Sreitag.U. September 1931
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Nr. 212 Zweites Blatt
Oie goldene Schnur.
Don unserem römischen k-Korrespondenten.
Rom, September.
Mit echt gallischer Galanterie wurde zunächst dem Schwächsten und Ungefährlichsten die goldene Schnur überreicht: VoilA Monsieur! Rur keine Anast, sie ist genau so weich wie Seide. Und Sie selbst 'dürfen sie, ohne jeden Zwang, zur Anwen. wrnduna dringen, s'il vous platt! Wie meinen der Herr? Es tue weh, da» ganze Rotionalgefühl aus einmal hinunterzuschlucken? Keine Sentimentalitäten, wenn ich bitten darf! Da» geht schnell vorüber. So — jo, so wird da» Ding sachgemäß an- gelegt — ah, merci bien! Und Oesterreich bekannte, daß e» freiwillig zugeariffen habe. Freiwillig auf die Zollunion, die Selbständigkeit, den Lebensinhalt und überhaupt alles, was man wünsche, verzichtet Hobe. Wie ein gehorsamer Diener des Podischah. Der deutsche Michel hielt natürlich auch in diesem Falle die Nibelungentreue.
Wer kommt nun daran? Don den Kleinen an- gefangen bi» hinauf zu dem einstigen Herrn der Welt, von dem man munkelte, er sage Gott und meine Kattun, fühlen alle schon die weiche, glän- -ende Schlinge um den Hals. Niemand hat die Kraft, sie abzuwersen. Alle reisen in» Genfer Sanato- rium, m der Hoffnung, wieder etwas Lust verord- net zu kriegen, und jedesmal wird die Schlinge ein bißchen mehr zugezogen. Allerdings geschieht es unter einem Sprudel liebenswürdiger Nedewen- düngen, und in vielen Zeitungen kann man lesen, daß dies alles im Interesse der Menschheit, der Dolkeroersöhnung und des aus die heiligsten Der- träge gestützten Friedens notwendig sei.
Cs fehlt auch nicht an Sachverständigen, die gewisse Todeszuckungen auf die bequemste aller Modekrankheiten zurückfuhren, auf die „Welt- krisl»". Darunter läßt sich das Krebsübel der permanenten Kriegserklärungen von Versailles und St Germain trefflid) verstecken. Wer es nicht wahrhaben will, führt immer die Krisis im Munde und betont lebhast, es müßten vor allem die Symptome kuriert werden, nicht die Krankheit selber. Die Krankheit selber, das heißt die Verträge, müßten um jeden Preis aufrecht erhalten bleiben. Andere Meinungen sind verpönt.
Besonders sperrige Patienten find die Italiener. Sie glauben nicht an das Alleinheilmittel der Symptomekur. Mussolini Hot es gewagt, die Heiligkeit der Verträge an,wtaften, hat die Stirne gehabt, eine Revision der Behandlungsmethoden zu verlangen. Aber wozu hat man denn die goldene Schnur? Doch Italien wehrt ob. Erklärt, keinen Bedarf zu haben! Man muß sich, Kurszettel zur Hand, vorstellen: Während es in der Wall- ftrect tracht, wahrend ganz Südamerika im Begriff ist, Konkurs anzusagen, während Großbritannien Geld pumpt und der Irrsinn von Versailles schon an dem Schweizer Goldfelsen herumsingerk, so daß die Aktien des größten privaten Geldinstituts binnen wenigen Monaten über ein Viertel ihres Kurswertes einbüßen konnten und täglich neue, mit dem siechen Volkskörper der Zentralmächte verbundene Lebensstränge absterben, zeigt sich der italienische Finanz markt fast unberührt. So konnte Mussolini die seidene Schnur :->• dem Bemerken zurücksenden, in diesem Falle sei sie nun tatsächlich aus einem Material, das er nicht brauche, aus Gold. Er habe von Frankreich nichts gepumpt, folglich auch nichts zurückzuzahlen. Die Verhängung der Kreditsperre lasse ihn kalt. Was das fleißige italienische Volk zum Leben brauche, erzeuge es selber, die letzte Fünfmilliardenanleihe, auf das Inland beschränkt, sei derart überzeichnet worden, daß er zwei Milliarden zurückschicken mußte. Don einem Kursschwund sei bisher nichts zu spüren, denn man habe Vertrauen zuin Staat,
Das bißchen Erde.
