Aus der Prvvmzialbouptstod«
©leben, den 14. Februar 1931.
Bom deutschen Volkslieds.
Es ist eine bekannte Tatsache, dah wir Deutschen bei stimmungsvollen Festen, wenn die Freude eigentlich am größten ist. wehmütige Lieder fingen. .Ich weih nicht, was soll es bedeuten", .2m schönsten Wiesengrunde" .Fetzt gong t ans Brün- nele“, daS sind so Lieder, die dann stets auf- tauchew Bei Volksfesten, bei Familienfeiern wird jedermann dieselben Erfahrungen machen Sv war ich auch gar nicht verwundert, als ich vor einiger Feit auf einer Hochzeit, in einem größeren Dorfe dicht bei der Stadt, das uralte, schöne Volkslied „Es waren zwei Königskinder" vernahm. Die älhr zeigte bereit- stark nach Mitternacht, und es war fast rührend, zu sehen und zu hören, nut welcher Andacht dieses Lied mehrmals gesungen wurde. 2hm folgten dann noch zahlreiche andere Volkslieder. ,
Erwähnen muh ich allerdings hier, dah vorher eine ganze Menge sogenannter Schlager, Gassen- lieder, bie jeder Schusterjunge pfeift, gelungen worden waren. Als dann — wie Aagt — die frohe Stimmung den Höhepunkt erreicht hatte, kam zuerst schüchtern, dann aber immer mächtiger unser altes Dolkslied wieder zum Vorschein.
Das Dolkslied selber ist also nicht tot, wie man oft hört SS schlummert nur, und fremde Weisen leichtsinnige Lieder, die uns aus der Groh- staöt cntgegcnflattem, versuchen, eS zu verdrängen ES wird ihnen nicht gelingen.
2n unseren Volksliedern steckt eine urwüchsige, gewaltige Kraft, eine strahlende Schönheit geht von ihnen aus. .Alles, was ein Menschenherz, aber auch alles, was ein Doll bewegt, enthält das Dolkslied... Cs steigt hinab in alle Tiefen des MenschenherzenS und hinauf in alle Höhen des Menschengeistes " (2ulius Sahr.) Weit über 3000 deutsche Volkslieder sind von unermüdlichen Forschern gesammelt worden. Herder, Goethe, Achim von Arnim, "Brentano, Erk und Böhme, ihre ganze Liebe galt dem deutschen Volkslied. Als Goethe seine Sammlung an Herder sandte, schrieb er: „Auf meinem Herzen habe ich diese Lieder getragen.“
Ueberall, wo die deutsche Sprache klingt, ertönen auch deutsche Volkslieder. Sie ziehen mit den Menschen als treue "Begleiter in die fernsten Erdteile. Es ist für unS immer eine Herz- erfrischung, wenn wir Im Sommer den munteren Wandervögeln begegnen. Da ziehen sie hin mit ihren Lauten und Geigen, singen und musizieren. Wenn du hinhorchst, so vernimmt dein Ohr keine Schlager, keine leichte Musik, sondern uralte Volksweisen: Landsknechts- und Soldatenlieder, Minne- und Spinnstubengesänge, zum Teil schwermütige Weisen, aber auch luftige Tanz- und Schelmenlieder.
Hier draußen im sonnendurchfluteten Wald, wenn die Luft vom Gesang der Vögel wider- hallt, wenn Käfer summen und die Schmetterlinge von Blume zu Blume gaukeln, ist ja auch kein Boden für oberflächliche Schlager und Gassenhauer. 2n der reinen unberührten Bahir kann nur das echte Volkslied erklingen. Das fühlen auch die jungen Menschenkinder, wenn sie wandernd die Welt durchstreifen. Es geht ihnen wie dem naturfrohen Menschen, der sich am Frühling erfreut und im Schauen der Herrlichkeit feine Alltagssorgen vergißt, Unb die Freude ist doppelt groß, wenn er dann am schützenden Rain, ganz versteckt, ein kleines Blümchen, das ihn mit feiner Blüte treuherzig anlächelt, findet: daS bescheidene Veilchen.
