Ausgabe 
14.2.1931
 
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Aus der Prvvmzialbouptstod«

©leben, den 14. Februar 1931.

Bom deutschen Volkslieds.

Es ist eine bekannte Tatsache, dah wir Deut­schen bei stimmungsvollen Festen, wenn die Freude eigentlich am größten ist. wehmütige Lieder fin­gen. .Ich weih nicht, was soll es bedeuten", .2m schönsten Wiesengrunde" .Fetzt gong t ans Brün- nele, daS sind so Lieder, die dann stets auf- tauchew Bei Volksfesten, bei Familienfeiern wird jedermann dieselben Erfahrungen machen Sv war ich auch gar nicht verwundert, als ich vor einiger Feit auf einer Hochzeit, in einem größeren Dorfe dicht bei der Stadt, das uralte, schöne Volkslied Es waren zwei Königskinder" vernahm. Die älhr zeigte bereit- stark nach Mitternacht, und es war fast rührend, zu sehen und zu hören, nut wel­cher Andacht dieses Lied mehrmals gesungen wurde. 2hm folgten dann noch zahlreiche an­dere Volkslieder. ,

Erwähnen muh ich allerdings hier, dah vorher eine ganze Menge sogenannter Schlager, Gassen- lieder, bie jeder Schusterjunge pfeift, gelungen worden waren. Als dann wie Aagt die frohe Stimmung den Höhepunkt erreicht hatte, kam zuerst schüchtern, dann aber immer mächtiger un­ser altes Dolkslied wieder zum Vorschein.

Das Dolkslied selber ist also nicht tot, wie man oft hört SS schlummert nur, und fremde Wei­sen leichtsinnige Lieder, die uns aus der Groh- staöt cntgegcnflattem, versuchen, eS zu verdrän­gen ES wird ihnen nicht gelingen.

2n unseren Volksliedern steckt eine urwüchsige, gewaltige Kraft, eine strahlende Schönheit geht von ihnen aus. .Alles, was ein Menschenherz, aber auch alles, was ein Doll bewegt, enthält das Dolkslied... Cs steigt hinab in alle Tiefen des MenschenherzenS und hinauf in alle Höhen des Menschengeistes " (2ulius Sahr.) Weit über 3000 deutsche Volkslieder sind von unermüdlichen Forschern gesammelt worden. Herder, Goethe, Achim von Arnim, "Brentano, Erk und Böhme, ihre ganze Liebe galt dem deutschen Volkslied. Als Goethe seine Sammlung an Herder sandte, schrieb er:Auf meinem Herzen habe ich diese Lieder getragen.

Ueberall, wo die deutsche Sprache klingt, er­tönen auch deutsche Volkslieder. Sie ziehen mit den Menschen als treue "Begleiter in die fernsten Erdteile. Es ist für unS immer eine Herz- erfrischung, wenn wir Im Sommer den munteren Wandervögeln begegnen. Da ziehen sie hin mit ihren Lauten und Geigen, singen und musizieren. Wenn du hinhorchst, so vernimmt dein Ohr keine Schlager, keine leichte Musik, sondern uralte Volksweisen: Landsknechts- und Soldatenlieder, Minne- und Spinnstubengesänge, zum Teil schwer­mütige Weisen, aber auch luftige Tanz- und Schelmenlieder.

Hier draußen im sonnendurchfluteten Wald, wenn die Luft vom Gesang der Vögel wider- hallt, wenn Käfer summen und die Schmetterlinge von Blume zu Blume gaukeln, ist ja auch kein Boden für oberflächliche Schlager und Gassen­hauer. 2n der reinen unberührten Bahir kann nur das echte Volkslied erklingen. Das fühlen auch die jungen Menschenkinder, wenn sie wan­dernd die Welt durchstreifen. Es geht ihnen wie dem naturfrohen Menschen, der sich am Frühling erfreut und im Schauen der Herrlichkeit feine Alltagssorgen vergißt, Unb die Freude ist dop­pelt groß, wenn er dann am schützenden Rain, ganz versteckt, ein kleines Blümchen, das ihn mit feiner Blüte treuherzig anlächelt, findet: daS bescheidene Veilchen.

