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Ur. 264 Zweites Blatt
«Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)
Mittwoch, U. November f93f
Volksrechtpartei.
Die V^lksrechtpartei (Sparerbund) veranstaltete gestern abend im „Aquarium" eine öffentliche Wählerversammlung. Prof. Axt, der Spitzenkandidat der Partei für den Hessischen Landtag, betonte in seiner Rede u. a., Revolution, Inflation, Finanzkrise und Arbeitslosigkeit hätten eine allgemeine Schwäche herauf» beschworen. Der Mittelstand sei zerschlagen wor- den. Die Sozialdemokratie sei daran nicht unschuldig. Der Mittelstand und die Sparer seien aber die wertvollsten Schichten des Volkes. Jetzt sei es schwer, das Vertrauen dieser Kreise wieder zurückzugewinnen. Es gelte, Wege der Gerechtigkeit zu beschreiten und das wieder gut zu machen, was an den Sparern gesündigt worden sei. Leider spiele man schon wieder mit dem Gedanken an eine „wohlbegrenzte Inflation" auf dem Wege über eine künstliche Geldschöpfung. Die Volksrechtpartei halte dies nicht für das richtige Mittel, unsere Lage zu verbessern. Die deutsche Wirtschaft leide heute unter einer schweren Absahkrise, die eine Wirtschaftsschvumpfung im Gefolge gehabt habe: die hohen Zinsen stellten eine zu hohe Belastung für den Wirtschaftskörper dar. Das wirtschaftlichste Kapital hätten bisher immer die Sparer gestellt, die nur niedrige -Zinsen, wenn auch die nötige Sicherheit verlangten. Heute dürfe man kein Experiment mehr machen, wenn man vom Sparer erwarte, das) er sein Gold wieder der Wirtschaft zur Verfügung stelle. Die erste Voraussetzung dafür sei die Wiederherstellung des Vertrauens zur Wirtschaft. Der Weg zur Rettung sei heute schwerer denn je, weil alles von Parteigeist bestimmt sei.' Die Volksrechtpartei habe sich bisher stets bemüht, unpolitisch zu bleiben und lediglich einer gerechten Sache zu dienen. Heute seien es mehr denn je die Jnteressentenhaufen in der verschiedensten Form, die eine Gesundung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse verhinderten. Die Leistungsschwachen habe man immer am schwersten belastet. An Rentnern und Kriegsbeschädigten, wie an den Kriegerhinterbliebenen habe man gespart. Die Kürzungen an den Bezügen habe man durch Preisabbau nicht auszugleichen vermocht. Das Reich habe die Pflicht, an Stelle des Almosens endlich das Recht zu setzen. Sozialisierung und Proletarisierung seien nicht der Weg zu einer Besserung der Verhältnisse. Wichtiger sei es, den Mittelstand wieder zu neuem Leben zu erwecken, dem Arbeiter wieder den Erwerb von Eigentum zu ermöglichen, ihm die Früchte seiner Arbeit zu sichern. Richt die Gegensätzlichkeit könne uns helfen, sondern nur die Gemeinsamkeit in einem einigen Volkswillen.
Rach einer kurzen Betrachtung der außenpolitischen Verhältnisse ging der Redner in knappen Umrissen auf dia hessischen Verhältnisse ein. Hessen leide unter mancherlei Schwierigkeiten. Die Staatsschulden seien eine schwer drückende Last. Hessen habe seine Bahn an das Reich abgegeben, das aber noch nicht einmal die Zinsen für diesen Wert bezahle, geschweige das Kapital selbst. Mit dem Zinsaufkommen aus dieser Schuld des Reiches hätte man den Haushalt sanieren können. Der Fehlbetrag im laufenden Etat sei schon wieder auf neun Millionen Mark angewachsen. Das Ministerium stelle einen viel zu großen und kostspieligen Apparat dar. Ts könnten einige Verwaltungszweige zusammengelegt und ein Ministerposten erspart, manche Derwaltungsarbeit könnte vereinfacht werden. Demgegenüber hätte man nicht schematisch im Bildungswesen abbauen dürfen. Zum Schluß seiner Ausführungen streifte der Redner noch eine Anzahl der im Interesse der Rentner und Sparer eingebrachten Anträge, die leider im Landtag nicht immer die nötige Beachtung gefunden hätten. Die Wählerschaft habe am 15. November darüber zu bestimmen, ob die Abgeordneten der Volksrechtpartei wieder in den Landtag einziehen sollen, um für die Interessen der Sparer
Mitte/n.die im Jniand erzeug bar sind.
