Ausgabe 
12.12.1931
 
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Der südslawische UnterrichtLminister Maximowitich bat ein Gesetz erlassen, das für das deutsche Schulwesen in Lüdslawien einen oernich lenden Schlag bedeutet. Durch das Gesetz, das oom König bereits unterzeichnet ist, werden sämtliche deutschen Bürgerschulen geschlossen. Damit sind olle Zugeständnisse, die die Belgrader Negierung vor einem Jahre den Deutschen gemacht hatte, wieder zurückgezogen worden.

Kleine politische Nachrichten.

Der Herr Reich-Präsident hot am Frei­tagabend die VunbeSführer beS Stahl­helm empfangen. Die Unterredung soll An­fang nächster Woche fortgesetzt Werben.

die Beförderungsunternehmungen und den Elektrizitäls- und Gaspreisen zu- wenden. Mit aller Entschiedenheit lehnt er e# ab, eine Wasserkopsbehörde zu schaffen, die dem deut schen Steuerzahler aller Schichten wieder Geld kostet.

6od)fd>ulnodm(f)ten.

Professor Dr. Hermann IahrreißlnLelV- »io hat den an iyn ergangenen Rus auf den Lehr- nuhl für öffentliches Recht an der Universität Greifswald als Rachfolger von G. Leibholz zum 1. April 1932 angenommen.

ist. um unser Volk wieder hochzubringen, wir können doch unmöglich olles zugrunde gehen losten, nnr damit unsere Rachfolger ein ge­machte» Bett vorsinden. Darum muh ich mit aller Entschiedenheit hervorheben, dah die Re­gierung sich für verpflichtet hält, alle Mah­nahmen zu treffen, die sie im Interesse der Auf- rechlerhaltung unseres Staates und der Lebeus- sShigkeil unseres Volke» für notwendig hält. 3n diesem Sinne bitte ich die Verordnung zu würdigen.

Oie Wirischafispariei zur Notverordnung.

Gegen eine Reichtaqscinberufung vor dem Fest.

-Berlin, 11. Dez. (VDZ.) Der Aeichsaus- schuh der Wirtschaftspartei nahm den -Bericht des Fraktionssührers der Reichstagssraktion über

Die Ausgabe des preisüberwachungskommiffars

Or. Goerdeler bittet um die Mithilfe der Hausfrau. Gegen jede unangebrachte Zurückhaltung bei den Weihnachtseinkäufen!

Noch keine Wahl -es Staatspräsidenten in Hessen.

Vertagung bis nach dem Fest. - Oie nationalsozialistischen Anträge auf Winterhilfe auch im Landtagsplenum angenommen. - Mißtrauensvotum gegen das geschäftsführende Kabinett. Oer Landtag macht Weihnachtsferien.

Der russische VolkSkommissarL u n o t s ch a r s k t, der im Rat der Volkskommissare für die bolsche­wistische Kulturpolitik verantwortlich zeichnet und sich auf einer Dortragsreise durch Mitteleuropa befindet, sollte auch in Düsseldorf spre­chen. Der Regierungspräsident hat jedoch auf Grund der Rotverordnung vom 8. Dezember den Vortrag verboten.

3n den letzten Tagen haben in Berlin erneut Besprechungen über die künftige Gestaltung des deutsch, schwelzerl chen HanbclSver- trage- mit dem Fahrer der schweizerischen Handel-vertrag-delegation Stuckt stattgesunden. Obwohl bei den Verhandlungen von beiden Setten der aufrichtige Wille bekundet worden ist, die bestehenden Schwierigkeiten zu überwinden, ist cs nicht gelungen, zu einer positiven Lösung zu kommen Stu cf i hat B~(in wieder verlassen, um der schweizerischen Regte Tung Bericht zu er­statten.

mit gröberer Klarheit zu übergehenden aufcen politischen Lage sowie zu den Auswir- kungen der Rotverordnung Stellung nehmen zu können. Dieser Vefchluh wurde ebenso wie der Vefchluh der Fraktion ein stimmig gesaht.

Oie Volkspartei für die sofortige Einberufung des Reichstags.

Berlin, 11.Dez. (VDZ.) Die Reichstags- fraltion der DVP. Hat sich am Fr.ntaa mit der letzten Rotverordnung der Reichs- regierung beschäftigt. Bet den Er­örterungen wurde durchaus anerkannt, dah in dieser Rotverordnung der erste Versuch eines Wirtschaft-Programms vorhan» den ist, dah man aber anderseits den einzelnen Bestimmungen doch sehrskevtisch gegenüber- stehen muh D e Fraktion beschäftigte sich weiter mit der Einberufung de- Reichstags Sie wird für d i e Einberufung des Reichstags stimmen.