So steht das Volkslied mitten in unferm Leben, eine köstliche Blume, die sich nicht hervordrängt, aber herzig und taufrisch ist wie ein Veilchen. 2n ihm liegt eine ganze Seele. Vichts Leeres, Abgedroschenes, sondern tiefste, echteste Empfin­dung schaut dir aus jedem Volkslied entgegen, läßt dich freudig oder mitleidsvoll mitzittern und bewegt dein 2nnerstes.

Cs gab wohl eine Zeit, da fang das ganze Volk diese Lieder. Heute, im Zeitalter der Sach­lichkeit, hören wir andere Musik. Auch die Spinn- ftube, diese alte Pflegestätte des Volksgesangs, gehört bald der Vergangenheit an. Diese Ent­wicklung können wir bedauern, aufhalten sicher nicht. Das lebendige Kleinod aber, das _ uns unsere Vorfahren überliefert haben, das dürfen wir nicht verlieren, das müssen wir erhalten und pflegen, weitergeben an unsere Kinder, da­mit auch sie noch Freude und Erholung finden bei unfern Volksliedern. Diese Lieder lieb und wert halten, das ist die wichtige Ausgabe, die wir haben. Das ist das rechte Gegengift für die Gassenhauer. Genau so wie wir den Kindern gute Bücher in die Hand drücken, um sie vorn Schund abzuhalten, genau so müssen wir gute Lieder bieten.

Cs ist mit Freuden zu begrüßen, daß auch unsere Gesangvereine die Volkslieder immer mehr pflegen und ihnen den Platz antoeifen, der ihnen gehört. Alle aber, die im Familienkreise mit ihren Kindern fingen, bie sollten nur Volks­lieder wählen, auch wenn sie manchmal über das kindliche Verstehen hinausgehen. Schon die an­mutige Weise sollte uns so wertvoll fein, dah wir einen etwas merkwürdigen Text gern mit in Kauf nehmen.

Lind wenn an langen Winterabenden ein Mär­chen erzählt wird, eine Sage aus längst ver­gessener Zeit heraufrauscht, dann denke man auch an das deutsche Volkslied! Menschen kommen und gehen, diese Lieder aber werden nicht ver­gehen. Mz-

Straßenreinigung im Winter.

Dom Pvlizeiamt Gießen wird uns ge­schrieben:

Die mangelnde Reinigung der Bür­ge r ft e i g e bei Schnee und Ei6 hat in letz­ter Zeit zu berechtigten Klagen Anlaß gegeben. Wir machen daraus aufmerksam, daß nach der Polizeiverordnung über die Reinigung der Stra­ßen und das Wegfchassen des Mülls in der Stadt Gießen dem Grundstückseigentümer die Pflicht jur Reinigung der Bürgersteige obliegt. Die allgemein verbreitete Ansicht, daß der Grund­stückseigentümer oder der Aur Reinigung der Bür­gersteige Derpslichtete erst durch einen Polizei­beamten hierzu aufgeforberl werden muh, ist nicht

richtig. Der über Rächt gefallene Schnee ist bis spätestens um 9 Uhr wegzuräumen. 2st wegen andauernd starken Schneefalls die ständige Frei- Haltung nicht möglich, so muh die Abräumung in der Zeit von 9 bis 18 Uhr mindestens alle fünf Stunden einmal erfolgen. Sofern auf den Bürger­steigen Glatteis, eine gefährlich zu be­gehende Schneedecke, Schnee- ober Eisbuckel fich gebildet haben oder die Bürgersteige fonstwie schwer begehen sind, müssen sie in einer Breite von minbestens einem Bieter mit Sand, Kies, Asche oder anderem geeigneten ©trcumatcrial aus­giebig bestreut werden. Diese Derpflichtung er­streckt sich auf die Zeit von 7 bis 19 Uhr.

Die Pvlizeibeamten sind angewiesen, auf die Einhaltung der Polizeiverordnung strengstens zu achten.