So steht das Volkslied mitten in unferm Leben, eine köstliche Blume, die sich nicht hervordrängt, aber herzig und taufrisch ist wie ein Veilchen. 2n ihm liegt eine ganze Seele. Vichts Leeres, Abgedroschenes, sondern tiefste, echteste Empfindung schaut dir aus jedem Volkslied entgegen, läßt dich freudig oder mitleidsvoll mitzittern und bewegt dein 2nnerstes.
Cs gab wohl eine Zeit, da fang das ganze Volk diese Lieder. Heute, im Zeitalter der Sachlichkeit, hören wir andere Musik. Auch die Spinn- ftube, diese alte Pflegestätte des Volksgesangs, gehört bald der Vergangenheit an. Diese Entwicklung können wir bedauern, aufhalten sicher nicht. Das lebendige Kleinod aber, das _ uns unsere Vorfahren überliefert haben, das dürfen wir nicht verlieren, das müssen wir erhalten und pflegen, weitergeben an unsere Kinder, damit auch sie noch Freude und Erholung finden bei unfern Volksliedern. Diese Lieder lieb und wert halten, das ist die wichtige Ausgabe, die wir haben. Das ist das rechte Gegengift für die Gassenhauer. Genau so wie wir den Kindern gute Bücher in die Hand drücken, um sie vorn Schund abzuhalten, genau so müssen wir gute Lieder bieten.
Cs ist mit Freuden zu begrüßen, daß auch unsere Gesangvereine die Volkslieder immer mehr pflegen und ihnen den Platz antoeifen, der ihnen gehört. Alle aber, die im Familienkreise mit ihren Kindern fingen, bie sollten nur Volkslieder wählen, auch wenn sie manchmal über das kindliche Verstehen hinausgehen. Schon die anmutige Weise sollte uns so wertvoll fein, dah wir einen etwas merkwürdigen Text gern mit in Kauf nehmen.
Lind wenn an langen Winterabenden ein Märchen erzählt wird, eine Sage aus längst vergessener Zeit heraufrauscht, dann denke man auch an das deutsche Volkslied! Menschen kommen und gehen, diese Lieder aber werden nicht vergehen. Mz-
Straßenreinigung im Winter.
Dom Pvlizeiamt Gießen wird uns geschrieben:
Die mangelnde Reinigung der Bürge r ft e i g e bei Schnee und Ei6 hat in letzter Zeit zu berechtigten Klagen Anlaß gegeben. Wir machen daraus aufmerksam, daß nach der Polizeiverordnung über die Reinigung der Straßen und das Wegfchassen des Mülls in der Stadt Gießen dem Grundstückseigentümer die Pflicht jur Reinigung der Bürgersteige obliegt. Die allgemein verbreitete Ansicht, daß der Grundstückseigentümer oder der Aur Reinigung der Bürgersteige Derpslichtete erst durch einen Polizeibeamten hierzu aufgeforberl werden muh, ist nicht
richtig. Der über Rächt gefallene Schnee ist bis spätestens um 9 Uhr wegzuräumen. 2st wegen andauernd starken Schneefalls die ständige Frei- Haltung nicht möglich, so muh die Abräumung in der Zeit von 9 bis 18 Uhr mindestens alle fünf Stunden einmal erfolgen. Sofern auf den Bürgersteigen Glatteis, eine gefährlich zu begehende Schneedecke, Schnee- ober Eisbuckel fich gebildet haben oder die Bürgersteige fonstwie schwer begehen sind, müssen sie in einer Breite von minbestens einem Bieter mit Sand, Kies, Asche oder anderem geeigneten ©trcumatcrial ausgiebig bestreut werden. Diese Derpflichtung erstreckt sich auf die Zeit von 7 bis 19 Uhr.
Die Pvlizeibeamten sind angewiesen, auf die Einhaltung der Polizeiverordnung strengstens zu achten.
