Ausgabe 
11.7.1931
 
Einzelbild herunterladen

Voung-Plcm nach Ablauf des Zelcrjahres ein Mvratoriwnsgesuch stellt. Ferner wcrd stch der Verwaltungsrat mit dem Problem der Schaffung eines Fonds zu befassen haben, aus dem eventuell kleineren Staaten Kredite gewahrt werben sollen, welche durch die Inkraftsetzung des Hoover-Planes allzu stark in Mitleidenschaft fle*

zogen werden. Ajtch mit der Finanzlage Oe­sterreichs und Ungarns wird sich derVer- waltungsrat beschäftigen. Vom einem angeblichen Gesuch der Bank von Ungarn; ihr einen toetteren Kredit zu eröffnen, außer den bereits in Hohe von 15 Millionen Schweizer Francs gewährten Rediskontkredit, ist bei der 0333. nichts bekannt.

England seht den Hoover-plan in Kraft.

Verzicht auf die fällige Monatszahlung. - Einladung zur Sachverständigen­konferenz nach London. - Auch Deutschland ist zur Teilnahme aufgefordert.

London. 10. Juli. (WTB.) Das F o r e i g n Office hat heute nachmittag Einladungen an die hauptsächlichsten am Youngplan inter­essierten Mächte zuderKonserenzi n L on - von gesandt, die Freitag nächster Woche um 11 Ahr im Schatzamt beginnt. Die Einladungen sind an die Vereinigten Staaten von Nordamerika, Frankreich, Italien. Japan, Delgien und an Deutschland ergangen. o

Das britische Schatzamt hat ferner d e r D. 3. Z. mitgeteilt, dah es auf die am 15. Juli fäl­lige Teilsumme der geschützten und ungeschützten Annuität verzichtet. Hiermit hat Groh- britannien den Hooverplan osfi-lell in Kraft gesetzt.

Das Schreiben des britischen Schatzamts an den Präsidenten der V. 3.3- besagt im einzelnen, Daß die Regierungen von Großbritannien Reu­seeland, Australien. Kanada und Südafrika und die Regierung von Indien grundsätzlich den Hvoverplan angenommen haben. Ge­wisse Fragen bezüglich der Methoden der prakti­schen Durchführung des Planes seien noch zu regeln. Inzwischen werde am 15. Juli eine Monatszahlung auf die Deu t sch e Annuität fällig. Der Vries sagt:Aber selbst, wenn die deutsche Regierung in der Lage wäre diese Teilzahlung zu transferieren, würde es offenbar mit der Annahme des Grundsätze« deS Präsidenten Hoover unvereinbar sein, sie zu fordern. Die oben genannten Regierungen haben deshalb beschlossen, soweit sie in Frage tomrnen, aus die Forderung nach 3ahlung der am 15. 3uu fällig werdenden Teilsurnme der ungeschützten und geschützten Annuität zu verzichten ohne da» mit die Rechte der Inhaber der deutschen Aus­landanleihen von 1924 und der 5,5prozentigen Internationalen Deutschen Staatsanleihe vom Jahre 1930 (Voungplan) zu beeinträchtigen, und unter der Voraussetzung, daß die Bedingungen der Suspendierung dieser Zahlung und des schließlichen Transfers des suspendierten Betrags Denen der abzuschließenden Verein­barung entsprechen werden. Die obengenannten

Regierungen erachten es als notwendig, hinzuzu- fugen. daß ihr Beschluß zu dem 3wecke gefaßt worden ist, den in Deutschland bestehenden Schwierigkeiten entsprechend dem Vorschlag des Präsidenten Hoover durch eine vollstän­dige Suspendierung deS Transfers (sowohl in Bar- als auch in Sach- lief erungen) Erleichterungen zu verschaffen. Selbstverständlich darf dies nicht als eine Schmä­lerung der Rechte dieser Regierungen aus den: Haager Abkommen ausgelegt werden, sofern irgeiÄwelche Zahlungen durch Deutschland trans­feriert werden sollten."

Der Inhalt dieses Schreibens wurde den an­deren Regierungen der Signatarmächte des Haager Abkommens vom 30. Ianuar 1930 und der amerikanischen Regierung übermittelt.

Oie französischen Delegierten auf der Londoner Konferenz.