Vornan von Richard Skowronnel.
Copyright by I. Engelhorn» Nachf., Stuttgart
29 Fortsetzung Nachdruck verboten
»Sehr wohl, Onkel Christoph, ich werde sie durch meinen RechtSbcistand sorgfältig prüfen lassen. Aber da ist noch etwaö andres dabei, was mir soeben erst eingefallen ist. Den Wortlaut des alten Pergamentes, das in der Hohenrömnih die Erbfolge regelt, habe ich nicht genau mehr im Kopse, ich habe in den Papieren meines "DaterS nur mal eine Abschrift gelesen. Aber ich entsinne mich dunkel, da ist des öfteren daS Wort „med- lendörgisch" vorgekommen. Ich vermute, vielleicht nicht mit Anrecht, es bezieht sich daraus, daß auch die Ehefrau des Hohcnrörnniher Herrn aus hiesigem, qngesessenem Adel stammen soll."
Der Erblandmarschall machte eine rasche Bewegung, die mit seinem sonst so gemessenen Wesen in merkwürdigem Widerspruche stand.
.Das ist ein Irrtum. Davon ist in der Urkunde nicht die Rede. Wenn du willst, kannst du dich im Archiv sofort davon überzeugen"...
Malte schüttelte den Kops.
.Ich danke. Zu Hause habe ich ja eine Abschrift. Ich werde ihren Wortlaut ebenfalls durch meinen Rcchtsbeistand prüfen lassen. Und nun zu einer andern Abrechnung."
Der ältere Traf Römnitz hob die gepflegte Hand.
.Einen Augenblick noch! Du gebrauchst hier immer das Wort .Rechtsbeistand". Soll das heißen, daß du mit mir einen Prozeß anzufangen gedenkst?"
Der Jüngere zuckte mit den Achseln.
.DaS wird von den Umständen abhängen. Rach allem, waS ich gehört habe, wird sich'S ja bald entscheiden, ob hier in dem alten Hause der künftige Erbe zur Welt kommt oder ein unbeträchtliches Komteßlein, das mich nichts angeht. In diesem Falle hätte ich natürlich keinen Grund, mich irgendwie zu strapazieren. Dann fitze ich ruhig in Dellahn und warte, bis meine Zeit kommt."
.Sonst aber würdest du dich nicht scheuen, meinen guten Ramen durch die schmutzigen Gossen eines Slandalprozesses zu schleifen?" Der Erblandmarschall richtete sich zornig auf, die Erregung trieb ihm das Blut in die Hagem Wangen. Malte aber sah ihm fest in die Augen.
..Der Ramc ist auch der meinige, Onkel Christoph. Aber du selbst hast es dir zuzuschreiben, wenn ich alles, was du tust, mit Mißtrauen aufnehme. Wäre an deiner Stelle ein andrer, würde ich mich still fügen ... gut ... das Schicksal hätte gegen mich entschieden. Bei dir muh ich immer
Aur Regierung. Und über die Deltkrisi» und ihre Ursachen hege er seine besondere, im übrigen nicht unbekannte Meinung. Mit anderen Worten, er wolle den Krieg der goldenen Kugeln nicht mit- machen.
Noch einmal: Kurszettel zur Hand. Dann versteht man, warum Italien auf der Abrüstungskonferenz anders auftreten wird, als Curtius und Schober in Genf. Versteht, warum Frankreich, da es auf dem Dege der wirtschaftlichen Erpressung nicht weiter- kommen würde, Italien politisch einkreisen und militärisch umzingeln muß. In dieser Beziehung bestehen zwilchen Rom und Paris, wie sonst nirgendwo, ehrliche Verhältnisse. Man handelt nicht ander», al» man sagt. Vicht, al» ob nun damit behauptet werden solle, Mussolini mache keine Fehler. Er wird e» eines Tages noch bereuen, die französische Politik in der Zollunionsfrage, die nur scheinbar
denken, du wärest imstande, dem Schicksal im entscheidenden Augenblicke nachzuhclfen, wenn es nicht so läuft, wie du willst."
