Ausgabe 
13.4.1931
 
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Montag, 15. April MI

Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesfenj

Nr. 85 Zweites Blati

SJL-tfport

Zußball der Gießener Mannschaften.

Der gestrige Sonntag brachte eine große Ueber- raschung. Das Fußball-Entscheidungsspiel der Ligarefcrven der Spielvereinigung 1930 und des DfB am Dormitlag um die Meisterschaft der 1. Gauklasse endete mit einer katastrophalen Nie­derlage der 1900er. Mit 7:0 wurden die Dlau- weihen auf eigenem Platze geschlagen. Dachmit­tags spielte die Ligamannschaft von 1900 und verlor gegen die Liga des Sportverein- Wetzlar mit 3: 2. Die Gäste aus Wetzlar spielten überaus hart Das Ergebnis entspricht nicht dem Spiel­verlauf. Aus diesein Kampfe muhten die 1900er, wenn auch knapp, so doch als Sieger hervorgehen

Die erste Jugend der Spielvereinigung spielte gegen die erste Jugend von Wetzlar und gewann mu 4:0. Die erste Handballmannschaft von 1900 trat gegen die Turner von Diedergirmes in einem HandbaU-FreundschaftSspiel an und verlor mit 6: 5.

Westdeutsche Fußball-Meisterschaft.

Im ersten Spiel der Endrunde konnte am Sonntag vor 25 000 Zuschauern im Duisburger Stadion Fortuna Düsseldorf mit 4:1 (0:0) über den Meidericher Spiclverein triumphieren. For­tuna stellte die technisch reifere Mannschaft und gewann verdient. Im letzten Entscheidungsspiel der Gruppe Süd siegte Alemannia Aachen über den ST. 03 Kassel recht knapp mit 3:2 (1:0) und nimmt nunmehr neben dem DsD. Dielefeld an den Endspielen teil. In der Rund« der Zweiten schlug der Rheydter SD. überlegen mit 7:1 (1:1) die Spielvereinigung Sterkrade. und auch Schwarz-Weih Därmen schaltete Dorussia Rheine glatt mit 6:2 aus., Rheydter SD. und Schwarz- Weih Bariyen tragen jetzt das Entscheidungsspiel aus und der Lieger dieses Treffens kämpft mit dem Dritten der Meisterrunde um die dritte west­deutsche Dertreterstelle zu der deutschen Meister­schaft.

Fußball in Hessen-Hannover

Der Sonntag brachte in HeftenHannover nur eine magere Ausbeute an Fuhballtreffen der ersten Klasse. Don den rückständigen Punktc- spielen wurden zwei nachgeholt. Das Treffen in Kassel, zwischen Hermannia und Spielverein, das eine Klärung in der Abstiegsfragc bringen sollte, endete unentschieden 1:1, so dah die Frage nach wie vor ungeklärt bleibt. In Ocker-Hausen unter­lag der FC. den Fuldaer Dorussen mit 0:3 (0:1) Toren. In einem Freundschaftstrcfsen hatten der DC. Sport und die Kurhessen Kassel ihre Kräfte gemessen, wobei der DC. Sport auf eige­nem Gelände mit 1:4 (1:2) den Kürzeren zog.

Oie süddeutschen Endspiele.

Runde der Meister.

Dieser Sonntag wartete mit zwei überraschen­den Ergebnissen in der Rlmde der Meister auf: Eintracht Frankfurt lieferte In Karlsruhe gegen den Karlsruher FD. eine sehr mäßige Partie, die torlos verlief, und Spielvereinigung Fürth lieh sich auf eigenem Platze von Bayern München mit 2:0 schlagen. Damit ist die Frage nach dem süddeutschen Meister wieder voillvinmen offen geworden. Weiter schlug in dieser Runde Wald- Hos Union Döckingen mit 4:0, ebenso gewann FK. Pirmasens gegen Wormatia Worms mit 4:2.

