Ausgabe 
11.5.1931
 
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Rr.109 Zweites Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Montag, N. Mai (951

SJ.Jport

Neuer Segelflug-Nekord in Hirzenhain.

Der feit drei Jahren von dem Segelflieger Max Kegel gehaltene Hirzenhainer Dauerflugrekord konnte gestern nachmittag gebrochen werden. Der Hirzenhainer Flieger Bieber konnte trotz ver- hältnismähig ungünstiger Windverhältnisse seine Maschine 1 Stunde und 10 Minuten in der Luft halten, wodurch er die alte Höchstleistung um etwa 20 Minuten überbot.

SD. 98 DarmstadtKurhessen Marburg 3:3 (2:3).

_3n diesem Freundschaftstreffen enttäuschten die Gäste nach der angenehmen Seite. Nach ausgegli­chenem Spiel führten die Marburger bei der Pause mit 3:2, mußten sich aber nach dem Wechsel den Ausgleich gefallen lassen.

Handball-Städtekampf MüncheuDarmstadt 4 :7 (3:2). Bor 3000 Zuschauern trugen Darmstadt und München am Samstag in München einen Handball- Städtekampf aus, in dem die Darmstädter mit 7:4 Toren erfolgreich blieben. Das Spiel litt etwas unter dem leichten Regen, brachte aber dennoch ausgezeich­neten Sport.

Handball-Zwischenrunde der DT.

Sn Berlin kamen am Sonntag zwei Zwischen­rundenspiele um die Handballmeisterschaft der DD. zum Austrag. Sowohl bei den Damen als auch bei den Herren standen sich die Mannschaften der Turngemeinde in Berlin (TiD.) und des TB. Vorwärts Breslau gegenüber.

Die Damen von Vorwärts Breslau, welche die deutsche Meisterschaft zu verteidigen haben, fetzten sich erwartungsgemäß mit 3:1 (2:0) durch und

treffen nun in der Vorschlußrunde ebenfalls in Berlin auf den Hamburger Turnerbund.

Bei den Herren drehten die Berliner den Spieß um. Mit 8:3 (3:2| besiegten sie ihre schlesischen Gäste. Das Ergebnis entipricht nicht den beider­seits gezeigten Leistungen.

Deutscher Neitersieg in Nom.

Am Samstag konnten die deutschen Teilnehmer bei dem Internationalen Reitturnier in Rom zu einem unerwarteten Erfolg kommen. Sie belegten im Länderspringen um den von Mussolini ge­stifteten goldenen Wanderpreis den ersten Platz mit acht Fehlern vor Italien (15 Fehler) und Belgien (26 Fehler). Frankreich und Rumänien hatten vor­zeitig aufgegeben. Oberleutnant M o m m auf Thora, Oberleutnant Hasse auf Derby und Oberleutnant Sah la auf Wotan wurden von den Zuschauern lebhaft gefeiert. Der Duce nahm die Preisverteilung selbst vor und beglückwünschte die Deutschen zu ihrem schönen Erfolge.

Deulscher Nadsieg gegen Holland.

Sn Köln wurde am Freitag vor 3000 Zu­schauern der Radländerkampf DeutschlandHol­land durchgeführt, den die Deutschen mit 168:47 Punkten für sich entschieden. Die Ergebnisse waren folgende: '

Hauptfahren: 1. Oszmella, 2. Engel, Handbreite zurück, 3. Steffes, 4. Saap.Holland. V erfol- gungsrenpen: 1. Bausch, Hürtgen, 12. P.: 2. Dumm. Frankenstein, 8 P.: 3. Braspenning. van Hout, 4 P.: 4. van der Heyden, Metz, 2P . 800-Meter-Dorgabefahren: 1. Frankenstein, 12P.; 2. Oszmella, 8 P.: 3. Bernhardt. Stunden-Mann- schaftsrennen: 1. Bausch, Hürtgen, 16 P., 42,2 Kilometer: 2. Braspenning, van Hout, 11 P.: 3. Bernhardt, Fricke, 11 P.: 4. Oszmella, Scham­berg, 11 P.: 5. Fricke, Engel, 11 P.: 6. Gebrü­der van Kempen, 3 P.

