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Sag.
Nr. 84 Zweites Blatt
Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderyepe^
umstag, II. April 195 (
Auguste Viktoria.
Bon (Slara Mende.
Dor zehn Jahren, am 11. April 1921, verschied die letzte deutsche Kaiserin, fern der Heimat, allein mit dem verbannten Gatten, in Sorge um Kinder und Enkel. Wahrlich ein Frauenlos von seltener Schwer« und Tragik, und eS läßt sich auS diesem Leben manches in das Leben der Frauen beS neuen Deutschland mit hinübernehmen. Trotz ihrer hohen Stellung hat Auguste Viktoria Leid und Sorge kennengelernt, daS ist es was sie uns menschlich so nahe bringt.
AlS Tochter deS nicht regierenden Augustenburger Herzogs spürte sie schon in chrer ersten Jugend die Kämpfe der Politik, des Ehrgeizes und deS Machtgefühls in der eigenen Familie. Die schleSweg-holsteiner Heimat wurde verlassen, die Familie verbrachte die nächsten Bahre in Dresden und in Gotha.
Wahrlich: nicht fürstlich war daS „Augusten- burg-Palais" in Gotha, an der Promenade gelegen. Der Garten war wie alle anderen Gärten in der Straße, lleinbürgerlich, ebenso einfach daS Leben. Die paar kümmerlichen Hofbälle in Gotha, die Herzog Ernst II. mehr als Tradition als auS Freude daran für alle „Dürgersfamilien" in Gotha gab, haben di« jungen Herzen der Prinzessinnen auch kaum höher schlagen lassen.
Aach der Vermählung mit dem zukünftigen deutschen Kaiser kam die Verpflanzung nach Berlin. ES waren hier nicht die angenehmsten Kreise, die sich an die junge Prinzessin Wilhelm herandrängten und ihr« natürliche Frömmigkeit in ihre bigotten Bande zu schlagen versuchten. — Sie wurde Mutter einer großen Kinderschar, Mutter wie jede andere. Und doch nicht wie jede andere: Ettkett«, höfische Verpflichtungen, Repräsentation hielten sie oft genug fern von den Kindern, und der Konflikt ist ihr oft schwer genug gewesen, um so schwerer, als Auguste Viktoria ein einfaches, ruhiges Leben dem aufregenden Trubel vorzvg. Ob sie es als Frau des impulsiven Mannes mit der unruhigen Seele und dem starken Herrscherbewuhtsein immer leicht gehabt hat. darf füglich bezweifelt werden.
3m Krieg«! Die Kaiserin litt als Frau des
Gießener Gtavtiheater.
Eduard Pailleron:
„Die Welt, in der man sich langweilt".
Was man hier erlebt, ist. auf den ersten Blick und von außen gesehen, ein verblüffender und zum Lachen reizender Äoftüm-ilH: Modenschau und Raritätenkabinett aus dem Jahre 1880. Die Ansammlung von Schoßröcken, Röllchen, Schleifen und Manttllen, von verschollenen Bärten und Haartouren von anno Toback ist sehenswert und erheiternd.
Don den zahlreichen Stücken des Pariser Rv- bariatskanzlisten Eduard Pailleron (1834 bis 1899) ist. als das bekannteste und erfolgreichste, nur noch „Le monde, oü l’on s’ennute“ übrig geblieben, dreiaktiges Lustspiel, technisch im Fahrwasser des berühmteren Sardou. motivisch eine Kopie der gescllschaftskritischen Komödien Mo- lidres ... obschon das Theaterspiel Sar- dous minder harmlos und das Drama Moliöres menschlich und künstlerisch ungleich stärker fundiert war.
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Immerhin wollte Pailleron mit diesem Stück doch mehr als reine Unterhaltung —: einen sattrischen Hieb nämlich auf das Salonliteratentum und die polittsch-gesellschaftliche Cliquen- und Klüngelwirtschaft seiner Zeit ... wie der große Poquelin zuvor etwa in den „Zierpuppen" und im „Misanthrop".
Der Unterschied wird deutlich durch die Gegen- überstellung: beim „Misanthrop" lohnte sich die Umkostümierung auf den sachlichen Stil von 1930 — bei Pailleron nicht', sein Stück bleibt (für uns) historische Unterhaltungsware im großväterlichen Gewände.