Die Trostrunde Sudost

Die Spiele des Sonntags brachten in der Trost­runde Südost die Entscheidung. In einem span­

nenden Kampfe schlugen dieLöwen" vor 25 000 Zuschauern in München den 1. FC Nürnberg mit 1.0 und sind nun nicht mehr einzuholen. Die Stuttgarter Kickers bezwangen den FC. Pforz­heim unverdient hoch mit 4 1. während die Fürther Rasenfpieler in Augsburg bei den Schwaben eine nicht verdi:nte Diederlage von 1:2 Toren hinnehmen mußten. Ein Schützenfest veranstaltete der FD. Rastatt, er schlug den Karlsruher Phönix mit nicht weniger als 7:0 (4:0) Treffern.

Die Trostrunde Rvrdwest.

In der Trostrunde Rordwest ist jetzt lediglich noch Phönix Ludwigshafen in der Lage, den führenden DfL. Deu-Jfenburg einzuholen. Durch die Diederlage, die der FD Saarbrücken mit 0: 3 in Ludwigshafen erlitt, ist er ausgefchaltet wor­den Isenburg selbst behauptete feine Stellung durch einen 2 0-Sieg über Wiesbaden und sollte auch die beiden noch ausstehenden Spiele noch siegreich unter Dach und Fach bringen können Rotweiß buchte gegen Idar mit 5:1 einen glatten Lieg und Riedcrrad trennte sich von Deckarau mit einem Unentschieden von 2 2.

privatspieke in Süddeutschlanb

3SB. Jranffurl Saar 05 Saarbrücken 6:1 (4:0).

5000 Zuschauer sahen einen rassigen Kampf, in dem der FSB. seine ständige Formverbesserung er­neut unter Beweis stellte. Die Gäste aus dem Saar­lande spielten nicht schlecht, hatten aber das Pech, auf einen besonders gut gelaunten Gegner zu stoßen.

Bereits bei der Pause führten die Schwarzblauen durch Treffer von Armbruster (2), Keck und Rohr -4:". Bei anhaltender UebeMgenheit erhöhten Mihm *unD Keck nach der Pause auf 6:0, erst kurz vor Schluß gelang Zeimet aus einem Gedränge heraus das Ehrentor. Außerdem spielten: Offenbacher Kickers Mainz 05 3:2 (2:2); Eintracht Trier gegen Wacker-Wien 1:3 (0:2); Alemannia Worms gegen SpDg. Mundenheim 2:2 (1:2); Germania Bieber gegen Biktoria Urberach 4:1 (1:1).

VfB Aachen westdeutscher Handballmeister.

Tura Barmen 2:3 geschlagen.

DaS Finale in Krefeld war kein schönes Spiel. Es wurde zum Schluß sehr hart und unfair aus- getragen, woran der schwache Schiedsrichter nicht ganz schuldlos war. Aachen hat auf Grund der produktiveren Epieiweise den Kamps verdient ge­wonnen. Barmen spielte, den besseren Handball, jedoch nicht zweckmäßig genug, um die ziemlich harte und auch teilweise robuste Hintermannschaft Aachens überwinden zu können Aachens Füh- rungstresfer wurde noch vor der Pause ausge­glichen und nach dem Wechsel ging Barmen 2: 1 in Führung. Zwei weitere Treffer Aachens führten zum Endergebnis, fo daß der DfB. 03 Aachen feit langer Paule wieder einmal den Titel eines westdeutschen Meisters errungen hat.

Selber I. süddeutscherWaldlaufmeister.

Dom SC. Bajuwaren gut aus gezogen, kamen am Sonntag in München die süddeutschen Wald- laufmeiflerfcbafton zum Austrag, aus denen wie­derum Halber I vom Reichsbahn- und Postsport­verein Stuttgart, der im Vorjahre neben der süddeutschen und auch deutsche Meisterschaft er­

Segelflieger wieder in der Rhön.

In diesen Tagen schlagen die in den letzten Jahren so erfolgreichen deutschen Segelflieger wieder ihre Trainingsquartiere auf den Höhen -er Rhön und auf der Kurischen Nehrung auf, um mit ihren zum Teil selbstgebauten Flugzeugen neue Höchstleistungen zu erzielen. 3m Bild: Abflug von der Wasserkuppe in der Rhön.

