmünzen zu 2 Lire tragen das Bildnis des guten Hirten mit dem Schaf auf der Schulter.
Große Goethe-Reichsfeicr 1932 in Weimar.
Aus Anlaß der 100. Wiederkehr des Todestages Goethe wird in der Woche des 22. März 1932 in Weimar eine grohangelegte Reichsfeier stattfinden, an der das Deutsche Reich und Preußen neben Thüringen, Weimar und der Goethe* gesellschaft beteiligt sein werden. Die Bühne des - Deutschen Rationaltheaters wird festliche Gastspiele des Wiener Burgtheaters und der Staatstheater in Berlin (Schauspielhaus), Dresden, München und S t u 11- gart sehen, wobei „Iphigenie", „Tasso", „Eg- mont“, „Götz von Berlichingen" und „Clavigo" zur Ausführung kommen Das Weimarer. Theater selbst wird den Ablauf der Reichsfeier mit Goethes Faust I. und Il.Teil mit Gästen in den
Der Einspruch des Reichsrates gegen die beiden Gesetze kann nur beseitigt werden, toe’jn der Reichs ag se ne i Deschlu; mit Zweidrit e I» mehrh».il wied.rpolt. d efe bür t< ab;, kaum Zustandekommen.
Der Reichsrat b'riet ferner das Gesetz über Zolländerungen. Die Regieru g Vorlage verläng.rt die Er,..ächtigurg der Reichsregierung zur anderweitigen Festsetzung der Zollsätze für Roggen. Gerste, Hafer und Erbsen bis zum 31. März 1932, sie dehnt diese Ermächtigung auf andere Waren aus und füg die Ermächtigung zur Kündigung laufender Handelsverträge hinzu. Ferner wird auch die Ermächtigung zur anderweitigen Regelung der Einfuhr- scheine auf ein Iahr verlängert und ihre Ausdehnung auf Holz hinzugefügt. Auf Vorschlag seiner Ausschüsse beschloß der Reich'rat, die Reichsregierung zu verpflichten, daß Verordnungen über Zolländerungen oder Aufhebung von Wirtsch.^llsabkommen dem Reich tag und d'm Reichsra vorzulegen und auf überein ft im» mendeS Verlangen beider aufzuheben sind Bei Stimmenthaltung Hamburgs wurde die Vorlage mit Mehrheit angenommen.
Madame Misard gab eine ausführliche Definition der Französin von heute, wobei sie sich gegen die Behandlung ihrer Landsmännin unter einem Sammelbegriff verwahrte Sie gab Be.spiele dafür, daß die im Auslande als moderne Frau angesehene Französin im öffentlichen Leben und im Berufe Tüchtiges leiste und sich in einem Maße durchgeseht habe, wie es in einem Lande ohne Frauenstimmrecht kaum zu erwarten war. In scherzhaft-geistreicher Form stellte sie den verschiedenen Berufszweigen und ihren Repräsentantinnen die Gesellschaftsdame gegenüber, die als Dame einer nicht fest umschriebenen Verpflichtung gewöhnlich die Meist- befchäftigte fei.
Henny Porten, die bei dieser Gelegenheit zum erstenmal das Rednerpult betrat, versuchte den Unterschied zwischen der berufstätigen Französin und der Deutschen herauszuarbeiten. Aber anstatt einer Antithese entwickelte sich im Munde der sympathischen Vortragenden eher e i n Bild mit weitgehend übereinstimmenden Zügen. Am meisten überraschte Frau Porten wohl ihre Zuhörer durch eine große Anzahl plastischer Schilderungen üb?r die Arbeit der Frau im Berufe und schließlich gab sie e i n B i l d ihrer eigenen beruflichen Tätigkeit. Ihre Ausführungen gipfelten in einem Appell an die Verständigungsbereitschaft der beiden Völker und die Mitwirkung der Frau an diesem Werk. Starker Beifall dankte den reizvollen Repräsentantinnen der beiden Rationen zum Schluß. Ein gesellschaftliches Beisammensein, an dem viele Persönlichkeiten des Berliner öffentlichen Lebens teilnahmen, schloß sich der gelungenen Veranstaltung an.
Italiens Kolonialwünsche.
Kritik an der englischen Mandatspolitik.