AMI zm Deutschen Fußball-Msterschafi.

Die ersten Spiele um die Deutsche Fuß­ball-Meisterschaft endeten im großen und ganzen mit den Siegen der Favoriten. Die Landesverbände Südostdeutschland und Balten­verband sind bereits nach den ersten Spielen ausgeschieden. Brandenburg hat seine beiden Vertreter durch die Vorrunde gebracht, und auch Borddeutschland Überstand mit beiden Vertretern die erste Bunde. Mitteldeutschland hat eine seiner beiden Mannschaften eingebüßt. Westdeutschland und Süddeutschland waren noch nicht mit allen Mannschaften beschäftigt. Der süddeutsche Meister Sp.-Vg. Fürth überstand die Vorrunde mit einem 3:0-Sieg in Leipzig überraschend glatt.

Aus den Spielen.

Epdg. Leipzig - Epvg. Fürth 0:3 (0:1).

15 000 Zuschauer waren in Leipzig Zeugen eines packenden Kampfes, der allerdings nicht gerade erstklassig war. Die Fürther waren zwar nicht in Hochform, immerhin aber die bessere Mannschaft, die denn auch verdient gewann.

DsD. Bielefeld Hertha/DSC. 2:5 (1:1).

Der deutsche Meister hatte in Dortmund gegen den westdeutschen Zweiten einen guten Start. Anfangs beschränkten sich die Berliner nur dar­auf, den Gegner nicht aufkommen zu lassen und mit 1:1 ging es in die Pause. Bach derselben spielte Berlin aber ein großes Spiel.

Tennis-Borussia Berlin VfB. Liegnih 6:1 (5:0).

Die Höhe dieses Ergebnisses ist weniger dem guten Können der Berliner, denn der mehr als schwachen Leistung der Schlesier zu danken. Tennisborussiä zeigte trotz der sechs Tore sehr wenig, die Gäste noch viel weniger.

Beulhen 09 Hamburger SB. 0:2 (0:0).

Der Hamburger SB. hatte in Deuthen vor 20 000 Zuschauern keinen leichten Stand. Der schlesische Meister gab einen durchaus guten Geg­ner ab, und nur der größeren Beife und Er­fahrung hat der Hamburger SB. seinen Sieg zu danken.

BfB. Königsberg Dresdner SC. 1:8 (0:2).

Der mitteldeutsche Meister errang in Königs­berg einen klaren und selbst in dieser Höhe verdienten Sieg. Dresden war klar überlegen.

Holstein kiel Prussia Samlanb 3:2 (0:2).

Holstein Kiel hatte keinen leichten Stand, den ostdeutschen Meister zu schlagön. Bis zur Pause lagen die Ostdeutschen bereits durch Stillgcr und Mischke 2:0 in Führung, die Holstein aber durch besseres Spiel nach der Pause ausgleichen konnte, und schließlich fiel auch der Siegestreffer.

Wie wir erfahren, wurde vo.n Deutschen Fuß- ball-Berband nach dem unentschiedenen Ausgang

Der überschwemmte Kurgarten in Bad Homburg.

j

des Entscheidungsspiels in Mannheim Phönix Ludwigshafen durch das Los als süd­deutscher Dritter ermittelt. Phönix hat be­reits am Himrnelfabr'stage im Mannheimer Sta­dion gegen den westdeutschen Dritten, Meide- richer Spielverein, zu spielen. An dem- selben«Lage findet im Düsseldorfer Bheinstadion das Vorrundenspiel zwischen der Frankfurter Eintracht und Fortuna Düsseldorf statt.

Den einen Punkt, der der Frankfurter Eintracht noch fehlte, um endgültig süddeut­scher Zweiter bei den Endspielen um die DFB.» Meisterschaften zu fein, holten sich die Frank­furter am gestrigen Sonntag mit einem mehr als verdienten 2:1-(1 :l-)Sieg gegen Wormatia Worms.

Die erste Zwischenrunde.

