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Nr. 38 Zweites Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhesfen)Samstag, U. $ebruar I93(
Konstruktive Außenpolitik.
Ltußenpoutische Umschau
Von Dr. Otto Hoehsch, o. ö proi. der Geschichte an der Universität Berlin.
Wiederum ist die Befestigung des Kabinetts Brüning, insonderheit die Der- stär.ung der Autorität des Reichskanzlers selbst eme Tatsache der Außenpolitik. Man glaubt im Ausland daher immer mehr, daß Deutschland die jetzige Krise trotz ihrer Dauer und Stärke überwinden werde. Desgleichen stellt man fest, daß sich die Stellung des Außen» ministers durch den Verlauf der Genfer Ratstagung verstärkt habe. Wie weit oder wie wenig diese Tagung den deutschen Erwartungen entsprochen hat, das haben wir ja bereits ausgesprochen: jedenfalls ist sie nicht mit einer großen Krise ausgegangen. Natürlich ist nicht zu überschätzen, daß sich jetzt die französischen Banken an der Aufbringung eines Zwischenkredits für die deutsche Regierung beteiligen, wobei es der ganzen französischen Behandlung dieser Dinge entspricht, daß, Finanz und Regierung zusammenarbeiten, die Banken nicht ohne die Zustimmung derRegie- r u n g vorgehen. So etwas Ungeheures ist dieser Kredit auch nicht: 700 Millionen Franken, die zudeiy durch die Verpfändung der Cisenbahn- vorzugsaktien gedeckt sind. Damit ist weder gesagt, daß wir nun vor der fortgesetzten Bedrohung sicher wären, daß bei der steigenden Krise die französischen Banken ihre kurzfristigen Kredite aus Deutschland zurückziehen, noch gar, daß nun der französische Goldüberfluh sich zu langfristiger Anleihe nach Deutschland wende.
Aehnlicher Art ist der Vorschlag, den in der „L'Europe Rouvelle" der französische Publizist Gras Wladimir d'O r m e s s o n gemacht hat. Er schlägt vor die Anbahnung einer französischdeutschen Verständigung auf der Grundlage, daß Frankreich auf zwei 3ahre a.us 50 Prozent seines Anteils aus dem nicht gebundenen Teil des Boungplans verzichtet, wenn Nordamerika für die gleiche Zeit seine Forderungen an die europäischen Sieger auch um 50 Prozent herabsetzt. Diese Idee soll Amerika dadurch schmackhaft gemacht werden, daß Deutschland und Frankreich jedes auf ein Zwölftel der Ausgaben seines Heeresbudgets verzichte. Das würde für Deutschland eine Reduzierung um 58 Millionen Mark, für Frankreich um rund eine Milliarde Franken bedeuten, während Deutschland am Voungplan für die Zeit vom 1. April 1931 bis 31. März 1933 je 850 Millionen Goldmark an feiner Tributlast spart. Deutschland und Frankreich würden dann, um für die Abrüstungskonferenz gemeinsam vorbereitet zu sein, einen Vertrag schließen, wie er letztes Jahr auf der Flottenkonferenz zustande gekommen sei, also ein Maximum ihrer Rüstungen fest setzen.
Was gegen diesen Plan spricht, liegt auf der. Hand. Die Zumutung an Deutschland, genau den gleichen Satz am Heeresbudget zu streichen wie Frankreich, ist die Festsetzung der Ungleichheit für Deutschland. Das kann man den Deutschen doch nicht einleuchtend machen, daß die Riesensumme des franzölischen Heeresbudgets nur vermindert werden könne, wenn der gleiche Prozentsatz am deutschen Heeresbudget abgezogen würde, das auf völlig anderen und vor allem völlig ungleichen Voraussetzungen und Bedingungen namentlich des Zwanges beruht, als das französische. So ist der Plan nicht ausführbar.
