DrrMlin der das Lachen verlernt hat.
Vornan von Gert Gothberg.
Copyright by Marlin Feuchtwanger, Halle (Saale) (Schluß.)
Sie wußten, daß er im Landhause Salbcrry eine Kranke behandelte, und wußten, daß Kent nach dort war. Nun sollte er erzählen, lind so viele Einladungen wie jetzt hatten seine Frau und er nrxf) nie erhalten, lind seine gute Frau wunderte sich immer wieder auss neue über diese Einladungen — er hingegen nicht.
Natürlich wurde er gedrängt, ihnen wenigstens eiwaS von dem interessanten Manne zu erzählen: ober die Hauptsache würden sie nicht erfahren. Don ihm nicht. Dastal
Che Annemarie aus ihrem tiefen Genesungs- schlafe erwachte, reiste Kent ab. lind er sagte beim Abschied bittend:
„Miß Solberry, erwähnen Sie nie, daß ich hörte, was Annemarie im Fieber sprach. Ich liebe die junge Dame, und ich hoffe, sie Ihnen später einmal als meine junge Frau zu bringen. Vorerst braucht sie Frieden. Ich kann warten und muß es, bis sie erst wieder ganz gesund und kräftig genug ist. Haben Sie Dank für all« Güte."
Das Ehepaar begleitete ihn dann hinaus, und sie sahen ihm noch lange nach.
Annemarie war erst sehr erschrocken, als sie sich alleiir in der ihr gänzlich fremden Umgebung wußte: doch als sie die herzliche Liebe sah, mit der man sie umgab, wurde sie zutraulicher. Nach Kent fragte sie nie. Nur in ihren Augen war ein versonnener Ausdruck. So, als sei etwas da, was dem Mädchen wie ein herrliches Geschenk war.
Dem war so.
Annemarie hatte geschlafen, wollte gerade die Augen öffnen, da war Kent hereingekommen. Sie war bis ins Herz hinein erschrocken, mühte sich, die flatternden Gedanken festzuhalten, lind wie aus weiter, weiter Ferne klang die geliebte, tiefe Stimme:
„Mrs. Salberry, Pflegen Sie mein kleines Mädel gut!"
Da waren die Gedanken davongeflogen. Sie wußte nichts mehr und wußte auch bis jetzt nicht, ob es wirklich wahr gewesen war.
Wer ihr doch hätte Antwort geben können!
Mrs. Salbcrry doch sicher. Die war ja immer bei ihr gewesen. Aber was sollte die gütige Frau von ihr denken, wenn alles doch nur eine Täuschung gewesen war?
So schwieg Annemarie und vermied cs direkt ängstlich, von Kent zu sprechen.
Mrs. Salberry erzählte ihr später den Zusam- mcnhang zwischen dem Anschlag und Mrs. Shetland.
Da wurde Annemarie ganz blaß.
MrS. Shetland? Dann war sie also doch nicht die Draut Kents?"
Aus ihren marternden Gedanken heraus fragte sie:
„In Neuvork gibt cs auch eine Mrs. Shetland. Sine sehr schöne Frau! Ich dachte — sie — sei die Draut Mister Kents."
Es war das erstemal, daß von Kent gesprochen wurde. Mrs. Salberry lächelte gütig und sagte dann:
„Nein, das ist sie nicht und wird es niemals werden. Dafür kann ich mich verbürgen. Kent war der Freund ihres verstorbenen Gatten und hat sich ihm zuliebe ein bißchen um die finanziellen Angelegenheiten der jungen Witwe gekümmert. Dabei kam er selbstverständlich mehr mit ihr zusammen, als ihm im Grunde genommen lieb war. Er wußte, daß sie ihn zum Nachfolger ihres Mannes begehrte, doch er hat nie daran gedacht, es zu werden."
Wie licht und hell ringsum alles war!
Annemaries dunkelblaue Augen leuchteten in überirdischem Glanze, und Mrs. Salberry dachte:
„Du schönes, kleines Mädel du! Welch ein Glück erwartet dich!"
Als Annemarie sich ganz heimisch bei den Sal- berrys fühlte, sagte man ihr eines Tages, daß eine Dame und einige Dienerinnen kommen würden, um sie nach Kalifornien zu begleiten. Mister Kent habe das so angeordnet.