Die vermeintliche Aktualität ist gering: literarischen Snobismus. Stellenjägerei, Intrigenwirtschaft und polittsche Kuhhändel gibt es bei uns auch. Aber unsere Zeit hat ihren eigenen brutalen und handgreiflichen StiL an den die läppische Starifaturiftil vor fünfzig Jahren nicht mehr heranreicht. Die Satt re darauf kann nur aus der Gegenwart geboren werden.
Die geistige und gesellschaftliche Situation ist übrigens auch noch von anderer Seite her zu kennzeichnen: wenn sich etwa die Entrüstung einer gereiften Dame über die liberale Entartung und die freien Sitten der Heranwachsenden Generatton Luft macht in der empörten Fest
deutschen Dolles: alS Mutter chrer Kinder, als Gattin des bald hefttg bekämpften ManneS. Welche Frauenseele vermöchte das nicht nachzuempfinden?
Lind dann der Zusammenbruch! Pracht und Glanz zerstoben. Stellung unb Ansehen geschwunden. niedrigste Instinkte kamen hoch und machten auch nicht Halt vor der Frau, die immer hilfsbereit gewesen war. di« litt und duldeie. Lind dies am meisten in dem Bewußtsein, sich nun nicht mehr um Kranke und Schwache ihres Volles
sorgen zu dürfen: denn in dieser Beziehung war sie wahre Landesmutter.
Daran sollen wir deutschen Frauen, ohne LInterschied der Weltanschauung und der sozialen Stellung, am 11. April 1931 denken mit dem einen Wunsche, in ihrem Sinne alS deutsche Frauen und Mütter weiter zu leben. Der Familie in erster Linie, dem deutschen Doll unb Daterlanb wollen wir unsere Kräfte, unsere । Liebe geben, wie sie eS getan hat, bis bic müden | Augen sich zur ewigen Ruhe schlossen.
Das russische Ruhrgebiet.
Ein neuer Riesenwirtschastsplan der Sowjets. — Zusammenarbeit von Llral Erz und sibirischer Kohle.
Bon unserem bi.-Berichterstatter.
Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten l Moskau, April 1931.
Mehrere große Schaufenster des „staatlichen Warenhauses" in Moskau, des ehemaligen Kaufhauses Muir und Murelise, sind fürdie staatlich-kommunistische Propaganda reserviert. Man mag hier aus der Rot eine Tugend gemacht haben. Denn der Waren gibt es nicht eine so überreiche Fülle, daß diese paar Fenster nicht entbehrlich wären. Außerdem ist aber die Schaulust der Moskauer Bevölkerung noch immer weit größer als ihre Kaufkraft. Der Anschauungsunterricht, der in diesen Fenstern getrieben wird, ist — wie überall, wo es sich um bolschewistische Propaganda handelt — gut. Da gibt ein Plakat bildmäßig die Entwicklung der Roheisenproduktion im Lira! wieder. Links eine Fabrik in mikroskopischem Format, rechts ein Riesenhüttenwerk. Lind darunter steht: .1928 — 603 000 Tonnen, 1932 - 2 545 000 Tonnen". — Fragt man seinen sachkundigen kommunistischen Begleiter, ob die oberfte wirtschaftliche Behörde sich denn in der Tat eine solche Steigerung der Eisenerzeugung und eine solch ungeheure Ausbreitung der Hüttenindustrie erhofft, so erhält man die Gegenfrage zur Antwort: „Sie kennen doch Ihr Ruhrgebiet? Run, die Produktion des Llrkuzkom wird in wenigen Jahren die deS westdeutschen Montan- und Hüttenindustriebezirks weit übertreffen.“ Dabei wird man noch an die Beschlüsse ber jüngsten Tagung in Moskau erinnert, die die ursprünglichen Doranschläge beträchtlich nach oben revidiert haben. Zwar sei allcrbingd die bisherige Erzeugung hinter den Scll-Ziffem zurückgeblieben, aber die neuen, die offenbar noch nicht bis zu dem Plakatzeichner durchgedrungen seien, lägen weit höher.
Llrkuzkom? Die neurussische AbkürzungS- methode hat hier ein besonderes Wortmonstrum geschaffen. Cs bedeutet: Lira!-Kusnezk-Kombinat. Es bedeutet — zum erstenmal in ber bolschewistischen Wirtschaftspolitik — in seiner praktischen Zielsetzung eine Rayonierung des Wirtschaftsgebietes und in seiner wirtschaftlichen Auswirkung so etwas, wie einen Ansatz zu dem vertikalen Aufbau der Sowjetindustrie, im Gegensatz zu der bisherigen wahllosen Errichtung von einzelnen Riesenwerken, die in der Hauptsache wegen ihrer rein opttschen Wirkxmg auf die Masse so außerordentlich beliebt waren. In dem dritten Teil des Wortes „Kombinat", der folgerichtig auf Kombination zurückzuführen ist, liegt seine Bedeutung, kombiniertes Industriegebiet Ural-Kuznezk. d. h. Verbindung von Llral-Erz mit sibirischer Kohle.