In den Augen des Aclteren sprühte es auf.
..Das ist Heller Wahnwitz. Törichte Faseleien eines unreifen, schlecht erzogenen Knaben" ...
Malte trat einen Schritt näher. Je mehr der andre sich erregte, desto kühler wurde er selbst.
„Onkel Christoph, cs dürste sich empsehlen, die Worte ein wenig mehr zu wägen, ehe du sie aussprichst. Einmal habe ich mich schon in schwere Ungclegenheiten gebracht, weil ich vor weißen Haaren zu viel Respekt hatte. Don diesem Fehler bin ich kuriert. Und nun sprich weiter!" ...
Der Erblandmarschall machte eine wegwerfende Handbewegung, ging zum Fenster und sah In den sonncnbeschienenen Park hinaus.
„ES ist genug. Schick deinen Anwalt her, er wird alle dir zustehenden Auskünfte erhalten."
Malte verneigte sich spöttisch.
„Ich werde mir erlauben, ihn zu begleiten. Auch aus Mißtrauen. Aber du mußt schon entschuldigen. ich habe noch mehr auf dem Herzen ... Du sagtest eb?n. ich wäre schlecht erzogen. Darf ich dagegen fragen, wer seit meinem zwölften Jahre meine Erziehung geleitet hat?'
Der Erblandmarschall wandte den Kopf über die Schulter.
„Ich habe an dir stets meine Pflicht getan. Richr mehr, aber auch nicht weniger!"
„Ah nein, Onkel Christoph!"
Malte ging auf ihn zu. und der Haß übermannte ihn plötzlich, daß er hervorfprudelte, was sich in ihm angesammelt hatte in dieser Zeit. Wahres und vielleicht Falsches, Bewiesenes und etliches, was so ungeheuerlich war, daß man selbst .in Gedanken davor zurückschreckte ...
„Du hast mich gehaßt von meinem ersten Atemzuge an. Riemais habe ich von dir auch nur einen Hauch Liebe erfahren, ein Eindringling war ich dir immer, der nach einem Platze langte, den du für einen andern bestimmt hattest. Für einen, der dir näher stand. Aber der kam nicht. Und ich tat dir nicht den Gefallen, das Genick zu brechen. Mich kalt aus dem Wege schaffen zu lassen, fehlte dir wohl der letzte Mut ... Du wolltest mich anders verderben! Entsinnst du dich vielleicht noch eines rothaarigen kleinen Theo- logiekandidatcn, der das linke Bein nachschleppte? ... Der hat mich — es ist noch gar nicht so lange her — darüber aufgeklärt, nach welchen Grundsätzen ich deiner Weisung nach erzogen werden sollte. Ein verbummelter Lump sollte ich werden, der in irgendein Moderloch geriet, um als ein Unwürdiger der Rachsolge verlustig zu gehen! Das heißt, so offen hast du das natürlich nicht ausgesprochen, als heiliger Mann und Dor- fitzender des Konsistoriums ... Der Rothaarige aber verstand dich. Rur dauerte ich ihn, und da erzog er mich auf seine Art. Cs ist mir zum Guten ausgeschlagen, ohne etliche seiner Lehren
von sekundärer Wichtigkeit ist. unterstützt zu haben. Nicht, als ob Italien genug Geld hätte, lieber schon heute als morgen einen Krieg zu führen. Aber roe- urntlich ift, daß Italien allein von allen europäischen Staaten erkannt zu haben scheint, wohin Frankreich steuert. Daß heute jeder Staat, groß oder klein, vor der Schicksalsfrage steht: Unterwerfen ober Behaupten?
