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Hr. 238 Erstes Blatt
181. Jahrgang
Montag, 12. Oktober 193J
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
Druck und Verlag: vrühl'jche Untverfilüls-Vuch- und Stetnöruderei R. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7.
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.
Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20° „ mehr.
Chefredakteur.
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.
Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte
Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle
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Die Harzburger Tagung der Opposition.
Die Teilnehmer.
Bad Harzburg 11. Ott. ($11.) Das Stäbt» dben Hargburg steht vollkommen im Zeichen der Tagung der Rechtsopposition. Schwarz-weiß- rote und Hakenkreuzfahnen, die braunen Unifor- ! > En der Nationalsozialisten und die grauen des i Stahlhelmes'verleihen dem äußeren Bilde dieser 1 Tagung das Gepräge. Die Beteiligung ist sehr stark und erstreckt sich außer auf die Ä a t i o n also ziali st en die Deutschnationalen und b'en Stahlhelm auf führende Persönlichkeiten des Reichslandbundes und eine Anzahl be- tannter Wirtschaftler, unter denen das rheinisch - westfälische Industriegebiet besonders stark vertreten ist. Bon der Reichstagsfpaktion der Deutschen Bolks- Partei ist dagegen nur Generaloberst v. Seeckt anwesend. Dafür sind aber Atoei führende Mitglieder der rheinisch-westiälischen Organi a ion der Deutschen Lockspartei erschienen, H^ttendireltor Kuhbier (Duisburg) und Hemd eck (Lüdenscheid). Bon der Wirtfchaftspartei sieht man den Abgeordneten S a ch s e n b e rg. Der Alldeutsche Verband wird u. a. vertreten von ^ustizrat Glaß, v. Bietinghosf-Scheel, Fürst ]■ ju Salm-Horstmar und Landrat v. Hcrhberg. Aus den Kreisen der Landwirtschaft sind neben den drei oppositionellen Abgeordneten Dr. Wend- housen,' von Sybel und Sieber, die Präsidenten Bethge und Lind, Direktor v. Kriegsheim, Direktor . v. Wangenheim, v. Münchhausen, von H e l m - h o l t - H e s s e n zugegen. Don Teilnehmern aus der Industrie sind noch zu nennen Dr. Schlenker, Geheimrat Kreth, Geheimrat Poensgen. Blohm lHamburg), Krieger (Wintershall), Geheimrat Ravene, Dr. Meesmann (Mainz). Don sonstigen Persönlichkeiten: Reichsbankpräsident a. D. '2>r. Schacht Pros. Schulze (Raumburg), Dr. Stadler (Berlin), Prof. Wundt, v. Berenberg-Goßler, ?rhr. v. Lüninck, Graf Reventlow, Kapitän Hintz- nracht (DDP.). Die alte Wehrmacht wir u. a. Der» treten durch die Generäle v. Einem, v. Gallwih, b. Hutier. Woellwarth und Graf von der Goltz.
Fraktionssihung
her Nationalsozialisten.
Sie Opposition wird Neichsia sauflöiung und Neuwahlen fordern.
-Der Tag beginnt mit einer gemeinsamen Kundgebung der Rationalsozialisten und des Stahlhelms um 8 Uhr vor dem Bahnhof. Die Stan» harten 92-Draunschwcig und 10°Goslar formieren - j lid) und werden durch den SA.-Oberführer Korse- ; m <inn besichtigt. Hm 10 Uhr nimmt dann die Dachkompanie der Rationalsozialisten und Stahl- belmer vor dem Kurhaus Aufstellung. Als sich i tler auf dem Balkon des Hotels „Fürstnhof" -Ligt, wird er stürmisch begrüßt. Die Rational» ' Iv'jialisten hielten dann eine Fraktionssitzung ab.
2hr Dorsitzende Dr. Frick gab eine kurze Dar- stsellung, Wie es zu dieser gemeinsamen Tagung ", J te Harzburg gekommen sei. In weiten Kreisen der RSDAP. hätten anfangs Bedenken ge- herrscht. Demgegenüber sei darauf hinzuweisen, ' daß auch Mussolini zunächst den Weg b-cr Koalition habe gehen müssen. Rotwendig | fe i, daß die Rationale Opposition in geschlossenem Vorgehen die Macht erreiche. Dabei gehe aber die RSDAP. keinen Deut von ihren Zielen a6. Die Rationalsozialisten würden in den Reichstag zurückkehren, nicht um dort !o genannte positive Arbeit zu leisten, sondern um büe Regierung Brüning uno das System zu e r - ledigen. Frick verlas hierauf die Anträge, die oen den Parteien der Rationalen Opposition um Reichstage bei seinem Wiederzusammentritt an Dienstag eingebracht werden sollen. Sie loten:
1. Der Reichstag entzieht der Reichs- regierung das vertrauen.
1. Der Reichspräsident wird ersucht, den Reichstag aufzulösen und Neuwahlen mi Sonntag, den 8. November 1931, auszuschreiben.