Das Mädchen erschrak.
„Mister Kent? Ich dachte — ich dürfte bei Ihnen bleiben. Was soll ich in Kalifornien?"
„Liebes Kind, auch uns fällt es schwer, Sie fortzugeben, doch es muß wohl sein. Mister Kent hat es nun einmal so bestimmt."
„3a, dann muß ich mich wohl fügen", fügte Annemarie lcifc.
Die letzte Hoffnung, daß sie Kent noch einmal Wiedersehen würde, brach in ihr zusammen.
Wie hatte sie aber auch so vermessen sein können, zu glauben, er würde hierher zurückkehren?
„Mrs. Salberry, war Mister Kent sehr böse, als er erfuhr, daß ich ein Mädchen bin?" fragte sie scheu und blickte in den Garten hinunter.
Mrs. Salberry lächelte.
„Böse? Nein! Diellcicht überrascht. Das kann stimmen. And er läßt Sie doch auch jetzt nach seiner Besitzung in Kalifornien bringen, die feiner Schilderung nach ein Paradies ist. Ich meine, so groß wird fein Zorn dann schon nicht fein."
Da lief Annemarie schnell hinaus. And gleich daraus sah Mrs. Salberry sie durch den Garten gehen.
„Schenk' ihr das Glück I Sie ist genau so blond und lieb wie unsere Mary, die wir so jung schon hergeben mußten. Lieber Gott, sie ist so liebreizend und zart, daß sie in Kents Armen am besten geborgen wäre."
Annemarie betete unter den tief herabhängenden Zweigen der Palmen einen Rosenkranz.
„Mutter Maria, hilf, daß ich ihn noch einmal wiedersehe!"
And wieder waren Monate vergangen. Annemarie lebte auf der herrlichen Besitzung KcntS und wurde verwöhnt und verhätschelt wie eine kleine Prinzessin. Oft fragte sie sich, ob das denn nicht alles nur ein unwirklich schöner Traum sei.
And bann war doch immer wieder die Sehnsucht da, die große, alles vergessende Sehnsucht nach Chorlcs Kent.
Einmal hatte sie ein paar Zeilen von ihm erhalten:
.Kleine Annemarie!
Nehmen Sie alles ruhig an! Ihr lieber Da- ter hat mir einst einen viel größeren Dienst erwiesen, als ich «s heute an seinem Kinde tun kann. And bann wollen wir zwei doch nicht vergessen, was Sie getan haben, kleines Mädel. Also Golt befohlen und genießen Sie die Schönheiten von KcMon! Ich selbst komme ja leider nur selten hin. Charles Kent." Annemarie hatte diese Zeilen immer wieder gelesen, hatte sic geküßt.
Charles Kent hatte jedes Wort eigenhändig geschrieben, er. der sonst jeden Privatbrief in die Maschine diktierte!
Das war das erste Wunder!
Das zweite war, daß er ihren Haler gekannt hatte!
Wie seltsam, wunderbar das doch war!
„Ich selbst komme ja leider nur selten hin."
Immer wieder las Annemarie diese Worte. And immer tiefer sank die Hofsnung, daß er doch einmal hierher kommen könnte. Dielleicht gar einmal einige Wochen, frei von allen Geschäften.
Korsel hatte einmal gesagt:
„Vierzehn Iahre bin ich bei ihm, aber noch nicht einen einzigen Tag Hal er Arlaub genommen. Wie er es aushält, ist mir ein Rätsel."
Das Mädchen senkte den blonden Kopf ganz tief auf die Brust. Sv würde er auch hierher nicht kommen.
Dieses Bewußtsein trübte ihr die Freude an dem herrlichen Stück Erde. And doch gab der Park ihr täglich Neues, Wundervolles.
Gab cs wirklich so viele Blumen und so viele seltene Pflanzen? Gab cs wirklich so viele bunte Falter und Insetten?