Oeffentliche Handelslehranstalt Gießen

Don der 2nbuftrie- und Handelskammer Gießen wird uns geschrieben: 2mmer mehr bricht fich die Ueberzeugung Bahn, daß durch die Entwicklung des modernen Geschäftslebens eine theoretische "Vorbildung vor dem Eintritt in den kaufmänni­schen Beruf zur Rotwendigkeit geworden ist. Dieser Ueberzeugung verdankt auch die am 1. April 1924 ins Leben gerufeneOef fentliche Handelslehranstalt, deren Träger die 2ndustrie- und Handelskammer Gießen ist, ihre Entstehung. Die Zahl der Schüler ist von 22 im Fahre 1924 auf 140 Schüler in 1930 gestiegen, die zwei Abteilungen angehören. Die Höhere Han delsklasse nimmt nur Schüler mit Ober- fefunbareifc auf, bereitet sie in einem 2ahr auf ihren praktischen Beruf vor und gibt denjenigen jungen Leuten, welche das Klassenziel mit der Gesamtnotegut" erreicht haben, die Berechtigung, ohne Ablegung der vorgeschriebenenPrüfung für praktische Kaufleute" an einer Universität Handelswissenschaften zu studieren. Die zwei­jährige Handelsschule nimmt 14jährige Schüler auf, einerlei, welcher Schule sie bisher angehört haben. 2n zwei vollen Schuljahren werden die Schüler für ihren praktischen Beruf vorgebildet. 2n den beiden Abteilungen werden folgende Handelsbetriebsfächer gelehrt: Handels­lehre mit Korrespondenz, kaufmännische Rechts­lehre (Bürgerliches Gesetzbuch, Handelsgesetzbuch, Wechselordnung nach Auswahl), Buchführung (einfache und doppelte Buchführungsmethode, ita­lienische, deutsche und amerikanische Methode und Durchschreibebuchführung als Vorübung für mo­derne Bureauorganifc t o i), Kontoru ter ichst kau - männisches Rechnen, Stenographie unvMaschinen- schreiben. Der sprachlichen Ausbildung mit be­sonderer "Berücksichtigung kaufmännischer Verhält­nisse dienen folgende Fächer: Deutsch, Englisch (in der Höheren Handelsklasse auch Französisch) mit entsprechender Korrespondenz. Zur allgemein- wirtschaftlichen Fächergruppe gehören Volkswirt­schaftslehre, Wirtschaftsgeographie, Warenkunde einschließlich Technologie. Der staatsbürgerlichen Erziehung dient die Bürgerkunde. 2nteressenten seien auf die heutige Anzeige aufmerksam gemacht.

Gießener Wochenmarktprcise.

Cs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Kvchbutter Pfund von 1,00 Mk. an; Butter 1,20 bis 1,30; Blatte 30 bis 35; Wirsing 25 bis 30; Weißkraut 12 bis 15; Rotkraut 15 bis 20; gelbe Rüben 12 bis 15; rote Rüben 12 bis 15; Spinat 35 bis 40; Unter-Kohlrabi 5 bis 6; Grün­kohl 20 bis 25: Rosenkohl 40 bis 50; Feldsalat 1.00 bis 1,50; Tomaten 70 bis 80; Zwiebeln 10; Meerrettich 30 bis 60; Schwarzwurzeln 30 bis 40; Kartoffeln 3,5 bis 4; Aepsel 30 bis 45; Dirnen 20 bis 40; Dörrobst 30 bis 35; Honig 40 bis 50; junge Hähne 90 bis 1,10; Suppen­hühner 90 bis 1,10; Rüsse 50 bis 60; Käse (10 Stück) 60 bis 1.40; Tauben (Stück) 70 bis 80; Eier 11 bis 13; Blumenkohl 40 bis 70; Salat 25 bis 30; Endivien 20 bis 50: Ober-Kohlrabi 10 bis 15; Lauch 5 bis 15; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 50; Kartoffeln Zentner 2,50 bis 3,00; Weißkraut 8,00 bis 10,00.

Bornotizen.

Tageskalender für Samstag. Kavallerie-Verein: 2ahreshauptversammlung, 20 Uhr,Hessischer Hof". Damen-Vereinigung 1877 78: Versammlung, 20 Uhr,Stadt Mainz". Lichtspielhaus Bahnhofstraße:Der Weg nach Rio". Astoria-Lichtspiele:Die Straße der verlorenen Seelen" undHast du geliebt am schönen Rhein".

