Ausgabe 
11.11.1931
 
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Ur. 264 Zweites Blatt

«Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)

Mittwoch, U. November f93f

Volksrechtpartei.

Die V^lksrechtpartei (Sparerbund) ver­anstaltete gestern abend imAquarium" eine öffentliche Wählerversammlung. Prof. Axt, der Spitzenkandidat der Partei für den Hessischen Landtag, betonte in seiner Rede u. a., Revo­lution, Inflation, Finanzkrise und Arbeitslosig­keit hätten eine allgemeine Schwäche herauf» beschworen. Der Mittelstand sei zerschlagen wor- den. Die Sozialdemokratie sei daran nicht un­schuldig. Der Mittelstand und die Sparer seien aber die wertvollsten Schichten des Volkes. Jetzt sei es schwer, das Vertrauen dieser Kreise wieder zurückzugewinnen. Es gelte, Wege der Gerech­tigkeit zu beschreiten und das wieder gut zu machen, was an den Sparern gesündigt worden sei. Leider spiele man schon wieder mit dem Gedanken an einewohlbegrenzte Inflation" auf dem Wege über eine künstliche Geldschöpfung. Die Volksrechtpartei halte dies nicht für das richtige Mittel, unsere Lage zu verbessern. Die deutsche Wirtschaft leide heute unter einer schwe­ren Absahkrise, die eine Wirtschaftsschvumpfung im Gefolge gehabt habe: die hohen Zinsen stellten eine zu hohe Belastung für den Wirtschaftskörper dar. Das wirtschaftlichste Kapital hätten bisher immer die Sparer gestellt, die nur niedrige -Zin­sen, wenn auch die nötige Sicherheit verlangten. Heute dürfe man kein Experiment mehr machen, wenn man vom Sparer erwarte, das) er sein Gold wieder der Wirtschaft zur Verfügung stelle. Die erste Voraussetzung dafür sei die Wieder­herstellung des Vertrauens zur Wirtschaft. Der Weg zur Rettung sei heute schwerer denn je, weil alles von Parteigeist bestimmt sei.' Die Volksrechtpartei habe sich bisher stets bemüht, unpolitisch zu bleiben und lediglich einer gerechten Sache zu dienen. Heute seien es mehr denn je die Jnteressentenhaufen in der verschiedensten Form, die eine Gesundung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse verhinderten. Die Leistungsschwachen habe man immer am schwersten belastet. An Rentnern und Kriegsbeschädigten, wie an den Kriegerhinterbliebenen habe man gespart. Die Kürzungen an den Bezügen habe man durch Preisabbau nicht auszugleichen vermocht. Das Reich habe die Pflicht, an Stelle des Almosens endlich das Recht zu setzen. Sozialisierung und Proletarisierung seien nicht der Weg zu einer Besserung der Verhältnisse. Wichtiger sei es, den Mittelstand wieder zu neuem Leben zu er­wecken, dem Arbeiter wieder den Erwerb von Eigentum zu ermöglichen, ihm die Früchte seiner Arbeit zu sichern. Richt die Gegensätzlichkeit könne uns helfen, sondern nur die Gemeinsamkeit in einem einigen Volkswillen.

Rach einer kurzen Betrachtung der außenpoli­tischen Verhältnisse ging der Redner in knappen Umrissen auf dia hessischen Verhältnisse ein. Hes­sen leide unter mancherlei Schwierigkeiten. Die Staatsschulden seien eine schwer drückende Last. Hessen habe seine Bahn an das Reich abgegeben, das aber noch nicht einmal die Zinsen für diesen Wert bezahle, geschweige das Kapital selbst. Mit dem Zinsaufkommen aus dieser Schuld des Rei­ches hätte man den Haushalt sanieren können. Der Fehlbetrag im laufenden Etat sei schon wieder auf neun Millionen Mark angewachsen. Das Mini­sterium stelle einen viel zu großen und kostspieligen Apparat dar. Ts könnten einige Verwaltungs­zweige zusammengelegt und ein Ministerposten er­spart, manche Derwaltungsarbeit könnte verein­facht werden. Demgegenüber hätte man nicht schematisch im Bildungswesen abbauen dürfen. Zum Schluß seiner Ausführungen streifte der Red­ner noch eine Anzahl der im Interesse der Rent­ner und Sparer eingebrachten Anträge, die leider im Landtag nicht immer die nötige Beachtung ge­funden hätten. Die Wählerschaft habe am 15. No­vember darüber zu bestimmen, ob die Abgeord­neten der Volksrechtpartei wieder in den Landtag einziehen sollen, um für die Interessen der Sparer

Mitte/n.die im Jniand erzeug bar sind.