1. Halbjahr 1 931
Iahten in Millionen P. M
Unsere Darstellung veranschaulicht die Einfuhr von Nahrungsmitteln nach Deutschland, die wir selbst im Inland erzeugen können. Im ersten Halbjahr 1931 hat Deutschland fast für eine Milliarde Mark solche Lebensmittel eingeführt, eine Summe, die der notleidenden deutschen Landwirtschaft auf diese Weiss entzogen wurde.
und darüber hinaus für die Gesamtheit zu wirken. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Eine kurze Aussprache schloß sich an.
Oberhefferr.
Gemeinderat in Schotten.
b Schotten, 9. Rov. Der Gemeinderat beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung mit der Winternothilfe. Ein kommunistischer Antrag auf Beschaffung von Kartoffeln durch die Stadt wurde vom Gemeinderat abgelehnt. Die Wohlfahrtskommission soll sich in einzelnen wohlbegründeten Fällen über eventuelle llnterstühun- gen mit Lebensmitteln oder Zuschüssen schlüssig werden. In den umliegenden Dörfern wurden verschiedene Sammlungen von Naturalien durchgeführt, die gute Ergebnisse zeitigten. Von der organisierten Winternothilfekommission wird eine weitere Sammlung von Geld und Kleidungsstücken durchgeführt. Eine Wohltätigkeitsveranstaltung ist ebenfalls vorgesehen. 2m weiteren Verlauf der Sitzung wurde beschlossen, für die- in verschiedenen gewerblichen Betrieben zum Betrieb der Kühlanlagen notwendigen Wassermengen einen Kubikmeter-Preis von 25 Pf. zu erheben. Zum Schluß gab der Bürgermeister an Hand einer Diebersicht der Stadtkasse Aufschluß über die Finanzlage der Stadt. Außerdem referierte er über die Bestimmungen der neuen Hessischen Gemeindeordnung.
Weihe des Gefallenen-Ehrenmals in Eichelsdorf.
-> Eichelsdorf, 9. Nov. Am gfingen Sonntag fand dieWeiheunseresGefallenen- Ehrenmals statt. Obwohl von dem Denkmalsausschuß nur ein schlichter Rahmen für die Feier vorgesehen war, hatte sich eine tausendköpfige Menge eingefunden, um der Feier beizuwohnen. Die Kriegervereine von Schotten, Rainrod, -Einartshausen, illfa, Stornsels, Eichelsachsen, Wingershausen und Eschenrod waren mit ihren Fahnen erschienen.
Vom Kriegerdenkmal 1870/71, an dem Bürgermeister Knodt namens der Gemeinde einen
Kranz niederlegte, zogen die Schuljugend, die auswärtigen und hiesigen Vereine zum neuen Denkmal. 3m Ehrenhof, der mit Tannengrün und weißen, großblumigen Chrysanthemen stimmungsvoll geschmückt war, nahmen die Ehrengäste, die Angehörigen der 52 Gefallenen, sowie der Denkmalsausschuß Platz.
Als erster Redner sprach Vaurat Kessel (Schotten), der die Dauarbeiten geleitet hatte. Er gab einen Dieberblick über den Werdegang des Denkmals, erläuterte Material, 3nschriften und Symbole und übergab es als markantes Wahrzeichen zur Treue und Hingabe an Heimat, Volk und Vaterland in den Schuh der Gemeinde. Die W e i h e r e hielt der Ortsgeistliche, Pfarrer Hermann Müller. Er rückte die Begriffe Vaterland, Heimat und Volk, Kameradschaft, Kampf und Opfer in den Blickpunkt seiner Betrachtungen und verwob sie, aus eigenen Kriegserlebnissen schöpfend, mit dem großen Geschehen an den Fronten des Weltkrieges. Nach der Weihe senkten sich die Fahnen und drei Ehrensalven hallten über den Ehrenhof. Der Männergesangverein „Eintracht" (Leiter Adols Rau) fang das Lied vom guten Kameraden.