Paris, 10. Iuli. (WTD.) Im Ministerrat, der heute vormittag unter dem Vorsitz des Präsi­denten der Republik stattfand, berichteten die in Frage kommenden Kabinettsmitglieder über den Stand der in Gang befindlichen Verhandlungen. Auf Vorschlag des Finanzministers wurden fol­gende Persönlichkeiten zur Teilnahme an dervachverständigenkonferenz, diein London am 17. Iuli beginnt, bestimmt:

Direktor Eskalier vom französischen Fi­nanzministerium,

Coulondre, Direktor der Wirtschaftsab­teilung im Außenministerium,

Anterdirektor Dizot vom Finanzministe­rium,

de Prey st er, Leiter der Sachlieferungs­stelle im Finanzministerium,

Finanzinspektor Mvneclcry vom Unter­staatssekretariat für Rationalwirtschaft.

Der Budgetminister teilte mit, daß bieöteuer* elngänge im ersten Vierteljahr um 67 Mil­lionen den Voranschlag überstiegen hätten.

Ste fitibmdf Srüningunb bie nationale Opposition

Eine interessante Debatte.

Berlin, 10. Juli. (TU.) Die »Mittei­lungen der DRVP. befassen sich mit einer Entgegnung derGerm aniak' auf dieK a m pf- ankündigung der nationalen Opposition vom Donnerstag, in der dieGermania" eS für das Gebot der Stunde erklärte, dah dieRationale Opposition" sich in die Front der Regre- rungelngtiebere. Die deutschnationale offi­ziöse Korrespondenz erklärt hierzu:Die Rechte wäre gern bereit, in einer Rotstunde wie dieser trotz ihrer Oppositionsstellung die Regierung zu stützen, wenn sie das Vertrauen zu ihr hätte, daß sie den politischen Kämpfen der näch­sten Zeit gewachsen sei. Die Rechte habe 'dieses Qfcrtrauen nicht. Das Regierungssystem -Brüning-Braun habe versagt. Der Schritt Hoo- " vers, dasGeschenk des Himmels", das der Re­gierung unerwartet in den Schoß fiel, habe Deutschland vor der unmittelbaren Katastrophe bewahrt und ungeahnte Möglichkeiten für eine entschlossene Revisionspo­litik gegeben.Wir wissen, daß diejenigen, die dafür verantwortlich sind, daß Deutschland in wirtschaftlicher Zerrüttung in diesen Kampf gehen muh, nicht die Kraft haben, die Möglichkeit der Stunde zu nützen. Wir wissen, dah sie nicht die Kraft haben, dem Vernich- tungswillen Frankreichs entgegenzutreten, die Kopflosigkeit, mit der man jetzt einen Verzweis- lunasschritt nach dem anderen tut, ist ein Beweis dafür. Vor allem aber daS Ausland glaubt an den d-mtschen Willen zur Befreiungspolitik solange nicht, solange Me am 0)dungplan Schuldigen die deutsche Politik lei­ten und solange die Sozialdemokratie entscheidenden Ginfluh auf alle Regie- rungshandlunzen hat. Wir wißen, dah unsere Zeit kommt und wir sind bereit, die Derantwor- tung zu übernehmen, wenn in Reich und Preuhen Raum für wirkliche Verantwortung ist. Richt parteiegoistische Ziele", sondern diedringendsten nationalen Interessen des Gesamtvolkes lassen uns wünschen, daß dieser Fall eintritt, bevor Deutschland gänzlich zusammengebrochen ist und bevor die politischen und wirtschaftlichen QJer- handlungen beginnen, die über Deutschlands Zu­kunft entscheiden. Die ernsten Entschlüsse deS gest­rigen Tages lassen erkennen, daß die Führer der nationalen Opposition aus den Augenblick vor­bereitet sind, Deuffchland aus der jetzigen Rot einer neuen Zukunst entgegenführen zu können."

DieGermania" antwortet darauf u. a.: Wir konstatieren zunächst mit Genugtuung d i e ruhige Art der Entgegnung, die wir wir sonst in der Polemik dieser Opposition viel­fach leider vermissen. Wir stellen weiter fest, daß diese offiziöse Verlautbarung der Deutsch­nationalen Partei mit uns einer Mei­nung darüber ist, daß der Schritt Hoovers Ungeahnte Möglichkeiten für eine entschlossene Revisionspolitik" er­öffnet. Wir wollen nun die Frage nicht auf- werson. wer an der wirtschaftlichen Zerrüttung Deutschlands die Schuld trägt; jedenfalls nicht dasRegierungssystem Brüning-Brauns", das sich seit eineinhalb Iahren unter Anspan­nung aller Kräfte um die Sanierung Deutschlands und um die Wieder­gutmachung früher erFehl er bemüht. Fest steht aber, daß derjenige, der Im jetzigen Stadium der politischen Lage die wirtschaftlichen Schwierigkeiten durch irgendwelche Maßnahmen erhöht und innerdolitische Kampfansagen, wie die Hugenbergs uno Hitlers, sind oazu an­getan, neue Unruhe zu stiften und unsere außen­politische Stoßkraft weiter zu lähmen den Interessen des Vaterlandes zu - widerhandelt. Wenn bie Opposition schon