1. Halbjahr 1 931

Iahten in Millionen P. M

Unsere Darstellung veranschaulicht die Einfuhr von Nahrungsmitteln nach Deutschland, die wir selbst im Inland erzeugen können. Im ersten Halbjahr 1931 hat Deutschland fast für eine Milliarde Mark solche Lebensmittel eingeführt, eine Summe, die der notleidenden deutschen Landwirtschaft auf diese Weiss entzogen wurde.

und darüber hinaus für die Gesamtheit zu wirken. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Eine kurze Aussprache schloß sich an.

Oberhefferr.

Gemeinderat in Schotten.

b Schotten, 9. Rov. Der Gemeinderat beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung mit der Winternothilfe. Ein kommunistischer An­trag auf Beschaffung von Kartoffeln durch die Stadt wurde vom Gemeinderat abgelehnt. Die Wohlfahrtskommission soll sich in einzelnen wohl­begründeten Fällen über eventuelle llnterstühun- gen mit Lebensmitteln oder Zuschüssen schlüssig werden. In den umliegenden Dörfern wurden verschiedene Sammlungen von Natura­lien durchgeführt, die gute Ergebnisse zeitigten. Von der organisierten Winternothilfekommission wird eine weitere Sammlung von Geld und Kleidungsstücken durchgeführt. Eine Wohltätigkeitsveranstaltung ist eben­falls vorgesehen. 2m weiteren Verlauf der Sitzung wurde beschlossen, für die- in verschiedenen gewerblichen Betrieben zum Betrieb der Kühl­anlagen notwendigen Wassermengen einen Kubikmeter-Preis von 25 Pf. zu erheben. Zum Schluß gab der Bürgermeister an Hand einer Diebersicht der Stadtkasse Aufschluß über die Finanzlage der Stadt. Außerdem referierte er über die Bestimmungen der neuen Hessischen Ge­meindeordnung.

Weihe des Gefallenen-Ehrenmals in Eichelsdorf.

-> Eichelsdorf, 9. Nov. Am gfingen Sonn­tag fand dieWeiheunseresGefallenen- Ehrenmals statt. Obwohl von dem Denkmals­ausschuß nur ein schlichter Rahmen für die Feier vorgesehen war, hatte sich eine tausendköpfige Menge eingefunden, um der Feier beizuwohnen. Die Kriegervereine von Schotten, Rainrod, -Ein­artshausen, illfa, Stornsels, Eichelsachsen, Win­gershausen und Eschenrod waren mit ihren Fah­nen erschienen.

Vom Kriegerdenkmal 1870/71, an dem Bürger­meister Knodt namens der Gemeinde einen

Kranz niederlegte, zogen die Schuljugend, die aus­wärtigen und hiesigen Vereine zum neuen Denk­mal. 3m Ehrenhof, der mit Tannengrün und wei­ßen, großblumigen Chrysanthemen stimmungsvoll geschmückt war, nahmen die Ehrengäste, die An­gehörigen der 52 Gefallenen, sowie der Denk­malsausschuß Platz.

Als erster Redner sprach Vaurat Kessel (Schotten), der die Dauarbeiten geleitet hatte. Er gab einen Dieberblick über den Werdegang des Denkmals, erläuterte Material, 3nschriften und Symbole und übergab es als markantes Wahr­zeichen zur Treue und Hingabe an Heimat, Volk und Vaterland in den Schuh der Gemeinde. Die W e i h e r e hielt der Ortsgeistliche, Pfarrer Hermann Müller. Er rückte die Begriffe Va­terland, Heimat und Volk, Kameradschaft, Kampf und Opfer in den Blickpunkt seiner Betrachtun­gen und verwob sie, aus eigenen Kriegserlebnissen schöpfend, mit dem großen Geschehen an den Fron­ten des Weltkrieges. Nach der Weihe senkten sich die Fahnen und drei Ehrensalven hallten über den Ehrenhof. Der MännergesangvereinEin­tracht" (Leiter Adols Rau) fang das Lied vom guten Kameraden.