Bürgermeister Knodt übernahm das Denkmal in den Schuh der Gemeinde und legte mit Worten des Dankes an die Gefallenen einen Kranz nieder 3m Auftrage des Kreisamts Schotten sprach Regierungsrat Schwan. Er würdigte die Gründe, die trotz wirtschaftlicher Depression für die Errichtung von Gefallenen-Ehrenmalen sprächen, und dankte allen, die dazu beigetragen, das Denkmal zu erbauen. Apotheker Scriba (Schotten) überbrachte die Grüße des Hassiapräsidiums und legte für den Hassiabezirk Vogelsberg einen Kranz nieder. Die Klänge der Kapelle S p a n - gen6erger, die gut gewählten und Hangrein wiedergegebenen Chöre des Gesangvereins „Eintracht", sowie ein Sprechchor der Schüler der Oberklasse (Lehrer Würz) gaben der ernsten Feier, die mit dem Deutschlandlied schloß, einen stimmungsvollen Rahmen.
Das Gefallenen-Ehrenmal ist von Baurat Götz, der früher am Bauamt Schotten tätig war, entworfen. Als Material fand heimischer Basalt und Mainsandstein Berwendung. Die Maurerarbeiten führte Maurermeister Fritz Rau (Eichelsdorf) aus, die Bauleitung hatte Baurat Kessel
Gießener Gtadttheater.
Fritz Schwiefcrt: „Marguerite: 3".
Der Dr. pM. Fritz Schwiefert, Diblio- theksrat an der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin, hat seine dramatische Laufbahn mit sehr ernsthaften Werken begonnen: dem mythischen Spiel vom „Bakchos Dionysos", das vor einer Reihe von 3ahren in Frankfurt uraufgeführt wurde, und. mit der Historie „Hans von Huttens Buße". Aber als er bei der Kleistpreis-Bertei- lung im vorigen 3ahre neben andern mit einer lobenden Erwähnung bedacht wurde, da geschah es, wenn wir uns recht erinnern, unter ausdrücklichem Hinweis auf diese ganz leichte, spielerische und graziöse Arithmetik der Liebe, die unter dem Titel „Marguerite: 3" inzwischen über viele Bühnen gelaufen ist ... als eine theatralische Variante des nachdenklichen Motivs, das der Engländer Huxley in seinem Roman „Zwei oder drei Grazien" gewichtiger und gründlicher dar- gestellt hat.
Schwiefert hat sich, in einer unbeschwerten Laune, ausgemalt, was geschehen würde, wenn drei gute Freunde, als wohlsituierte 3unggefeIIen in einer gemeinsamen Wohnung hausend, sich in die selbe Frau verlieben: natürlich nacheinander, jeder für sich, und ohne daß es der eine vom andern weiß.
Da - sie sich für denselben Abend mit ihr in der gemeinsamen Wohnung verabredet haben (auch natürlich wieder jeder für sich) — müssen sie einer nach dem andern ein Geständnis ablegen, weil jeder ö:> beiden andern für diesen Abend aus dem Haus haben möchte, um ungestört mit der Dame soupieren zu können. Das geschieht unter den drolligsten Dimständen — aber immerhin so, daß keiner ahnt, es könne sich fatalerweise nur um eine — die gleiche — Frau handeln, um derentwillen sie sich gegenseitig allerlei Liebenswürdigkeiten an den Kopf werfen.
Aber siehe da: die Rechnung, die zunächst nicht aufzugehen schien, löst sich in der überraschenden Formel Marguerite: 3 — das heißt: Marguerite» besucht sie alle drei, nacheinander natürlich und wieder ohne daß jeweils die beiden andern wissen, daß der dritte... und Marguerite erscheint jedesmal als eine andere Frau, sie spielt jedem ihrer drei Liebhaber die Frau vor, die er sich wünscht und die er in ihr gefunden zu haben glaubte.
Diese spielerische Formulierung eines ernsteren Problems bewahrt das Lustspiel allezeit vor dem Platten Situationswitz des Schwanks, wo sich ein minder geschmackvoller Autor spätestens im zweiten Akt festgefahren hätte.
