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Aus der Provinzialhauptfiadt.

Gießen, den 11.3ult 1931.

Kinder und Blumen.

Die Kixxder auf dem Dorfe haben überall Ge­legenheit, mit der Hatur in ganz nahe Berührung >u kommen. WaS fie im HauSgartexx, auf dem Schulweg, bei der Arbeit der Eltern sehen und beobachten, da« wirkt fv auf sie ein, daß fie im Laufe der Jahreszeiten gaxxs hx die ^imat hnx- einwachfen und mit ihr verwurzeln. Sie werden selbst ein Stück ihrer Heimat, unb diese gibt ihnen für ihr zukünftige« Leben eine Stärke und einen Halt, die über viele« hinweghelfen- töxxnen.

ES ist aber nicht nur die enge Verbundenheit unserer Landkxnder mit der Tlatur, e« ist allgemein wie bei allen jtixxbcrn die Liebe zu den Din­gen, die un« umgeben. Hier spielen die Tiere eine Hauptrolle. In unzähligen Versen und Ab­zählreimen zeigt sich das. Daß der Storch vor­ansteht, ist selbstverständlich. Aber auch unsere HauStiere, Hund. Katze. Hahn und Henne. Kuh und Pferd, ebenso der Maikäfer, die Schnecke und die Vögel draußen, sie alle werden in diesen Der- sen bedacht.

Richt minder reiztwll find die Reime, die be- famxle Dlxmxen und Pflanzen im Kindermund er­halten. Den eigentlichen botanischen Ramen der Pflanze willen die Kleinen in der Regel nicht, da­für haben sie stets einen treffenderen, anschauliche­ren Sondern an, en, der maxxchmal schon an der GemarkxxngSgrenze von einem andern abgelöst wird. Gänseblümchen, Veilchen. Anemone. Hecken­rose. Flieder, Relke usw.. sie führen ihre besonderen Ramen. "Bi ist beinahe so. wie mit dem beliebten Worte: Purzelbaum. Wir brauchen nur. in eini­gen Dörfern de« Kreise« Gießen herumzuhorchen, und schon haben wir folgende Ramen: Storze- botler, Doll^rstorz, Varisteller, Stollerporz usw.

So gebt e« auch mit dem Löwenzahn, eine der ersten Blumen, die den Kindern Beschäftigung geben. Dom Anschauen allein wollen die Kinder nicht viel wissen. Sie müssen damit spielen können. Daher der Raine: Stetten rofe; aus den Stengeln lassen sich wunderschöne Ketten anfertigexx, außer­dem kleine Pfeifchen. Wexm der Löwenzahn aus- geblüht hat, werden die .Lichter" auSgeblasexx.

Hxmd, Kat», MauS, HaxmeS, bla« au«!

Ist es mit der Weide nicht ebenso? Hier können Knaben xrnd Mädchen ihre Kunst im Pfeifens schneiden zeigen. 3 um Los klopf en der Rinde braucht man Zeit. Da helfen die Kinderreime:

Saft, Saft, Sitt, Wasser in der Dütk... oder

Saft, Saft, Seide, unser Hund frißt Kreide... bi« e« dann zum Schlüsse heißt: ... Gerät mein hebe« Pfeifeleinl

Auch im Garten wissen die Kinder Bescheid: Petersilie, Suppenkraut wächst hx unferm Garten, unser Annchen, die ist Braut, soll xxicht lang mehr warten.

Roter Wein und weißer Wein, morgen soll die Hochzeit sehr.

Rosmarin und Thymian wächst hx unferm .Garten. Mutter, gib mir einen Mann, ich faxxn nicht länger warten...

Und wie die Mädchen aus den kleixxen Gänse­blümchen hübsche KrSnze anfertigexx, so flechten die geschickten Hände der Buben ans den Stexr- geln de« Wegerichs die befanxrten .Kayen-

Die große Wucherblume war von jeher eine Orakelblume. Deixxr AuSzxipfen der weißen Blü- tenblätter fragen die neugierigen Mädchen:

Er liebt mich von Herzen, mit Schmerzen, ein wenig, gar nicht ...

Er liebt mich... usw.

Schr alt ist auch daS Spiel mit dem Klatschmohn. Schon im 16. Jahrhundert schreibt ein Botaniker über diele Blume: .Die Kinder haben jetzt Kurz­weil mit diesen Blumen... Da« Allerschönste schaffen die Kinderhände au« den Knospen des Klatschmohns. Da entstehen die niedlichsten Püpp­chen mit roten Kleidchen und schwarzen Köpfchen.

Daß auch unsere Jungen im Vogelsberg nicht zu kurz tommexx, dafür sorgen die vielen Hecken­pflanzen an den Wei bewiesen. Da gibt es nicht nur Beeren zu naschen, sondern noch allerlei Spiel­werk. Dom .Holierstraxxch" nehmen die Buben die glatten Aststücke xrnd bohren sie aus. Das gibt wunderbare Knallbüchlen und Wassersprxhen.