Tageskalender für Sonntag. Stadttheater: 14 bis 16.30 Uhr,Das öffentliche Aergernis"; 18.30 bis 21.30 Uhr,Robert und Bertram. Gießener Konzertverein: Lieder­abend Cva Liebenberg, 17 Uhr, Universitätsaula. Lichtspielhäuser: Programm wie am Samstag.

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die Intendanz macht auf folgende notwendig gewordene Aenderungcn aufmerksam: Sonntag, 15. Februar. 14 Uhr (nicht wie bisher von den Gewerkschaften veröffentlicht 15 Uhr) geschlossene Vorstellung:Das öffentliche Aergernis". Fa­schingsdienstag, 17. Februar, 20 Uhr:Das öffent­liche Aergernis"; diese Vorstellung findet als 19. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement statt. Dafür Mittwoch, 18. Februar (Aschermittwoch), 20 Uhr, Marius ahoi" für die Besucher des Dienstag-Abon­nements. Diese Umstellung findet statt, um dem Faschingsdicnstag auch spielplanmäßig das ihm zustehende Gepräge zu geben.

Staatsbürgerlicher Vortrag. Auf Veranlassung des Fungdeutschen Ordens und der Volksnationalen Rcichsvereinigung findet am 24. Fe- bruar im Cafs Leib eine öffentliche Versammlung statt, in der Dr. Alfred K u e r in a n n (Köln) spre­chen wird. Wie man uns mitteilt, werden im Rah­men dieses Vortrages Fragen staats- und wirt- schaftspolitischer Art auf dem Gebiete der Innen- und Außenpolitik behandelt, und zwar nicht vom interessenmäßigen Standpunkt einer einzelnen Wirt- schafts- oder Berufsgruppe aus, sondern im Sinne eines übergeordneten Staatsbürgertums, in dem alle Stände und Klassen gleichberechtigt vertreten sind. Ferner wird der Redner barlegen, aus wel­chem Grunde die jungdeutsche Bewegung jede Dik- taturabficht bekämpft. An den Vortrag soll sich eine Aussprache anschließen. (Siehe heutige Anzeige.)

** Sie Aluseen und der f) eiben türm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei klei­nen Preisen geöffnet. Die Räume sind geheizt.

* Frerndenvorftcllung im Gieße­ner Stadttheater. Man schreibt uns: Die Zeit steht im Zeichen des Faschings! Der Gieße­ner Theater-Lpielplan ist daher für Sonntag ganz auf Fasching, Frohsinn, Stimmung einge­stellt. 2n der Fremdenvorstellung am Sonntag, 15. Februar, werden die beiden Vagabunden .Ro­bert und Bertram" ihre tollen Streiche unter der Epielsührung Heinrich Hubs verüben. "Be­ginn 18.30 Ahr. Ermäßigte Preise. Ende 21.30 Uhr.

Reifeprüfungen an den Gieße­ner höheren Schulen. 2m Laufe dieser Woche wurden an den hiesigen höheren Lehr­anstalten die Reifeprüfungen durchgeführt. Am Gymnasium unterzogen sich 17 Abiturienten, darunter zwei Damen, der Prüfung; das Exa­men wurde von allen bestanden. Am Real­gymnasium beftanben von 31 Abiturienten 29 die Prüfung 2m Lyzeum brachten alle Abiturientinnen, 21 an der Zahl, die Prüfung mit Erfolg hinter sich, und in der Oberreal- schule bestanden von 65 gemeldeten Prüflin­gen alle das Examen.

ee Städtische Brennholzver steige­rn n g. Bei der gestrigen Brennholzversteigerung aus den Waldungen der Stadt Gießen, Försterex Hochwart, wurden im Durchschnitt folgende Preise erzielt: Buchenscheu (l.Kl.) 12,80 Mk.. (2. Kl.) 8 Mk., Eichenscheit (1. Kl.) 8,80 Mk., Fichtenscheit (2. Kl.) 5,40 Mk., Buchen knüppel 9 BH., Eichen­knüppel 6 Mk., Birkenknüppel 6 Mk., Fichten-

Winterhilfe 1930/31" und Städtische Rothilfe 1930 wollen gemeinsam die Not lindern. Laßt ihren Aotrus nicht ungehört verhallen!

knüppel 4,60 Mk., Buchenstöcke 6,20 BH. pro Raummeter, Buchenreisig (3. Kl.) 24 Mk. pro 100 Wellen.