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Der dritte bringt dann die überraschende Pointierung des Einfalls: Marguerite ist nichts von dem, was sie dreimal zu sein vorgab: sie spielte bewußt, sie kannte alle drei längst, weil sie nämlich gerade gegenüber wohnt und gelegentlich einen Blick in die friedliche Häuslichkeit der drei junggeselligen Kavaliere werfen konnte. ilnb da sie außerdem eine sozusagen verlobte Braut ist, — haben von vornherein alle drei, was sie freilich auch wieder nicht ahnen konnten, keinerlei Chancen: sie aber, Marguerite, die eigentlich Emmy heißt, ging auf das Abenteuer, das ihr dreifach serviert wurde, lächelnd ein... als auf eine kleine prophylaktische Kur: sie nahm in ihm voraus alle verfänglichen Möglichkeiten, die ihre bevorstehende Ehe etwa gefährden könnten..., die sie nun ausgekostet hat und nicht mehr zu fürchten braucht. —
Es wurde unter der witzigen und beweglichen Regieführung von Karl H e y s e r sehr amüsant und reizend gespielt: man empfand mit Vergnügen, daß alle Beteiligten mit Lust und Laune bei der Sache waren. Die Regie hat den Schauplatz des galanten Abenteuers nach Gießen verlegt und durch allerlei vertraute Anspielungen sogleich ein wirksames Lokalkolorit geschaffen und verständnisvoll aufgenommene Beziehungen zum einheimischen Publikum eingeflochten: auch begleitete sie das in allen Nuancen der wechselnden Situation flüssige und belebte Konversationsspiel mit einer gedämpften und melodiösen Schlagermusik, die sich dem Stegreifcharakter des leichtgeschürzten Lustspiels stimmungsvoll anpahte.
Löffler hatte eine dezente 3nnendekoration in geschmackvollen Farben und Formen aufgebaut und überdies ein amoureuses Aushängeschild für den Vorhang entworfen, wodurch das Generalthema dieses heiteren Abends sogleich sinnfällig angedeutet wurde.
Die Dame, die sich Emmy nennt und dreimal in wechselnder Ausmachung als Marguerite empfangen wird, heißt auf dem Programmzettel Edith Berger. Sie hat hier eine der heute nicht allzuhäufigen Paraderollen, die aus der reinen, spielerischen Freude am Komödiantentum im ursprünglichsten Sinne geschrieben werden. Sie darf hintereinander als illusionslose, sachliche Kokotte,
als snobistische Gans und als albern lispelndes Hausfrauchen ein kleines Drillantseuerwerk abbrennen — sie macht es mit einer charmanten Leichtigkeit des Rollentausches und bewahrt sich die lächelnde Dleberlegenheit der Demaskierung für den Schlußakt auf.
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Die drei Kavaliere: 3ochen Hauer: Hans P a e t s ch ; Karl Bruck. — Drei Kavaliere, drei Liebhaber, drei Temperamente: sehr lustig aufeinander abgeftimmt und miteinander kontrastiert. Hauer als der kühle, nüchterne Mediziner, der dennoch der Verwirrung der Gefühle im entscheidenden Moment nicht gewachsen ist, am heitersten in den Augenblicken stiller Wut und bissiger 3ro- nie. — Paetsch, ein wenig jugendlich für die verantwortungsvolle kommerzielle Derussstellung, die ihm zugeteilt ist, war der unkomplizierteste und ehrlichste von den dreien, ein guter, stürmischer, verliebter 3unge, dem keiner böse fein kann. — Bruck ist „Schauspieler am Stadttheater, mittleres Talent", und ihm liegt diese Schauspielerei in der Potenz, diese prickelnde Aufgabe, sich selbst darzustellen, ausgezeichnet: er kann richtig aus sich herausgehen und sozusagen alle Register ziehen.
Wolfgang Kühne endlich gibt einen dieser famosen, guterzogenen, weißhaarigen Diener, wie man sie fast nur auf dem Theater findet, mit diskretem Humor: er macht den Ansager und beschließt das Stück mit Nuhanweydung und schöner Moral. —
Es war ein lustiger und unbeschwerter Theaterabend, der mit einer warmherzigen Werbe-Ansprache Karl D o l ck s eingeleitet wurde, hth.
Zeitschriften.