Aus der Luft gegriffen hat ihn der Autor nicht. Es steht fest, daß er aus einer ganzen Reihe von Fühlungnahmen hervorgegangen ist, daß ihn Briand wohl auch kennt, und er ist der Versuch, etwas weiterzukommen. Denn damit kommt man nicht vorwärts, daß einfach die Unmöglichkeit einer Verständigung schlechthin sest- gestellt wird und nun alles auf diese Unmöglichkeit starrt. Gesprochen muß über solche Dinge werden. Der Versuch, im Verhältnis der beiden Länder konstruktive Politik zu treiben, muß gemacht werden. Wie gesagt, dieser Vorschlag ist so nicht zu verwirklichen, aber er
Gießener Gtadttvearer.
Franz Arnold: „Tas öffentliche Aergernis".
Das 25. Iubiläumsmufenkind der Firma Franz Arnold (diesmal ohne Bach) — Schwänke am laufenden Band — heißt „Das öffentliche Aergcr- nis" und hat dank einer Paraderolle, welche dem Komiker Guido Thielicher wie angegossen auf den stattlichen Leib geschrieben sein soll, in Berlin bereits eine erstaunliche Aufführungsserie erlebt. Von hier aus gesehen, kann von Theaterkrise keine Rede sein.
Bei uns erscheint dieser Allabendliche zu Fastnacht. Er ist nach probaten Rezepten montiert und unterscheidet sich von seinen älteren Geschwistern — als da sind „Die spanische Fliege", „Die schwebeirde Jungfrau", „Die bessere Hälfte", „Der keu che Lebemann", „Der kühne Schwimmer", „Der wahre Jakob". „Hurra — ein Junge!", um nur einige herauszugreifen — wenn man davon absehen will, daß niemand in Unterhosen erscheint oder mit verbundenem Kopf auf dem Schrank sitzt, nur unbeträchtlich.
Das Aergernis ist eine exotische Tänzerin, zu der die Iosefine Daker Modell gestanden bat, und welche bloß mit etlichen Bananen bekleidet in einer großen Revue auf tritt (Keine Angst: auf der Bühne ist sie etwas reichlicher ausge- ftattet.) Aber auch so noch ist sie der Clou des Llbends.
3m übrigen hat der Autor an alles gedacht, was feit altersher gut und billig ist auf dem Theater, wie zum Verspiel die v:r.auschten Briefe, die adoptierten Kinder, der vertrottelte Graf, die urwüchsige Portiersfrau, die bekannte „feine Familie", die nicht minder bekannten dunklen Punkte in der Vergangenheit vermeintlicher Ehrenmänner und sonst iwch allerlet
Es gibt sogar, unter der Dlütenlese bitterer Kalauer, einige gute Witze: schade, daß sie in der Minderzahl bleiben. Und schade, daß es ohne
lodert vielleicht die Starrheit der öffentlichen Meinung Frankreichs und regt eine Diskussion an. Zu überschätzen sino solche Anregungen nicht, einfach beiseiteschieben soll man sie aber auch nicht: es müssen doch sozusagen Haken da sein, an denen eine Disku'iion angehängt werden kann. Beide Länder hab n kein Interesse daran, daß die bisherige .itarrung auch,nur im Gespräch zwischen ihnen b.eibt.
Dor einer Abrüstungskundgebung der Internationalen Frauenliga hat Henderson schärfer von Englands Verpflichtungen in dieser Frage gesprochen, als es bisher je von einem englischen Minister geschehen ist. Er stellte sest, daß England „gleich jedem Mitglied des Völkerbundes durch Gesetz und Ehre zur Abrüstung verpflichtet fei", daß der Kellogg- pakt den Verzicht auf Gewalt in internationalen Angelegenheiten enthalte und daß dieser Verzicht auch den Verzicht auf die Mittel zum Kriege in sich schließe, und forderte nun die Freunde des Friedens auf, die zwölf Monate bis zum Deginn der Abrüstungskonferenz zu einer Mobilisierung der öf । entliehen Meinung der Welt zu benutzen. Diese Shxnbgcbung zeigt, daß es der englischen Regierung gewiß ernst ist, aber wir sehen noch nicht den Schritt und Weg vom Wort zur T a t durch England.
