Ausgabe 
13.2.1931
 
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Aeitag, 15. gebruar 1931

Giessener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessens

Nr. 57 Zweites Blatt

Oberbeffen.

Landkreis (Sictzen.

CO Klein-Linden, 11.Febr. Im Saale des Gasthauses3ur deutschen Eiche" fand ein Ge- meindeadend statt. Die Ausgestaltung des Abends hatten die Mitglieder der hiesigen Iugendvereini- gungen übernommen, Pfarrer Bremmer hieß die Mitglieder der Jugendoereinigungen von Gie. ßen l.nd Lang-Göns willkommen und sprach kurz über die Wichtigkeit der Jugendarbeit. Ehorvor- träge, Volkstänze, gemeinsam gesungene Lieder und ein ernstes Thcaterspiel füllten den Abend aus. Die Darbietungen sanden starken Beifall. Der Turnverein Klein»Linden (DD.) bett in seinem Heim einen Familienabend ab, der sehr gut besucht war. Turnerinnen und Turner boten unter der Leitung ihres Turnwartes eine Reihe schöner Hebungen und die Musterriege zeigte hervorragende Leistungen am Barren sowie am hohen Reck und stellte damit die ernste Arbeit, die im Turnverein geleistet wird, unter Beweis. Ein Theaterstück, musikalische Darbietungen und Tanz füllten den übrigen Abend.

f. Aliendors (Lahn). 12. Febr. Der hie­sige Gewcrbcverein hielt eine Versamm­lung ab. Geschäftsführer Kirchner (Gießen) sprach über den ..Kampf des Handwerks um seine Existenz". Die Ausführungen gaben Veranlas­sung zu einer regen Aussprache. Anschließend würden noch eine Reihe geschäftlicher Angelegen- heilen besprochen.

* Watzenborn-Steinberg, 12. Febr. Der GesangvereinEintracht" leierte unter zahlreicher Beteiligung sein 62. Stiftungsfest. Der Vorsitzende Iohs. Schäfer hielt eine kurze Ansprache und betonte, daß auch der Gesangverein Eintracht" in der Pflege des deutschen Liedes seine edelste Aufgabe sehe. Der Chor des Vereins unter der Leitung des Chormeisters Georg Harnisch (Steinberg) brachte sodann eine Reihe schöner Lieder zu Gehör, die starken Beifall fanden und verdienten. Im zweiten Teil des Abends gelangten ein Volks» stück und ein Schwank zur Aufführung, die wesentlich zur Hebung der Stimmung beitrugen. Der Abend nahm einen sehr schönen Verlauf.

0 Hausen, 12. Febr. Am Sonntag veran­staltete der MännergesangvereinGer­mania" seine diesjährige Abendunterhaltung in der Wirtschaft Dörr. Aach einleitenden Worten des Vorsitzenden und einem Prolog sang der Verein mehrere Chöre in guter Abrundung und schöner Klangreinheit. 3m Mittelpunkt des Abends stand ein siebenaktiges Theaterstück. Man darf sagen, das; von den Mitwirkenden eine lo­benswerte Leistung erreicht wurde. 3n den Pau­sen kamen gut vorgetragene Konzertstücke zu Ge­hör. Der Abend nahm einen in jeder Beziehung befriedigenden Verlauf, der den Verein mit Stolz und Freude an seiner Arbeit erfüllen darf.

Annerod, 13. Febr. Am heutigen Tage be­geht die Ehefrau des Karl Schäfer I., Marga­ret h e, g e b. Dörr, in bester Frische und Gesund­heit ihren 7 5. Geburtstag.

is. Steinbach, 11. Febr. Der Veteran von 1870/71, der letzte unseres Dorfes, Fleischbe­schauer i.R. Balthasar Müller beging seinen 85. Geburtstag. Aus diesem Anlaß wurde ihm vom ehemaligen Großherzog ein Dild mit Unter­schrift durch den Kriegerverein überreicht. Der Herr Reichspräsident ehrte den Jubilar ebenfalls durch die Zusendung seines Bildes. Auf An­regung des hiesigen Frauenvereins wurde hier ein kirchlicher F«auenchor gegründet, dem bisher etwa 50 Frauen und Mädchen bei* getreten sind.