Der Plan, die im Ural und in Westsibirien schlummernden, ungeheuer reichen Bodenschätze weitgehend auszubeuten, ist erst .verhältnismäßig spät entstanden. Seine Llmsehung in die Tat wurde aber sofort mit Feuereifer betrieben. Den ersten Anstoß gaben wohl die schlimmen Er
stellung: „Ein junges Mädchen allein in der Eiienbahn!" Schrecklich.
Run, man braucht deshalb nicht zu verzagen: Pailleron wäre kein echtes Kind seiner Zeit, wenn et nicht neben der Gesellschaftskritik und der po- littsch-literarifchen Satire noch eine herzhafte Intrigen Handlung mit viel Liebe und Eifersucht in Bereitschaft hätte, eine Affäre, die etwa um die Mitte des Stückes Oberwasser bekommt und mit allen bewährten Mitteln der Mißverständnisse. des vertauschten Briefes, der angeblichen Kopfschmerzen, der verwechselten Paare und deS Beiseitesprechens ischallend ins Parkett geflüstert) vom Stapel gelassen wird.
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Lind wenn im letzten Akt drei verschiedene Pärchen aus der tödlichen Dorlesung eines fünf- aktigen Trauerspiels verstohlenerweise entweichen, um sich im nächtlichen Park bei spärlicher Beleuchtung und unter mancherlei erschwerenden und ergötzlichen Zwischenfällen ein Rendezvous zu geben, und dabei belauscht toerben, — dann macht das auch dem modernen Zuschauer, der natürlich mitlauschen darf vom nahe gelegnen Parkett aus, einen diebischen Spaß, zumal sich die nächtliche Verwirrung zuletzt in zwei liebliche Verlobungen zu allgemeiner Zufriedenheit auslöst.
Die von Peter F a s f o 11 inszenierte Ausführung verzichtete billigerweife auf unangebrachte Aktualisierungen, spielte im Stil der Zeit, in die das Stück nicht mir koftümlich gehört, mit viel Sinn für den Humor der Maskerade und weniger auf scharf satirische Töne als auf eine gutmütige und stellenweise wirklich drollige Parodistik bc- dacht
Eine sehr reizende und amüsante Leistung war die von Frau Prosch-Grevenberg mit erfrischender Ratürlichkeit und Lleberlegenheit gegebene Herzogin von R«Wille, die als Dertreterin des gesunden Menschenverstandes und gesunden Gefühls, auch als ein freundlicher und gute* Geist der Liebenden segenstiftend durch die Versammlung geschraubter und verdrehter Standes- persvnen hindurchwandelte.
Als Dellac (zu dem ein seinerzeit sehr bekannter und von den Frauen verwöhnter Akademiker Modell gestanden haben soll) hörte man in witziger Pose Herrn Hauer, mit einem Fuhsack-Bart ä la Sudermann, blühenden Blödsinn über die Liebe in den erschauernden Salon deklamieren.