— Aus der Zeit der ersten Marokkokrise, unmittelbar vor dem Sturze Delcasses, veröffentlicht Dr. Friedrich Thimme im Oktoberheft der „Europäischen Gespräche" (Verlagsbuchhandlung Dr. Walther Rothschild, Derlin-Grune- wald) eine Reihe von Dokumenten, die einen durch den früheren italienischen Schahminister Luzzatti an die deutsche Regierung herangebrachten Friedensfühler näher beleuchten. Bülow hat vielleicht Recht gehabt, auf die nach Herkunft und Tragweite sehr unbestimmten Vorschläge nicht einzugehen, so daß das nachträgliche Abwägen einer Schuldfrage müßig ist: aber die Veschäfti- gung mit diesen Dingen ist auch heute noch lehrreich, um den Blick für das zu schärfen, was man psychologische Momente nennt.
(Schotten). Die Dildhauerarbeiten, von denen der sich aufrichtende lebensgroße Löwe tiefes, künstlerisches Gestalten verrät, führte der Bildhauer und Maler Fehrenbusch (Frankfurt a. M.) aus.
Landkreis Gießen.
£ Wieseck, 11. Noo. Unser Mitbürger Zimmermeister August Rohm vollendet am Donnerstag, 12. November, in voller geistiger und körperlicher Frische sein 7 0. Lebensjahr. Im Jahre 1890 gründete er mit Jakob Schäfer ein Zimmer- geschäst, das er bis 1912 gemeinschaftlich mit Schäfer betrieb. Seit 1912 sind seine Söhne Mitinhaber des Geschäftes, das sie auf eine beachtenswerte Höhe brachten, so daß es heute im weiten Umkreis als eines der leistungsfähigsten des Zimmergewerbes gilt.
00 Klein-Linden, 10. Nov. Schöne Erfolge konnte der Vorsitzende des hiesigen Geflügelzuchtvereins August Lenz auf der Süddeutschen Geflügelausstellung, die vom 6. bis 8. November in Würzburg stattfand, erzielen. Er errang mit einem gelben Jtalienerhahn das Prädikat „Sehr gut" und einen Ehrenpreis, mit einem weiteren Hahn die Note „Gut 3" und mit einer Henne die Note „Sehr gut 1". Die Ausstellung war mit mehr als 10000 Tieren aus Süd- und Mitteldeutschland beschickt.
Z Lollar, 9. November. Der Ar b e i t e r g e • sangverein „Vorwärts" veranstaltete am Sonntag einen gutbesuchten Dolkslieder- Abend. Der Saal „Zur Linde" war bis auf den letzten Platz beseht. Ein verständnisvoll ausgewähltes Programm füllte den Abend. Die Aufführungen erbrachten den Beweis ernster und fleißiger Arbeit bei der Einstudierung. Als Mitwirkende war das „Dlnion-Quartett" des „Volkschores Union" Frankfurt a. M. verpflichtet, das unter der Leitung des Chormeisters Max Bartsch wesentlich zur Verschönerung des Abends beitrug. Die Leitung des Männer- und Frauenchores des veranstaltenden Vereins lag in der Hand des bewährten Dirigenten Heinrich Meyer (Wieseck). Der Volksliederabend in seiner Gesamtheit reihte sich würdig den früheren Veranstaltungen des Vereins an. Als sehr glücklich erwies sich die Verpflichtung des Union-Quartett. Gut gefielen die Lieder von Silcher, dessen Name im Programm verschiedene Male vertreten war. Mit den Liedern „Drei Röselein" und „Gemsjäger" sicherte sich das Quartett einen vollen Erfolg. Die Lieder „3n einem kühlen Grunde" (gemischter Chor), „Drunten im Unterland" (Männerchor) und „Abend auf der Heide" (Frauenchor) fanden starken, wohlverdienten Beifall. 3n einer Pause hielt Chormeister Bartsch einen interessanten Vortrag über den Zusammenhang des Volksliedes mit dem Volkschor und sand bei den Zuhörern alle Aufmerksamkeit. Die Veranstaltung bedeutete für den Arbeitergesangverein „Vorwärts" einen schönen Erfolg.