Für die erste Zwischenrunde am 17. Mai wur­den vom DFB. folgende Paarungen getroffen:

in Berlin: (Deutsches Stadion): Hertha/DSC. gegen SpVg. Fürth:

in Frankfurt a. M: (Stadion): Eintracht Frank­furt oder Fortuna Düsseldorf gegen Tennis/Do- russia Berlin:

in Dresden: Dresdener SC. gegen Holstein Kiel;

in Hamburg: Hamburger Sportverein gegen Phönix Ludwigshafen oder Meidericher Spielve- ein.

Oie Deutschland-Nundfahri.

Bei derDeutschland-Bundfahrt" wurde am Samstag die über 221,1 Kilometer führende fünfte Etappe von Schweinfurt nach Er­furt abgewickelt. Don 36 in Büsselsheim ge­starteten Fahrern gingen in Schweinfurt noch 28 an den Start. Sm Endspurt konnte sich Frantz in 7:34,48 Stunden als Sieger pla­cieren. Dichtauf folgten ihm Dulla (Oester­reich) und die Deutschen Metze und Tier- bach. Sm Gesamtklassement führen die Deutschen Metze und Thierbach mit je 42:21,29'Stun­den vor Frantz. Sm Länderllassement hat Deutsch­land mit 127:10,20 Stunden den ersten Platz vor Frankreich und der Gemischten Mannschaft inne.

Die 6. . Etappe der Deutschland-Bundfahrt führte gestern von Erfurt über 231,2 Kilo­meter nach Dresden. Der Sieg wurde erst in einem harten Endkampf kurz vor Leipzig ent­schieden und sah den Franzosen Darthölemh

vor dem Delgier Degracve und B u I a (Schweiz) erfolgreich. Die Zeit des Siegers be­trug 7:48,36 Stunden. Sm Gesamtklasse­ment führt noch immer Metze (Deutschland) vor seinem Landsmann Thierbach. Sn der Län­derwertung liegt Deutschland an erster Stelle vor Frankreich, der Gemischten Mannschaft, Del- gien, Schweiz und Stalien.

Kurze Sportnotizen.

Bei den Oesterreichischen Tennis-Meisterschaften gewann Cilly Äußern (Köln) das Endspiel im Damen-Einzel gegen Frl. R o st (Köln) mit 6:4, 6:2.

Beim Tennisturnier in Wiesbaden siegte in den Endspielen bei den Herren v. Cramm (Hannover) über Galeppe (Monaco) in fünf Sätzen und bei den Damen Mine Mathieu (Paris) über Frl. Peitz (Köln) in drei Sätzen.

Die erste klassische deutsche Dreijährigen-Prüfung, das Henckel-Rennen in Hoppegarten, wurde von dem Außenseiter Sichel des Stalles G r a d i tz ge­wonnen. Der Toto zahlte 234:10

*

Beim Hans-Braun Gedächtnissportfest in Mün- chen wurde H i r s ch f e l d im Kugelstoßen mit 14,50 Meter nur Zweiter 'hinter dem Ungarn Darany, der mit 14,73 Meter in Frönt blieb.

*

Die Oesterreichische Tourist-Trophy sah den Wie­ner RSU.-Fahrer Runtsch mit einem Stunden- mittel von 93,320 Kilometer für die 320 Kilometer lange Strecke in Front. Die Engländer B u l l u s und Baker verletzten sich bei einem Sturz.

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Daten für Montag, 11. Mai

Sonnenaufgang 4.43 Uhr, Sonnenuntergang 20.01 Uhr. Mondaufgang 2.56 Uhr, Monduntergang 1.09 Uhr.

1916: der Komponist Max Reger in Leipzig ge­storben.

Taten für Dienstag, 12. Mai.

Sonnenaufgang 4.41 Uhr, Sonnenuntergang 20.02 Uhr. Mondaufgang 3.07 Uhr, Mondunter­gang 14.09 Uhr.

1884: der Komponist Friedrich Smetana in Prag gestorben.

Das «Schitßsal

spricht das letzte wort

Boman von S. Schnei de r-Foerstl.

41rheber-Bechtschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

16. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Es schlug vier 41hr, als Viktor Lippstadt er­wachte. Schnecke und Liebespaar hatten sich längst aus dem Staube gemocht, denn ein feiner, dünner Begen säuselte hernieder, und der ließ ihm die Tropfen von der Krempe des Hutes nach den Wangen rinnen.

