Ausgabe 
12.2.1931
 
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Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen) Donnerstag, (2. Februar I93(

Nr. 36 Zweites Blatt

der

Industrie und Handwerk, auch eine Vertretung in der obersten Schulbehörde erfordert, die auf

Gin Angriff auf das gewerbliche und technische MttetschulVesen.

Man schreibt uns: Bei der Ctatberatung im Finanzausschuß ist ein Antrag des Zentrums angenommen, wonach die Stelle des Re­ferenten für das gewerbliche Unter« richtswcsen im Kapitel 53 (Ministerium für Kultus und Bildungswesen) gestrichen und aus eine freie Stelle des Kapitel 62 a (gewerbliche Schulen) übergeführt wird. Es wird hier der Versuch gemacht, die Angriffe aus den übersetzten Bcamtenapparat des Kultusministeriums abzu- Icnken und die Stelle zu opfern, die seinerzeit aus dem Arbcits- und Wirtschaftsministerium im In­teresse der Zentralisierung ins Kultusministerium übertragen worden ist. um hier auch für das Berufsschulwesen mitzuwirken, mithin eine wich­tige Stelle einer auch zahlenmäßig starken Schul­gruppe. Von den Oberbeamten des Kultusmini­steriums sind ihrem Vorberuf nach 3 Juristen, 3 Philologen (davon übrigens eine abgebaut), 5 Volksschullehrer und 1 Diplom-Ingenieur. Bei unbefangener Prüfung muß man doch zugeben, daß die Möglichkeit einer Sparmaßnahme und einer anderen Verteilung der Ausgaben am ehesten bei der Schulgruppe vorliegt, die die zahlreichsten 'Vertreter in der Behörde besitzt, oder bei den Juristen. Daß diese dem gesunden Menschenverstand entsprechende Lösung nicht ge­funden wurde, läßt beinahe die Vermutung aus­kommen, als ob die anderen Gruppen sich zu­sammengefunden hätten, um die personell schwä­chere zu beseitigen und dadurch den eigenen Bestand zu sichern lieber Rücksichten auf die Berufsstände, die durch diesen Beschluß geradezu eine Ohrfeige erhalten haben, hat man sich hin- weggescht. Durch die beabsichtigte Maßnahme betroffen werden in erster Linie die Baugewerk-, Maschinenbau- und Gewerbeschulen und schließlich auch die Berufsschulen. Man wird als Begrün­dung des Beschlusses angeben, daß für diele Schulen, ihrer Anzahl und dem Umfang nach, die Beibehaltung eines besonderen Referenten bei der Rot der Zeit nicht gerechtfertigt sei. Eine solche Begründung ließe vollständig außer acht, daß der Betrieb der technischen Schulen grundsätz­lich verschieden ist^ von allen anderen Schul­arten. und daß die unerläßliche Zusammenarbeit mit den Berufskreisen, denen diese Schulen dienen.

Bürgerkrieg wäre. Trotzdem ist nicht zu verkennen, daß seine Lage schwierig ist. Der Radikalismus ge­winnt auch in Australien unter der Arbeiterschaft an Boden und die Gewerkschaften fürchten, daß sic den Einfluß auf ihre Leute verlieren, wenn sie sich wirtschaftlicher Einsicht verschließen.

Der erste Daimler-RennwagenMercedes", der nach Mercedes Jellinek, Tochter des österreichischen Automobilisten Jellinek benannt wurde und vor 30 Jahren zum erstenmal in einem Rennen in Pau mitfuhr.

ansehen: man beschloß, das Ausland anzu- pumpen also in London eine neue An­leihe aufzulegen.

Aber wenn in früheren Jahren dies Rezept im­mer wieder geholfen hatte, so hatten sich diesmal die Australier gründlich getäuscht. Die Engländer hatten zuviel Geld in australischen Anleihen ver­loren und erklärten nunmehr, daß Australien erst einmal seine Finanzen und seine Wirtschaft reorga­nisieren müsse. Ein Standpunkt, der ja schließlich verständlich ist, wenn man bedenkt, daß die aus­wärtigen Schulden Australiens bei einer Bevölke­rung von nur sechs Millionen sich auf 22 Milliar­den Goldmark belaufen, während z. B. Deutschland mit über sechzig Millionen Einwohnern ohne Re­parationen etwa 28 Milliarden auswärtige Schul­den hat. Ja, die Engländer ließen sogar den Status ihres Schuldners erst einmal von einem erstklassigen Finanzsachverständigen nachprüfen und schickten Sir Otto 9t i e m e g e r nach Australien. Das Urteil, das dieser fällte, war hart, aber zweifellos gerecht. Er stellte eine grenzenlose Mißwirtschaft fest, deren Beseitigung er verlangte, bevor von einer neuen Anleihe die Rede fein könne.