Bürgermeister Knodt übernahm das Denkmal in den Schuh der Gemeinde und legte mit Worten des Dankes an die Gefallenen einen Kranz nie­der 3m Auftrage des Kreisamts Schotten sprach Regierungsrat Schwan. Er würdigte die Gründe, die trotz wirtschaftlicher Depression für die Errichtung von Gefallenen-Ehrenmalen sprächen, und dankte allen, die dazu beigetragen, das Denk­mal zu erbauen. Apotheker Scriba (Schot­ten) überbrachte die Grüße des Hassiapräsidiums und legte für den Hassiabezirk Vogelsberg einen Kranz nieder. Die Klänge der Kapelle S p a n - gen6erger, die gut gewählten und Hangrein wiedergegebenen Chöre des GesangvereinsEin­tracht", sowie ein Sprechchor der Schüler der Ober­klasse (Lehrer Würz) gaben der ernsten Feier, die mit dem Deutschlandlied schloß, einen stim­mungsvollen Rahmen.

Das Gefallenen-Ehrenmal ist von Baurat Götz, der früher am Bauamt Schotten tätig war, entworfen. Als Material fand heimischer Basalt und Mainsandstein Berwendung. Die Maurerar­beiten führte Maurermeister Fritz Rau (Eichels­dorf) aus, die Bauleitung hatte Baurat Kessel

Gießener Gtadttheater.

Fritz Schwiefcrt:Marguerite: 3".

Der Dr. pM. Fritz Schwiefert, Diblio- theksrat an der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin, hat seine dramatische Laufbahn mit sehr ernsthaften Werken begonnen: dem mythischen Spiel vomBakchos Dionysos", das vor einer Reihe von 3ahren in Frankfurt uraufgeführt wurde, und. mit der HistorieHans von Huttens Buße". Aber als er bei der Kleistpreis-Bertei- lung im vorigen 3ahre neben andern mit einer lobenden Erwähnung bedacht wurde, da geschah es, wenn wir uns recht erinnern, unter ausdrück­lichem Hinweis auf diese ganz leichte, spielerische und graziöse Arithmetik der Liebe, die unter dem TitelMarguerite: 3" inzwischen über viele Büh­nen gelaufen ist ... als eine theatralische Va­riante des nachdenklichen Motivs, das der Eng­länder Huxley in seinem RomanZwei oder drei Grazien" gewichtiger und gründlicher dar- gestellt hat.

Schwiefert hat sich, in einer unbeschwerten Laune, ausgemalt, was geschehen würde, wenn drei gute Freunde, als wohlsituierte 3unggefeIIen in einer gemeinsamen Wohnung hausend, sich in die selbe Frau verlieben: natürlich nacheinander, jeder für sich, und ohne daß es der eine vom an­dern weiß.

Da - sie sich für denselben Abend mit ihr in der gemeinsamen Wohnung verabredet haben (auch natürlich wieder jeder für sich) müssen sie einer nach dem andern ein Geständnis ab­legen, weil jeder ö:> beiden andern für diesen Abend aus dem Haus haben möchte, um un­gestört mit der Dame soupieren zu können. Das geschieht unter den drolligsten Dimständen aber immerhin so, daß keiner ahnt, es könne sich fatalerweise nur um eine die gleiche Frau handeln, um derentwillen sie sich gegen­seitig allerlei Liebenswürdigkeiten an den Kopf werfen.

Aber siehe da: die Rechnung, die zunächst nicht aufzugehen schien, löst sich in der überraschenden Formel Marguerite: 3 das heißt: Marguerite» besucht sie alle drei, nacheinander natürlich und wieder ohne daß jeweils die beiden andern wissen, daß der dritte... und Marguerite erscheint jedes­mal als eine andere Frau, sie spielt jedem ihrer drei Liebhaber die Frau vor, die er sich wünscht und die er in ihr gefunden zu haben glaubte.

Diese spielerische Formulierung eines ernsteren Problems bewahrt das Lustspiel allezeit vor dem Platten Situationswitz des Schwanks, wo sich ein minder geschmackvoller Autor spätestens im zweiten Akt festgefahren hätte.