Die von dem Reichspräsidenten auf Grund des halikels 38 Absatz 2 der Reichsverfassung seit dem 1A Februar 1931 erlassenen Verordnungen M) a u h e r Kraft zu fetzen.
ü Die Zahlung der Polizelkoslenzu- chüsse an Preußen ist mit dem 31.Oktober ! 19 61 e t n z u st e l l e n.
Em Manifest Hitlers.
stampf der Zivilisation gegen den drohen- den Polichc.oicmus
Adolf Hitler, von Heilrufen begrüßt, verlas |')fiann ein Manifest, in dem es u. a. heißt: 3or der ganzen Welt erheben wir gegen die bisherigen deutschen Regierungen und besonders leg e n d i e derzeitige Reichsregie» um g die feierliche Anklage, daß sie durch das versäumen einer pflichtgemäßen wahrheits» ;e£reuen Aufklärung über die furchtbare innere Lage Deutschlands in erster Linie mit» l^ulöig sind an einer Katastrophe, die icute in ihrer zwangsläufigen Auswirkung alle lidturnationen bedroht. Wir werfen der heutigen Regierung vor, daß sie ohne jedes klare Ziel in innen», Außen» und Wirtschaftspolitik den Zu- fa.nd einer maßlosen Verwirrung, kitt selbst angerichtet, teils erhalten und be
günstigt hat, und ersichtlich überhaupt keinen klaren Gedanken über irgendeinen Rettungsweg aus unserer Rot besitzt. Wir sehen die Möglichkeit der Rettung der deutschen Ration nur in einem gigantischen Appell an die in uns selbst vorhandene Kraft. Feierlich erheben wir Protest gegen die weitere Aufrecht- erhaltung des sog. Friedensvertrages von Versailles, der nicht nur unser deutsches Volk zerstört, sondern in zwangsläufiger Folge die ganze Welt in einen Zustand ewiger Unruhe und Unsicherheit werfen muß. Die von uns allen gewünschte Zusammenarbeit der zivilisierten Rationen zur Behebung der schweren internationalen Schäden ist so lange undenkbar, als die Welt durch diesen Vertrag in zwei feindselige Hälften zerrissen ist. Der Kampf gegen d i e bolschewistische Zertrümmerung aller bestehenden menschlichen Gemeinschaften setzt eine aufrichtige Auflehnung aller derjenigen Rationen voraus, die vor allem im Interesse ihrer Hand» und kopfarbeitenden Menschen den sozial grauenhaften Zustand des bolschewisierten Sklavenstaates vermeiden wollen.
Gemeinsame Sitzung her Fraktionen.
Rach der Fraktionssitzung der Rationalsozialisten fand am Mittag die gemeinsame Sitzung der parlamentarischen Vertreter des Reichstages, des Preußischen Land
tages und des Braunschweigischen Landtages der in der Rationalen Opposition vereinten Parteien statt. An der Sitzung nahmen auch Vertreter der Landtage anderer deutscher Länder teil. Dr. Frick erklärte, der Sinn der Tagung sei der, die absolute Einheit und Geschlossenheit der Rationalen Opposition kund zu tun. Das schließe natürlich nicht aus, daß Programme und Ziele jeder einzelnen Partei unverändert bleiben. Das gemeinsame Ziel sei die Erringung der politischen Macht auf dem schnellsten Wege, auf dem legalen Wege des Zusammenschlusses aller Teile der nationalen Opposition. Es sei auch der Sinn der heutigen Tagung, die sogenannte bürgerliche Mitte durch die heutige Kundgebung auf die Seite der Rationalen Opposition zu ziehen. Wenn das Kabinett Brüning noch mit einigen Stimmen Mehrheit sich am Ruder halten sollte, so werde das an der ganzen Entwicklung nicht das geringste ändern. Der Deutschnationale Oberfohren stimmte den Ausführungen Fricks zu. Für das Landvolk sprach Abg. Dr. W e n d h a u s e n. Dann fand ein Feldgottesdienst auf dem Wiesenhang Hinter den Eichen statt. Zur Rechten hatten Stahlhelmer, zur Linken SA-Leute Aufstellung genommen. Rach dem Riederländ schen Dankgebet sprachen Hofprediger Doehring sowie der katholische Pfarrer Hoynka. Rach dem Feldgottesdienst erfolgte der Vorbeimarsch der uniformierten SA.- und Stahlhelmleute mit Fahnen. Mehr als 10 000 Zuschauer wohnten dem Schauspiel bei.