Rödgen, 11. Febr. Zum Besten des hiesigen Kindergartens führte der Gesangverein Concordi a am Sonntagabend im Wagner-

Dor der Berufswahl.

Don Bianca Kolb, Arbeitsamt Gießen.

Der Termin der Schulentlassung ruckt näher und in den Kreisen der Ettern und Schüler wird die Frage der Berufswahl eifrig erwogen. Ihre Be- antwortung ist heute schwieriger als je. Die wach­sende Zahl der Arbeitslosen in allen Berufsgruppen zeigt, daß im Augenblick alle Berufe gleich ungünstig, alle gleich überfüllt, alle gleich aussichtslos sind. Doch diese Momente dürfen die Eltern nicht dazu ver- leiten, untätig zuzusehen und wie sehr oft zu beobachten ist ihre Kinder zu bestimmen, un­gelernte Arbeit zu ergreifen. Alle Eltern, die dazu in der Lage sind, sollten ihre Kinder, sowohl Kna­ben wie Mädchen, einen Beruf erlernen lassen. Ungelernte Arbeit bringt bestenfalls im Anfang eine höhere Entlohnung: bereits nach kurzer Zeit sinkt der Lohn des ungelernten unter den des ge­lernten Arbeiters.

Der Ungelernte fällt viel schneller der Arbeits­losigkeit anheim als der Gelernte.

Materielle Gesichtspunkte, wirtschaftliche Aus- sichten im Beruf dürfen heute bei der Berufswahl nicht mehr allein maßgebend sein. Eignung und Neigung müssen den Ausschlag geben. Dabei hat die Eignung an erste Stelle zu treten, denn in jedem Berufe werden heute Höchstleistungen ver­langt. Fleiß und guter Wille können nicht mehr wie es früher möglich war mangelnde Be­gabung ersetzen. Es ist weit besser, einen Beruf zu erwählen, für den der Junge oder das Mädchen geeignet ist, als sich, durch falschen Ehrgeiz ge­trieben, für einen Beruf zu entscheiden, dessen An­forderungen auf Grund der vorhandenen Begabung nicht erfüllt werden können. Der Jugendliche muß sich zu dem erwählten Beruf hingezogen fühlen. Dabei soll aber nicht oberflächliche Berufskenntnis bestimmend wirken. Ein Besuch der Arbeitsstätte wird erkennen lassen, wie sich das Leben in dem ge­wünschten Berus abspielt und dem Jugendlichen zeigen, daß der Alltag im Berufsleben oft ganz anders ist, als die Vorstellung, die sich der Laie davon macht. Nicht vergessen darf man allerdings, daß jeder Beruf nicht nur Licht-, sondern auch Schattenseiten besitzt. Die Berufsfrage ist für Knaben und Mädchen gleich wichtig und gleich schwierig. Diele Frauen sind heute gezwungen, selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen: manche Frau muß dazu beitragen, die wirtschaftliche Lage der Familie erträglicher zu machen.

Eine große Rolle spielt die Schulbildung des jungen Derussanwärters. Die Eltern sollten deshalb schon bei der Ein- oder Umschulung ihrer Kinder bedenken, daß

für die Berufsergreifung der abgeschlossene Besuch der Volksschule weit günstiger ist, als eine wegen Mangel an Begabung oder aus finanzielle,» Gründen abgebrochene höhere Schulbildung.