*

Der dritte bringt dann die überraschende Poin­tierung des Einfalls: Marguerite ist nichts von dem, was sie dreimal zu sein vorgab: sie spielte bewußt, sie kannte alle drei längst, weil sie näm­lich gerade gegenüber wohnt und gelegentlich einen Blick in die friedliche Häuslichkeit der drei junggeselligen Kavaliere werfen konnte. ilnb da sie außerdem eine sozusagen verlobte Braut ist, haben von vornherein alle drei, was sie frei­lich auch wieder nicht ahnen konnten, keinerlei Chancen: sie aber, Marguerite, die eigentlich Emmy heißt, ging auf das Abenteuer, das ihr dreifach serviert wurde, lächelnd ein... als auf eine kleine prophylaktische Kur: sie nahm in ihm voraus alle verfänglichen Möglichkeiten, die ihre bevorstehende Ehe etwa gefährden könnten..., die sie nun ausgekostet hat und nicht mehr zu fürchten braucht.

Es wurde unter der witzigen und beweglichen Regieführung von Karl H e y s e r sehr amüsant und reizend gespielt: man empfand mit Ver­gnügen, daß alle Beteiligten mit Lust und Laune bei der Sache waren. Die Regie hat den Schau­platz des galanten Abenteuers nach Gießen ver­legt und durch allerlei vertraute Anspielungen sogleich ein wirksames Lokalkolorit geschaffen und verständnisvoll aufgenommene Beziehungen zum einheimischen Publikum eingeflochten: auch be­gleitete sie das in allen Nuancen der wechselnden Situation flüssige und belebte Konversationsspiel mit einer gedämpften und melodiösen Schlager­musik, die sich dem Stegreifcharakter des leicht­geschürzten Lustspiels stimmungsvoll anpahte.

Löffler hatte eine dezente 3nnendekoration in geschmackvollen Farben und Formen aufgebaut und überdies ein amoureuses Aushängeschild für den Vorhang entworfen, wodurch das General­thema dieses heiteren Abends sogleich sinnfällig angedeutet wurde.

Die Dame, die sich Emmy nennt und dreimal in wechselnder Ausmachung als Marguerite emp­fangen wird, heißt auf dem Programmzettel Edith Berger. Sie hat hier eine der heute nicht all­zuhäufigen Paraderollen, die aus der reinen, spie­lerischen Freude am Komödiantentum im ur­sprünglichsten Sinne geschrieben werden. Sie darf hintereinander als illusionslose, sachliche Kokotte,

als snobistische Gans und als albern lispeln­des Hausfrauchen ein kleines Drillantseuerwerk abbrennen sie macht es mit einer charmanten Leichtigkeit des Rollentausches und bewahrt sich die lächelnde Dleberlegenheit der Demaskierung für den Schlußakt auf.

Die drei Kavaliere: 3ochen Hauer: Hans P a e t s ch ; Karl Bruck. Drei Kavaliere, drei Liebhaber, drei Temperamente: sehr lustig auf­einander abgeftimmt und miteinander kontrastiert. Hauer als der kühle, nüchterne Mediziner, der dennoch der Verwirrung der Gefühle im entschei­denden Moment nicht gewachsen ist, am heitersten in den Augenblicken stiller Wut und bissiger 3ro- nie. Paetsch, ein wenig jugendlich für die verantwortungsvolle kommerzielle Derussstellung, die ihm zugeteilt ist, war der unkomplizierteste und ehrlichste von den dreien, ein guter, stür­mischer, verliebter 3unge, dem keiner böse fein kann. Bruck istSchauspieler am Stadttheater, mittleres Talent", und ihm liegt diese Schauspie­lerei in der Potenz, diese prickelnde Aufgabe, sich selbst darzustellen, ausgezeichnet: er kann richtig aus sich herausgehen und sozusagen alle Register ziehen.

Wolfgang Kühne endlich gibt einen dieser fa­mosen, guterzogenen, weißhaarigen Diener, wie man sie fast nur auf dem Theater findet, mit dis­kretem Humor: er macht den Ansager und be­schließt das Stück mit Nuhanweydung und schöner Moral.

Es war ein lustiger und unbeschwerter Theater­abend, der mit einer warmherzigen Werbe-An­sprache Karl D o l ck s eingeleitet wurde, hth.

Zeitschriften.