Vorsicht mit Hunden in Feld und Wald! Das Kreisamt Gießen macht im neuesten Amtsverkündigungsblatt darauf aufmerksam, dah nach Art. 25 des Hessischen 2agdstrafgesetzes der­jenige sich strafbar macht, der einen Hund in fremdem 2agbgeE>iet bei sich hat und das Lior außerhalb der erlaubten Verbindungswege über 100 Schritt von diesem entfernt frei herumlaufen läßt. Die Polizei- und Gendarmerie-Beamten sind beauftragt, alle Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschrift unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen.

* Wildernde Hunde im Vogelsberg. Am Montagnachmittag traf der aus Gießen stam­mende, beim staatlichen Forstamt in Grebenhain be- schästigte staatliche Forstgehilfe Fritz Schmitt im Oberwald in der Nahe des Breungeshainer Weges zwei große, verwilderte Schäferhunde neben einem von ihnen niedergerissenen Reh liegend vor. Da der junge Forstmann feine Schußwaffe bei sich führte, konnte er die beiden vierbeinigen Räuber nicht zur Strecke bringen, es gelang den Kötern vielmehr, sich aus dem Staube zu machen. Am folgenden Tage erroifdjte Herr Schmitt bie beiben Schäferhunde mieberum beim Wilbern, als sie gerabe erneut ein Reh gerissen hatten. Da er jetzt seinen Drilling zur Hand hatte, konnte er den einen Köter auf der Stelle zur Strecke bringen, während er den anderen nach längerer Hetzjagd in der Nähe des am Mon- tagnachm.ttag gerissenen Rehes durch einen wohl» gezielten Schuß ebenfalls erledigen konnte. Wem die Hunde gehören und welchen Schaden sie bisher un­ter dem Wiidbeftand des Vogelsberges angerichtet haben, konnte noch nicht festgestellt werden. Die beiden Köter müssen aber schon längere Zeit unter­wegs gewesen sein, da ie völlig verwildert waren. Von Interesse ist übrigens noch, daß Forstgehilse Schmitt vor einiger Zeit im Oberwald auch einen prächtigen Fischotter fangen konnte.

Große Strafkammer Gießen.

* G i e ß en, 12. Febr. Es wurde über zwei Be­rufungen verhandelt, die vom Bezirksschöffenge­richt verurteilte Diebe eingelegt hatten. Heber den erstinstanzlichen Verlauf der beiden Ver­handlungen ist bereits an dieser Stelle berichtet worden.

Der vierzigjährige Schlosser Otto Lippert aus Retschkau, wegen Eiaentumsverbrechens viel­fach, zuletzt mit zehn Zähren Zuchthaus vor­bestraft, war wegen fünf schwerer Diebstähle, die ihm und seinem ebenfalls bestraften Mittäter allerdings keinen großen Gewinn gebracht hatten, zu der verhältnismäßig geringfügigen Strafe von örei Fahren sechs Monaten Gesäng- n i s verurteilt worden. Sein Versuch, die Haupt­schuld auf seinen weit weniger vorbestraften Kom­plizen, der keine Berufung eingelegt hatte, ab­zuwälzen, mißlang, da auch die Staatsanwalt­schaft "Berufung wegen des Strafmaßes eingelegt ha'tte und die vom Schöffengericht verhängte Strafe im Hinblick auf die G^neingefährllchkeit dcS Angeklagten zu gering erschien, wurde auf eine Zuchthausstrafe von fünf Fahren erkannt; außerdem wurden dem Verurteilten die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Fahren aberkannt.