Für die spätere Berufs ausübung ist eine gute, ordnungsgemäße Ausbildung von größter Wichtigkeit. Die Ausbildungsbedin^ungen für die Mädchen müssen die gleichen sein wie für die Kna­ben. Handwerk, Industrie und die kaufmännischen Berufe erfordern im allgemeinen eine 3- bzw. 4jährige praktische Lehre. Kurzfristige Kurse, wie sie in den letzten Jahren, besonders in den kauf­

männischen Berufen propagiert wurde»r, sind ab- zulehnen. Sie können keinesialls den Jugendlichen so schulen, daß er im Berufsleben mit vollwertig ausgebildeten Bewerbern konkurrieren kann. Ins­besondere m den kaufmännischen Berufen sind die Aussichten so ungünstig, daß nur der vorwärts- kvmmen wird, der über besondere Fähigkeiten und eine gute berufliche Schulung verfügt. 'Die aka­demischen Berufe bieten nur demjenigen Möglich­keiten, der Tieberdurchschnittliches zu leisten ver­mag. Richt jeder Abiturient, nicht jede Abiturien­tin muh studieren. Die lange Studienzeit kostet viel Zeit, Kraft und Geld. Vorherige reifliche Tleberlegung ist notwendig, denn jedes vorzeitig abgebrochene Studium bedeutet Verlust der ge­machten Aufwendungen.

Die sogenannten weiblichen Berufe, wie Kindergärtnerin, Jugendleiterin, Säuglingspfle­gen n, Sozialbeamtin, f o rdern besondere persönliche Eignung. Bei diesen Berufen ist nicht nur die gute Ausbildung, sondern vor allen Dingen auch die menschliche Einstellung, dassich berufen fühlen" ausschlaggebend.

Es ist für die Schulentlassenen sehr schwer, sich schon in jungen Jahren, besonders in einer wirt­schaftlich so unsicheren Zeit für einen Beruf ent­scheiden zu müssen, den sie ihr Leben lang aus­üben sollen. Berufswechsel ist meist unmöglich. Er bedeutet erneuten Aufwand an Zeit, Kraft und Geld und für kürzere oder längere Zeit Der- dienstausfalk, heute ein Luxus, den sich nur die allerwenigsten leisten können. 51m so wichtiger ist die richtige Entscheidung bei der ersten Berufs­wahl. Gründliche Orientierung über die geistigen und körperlichen A forderungen, die Ausb. Iburgs Wege und -Möglichkeiten des gewünschten Berufes müssen diesem wichtigen Schritt vvrangehen. Hier­bei Eltern sowie Schüler und Schülerinnen zu beraten, ist Aufgabe der öffentlichen Berufs­beratung. Sie tarnt unparteiisch über alle Berufs­zweige Auskunft erteilen, dem jungen Menschen helfen, den schweren Schritt der Berufsentschei- dung zu erleichtern.

Qlber auch Arbeitgeber und Lehrherren haben es in der Hand, die jungen Menschen vor sal- scher Berufswahl zu bewahren. 3n letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen Knaben und Mädchen auf Grund persönlicher Beziehungen, ohne 'Berücksichtigung der Derufseignung als Lehrling eingestellt werden. Selbst bei Richt­eignung zum gewählten Beruf werden sie dann, aus falscher Rücksichtnahme, über die Probe­zeit hinaus bis zur Beendigung der Lehre be-. halten. Welch schlechter Dienst wird damit die­sen Jugendlichen erwiesen. Sie werden kaum einmal tüchttge Berussarbeiter werden und selten die Forderung erfüllen können, die heute in jedem Beruf gestellt werden muß:

Höchstleistung an Qualität auf dem gewählten Gebiet."

3m Interesse der berufsreifen Jugend wäre es deshalb wünschens»vert, daß die Arbeitgeber ihre offenen Lehrstellen der öffentlichen Berufs­beratung melden, die ihnen körperlich, geiftig und menschlich für den Beruf geeignete Jugendliche zuweisen kann.

scheu Saalbau zum zweitemnal das Schauspiel Der Glockenguß von Breslau" auf. Die Ver­anstaltung war gut besucht, so daß dem Kinder­garten ein ansehnlicher Betrag überwiesen werden wnnle.

e Reiskirchen, 12. Febr. Der Gesang­vereinEinigkeit" veranstaltete einen gut besuchten Familienabend. Der erste Vorsitzende, Ludwig Müller, begrüßte die Mitglieder und Gäste. Die int Juni 1930 aus Anlaß ihrer

Der Hann der das Lachen verlernt hat.