Oeffentliche Handelslehranstalt Gießen
Don der 2nbuftrie- und Handelskammer Gießen wird uns geschrieben: 2mmer mehr bricht fich die Ueberzeugung Bahn, daß durch die Entwicklung des modernen Geschäftslebens eine theoretische "Vorbildung vor dem Eintritt in den kaufmännischen Beruf zur Rotwendigkeit geworden ist. Dieser Ueberzeugung verdankt auch die am 1. April 1924 ins Leben gerufeneOef fentliche Handelslehranstalt, deren Träger die 2ndustrie- und Handelskammer Gießen ist, ihre Entstehung. Die Zahl der Schüler ist von 22 im Fahre 1924 auf 140 Schüler in 1930 gestiegen, die zwei Abteilungen angehören. Die Höhere Han delsklasse nimmt nur Schüler mit Ober- fefunbareifc auf, bereitet sie in einem 2ahr auf ihren praktischen Beruf vor und gibt denjenigen jungen Leuten, welche das Klassenziel mit der Gesamtnote „gut" erreicht haben, die Berechtigung, ohne Ablegung der vorgeschriebenen „Prüfung für praktische Kaufleute" an einer Universität Handelswissenschaften zu studieren. Die zweijährige Handelsschule nimmt 14jährige Schüler auf, einerlei, welcher Schule sie bisher angehört haben. 2n zwei vollen Schuljahren werden die Schüler für ihren praktischen Beruf vorgebildet. 2n den beiden Abteilungen werden folgende Handelsbetriebsfächer gelehrt: Handelslehre mit Korrespondenz, kaufmännische Rechtslehre (Bürgerliches Gesetzbuch, Handelsgesetzbuch, Wechselordnung nach Auswahl), Buchführung (einfache und doppelte Buchführungsmethode, italienische, deutsche und amerikanische Methode und Durchschreibebuchführung als Vorübung für moderne Bureauorganifc t o i), Kontoru ter ichst kau - männisches Rechnen, Stenographie unvMaschinen- schreiben. Der sprachlichen Ausbildung mit besonderer "Berücksichtigung kaufmännischer Verhältnisse dienen folgende Fächer: Deutsch, Englisch (in der Höheren Handelsklasse auch Französisch) mit entsprechender Korrespondenz. Zur allgemein- wirtschaftlichen Fächergruppe gehören Volkswirtschaftslehre, Wirtschaftsgeographie, Warenkunde einschließlich Technologie. Der staatsbürgerlichen Erziehung dient die Bürgerkunde. 2nteressenten seien auf die heutige Anzeige aufmerksam gemacht.
Gießener Wochenmarktprcise.
Cs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Kvchbutter Pfund von 1,00 Mk. an; Butter 1,20 bis 1,30; Blatte 30 bis 35; Wirsing 25 bis 30; Weißkraut 12 bis 15; Rotkraut 15 bis 20; gelbe Rüben 12 bis 15; rote Rüben 12 bis 15; Spinat 35 bis 40; Unter-Kohlrabi 5 bis 6; Grünkohl 20 bis 25: Rosenkohl 40 bis 50; Feldsalat 1.00 bis 1,50; Tomaten 70 bis 80; Zwiebeln 10; Meerrettich 30 bis 60; Schwarzwurzeln 30 bis 40; Kartoffeln 3,5 bis 4; Aepsel 30 bis 45; Dirnen 20 bis 40; Dörrobst 30 bis 35; Honig 40 bis 50; junge Hähne 90 bis 1,10; Suppenhühner 90 bis 1,10; Rüsse 50 bis 60; Käse (10 Stück) 60 bis 1.40; Tauben (Stück) 70 bis 80; Eier 11 bis 13; Blumenkohl 40 bis 70; Salat 25 bis 30; Endivien 20 bis 50: Ober-Kohlrabi 10 bis 15; Lauch 5 bis 15; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 50; Kartoffeln Zentner 2,50 bis 3,00; Weißkraut 8,00 bis 10,00.
Bornotizen.
— Tageskalender für Samstag. Kavallerie-Verein: 2ahreshauptversammlung, 20 Uhr, „Hessischer Hof". — Damen-Vereinigung 1877 78: Versammlung, 20 Uhr, „Stadt Mainz". Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Der Weg nach Rio". — Astoria-Lichtspiele: „Die Straße der verlorenen Seelen" und „Hast du geliebt am schönen Rhein".