der Meinung ist, selbst die Verantwortung für die Besreiungspolltik der Regierung Brüning nicht mit tragen zu können, dann kann sie un­möglich das Recht für sich beanspruchen, einer Regierung, die ganz neue außenpolitische Kon­stellationen vor sich sieht, in den Rücken zu fallen und damit ihrerseitsungeahnte Möglichkeiten für eine entschlossene Revisivnspolltik" olindlings zu sabotieren."

Ein Aufruf des Stahlhelms.

Einleitung des Volksentscheids in Preutzen.

Berlin, 10. Iuli, (TA.) Die Bundesführer des Stahlhelm uiid der Frontsoldaten, Seldte und Düsterberg, erlassen folgenden Aufruf:

Die Hooveraktion hat ihren Zweck nicht erreicht. Sie mußte versagen, weil Deutschland ohne eine entschlossene nationale Regierung der französischen Machtpolitik hilflos au8g elief er t ist. Rach wie vor stehen die deutschen Machthaber Im Banne einer un- durchsührbaren Verständigungspo­litik mit Frankreich. Schon deshalb vermochten sie den Grundgedanken des amerikanischen Prä­sidenten weder aufzugreifen, noch im deuffchen Sinne zur Ausführung zu bringen.

Heute muß im Regierungslager zugegeben wer­den, daß >wir mit wirtschaftlichen Er­leichterungen nicht zu rechnen haben. Das deutsche Volk wird also seineerdrücken* den Steuerlasten weitertragen müs­sen. Die deutsche Wirtschaft treibt dem Schick­sal des völligen Zusammenbruchs oder der aus­ländischen Ueberfrembung entgegen. Die Fron­vögte des internationalen Kapitals werden die, soziale Rot und das Elend des deutschen Arbei­ters rücksichtslos steigern. Die Folge davon muß der unaufhaltsame Zerfall der Familie, die völ­lige Zerstörung von Sitte und Religion sein. Wegbereiter dieser Entwicklung ist die Sozial­demokratie, deren stärkstes Bollwerk Preu­ßen heißt.

Dieses Preußen gilt es zu erobern, um das Reich zu rettenl Denn Deutschlands Rettung ist nur möglich, wenn endlich die nationale Kraftreserve des deutschen Volkes voll eingesetzl^werde. Sie wurde bisher bekämpft und unterdrückt, well der Marxismus in seiner pazifistischen Knechtseligkeit ein erbitterter Feind jedes nationalen FreihÄts- willens sein muh.

Hier soll der Volksentscheid Dresche schla­gen I Die Verelendung des deutschen Volkes hätte vermieden werden können, wenn es vor zwei Iah­ren dem Ruf der nationalen Opposition zum Kampfe gegen den Voung-Plan gefolgt wäre. Mö­gen die Deutschen heute begreifen, dah auS Hungersnot und Verzweiflung nur der Weg führt, den der Stahlhelm, Durch der Frontsoldaten, ihnen weist:Durch Aeberwindung des Marxismus zu Freiheit, Arbeit und Drot!"

Allgemeines Auszugs- und Llnisonn- verbot in Bayern.

München, 10. Iuli. (WTD.) Das Staats­ministerium des Innern hat mit Zustimmung des Ministerrates für das ganze Staats­gebiet ein allgemeines Aufzugsverbot und ein Aniformverbot erlassen. Rach dem Aufzugs­verbot, das sich auf Art. 123 Abs. 2 der Reichs­verfassung stützt, sind alle politischen Ver­sammlungen unter freiem Himmel einschließlich der Auszüge und Pro­pagandafahrten verboten. Das Ani­formverbot stützt sich auf § 8 der Verordnung des Reichspräsidenten vom 28. März 1931 zur Be­kämpfung politischer Ausschreitungen und ver­bietet für alle politischen Verein i- gungen d aS Tragen einheitlicher

Kleidung und Abzeichen mit Ausnahme der sogenannten Bundesnadel. Die beiden Ver­bote treten sofort in Kraft und gelten bis zum 30. September 1931.