Zftoman von Gert Nothberg.

Copyright by Martin Feuchtwa ger: Halle iSaale) 6 Sortierung. Nachdruck verboten

3a, sicher. Zum Beispiel dieser Walzer! Sie tanzen ger.t, Frau Fürstin?" .

.Ja. sehr gern. 3ch bin leider immer auf die Gnade fremder Herren angewiesen. Mein Mann tanzt nicht."

Lr lachte. ,

Ihr Herr Gemahl hält es gewiß mit seinem ernsten Beruf nicht vereinbar?"

Ach, gehen Sie! So ein verknöcherter Diplo­mat, wie er ist. Weih er doch recht gut, was die Freuden des Lebens sind. Rur seiner eigenen Frau gegenüber weiß er es nicht."

Das Thema wurde verfänglich. Kentner be­reute, es dahin getrieben zu haben. Leichthin sagte er:

Ich werde vielleicht auch nicht mehr tanzen, wenn ich älter bin."

Weichen Sie doch nicht aus, Kentner! Sie werden Ihrer Gattin zuliebe immer tanzen. Ich kenne mich aus."

Vielleicht haben Sie recht, Durchlaucht.

Die Stimme der Fürstin wurde weich, flü- 'tCJ3d) beneide Ihre zukünftige Gattin. Wissen Sie das?"

Er schwieg.

Seine Gedanken eilten heim in die Salzburger Alpen. Dort weilte auch eine schöne, leidenschaft­liche Frau, die ihn mit ihrer Liebe verfolgt hatte. Waren denn jetzt alle Frauen chren Man­nern nicht mehr treu? Was war beim das für ein Spiel, dein man überall begegnete? Aber butte er denn früher auch so gedacht? Waren wirklich nicht auch oft Frauqi in feinem Leben gewesen, die einen ehrenwerten Gatten besaßen?

Warum dachte er jetzt gering über all diese Frauen? Weil er Maria von Worthy liebte?

Sein Blick flog zu ihr. Eine heihe Glut war in diesem Blick.

Die Fürstin sah diesen Blick. Heller Haß war in dem ihren. Maria? Sie sollte die Gattin dieses begehrten Mannes werden? Gerade sie? Womit hatte sie sich dieses Glück verdient? Mit chren Beziehungen zu Bonenbirchner vielleicht?

Fürstin Leobstein atmete tief auf.

Mit dem, waS sie wußte, würde sie Maria immer in der Hand haben. Sie hatte nie daran gedacht, Maria an diese Schmach zu erinnern.

Doch nun mußte es sein. Maria durfte ihr nicht in den Weg konunen bei Kentner nicht!

Kentner sah die Fürstin scharf an. Sie senkte den Blick vor seinen Augen. Ihr war, als »nüsse er durch sie hindurchsehen, müsse all die schwarzen Gedanken lesen, die in ihr wohnten. Sie raffte sich auf, sprach lächelnd:

Auf das Plauderstündchen am Dienstag freu ich mich sehr." .

Ehre und Freude sind nur auf meiner Seite, Durchlaucht", sagte Kentner gedankenverloren. Seine Augen schweiften an ihr vorüber und suchten Marias blasses, müdes Gesicht, das doch so wunderschön war.

Graf Kentner ging am Dienstag pünktlich in das schöne, vornehme Haus der Fürstin. Er war erstaunt, daß ihn die Fürstin in ihrem klei­nen, intimen Teezimmer empfing. Sonst sah er niemand von den Gästen, die er erwartet hatte. Hatte die Fürstin ihm vielleicht ein Alleinsein mit Maria ermöglichen wollen? Wie lieb das von ihr war. Wie er ihr das danken würde.

Suchend blickte er sich um.

Sie bemerkte es. Ihre Lippen kräuselten sich spöttisch. , _

Liebenswürdig plauderte sie mit ihm. Dann sagte sie:

Sie sind erstaunt, nur mich vorzusinden, Graf Kenttier? Ich habe das so arrangiert, da ich mit Ihnen sprechen muß. Sie lieben meine Kusine Mar a von Worthy?"