Tageskalender für Sonntag. Stadttheater: 14 bis 16.30 Uhr, „Das öffentliche Aergernis"; 18.30 bis 21.30 Uhr, „Robert und Bertram“. — Gießener Konzertverein: Liederabend Cva Liebenberg, 17 Uhr, Universitätsaula. — Lichtspielhäuser: Programm wie am Samstag.
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die Intendanz macht auf folgende notwendig gewordene Aenderungcn aufmerksam: Sonntag, 15. Februar. 14 Uhr (nicht wie bisher von den Gewerkschaften veröffentlicht 15 Uhr) geschlossene Vorstellung: „Das öffentliche Aergernis". — Faschingsdienstag, 17. Februar, 20 Uhr: „Das öffentliche Aergernis"; diese Vorstellung findet als 19. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement statt. Dafür Mittwoch, 18. Februar (Aschermittwoch), 20 Uhr, „Marius ahoi" für die Besucher des Dienstag-Abonnements. Diese Umstellung findet statt, um dem Faschingsdicnstag auch spielplanmäßig das ihm zustehende Gepräge zu geben.
— Staatsbürgerlicher Vortrag. Auf Veranlassung des Fungdeutschen Ordens und der Volksnationalen Rcichsvereinigung findet am 24. Fe- bruar im Cafs Leib eine öffentliche Versammlung statt, in der Dr. Alfred K u e r in a n n (Köln) sprechen wird. Wie man uns mitteilt, werden im Rahmen dieses Vortrages Fragen staats- und wirt- schaftspolitischer Art auf dem Gebiete der Innen- und Außenpolitik behandelt, und zwar nicht vom interessenmäßigen Standpunkt einer einzelnen Wirt- schafts- oder Berufsgruppe aus, sondern im Sinne eines übergeordneten Staatsbürgertums, in dem alle Stände und Klassen gleichberechtigt vertreten sind. Ferner wird der Redner barlegen, aus welchem Grunde die jungdeutsche Bewegung jede Dik- taturabficht bekämpft. An den Vortrag soll sich eine Aussprache anschließen. (Siehe heutige Anzeige.)
** Sie Aluseen und der f) eiben türm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei kleinen Preisen geöffnet. Die Räume sind geheizt.
•* Frerndenvorftcllung im Gießener Stadttheater. Man schreibt uns: Die Zeit steht im Zeichen des Faschings! Der Gießener Theater-Lpielplan ist daher für Sonntag ganz auf Fasching, Frohsinn, Stimmung eingestellt. 2n der Fremdenvorstellung am Sonntag, 15. Februar, werden die beiden Vagabunden .Robert und Bertram" ihre tollen Streiche unter der Epielsührung Heinrich Hubs verüben. "Beginn 18.30 Ahr. Ermäßigte Preise. Ende 21.30 Uhr.
•• Reifeprüfungen an den Gießener höheren Schulen. 2m Laufe dieser Woche wurden an den hiesigen höheren Lehranstalten die Reifeprüfungen durchgeführt. Am Gymnasium unterzogen sich 17 Abiturienten, darunter zwei Damen, der Prüfung; das Examen wurde von allen bestanden. Am Realgymnasium beftanben von 31 Abiturienten 29 die Prüfung 2m Lyzeum brachten alle Abiturientinnen, 21 an der Zahl, die Prüfung mit Erfolg hinter sich, und in der Oberreal- schule bestanden von 65 gemeldeten Prüflingen alle das Examen.
ee Städtische Brennholzver steigern n g. Bei der gestrigen Brennholzversteigerung aus den Waldungen der Stadt Gießen, Försterex Hochwart, wurden im Durchschnitt folgende Preise erzielt: Buchenscheu (l.Kl.) 12,80 Mk.. (2. Kl.) 8 Mk., Eichenscheit (1. Kl.) 8,80 Mk., Fichtenscheit (2. Kl.) 5,40 Mk., Buchen knüppel 9 BH., Eichenknüppel 6 Mk., Birkenknüppel 6 Mk., Fichten-
„Winterhilfe 1930/31" und Städtische Rothilfe 1930 wollen gemeinsam die Not lindern. Laßt ihren Aotrus nicht ungehört verhallen!
knüppel 4,60 Mk., Buchenstöcke 6,20 BH. pro Raummeter, Buchenreisig (3. Kl.) 24 Mk. pro 100 Wellen.
