Ausgabe 
12.5.1931
 
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Genoffenschastsiagung in Bad-Nauheim.

WGR. Dad-Rauheim, 9. Mai. Gestern I und haute hielt der Genossenschaftszweck- | verband Hessen - Mittelrhein. Rich­tung Schultze-Delitzsch, Sitz Wiesbaden, hier seine erste Tagung ab. 3n dem Verband sind die Revi­sionsverbände der Erwerbs- und Wirtschafts­genossenschaften im Volksstaat Hessen, Sitz Darm­stadt, in Rassau, Sitz Wiesbaden, und m Hessen- Kassel. Sih Kassel, zusammengeschlossen, die heute rund 210 Kredit- und Warengenossenschaften in sich vereinigen. Die große wirtschaftliche Bedeu­tung dieser genossenschaftlichen Zusammenfassung ersieht man daraus, daß die Kreditgenossenschaften der drei Verbände eine Gesamtbilanzsumme von 250 Millionen Mark verkörpern, das ist ein Achtel der Gesamtbilanzsumme der in ihrem Spitzenver­band. im Deutschen Genossenschaftsverband ED., zusammengeschlcssenen etwa 4000 Genossenschaften.

Läe Vad-Rauheimer Tagung, die von weit über 400 Teilnehmern besucht war. bedeutete ein starkes Bekenntnis zur genossenschaftlichen Arbeit. Die Tagung nahm am Freitagnachmittag mit in­ternen Einzelberatungen der drei Verbände ihren Anfang. Daran schloß sich eine

gemeinsame Versammlung des Zweckverbandes im Kerckhoff-Instttut an. Rach einem Vorbericht des geschästsführenden Derbandsdirektors Dr. Frankenbach (Wiesbadens über die bisherige Entwicklung des seit Mitte vorigen Iahres be­stehenden Zweckverbandes und nach einem Revi- sionsbericht des Verbandsrevisors echtlebe- tonte Handwerkskammersyndilus Dr. K o l l b a ch (Darmstadt» in einem längeren Referat über das Thema .Haben die Warengenossen­schaften im Handwerk noch eine Zu­kunft ?". daß Hilfe dem notleidenden Handwerk heute dringend not tue. daß die beste Hilfe die Selbsthilfe in Form der Genossenschaften sei und daß die handwerklichen Organisationen selbst Trä­ger dieser neuen Genossenschaftsform sein mühten.

Die öffentliche Versammlung des Zweckverbandes fand heute vormittag im Kerckhoff-Institut statt. Hierzu hatten sich außer Mitgliedern der drei

beteiligten Revisionsverbände zahlreiche Vertreter aus Genossenschafts-. Handwerks- wnb Gewerbe­kreisen. sowie von Danken eingefunden. Anwesend wckr auch Professor Dr. Hel lauer vom neu- gegründeten Institut für Genossenschaftswesen an der Universität Frankfurt a. M Rach einleiten­den Worten von Dr. Frankenbach, der sich später in seinem Hauptbericht für das Prinzip der freien Wirtschaft cinsetzte. durch die allein die jetzige Wirtschaftskrise überwunden werden könne, bekundete Ministerialrat Hechler (Darmstadts im Auftrag des hessischen Staatspräsidenten und der hessischen Regierung deren Interesse an der Genvssenschaftsbetoegung. Weitere Degrühungs- ansprachen folgten.

Direktor Weilen (Darmstadts vom Verband der Erwerbs- und Wirtschastsgenossenschaften im Volksstaat Hessen sprach dann über die Stun­dung der öffentlichen Grund st ücks- lasten in Hessen, deren jetzige Handhabung der Abänderung bedürfe. Unter dem lebhaften Beifall der Versammlung protestierte er gegen die letzten Steuererhöhungen der hessi­schen Regierung, die zur Vernichtung des Mittelstandes führten. Dies gab dem Regierungs- Vertreter, Ministerialrat Hechler, Veranlas­sung, die gegen die Regierung gerichteten An­griffe zurückzuweisen, wobei er auch auf die am Donnerstag vom hessischen Finanzminister Dr. Kirnberger im Landtag gehaltene Rede Be­zug nahm.

Professor Dr. Stein (Berlin), der Anwalt des Deutschen Genossenschaftsverbandes, sprach über .Grundsätze der Kredit- und Ge­schäft s p o l i t i k" und benannte als solche auf eine kurze Formel gebracht.Vorsicht, Umsicht und Tatbereitschaft".

Direktor Dr. Schaeffer (Frankfurt a. M.) erörterte das Thema .Die Mittelschichten im Existenzkampf" und stellte dabei den ge­nossenschaftlichen Gedanken als Weg zur Erhal­tung des Mittelstandes in den Vordergrund.