Arbeitereinstellungen bei der Reichsbahn.

Es fehlt an Mitteln für die restlose Durch­führung des Beschaffungsprogramms.

Berlin, 10. Iuli. (ERB.) Entsprechend den Verlautbarungen über das Beschaffungs- Programm im Zusammenhang mit der Rot­verordnung sind bei der Deutschen Reichs­bahn seit dem letzten Montag rund 50000 Zeitarbeiter neu eingestellt worden, die auf dieDauer vonfünf Monaten, und zwar 40 Stunden in der Woche, mit Er­neuerung des Gleisoberbaues beschäftigt und nach Ablauf dieses Zeitraumes wieder entlassen wer­den. Ursprünglich waren für dieses Arbeits- Programm 200 Millionen Mark in Aussicht ge­nommen worden, für welche Summe 60 00Ö Ar­beiter eingestellt und umfangreiche Materialliefe­rungen getätigt werden sollten. Da aber nur bie Hälfte dieses Betrages, nämlich 100 Mil­lionen Mark, aufgebracht wurden, hat sich die Zahl der einzustellenden Arbeiter auf 50 000 ver­ringert, während der Hauptanteil des Ausfalles aufKosten derMaterlallieferungen geht. Die neu eingestellten Arbeiter werden ins­gesamt annähernd 2000 Kilometer Gleisoberbau zu erneuern bzw. auszubessern haben, und zwar sind an diesen Arbeiten alle Reichsbahndirektions- bezlrke ungefähr gleichmäßig beteiligt.

Oer Hessische Landtag geht in die Gommerferien.

WER. Darmstadt, 10. Iuli. Der Hessische Landtag ist mit dem heutigen Tage indieSvm- merserien gegangen und wird erst An­fang Oktober zu seiner letzten Sitzung vor bei Auflösung zusammen ko mm en. In der heutigen Sitzung wurde die Aendepung des Land- tagswahlgefetzes vorgenommen und mit drei Stimmen Mehrheit die Listenverbindung! auch im hessischen Wahlgesetz verankert. Die Herabsetzung der Abgeordnetenzahl von 70 auf 56 wurde von Sozialdemokraten!, Zen­trum, Kommunisten und Demokraten ab ge­lehnt. Die neue Gemeindeordnung und das Zweckverbandsgesetz wurden in der Ausschußfassung endgültig verabschiedet. Der volksparteiliche Antrag, den 11. August als gesetzlichen Feiertag in Hessen aufzuhe­ben, verfiel der Ablehnung, ebenso der Zentrums­antrag, den DerfassungStag an dem auf den 11. August folgenden Sonntag zu feiern. Om übrigen erledigte der Landtag zahlreiche kleinere Vorlagen. Er genehmigte außerdem die Zehr- zulage für Polizei- und Gendarme- rlebeamte im Außendienst, wofür 320 000 Mk. ausgeworfen wurden. Der ßanbtagl erhöhte die Landesgarantie für Ruß- landauf träge von zwei auf fünf Millionen Mark, lehnte einen Zentrumsantrag über Miß­stände beim Dadebetrieb ab und hob die Immu­nität des kommunistischen Abgeordneten Sumpf sowie des Abgeordneten Dr. Wolf, Mainz (par­teilos), zur Strafverfolgung auf. Die Regierung teilte auf eine Anfrage über das Fischsterben in Ridda und Horloff mit, daß zwischen den Fischern und dem Schwelkraftwerk Wöl­fersheim eine Gntschädigungsregelung zu­stande gekommen und Vorsorge getroffen sei, daß die schädlichen Abwässer jetzt durch eine Kläran­lage entgiftet werden.

Besitzergreifung Ostgrönlands durch Norwegen.

Oslo, 11. Iuli. (WTD.) Rorwegen hat offi­ziell vonO st grönlandBesihergriffen. Es handelt sich dabei um das Gebiet zwischen 75 Grad 40 Minuten westlicher Länge und 71 Grad 30 Minuten nördlicher Breite. Die Entschei­dung über die Ostgrönlandfrage wurde nachts in einem unter Vorsitz des Königs abgehaltenem Ministerrat getroffen, um eine geeignete Grund­lage zur Beilegung des Streites mit Dänemark vor dem internationalen SchiedsgerlchtimHaagzu schaffen, da die dänischen Vorschläge zur Lösung dieser lebens­wichtigen Gebietshohettsfrage nicht als an­nehmbare Grundlage erscheinen. (Heber die Ostgrönlandfrage im einzelnen unterrichtet eine unserer heutigen Randnoten.)