Das kirchliche Disziplinargericht beschloß, den Pfarrer Eckert (Mannheim) au» dem Ä i r chündiensl tu entlassen. Das Gericht hat sich somit der Auffassung der Obersten Kirchenbehörde angüschlossen, wonach ein evangelischer Geist!.eher nicht Mitglied der k i r ch e n f e i n d l» ch e n Kommunistischen Partei sein könne und dah Eckert seine Nuhlandreile ohne Erlaubnis unter­nommen hab«.

die politische Lage und die Stellungnahme der Fraktion zur Rotverordnung entgegen. Der Rcichsausfchuh sieht in der Rotverordnung ein letzte- unerhörte- und in fernen Aus­wirkungen derzeit noch unübersehbares Opfer im Kampfe um die politische und wirt­schaftliche Freiheit Deutschlands, da- die Reichs- regierung von dem deutschen Volle nur dann zu fordern berechtigt sei. wenn sie von dem unerschütterlichenWillenersüllt sei, den Kampf gegen den 03 e r f a i I le r 33 er­trag im ganzen mit allen Mitteln zu führen und im ^sonderen jede Tributzahlung für die Zukunft abzulehnen. Der Reichs- au-fchuh nahm von dem Vefchluh der Fraktion, die Entscheidung über die Einberu­fung de« Reichstag« auf Anfang Ja­nuar zu legen und gegen den kommunisti­schen Antrag auf Einberufung des Reichstags noch vor Weihnachten zu stimmen, Kennt­nis hält jedoch den Zusammentritt des Reichs­tag« in der ersten Hälfte des San u ar für erforderlich, um dann zu der bis dahin

dah ihre Fraktion keinen gangbaren Weg zur Deckung der Winterhilfe wisie.

Abg. Dr. Niepoth (D. Dp.) erklärt, aus der Erklärung des Nationalsozialisten Dr. Muller müsse man schließen, dah die Nationalsozialisten, wenn sie im Besitz der Macht wären, diese Dinge durch­fuhren wollten. Aber selbst Hitler werde es nicht gelingen, aus dem hessischen Volk neue 19 Mil­lionen Steuern herauszupressen. Die Nationalsozia­listen als stärkste Fraktion des Landes mühten jetzt an verantwortlicher Stelle sich entschei­den, ob sie Agitation oder politische Ar­beit leisten wollten.

Abg. Cur (Soz.) stellt fest, dah die Oefamtfteuer- ertrüge Hessens aus Grund- und Gewerbesteuer je 7,5 Millionen Mark betragen. Mit dieser Belastung hätten die Nationalsozialisten im Wahlkampf ihre Aktion bestritten, und jetzt wollten sie selbst noch weitere 20 Millionen Steuern aus dem Volk heraus» holen.

Abg. Glaser (Cbb.) erkennt die große Nollage infolge der katastrophalen Erwerbslosigkeit an. Frei­willige Sammlungen von Lebensmitteln und son» fügen Naturalien finden unsere Unterstützung und Befürwortung. Eine Erhöhung oder Erhebung von neuen Steuern zur Behebung dieser Notmaß- nähme auf landwirtschaftlichen Besitz müssen wir ganz entschieden ablehnen, da die der­zeitige Besteuerung schon weit über die Grenze des Möglichen geht.

3n bet Abstimmung wird bet nakionalfozlaUsllfche Antrag auf Winterhilfe gegen volkspartel und Canbbunb bei Stimmenthaltung von Zentrum unb Sojialbemofraten angenommen. Ein kom­munistischer Zusahantrag,die zur Auszah­lung erforberllchen Mittel werben unabhängig von bem Stanb bet verhanblungen mit bet Reich»- regierung von bet hessischen Regierung bereltgestelll, um bie Winterhilfe am 1.3a- nuat 1932 auszuzahlen", rolrb bei Stimmenthaltung von Zentrum unb Sojialbemofraten von ben Ra- tionalfojialiffen abgelehnt.

Annahme finben bet Antrag Böhm unb Jen- chel unb ein Canb'junbantrag, für bie einkom­me n l o s e Landwirtschaft ebenfalls 100 Mark wlnlethllse auszuzahlen.