Ein gemeinsames Manifest her nationalen Front.
Eine Rehe Hugenbergs.
Appell an Amerika
Die große Kundgebung im Kurhause eröffnete Geheimrat Hugenberg mit einer Rede, in der er u. o. ausfuhrte: Aus diesem Volke, das in Hellen Scharen hinter dieser Versammlung steht, wird ein neues, wahreres und jüngeres Deutschland wachsen. Aus dieser Gemeinschaft heraus wird, wenn es Zeit ist, die Parole für die Reichspräsidentenwahl aus- gegeben werden. 5>ie bisherigen Gekoalthaber hinterlassen Berge von Sünden und Scherben. Der Wahn mit doppeltem Gesicht: Internationaler Marxismus und eigentlich erst aus seinen Konstruktionen zur Wirklichkeit gewordener internationaler Kapitalismus, dieser Wahn bricht jetzt in der Weltwirtschaftskrise und der davon scharf zu unterscheidenden deutschen Krise zusammen. Da gibt es keinen Mittelweg und keine Konzentration widerstrebender Kräfte. Darum hilft auch dem Zentrum und dem Kabinett. Brüning sein neuestes Manöver der Ausschiffung von einigen Ministern nichts.
Der französische Ministerpräf.dent f. hrt nächster Tage nach Arne i a Er möchte das Goldland Amerika und das Gold i and Frankreich zusammenknüpfen und Amerika seine Abrüstungsforderungen ausreden. Amerika wird zu klug dazu sein. Das Goldland Frankreich ist zugleich Europas in Waffen starrender politischer Gläubiger. Da Amerika jetzt — ganz anders als Frankreich — das größte Industrieland der Welt ist, geht sein wirkliches Interesse dahin, seinen nationalen Kapitalismus stark und sein Volk einig zu erhalten. Zu dem Zwecke müßte es helfen, den alles zerrüttenden internationalen Kapitalismus abzubauen — gegen Frankreich, mit England und Deutschland und den übrigen Völkern. Daß auch Amerika nach eintm solchen nationalen Gesundungswerk aus tief empfundener Rot heraus sucht, zeigen die letzten Tage. England ist vielleicht schon auf dem Wege dahin. Sein Währungskampf - und der Wahlaufruf seiner Regierung erwecken diesen Eindruck. Falls Amerika den Weg seines eigenen Vorteils geht, geht es unseren Weg. Aus dem Gedanken der nationalen Gemeinschaft heraus müssen die nationalen Volkswirtschaften der großen lebensfähigen Völker in Freiheit und Selbständigkeit neu aufgebaut werden. Das bedeutet nicht den geschlossenen Handelsstaat. Aber es bedeutet eine im großen Rahmen sich selbst genügende Rah- rungsgrundlage, freie Entwicklung der einheimischen Kräfte Und alle Möglichkeiten deS inneren Marktes sowie Teilnahme an den Kolonial- uni. Siedlungsgebieten der Erde. Es bedeutet selbständige Währungs- und Handelspolitik, nationale Führung und Freiheit der großen Unternehmungen des Landes sowie Schuh der eigenen Volkswirtschaft vor Störungen durch ausländische Kapitalmächte und deren Bundesgenossen. Alles wartet nur auf die Parole zu den ersten Hammerschlägen des Reubaues. Aber der Bauplatz muß zuvor von den anderen geräumt sein.