Sv könnte man xxoch zahlreiche Pflanzen an» führen, die den Kindern durch das Spiel bekaxmt und verttaut werden. Wir Erwachsenen sollen uixs freuen unb diese Verbundenheit der Kixxder mit der Ratur fördern und schützen: denn auch aus dem kindlichen Spiel erwächst oft die tiefste und iinxigste Ratur- uxxd Heimatliebe.

P, Vornotizen.

Tageskalender für Samstag: Gie­ßener Rudergesellschaft 1877: 26. Ruderregatta, Be­ginn 15.30 Uhr. G D A.: Monatsoersammlung, *0.30 Uhr. Lichtspielhaus Bahnhofstraße:Zwei Menschen".

Tageskalender für Son tag: Gie­ßener Rudergesellschaft 1877: 26. Ruderregatta, Be­ginn 14.30 Uhr. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: »Zwei Menschen".

Das Herum stehen auf den Dür­steigen i st verboten! Vom Polixeiamt Die­ßen wird uns geschrieben: Ss wurde beim Polizei- amit darüber geklagt, daß durch Ansamm- lxmgen auf der Straße die Fußgänger belästigt uxxd der Verkehr gestört wird. E« wird desyalb daraus aufmerksam gemacht, dah auf Grund der Polizeiverordnung über die Verkehrsregelung in der Stadt Gießen das Stehenbleiben auf den Bür­gersteigen verboten ist, wenn hierdurch der Ver­kehr gestört wird. DaS Gbehenbleiben auf der Fahrbahn ist allgemein verboten. Die Pvlizei- beamten find angewiesen, gegen Zuwiderhandelnde einzuschreitexx.

Straßensperre. Dom Polizeiamt Gie­ßen wird mitgeteilt: Der Aulweg, entlang der Oberhessischen Eisenbahnwerkstätte, ist wegen Straßenbauarbeiten auf die Dauer von etwa einer Woche für Fahrzeuge aller Art polizeilich ge­sperrt worden.

Unlversitätspersvxxalien. Er­nannt wurden der außerplanmäßige außerordexxt- liche Professor Dr. Margarete Bieber zum außerordentlichen Professor für klassische Archäo­logie an der Landesuniversität Gießen uxxd Dr.

phll. Hans Möckelrnann zum Turn- und Sportlehrer an der Ländesxuxxversität Gießen.

" Studentenschaft und Theater in G rehen. Au- dem S:adttheaterbureau wird uns geschrieben: Der starke Aufschwuxxg. den da« Geßaner S:aduheater (Intendant Dr. Rolf Praich) in den letzten Jahren genommen hat, spiegelt sich nicht zuletzt in der ständig wachfen- den Besucherzahl aus dem Kreis« der akademi­schen Jugend feiner Universität wieder. Während hn Spie.jahr 1926 27 2102 Studenten da« Theater besuchten, ist diese Zahl beute auf 3992 angewachten. hat sich also unter der neuen In­tendanz nahezu verdoppelt.

D ie Museen und der Hcidenturm sind am Sonntag zwischen 11 uxxd 13 Uhr bei gewöhn..chen Preisen geöffnet.

D i e Diebertalbahn veröffentlicht in unterem heutigen Anzeigenteil eine Richttgstel- Ixmg ihrer gestrigen Bekanntmachung über den Ausfall von Zügen. Dabei handelt es sich bei den foxrtfallenben Zugverbindungen nicht um Frühzüge, sondern um Abendzüge.

Schlägerei mit politischem Hinter­grund. Don der §ISDAP. Kreis- und SA-Füh­rung Gießen erhalten wir nachstehende Erklärung zu Der gestern veröffentlichten Zuschrift der Korn- muntstischen Partei Gießen:Für diejenigen, die immer noch gewissen Verlautbarungen von kornmu- nistischer Seite Glauben schenken, stellen wir zu den Vorgängen in der Rächt vom Sonntag zum Mon­tag folgendes fest: 1. daß beinahe täglich planmäßige UcbcrfäUe der Kommunisten auf einzelne National­sozialisten gemeldet werden: 2. daß am Sonntag­abend derSchlägerei" auf dem Seltersweg ein Ueberfall auf einzelne SA.-Leute in der Kaiserallee vorausging, bei der die Polizei einem Kommunisten ein feststehendes Messer beschlagnahmte: 3. daß zur Zeit des Ueberfalls auf dem Seltersweg nur noch 10 bis 12 Nationalsozialisten im Parteilokal an­wesend waren gegenüber der doppelten Anzahl Kommunisten: 4. daß diese 10 bis 12 Mann vor der Versammlung im Cafs Leib polizeilich auf Waf­fen untersucht waren, also keine Messer bei sich ge­tragen haben: 5. daß zwei Nationalsozialisten nach­weislich durch Messerstiche verletzt wurden. Im Uebrigen verweisen wir auf den amtlichen Polizei­bericht unb lehnen es ab, ßcm Ergebnis der polizei­lichen Untersuchung von uns aus vorzugreifen." Nachdem nunmehr im Anschluß an den Polizei­bericht beide Parteien sich zu dem Vorfall geäußert haben, schließen wir die Erörterung über diese An­gelegenheit in unseren Spalten.