Ja!" sagte er cf. en.

Ich dachte es mir. Hub Sie wollen Sie zu Ihrer Frau machen?" _ ,_cr ,,r

Sein Blick wurde abweisend kühl. Ebenso kühl und abweisend klang seine Stimme:

Dieses Examen, Frau Fürstin? Ich weih wirk­lich nicht ..

Was mir das Recht baju gibt?1 ergänzte sie, und ihre Wangen brannten.Ich will es Ihnen sagen, Kentner: Weil Maria diese Liebe nicht wert ist."

Er sprang auf.

Durchlaucht! Ich bitte um eine Erklärung!

Sie sollen sie ja haben, Kentner, diese Erklä­rung. Würden Sie eine junge Dame^ heiraten, die bereits einem anderen gehört hat?"

Kentner starrte auf die blonde Frau. In seinen Augen glomm es unheilverkündend auf.

Sic wollen das Gespräch nicht auf Maria be­ziehen?" fragte er.

Doch! Sie ist's gerade!"

Durchlaucht!"

Ja! Und weil ich weiß, was in Marias Ver­gangenheit war, soll es ihr nicht gelingen, Sie einzufangen! Der Grund braucht hier nicht er­wähnt zu werden, der Grund, warum ich diese Heirat zu hintertreiben gewillt bin."

Kentners düsteres Gesicht war der schönen Frau zugewandt.

Frau Fürstin. Ich bat um eine Erklärung." Maria war die Geliebte Donenbirchners!" Kentners Hände umklammerten die Lehne des Stuhles. Eine ungeheure Wut und Kraft war in dieser Umklammerung. Die Fürstin blickte auf diese schönen, kraftvollen Männerhände, und ein Triumph ohnegleichen war in ihr, daß diese Hände nun niemals Maria streicheln und liebkosen würden.

Das war gut so. Oh, wie gut das war!

Kentners Stimme Uang heiser, als et zwischen den Zähnen hervorstieß:

Beweise, Frau Fürstin? Gibt es die?"

Ja! Ich denke, daß ich Ihnen diese Beweise verschaffen kann."

Dann darf ich wohl bitten?"

Ich weiß es längst! Maria hat sich mir damals anvertraut. Wäre ihre Wahl nicht auf Sie ge­fallen einem anderen Manne würde ich niemals die Augen geöffnet haben. Doch Sie dürfen diesem Betrug nicht zum Opfer fallen, well Ihre Ideale daran sterben würden, weil Sie Maria doch auf einen Sockel gestellt haben, wie eine Hei­lige, und sie anbeten würden: sie verdient es nicht. Ich will nicht lügen. In dieser Stunde nicht, Kentner. Ich liebe Sie! Und nun habe ich Maria gehaßt, weil sie die Glückliche sein sollte, die Karl Kentners Frau wird. Das durfte nicht sein.

Maria hat Bonenbirchner geliebt, und der hat die Situation ausgenützt. Wozu darüber reden: mir fällt es auch nicht leicht. Maria liebt ihn heute nicht mehr: aber sie kann doch damit das Gewesene nicht einfach auslöschen. Das wlll sie aber anscheinend. Bonenbirchner läßt sich aber nicht ohne weiteres beiseite schieben. Der nicht. Maria hat ihm Immer wieder Geld gegeben, weil er spielt und immer wieder Geld braucht. Er hat sich in letzter Zeit auch mit den Verhält­nissen abgefunden.

. Gestern jedoch taut Maria zu mir und erzählte mir. in höchster Aufregung, daß Bonenbirchner sie beschwöre, sich mit ihm zu tveften. Ich habe ihr nun gesagt, daß ich meinen Gästen für heute, absagen, und daß sie sich mit Bonenbirchner bei mir treffen könnte. Ich habe. Maria getäuscht, denn ich erwartete einen Gast. Sie lieber Kent­ner. Damit Sie sich überzeugen können, wie Bo- nenbirchner sich dazu stellt, daß er abgetan sein soll."