Der Pole Z a l e s k i hat vor seinem Ausschuß ausführlich über Genf gesprochen, Opposition gefunden, aber schließlich läßt man ihn Weiterarbeiten. Ob Polen bis zum Mai seinen Verpflichtungen. nachkommt, wird man sehen. 3m Mai kommt bann zu der deutsch-polnischen noch die schwierige, besonders auch in England interessierende Angelegenheit der sog. .Pazifizierung Ostgaliziens" hinzu, d. h. der Gewalttaten der Polen gegen die Ukrainer zur Verhandlung. 3m Sejm ist die Erörterung über die Behandlung der Abgeordneten im Gefängnis von Brest-Litowsk erzwungen worden. Die Regierung war stärker, das ist kein Wunder. Aber der Ton der Opposition und ihre Unterstützung durch die besten Kräfte des Landes waren doch auffällig und zeigen, daß die Opposition nicht schlechthin mundtot gemacht ist.
Was wird nun mit der Verfass ung 7 Der neue Verfass ungsentwurf des Regierungsblocks trägt die erwarteten Züge: Wahl des Staacs- präsidenten durch das Volk und Verantwortlichkeit der Regierung vor dem Staatspräsidenten, Einschränkung der Rechte des Parlaments und Aufhebung der 3mmunität der Abgeordneten. Man kann eigentlich nicht sagen, daß, abgesehen vom letzten Punkt, diese Vorschläge revolutionär seien, daß sie nicht als Re- form einer parlamentarischen Verfassung zu diskutieren wären. Aber es kommt darauf an, daß das Vertrauen in Recht und Gesetz, wie das bei der Diktatur, auch bei einer solchen Halbdiktatur, stets der Fall zu sein pflegt, — erschüttert wird, man also durchaus nicht sicher ist, ob eine solche Verfassungsreform wirklich ein Recht schafft, das als unerschütterliche Grundlage der Verwaltung und der Armee angesehen wird.
So ist die innere Lage Polens alles andere als stabil, und das Gleiche gUt von der Wirtschaft und dem Staatsbudget. 3n der Wirtschaft ist weitaus der wichtigste Posten die Kohlenausfuhr, die im letzten 3ahr 12,8 Millionen Tonnen erreicht hat, 1,5 Millionen Tonnen weniger als 1929. Man hat im Norden und den baltischen Ländern den Absatz gehalten, dagegen ist er nach den Nachfolgestaaten Oesterreich-Ungarns außerordentlich zurückgegangen. Man glaubt nun die polnische Kohlenausfuhr dadurch am besten zu fördern, daß ganz überraschend die Kohlenwirtschast Polens durch Verordnung unter staatliche Aussicht geteilt wurde. Das heißt: Dikatur auch in der Kohlenproduk- tion und Kohlenausfuhr, eine gesamtpolnische Kohlenkonvention und ein Kohlensyndikat.
Nahezu gleichzeitig ist der Vertrag mit der polnischen Regierung und einem französischen Konsortium unter Führung der Firma Schneider- Creuzot und der Bank „des Pays du Nord“ über die Anleihe von 1 Milliarde Frank und die 11 Übereignung der Dahn Oberfdjle- sien — Gdingen auf 55 3ahre an jenes Konsortium zustande gekommen. Cs bedarf keines Wortes, welche Bedeutung in jeder Beziehung
ein paar grobe Geschmadlosigkeiten nicht abgeht, die noch dazu überflüssig breitgetreten werden.
Spielleitung: Heinrich Hub: er hatte die Aufführung mit einem anerkennenswerten Tempo gestartet, das leider nicht ganz bis zum dritten Vorhang durchgehalten wurde: der Höhepunkt, wie es sich gehört, war der zweite Akt, wo die Drastik der Situation Triumphe feierte.