Erschrocken hastete er auf, tupfte das Bah vom Gesicht und setzte die Füße in Bewegung. Wie ihm das passieren konnte! Schlafen, bei Hellem Tage auf einer Dank, die nichts an Härte zu wünschen übrig ließ. Die Glieder waren ihm förmlich zerschlagen. Wenn Evelin noch gekommen wäre, würde sie ihn doch geweckt haben. Demnach hatten sie sich verfehlt.

Das einzige was er tun konnte, war. jetzt zu Hila Setterholm zu gehen, vielleicht hatte Evelin dieser Bescheid gegeben.

Se näher er der Wohnung der Künstlerin tarn, desto weiter begannen seine Schritte auszuholen. Bur über die zweite Treppe hinauf mußte er verrasten. 41schi streckte auf fein Läuten den Kopf durch die Türe und wispelte: .Die Frau Professor hat ein bisserl Kopfschmerz nl Aber Sie bürf'n schon kommen! Sch meld Sie gleich."

41 nb dann stand er vor Ulla Setterholms Ruhe­bett. Die Künstlerin streckte ihm eine etwas fiebrige Hand entgegen.Wo fehlt's denn, Graf? Das Evexl ist nicht kommen? Mein Gott, da wird halt was dazwisch'n grat'n sein. Wer wird sich denn gleich so alterieren! Das ist ja lachhaft! Gehn's in mein Zimmer nüber und holn's Shnen einen Kognak. Dann wirb's wieder!"

Er blieb stehen und sah sie verzweifelt an. (Rauben Sie...

Sie ließ ihn nicht zu Ende sprechen,©ar nix glaub ich, nein! Sind's vernünftig, Viktor. Aber wann's Ihnen eine Beruhigung ist, dann tele­phonier ich halt." Sie hatte sich schon aufgesetzt und die Füße zu Boden gestellt.

Sch mache Shnen soviel Mühe, gnädige Frau!" 'Ach gehn's!" lachte sie versöhnlich.Mit einem verliebten Mensch'n rechtet doch keiner. Später gibt sich das schon toieber. Seht trinkens Ihren Schnaps, wie ich g'fagt hab, und sehen Sie sich dort in die Ecken und rauch'g eine Zigarr. Aber keine von die meinigen, die sind Ihnen zu stark. Dort in dem kleinen Kisterl sind leichtere. Feuer­zeug ist auch dort."

Er blickte ihr nach, wie sie in den Bebenraum

trat und die Türe für einen Spalt offen ließ. Er konnte alles hören, was sie sagte. Sein Ohr ver­lor kein Wort von allem, was er zu hören bekam: Bist du selber da, Everl? Ja? Ba also! Da hat jemand wieder einmal Angst um dich, weil du nicht kommen bist beut! Du hast keine Zeit g'babt. So! Einen Brief hast gschrieb'n? Du schickst ihn zu mir. Ist recht, ja! Vielleicht"

Und dann ein ärgerliches Auf stampfen Frau Setterholms.So eine Schweinerei!" sagte sie, unter die Türe tretend.Da hat wieder einer unterbroch'n, mitten im G'spräch. Ich werd mich doch einmal beschwer'n müss'n, so oft kommt das jetzt vor."

Sie sah zufrieden, wie Lippstädt einige Rauch- ringel zur Decke blies und daß er ein stilles Lächeln um den Mund bekommen hatte.Sind's jetzt beruhigt? G'hört haben's ja sicher so alles. Ich brauch nix wiederhol'n, gelt nein. Wann jetzt das Drieferl noch kommt, mit einem Gute­nachtkuß und ewigem Treueschwur, bann schlafen's aber heut nacht, das will ich mir erbetn hab'n."

Er war selig, griff nach ihren Händen, brückte die Lippen darauf und ließ dann die Stirn in ihren kühlen Handflächen ruhen. Sie blickte mit einem mütterlich gütigen Lächeln auf ihn herab. Das dumme Angsthab'n, das müssens Ihnen abg'wöhnen, Viktor. Das taugt nix. Jesses na, wann das ein ganzes Leb'n so fortgehn möcht, da wird ja einer verrückt dabei!"