Die am Ruder befindliche Gewerkschaftsregierung konnte sich den Ausführungen des Finanzmannes nicht verschließen. Die vielen vom Staat be­triebenen Wirtschaftsbekriebe, die samt und sonders unwirtschaftlich waren, mußten unter dem Zwange der Notwendigkeiten a b g e« baut werden und die Regierung schlug, wenn auch zweifellos blutenden Herzens, einige Reformen vor, die Er f p a r n i s se bringen sollten. Auch entschloß sie sich (es ist bezeichnend, daß man gerade in Australien Mut dazu sand, diesen Weg zu gehen) vom System des Einheitstarifes für das ganze Land abzugehen und den örtlichen Verhältnissen angepaßte Tarife einzuführen. Das aber rief die Gewerkschaften auf den Plan, die, zugleich unter dem Druck einer immer mehr wachsenden Arbeits­losigkeit, sich sehr radikalisierten. Und zwar so weit, daß die Gewerkschaftsführer sich nicht scheuten, unter dem Beifallsgebrüll einer fanatisierten Menge offi­ziell die Einführung der Inflation zu verlangen,damit die Regierungen der Bundes­staaten die Möglichkeit erhielten, mehr Arbeiter als bisher zu beschäftigen, bzw. die Löhne weiter­zuzahlen. .."

Der australische Erstminister, Mr. S c n l l i n ,

selbst ein ehemaliger Arbeiter, hat sich allerdings nicht bluffen lassen und hat sich bisher mutig gegen die Gewerkschaften eingesetzt: wohl, weil man ihm in London auseinandergesetzt hat, daß der Weg, auf dem sich die australischen Gewerkschaften befinden, m wt uvchixh vu*uiwyuiv»

direkte Weg in den Bolschewismus und den | Ne Bedürfnisse dieser Berufskreise abgeftimmt ist.

('Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) London, 24. Januar 1931.

Der oberste Schiedsgerichtshof Australiens hat dieser Tage ein geradezu sensationelles Urteil ge­fall t. Auf die Klage einiger Arbeitgeber hin hat er schlankweg eine Verkürzung der bisher gezahlten Löhne um 10 v. H. verfugt, und zwar einstimmig, trotz des Protestes der Gewerk- chaftsvertreter, die das Urteil mit dem RufeDieb­stahl" und dem Absingen des kommunistischen Liedes von derRoten Fahne" begrüßten. Die wirtschaft­liche Lage, so führte der Schiedsgerichtshof zur Be- grünbung aus, mache eine Anpassung der nationalen Ausgaben an die Einnahmen erforderlich. Diese aber seien im letzten Jahr um rund 1,4 Milliar­den Mark zurückgegangen. Der Standard der australischen Löhne solle zwar nicht angetastet werden, eine Anpassung sei jedoch notwendig, um Einnahmen und Ausgaben auszugleichen.

Wenn das im von den Gewerkschaften beherrsch- ten Australien möglich ist, und zwar noch dazu siei einem Gericht, das an sich ursprünglich einmal ein­gesetzt war, um die Tarifverträge zu schützen und dem australischen Arbeiter den höchstmöglichen Lohn zu erhalten, dann müssen, so sagt man sich unwill­kürlich, die^Dinge sehr weit gediehen sein.

Und in der Tat, es ist so. Die von den Arbeitern eingesetzte Regierung kann eben jetzt um die Lehre der Tatsachen auch nicht mehr länger herum, nach­dem 1929/30 der Versuch, aufbem Wegeeiner Inflation Australiens Wirtschaft zu Helsen, scheiterte. Denn bie australische Währung, bie heute um 25 v. S). niebriger steht als bas englische Pfunb obwohl noch vor einigen Jahren bas Verhältnis umgekehrt war ist vergeblich durch eine willkür­liche Inflation in ihrem Wert geminbert worben. Die Weltwirtschaftskrise ist barum doch nicht an Australien vorbeigegangen und hat das Land nur um so härter getroffen. So hart, daß man wohl, wenn man von Deutschland absieht, Australien als das a ut härtesten betroffene Land von allen Ländern der Erde bezeichnen kann.