4 Garbenteich, 10. Nov. Hier bildete sich ein Ortsausschuß für Winterhilfe. Den Vorsitz führt Bürgermeister Burk, ihm gehören ferner an Pfarrer Steiner, Dr. Rupp, das Lehrerkollegium, der Wohlfahrtsausschuß des Gemeinderats, zwei Kirchenvorstände und der Vorstand des Frauenvereins. Es wurde eine Sammlung von Lebensrnitteln, Kleidern und Geldspenden beschlossen. Diese wurde im Laufe der vergangenen Woche vom Frauenverein ausgeführt. Das bis jetzt erzielte Ergebnis zei^t-, daß die hiesigen Gemeindemitglieder gewillt sind, der Not der HilfHhedürftigen tatkräftig zu steuern.
+ Queckborn, 10. Nov. Am Samstag befand sich der frühere Schäfer Friedrich Schreiner von hier auf dem Heimwege von Grünberg nach Oueck- born. Unterwegs muß ihn ein Schlaganfall betroffen haben, denn später die Straße passierende Leute sanden den in den siebziger Jahren stehenden Mann tot auf der Land st raße liegend vor.
5. Hungen, 10. Noo. Am Samstag fand im „Solmser Hof" eine Versammlung des Bezirks- lehrervereins Hungen statt. Der Obmann, Lehrer Schmidt (Hungen) sprach über den
Tonfilm: „Mz/.
Die Existenzberechtigung eines Films, der in seinem Thema auf einen der gräßlichsten Kriminalfälle der letzten Zeit, die Taten des Düsseldorfer Massenmörders, zurückgreift, müßte an sich höchst fragwürdig erscheinen, wenn er nicht seiner ganzen Anlage nach eine ausgesprochen positive Tendenz verfolgte: nämlich dazu beizutragen, daß ähnliche Fälle in Zukunft nach Möglichkeit verhütet werden. (Vorbeugen ist besser als heilen.) Warnung an die Eltern: achtet auf Eure Kinder! Appell an alle: verständnisvolle Mitarbeit bei der unendlich mühseligen, langwierigen, verantwortungsschweren Aufklärungstätigkeit der zuständigen Behörden! Nur von diesem Standpunkt aus konnte die Wiederaufrollung der noch frisch im Gedächtnis hastenden, grauenhaften Vorgänge gerechtfertigt und sinnvoll erscheinen. Der Film unterscheidet sich von andern, ähnlichen Kriminalfilmen dadurch, daß er gewissermaßen konzentrisch vorgeht; daß die Spur des Täters von zwei Seiten, amtlich und illegitim zugleich, verfolgt wird; denn es zeigt sich, daß an der Aufklärung des Falles nicht nur die Kriminalpolizei. sondern — aus verblüffenden Motiven — auch die Gegenpartei, die „Unterwelt" des groß- stutüischen Verbrechertums ein lebhaftes Interesse hat. Aus der Arbeit eines Regiekollegiums hebt sich die ausgezeichnete Inszenierung von Fritz Lang heraus, der hier — nach längerer Pause — wieder einmal beweist, daß er zu den fähigsten und phantasievollsten Köpfen in seinem Spezialfach gehört; es ist erstaunlich, was er filmmäßig aus dem wahrhaft abgründigen Stoff heraushoit. Seine Regie erscheint als eine Präzisionsarbeit in der Zusammensetzung von meist kleinen Teilaufnahmen, Szenen- und Bildausschnitten, die — von etlichen großangelegten Massenauftritten unterbrochen — die schrittweise Entdeckung des Verbrechens mit einer oft unheimlichen Spannung verfolgen lassen. (Die Verteidigung des Mörders gegen Ende gehört, da sie schon auf grundsätzlich andere Probleme übergreift, nicht eigentlich mehr zum Thema und ist u. E. der einzige anfechtbare Punkt der Regie.) Im Riesenaufgebot von Schauspielern, die sich unter Verzicht auf die Sonderbeleuchtung einzelner Prominenten zu einer gleichmäßig intensiven und scharf profilierten Darstellung zusammenschließen, stehen Peter L o r r e (Mörder), Gustaf Gründgens (Schränker), Stahl - Nachbaur (Polizeipräsident), Otto Wernicke und Theodor Loos (Kommissare) an den Brennpunkten der Handlung. — Der Film (Produktion: Nero) läuft feit gestern im Lichtspielhaus. Da kann man sehen, was es mit dem geheimnisvollen Buchstaben M auf sich hat. —r—