Als er aufsah, lächelte auch er, wohl etwas verlegen, aber keineswegs beschämt. Sie verstand ihn. Es gab nichts auf der ganzen Welt, das diese Frau nicht zu verstehen vermocht hätte. Schuld und Fehl, Reue, Verzweiflung, Bot, Angst, nichts war ihr fremd. Wo lebte der Mann, der ihrer wert war?

Als aber nun die Klingel anschlug, war er derselbe, wie sie ihn vor einer Minute getadelt hatte. 3m Hinausstürmen hielt sie ihn auf.Zeit lassin! Der Brief tauft Ihnen nicht davon. Gib her, 41schi", sagte sie, als die Bedienerin ihn hereinreichte. Ihn auf der Hand wiegend, wartete sie, bis Lippstädt ihn an sich genommen hatte. So. den lesen's jetzt in aller Ruh und rauchen's dabei ihre Zigarr fertig. 41 nd wann's mich wieder brauch'n können, bann rufen's nur. Ich hab auch noch ein paar Zeil'n zu schreib'n."

Daß sie die Türe leise hinter sich zuzog, sah er nicht mehr. Seine Augen jagten bereits über die Zeilen hin.

4111a ging erst nach ihrem Wohnzimmer und hakte die Fenster ein, was 41schi wieder einmal vergessen hatte. Dann erwiderte sie eine Ein­ladung, die sie nicht anzunehmen gedachte. Einem Engländer, der modelliert sein wollte, schrieb sie Zeit und Stunde, wann er zu einer Sitzung kommen könne. Der dritte Brief war bereits kuvertiert, und noch immer hatte Lippstädt nicht gerufen.

Ba, aber das wußte man ja. Liebesleute lasen ihre Briefe mehr als ein duhendmal. 41nd immer wieder fanden sie etwas Beues darin. Warum sollte er es anders machen?

Bach einer halben Stunde aber wurde sie wirk­lich ärgerlich. Bun hatte er wahrhaftig Zeit genug gehabt, sich wieder in den Alltag zurück- zusinden. 41nd gar soviel würde die Eve wohl nicht geschrieben haben.

Sie ging nach der Tür, schob die Portiere etwas zur Seite und stund förmlich angewurzelt. Viktor sah auf dem Diwan, die Arme über den Tisch geworfen und das Gesicht hineinvergraben. Er regte kein Glied. Erst bei näherem Hinsehen, merkte sie, daß seine Schultern auf und nieder­zuckten.

Mit ein paar Schritten war sie bei ihm. Er fühlte ihre Hände auf seiner Schulter und unter­drückte jeden Laut.Was ist denn?" fragte sie gütig.Darf ich net wiss'n, was es ist?" drängte sie, weil ihr sein Schweigen unheimlich war.

Da er die Arme ausgestreckt hielt, gewahrte sie zwischen seinen Fingern ein Stück Papier. Lang­sam zog sie es heraus. Sie spürte, wie er zusam- menzuckte, und wartete, ob ein Verwehren kam. 41 nd als dies unterblieb, hetzten ihre Augen über die wenigen Zeilen hin.

»Graf!

Ich gebe Ihnen hiermit Ihr Wort zurück. Das Warum werden Sie selbst am besten wissen. Trotz der Ehrlosigkeit Ihres Handelns wünsche ich Ihnen alles Glück für die Zukunft.

Evelin Bloem."

41lla stand wortlos. Sie las noch einmal und war so klug wie nach dem ersten Lesen.Das ver­stehe ein anderer", dachte sie kopsschüttelnd.Aber bitt schön", sagte sie nach einer Weile,was haben s denn ang'fangen, Viktor? Da müssen s mir schon draufhelf'n. Von selber bring ich das nicht heraus."

Er regte sich nicht. Den Kopf in die Arme ge­wühlt, saß er und gab keinen Laut von sich.

Sie hörte nicht auf, in ihn zu bohren.Es ist ein Irrtum, nicht, Graf?"