Kreuzweg der Lebe.

Vornan von Paul Grabein

Urheberrechtsschuh: RomandienstDigo", Berlin W 30

^Fortsetzung Nachdruck verboten.

Mit der Kraft der Derzweiflung raffte sich Ursula empor. Seine letzten Worte hatten sie furchtbar ausgeschreckt Du mußt ihn mir retten!

Und flehend hob Ursula die Hände zu Jörg Wigand auf.

®r darf mir nicht sterben ich überlebe es nicht!"

Erschüttert blickte Wigand auf die unselige Frau vor sich. Hier konnte keiner mehr helfen. Aber wenn selbst noch ein Funken Aussicht auf kurze Verlängerung und Erhaltung dieses jammer­vollen Lebens vorhanden gewesen wäre - sollte er ihn durch seine Kunst wirklich ansachen, der barmherzigen Statur in den Arm fallen? Es wäre Widersinn gewesen, ein Unrecht gegen den Aqxmsten da, dem die Erlösung zu gönnen war, und gegen diese unglückliche Frau, die wahr­lich genug gelitten hatte. Wozu ihnen Beiden die Qualen verlängern?

Ursula las in ferner düster entschlossenen Miene, was in seinem Innern vorging: Er wollte nicht Helsen! Wohl weil er wähnte, es sei zu ihrem Besten so! Da entpreßte ihr die Derzweiflung die Worte:

Du muht ihn retten du muht! Jörg, wenn du mich je im Leben geliebt haft gib ihn mir wieder!"

Blässe überflog Wigands Antlitz: Da klang ihm wieder der vertrauliche Dame aus diesem Munde aber in der Todesangst, wo 4ie für den andern flehte^ Finster, verzog sich feine Miene, aber ihr Blick zerschnitt ihm das Herz. Er hätte keine ruhige Minute mehr im Leben gehabt, hätte et diesem stummen Flehen wider­standen Wohlan, so geschehe denn ihr Wille!

Rauh klang seine Stimme vor Bewegung, wie er nun versprach:3d) averde versuchen, was ich kann. Wenn es Menschenkunst vermag, fo rette ich ihn."

Ein Laut des Dankes brach aus ihrer Brust. Dann lieh sie sich von ihm zu einem Sessel führen, in den sie kraftlos sank.

Ohne Derzug ging Wigand an fein Werk. Er fl-ßte Drenck belebende Mittel ein, gab ihm Kampsereinfprihungen. lagert: ihn zweckmäßig und machte unausgesetzt künstliche Atmungsver­suche mit ihm. Ein schweres, mühevolles Werk. Dur dann und wann eine flüchtige Pause, nicht der Ruhe, sondern nur. um wieder, das Ohr an Drencks Brust Hepreht, zu lauschen, ob der Herzschlag denn noch immer nicht stärker werden wollt«.

Mehr als eine Stunde war schon verronnen im Kampfe um das entfliehende Leben Wigands 6tim furchte sich; das Haupt auf die Brust ge­senkt, blickte er eine Weile nieder auf das fahle Antlitz des Ohnmächtigen. Sollte er auch das letzte Mittel noch versuchen? Aber würde es Drencks geschwächtes Herz aushalten?

Ein Geräusch von Ursulas Platz her lieh ihn sich aufrichten. Er wußte, daß sie dasaß, unverwandt mit ihren Blicken an jeder seiner Bewegungen hängend, malt zum Zusammen­brechen. immer wieder aufgepeitscht von Furcht und Hosfnung. Es muhte also versucht werden.

So griff er denn zu dem kleinen Instrument, Spritze und Fläschchen hoch zum Licht erhoben, zog er mit fester Hand Tropfen für Tropfen in das Glasrohr ein bis zum Grenzstrich fo! Er beugte sich zu Drenck nieder, ein kurzer Druck es war geschehen.