Aus aller Welt.

Todesopfer des Unwetters im Unterelbegebiet.

Die Schaden, die durch das Hochwasser, die Regen­fälle und Stürme im Unterelbegebiet angerichtet wurden, sind z. T. noch größer, als man anfänglich angenommen hat. Auch mehrere Menschen­leben fielen dem Hochwasser zum Opfer. Zwischen Buxtehude und Altkloster kenterte ein Pad­delboot. Von den beiden Insassen ist ein 11 Jahre alter Knabe von der reißenden Este, die durch das Hochwasser stark angeschwollen war, fortgerissen worden. Die Leiche konnte noch nicht geborgen wer­den. Auf einer Wiese spielten mehrere Kinder, als plötzlich ein vierjähriges Mädchen von der star­ken Strömung erfaßt wurde und ertrank. Die Leiche wurde ebenfalls Noch nicht gefunden. Bei Rendsburg sind an der unteren Eider an mehreren Stellen bie Deiche gebrochen und breite Land­flächen überflutet worden. Auf der Strecke Otter­dorfAltenbruch ist ein Stück des Bahndammes unterspült und abgetrieben worden. Aus Nordsee und Ostsee wurden von verschiedenen drahtlosen Stationen 80 8-Rufe aufgefangen. Bestimmte Meldungen über Schisfsunfätte liegen jedoch bisher nicht vor. In der Elbmündung haben zahlreiche Schiffe aller Größen und Flaggen Anker geworfen, um eine Beruhigung des Wetters abzuwarten.

(Ein Führer des Deutschtums in Südtirol t-

Der frühere Bürgermeister von Meran, Rechts­anwalt Luchner, wurde in der Nähe des Oetz- thaler Hochjochs auf österreichischem Gebiet tot aufgefunden. Da die Leiche keine Verletzungen aufweist, ist der Tod vermutlich durch Herzschlag eingetreten. Man nimmt an, daß Rechtsanwalt Luch­ner versucht hat, die italienisch-österrei- chische Grenze zu Fuß zu überschreiten, da ihm wiederholt der Auslandspaß zum 23er« lassen des italienischen Gebietes verweigert worden und er den Anstrengungen der Hochgebirgs­wanderung nicht gewachsen war. Luchner war einer der Führer des Deutschtums in Südtirol und gehörte

auch der österreichischen konstituierenden National- Versammlung als Vertreter Südtirols an.

(Eine aufregende Weltfahrt.

Auf dem nachts um 23.20 U&r von Buda­pest nach Szeged in abgehenden Pcrsonen- zug beanstandete der Schaffner die Fahrkarten» von drei Reisenden. Rach einem erregten Wort­wechsel kam es zu einer Balgerei, in deren Ver­lauf einer der Reisenden sich auf die Puffer des Waggons schwang und dort den Schlauch der Luftbremse öffnete, so daß der Zug auf of feuer Strecke stehen blieb. Der Mann wurde von einigen mitfahrenden Soldaten gefaßt und festgehalten. Die von allen Seiten herbei strömenden Reisenden umstanden den von Soldaten und Eisenbahnbediensteten festgehalte­nen Attentäter. Da lies plötzlich aufgeregt der Schaffner des Zuges herbei und bat inständig, osort den Zug wieder zu besteigen, da schon im nächst en Augenblick der aus Budapest 15 Minuten nach Abgang des Personenzuges abgelassene Orientexpreß ein treffen müsse. Man konnte auch schon von weitem das Re- flektorenlicht des Expreßzuges sehen. Run be­gann zwischen dem Personenzug und dem Expreß- zug eine Wettfahrt auf Leben und Tod. Der Personenzug flog mit einer jeden Schnellzug überbietenden Geschwindigkeit in die Station Monor ein. Der Weichensteldek-der Sta­tion, der infolge der Verspätung Böses ahnte, leitete den Zug auf ein Rebengleis, wo er unbeschädigt stehen blieb. Kaum hatte der Personenzug das Hauptgleis verlassen, flog auch schon der aus zwei Waggons bestehende Orient- exp-reß in rasender Fahrt durch die Station in die finstere Rächt hinaus. Der von den Sol­daten gefaßte Attentäter wurde in Hast genom­men. Rach seinen beiden Komplicen wurde eine Gendarmeriepatrouille ausgesandt.