Vorsicht mit Hunden in Feld und Wald! Das Kreisamt Gießen macht im neuesten Amtsverkündigungsblatt darauf aufmerksam, dah nach Art. 25 des Hessischen 2agdstrafgesetzes derjenige sich strafbar macht, der einen Hund in fremdem 2agbgeE>iet bei sich hat und das Lior außerhalb der erlaubten Verbindungswege über 100 Schritt von diesem entfernt frei herumlaufen läßt. Die Polizei- und Gendarmerie-Beamten sind beauftragt, alle Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschrift unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen.
•* Wildernde Hunde im Vogelsberg. Am Montagnachmittag traf der aus Gießen stammende, beim staatlichen Forstamt in Grebenhain be- schästigte staatliche Forstgehilfe Fritz Schmitt im Oberwald in der Nahe des Breungeshainer Weges zwei große, verwilderte Schäferhunde neben einem von ihnen niedergerissenen Reh liegend vor. Da der junge Forstmann feine Schußwaffe bei sich führte, konnte er die beiden vierbeinigen Räuber nicht zur Strecke bringen, es gelang den Kötern vielmehr, sich aus dem Staube zu machen. Am folgenden Tage erroifdjte Herr Schmitt bie beiben Schäferhunde mieberum beim Wilbern, als sie gerabe erneut ein Reh gerissen hatten. Da er jetzt seinen Drilling zur Hand hatte, konnte er den einen Köter auf der Stelle zur Strecke bringen, während er den anderen nach längerer Hetzjagd in der Nähe des am Mon- tagnachm.ttag gerissenen Rehes durch einen wohl» gezielten Schuß ebenfalls erledigen konnte. Wem die Hunde gehören und welchen Schaden sie bisher unter dem Wiidbeftand des Vogelsberges angerichtet haben, konnte noch nicht festgestellt werden. Die beiden Köter müssen aber schon längere Zeit unterwegs gewesen sein, da ie völlig verwildert waren. Von Interesse ist übrigens noch, daß Forstgehilse Schmitt vor einiger Zeit im Oberwald auch einen prächtigen Fischotter fangen konnte.
Große Strafkammer Gießen.
* G i e ß en, 12. Febr. Es wurde über zwei Berufungen verhandelt, die vom Bezirksschöffengericht verurteilte Diebe eingelegt hatten. Heber den erstinstanzlichen Verlauf der beiden Verhandlungen ist bereits an dieser Stelle berichtet worden.
Der vierzigjährige Schlosser Otto Lippert aus Retschkau, wegen Eiaentumsverbrechens vielfach, zuletzt mit zehn Zähren Zuchthaus vorbestraft, war wegen fünf schwerer Diebstähle, die ihm und seinem ebenfalls bestraften Mittäter allerdings keinen großen Gewinn gebracht hatten, zu der verhältnismäßig geringfügigen Strafe von örei Fahren sechs Monaten Gesäng- n i s verurteilt worden. Sein Versuch, die Hauptschuld auf seinen weit weniger vorbestraften Komplizen, der keine Berufung eingelegt hatte, abzuwälzen, mißlang, da auch die Staatsanwaltschaft "Berufung wegen des Strafmaßes eingelegt ha'tte und die vom Schöffengericht verhängte Strafe im Hinblick auf die G^neingefährllchkeit dcS Angeklagten zu gering erschien, wurde auf eine Zuchthausstrafe von fünf Fahren erkannt; außerdem wurden dem Verurteilten die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Fahren aberkannt.