Langsam hob er das Gesicht zu ihr auf, wandte es aber sofort ab, als er ihren Blick gewahrte, der Schreck und Mitleid verriet.Ich habe meinen Abschied bekommen!"

Jessas na! Sa, aber warum denn? Sagens mir bloß warum?"

»Ich bin freiwillig gegangen, Frau Professor. Sch konnte doch nicht mehr bleiben, da ich mit Miß Hetterfield nach Java will."

41nd Sie fjabn ihr nix gesagt davon?"

Er schüttelte ben Kopf.

»Mein Gott, hätten's ihr's doch erzählt. Aber daß siö Ihnen deswegen den Laufpaß gibt, das kann ich gar nicht glaub'n. Sie wird kwch nicht auf das bisserl 41niform versess'n fein. So ist das Everl ja gar nicht. 41nd wenn? Bitt schön,

ist das ehrlos? Wann mir's wo nimmer paßt, dann geh ich einfach. Desweg'n bin ich noch kein Lump!"

Sn ihren Augen bin ich aber einer." Er erhob sich fo brüsk, daß sie erschrocken einen Schritt zurücktrat.Ich fahre jetzt in die Villa Bloem. Sie soll mir Rede und Antwort stehen. 41nd wenn sie sich in die Arme ihrer Mutter verkriechen würde, ich hole sie heraus!"

Das war Emst. Seht galt es, ihn vor 41n- überlegtfjeiten zu bewahren.Machen's keinen 41nfinn, Viktor!' 41 Has beide Hände legten sich um feinen Oberarm.Wer wird denp eine Sach gleich fo verpatz'n! Das ist ja ganz verkehrt! Eins muß doch die Ruh bewahr'n. Wer weiß, was man dem armen Hascheri alles vorg'fchwäht

Dann rechne ich mit denen ab, die Schuld daran tragen.

41(la wurde böse:Ich hab gedacht, daß Sie die Eve lieber hätt'n!"

»Voch lieber, Frau Professor?"

Der Ton feiner Worte schnitt ihr ins Herz, aber sie durfte keine Weichheit zeigen. Bun half nur das kühle, überlegende Wort. So sagte sie, indem sie ihn mit kräftigem Druck auf das Sofa zurück­placierte:Jetzt denken Sie wieder alles mögliche, nur nix G'scheites. Was glaubn Sie beim eigent­lich? Meinen wohl, das Everl sitzt jetzt daheim und lacht und schlagt einen Purzlbaum, weil's Ahnen los hat? 3a, freilich! Die hegt auf ihrem 'Bett und heult sich die Aug'n raus und weiß nicht, wohin mit ihrer Bot und hat feine Seeü bei der sie sich ausweinen kann. Die ist ja viel schlechter dran wie Sie. Sie hab'n doch mich nicht wahr?"

Sie sah, wie der Zorn aus seinem Gesichte schwand und einem verzweifelten Lächeln Platz machte.Helfen Sie uns wieder, Frau Professor?"

Freilich, was denn sonst? Es wird schon nix anders übrig bleiben, als daß ich den fünfzehnten Bothelfer mach. Aber vernünftig fein, gelt! Sonst rübr ich keinen Finger mehr für euch zwei. Die bleiben jetzt schön sitzen bei mir. 3n meinem Arbeitszimmer find'n Sie einen Haufen Bücher. Cs wird schon was dabei sein, das Sie inter­essiert. 41m ein halb sieben kommt das Fräulein Hetterfield. Tas unterhaltens mir schön brav. Ach fahr jetzt in die Billa Bloem und schau, was los ist Vielleicht bring ich das Everl mit. Seben- falls verschaff ich Shnen Gewißheit."

Ditte!" Er haschte nach ihrer Hanb unb drückte die Lippen auf jeden einzelnen Finger. Als er sie wieder freigab, ließ sie die Hand mit einem leichten Klaps auf seine Wange fallen.

»So ein verliebter Mann!'"

»Ich bin zu allem fähig, Frau Professor!"

Das seh ich ja!" Sn dem Lächeln, bai sie ihn, zeigte, zitterte eine heimliche Angst.

(Fortsetzung folgt.)