Hub selbst war mit der Thielscher-Rolle in großer Fahrt, placierte die Pointen schlagkräftig und, wie es schien, nicht ohne 3mprovisationen eigenen Wachstums: er hatte sich über mangelnde „Lacher" nicht zu beklagen.
Beatrice Doering erschien als 3osefine Daker, bräunlich getönt, in bunter Seide, tausend Worte exotisch sprudelnd: eine hübsche Leistung. — ßintmann, diesmal recht gemäßigt, machte den rassekundigen Professor, der den Anstoß nimmt am Aergernis: Frau Schuvert-3üng' ling als verkalkte Exzellenz: Wes en er und Leutholf, nettes Drautpaar: Agathe Walther-Lederer als Portiersfrau hatte sich erstaunlich aufgepuht, wirkte aber (Regiesehler!) in dieser Umgebung unmöglich: Herr Hauer gab den bedauernswerten Grafen, Frl. 3 a h n die falsche Gräfin. — Don Löffler: moderne 3n- nenöeforation in maigrün und rosenrot.
Großer Deifall nach jedem Akt. Der Gießener Fasching kann beginnen. hth.
Marion schreibt aus St. Moritz.
Von Charlie JRoellingboff.
Mein liebes Schatzichen!
3ch finde es direkt rührend von Dir, daß Du mich hierher, ins Sportparadies, geschickt hast und selbst aufopfernd weiter arbeitest! Wirklich! _3ft die Börse besser geworden, und, wenn ja, läßt Du es Dir auch an nichts fehlen? In diesem Falle kannst Du mir gern noch einen Tausender schicken. Wenn nicht, bann tun es auch zweimal Fünfhundert1
dieser Abschluß hat. durch den die Rüdgratbahn Polens hx 2!ord-Sud-Richtung unter französischen Einfluß kommt. Sie soll in einem Jahre vollständig fertig sein und läuft bann irrt ganzen von ©hingen über Bromberg, Hohcnsalza. Zdunska-Wola. Hcroy-Nowe, Kattow.y, Kra.au, Tarnow, Przemyll, Lenneg. Htanislau nach der polnischen Grenzstation Sniatyn, um in Rumänien über Czernowitz, Galatz nach Konstanza ihre Fortsetzung zu finden. Damit wird nicht nur die oberschlesische Kohle direkt durch Polen, unbeeinflußt durch irgendwelche internationale Regelungen, mit dem Meer verbunden, damit wird auch eine wichtige Verbindung mit Rumänien her gestellt, das der militärische VerbündetePolensist. Aber auch einc'Bcrbinbungmit Frankreich wird dadurch geschahen, die von Cherbourg, Le Havre und Calais durch die Nordsee um das Slagerrak in die Ostsee nach Gdingen läuft und so auch einen Anschluß nach Rumänien findet. Die französische Flotte ist den Flotten aller angrenzenden Länder überlegen, und bei solcher Derbinbungsmöglich.eit bedeutet natürlich auch die an sich kleine politische Kriegsmarine eine Stärkung für die französische. Schließlich ist mit der neuen Bahn auch eine Konkurrenz von unabsehbarem Ausmaß gegen Königsberg und Danzig in die Wege geleitet.
So ist dcr nach langen Verhandlungen im Januar erfolgte Abschluß ein Vorgang von allergrößter Dedeutung. Polen hat selbst ungeheure Opfer gebracht, um die Dahn zu scha fen. Dazu tritt jetzt dieses französische Privatkapital, das dafür die Kontrolle über die Dahn und ihren Dclrieb erhält und somit gerade jetzt in die polnische Wirtschaft geleitet wird. Man kann geradezu sagen, daß damit der Korridor zu einem Teil zur franz 5 sischen Interessensphäre wird. Bei der großen Dedeutung dieser Vorgänge bars man sich mit Recht wundern, baß biefe Entwicklungen, bie nicht von gestern auf heute vom Himmel gefallen sinb, i n Deutschlanb mit so großer Gleich -
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Heisings ors, Februar 1931.