Kentners Gesicht war wie aus Eisen. Die Zähne hatte er fest zusammengebissen. Liebe und Ver- trauen waren nun dahin.

Ich danke Ihnen, Durchlaucht. Ich nehme Ihr Airerbieten an. Run muh ich alles wissen, um so schnell wie möglich meine Entschlüsse fassen zu können."

Die Fürstin sah auf ihre Deine, mit Brillanten besetzte Uhr.

.Bitte, setzen Sie sich wieder hier in btefen Sessel. Ich werde dir Tür zu diesem Zimmer öff-

25jährigen Mitgliedschaft geehrten Sänger stifte­ten einen Fahnennagel, der durch den Sanges­bruder Schmidt angeheftet wurde. Derselbe gab zugleich einen kurzen Rückblick auf die Tätig­keit des 'Vereins und dankte u. a. dem Dirigenten Ehr. Möbus für feine Arbeit. 3m Mittel­punkt des 2lbends standen die Ausführungen zweier Theaterstücke und einiger Gedichtvorträge, die mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurden. Der Abend verlies in srohgestimmter Geselligkeit.

O Holzheim, 10. Febr. Der Gesang­vereinHarmonie" hielt in der Wirtschaft von Georg Sommer seine Jahreshaupt­versammlung ab. Der 1. Vorsitzende, Land­wirt Heinrich Jung II., erstattete den Jahres­bericht. Es wurden 54 Gesangsstunden abgehalten. Der Verein, der 70 Mitglieder zählt, nahm teil am Wertungssingen in Ostheim und an einem Sänger­fest in Lang-Göns. Im Hinblick auf die schwere Zeit sott in diesem Jahre kein auswärtiges Fest besucht werden. Rechner Karl Müll erstattet« die Rechnungsablage. Die Einnahme betrug 250 Mark, die Ausgabe 170 Mk. der Aeberschuh 80 Mark, und das Vermögen 380 Mk. Der Rech­ner wurde entlastet. Dem Chormeister Georg Same«scn. wurde für seine mustergültige Ar­beit gedankt. Zwei satzungsgemäh auszuscheldend« Vorstandsmitglieder wurden wiedergewahlt.

Q Holzheim, 11. Febr. Am Sonntagabend fand in unserer Kirche ein musikalischer Abend statt. Mitmirkende waren der Gemischte, der Männer», der Posaunen», der Gitarrenchor, der Organist und einzelne Gemeindeglieder. Die musikalischen Dar­bietungen unter Leitung von Wilhelm Engel ge­fielen durchweg sehr gut Die Kollekte (161 Mark) ist für die Deckung der Unkosten für die Wieder­herstellung unseres alten Gotteshauses bestimmt.

D Lich, 11. Febr. Bei der RutzhvlzVer­steigerung der Stadt Lich wurden 60 Prozent der Landesgrundpreise erlöst. Es kosteten durch­schnittlich Buchenschciter 25 Mk., Eichenscheiter 12 Mark, Buchen knüppel 20 Mk., Cichenknüppel 8 Mk., Duchenstöcke 10 Mk., Eichen- und Fichten­stöcke 4 Mk., Eichennuhscheiter 12 Mk. je zwei Raummeter. Buchenwellen kosteten 12 Mk. je 50 Stück. Fichtenbohnenstangen 100 Stück 7 Mk.

! Hungen, 11. Febr. Der Autobus des Zweckverbandes Hungen Schotten, der nunmehr vier Jahre läuft, bedarf einer größeren Repara­tur. Da das Unternehmen stets Zuschüsse von feiten der beteiligten Gemeinden erforderte, Zu­schüsse, die sich nun noch erhöhen werden, ist eS fraglich, ob die Autolinie in dem bisherigen Um- fang fortgeführt werden kann. Man trägt sich mit dem Gedanken, die Autolrnie auf der Streck« HungenLangdRodheim bestehen zu lassen, von einer WÄtersührung bis Eichelsdorf jedoch abzusehen. Die Bevölkerung würde es allgemein bedauern, wenn die Autolinie Aum Erliegen kom­men müßte. Auf Veranlassung des R e i t - und Fahrvereins Hungen fand hier ein etwa 14tägiger Achenbach-Fahrkursus statt, an dem sich die Pferdebesiher aus Hungen und den umliegenden Dörfern zahlreich betei­ligten.