Einstimmig wird auf nationalsozialistischen An­trag hin der G e s e tz g e b u n a s a u s s ch u ß als Untersuchungsausschuß eingesetzt zur Prü­fung der von den Nationalsozialisten behaupteten Amtsverfehlungen von Polizeibeamten und des Innenministers Leuschner. Staatspräsident Dr. Adelung erklärt, daß die Regierung auch nach der Einsetzung dieses Untersuchungsausschusses keineBerwischungvonLegislative unb Exekutive zulassen werde.

Anschließend folgte eine heftiae Auseinander- ietzung über die Anträge auf Aufhebung des Umanas» und Uniformverbots, die nach der Auffassung der Regierung durch die Reichsnot- Dcrorbnung oom 8. Dezember gegen ft anbslos geworden sind.

Der Antrag Galm (Korn. Dpp.) auf Auf- Hebung des Dersammlungs, und Umzugsocrbotes wurde angenommen und demMinister L e u s ch» n e r die Mißbilligung für die Polizeiferien ausge­sprochen Der nationalsozialistische Antrag auf Auf» Hebung des Transport-, Uniform-, Verfammlungs» und Umzugsverbotes wird abgelehnt. Innen­minister Leuschner erklärt, daß trotz dieser Be­schlüsse des Landtages die bestehenden Verbote ge- maß der Reichsnotverordnung aufrecht erhol- t e n blieben.

Oie Mißtrauensvoten gegen das Ge- samtkabinett und Minister Leuschner. Anschließend kommen die Mißtrauensan- träge der Nationalsozialisten und Kommunisten gegen die Gefamtregierung sowie der nationalsozialistische Antrag, Mini st er Leusch- ntr aus d e r Regierung abzuberufen, zur Debatte, wobei es erneut zu schweren Zusam- menstöhen zwischen der Linken 4inb der Rechten so­wie Minister Leuschner kommt.

Abg. Dr. R i e p o t h (DVP.) stimmt aus grunb- sählichen Erwägungen bem Mißtrauensantrag der Rationalsozialisten zu.

Abg. Lenz (RS.) crflärt in der Begründung deS Mißtrauensvotums, daß der hessische Innen- Minister einseitig gegen die Rational- soztalisten borgegangen und diese al« Staatsbürger minderer Ordnung behandelt habe. Die Toten- und Verwundetenlifte der Rational­sozialiften beweise dieses Versagen der Polizei. Besonders die Art, wie die Sache mit dem Bor­get m e r Dokument gedreht worden sei und wie bei der RcichSanwalticha't unberu:me Richter ausgewechselt worden seien, lasse die Absicht dieser ganzen Aktion durchblicken. Der Innenminister habe Unterlagen für die Illegalität der Kommunisten still­schweigend in feiner Schublade ver­schwinden lasten. Der gebildete Unterfuchungs- auSschuh müsse sich mit den Vergeben des Mini­sters und der Polizeistellen eingehend befallen. Der Redner verliest dann ein Dokument, da« einen

Berlin, 11. Dez. (ERB.) Oberbürgermeister Dr. Dördeler hat sich der Presse in seiner neuen Eigenschaft als Reichskommissar für die Preisüberwachung vorgeftellt. Er betonte, dah er es mit aller Entschiedenheit ablehne, etwa als Wunderdoktor empfangen zu werden. Er sei nicht PreiSsenkungskommisfar, son­dern Reichskommrssar für Preis- überwachung, der darüber zu wachen habe, daß die verbilligend wirkenden Bestimmungen der Rotverordnung restlos und pünktlich durchgefüyrt werden, und daß die Preise, wie sie beim Verbraucher münden, gerecht sind. Der Verbraucher solle die Gewähr haben, daß m i t unerbittlicher Gerechtigkeit alle Faktoren der Preisbildung über­prüft sind, und daß, waS er zu bezahlen hat, wirtschaftlich gerechtfertigt istnicht mehr und nicht weniger.