Aus der Zeit der ersten Marokkokrise, un­mittelbar vor dem Sturze Delcasses, veröffent­licht Dr. Friedrich Thimme im Oktoberheft der Europäischen Gespräche" (Verlagsbuch­handlung Dr. Walther Rothschild, Derlin-Grune- wald) eine Reihe von Dokumenten, die einen durch den früheren italienischen Schahminister Luzzatti an die deutsche Regierung herangebrach­ten Friedensfühler näher beleuchten. Bülow hat vielleicht Recht gehabt, auf die nach Herkunft und Tragweite sehr unbestimmten Vorschläge nicht einzugehen, so daß das nachträgliche Abwägen einer Schuldfrage müßig ist: aber die Veschäfti- gung mit diesen Dingen ist auch heute noch lehr­reich, um den Blick für das zu schärfen, was man psychologische Momente nennt.

(Schotten). Die Dildhauerarbeiten, von denen der sich aufrichtende lebensgroße Löwe tiefes, künst­lerisches Gestalten verrät, führte der Bildhauer und Maler Fehrenbusch (Frankfurt a. M.) aus.

Landkreis Gießen.

£ Wieseck, 11. Noo. Unser Mitbürger Zim­mermeister August Rohm vollendet am Donners­tag, 12. November, in voller geistiger und körper­licher Frische sein 7 0. Lebensjahr. Im Jahre 1890 gründete er mit Jakob Schäfer ein Zimmer- geschäst, das er bis 1912 gemeinschaftlich mit Schä­fer betrieb. Seit 1912 sind seine Söhne Mitinhaber des Geschäftes, das sie auf eine beachtenswerte Höhe brachten, so daß es heute im weiten Umkreis als eines der leistungsfähigsten des Zimmergewerbes gilt.

00 Klein-Linden, 10. Nov. Schöne Erfolge konnte der Vorsitzende des hiesigen Geflügelzuchtver­eins August Lenz auf der Süddeutschen Geflügel­ausstellung, die vom 6. bis 8. November in Würz­burg stattfand, erzielen. Er errang mit einem gelben Jtalienerhahn das PrädikatSehr gut" und einen Ehrenpreis, mit einem weiteren Hahn die Note Gut 3" und mit einer Henne die NoteSehr gut 1". Die Ausstellung war mit mehr als 10000 Tieren aus Süd- und Mitteldeutschland beschickt.

Z Lollar, 9. November. Der Ar b e i t e r g e sangvereinVorwärts" veranstaltete am Sonntag einen gutbesuchten Dolkslieder- Abend. Der SaalZur Linde" war bis auf den letzten Platz beseht. Ein verständnisvoll ausge­wähltes Programm füllte den Abend. Die Auf­führungen erbrachten den Beweis ernster und flei­ßiger Arbeit bei der Einstudierung. Als Mitwir­kende war dasDlnion-Quartett" desVolks­chores Union" Frankfurt a. M. verpflichtet, das unter der Leitung des Chormeisters Max Bartsch wesentlich zur Verschönerung des Abends beitrug. Die Leitung des Männer- und Frauenchores des veranstaltenden Vereins lag in der Hand des bewährten Dirigenten Heinrich Meyer (Wieseck). Der Volksliederabend in sei­ner Gesamtheit reihte sich würdig den früheren Veranstaltungen des Vereins an. Als sehr glück­lich erwies sich die Verpflichtung des Union-Quar­tett. Gut gefielen die Lieder von Silcher, dessen Name im Programm verschiedene Male vertreten war. Mit den LiedernDrei Röselein" und Gemsjäger" sicherte sich das Quartett einen vol­len Erfolg. Die Lieder3n einem kühlen Grunde" (gemischter Chor),Drunten im Unterland" (Män­nerchor) undAbend auf der Heide" (Frauen­chor) fanden starken, wohlverdienten Beifall. 3n einer Pause hielt Chormeister Bartsch einen in­teressanten Vortrag über den Zusammenhang des Volksliedes mit dem Volkschor und sand bei den Zuhörern alle Aufmerksamkeit. Die Veranstaltung bedeutete für den ArbeitergesangvereinVor­wärts" einen schönen Erfolg.