N o in, 13. März. (WTV.) In dcr italienischen Kammer stand das Mandatsproblem im Vordergrund. B a r a g i o l a , der vor einem halben Jahre von einer zweijährigen wirtschaftlichen Studienreise durch Zentralasrika zurückgekehrt ist, erklärte, der italienische Handel in Afrika sei geringer als der Güterabsatz Deutschlands, das in voller Erkenntnis des Kolonialproblems nach dem Verlust seiner afrikanischen Kolonien mit verdoppeltem Eifer an die wirtschaftliche Durchdringung des schwarzen Kontinents herangehe. Vasile und de David kritisierten die Politik der Mandatarstaaten, die nidjt immer in vollem
Einklang mit dem Mandatsbegriff und den Mandatsbestimmungen stehe. Vasile stellte fest, daß Deutschland und Italien die einzigen Großmächte seien, die nicht über die politisch und wirtschaftlich für sie notwendigen Kolonial- gebiete verfügen, de David ging besonders auf d i e englischen Pläne in O.stafrika und im Irak ein, die eine so offene Verletzung der Mandatsbestimmungen darstellten, daß man sie eigentlich mit dem Widerruf des Mandats beantworten müßte. Angesichts der riesigen französischen und englischen Besitzungen in Afrika könne Italien nicht vergessen, daß seine Bedürfnisse völlig übergangen worden seien.
Owolkenlos, oneittr. <>nai6 DtdecKi, ® .voikiq • DfutcKt
* Schnee a Orjupetn - «eoei K 0ewiiier.(§)windstiile.«O. sehr «icnier Osi nassiae» Südsüdwest sturmiscnei nordwesl Oie »feile fliegen mit dem Winde Pie oeiden Stationen stauenden Zart» •en gehen die Temperatur an. Pie Linien verbinden Orte mit gleiches} auf Meeresniveau umgereehneier Luftdruck
Wettervoraussage.
Die Luftbruckverteilung hat sich seit gestern wenig verändert. Von den britischen Inseln erstreckt sich über die Rordsee nach Skandinavien und Finland hin eine Tiefdruckrinne, welche jedoch keine nennenswerte Beeinflussung der Wetterlage hervorruft. In Mittel- und Südbeutsch- land traten unvermindert weiter Strahlungsfröste auf, die die Temperaturen bis 11 Grad unter Rull brachten. Die Wetterlage sieht vorerst noch keiner Umgestaltung auf V.rschlechlerung entgegen. Der Rachtfrost dauert fort, jedoch ist durch stellenweise Dunst- und Wolkenbildung eine 21b- schwächm.g möglich Tagsüber herpich! Tauwetter.
AussichtenfürSonntag: Nachtfrost, tagsüber Temperaturen über Null, bewölkt mit Aufheiterung, trocken.
Aussichten für Montag: Milderung, sonst im allgemeinen Fortdauer der herrschenden Wetterlage.
Lufttemperaturen am 13. März: mittags 2,4 Grad Celsius, abends —3,2 Grad; am 14. März: morgens — 7,4 Grad. Maximum 3,7 Grad, Minimum — 8,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 13. März: abends —0,4 Grad-, am 14. MärZ: morgens — 1 Grad Celsius. — Sonnenscheindaue^ 4H Stunden.
Fraktion der De u t s ch en V o l k s p a r t e i stellt in einer Erklärung fest, daß die Rational- sozialisten auf ihre Frage, wie sie die Hin- t dernisse einer interfraktionellen Zusammenarbeit . zu beseitigen gedächten, Vorschläge nicht jpg emacht, sondern im Gegenteil erklärt hätten, daß sie gar nicht daran dächten, ihre ge- r gen die Volkspartei gerichteten Presseauslassungen zurückzunehmen. Damit hätten die Rationalsozialisten die Koalition gebrochen und sich außerhalb der Koalitionsgemeinschaft gestellt. Rach allem Vorgefallenen sei die Deutsche Volkspartei, so wirb ausdrücklich festgestellt, von einer koalitionsmähigen Bindung an die Äationalso- zialisten nunmehr frei, sie halte sich demgemäß an koalitionsmäßige Abreden mit ihnen nicht mehr gebunden. Mit den anderen bisherigen Regierungsparteien werde die Volkspartei weiter in Fühlung darüber bleiben, ob und wie die Schwierigkeiten, unter denen Thüringen gerade jetzt stärker als je ;u leiben habe, in den nächsten Wochen überwunden werden können.