Am 15.Februar wirb Finnland seinen dritten Staatspräsidenten wählen. Das Land, das vor wenigen Wochen den 13. Geburtstag feiner Freiheit feierte, hatte bekanntlich im Oktober 1918 dem Prinzen Friedrich Karl von Hessen die Königskrone angeboten, die dieser nach dem Umsturz in Deutschland ablehnte. Nach der Reichs» verweserschaft von Senator Soinhufvud und später von General Mannerheim wurde der Verwaltungsgerichtspräsident Stahl berg zum ersten Präsidenten der Republik aewählt; ihm folgte der Landeshauptmann Relanoer, dessen sechs» jährige Amtszeit am 1. März abläuft.
Mit Ausnahme von General Mannerheim, der sich anscheinend ganz vom politischen Leben zurückgezogen hat, stehen alle früheren Staatsoberhäupter wieder im Vordergrund des Interesses. S vin - hufvud und Stahlberg sind offiziell a l s Kandidaten aufgestellt worden; der jetzige Präsident Relander ist zwar nur von einer Minderheit der Agrarpartei nominiert worden, gilt aber in vielen Kreisen als der aussichtsreichste Bewerber. Auf der amtlichen Kandidatenliste stehen außerdem der frühere sozialdemokratische Ministerpräsident Tanner und der Landwirt K a 11 i o , der gleichfalls mehrmals Regierungschef gewesen ist.
Das Ergebnis der Urwahlen — in denen die 300 „Elektoren" gewählt wurden, die ihrerseits Mitte Februar den Präsidenten bestimmen — bietet nicht die Möglichkeit, das endgültige Wahlergebnis vorauszusagen. Sicher ist nur, daß der Sozialdemokrat Tanner keinerlei Aussich- t c n besitzt. Die sozialdemokratischen Stimmen werden beim zweiten Umgang aller Wahrscheinlichkeit nach dem liberalen Kandidaten S t a h l b e r g z u f a l l e n , da die Sozialdemokraten um jeden Preis zu verhindern suchen, daß
Du willst hören, was ich für Sport treibe? Du glaubst nicht recht daran? Das finde ich unerhört! Ich gehe ganz und gar auf im herrlichen Sport, mein Junge! Da wäre also zuerst mal das Eisläufen. Ich habe mir dazu ein neues Kleid machen lassen, fliederfarbenen Velours, weiht Du, nicht zu lang, mit Tibetschafbesah an Hals und Aermeln. Detty — sie ist vorgestern angekommen, auch ohne Mann —. Detty findet es abscheulich, ich kann mich demnach aufrichtig darüber freuen, und es ist hübsch 1 3a, also das Eisläufen, Du willst ja nicht glauben, daß ich überhaupt nur noch für Sport Sinn habe. 3ch habe mir Eislaufsttesel machen lassen — zwei Gedichte aus zartestem Wildleder, alpenrötlich mit
Krokodileinsah, da darf nichts Nasses ran. Wenn ich sie ein wenig abgetragen habe, kann ich mir ja im nächsten Jahr vielleicht die Schlittschuhe ranschraubcn lassen. 3ch habe gestern eine Dame in einfachen braunen Straßenschuhen laufen sehen — eine gute Läuferin ist sie auch nicht —, wie findest du das?