Schwer aufatmend, richtete sich Wigand auf, legte die Spritze in ihr Futteral zurück und beobachtete, jeden Derv gesvannt, den Patienten. Zwei, drei Minuten nichts! Da. jetzt ein kaum merkbares Zucken im Gesicht nun ein Bewegen der Lippen, ein schwaches Atmen.

Mit leisem Aufschrei war ilrfula aufgefahren, nun kniete sie vor dem Lager, die Linke hes Kranken an ihren Mund gepreßt, als könnte sie mit ihren fieberheißen Lippen neues Leben in seinen Körper hauchen.

Wieder ein Anspannen der Muskeln in Freds Gesicht, und jetzt schlug er die Augen auf.

Fred!" Erschütternd schrillte der Ruf Artulas in Wigands Ohr.Derzeih mir - verzeih!"

Wigands Rechte legte sich beschwichtigend, mah­nend auf ihre Schulter.

Eine Bewegung ging durch Drencks Körper, die Augen irrten such.'nd umher, wie wenn sich die Seele aus dem Dunkel noch einmal ins Leben zurück tasten wollte nun ein Ruck, der Oberkörper richtete sich mit einer krampfhaften Anstrengung auf ein Jubel wollte sich aus Arsulas Brust entringen ' - aber plötzlich ein

Hinfahren der Hände zum Herzen, ein Ringen nach Atem, ein letztes Aus bäumen der Lebens­kraft bann sank der Körper schwer in die Kissen zurück.

Fred!" Ilrfula war aufgesprungen und starrte auf Wigand, der sich schnell über den Ster­benden gebeugt hatte. Eine «Minute eine qual­volle Ewigkeit verstrich, dann richtete sich Wigand langsam auf. Ursulas Blick traf jetzt Freds Gesicht: regungslos, in starrer Ruhe lag es vor ihr, mit geschlossenen Augen fo anders als vorhin in der Ohnmacht: etwas Strenges, Feierliches, lag über diesem Antlitz.

Wie ein Blitz zuckte es durch Ursulas Hirn: .Tot?"

Wigand senkte nur langsam das Haupt. Dann trat er weg zum Fenster hin.

Ein dumpfes Geräusch. Ursula war an Freds Lager niedergebrvchen. Das Haupt in den Hän­den vergraben, kniete sie so, in krampfartigem Schluchzen.

Lange stand Wigand und sah in das Dacht- bunkel hinaus. Ununterbrochen drangen die (el­fen Wehlaute Ursulas an sein Ohr, deren Seele sich losrang von dem verlorenen Gefährten eines verfehlten Lebens.

Doch einmal mochte sie in Gedanken all diese Jahre durchleben, vom ersten vertrauensvollen Hoffen, von edelsinnigem Entsagen und zartem Sorgen an, h-ndurch von Enttäuschung zu Enttäu­schung. bis zum stumpfen Eichhinschleppen und zum Absterben aller Hoffnungen. Ein lichtloser Leidensweg - wohl ihr, wohl ihm. daß er fein Ende gefunden hatte!

Und von dem dunklen Los der beiden Unglück­lichen fort wandte sich Wigands Blick in dieser Stunde dem eigenen Leben zu. War es nicht ivenso dunkel und hoffnungslos? Derslochten in das tragische Schicksal dieser beiden war auch er; freudlos ging auch er seines Weges dahin - wo­hin, wozu?

Das Ereignis, das da eben mit eherner Wucht in das Leben der beiben einen Einschnitt gemacht, bem einen Erlösung, dem anbeten Freiheit, neues Hoffen gebracht hatte, wenn der Schmerz erst überwunden fein würde was bedeutete es für ihn?

Tief aufatmend wandte fich Wigand um. Sein Blick umfing die Gestalt des leidverlorenen jungen Weibes dort an der Bahre.

Schweres Irren in jugendlichem Ueberfchwanz hatte ihr und ihm bitterstes Weh gebracht - würde fic es nun vergessen, wo sie erlöst war von dem Schwersten? Dielleicht, dah diele Stunde ihm ihr Derzeihen brachte, dah ihre Hand sich in Freundschaft in die seine legte, ihm we­nigstens Frieden und Trost zu bringen.