Und in Rom hat man au» der Geschichte gelernt, was es heißt, sich einem übermächtigen Frankreich auf Gnade und Barmherzigkeit auszuliefern. Ein Blick in» heutige Europa zeigt es noch besser. Darüber muß man sich also in Genf klar sein, bevor Italien dem Beispiel Oesterreich» und Deutschland» fv'gt. rokb es sich an dem Beispiel Frankreichs auf- richten, das noch einmal beweist, wie erfolgreich die Ideale von gestern geblieben sind: ein starkes Heer, imperialistischer Geist und Machtpolitik.
hätte ich dir schon längst den Gefallen getan, mich selbst aus dem Wege zu räumen. Jetzt aber lebe ich noch, sogar zwei Jahre Afrika habe ich überstanden und — wenn Gott mir weiter hilft — gedenke ich dir daS Leben herzlich sauer zu machen!" Er hielt erschöpst inne, trat wieder auf seinen Platz zurück.
Der Erblandmarschall hatte schweigend dage- standen. Jetzt wandte er sich um, stützte die langen Amre rückwärts auf das Fensterbrett. In seinen hellblauen Augen mit den dicken Wülsten darunter stand ein kalter Schein.
„Bist du fertig, ja? ... Run denn — eS ist wohl das letztemal, daß wir uns sehen, da möchte ich dir auch einiges zum Abschied sagen... In einem hast du recht, geliebt habe ich dich niemals. Ich hatte keine "Veranlassung dazu. WaS in mir von Liebe war, hatte eine ertötet. Durch schnöden Treubruch. Dielleicht hat dir dein Tater erzählt, daß deine Mutter meine heimlich Derivate war. Bis er dazwischentrat ... es ist gut, es heilt sich alles aus. Diclleicht hielt mich eins nur aufrecht damals, ihm auch nicht den andern Platz noch zu räumen. Die Herrschaft hier, die er mir nicht nehmen konnte, solange ich lebte ... Ich führte ein Weib heim, meine Ebe blieb kinderlos, ihm wuchs ein Erbe heran, der meinige zugleich. Ich muhte mich fügen ... Gott hielt schwer seine Hand über mir ... Als du in meine Obhut kamst, tat ich meine Pflicht, du warst immerhin aus dem Blute meines DaterS. Die andern, die da in der Mark warten, find Fremde, von unferm Geschlecht durch Jahrhunderte geschieden. Und zuweilen" — der alte Herr fuhr sich mit der gepflegten Hand über die Augen — „zuweilen emofanö ich etwas Seltsames für dich. Etwas, das sich schwer in Worte fassen läßt ... Du warst von dem Fleisch und Blut der einen, die meine Liebe verraten hatte ... Das war immerhin ein Band ... Aber da kam der Tag, an dem du hier vor mir standst, du vermessener Knabe, und mich als ein RichtS behandeltest. Mein Andenken auslöschen wolltest, wenn du einmal in Hohenrömnih der Herr wärest! Da habe ich mich hier in diesem Zimmer auf die Knie geworfen und geschrien: Herr, hilf! Herr hilf, daß dieser Richtswürdige zuschanden wird! ... Und von da an wandte sich mein Schicksal ... der Schoß meines jungen WeibeS ist gesegnet, und ich vertraue dem Höchsten, der mich so weit geführt hat: er wird mir den Erben schenken aus meinem eigenen Blut. Wenn ich dereinst mich zur ewigen Ruhe begebe, nehme ich den Trost mit, hier auf der Hohenrömnih herrscht mein Sohn!" ...
Malte lachte kurz auf.