Ein Wohlgeruch ohnegleichen umgab sic, die im weihen, leichten Seidenkleid« leichtfüßig zwischen all den Blumen dahinschritt. Das lichte, lockige Haar war bedeutend gewachsen und kleidete sie ganz entzückend. Wellig fiel es in die weiße Stirn. Die kleinen Hände hielten einen Strauß tiefdunk- Icr, herrlicher Rosen.
Annemarie lachte eben hell und froh über die tollen Sprünge der zwei weißen Windspiele. So toll und voll Freude steckten sie jetzt, als fei ihnen etwas besonders Schönes widerfahren. And Annemarie wußte nicht, daß sie von dem Manne beobachtet wurde, an den sie unablässig dachte.
Kent lehnte an einem blühenden Baume, ver
deckt von dichtem Gebüsch. Seine Augen brannten auf der schlanken Madchengestalt. Sein Herz schlug laut und stark. €*ic rechte Hand umschloß einen Strauß bimfclrotcr Rosen, die süß und berauschend zu ihm empvrdusteten.
Annemarie kam näher. Ganz erstaunt sah sie. daß die Windspiele kläffend und vor Freude jaulend im Gebüsch verschwanden, um gleich darauf wieder in langen Sätzen über die Beete zu rasen. Da blieb das Mädchen plötzlich stehen. Eiskalt kroch es ihr ans Herz. 'Achtlos fielen die Rosen zu Boden, und die kleinen Hände suchten nach einem Halt.
Kent trat vor.
Seine Augen suchten die ihren.
Leise sagte er:
„Liebe, kleine Annemarie, wollen Sie mich nicht willkommen heißen?"
„Herzlich willkommen. Mister Kent. In Ihrem Heim, das ein Paradies ist und auS — dem —"
Er hatte ihre Hände ergriffen, küßte sie.
„Aus dem? Warum sprechen Sie nicht weiter, Kind?" fragte er lächelnd.
Wie gebannt blickte Annemarie ihn an.
Charles Kent lächelte!
And Mister Korsel hatte gesagt:
„Vierzehn Iahre bin ich bei ihm. doch ich habe ihn noch nicht ein einziges Mal lächeln sehen."
Matt, mit schwindenden Sinnen lehnte Annemarie sich zurück an den schlanken Stamm einer hell schimmernden Gesanclla. Da zog Kent das Mädchen an sich.
„Kind, ich liebe dich! And ich sehne mich so nach dir und deiner Liebe. Willst du meine Frau sein, kleine Annemarie? Ich bin allerdings viel älter als du, bin dir gegenüber beinah ein alter Mann: trotzdem bestehe ich auf einer Antwort, kleines süßys, blondes Mädelchen."
Da war cs Annemarie, als habe der Himmel sich geöffnet und zeige ihr Seligkeiten von.nie erträumter Süße. Ihr blonder Kopf sank an feine Brust. Ganz leise sagte sie:
„Ich habe Sie lieb, oh, so lieb."
Da küßte er sic, lange, lange. And wußte, daß er erst jetzt den wahren Inhalt seines Lebens gefunden hatte. Er gab ihr die dunklen Rosen, und dann nahm er sic wie ein Kind auf feine Arme. And sie schlang den rechten Arm um seinen Hals und drückte ihr weiches Gesicht an sein braunes, männliches. Die Blumen dufteten stärker im Park, die Sonne glüht« heißer: zwischen den hohen, mit dunkelblauen Blumen überwucherten Gängen aber war es kühl.
Dort schritt Kent, sein Glück fest an sich drückend. And alles Leid der Vergangenheit versank vor diesem Glück.
Ende!
Anser heute zum Abschluß gebrachter Roman „Der Mann, der das Lachen verlernt ha t“ von Gert Ro thberg ist im Verlag Martin Feuchtwanger, Hall« (Saale) in Buchform erschienen. (57)
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vom Preisabbau und von der Billigkeit* Franck ist ausgiebiger, kräftiger, gehaltvoller, daher viel billiger, Viel preiswerter als andere Kaffeewürzen. Mühlen Franck die gute Würze ZU jedem Kaffee!
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Freitag, 13.März, 1 A on । lhr
Samstag, 14. März J
Sonntag, 15. März, 4 und 8.30 Uhr
Einbruch in die Gedankenfront anderer Menschen.