Wer das zum ersten Male hört, ist zweifellos nicht geneigt, einer solchen Bel)auptung Gehör zu schen­ken. Und doch zeigt eine kurze Ucberlegung, daß dies durchaus logisch ist.

Was produziert Australien? Weizen und Wolle alles andere kommt kaum in Frage. Gerade auf den Märkten für Weizen und Wolle sind aber bekanntlich bie größten Preis- Äufammenbrüdje erfolgt, nicht zuletzt, weil in Amerika unb in Australien bie Ernten sehr gut waren, so baß bie vom Kapitalmarkt unb von der Industrie ausgehende Krise auf ein lieber- angebot an Agrarprodukten und Rohstoffen stieß. Das war gerade für Australien besonders fatal. 'Australien, bas Laub ber höchsten Löhne der Welt, produzierte ja schon vor dem Ab­bröckeln der Preise so teuer, daß sich nur noch die allergrößten Betriebe knapp rentierten. Lange ehe es auf dem Weltmarkt zur Katastrophe kam, hatte Austra­lien seine Produktionskrise, die sich im Zurückgehen des Absatzes unb in einer ftänbig wachsenben Zahl von Arbeitslosen äußerte. Als daher der Zusammen­bruch des Weizenmarkkes in Amerika erfolgte, ver­setzte dies der australischen Produktion geradezu den Todesstoß: Australien erstickte in Weizen und Wolle unb mußte boch feine eigene Jnbu- ftrie fast völlig ftillegcn, weil ihm niemanb mehr feine Waren in ausreichenber Menge abnahm.

Nun hätte man zweifellos bem Unheil beizeiten Einhalt tun können. Hakte man als erster bie Krise im Lanbe, so konnte man auch als erstes Lanb bie Mittel zur Bekämpfung ber Krise in Erwägung ziehen. Aber das von den Gewerkschaften regierte Australien buchte nicht daran, den Dingen auf den Grund zu gehen. Daß die Löhne zu hoch seien eine Feststellung, die von der englischen Presse im­mer wieder getroffen wurde daran dachte kein Mensch man beschränkte sich vielmehr auf das alte Mittel, das alle finanziell ober wirtschaftlich schlecht geleiteten Staaten als ultima ratio regis

Wirischastsnoi im roten Australien

Von unserem (g)-Berichterftatter.

Mann über Bord.

Von Käte Brandel-Elschner

Kein Mensch entgeht seinem Schicksal ... lassen Sie sich warnen, mein Herr ... bie Sterne lügen nicht!"

Die Stimme war nicht unangenehm. Tim Bobben faltete seine Zeitung, ließ das Monokel in bie hohle Hanb fallen unb sah belustigt auf bas frembartige Wesen.

Was wünscht bas kleine Fräulein von mir?"

Sie hielt ihm eine Faust voll weißer Papiere ent­gegen. Schon ergriff feine Hanb, gewohnte Geste an südlichen Meeren, zur Tasche, ein paar Centesimi hinzureichen oder ein paar Lire.

Nein, Herr, ehrliche Arbeit! Es ist Ihr Horoskop!"

Neben ihn, auf die Bank der Uferpromenade, legte die Kleine bie weißen Blätter, engbeschrieben, schüch­tern, mit zarten braunen Füßen blieb sie stehen, spielte verlegen mit ben bloßen Zehen im Sande, strich sich die schwarzen Locken aus der Stirn wäh­rend er las.

Wer hat das geschrieben, Piccina?"

Mein Vater, er ist ein großer Gelehrter!"

Italiener?"

Nein, Syrier!"

Woher weiß er meine Geburtsdaten?"

Die Kleine zögerte.Vom Hotelportier!"

Alter Halunke!" dachte Tim Bodden.

Der zierlichen Kleinen drückte er einen Geldschein in die Hand. Er wollte noch fragen, dies und das, aber sie stob dahin, den Strand entlang. Lose flatterte das rote Röckchen um braune Knie.

An diesem Mittag versäumte Tim Bodden das Lunch. Leer lag die breite Promenade in der Sonne, als er seinem Hotel zuschritt. Er wehrte seinen Ge- danken wie schwirrenden Mücken. Die Sache schien ihm unheimlich.

Unter einer Palme entfaltete er zu in zehntenmal die weißen Bogen ... Erbschaft, Spielverlust, es stimmte auffallend. Aber konnte der geschäftstüchtige Sijrier das nicht irgendwie erfahren haben?