Hugenberg verlas bann bie gemeinsame Entschließung der Rationalen Front, in der es' u. a. heißt:
„Die Rationale Opposition hat seit Jahren vergeblich gewarnt vor dem Versagen der Regierungen und des Staatsapparates gegenüber dem Dlu11error des Marxismus, vor dem fortschreitenden Kulturbolschewismus und der Zerreißung der Ration durch den K l ässe n k a m p s, vor der planmäßigen Ausschaltung der nationalen Kräfte aus der Leitung des Staa
tes, vor einer Politik, bie in ber politischen, wirt- schastlichen und militärischen Entmannung Deutsch- lanbs noch über bas Diktat von Versailles f)in- ausgeht, vor einer Politik, bie bie heimische Wirtschaft zugunsten weltwirtschaftlicher Utopien preisgibt, vor einer Politik ber Unterwürfigkeit bem Ausland gegenüber, die weder bie Gleichberechtigung Deutschlands gebracht hat, noch den zerrissenen Osten vor einem kriegerischen Einbruch bewahrt. Entschlossen, unser Land vor dem Chaos des Bolschewismus zu bewahren, unsere Politik durch wirksame Selbsthilfe aus bem Strubel bes Wirtschaftsbankerotks zu retten unb bamit ber Welt zum wirklichen Stieben zu verhelfen, erklären wir:
Wir sind bereit, im Reich unb in Preußen in national geführten Regierungen die Verantwortung zu übernehmen, wir stoßen keine Hand zurück, die sich zu wirklich ehrlicher Zusammenarbeit anbietet, wir müssen es aber ablehnen, die Erhaltung eines falschen 5 t) ft e m s unb bie Fortsetzung eines falschen Kurses in einer nur national getarnten Regierung ber bisherigen Kräfte irgendwie zu stützen. 3ebe Regierung, bie gegen den willen ber geschlossenen Rationalen Opposition gebildet werden sollte, muh mit unserer Gegnerschaft rechnen. So fordern wir den sofortigen Rücktritt der Regierungen Brüning und Braun, die sofortige Aufhebung ber biktatorischen Vollmachten für Regierungen, deren Zusammensetzung nicht dem Volkswillen entspricht und die sich nur noch mit Rotoerordnungen am Ruber halten. Wir forbern sofortige Reuwahlen ber überalterten Volksvertretungen, vor allem im Reich unb in Preußen. Wir beschwören ben durch uns gewählten Reichspräsidenten v. Hindenburg, daß er dem stürmischen Drängen von Millionen vaterländischer Männer und Frauen, Frontsoldaten und Jugend entspricht und in letzter Stunde durch Berufung einer wirklich nationalen Regierung den rettenden Kurswechsel herbeiführt.
Rur ber starke nationale Staat kann Wirtschaft unb Ar bei tskraf t schützen. Rur ber starke nationale Staat kann bas Leistungsprinzip in jeher Form verwirklichen unb bie zur Herbeiführung einer wahren Volksgemeinschaft nottoenbigen sozialen Maßnahmen durchführen. Wir verlangen von allen Volksgenossen Pflichterfüllung unb Opfer. Wir glauben an bie Erfüllung unserer Aufgaben, weil wir auf bie beutsche Kraft, auf bie Zukunft unseres Volkes vertrauen."
Eine Ansprache Hitlers.
Kommnu Hm's oder Nationalismus.
Für bie 2 SDAP. führte bann Abvlf H tler u. a. aus: Riemand wünscht ben Frieden mehr als wir. Riemand kann den Krieg entsetzlicher finden als wir, bie wir ihn erlebt haben. Aber ich bin überzeugt, baß, wenn in hartem Wettkampf bie Interessen ber Welt sich gegenseitig kreuzten, kein Volk verzichten wirb, bas Gewicht seiner Kräfte in bie Waagschale- zu werfen. Kein Staatsmann aber kann ben Frieben im Zu - staub ber Wehrlosigkeit erhalten. Daher wünschen wir von ber anberen Welt nichts an» beres, als bie Anerkennung a l s gleichberechtigte Ration, wissen aber auch, baß biese Anerkennung nicht in Genf erfochten wirb,
fonbern in ben beutschen Lauben. Wir können nicht benen folgen, bie sagen, Deutschlaub ist zerrissen. Hier ist Bolschewismus, hier ist Rationalismus. Wehe, wenn in Deutschlanb zu seiner konfessionellen Spaltung auch noch eine ewig bauernbe politische kommt. Es muß in Deutschlanb enttoeber ber Kommunismus regieren oder ber Rationalismus. Es ist bentbar, bah Deutschlanb kommunistisch regiert wirb. Es ist sicher, bah es nationalistisch regiert werben kann. Cs ist unmöglich, bah es ein Deutschlaub gibt, bei bem eine Hälfte kommunistisch, bie anbere nationalistisch benft. Hier muh bie Entscheibuug gesucht unb herbeigeführt werben. Das ist bie größte Aufgabe, bie uns bie Zeit gestellt hat.