Der gerechten Preisbildung können entgegen» stehen: Maßnahmen der öffentlichen Hand, UeberlastungenburchöffentlicheAb- g a o e n ufw. Eine Beeinflußbarkeit dieses Punk­te- liegt nur in der Mcg!ich'e t, altpreuhische Sparsamkeit in der offen tilgen Ver - toaltung z u üben. Bindungen, die von einzelnen Wirtschaf l-gruppen ausgehen oder zwischen ihnen eingeschaltet sind, rückt die neue Rotverordnung du.ch zah e che Be immungen zu­leibe. zum Beispiel die Kartell- und Shnoikat-- vorschrMen, die Senkung der gebundenen Preise um 10 Prozent, Verbot an die Innungen, Preise au bestimmen usw. Die Rotverordnung beschränkt sich aber nicht auf Beseitigung von Hindernissen für eine gerechte Preisbildung, sondern schafft in ungewöhnlich Iüi;ner Weise auch starke Impulse für die Abwärtsbewegung der Preise. In diesem Zusammenhang ist die ZinSsenkung, die Verbilli­gung in der WohnungSwirlfchaft und die Senkung Der ReichSbahntarife zu erwähnen.

Der Bildung des gerechten Preise» kann auch schlechter Wille entgeaenstehen. Wenn er an- getroffen wird, wird rücksichtslos b u r d) ge­griffen werden. Allerdings hat der Reichskorn- miliar den lebhaften Wunsch, seine Arbeit auf frei­willige Einsicht oller beteiligten Dirtschaftskreise auf­zubauen. Dann betonte Dr. Gördeler noch die wich» t ge Aufgabe, die innerhalb der Preissenkunasaktion der deutschen Hausfrau .zufallt. Sie bittet er um ihre besondere Mithilfe. Man solle sich nicht scheuen, aus einem Laden herauszu­gehen, ohne einen Kauf getätigt zu haben, wenn Ware oder Preis nicht zusagen. Um der Hausfrau die Prüfung zu erleichtern, würde unverzüglich die Anbringung von Preisverzeichnissen angeordnet werden. Bet dieser Gelegenheit sprach Dr. Goerdeler auch die dringende Bitte aus, ruhig die für da» Weihnachtsfest geplanten Einkäufe z u tätigen, da auf vielen Gebieten die Preisgestaltung schon ganz von selb st stark heruntergegangen sei. Das gelte vor­zugsweise für Textilien und Schuhwaren. Der Preiskommissar will sich nun zunächst den Brot, und Fleifchpreijen. den Preisen für

WHP. D a r m ft a b t, 11. Dez. Präsident Wer­ner eröffnet die Sitzung um 11.30 Uhr bei dicht- besetztem Parterre und gedrängten Tribunen. Punkt 1 der Tagesordnung ,W a h l des Staats- Präsidenten" wird auf Wunsch der National- fojlaliften abgelebt.

Es folgt die Beratung der W l n t e r h 11 f e - A n - träge von Nationalsozialisten, Kommunisten, Korn- munistischer Opposition und Sozialdemokraten, über deren Schicksal im Ausschuß wir berichtet haben.

Abg Golm (Korn. Dpp.) hält seinen Antrag auf- recht, weil durch den unausführbaren nationalsozia- liftifdjen Antrag draußen nicht geholfen werde der finanziell realisierbare Antrag der Kommunistischen Opposition dagegen den Aermsten wenigstens etwas bringe. Wenn die Nationalsozialisten mit ihrem Antrag vor ihre bäuerlichen Wähler träten, dann würden sie von den Bauern hinaus» gehauen. .

Abg Sumpf (Komm.) bezeichnet den national* sozialistischen Antrag als üble- AgitationSmanö- ver. Don den für die Erwerbslosen versprochenen ReichStag-diäten der RSD2lP.«geord­neten hätten die Arbeitslosen nie einen Pfennig erhalten. ~ _

Dom Landbund läuft ein Antrag em, den Landwirten, deren Betriebe 1931 keinen Ertrag bringen, eine Winterbeihilfe in Höh« von 100 Mark zu zahlen. Die Mittel sollen durch Abstriche beim Landestheater und den Hochschulen gewonnen werden.

Abg. Zinn kann (Soz.) weist an Hand der Auszahlungen die seit dem Ruhrelnbruch in Hes­sen geleisteten Winterhilfen nach. Die Sozial­demokratie habe stet« im Rahmen des fi­nanziell Möglichen etwas aeleistet, die Rationalsozialisten versuchten zu bluffen.

Abg. Wesp (Z.) erwidert den Kommunisten: Die kommunistische Methode bezwecke, durch Der- ächtlichmachung der charitatlven Winterhilfe grau­lich zu machen: aber draußen kämen auch die kom­munistischen Anhänger zu den hier bespöttelten ..Bettelsuppen" der Rothilse. Selbst nationalso­zialistische Arbeiter hätten dieser Tage in Gewerk­schaftsversammlungen bedauert, daß der national­sozialistische Winterhilse-Antrag bolschewistischen Vorbildern nachlaufe. Das Zentrum werde bet der (Abstimmung sich der Stimme enthalten.