„Bist du fertig, Onkel Christoph ... ja? Run denn, laß dir sagen, was du mir eben erzählt hast, war Historie, wie sie ungefähr in unfern Volksschulen gelehrt wird. Der Erzieher, den du mir aussuchtest. hat mir den Blick dafür ge-
SJixfpoti
Fußballkampf Deutschland-Oesterreich
Die deutsche Rationalmannschast geht am Sonntag einen schweren Gang Sie soll in Wien bu böse Schlappe auswetzen, die Oesterreich unseren besten "Vertretern im Frühjahr in Berlin beibrachte. Man kann, ohne gerade Pessimist zu sein, schon heute sagen, daß unseren Spielern selbst bei gutem Willen das Dorhaben kaum gelingen wird. Auf den Plätzen der Donaustadt wird bec technisch feinste, aber auch erfolgreichste Fußballstil gepflegt. Die großen Erfolge gegen England. Schottland und Deutschland in diesem Jahre haben Oesterreichs Mannschast eine Einladung nach dem britischen Inselreiche verschasst. Zugegeben, daß Oesterreichs Elf im Frühjahr in einer schwer noch za überbietenden Form war, die deutsche Mannschaft dagegen kaum noch schlechter spielen konnte. Es wird aber, selbst bei einer merkbaren Formverbesserung unserer Internationalen, stets ein kleiner Klassenunterschied zugunsten der Wiener Derussspieler sest- zustellen sein.
Die Bilanz der bisher ausgetragenen acht Länderkämpfe ist für uns stark passiv. Rur zwei wurden gewonnen, fünf gingen verloren und ein weiterer Kampf endete unentschieden bei einem Torverhältnis von 25:15 zugunsten Oesterreichs.
Die Aufstellungen lauten: Deutschland: Kreß
(Rot-Weiß Frankfurt) Emmerich Brunke (beide TB. Berlin)
Kauer Leinberger Knöpfte
(TD. Berlin) (Spvg. Fürth) (FSD. Franks.) Weiß Hornauer Kuzorra R. Hosmann Kund (1. FC Rürnbcrg) (Schalke) (Dresden) (l.FC.R.)
Taget Schalt Sindelar Gschweidl Zischek (Admira) (Austria) (Tienna) (Wacker) Gatt Smistik Mock
(Austria) (Rapid) (Austria)
Blum Rainer (beide Tienna) Hiden
Oesterreich: (WAC.)
Schiedsrichter deS Spieles ist der Schwede O l s s o n, der bereits das achte Spiel in Berlin zur Zufriedenheit beider Mannschaften geleitet hat.
Deutsche Olympiahilfe aus USA.
Die in Los Angeles ansässigen Deutschen scheuen kein Opser, um ihren Landsleuten in der Heimat
die Teilnahme an den 10. Olympischen Spielen 1932 zu ermöglichen. Die in der kalifornischen Hauptstadt wohnenden Deutschamerikaner haben beschlossen, einen Betrag von 100 000 Dollar aufzubringen. der es ohne weitere- gestatten würde, eine zahlenmäßig starke deutsche Mannschaft nach den Bereinigten Staaten 1932 zu entsenden.
Gauvolksturnen des Gaues Hessen (DT.)
Als letzte der größeren Fachveranstaltungen deS Gaues Hessen findet am kommenden Sonntag in Butzbach das Gausportfest statt, das die besten Bolksturner des Gaues auf dem Plan sehen wird. Außer den üblichen Einzelwettbewerben in den Konkurrenzen des Laufs, Wurfs und Sprungs bringt die Wettkampffolge Staffeln und Mehrkämpfe. Für die Turner ist ein Sechskampf und ein Dreikampf ausgeschrieben, für die Turnerinnen, Altersturner und Iugendturner ein Dreikampf, lieber 300 Turner und Turnerinnen sind gemeldet.
Kurhausturnen in Bad-Rauheim.