I Steinheim, 12. Febr. Erschreckt durch das Musizieren zweier Straßenmusikanten scheuten die Pferde eines hiesigen Landwirts. Einige Kinder, die auf der Straße spielten, flüchteten zur Seite: dabei war das dreijährige Kind deS Arbeiters A. Oberheim rucht schnell genug, so daß es von dem Fuhrwerk über­fahren wurde. Ein Rad des glücklicherweise leeren Wagens ging über den Kopf des be­dauernswerten Kindes und verletzte es erheblich. Man nimmt jedoch an, daß keine Lebensgefahr besteht.

nen. Dann können Sie durch die Porttere jedes Wort hören, das drüben gesprochen wird. Ich werde die beiden in das nebenan liegende Zimmer führen. Cs ist gleich so weit."

Kentner setzte sich nicht. Er lehnte dicht an der Tür. Leise verließ die Fürstin das Teezimmer.

In ihr war keine Reue, nur eine grenzenlose Erleichterung, daß Kentner nun Maria nicht küssen würde. Run nicht!

Wenige Minuten später kam Maria. Sie wurde von der Fürstin liebenswürdig In den grünen Sa­lon geführt.

Du willst nicht oblegen? Ich bitte dich, mache es dir doch bequem, Maria."

Rein, nein! Laß nur, Lena. Ich bin furcht­bar aufgeregt Was er nur will? Mein Gott! Soll ich denn niemals mehr Ruhe vor diesem Männe bekommen!?"

Hast du Geld mitgebracht? Er wird eine grö­ßere Summe brauchen und hat geglaubt, du be­willigst sie ihm nicht, wenn er dir nur einen Brief schreibt."

Ich wollte, er träte tot! Er ist der böse Geist meines Lebens. Ach, Lena, wenn ich dich nicht hätte!"

Es flingette.

Siehst du, da kommt er, der Erpresser! lind ich habe ihn einmal geliebt! Lena! Es muß Augenblicke im Leben geben, wo der Mensch nicht Herr seiner Sinne ist. Wie hätte ich mich sonst einem Bonenbirchner schenken können!"

Wie Stöhnen klang es an Marias Ohr.

Was ist das, Lena? Mir war, als wäre eilt Mensch in der Rähe."

Unsinn! Ich hab schon gesorgt, daß wir allein sind. Das könnte uns nod) fehlen, daß uns noch jemand überraschen würde. Aber nun wlll ich dem Grafen entgegengeben. Er soll ruhig wissen, daß ich mit dck bin. Herein komm ich natürlich nicht. Sprich dich also ruhig mit ihm aus. Es tut ja doch bitter not.

Ja! Ich danke dir, Lena."

Marias Stimme Uang angstbebend.

Kentner sah durch den Spalt der Portier« Maxia.

Wie fremd sie ihm auf einmal vorkam. 11 nb doch liebte er sie, hatte sie geliebt mit seinem heiligsten Empfinden. Aber Maria war ja Do­nenbirchners Liebchen! Die schöne, stolze Marial

Beide Fäuste preßte er an den Mund.

Maria! Ich könnte dich töten! Daß du dir und damit nun auch mir das antun konntest!"

Drüben öffnete sich die Tür.

Graf Bonenbirchner tarn lächelnd herein» Ebenso lächÄnd ging er auf Maria zu. Dann blieb er, die Hände in den Taschen, dicht vor ihr -stehen.

Guten Tag, Maria. Ich danke dir, daß du dieses Zusammentreffen ermöglichen konntest."

(Fortsetzung folgt.)