Doch da standen Ereignisse aus früheren Zeiten: Brandkatastrophe drei Jahre lang lag das zurück! Und hier: Schaden durch Tiere war das nicht vor zwei Jahren, als er mit Ulla, bem Biest, am Tra­kehner Graben koppheister ging unb für tot vom Platze getragen wurde?

Sonderbar, da stand auch bie Affäre mit Lil: Eine

junge blonbe Dame verschmäht seine Werbung! Ob sie 'verschmähte! Direkt geflohen war sie vor ihm, bas blonbe, schöne Nachbarskinb.

Na, das war aus unb vorbei, nichts mehr zu retten! Wichtiger schien, was ba von ber Zukunft zu lesen mar. Das sollte man beherzigen! Sieh ba: zwei Unglücksfälle auf einmal: Autopanne unb brohenbe Ehe. Tim, alter Junge, Vorsicht! Bleibt also bas Vehikel vorläufig in ber Garage. Unb ber holden Evelyn. Tochter des Geldprotzen aus Chikagch wollen wir aus dem Wege gehen. Das fehlte noch! Groteske Vorstellung: Evelyn, bie Monbäne, als Herrin auf bem traulichen Sitz am heimatlichen See.

Am Hotel vor der breiten Terrasse stand sie, die Miß, bei ihrem weißen Wagen: sie wartete auf ihn, ob er vergessen habe, sie wollten doch ein wenig in die Berge fahren!

Um Gottes willen!" Und tausendmal Pardon, aber es geht nicht! Telegramm von zuhause. Schreck­liches fei oorgefallen!

Er war so erschüttert und blaff, daß glaubhaft schien, was er stammelnd vorbrachte.

Die Miß fuhr nicht in die Berge. Sie verlegte ihm stündlich den Weg. Ihm saß bie Angst im Ge­nick. Der Alte aus Chikago wich nicht von seiner Seite. Kein Mensch entgeht seinem Schicksal. Das wollen wir sehen! Ich bin gewarnt!

Tim Bobben reifte ab. Ein namhaftes Geschenk für bie Tochter bes Syriers blieb beim Portier.

Miß Evelyn machte kalte, rachsüchtige Augen hinter ihm her, als er feinen Wagen mit Schwung zur Flucht startete... An der Grenze holte sie ihn ein. Als er aus bem Zollgebäube trat, ftanb ihr

weißer Wagen neben dem feinen. Sie suchten ihn wohl drinnen im- Hause.

So ernst war die Sache. Tim Bodden ließ in Panikstimmung zwei Koffer zurück und machte sich davon. ri _ .

Erst hoch im Ticino wagte er zu rasten. Weißes Brot, Ziegenkäse und Chianti, schnelles Tanken, schon drängte die komische Angst weiter. Hinauf auf den Gotthard und drüben die Wenden unb Kehren hinunter in voller Fahrt.

Zwei Tage später hinkte er bie Treppe hinunter bei seinem Haus am See. Jrgenbwo in einem Schweizer Dörfchen lag fein Wagen, zerbeult, zer­trümmert. Er selbst mit ein paar Schnittwunben und geprelltem Knie, war lebend davongekommen. Wie 'durch ein Wunder, meinten die Schwyzer Bauern.

Zum Teufel mit dem Horoskop! Aus 'Angst vor der Ehe hatte er das drohende Autounglück ver­gessen. Wenigstens lag das nun dahinter! Die Tat­sache gewährte 'Beruhigung. Meiden wir also die holde Weiblichkeit noch ein paar Wochen, bis der Affe in den Skorpion kommt oder ber Mars auf ben Hunb ober wie bie blöbfinnige Formel hieß was kann ba schon passieren! Genau am Beginn bes Juli ist die Gefahr vorüber. So steht es in den Sternen. Also Geduld!

Tim Bodden spielte den Einsiedler. War es nicht schamlos, wie die Mütter erwachsener Töchter ihm nachstellten? Wie die Einladungen sich häuften? Wie man einfach vorfuhr und ihn zu überrumpeln suchte! Die Ehegesahr schien mit dem abgeschlage­nen Angriff der Miß nicht beseitigt.