4 Garbenteich, 10. Nov. Hier bildete sich ein Ortsausschuß für Winterhilfe. Den Vor­sitz führt Bürgermeister Burk, ihm gehören fer­ner an Pfarrer Steiner, Dr. Rupp, das Lehrerkollegium, der Wohlfahrtsausschuß des Ge­meinderats, zwei Kirchenvorstände und der Vorstand des Frauenvereins. Es wurde eine Sammlung von Lebensrnitteln, Kleidern und Geldspenden beschlos­sen. Diese wurde im Laufe der vergangenen Woche vom Frauenverein ausgeführt. Das bis jetzt erzielte Ergebnis zei^t-, daß die hiesigen Gemeindemitglieder gewillt sind, der Not der HilfHhedürftigen tatkräftig zu steuern.

+ Queckborn, 10. Nov. Am Samstag befand sich der frühere Schäfer Friedrich Schreiner von hier auf dem Heimwege von Grünberg nach Oueck- born. Unterwegs muß ihn ein Schlaganfall betroffen haben, denn später die Straße passierende Leute sanden den in den siebziger Jahren stehenden Mann tot auf der Land st raße liegend vor.

5. Hungen, 10. Noo. Am Samstag fand im Solmser Hof" eine Versammlung des Bezirks- lehrervereins Hungen statt. Der Obmann, Lehrer Schmidt (Hungen) sprach über den

Tonfilm:Mz/.

Die Existenzberechtigung eines Films, der in seinem Thema auf einen der gräßlichsten Kriminal­fälle der letzten Zeit, die Taten des Düsseldorfer Massenmörders, zurückgreift, müßte an sich höchst fragwürdig erscheinen, wenn er nicht seiner ganzen Anlage nach eine ausgesprochen positive Tendenz verfolgte: nämlich dazu beizutragen, daß ähnliche Fälle in Zukunft nach Möglichkeit verhütet werden. (Vorbeugen ist besser als heilen.) Warnung an die Eltern: achtet auf Eure Kinder! Appell an alle: verständnisvolle Mitarbeit bei der unendlich müh­seligen, langwierigen, verantwortungsschweren Auf­klärungstätigkeit der zuständigen Behörden! Nur von diesem Standpunkt aus konnte die Wieder­aufrollung der noch frisch im Gedächtnis hastenden, grauenhaften Vorgänge gerechtfertigt und sinnvoll erscheinen. Der Film unterscheidet sich von andern, ähnlichen Kriminalfilmen dadurch, daß er gewisser­maßen konzentrisch vorgeht; daß die Spur des Täters von zwei Seiten, amtlich und illegitim zu­gleich, verfolgt wird; denn es zeigt sich, daß an der Aufklärung des Falles nicht nur die Kriminal­polizei. sondern aus verblüffenden Motiven auch die Gegenpartei, dieUnterwelt" des groß- stutüischen Verbrechertums ein lebhaftes Interesse hat. Aus der Arbeit eines Regiekollegiums hebt sich die ausgezeichnete Inszenierung von Fritz Lang heraus, der hier nach längerer Pause wieder einmal beweist, daß er zu den fähigsten und phan­tasievollsten Köpfen in seinem Spezialfach gehört; es ist erstaunlich, was er filmmäßig aus dem wahr­haft abgründigen Stoff heraushoit. Seine Regie erscheint als eine Präzisionsarbeit in der Zu­sammensetzung von meist kleinen Teilaufnahmen, Szenen- und Bildausschnitten, die von etlichen großangelegten Massenauftritten unterbrochen die schrittweise Entdeckung des Verbrechens mit einer oft unheimlichen Spannung verfolgen lassen. (Die Verteidigung des Mörders gegen Ende gehört, da sie schon auf grundsätzlich andere Probleme über­greift, nicht eigentlich mehr zum Thema und ist u. E. der einzige anfechtbare Punkt der Regie.) Im Riesenaufgebot von Schauspielern, die sich unter Verzicht auf die Sonderbeleuchtung einzelner Pro­minenten zu einer gleichmäßig intensiven und scharf profilierten Darstellung zusammenschließen, stehen Peter L o r r e (Mörder), Gustaf Gründgens (Schränker), Stahl - Nachbaur (Polizeipräsi­dent), Otto Wernicke und Theodor Loos (Kom­missare) an den Brennpunkten der Handlung. Der Film (Produktion: Nero) läuft feit gestern im Lichtspielhaus. Da kann man sehen, was es mit dem geheimnisvollen Buchstaben M auf sich hat.r