Das letzte Referat hielt Dr. Ioachim Tibur­tius (Berlin), geschäftsführendes Vorstandsmit­glied der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzel­

handels und Mitglied des Reichswirtschastsrates. Der Redner behandelte die wirtschaftliche und staatsbürgerliche Bedeutung der genossenschaft- lichen Arbeit des deutschen Einzelhandels und kam dabei zu dem Schluß, daß gerade die Genossen­schaften durch ihre Arbeit, die auch die Er­ziehung zum guten Staatsbürger in sich schließe, mit zur Erneuerung des Staatslebens berufen seien.

Damit hatten die offiziellen Verhandlungen ihr Ende erreicht. Ort der nächsten Tagung ist Bad Kreuznach.

Oberhessen.

Landkreis Gietzen.

2. R ö d g e n, 12. Mai. Morgen, 13. Mai, wird der älteste Mann in unserem Dorfe, Gast­wirt Heinrich Wagner, ein Veteran von 1866 und 1870/71 achtundachtzig Iahre alt. Er ist körperlich und geistig noch sehr rüstig.

Z Allendorf a. d. Lda., 11. Mai. Der hiesige Schützenverein veranstaltete ein Geweih­schießen, zu dein die dem hessischen Landesverband angehörigen Kleinkaliber-Schützcnvereine des Krei­ses Gießen-Nord eingeladen waren. Ausgeschossen wurden zehn Hirsch- und zehn Rehgeweihe. Erster Preisträger war Eb. Lotz vom Schützenverein Allendorf a. d. Lda., den 2. Preis erhielt Ludwig Z ö r b vom Schützenverein Lützellinden, den 3. Preis schoß Lehrer heil vom Schützenvcrein Allendorf an der Lumda. Die übrigen Preise verteilten sich auf hiesige und auswärtige Schützen. Einem berech­tigten Verlangen der Bevölkerung von Allendorf an der Lumda und Treis an der Lumda hat die Schulbehörde nunmehr dadurch Rechnung getragen, daß sie mit Beginn des neuen Schuljahres einen Teil der gewerblichen Fortbildungs­schule von Londorf hierher verlegte.

Kreis Schotten.

Ober-Schmitten, 11. Mai. In der Zeit zwischen 12.30 und 13.30 Uhr konnte heute eine seltene Himmelserscheinung beobachtet werden. Die Sonne war von einem großen Hof umgeben, der regenbogenfarbig schimmerte. Das Rot am inneren Teile des Ringes war am stärk­sten ausgeprägt, während die übrigen Farben mehr ineinanderflossen. Bekanntlich entstehen diese

großen Ringe dadurch, daß die in hohen Luft­schichten schwebenden Eisteilchen dos Licht brechen und spiegeln. In dem Bericht übet die Wan­derfahrt des Gaues I (Hungen) des Oberhessi­schen Radsahßbundes nach Ober-Schmitten muß es am Schluffe heißen: In dem Radballspiel HeuchelheimEber st adt siegte Heu­chelheim (nicht Eberstadt!) mit 9:1.

preutzen.

Kreis Wetzlar.

^Wetzlar, 11. Mai. Die Vergebung der Ar­beiten zu dem Bau der Umgehungsstraße bei Diskirchen, die mit insgesamt 170 000 Mark veranschlagt ist, hat dieser Tage stattge­funden. Es waren 36 Angebote eingegangen, 20 aus dem Kreise Wetzlar unb 16 aus Hessen und den benachbarten Provinzen. Die Vergebung er­folgte in zwei Losen. Das niedrigste Angebot für Los 1 (Erd- und Strahenarbeiten) betrug 58 792,85 Mark und war von der Firma Schlecht­riem in Durbach abgegeben, das höchste Angebot für dasselbe Los gab die Firma Riedinger (Rüs­selsheim Hessen» mit 122 235,80 Mark ab. Dei Los II (Dau einer Detonbrücke) kam eine noch nettere Submissionsblüte zum Vorschein. Das niedrigste Angebot betrug hier 21 895 Mark (Firma Konrad, Köln), das höchste Angebot 57 055 Mark (Firma Buschung, Rieder-Selters).

Kreis Vicvcnkopf.

S Ftankenbach, 10. Mai. Dei dem in der Rächt zum Donnerstag über unsere Gegend zie­henden schweren Gewitter schlug der Dlitz in die Scheune des Landwirts Heinrich Loh und äscherte diese in kurzer Zeit e in. Men­schen und Tiere kamen zum Glück nicht zu Schaden.

(Schluß des redaktionellen Teils.)

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