Tim Bodden fand den Ausweg. Er tafelte feinen alten Vierziger und verbrachte die Junitage drau­ßen aus dem Wasser. Der Junge vom Gärtner hockte wie ein kleiner Buddha am Vorschiff und störte ihn nicht. Achterlich an der Pinne träumte Tim. Aeugte am Hellen Großzeug hinauf in den blauen Himmel, freute sich, wie er das Schicksal parierte. Gute Sache, so ein Horoskop!

Tim Bodden trimmte das neue Segel. Windstärke fünf mit Böen. Man hatte alle' Hände voll zu tun. Der Stander tanzte und floppte. Die Leinwand killte ein wenig, sonst stand das Segel herrlich. Mit ber Zeit tarnen erhebliche Spritzer über. Der Boy machte bie Luke bicht unb kroch mitschisss. Plötzlich schrie er:Boot voraus!" Im gleichen Moment sah auch Tim bie kleine Jolle, wie fie kämpfte, aufjtanb, und vor ber nächsten Boje einfach kenterte. Platt lag das Segel auf dem Wasser. Der gekenterte Jüngling saß rittlings auf dem Kahn, mit langen weißen Hosen und triefte.

Tim Bodden manövrierte auf ihn zu. stellte sich in den Wind und holte ihn über...

Ahoi, Tim Bodden", sagte die klatschnasse Lil, unb vielen Dank, unb bas ist bie Nixe, vielleicht können wir sie abschleppen!" Unb bann arbeitete sie heftig mit, benn Tim verlor alle Führung.

Der Sturm hatte feine Schulbigkeit getan, er flaute ab. Die Lil zog in ber Kajüte trockenes Zeug an, unb tat, als ob sie auf berAzzura" zuhause wäre. Mit derNixe" im Schlepp, kam man lang­sam an bie Boje. Es war der 30. Juni.Kein Mensch entgeht seinem Schicksal", sagte Tim Bodden bei der Verlobungsfeier und erzählte diese Geschichte.

Die kleine Lil aber Muckste feinen Ton davon,

Dieses Referat Darf sich für bie Zukunft nid>i nur auf bie genannten technischen Mittelschulen erstrecken, Ionbem muß unbedingt auch mit Police Wirksamkeit auf bie technischen Grundschulen, d. k. aus die gewerblichen Berufsschulen ausgedehnt werden.

Aber auch Handwerk und Industrie können zu dieser Maßnahme . ihre Zustimmung nicht erteilen. Sie sind außerordentlich bar an interessiert, daß ber oberste Aussichtsbeamte e i m technischer Fachmann ist, ber ihre 2Infor- berungen an die Ausbildung ihres Nachwuchses kennt, bauernd mit ihnen in Fühlung ift. fotoio Anregungen unb Wünsche der praktischen Berufs in ber Schule zur Durchführung bringt. Schließlich! berührt diese Angelegenheit alle technischen Verufskreise. 3 mm er wieder muff e rt die Techniker f e ft ft eilen, baß ein auf­fall e n be r Gegensatz besteht zwischen der Bewunderung, die man tech- nischon Taten entgenbringt. und dev Tatsache, daß höhere Verwaltungs - st eilen technisch ausgebildeten Kräf- ten vorenthalten werden.

Oer bedrohte deutsche Wald.

Die deutsche Forstwirtschaft, die angesichts bce Tatsache, baß 2 7 Prozent der gesamten Landesfläche von Wald bedeckt ist. eine große Rolle spielt, befindet sich nach Qln* * sicht gutunterrichteter Forstwirtschaftskreise ire einer außerordentlich kritischen Situation. Deo neue Forstetat Preußens für 1931 bcttxciftt diese Befürchtungen leider nur allzu sehr. Deo Etat ist bereits hinsichtlich der Einnahmcpositivnen so vorsichtig wie möglich aufgestellt worden, unb doch geht her Ueberschuh auch im kommen * men den Jahre nach den Berechnungen der Prcu- ßischen Forstverwaltung weiterzurück. Prerow hen verfügt über eine Fläche von etwa 2.5 üRun Honen Hektar Wald, der im kommenden 3abre rund 170 Millionen Einnahmen und 136 Mil­lionen Ausgaben erbringen wird. Dagegen be­trugen bie Einnahmen im 3ahre 1929 noch fasst 200 Millionen, die Ausgaben dagegen 146 Mil­lionen. so daß im vergangenen Jahr noch mit einem Ueberschuß von 54 Millionen gerechnet werden konnte, während für das kommende 3ahc der Voranschlag nur einen Ueberschrß von 34 Millionen Vorsicht.