Und dann der herrliche Skisport! Der Herr Doktor Knippe — er sagt, er kennt Dich vom Klub her, ach nein, das verwechsle ich jetzt mit dem Baron 3ülphagen, der Dich von der Rennbahn kennt — Doktor Knippe sagt, das Herz geht ihm auf, wenn er mich im Skikostüm sieht, das ich in Zürich gekauft habe. (Da war nämlrch Tanzturnier, und wozu habe ich die vier Abendkleider mitgenommen, nicht?) Deine „angebetete Flamme", dieses gelbhaarige Schauerweib von der Knallerrevue, ist auch hier, steht morgens um sieben Uhr auf und geht mit einem Slilehrer Telephonsprünge machen, oder wie sie das nennen. Cs werden mehr Seitensprünge dabei sein — das ist meine Meinung, wenn Du mich fragst. Und angezogen ist sie — der ganze Sport lacht sich schief.
Auch fürs Rodeln begeistere ich mich aus vollem Herzen. Du solltest sehen, wie sie alle vor Neid platzen, wenn ich, von jungen Leuten aus bester Gesellschaft nur so umschwärmt, beim Fünfuhrtee im Rodelkostüm auf der Terrasse sitze, die an der Rodelbahn liegt! Mein Rodelkostüm ist aber auch wirklich letzter Schick: blahblau, seidiger Flausch und gestickte Mokassins, denke Dir!
gültigfeit angesehen werden. Wir zweifeln nicht, daß die verantwortliche Führung der Außenpolittk in unausgesetzter Wachsamkeit und Sorge diele Vorgänge verfolgt und die gctoal- tigen Schwierigkeiten erkennt, die sich sofort auftürmen, wenn man sich überlegt, was nun Deutschland dagegen tun sollte. Mit einem Satz ober gar mit einer Geste, einem Gefühlsausdruck oder einer Proklamation ist das nicht abgetan. Die Lage erfordert auch hier Voraussetzungen und Gedanken einer konstruktiven Außenpolitik und dazu eine Unterstühun« durch die öffentliche Meinung, biedoch sehr fehlt. Zum Beispiel: von Polen kommt die Geste der Ratifikation der beschlossenen Abkom- men mit Deutschland. Alle wir.schastlichen Bedenken gegen den deutsch-polnischen Handclsvcr- trag wird beute in der so gestiegenen Kris« lelbstverständl.ch jehermann würdigen. Aber eS geht nicht an. daß darauf so ort die Ablehnung in Bausch und Bogen kommt: ja daß die Llblehnung womöglich auch gleich zur Parteiforderung gemacht wird. Dazu sind diese Verhältnisse doch zu verwickelt und zu schwierig. Sie können auch nicht einfach ein Zustand steriler Ablehnung bleiben.
Ans sind wahrhaftig alle Seiten des deutsch- polnischen Verhältnisses und Gegensatzes klar, aber auch die Lebensnotwendigkeiten zu Deutschland dar n. Doch bei dieser Feststellung kann man sich nicht einfach beruhigen. 3edes 3ahr c ner ungehemmten polnischen Nationalitätenpolitik und jede- Jahr solcher Dahir- bauten im Zusammenhang mit entsprechenden staatlichen Maßnahmen richtet sich gegen die 3nangriffnahme der Korridorsrage durch Deutschland. Allo muh dieses sie anfassen und sich den Kopf zerbrechen für eine — um es noch einmal zu sagen — konstruktive Außenpolitik, deren riesenhafte Schwierigkeiten wir am allerwenigsten verkennen, deren Notwendigkeit sich aber gerade angesichts des französisch-polnischen Abschlusses über Gdingen unwiderstehlich aufdrängt!
Soinhufvud ans Staatsruder kommt, der nicht nur von der nationalen Sammlungspartei aufgestellt ist, sondern auch von der Lappobewegung. Die Liberalen und Sozialdemokraten bilden zusammen einen starken Block, dcr beinahe über die Hälfte der Elektoren» stimmen verfügt. Ein solcher Zusammenschluß würde — trotz der Unstimmigkeiten zwischen der nationalen Sammlungspartei und den Agraren — zweifellos zu einer gemeinsamen Front der beiden Rechtsparteien führen. Die Rechts, und Linksgruppe halten sich einigermaßen die Waage; jedenfalls wäre keine von beiden imstande, schon im ersten Wahl» gang die Schlacht zu entscheiden, da niemand die absolute Majorität aufbringen kann. Wie schon oft zuvor, wird auch diesmal d i e schwedische Dolkspartei den Ausschlag geben.