Der zweite Angeklagte, Paul Labus aus Königshütte, der in der Maske des Hausierers in Bad-Rauheim in ein Haus eingedrungen war und einem Dienstmädchen ein Paar Seidenstrüpse und Geld gestohlen hatte, erzielte mit seiner Be­rufung zwar nicht die erstrebte Freisprechung, denn die Beweisaufnahme ergab auch heute wie­der einwandfrei seine Schuld; da er aber ob­wohl er nach den bei ihm gefundenen "Wertgegen­ständen, die er unmöglich rechtmäßig erworben haben konnte, als gewerbsmäßiger Verbrecher zu betrachten ist bisher wenig bestraft war, wurde die Strafe bedeutend ermäßigt. Mit einer Strafe wegen intellektueller Urkundenfälschung er hatte sich unter falschem Ramen in das Ge- fangenenbuch in Bad-Rauheim eintragen lassen erhielt er eine Gesamtzuchthausstrafe von einem Fahr und einem Monat.

Kommunistische Ausschreitungen in Mainz.

TU. Mainz, 13. Febr. Die Mainzer Polizei teilt mit: Arn Donnerstagabend gegen 23 Uhr. nach Schluß e er nat o..alsvz:alistis en "Bc.famm- lung in der ^tadthaue, wurden auf dem Vahnaof auswärtige Rationalsyzialisten von einer Anzahl von Kommunisten über­fallen. Unter den Hcberfallenen befanden sich auch zwei Kriminalbeamte in Zivil au4 Mainz», die sich zu erkennen gaben. Hieraus wur­den die Beamten angegriffen und von der Blenge beschimpft. Als einer b?r Beamten zu Boden geworfen wurde, gab er aus seiner Dienstwaffe einen Schuß ab und flüchtete dann in ein nahes Haus. Er versuchte die Tür zu schließen, wurde aber von der nachdrängendenk Blenge daran gehindert. Er gab einen Schuß ab, der einen der Angreifer tödlich verletzte. Der Verletzte wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er zwei Stunden später starb. Die Polizei konnte die Ordnung wieder herstellen.

_________(Schluß bcs rebattioncUcn Teils.) Gewinnousnig

S. Kloße 36. Preußisch-Süddeutsche (262. Preuß.) Elaais-Lotterie

Ohne ©ctoäbr Nachdruck verboten

Aus phe gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar se einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden

Abteilungen I und II

3. Ziehungslag 11. Februar 1931

In der heutigen Nachmittagsziebung ipurben Gewinne ' über 400 M. gezogen

2 ®«tplnn« in 200000 «Ll. 33980

8 »ttninn« |u 10OOO CL 13118 21697 64544

274190

4 ®*toinne in 5000 M. 337306 347529

14 »ttPinne ju 3000 M. 58232 80268 297948

311299 316942 326593 332908

02 ®ttotnne »u 2000 M. 5355 25447 56458 60057 87436 96012 105872 134400 134565 139383 148615 172028 184414 199598 204160 206861 2445,44 246688 252735 282022 310764 320960 363649

67314 70352 75563 88767 95809 97432

112585 113421

386979

110107 158006

191861 253370

325339

37501

80213 (

125589

153172

172917

195691 266754

283579

301775 325143 347183 373123

166713 216871 258653

340044

397697

133976 160267

175899 211540

268268 289306 310571

326450 348964 375660

120698

190664

224243

286417

364602

146003 168001

180303 258606

276193 294262

319808 335420

360744 381244

168476 180778 264432

277951 296192

321460 340308 363285

386323

136291 161228 177122 218475 274137 292894 318258 332312 368612

378334

161815

192817

267926

333193

118355

180349

221163

261720

359839

126766 191681

229154

310578

375627

82022 86332 91415 93806 97718

------ ------ ------ 151036

371352 373423 373710

102 eteinn» in 1000 M 5350 6561 10815 26717 32211 35392 38262 60503 64340 55924 64165 ----- ----- ----- ----- ----- ----- 101547

380429 _____ ______

160 Oeto.nn« m 500 QH. 21895 26091 29354 33582 35105 37601 38360 39704 50493 52059 60956 61808 124006 151438 171407 181673 266342 280910 296197 323601 345886 366711

393317 398427

Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 600 000, 2 Gewinne zu je 600000 2 zu je 800OCX), 4 *u je 1000)0, 6 zu je 75 000. 10 zu je 50 000,, 24 zu je 25 000, 172 zu je 10 000 444 zu je 5IXXXI 906 zu je 8000. 2"86 zu je 2000. 6370 ju je 1000, | 8874 zu je 600.26680 zu je 400 M.