Der zweite Angeklagte, Paul Labus aus Königshütte, der in der Maske des Hausierers in Bad-Rauheim in ein Haus eingedrungen war und einem Dienstmädchen ein Paar Seidenstrüpse und Geld gestohlen hatte, erzielte mit seiner Berufung zwar nicht die erstrebte Freisprechung, denn die Beweisaufnahme ergab auch heute wieder einwandfrei seine Schuld; da er aber — obwohl er nach den bei ihm gefundenen "Wertgegenständen, die er unmöglich rechtmäßig erworben haben konnte, als gewerbsmäßiger Verbrecher zu betrachten ist — bisher wenig bestraft war, wurde die Strafe bedeutend ermäßigt. Mit einer Strafe wegen intellektueller Urkundenfälschung — er hatte sich unter falschem Ramen in das Ge- fangenenbuch in Bad-Rauheim eintragen lassen — erhielt er eine Gesamtzuchthausstrafe von einem Fahr und einem Monat.
Kommunistische Ausschreitungen in Mainz.
TU. Mainz, 13. Febr. Die Mainzer Polizei teilt mit: Arn Donnerstagabend gegen 23 Uhr. nach Schluß e er nat o..alsvz:alistis en "Bc.famm- lung in der ^tadthaue, wurden auf dem Vahnaof auswärtige Rationalsyzialisten von einer Anzahl von Kommunisten überfallen. Unter den Hcberfallenen befanden sich auch zwei Kriminalbeamte in Zivil au4 Mainz», die sich zu erkennen gaben. Hieraus wurden die Beamten angegriffen und von der Blenge beschimpft. Als einer b?r Beamten zu Boden geworfen wurde, gab er aus seiner Dienstwaffe einen Schuß ab und flüchtete dann in ein nahes Haus. Er versuchte die Tür zu schließen, wurde aber von der nachdrängendenk Blenge daran gehindert. Er gab einen Schuß ab, der einen der Angreifer tödlich verletzte. Der Verletzte wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er zwei Stunden später starb. Die Polizei konnte die Ordnung wieder herstellen.
_________(Schluß bcs rebattioncUcn Teils.) Gewinnousnig
S. Kloße 36. Preußisch-Süddeutsche (262. Preuß.) Elaais-Lotterie
Ohne ©ctoäbr Nachdruck verboten
Aus phe gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar se einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden
Abteilungen I und II
3. Ziehungslag 11. Februar 1931
In der heutigen Nachmittagsziebung ipurben Gewinne ' über 400 M. gezogen
2 ®«tplnn« in 200000 «Ll. 33980
8 »ttninn« |u 10OOO CL 13118 21697 64544
274190
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14 »ttPinne ju 3000 M. 58232 80268 297948
311299 316942 326593 332908
02 ®ttotnne »u 2000 M. 5355 25447 56458 60057 87436 96012 105872 134400 134565 139383 148615 172028 184414 199598 204160 206861 2445,44 246688 252735 282022 310764 320960 363649
67314 70352 75563 88767 95809 97432
112585 113421
386979
110107 158006
191861 253370
325339
37501 •
80213 (
125589
153172
172917
195691 266754
283579
301775 325143 347183 373123
166713 216871 258653
340044
397697
133976 160267
175899 211540
268268 289306 310571
326450 348964 375660
120698
190664
224243
286417
364602
146003 168001
180303 258606
276193 294262
319808 335420
360744 381244
168476 180778 264432
277951 296192
321460 340308 363285
386323
136291 161228 177122 218475 274137 292894 318258 332312 368612
378334
161815
192817
267926
333193
118355
180349
221163
261720
359839
126766 191681
229154
310578
375627
82022 86332 91415 93806 97718
------ ------ ------ 151036
371352 373423 373710
102 eteinn» in 1000 M 5350 6561 10815 26717 32211 35392 38262 60503 64340 55924 64165 ----- ----- ----- ----- ----- ----- 101547
380429 _____ ______
160 Oeto.nn« m 500 QH. 21895 26091 29354 33582 35105 37601 38360 39704 50493 52059 60956 61808 124006 151438 171407 181673 266342 280910 296197 323601 345886 366711
393317 398427
Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 600 000, 2 Gewinne zu je 600000 2 zu je 800OCX), 4 *u je 1000)0, 6 zu je 75 000. 10 zu je 50 000,, 24 zu je 25 000, 172 zu je 10 000 444 zu je 5IXXXI 906 zu je 8000. 2"86 zu je 2000. 6370 ju je 1000, | 8874 zu je 600.26680 zu je 400 M.