Die schwedische Minderheit, die jetzt etwa 11 v. H. der finnischen Bevölkerung ausmacht, hat im Paria- ment zwischen der Rechten und der Linken ge- schwapkt, zuweilen auch die Sozialdemokratie unterstützt. Nicht aus gleicher politischer Gesinnung, sondern einzig und allein im Interesse ihrer kulturellen Selbständigkeit, die sie durch die Linksparteien am wenigsten bedroht glaubte. Auch in der Lappobewegung sahen die Schweden Finnlands im Anfang eine ernste Bedrohung für ihr Volkstum und ihre Muttersprache. In den letzten Monaten haben jedoch die Erklärungen der Lappoführer, daß ihre Bewegung ausschließlich gegen den Kommunismus gerichtet ist und in keiner Weise den Rechten der schwedischen Bevölkerung zu nahetreten will, zu einer deutlichen Entspannung und sogar Annäherung zwischen Lappo und den Schweden geführt.
Unter den Präsidentschaftskandidaten steht in einer unbedingten Sonderklasse der erste Reichsverweser, Pehr Evind Soinhufvud. Nicht mit Unrecht hat man ihn den Hindenburg Finnlands genannt. Schon äußerlich erinnert der 70jährige,
3eht habe ich aber genug gesportelt, Schatzichen, nun wirst Du mir wohl glauben, daß der Wintersport -mein ein und alles ist. 3ch will heute; früher schlafen gehn, um halbzwei schon, damit ich morgen richtig ausschlafen kann.
Morgen abend spielt nämlich 3ack Hylton mit seiner Jazzkapelle, und die besten Amateurtanzpaare erhalten wertvolle sportliche Preise! Da will Deine Heine Marionette doch auch einen haben, nicht?
3ch küsse Dich mit sportlichem Gruß
Deine süße Heine gute Frau.
Das Spielzeug als Wilddieb-Falle.
Mit einem lustigen Trick haben die Polizisten von La Rochelle einige gefährliche Wilddieb eingefangen. nach denen sie seit langem auf der Suche sind. D.e Wildhüter des in der Nähe von La Rochelle gelegenen Forstes von Denon hatten sich beklagt, daß Wilddiebe in Kraftwagen schwere Schäden unter dem Tieroestand anrichten. Alle Nachforschungen blieben fruchtlos, bis man auf eine kleine List verfiel. Die Hüter der Gerechtigkeit stopften eine Kaninchenhaut mit Stroh auS und setzten das Ding auf kleine Räder, die sie von einem Spielzeug nahmen. Dann befestigten sie diesen „Köder' an einem Strick, setzten das ausgestopfte Kaninchen mitten auf die Straße und txrjargen sich hinter einem Dickicht, wobei sie die Schnur in der Hand behielten. Nach einigem Warten kam ein Kraftwagen mit starken Scheinwerfern daher. Er hielt an, und ein Schuß fiel. Das Spielzeug wurde von den verborgenen Gendarmen zurückgezogen, und sofort sprang ein Wann aus dem Kraftwagen mit noch rauchender Flinte und einem Hund. Er befahl dem Tier, im Dickicht nach dem Kaninchen zu suchen, und folgte selbst dem Hunde, so daß er den wartenden Schutzleuten direkt in die Arme lief. 3m 3nnem des Wagens befanden sich zwei andere Männer, die mit 3agbflinten bewaffnet waren, und noch ein zweiter Jagdhund. Alle drei Männer wurden verhaftet, und man stellte in ihnen die gesuchten Wilddiebe fefL
Finnland vor der Präsidentenwahl.
Von unserem vr. ^.-Berichterstatter.