Die Presse:
Das Wundersamste, was je erlebt wurde. Grenzenlose Begeisterung.
____________1738 C
Die Presse:
Eid bestürzendes Phänomen. Jenseits unseres Fas
sungsvermögens. Ein Welträtsel in ihren unerhörten Leistungen auf dem Gebiete der Behela- wleseischatten.
Konkursverfahren.
lieber den Nachlaß der am 26. März 1930 in Gießen, ihrem letzten Wohnfitz, verstorbenen Luise Müller geb. Loh und über den Nachlaß ihres Ehemannes, der am 13. Juli 1930 zu Gießen, seinem letzten Wohnsitz, verstorbenen Eisenbahnsekretärs i. R. Karl Müller XXII. wird heute am 10. März 1931, nachmittags 5 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet.
Der Rechtsanwalt Rothenberger in Gießen wird zum Konkursverwalter ernannt.
.Konkursforderungen find bis zum 1. April 1931 bet dem Gerichte anzumelden.
Es wird zur Beschlußfassung über die Beibehaltung des ernannten ober dis Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubigerausschusses und eintretendenfalls über die in § 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf
Freitag, den 10. April 1931 vormittags 10 Uhr vor dem unterzeichneten Gerichte — Zimmer 112 — Termin anberaumt.
Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben ober zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen ober zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für roeldje sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 1. April 1931 Anzeige zu machen. 1864D
hessisches Amtsgericht in Gießen.
Beschäfts-Drucksachen Rec*^oen BrlefblStter
Briefumschläge Postkarten
bei Brühl, Schulstraße? Geschäftskarten
Bullenverkauf.
Die Gemeinde Heuchelheim bei Gießen verkauft einen fetten Vogelsberger Bullen. Angebote pro Zentner Lebendgewicht sind schriftlid) bis zum 17. d. M., mittags 12 Uhr, auf der Bürgermeisterei einzureichen.
Heuchelheim, den 11. März 1931. (1852V hessische Bürgermeisterei.
3.23.: SteinmüKer.
Zagt)-Verpachtung.
Samstag, den 14. Mär; 1931, vormittags 11 Uhr, wird die Jagd der Gemeinde Ruppertsburg auf weitere neun Jahre in der Wirtschaft des Karl Schlörb I. verpachtet. Die Größe des Jagdbezirks umfaßt 2600 Morgen Feld und 1760 Morgen Wald. Bedingungen werden im Termin bekannt- gegeben. 1437V
Ruppertsburg, den 24. Februar 1931. hessische Bürgermeisterei Ruppertsburg.
Sögt).
Nuhholzverkaus aus dem Gemeindewald durch schriftliches Angebot.
Fichlenlangholz:
Klaffe la 337 Stämme - 61,09 fm
„ 1b 238 „ = 83,23 „
„ 2a 64 „ = 40,00 „
„ 2b 15 „ - 15,07 „
„ 3a 2 „ 2,90
Das Holz ist mit Rinde gemessen, aber entrindet refp. wird noch entrindet. Angebote sind getrennt nach Klassen, mit Aufschrift versehen, bis zum 16.0.211., nachmittags 2 Uhr, bei der unterzeichneten Stelle, wo auch die Bedingungen eingesehen werden können, einzureichen. Zuschlagsfrist zehn Tage. 1758V
Leihgestern, den 7. März 1931.
Bürgermeisterei.
ItaWtoffe
für das Frühjahr!
Mantelstoff, engl. Art,in aparten n Qf] Ausmusterungen,ca. 140cmbr.,6.80, U.ZU
1152 A
Ueberzeugen Sie sich bitte unverbindlich von der großen Auswahl, den guten Qual, u. den geschmackvoll ausgesucht. Dessins
Mantelstoff nopp6, verschied, r Oft
Musterstellungen, ca. 140 cm breit, U.ÖU
haus Nowack Seltersweg 81
Mantel-Tweed, solide Qualität, Q nn
ca. 140 cm breit.................. u.3U
Mantel-NouveautOs, in Tweed, engl. Art, Tallor mades usw., reine
Wolle, ca. 140 cm breit, "J Af|
11.80, 10.50, 9.50, I .LU