12. Februar 1931
4. Zlchungslag
3n der heutigen Bormkttagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen
182194
149957
160141
149352
315722
307304
389048
375642
110199
195879
295289
307662
362025
313633
366430
2 OtBinne m 100000 HL 346669
2 Setninne m 50000 ®L 133555
2 ®etotnne |n 10000 M. 274464
2 ®ctntnnt in 5000 QZL 280916
22 fceroinne eu 3000 W. 2862 26955 56448 94175
138944 205625 225480 234499 252492 348269
202248 219428 260518 266504 281934 ------ ------ ----------- 325655
332108 353587 ------ ------ ------ --- -
120 »ewinn« in 1000 W. 16 8689 9394 9438 18551 19894 22430 37023 49721 50719 58190 68252 69328 71429 83468 91352 106152 115886 116801
391257
56 »ewtnn« in 2000 M. 51515 60117 76837 106900
------ ------ ------ ------ ------ 191493
118177 126550 126993
135109
139218
149127
149558 165645 169936
175545
179294
188603
192971 196914 203289
204349
211057
213291
214089 220682 233828
240507
249374
249530!
283925 290852 294003
300445
305450
3248151
329533 330120 330712
338221
343848
349192
351015 364738 384593
218 »etninne iu 500 W.
388722 393165
4753 6188 9481
19878
23140 29118 33362 34272 43113 44/20
47243
52279 57336 64075 64173 64544 65972
73248
76545 81290 89594 93938 99484
100350
101478
108629 117002 119794
123598
125482
128669
129782 133897 139422
139718
142570
147143
147953 162697 163164
163436
163823
165706
181631 187196 189886
190012
191754
192203
196113 197709 198422
200354
211132
212722
215558 222609 227118
243856
249690
252101
253323 258129 260927
263577
265997
266560
266870 268521 270665
276929
279622
283569
288165 291289 291358
292857
295187
295291
297050 298681 299227
300116
301356
305416
305451 315558 324411
328566
332299
330237
344294 345634 349862
361565
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Die Grippe geht um ...!
Daher sind gerade jetzt Vorsichtsmaßregeln am Platze. Mit jedem Atemzug können Krankheitserreger in ben Mund und Rachen einbringen. Panflavin-Pastillen üben eine wachsturnhemmenbe Wirkung gegen bie Krkknkheitskeirne aus, schützen baher gegen Grippe, Halsentzündung und Erkältung. 245V
Das ünabeninffituf Lucius blickt nunmehr auf eine mehr als 120jährige Tätigkeit zurück Seit 1878 hat es in landschaftlich besonders begünstigter Lage im sog. Jorfffjaus bei Lch;ell (Oberhessen) ein entsprechendes Heim gefunden. Zn der Gegenwart besteht mehr denn je ein Bedürfnis für derartige Erziehungsheime, wo die Jungen fern von äußeren Ablenkungen in gesunder Umgebung durch forgfäl- tigen Unterricht und liebevolle Erziehung entfchei- dend gefördert werden.1195V
Die milde Winter- und Frühiahrswitterung des verflossenen Jahres hatte viele Landwirte verleitet, die Saaten weniger gut mit Nährstoffen zu ver- sorgen. Die geringen Erträge und die mangelhafte Kornerausbildung beeinträchtigten stark den Verkaufserlös und den Saatgutwert. Diese Erfahrungen müssen für die Zukunft Finderzeige dafür sein, keinesfalls die Dolldungung mit Kali zu verabsäumen. Gerade durch Kalidüngung wird nicht nur durch Erhöhung des Tausendkorngewicht»s eine Ertragssteigerung erzielt, sondern richtig verabreichte Kalidüngung ist ein vorbeugendes Schutzmittel gegen Lagerfrucht. 335V