Zum Tode verurteilt, begnadigt und mit dem Cenin-Orben ausgezeichnet.

Das Präsidium des Vollzugskomitees der Sowjet-Tlnion hat die Militärflug­zeugfabrik Rr.39 mit dem Lenin-Orden ausgezeichnet. In der Mitteilung heißt es, daß die verantwortlichen Leiter dieser Fabrik, eine Gruppe von Ingenieuren, vor kurzem von der GPU. verhaftet, wegen Sabotage und Gegen­revolution zum Tode verurteilt und später zu Gefängnis begnadigt worden sind. Die Ver­urteilten hätten die GPU. gebeten, ihre Treue durch Arbeit in der Fabrik beweisen zu dürfen. Da jetzt die Flugzeugfabrik sich große Verdienste um den Ausbau des russischen Flug­wesens erworben habe, habe die GPU. das Voll­zugskomitee ersucht, die Verurteilten zu be­gnadigen und wegen ihrer Treue zur Sowjet­regierung mit dem Lenin-Orden aus­zuzeichnen. Der Vollzugsausschuß nahm den Vorschlag an und die Begnadigten erhielten noch eine Belohnung von 300 0 bis 10 0 0 0 Rubel.

Luftmanöver über Dünkirchen.

Ueber Dünkirchen fanden Luftmanöver statt, die den Schuh der Stadt gegen Luftan­griffe zeigen sollten. Obwohl die Manöver we­gen schlechter Witterung nur»tagsüber und nicht, wie vorgesehen, auch nachts durchgeführt werden konnten, soll sich aus ihnen schon ergeben haben, dah es möglich sei, eine Stadt wie Dünkirchen mit 32000 Einwohnern in weniger als einer halben Stunde durch Bomben­flugzeuge dem Erdboden gleich zu machen. Dieses Ergebnis ist der Bevölkerung zur Kenntnis gebracht worden.

Oie Wetterlage.

Baren

Ingö;

714

*7 50

K

te

-24

46------

^SeydlSfjora

Sp

w

-«o-> I

yy Hamoa.

Pans rranid.

l

<y*Lon<f

Sg wa

irüTRITr c

,2/ Wien

----VakwtUe/ ~---46

--VryF ännfr^en- \-

nwoiKtnios. öneuer, o naiD Dedecxt. ® woixig. oeueexiRegen » Schnee Graupeln, a neöel K Gewitter.®windstille.<> sehr «eicnter Ost massiger Südsüdwest (5 stürmischer «ordwesfc Oie Pfeile fliegen mit dem winde. Die oeiden Stationen stenenden Za» «n gehen die Temperatur an. Die Linien verDlndan Orte mil gleiche^ auf MecresnlVeau umoereclinetee Luftdruck

Wettervoraussage.

Ueber Frankreich und Süddeutschland ist es zur Ausbildung eines geschlossenen Hochdruckkerns ge­kommen, in dessen Bereich das Wetter sich ruhiger gestaltet. Wenn auch in Norddeutschland durch die Ausläufer der nördlichen Störungen und der Zu- fuhr ozeanischer Luft noch Bewölkung herrscht, so wird sich doch bei uns und im südlichen Teile des Reiches infolge der absinkenden Luftmassen des Hochs der Himmel aufheitern. Dabei kommt die Sonnenstrahlung wieder stärker zur Geltung, so daß die Temperaturen tagsüber weiter ansteigen.

Aussichten für Sonntag: Teils auf- heiternd, teils bewölkt, weitere Erwärmung und trocken.

Aussichten für Montag: Rach zunächst vielfach aufheiterndem Wetter mit kräftiger Er­wärmung aufkommende Gewitterneigung.

Lufttemperaturen am 10. Iuli: mittags 20,9 Grad Celsius, abends 16,4 Grad: am 11. Iuli: morgens 17,3 Grad. Maxrmum 21,5 Grab, Mini­mum 13,6 Grad. Erbtemperaturen in 10 Zenti­meter Tiefe am 10. Iuli: abends 19,5 Grab, am 11. Iuli: morgens 17,2 Grad. Sonnenschein­dauer gVj Stunden. -