Uxxterhaltungsabenb der Haus­frauenberatung. Am Donnerstag veran- anftaltcte die Gießener Hausfrauexxberatung xm Saale des Eafö Leib einen UnterhaltungSabexxb, dem im Gegensatz zu dem sonstigen belehrenden Charakter der Veranstaltungen unserer Gießener Hausfrauenorganisation ganx auf den heiteren Ton abgestimmt war. Die Veranstaltung hatte daS Interesse vieler Damen und Herren gefuxxden, die den großen Saal deS Cafä Leib fast bis zum letzten Platze füllten. Frau Dr. Koeppe als Vorsitzende der HauSfrauexxberatung gab denn auch in ihrer Begrüßungsansprache der Genug­tuung über den starken Besuch Ausdruck und be­tonte besonders die Notwendigkeit für die Haus­frauen, inmitten der Schwierigkeiten der Zeit- verhältnisse und der sorgenvollen Aufgabe einer gediegenen Haushaltsführung auch eixxmal eine Stunde des Frohsinns gemexxtfam zu genießen.

Im Anschluß daran bereitete eine von Frau Professor W e i d e n b a ch verfaßte, ux^laublich vielseitige unb schier unerschöpfliche Fülle von heiteren Darbietungen mit Hilfe eines .Patent- Zauber krvppe" den Besuchern sehr viel Freude. Dieter .Zauberkroppe" batte es in der Tat .in sich'' unb gab c« in vielfältigster Gestaltung A. B. reijenbe junge Mädchen als Herzensstär- rxmg für lebensfrohe Jünglinge, al« Maxxneguins. flotte Girls, Tänzerinnexx. Meißner- und Rym- phenburger Porzellanfiguren, heiratslustige alte Jungfern usw. - au« seinem Inneren betau« in daS Helle Licht der Dühnexxrampexx. Dabei brachte die Autorin dieser netten UnterbalttnxgSstuxxde, Frau Deidenbach, durch Originalität uxxd Drolligkeit der Ideen so viel Ueberraschuxxgexx, daß die große Frobfinnsgemeinde aus dem Lachen nicht herauSkam. Besonders gefiel ein xt a. Rig­ger tanz. den Frau Erna Schumann einstudiert hatte. Herzlicher Beifall dankte nicht nur den Mitwirkenden, sondern ebenso der geistigen Ge­stalterin dieses interessanten Abend«. AIS zum Schluß der Jugend gar noch die Möglichkeit geboten wurde, das Tanzbein zu schwingen, da waren für die junge QBelt natürlich alle Er­wartungen erfüllt, ja sogar übertxroffen. Uxxd mit Befriedigung konnten nicht nur die Besucher, sondern auch die leitenden Damen der Haus­frauenberatung auf diesen wohlgelungenen Abend zurückblicken.

Verein Ereditresorm. Am Donners­tag fand in den Geschäftsräumen de« Verein« Credhreform c. D Gieß cm die Generalversamm- Ixmg des Verein« statt, in der die Herren Karl Röhr son., Recht-anwalt Zimmer und Wilhelm Horn sen. in den Vorstand gctoäblt wur­den. Der provisorische DeschästSsührer erstattete eitxen kurzen Bericht über die Entwicklung de« Verein«, sowie über einige wichtige Einzelfragen. Die ansch.veßende Dorstand-sitzung harte sich mit der Besetzung de« Geschäf:sführerpvsten« zu be» faTlext Zum Geschäftsführer wurde bet bisherig« provisorische Gelchäftssührer Diplom-Kausmann H. W. Grieß bauer vorbehaltlich der Bestä­tigung durch die verschiedenen Instanzen de« Verbände- der Verein« Crebitreform bestellt.

Verantwortl. s. d. Feuilleton: i. V. Dr. Lang«.

Kamps den Fliegen und Mücken! Immer mehr bricht sich die Erkenntnis Dahn, daß Fliegen und Mücken für die Bevölkerung eine außerordentlich« Gefahr bedeuten. Deshalb ist eS eine dankexxs- toerte Ausgabe, daß sich Behörden xmb auch Pri­vate der hygienischen Aufklärung widmen und die Vertilgung der Fliegen xmd Mücken, sowie sonstiger schädlicher Insekten sordern. Diesem Zwecke diene auch die Flit-Wetbewoche, die rix Gießen vom 13. bis 18. Juli stattfindet. Während dieser Zeit wird in zahlreichen Schaufenstern daS bewährte Insekten-VcrtilgungSmittel 'zur Schau gestellt. Flit vernichtet alle- lästig« Ungeziefer, ohne für Menschen und Haustiere schädlich zu sein. Es ist in allen einschlägigen Geschäften zu haben. 4091V

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