Langsam schritt Wigand auf Ursula zu. Schmerzversunken hatte sie seine leisen Schritte nicht vernommen, nun aber tonten seine Worte ihr ins Ohr.

Genug nun, Ursula! Denk auch an dich. Du darfst dich deinem Schmerz nicht so fassungslos hingcben!" Und bittend legte sich feine Hand auf ihre Schulter.

Aber heftig schüttelte sie seine Rechte ab, in leidenschaftlicher Abwehr stieh sie hervor: .2a6 mich! Geh ich will allein sein!"

Betroffen zuckte Wigand zusammen. Aus die­sen Worten sprach mehr zu chm als der besin­nungslose Schmerz der ersten Stunden: das war eine Abwehr auch für die Zukunft.

Sie wollte die Gedankenschuld der einen un­bewachten Stunde gestern, hie ihr der Tote nicht mehr hatte verzechen können, büßen mit ihrem ganzen ferneren Geben Darum stieh sie ifjn fort. Das sollte die Sühne sein.

rang, als Sieger hervorging. Der erwartete Kantps auf der Strecke blieb aber aus. denn Hel­der I war allen feinen Konkurrenten klar über­legen und verschaffte sich schon nach dem Start einen klaren Doriprung. Ueberraschend kam das schlechte Abschneiden des Müncheners Kapp, der im Kampf um den ersten Platz nie eine Rolle spielte und im Wettbewerb um den zweiten Platz von Helder II und Bertsch geschlagen wurde. Durch die ersten beiden Plätze pon Helder I und Helder II sowie den 11. Platz durch Fritz kam der R. u. PSD. Stuttgart auch zum Siege Im MaNn- schaftslaus. Ergebnis: 1. Alder. RPSB Stutt­gart. 34:21 Minuten. 2. Helder II. RPSB Stutt­gart 34.38; 3. Bertsch. DfB. Stuttgart, 35:00; 4. Kapp. SSB München, 35: 13 Min. Mann- schastSlaus: 1. RPSB Stuttgart 14 Punkte.

Kurze Sportnotizen.

Siebzehn Rationen> werden sich an den Europameisterschasten im Schwimmen, die vom 23. dis 30. August in Paris ausgetragen werden, beteiligen.

Der Deutschlandslug 1931 wird vom 11. dis 14. August (technische Prüsung) und am 15 und 16. August <Streckenslug) abgewickelt.

100000 Eintrittskarten sind laut Mit­teilung -es holländischen Fuhballverbandes sür den Länderkampf Deutschland Holland angefor- dert worden. Besonders groß ist die Dachsrage aus Deutschland. Da jedoch das Oltzmpische Sta­dion in Amsterdam nur etwa 35 000 Personen Platz und Sicht bietet, kann nur ein Drittel der Anforderungen derückfichtigt werden. Auf Deutschland entfallen 5000 bis 6000 Karten.

Oesterreich siegte in Wien vor 40 000 Zu­schauern im Fuhballkamps gegen die Tschecho­slowakei mit 2:1 (2:1). Das Spiel war mäßig.

Hertha/BSC. und TenniSborussia trennten sich bei ihrem ersten Zusammentreffen um die Brandenburgische Fuhballmeisterschast vor 35 000 Zuschauern mit einem Unentschieden von 1:1 (1:1).

Der Fuhball-Städtekamps Köln- Mailand endete im Kölner Stadion, daS von 30 000 Menschen besucht war. mit einem Unent­schieden von 2 2 (0:1).

XanDflemeinbetaounfl in Alsfeld.

w Alsfeld, 12. April Am gestrigen Sams­tag fand dahier unter Beteiligung von über 300 Bürgermeistern und Gemeindevertretern die Dritte Hauptversammlung des Provinzial« verdand^s Oberhesfen des Hessischen Landgemeindetags unter dem Dorsitz von Bürgermeister Dr. D öl sing (Alsfeld) statt. Den * Höhepunkt der Tagung bildete ein ausgezeichnetes Referat von Landrat Dr. Dr. G e r e fe (Berlin), des Präsidenten des Deutschen Landgemeindetags, über

Die Finanznot der Gemeinden".