Trotz einer Erhöhung des Abschlages, trotz weiterer Verminderung des für Betrieb. Schutz und Verwaltung kaum noch ausreichenden Per- sonalbestanbes und trotz Abdrosselung der Aus­gaben ist ein unaufhaltsames Absin­ken des Aeberschusses um rund 2 0 Millionen zu verzeichnen. Rach der bisheri­gen Entwicklung des Holzmarktes scheinen auch die Preise, die im Voranschlag des Etats für den Verkauf von Holz angesetzt toorbcu sind, z u hoch gegriffen zu sein, so daß im Laufe des Jahres mit einem weiter -n Ein­nahmeausfall zu rechnen ist. Es^vird also nicht mehr lange dauern, bis ein Ueberschußi an Einnahmen überhaupt nicht mc£it zu ver­zeichnen ist, abgesehen von der ungenügen­den Aufforstung, die heute durch den ver­mehrten Abschlag unbedingt erforderlich wäre.

Schlimmer als in den staatlichen Forsten sieht es in der deutschen Privatforst wirt­schaft aus, die etwas mehr als die Hälfte bec deutschen Walbfläche umfaßt. Von wenigen Aus­nahmen abgesehen, steht sie bereits am Rande einer Katastrophe. Von einer Verzinsung ihres Waldwertes und des Betriebskapitals kann nach der Ansicht unterrichteter Kreise nicht mehr btc Rede sein. 3e geringer die Einnahme aus bem Walde, um so mehr muß natürlich geschlagen werden, so daß allmählich der deutsche Wald einem Raubbau zum Opfer fällt, wenn nicht recht­zeitig Hilfe kommt.

Taten für Freitag, i:i. Februar

1754: ber Diplomat Fürst Taleyranb in Paris geboren, 1883: Richard Wagner in Benebig gestorben.

baß sie ben ranken Kahn, bieNixe", mit leiser Absicht vorAzzura" umgelegt hatte. Sie fchwörl seither auf bas Horoskop.

Zeitschriften.

S> t e Sun st", aus bem Verlag F. Bruck- mann AG. in München, eröffnet bas neue Hcst mit Alfred Sisley,dessen Palette in brennenden Fanalen die Sterbelieder des Herbstes singt und dessen Pinsel die Monotonie eines bleifarbenen Winterhimmels auf die Leinwand zu zaubern weiß". Alfred Sisley war einer der Maler, die: an der ersten Manifestation der Impressionisten teilnahmen, jenes Impressionismulses, der einer Brandfackel gleich die Gemüter der älteren Gene- ' ration entzündete und Künstler, Kritiker und Publikum aufeinanderprallen ließ. Von per­sönlichen Beziehungen Anselm Feuerbachs zu Jo­hannes Brahms, die trotz der wenigen disharmo­nierenden Züge ihres Wesens zu keinem engeren Freundschaftsbund führten, handelt eine inter­essante Schilderung. Weitere illustrierte Beiträge würdigen die Radierungen von Walter Waentig und die malerischen Werke Hans Wildermanns und des Italieners Giorgio be Ehirico. Der handwerkliche Teil zeigt Kostümentwürfe aus der staatlichen Schule für angewandte Kunst in Mün­chen, Räume, Möbel. Beleuchtungskörper des Wiener Architekten Lichtblau, ferner die ausführ­liche Beschreibung eines Eigenheimes, neue Schöp­fungen aus der reizvollen Welt des Kunstgewer­bes, ber Porzellankunst, der Handweberei usw. im Bilde.

In denEuropäischen Gesprächen'* (Verlag Dr. Walther Rothschild. Derlin-Gcune- toalb) wird ihr Herausgeber A. Mendelssohn Bartholdy in zwölf monatlichen Aufsätzen die deutschen Forderungen des gleichen und gerechten Maßes für alle zusammenfassen, und führende Politiker von europäischem Ruf werden ihm antworten. Im Januarheft nimmt er zu dem Problem der Kriegsschuldfrage Stellung. Der Vergleich von 1919 und 1931 zeigt sinnfällig und überzeugend, daß der einseitige Spruch von Ver­sailles ein Ergebnis gezeitigt hat, das die böse Absicht der Siegermächte zwiefach bezwingt. Deutschlands Abwehr war die Veröffentlichung feiner Vorkriegsakten: sie hat bewirkt, daß auch die anderen ihre Archive öffnen und damit eine gemeinsame Einsicht in die Ursachen des Krieges vorbereiten mußten