Abg. Dr. M ü II e r (Ratsoz.) beginnt: .Deut- sche DolkSgenossen und übrige An­wesende" und wird darauf durch zahlreiche RauS'-Ruse. Unerhört!. Frechheit! aus der Mitte und links unterbrochen.

Bei der Betrachtung des nationalsozialiftifchen Antrages müsse die Tendenz de» Mn- trage» und bie Rechtslage auteln- andergehalten werden. Wir waren o n bewußt, daß auf diesem Wege der Deckungsvorschläge aus Hessen nicht» heraus­zuholen ist.

(Hört. hört). Im Ausschuß ist über den Ausdruck .UquideS Dermögen" ein Mißverständnis entstan­den: ich verstehe darunter nicht verbrauchten Er­trag und nicht verbrauchtes Einkommen. (Zuruf: Schon wieder ein Reinfall!). Wir lehnen es ab. vorerst, solange noch andere Deckungsmöglichkeiten vorhanden sind, den hessischen Steuerzahler vorweg zu belasten. Wir verlassen unS auf die Dersiche- rung des ReichSministcrS Treviranus, dah In die­sem Winter in Deutschland niemand zu hungern brauche. Für unS ist die Arbeitslosigkeit nur ein Tellprob'.em deS ArbeitSbeschafsungSprogrammS.

Präsident Werner ersucht den Redner, in Zukunft solche Anreden zu unter- lassen.

Die Abgeordneten Böhm (Dn.) und Fenchel (Landbund) stellen den Zusahantrag, dem Ein­zelhandel, dem Handwerk und den Ge­werbetreibenden, die 1931 weniger al« 1800 Mark versteuerbareS Einkommen haben, eine Winterhilfe von 100 Mark zu gewähren.

Innenminister Leuschner

erklärt: Den nationalsozialistischen Antrag tonne man nur erfüllen, wenn die Regierung unbe­schränkt Zeder-Geld drucken könnte. Entweder glaubten die Antragsteller, dah sie den Antrag verwirklichen könnten: dann bewiestn sie damit ihre Unkenntnis in Wirt- schastSdingen (W.berspruch» ober aber sie seien s i ch seiner U n b u r ch f ü h r b a r k e i t be­wußt gewesen unb hätten mit den dadurch er­weckten Illusionen Schindluber mit der Rot unb Qual unsere« Volke« fetr.ebcn. (LanbtagSpräsi- bent Werner rügt bie .i Ausdruck. Es ent­steht bei ben Ration.Is flausten ein ungeheurer Tumult.) Solange bie Regierung bie Geschäfte führe, werbe sie nach wie vor ihre Pflicht tun trotz aller demagogischen Anträge.

Aba. Kern (wS-) betonte, daß der Antrag sei­ner Fraktion durchaus ernst gemeint sei.

Abg. H e i n st a d t (Zentr.) erklärt, die bürger­lichen Parteien hätten mit ihrer aus christlichem Geist betriebenen Winterhilfe mit bet lat b e wiesen, daß man um die öffentliche und beim» liche Not im Volke wisse. Erfreulich sei, dah die Nationalsozialisten offen zugegeben haben.

illegalen Organisationsplan der Kommunistischen Partei barftdlen soll.

Abg. Kaul (6.) (bei dessen Erscheinen die Mehrzahl der Rationalsoziallsten den Saal ver- läßt), erwidert, durch die leeren Darlegungen der Rationalsozialisten lasse sich die Arbeiterschaft nicht einschüchtern. Der nationalsozialistische Ver­treter habe im Ausschuß offen zugegeben, daß der Mißtrauensantrag nur ag tato rischen Wert habe.

Abg. I u n g (RS.) gibt der Meinung Ausdruck, daß es nach der Verfassung angängig sei, jederzeit einen Minister aus dem Gesamtkabinett herauszu- holen, und richtet erneut heftige Angriffe gegen die Regierung.

Staatspräsident Adelung ersucht den Landtagspräsidenten um vermehrten Schutz, damit es wie früher möglich sei. sich bei aller sachlichen Schärfe wie unter anständigen Men­schen auseinanderzusetzen. Die Stellung des geschäftsführenden Kabinetts und sei­ner Mitglieder werde durch die Annahme eines MißtrauensantragS nicht ge­ändert.