12. Februar 1931

4. Zlchungslag

3n der heutigen Bormkttagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen

182194

149957

160141

149352

315722

307304

389048

375642

110199

195879

295289

307662

362025

313633

366430

2 OtBinne m 100000 HL 346669

2 Setninne m 50000 ®L 133555

2 ®etotnne |n 10000 M. 274464

2 ®ctntnnt in 5000 QZL 280916

22 fceroinne eu 3000 W. 2862 26955 56448 94175

138944 205625 225480 234499 252492 348269

202248 219428 260518 266504 281934 ------ ------ ----------- 325655

332108 353587 ------ ------ ------ --- -

120 »ewinn« in 1000 W. 16 8689 9394 9438 18551 19894 22430 37023 49721 50719 58190 68252 69328 71429 83468 91352 106152 115886 116801

391257

56 »ewtnn« in 2000 M. 51515 60117 76837 106900

------ ------ ------ ------ ------ 191493

118177 126550 126993

135109

139218

149127

149558 165645 169936

175545

179294

188603

192971 196914 203289

204349

211057

213291

214089 220682 233828

240507

249374

249530!

283925 290852 294003

300445

305450

3248151

329533 330120 330712

338221

343848

349192

351015 364738 384593

218 »etninne iu 500 W.

388722 393165

4753 6188 9481

19878

23140 29118 33362 34272 43113 44/20

47243

52279 57336 64075 64173 64544 65972

73248

76545 81290 89594 93938 99484

100350

101478

108629 117002 119794

123598

125482

128669

129782 133897 139422

139718

142570

147143

147953 162697 163164

163436

163823

165706

181631 187196 189886

190012

191754

192203

196113 197709 198422

200354

211132

212722

215558 222609 227118

243856

249690

252101

253323 258129 260927

263577

265997

266560

266870 268521 270665

276929

279622

283569

288165 291289 291358

292857

295187

295291

297050 298681 299227

300116

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Die Grippe geht um ...!

Daher sind gerade jetzt Vorsichtsmaßregeln am Platze. Mit jedem Atemzug können Krankheitserreger in ben Mund und Rachen einbringen. Panflavin-Pastillen üben eine wachsturnhemmenbe Wirkung gegen bie Krkknkheitskeirne aus, schützen baher gegen Grippe, Halsentzündung und Erkältung. 245V

Das ünabeninffituf Lucius blickt nunmehr auf eine mehr als 120jährige Tätigkeit zurück Seit 1878 hat es in landschaftlich besonders begünstigter Lage im sog. Jorfffjaus bei Lch;ell (Oberhessen) ein ent­sprechendes Heim gefunden. Zn der Gegenwart be­steht mehr denn je ein Bedürfnis für derartige Er­ziehungsheime, wo die Jungen fern von äußeren Ablenkungen in gesunder Umgebung durch forgfäl- tigen Unterricht und liebevolle Erziehung entfchei- dend gefördert werden.1195V

Die milde Winter- und Frühiahrswitterung des verflossenen Jahres hatte viele Landwirte verleitet, die Saaten weniger gut mit Nährstoffen zu ver- sorgen. Die geringen Erträge und die mangelhafte Kornerausbildung beeinträchtigten stark den Ver­kaufserlös und den Saatgutwert. Diese Erfahrun­gen müssen für die Zukunft Finderzeige dafür sein, keinesfalls die Dolldungung mit Kali zu verab­säumen. Gerade durch Kalidüngung wird nicht nur durch Erhöhung des Tausendkorngewicht»s eine Er­tragssteigerung erzielt, sondern richtig verabreichte Kalidüngung ist ein vorbeugendes Schutzmittel gegen Lagerfrucht. 335V