Schacht über nationale Wirtschaft
Reichsbankpräsibent a. D. Dr. Schacht äußerte sich hierauf über bie Frage eines nationalen Wirtschaftsprogramms. Was unter bem bisherigen Rachkriegssystem an wirtschaftlicher Substanz wie an wirtschaftlichen Möglichkeiten Der- geubet worben ist, bas läßt jetzt auch bie produktiv gerichtete Wirtschaft verzweifelt nach Errettung von diesem System verlangen. Schwerer als diese erschütternden Tatsachen wiegen bie falschen inneren Grunblageu bes jetzigen Systems. Selbst wenn ein nicht zu ertoarten» ber äußerer Glücksfall eine wirtschaftliche Belebung unb bamit eine äußere Erleichterung bringen könnte, anfjaften würbe biefem System nach wie vor seine Unfähigkeit, seine Rechtsunsicherheit unb sein Mangel an Haubluugsfähigkeit. Cs bebarf einer grunbsählichen Umstellung in unserem Volke bahingehenb, bah jeber Einzelne, wo immer im Produktionsprozeß er steht, verantwortlich ist für ben Erfolg bes Ganzen. Uns hilft kein Zauberkunststück, kein Auslanbkrebit. Das Programm, bas eine nationale Regierung burchzuführen haben wirb, beruht auf einigen ganz wenigen Grundgebanken. Es ist bas Programm Friedrich des Großen nach bem Siebenjährigen Kriege: Sich fest auf bie heimische Wirtschaft stellen unb aus bem heimischen Doben herausholen, was nur icgenb herauszuholen ist unb im übrigen sich für eine Generation bescheiben, sparen unb arbeiten. Dazu gehört nichts als Charakter, als Selbstvertrauen unb Gottvertrauen.
Weitere Ansprachen hielten bie Stahlhelmführer Sel b t e unb Düsterburg, ferner Justizrat C l a ß, Graf Kalkreuth und Graf von der Goltz.
Hitler bei Hindenburg.
Eine mehr als einstündigeAusiPrachc beim Reichspräsidenten.
‘Berit n, 10. Okt. (TU.) Der Herr Reichspräsident empfing Samstag gegen mittag ben Führer ber RSDAP., Abolf Hitler, unb bas Reichstagsmitglieb Hauptmann a. D. Göhring, und nahm von ihnen einen ausführlichen Bericht über bie Ziele ber nationalsozialistischen Bewegung entgegen. Hieran schloß sich eine Aussprache über innen- unb außenpolitische Fragen. Die Unterhaltung bauerte l1/* Stunben.
Der Empfang Hit'ers hatte vor das Reichsprä- sidentenpalais eine größere Menschenmenge gelockt, die von Minute zu Minute anwuchs. Die Polizei, die ben Bürgersteig vor bem Palais gesperrt hatte, sah sich schließlich gezwungen, auch bie gegenüberliegenbe Straßenseite abzusperren. Hitler, der im Auto um 11.15 Uhr vorfuhr, wurde mit stürmischen Heilrusen begrüßt.
Schließung Berliner GA.-Heime und Verkehrslokale.
Berlin, 10. Okt. (WTB.) Auf Grund der dritten Notverordnung zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen sind vier Berliner SA. - Heime gesch 1 ossen worden. Außerdem wurden fünf Berliner Verkehrslokale radikaler Parteien teilweise geschlossen, d. h. diese Lokale sind von 18 bis 6 Uhr geschlossen zu halten. Von diesen sind vier nationalsozialistische Verkehrslokale, während eines von Kommunisten besucht wird. Der Gau Berlin der NSDAP, veröffentlicht zu der Schließung ihrer SA.-Heime eine scharfe Erklärung, in der es heißt, die Schließung bedeutet praktisch die O b d a ch 1 o s m a ch u n g von ungefähr 10 0 S A. - L e u t e n , die damit ohne Heim der Straße preisaegeben seien, und weiterhin die Verhinderung der Verpflegung von rund 6000 erwerbslosen SA.-Leuten, die aus der Erwerbslosenfürsorge her- ausgenommen und einer durchaus unzureichenden Krisenfürsorge preisgegeben seien.
Oie Grüne Krönt und das zweite Kabinett Brüning.
Berlin, 10. Okt. (CRD.) Von ber Grünen Front wird mitgeteilt: Die Meldungen über Stellung- nähme der Grünen Front zum umgebildeten Reichs- kabinett sind unzutreffend. Die Grüne Front war sich zwar darüber einig, baß ihre ernsten unb fortgesetzten Bemühungen um einen Schutz ber bäuerlichen Verebelungswirtschaft nicht bie llnterstützung ber Reichsregierung ge» funben hätten, baß es baher nötig sei, ben Kampf um bie Rettung bes beutschen Bauerntums mit allem Rachbruck fortzusetzen. Da aber die Grüne Front einenreinberufsstänbi-