Zu einem turnerischen Ereignis unseres Heirnat- gebiets dürfte sich das große Kunstturnen gestalten, das morgen (Samstag) abend im großen Bühnensaal des Bad-Rauheimer Kurhauses vom Turnverein 1860 Bad-Rauheim unter Mitwirkung erster auswärtiger Kräfte veranstaltet wird. Eine besondere Rote erhält der Abend durch das Auftreten der Hessenriege, die unter Leitung von Gauoberturnwart Will (Gießen) an den verschiedenen Geräten ihr reifes Können zeigen wird. Man sieht den morgigen Darbietungen der besten Hesscnturner, die bekanntlich am 4. Oktober in der Gießener Bolkshalle im hessischen Provinzialkampfe mit den besten Geräteturnern aus Starkenburg und Rheinhessen um den Wanderpreis des hessischen Staatspräsidenten lämpfen werden, mit gespanntem Interesse entgegen. Reuzeitliche Turnarbeit auf den Gebieten der Gymnastik und deS TanzeS wird Turnlehrer S i n n w e l l mit Abteilungen des veranstaltenden TereinS zeigen, und zu einem Höhepunkt des Abends werden sich gewiß auch die Fechtvorsuhrungen in Florett, Säbel und Degen unter Mitwirkung des mittelrheinischen Kreismeislers R. Wahl (Franksurt a. TI.) gestalten Der große Bühnensaal des Kurhauses ist ein nicht alltäglicher Rahmen für den Kunst- turnabend der Hessenturner. Es sei auf die Anzeige in heutiger Rümmer verwiesen.
Sandball im Gau Reffen (D. T.)
Aliendors (Lahn) — Dornholzhausen 6:0 (1:0).
Am Sonntag trafen sich obige Mannschastcn zum FreundschastSspiel. Aliendorf konnte auf Grund feine» besseren Zusammenspiels die im Torspiel erlittene Riederlage wettmachen. Beide Mannschasten traten mit Ersatz an.
Handball im Lahn Dünsberg«Gau
In der G a u k l a s s e wurden am vergangenen Sonntag drei Spiele ausgetragen.
Io. Dorlar I — Io. Gardentelch 1 6:3.
Mit einigen Ersatzleuten und dazu nur mit 10 Mann trat die Mannschast deS Turnverein-Gar- bentcich in Dorlar an. Die Riederlage kam infolgedessen nicht überraschend. Dorlar präsentierte sich .außerdem in bester Form.
Io. Allendors I — Io. wiefeck I 6:3 (5:2).
FührungStresser für Aliendorf und der Ausgleich fielen kurz nach Spielbeginn in kleinen Abständen. Durch bessere- Zusammenspiel erzielte Allendors bi- zum Wechsel noch vier weitere Tore, denen Wieseck nur ein Tor entgegenzusetzen vermochte. Rach der Pause gelang jeder der beiden Mannschasten noch je ein örfolg.
Io. Ahbach I — Io. Staufenberg 1 5:5 (4:2).
Trotzdem der Plahbesitzcr um einige- besser war. endete daS Spiel Unentschieden. Di- zur Pause erzielten die Atzbacher vier Tore, denen die Gäste nur zwei entgegenzusehen vermochten. Rach der Pause erzielte Atzbach ein 5. Tor. und erst kurz vor dem Schlußpsisf fiel der Au-gleich, denn die Staufenberger vermochten im glänzenden Endspurt innerhalb kurzer Zeit drei Tore auszuholen.
In der Bezirk-klasse traten solgende Mannschaften an:
Bezirk I.
Io. Launobach I — Io. UNhmar 1 3:3 (2:1).
Laun-bach lag bei Seitenwechsel mit 2:1 in Führung. Rach dem Wechsel erzwang Wißmar den Ausgleich, schließlich auch den FührungS- treffer, vem Laun-bach erst kurz vor Schluß den Ausgleich entgegenzusetzen vermochte.
Io. IDalbgirme» i — Io. Erda I 4:1 (1:1).
Die erste Hälfte verlies bei wechselndem Terlauf ausgeglichen und brachte beiden Parteien je einen Erfolg. Rach dem Wechsel kam Waldgirme- mehr auf und vermochte bi- zum Schluß durch drei Tore den Sieg sicherzustellen.
Bezirk II.
Io. Allert»hausen I — Io. Lollar 1 3:0 (2:0).