Der Redner wies einleitend auf die außerordent­lichen Schwierigkeiten hin, vor denen die Gemein­den, insbesondere die Landgemeinden, jetzt bei der Ausstellung ihrer Etats stünden. Die ungeheuer gestiegenen zwangsläufigen sozialen Ausgaben drohten jeden auch noch so vorsichtig ausgestellten Haushaltsplan der Gemeinden völlig zu erschüttern. Eine der vordringlichsten Ausgaben der Reichsregierung müsse es fein, durch geeignete Maßnahmen den Gemeinden die Möglichkeit zu geben, die Haushaltspläne auf eine sichere Grundfage zu stellen. Der Reichsetat

Da schritt er gesenkten Hauptes aus dem Zimmer.

18. Kapitel.

So war es denn so gut wie entschieden: Auf der afghanischen Gesandtschaft hatte man Wi­gand eben mitgeteilt, dah seine Berufung als Or­ganisator des staatlichen Heilwesens nach Kabul gesichert sei. Er werde in wenigen Tagen mit der offiziellen Bestätigung rechnen können.

Da war denn fein Wunsch erfüllt: Sein Leben hatte wieder ein festes Ziel, einen ernsten Zweck erhalten. Mit stiller Genugtuung sagte es sich Wigand, während er nun die Gesandtschaft ver­lassend - die Leipziger Straße entlang schritt, im dichten Gewühl der Passanten langsam dahin­gehend und seinen Gedanken nachhängend.

Lange Jahre, seitdem damals das Anglück über ihn gekommen war, hatte fein Leben etwas iln- tz stetes, Provisorisches gehabt. Seine Wirksamkeit in den Sanatorien hatte mit ihrer Anspannung wohl das Gute gehabt, ihn abzulenken von jenen Empfindungen, ja, ihn gar nicht recht zur Be­sinnung kommen zu lassen, aber sie hatte ihn nie befriedigen können. Den Sommer hier, den Win­ter da, je, wie die Saison es mit sich brachte da konnte man nirgends feste Wurzeln schlagen, nirgends tiefere Interessen gewinnen. Wie in einem Taubenschlag flogen die Menschen ein und aus in diesen Anstalten, ein ewiges Kommen und Gehen, täglich neue Gesichter es war eben ein Wanderleben, in das er auch mit hineingezogen war, ein unruhevolles, flüchtiges Leben, das einer bodenständigen Ratur wie der feinen nicht genü­gen konnte.

Auch nach lenen (Sreigniffen imChatelard" hatte er noch einige Jahre hindurch (Stellungen als Anstaltsarzt bekleidet, aber nur zu dem Zweck, fich eine größere Summe zurücklegen au können, mit der er dann noch einmal die Gründung einer eigenen Praxis versuchen wollte.

Dor Jahresfrist war er so weit gewesen, und nun war die Frage an ihn herangetreten: Wo sich niederlassen? Sein Heimweh drängte ihn schon lange nach seiner Vaterstadt, nach Berlin. Es zog ihn hin zu seinen Freunden und Gefährten aus der Studienzeit, er sehnte sich nach txrtrauten Menschen, nach der völligen seelischen Derein- famung all der Jahre.

So war er denn nach Berlin übergesiedelt und hatte sich in einer der neu gegründeten Siedlun­gen als Arzt niedergelassen. Aber die Hoffnun­gen, die er auf diese Ueberfieblung gesetzt hatte, hatten ihn enttäuscht. Der Umgang mit den alten Bekannten hatte ihm nicht die ersehnte Befriedi­gung gebracht. Sie waren ihm inzwischen ent­fremdet worden. Man hatte andere Interessen, andere Freunde gewonnen, geheiratet, die Fa­milie nahm sie zu sehr in Anspruch. So hatte ec sich denn wieder zurückgezogen und in nur noch tiefere Einsamkeit vergraben.