Innenminister Leuschner crflärt, er kenne die eingestandene oder verleugnete Illegali­tät der Rationalsozialisten und Kommunisten in gleicher Weise. Er habe den Untersuchungsaus­schuß in keiner Weise zu fürchten, und nur die Ra­tionalsozialisten würden etwas gescheiter aus dem Ausschuß ins Parlament zurückkehren. Als Deut­scher habe er die nationale Pflicht (Widerspruch bei den Rationalsozialisten und Zurufe: ,Sie sind ja international!"), das deutsche Volk gegen den bolschewistischen Deist, der au- dem Boxheimer Dokument spreche, mit allen Mitteln zu schützen. (Beifall in der Mitte und links.)

Abg. We s p (Z.) erklärt den Mißtrauensantrag nach dem Rücktritt der Regierung für über­flüssig.

In der Abstimmung wird der Mihtrauensan- trag gegen das Gesamitabinett angenommen, ebenso der nationalsozialistische Antrag auf Ab­berufung des Innenministers Leuschner. (Lebhaf­ter Beifall auf der Tribüne und bei den Rational- foziallsten.)

Damit ist die Tagesordnung erschöpft und Prä­sident Werner vertagt den Landtag auf unbestimmte Zeit mit Glückwünschen fürda« WeihnachtS- und Reujahrsscst.

Oie parlamentarische Lage.

Tie Koalitionsverhandiungea.

Keine prakt sche flnervirtung der randta.sbeschlüsfe.

WSR. Darmstadt. 11. Dez Rachdem da« Zentrum dieAntwort auf die Bedingungen der Rationalfozialisten zur Uebernahme der Re­gierung der Oeffentlichteit übergeben hat und daraufhin die Wahl des Staatspräsidenten ver­tagt worden ist. liegt es nun bei den Ra­tionalsozialisten, das Gespräch um die Regierungsbildung sortzusühren, nachdem das Zentrum seine Verhandlungsbereit­schaft erklärt hat. Die taktische Lage der Rationalsozialisten ist durch die von ihnen in die Oeffentlichkeit gebrachten Bcöinaungen und die jetzt ebenfalls bekannten Gegenbedingungen des Zentrums recht schwierig. Wenn c« richtig ist, dah die KoalitionSverhandlungen der hesiischen Rationalsozialisten nur im Einver­nehmen mit der Reichsleitung in M ünchen geführt werden können, bann darf man ein sehr rasches Tempo der KoalttionS- gespräche nicht ermatten.

Zn parlamentarischen Kreisen ist man der Auf fasiung. daß die Defchlüsfe zur Winter- Hilfe und die Annahme des Mißtrauens an träges gegen das Gefarntkabinett wie die be fchloffene Abberufung des Innenministers Leuschner vraktisch ohne jede Folgen bleiben wcr den. Der nationalsozialistische Winterhiifeantrag würde zur Durchführung etwa 19 Millionen Mark erfordern. Die beiden angenommenen Anträge auf Winterhilfe für die Landwirtschaft sowie für den Kleinhandel. Handwerk und Gewerbe dürften nach sachverständigen Schätzungen je fünf Millionen Mark erfordern, fo daß ein Gesamtbetrag von 30 Millionen Mark rund notwendig wäre, der den vierten Teil des gesamten hessischen Staatshaushalts ausmacht. Auch der Decfungs- Vorschlag des Landbundes, die Waren­haus- und Filialsteuer zu erhöhen, dürste nach der Reichsnotoerordnung vom Juli unzulässig sein, weil darin eine Erhöhung der Gewerbesteuer zu erblicken wäre. Etwas ernster ist es mit dem zwei- t e n Deckungsoorschlag des Landbundes, die Mittel aus der Streichung der Zuschüsse de» Staates zum Landestheater zu entneh­men. Für die lausende Spielzeit wird aus dem Theaterzuschuh allerdings nichts mehr zu holen sein. Aber für die kommende Spielzeit dürfte kaum noch ein Vertragsabschluß möglich sein, da nach der heuti­gen Haltung der Mehrheit des Hessischen Landtags mit Sicherheit anzunehmen ist, daß bei der Be­ratung des Haushaltsvoranschlags für 1932 bie gleiche Mehrheit gegen die Erhaltung des Landestheaters stimmen Dürfte.

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