Der AuSgang diese- Spiel- bedeutet eine kleine Ueberraschung, da man allgemein mit einem Siege des Gaste- gerechnet hatte. Der Plahbesiher war dem Gegner technisch unterlegen, ersetzte die- aber durch Eifer und vermochte bereit- bi- zur Pause mit zwei Toren zu sühren, während Lollar leer ausging. Rach dem Wechsel machten die Gäste verzweifelte Anstrengungen, das Resultat zu verbessern, wa- ihnen jedoch nicht gelang. Der Gastgeber erhöhte vielmehr auf 3:0.
Io. Ruttershausen I — Io. Lollar II 10:1 (6:1)
Ruttershausen, die stet- bessere Mannschaft, lag während des ganzen Spielverlauf- im Angriff und errang einen auch in dieser Hohe verdienten Sieg.
Bezirk III.
Io. «Ibach I — Io. Hausen II 18:3 (12:2).
Beide Mannschasten traten mit Ersah an, dazu Hausen mit nur 9 Spielern. Albach war stets im Angriff und erzielte in regelmäßigen Abständen viele Tore.
schärft. Und jetzt frage ich dich: wo ist mein Ter* mögen geblieben unter deiner Tertoaltung? Weshalb hast du mir es unterschlagen, frage ich dich? ... Und weshalb hast du dir in diesen letzten zwei Jahren da- Recht angemaßt, über mein Hab und Gut zu verfügen? Heber das letzte bißchen, waS ich jetzt brauche wie ein Stück Brot?"
Der Erblandmarschall tat ein paar Schritte vorwärts, drückte auf eine Klingel, die auf dem Schreibtische stand.
„Jetzt ist es genug! Einem Tollhäusler, wie sich'S gehört. Ich habe keine Lust, mich in dem Hause hier, solange eS noch mir gehört, schmähen und nichtswürdiger Bergehen beschuldigen zu lassen!"
In den Augen deS Jüngeren blitzte e- unheilkündend auf.
„Lieber Onkel, eS könnte umgekehrt kommen. Ich glaube, ich bin stark genug, all dein welsche- Gesindel da einen Stock tief durchs Fenster zu befördern. Und dich voran. Ich spüre ein seltsame- Gelüsten, dich so zu beschimpfen, daß du dich mir morgen früh stellen müßtest al- ein Edelmann dem andern! Der AuSgang dieser betrüblichen Afsäre ... nun, ich will nicht prahlen, aber vielleicht liegt- dir daran, dich deiner lieben Familie noch ein Weilchen länger zu erhalten" . ..
Der Kammerdiener Paalzow erschien in der Tür: „Exzellenz beschien?" ...
Der Erblandmarschall stand da, vor Zom und Ingrimm keines Wortes mächtig. Malte winkte mit der Hand. „Es Ist gut, Sie können wieder gehen. Mein Onkel hat nur aus Berschen die Glocke berührt!"
Der Alte -zog sich wieder zurück mit verwundertem Kopfschütteln, der Erblandmarschall ließ sich in den nächsten Stuhl fallen. Er krampfte die magern Hände ineinander und dämpfte mühsam feinen kochenden Zorn.
„Ich hätte daran denken follen, daß du der Sohn deine- Taters bist. Sein Blut verleugnet sich nicht, er schreckte auch nicht vor dem Letzten zurück . .. Also wa- willst du nun von mir? Tor Wochen schon, als mir deine bevorstehende Rückkehr angekündigt wurde, machte ich mich auf irgendeine Art von Tötigung gefaßt" ...
Malte zuckte mit den Achseln.
„Bel mir ist's verraucht, Onkel Christoph, ich will deine Worte nicht auf die Waage legen. Ich verlange nichts weiter als mein Recht. Rach dem Berichte meines soeben entlassenen Der- walters Bergemann hast du den Ueberschuh der letzten zwei Jahre dazu verwandt, auf meinem Gute Tel Iah n unnötige "Verbesserungen vorzu- nehmen. Ich stehe wie ein Bettler da, wenn ich hier den Platz räumen muß" ... Er brach ab und sah mit schwimmenden Augen ins Leere. Der andre aber ersah behend seinen Torteil ...
(Fortsetzung folgt)