Demgegenüber wird die Deutsche Volkspartei in der Zeitung „Der Rationalist" für die Krise verantwortlich gemacht. Die Rationalsozialisten, so heißt es darin u. a., ließen sich unter keinen Umständen das Recht einer Kritik an der Reichspolitik der Dolkspartei nehmen und auch nicht die Ton-art dieser Kritik vorschreiben.
Attentat aus einen Hamburger Polizeirat.
Hamburg, 13.März. (TU.) Die Staatliche Pressestelle teilt mit: Als der Polizeioberwachtmeister Friedrich Pohl heute mittag von den Regierungsrat Lassally in einer Dienststrafsache wegen nationalsozialistischer Betätigung vernommen wurde, zog er feinen Dienstrevolver und gab auf Regierungsrat Lassalll einen Schuh ab, der diesen schwer v e r - letzte. Pohl wurde festgenommen. Pohl fol sich in letzter Zeit stark in der national- fozialistischen Bewegung betätig haben. Da eine olch politische Betätigung der Beamten der Hanwurger Polizei v e r b o t e i ist, war ein Ermittlungsverfahren gegei Pohl eingeleitet worden, der am Freitag burd Regierungsrat Lassally vernommen werde, sollte. Pohl war dazu im Dienstanzua erschienen Die Vernehmung hat sich anscheinend zunächs in ruhigen Bahnen bewegt. Erst zum Schlus zog Pohl plötzlich seine Dienstwaff und gab den Schuß auf Lassally ab. Beamt' aus den Rebenzimmern eilten sofort zur Hilf und überwältigten Pohl. Regierungsrat Lassalll befindet sich außer Lebensgefahr. Bei dem Täte handelt es sich um den 28 Jahre alten Polizei oberwachtmeister Pohl, Sohn eines Arztes au der Lüneburger Heide, der nach Bestehen seine Einjährigenprüfung in Polizeidienste getreten wai Aus dem GeschäftSorduungsausschu^
Berlin, 13. März? (DDZ.) Im Geschäfts ordnungsausschnh des Reichstags lag gegen de.
eines Haftbefehls empfehlen. — Dagegen empfahl der Ausschuß die Genehmigung eines Antrags auf Vollstreckung einer Gefängnisstrafe gegen den nationalsozialistischen Abg. Münch meyer mit der Begründung, daß Münchmeyer an den Arbeiten des Reichstags doch nicht teilnehme. Die Richlvollstreckung von Freiheitsstrafen solle nur dem Zweck dienen, den Abgeordneten die Ausübung ihres Mandats zu ermöglichen.
Die Abrüstungskonferenz.
Bleibt die deutsch - italienische Zusammen- ar eit erhalten?
Rom, 13. März (TU.) Der deutsche Botschafter in Rom, Dr. von Schubert, ist nach Berlin abgereist. Er wird Dienstag früh in Rom wieder zurückerwartet. Es liegt auf der Hand, daß die Reise des Botschafters mit Fragen der Vorbereitung der Abrüstungskonferenz zusammenhängt, der nach dem römischen Flottenpakt noch erhöhte Bedeutung zukommt. Schubert dürfte in Rom erneut die Versicherung erhalten haben, daß der Flottenpakt in der Haltung Italiens bezüglich der übrigen Abrüstungsfragen, insbesondere der Frage der Landabrüstung keineAenderung zur Folge haben werde. Dagegen läßt sich natürlich nicht übersehen, ob nicht gewisse französisch-englische Bindungen in irgendeiner Form vorliegen, die sich vor allem auch auf die Person des tschechollowakischen Außenministers B e n e s ch als Kandidat für den Vorsitz der Abrüstungskonferenz erstrecken dürften. Gerade dieser Personenfrage, die auf den Einspruch Deutschlands uird Italiens hin im Rate vorläufig vertagt worden ist, kommt für den von Frankreich gewünschten Charakter und Verlauf programmatische Bedeutung zu.