Wahrungen, die die Sowjets in jeder Hinsicht mit dein Donez-Gebiet gemacht haben. Einmal liegt dieser wichttge Berqdaubecken bekanntlich in der Likraine. Die Sowjets, die überhaupt das Pech haben, daß sämtliche wichtigen Bodenschätze in den Gebieten der sogenannten nationalen Republiken liegen, haben deren Bewirtschaftung zwar im Fünsjahresplan den Bundesstaaten entzogen und ihnen wurde nur noch die kulturelle Autonomie gelassen, die durch den Parteiapparat in getoiffen, sehr eng gezogenen Grenzen gehalten wird. Das Rationalbewuhtsein der Ukrainer sollte dadurch einen Ausgleich für die verlorenen wirtschaftlichen Werte erhalten — ganz hat die Llkraine diesen Verlust aber nie verschmerzt. Lind hierdurch entstehen Gefahren für die Moskauer Zentralregierung, die sie dadurch teilweise zu verringern glaubt, daß sie die Schaffung eines neuen Zentrums der Kohlenförderung und Eisenerzeugung im Ural und Sibirien beschloß. Der Ukraine soll dadurch gesagt werden, daß ihre dominierende Bedeutung auf dem Gebiet der Schwerindustrie — das Donezgebiet liefert noch heute drei Viertel des gesamten Kohlen- und Eisenbedarfs der Union — sehr bald gebrochen sein wird. — Sodann will aber auch die Mechanisierung der Arbeit im Donezgebiet noch immer nicht gelingen. Auch der Bau neuer Hüttenanlagen und Kohbm- schächte bleibt trotz aller Investierungen weit hinter dem gewünschten Tempo zurück, in den verflossenen ersten zwei Jahren deS Plans betrug die Gesamtkohlenförderung nur 84,2 Millionen Tonnen gegenüber einem Soll von 92,7 und die Eisenerzeugung 9,0 gegenüber 9,4. 3m «Sommerquartal sind die Aufgaben nur zu 69 v. H., im Januar zu 75, im Februar sogar nur au 58,5 v. H. erfüllt worden. Diese Zahlen machen die ungeheuren Brennstoff- und Derkehrsschwie- rigfeiten verständlich. — Schließlich aber ist das Donezgebiet auch besonders schlecht ernährt. Die Produktivität der Arbeit ist im letzten Jahr um 14,5 v. H. gesunken, und wie groß die Arbeiterwanderung noch ist. zeigt die Mitteilung der Verwaltung, daß im Februar zwar über 3500 neue (hauptsächlich landwirtschaftliche und jungkommunistische. also ungelernte) Arbeiter ins Donezrevier beordert wurden, daß im gleichen Zeitraum aber über 5000 abgewandert sind.
So ist Urkuzkom Moskaus Lieblingskind geworden. Man Witt die im Ural vorhandenen Ansätze zur Erzgewinnung benutzen, um durch Errichtung von Riesenwerken alle bisherigen Rekorde zu schlagen. Don hier aber, von Swerdlowsk, dem Verwaltungszentrum, unb von Magnitogorsk, dem Industriemittelpunkt, toanbert der Blick über die Bergkette des Ural hinüber nach dem 2000 Kilometer entfernt liegenden Kuznezk südlich von Tomsk in West- sibirien. Dort sind Kohlenvorkommen gefunden worden, die — wenn die Schätzungen stimmen — Rußland zum reichsten Kohlenland der Welt machen. 2000 Kilometer... Für die während D o 1 ck als Saint-Röault, aufgeblasen und mit bombastischen Gebärden über indische Philosophie predigend, Wolken von Anmaßung und Langweile über die eingeschläferte Versammlung breitete.
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Maria Koch: die glatte, kalte (Intrigantin ®6ran; sehr frisch und Luftig das Ehepaar Raymond: Doering und Schelcher: Elisabeth Wiel an der: daS junge Mädchen „allein auf der Eisenbahn": Wesener: ein steifer Forschungsreisender: die Damen 3ahn, Schube r t - 3 ü n g l i n g , Walther-Lederer : ein seufzendes Terzett überspannter Blaustrümpfe, wie sie heute übrigens gottseidank auch nahezu auSgestorben sind. —
Dem Publikum machte die Sach« Spaß. Diel Beifall und Blumen. hth.
Kleine Scherze.
feurio!
3erome K. 3 erome. der englische Dichter, telephonierte einmal einem Agenten der Feuerversicherung:
„3ch möchte mein Haus versichern! Kann ich das telephonisch machend
.3awohl, ich schicke Ihnen meinen Untervertreter hin", erwiderte der Agent.
„Ja, aber rasch, das Haus brennt schon!“ rief Jerome naiv i
Nächtlicher Zwischenfall.
Mitten in der Rächt brach Feuer in ber Menagerie aus. Die Käfige wurden geöffnet, und in wilden Sähen flüchteten di« Tiere dem nahen Park ?u 3m Gebüsch war eine kleine Lichtung. dort ammelten sie sich Der Mond kam hervor, sein erster Strahl fiel auf ein Beuteltier, das an einem Raum lehnte und die Pfoten rang „Was ist denn passiert?" fragte man das Beuteltier.
»Ach. es ist zum Derzweifeln. - ich habe in dem Durcheinander aus Versehen einen j u n - genßötoeneingeftedt!“
Seemannsgarn.
Kapitän Hannenüt ist von langer Reise in den heimatlichen Hafen zurückgekehrt Er erzählt unter anderem folgendes:
»Als wir den Hafen von 3amaifa kaum verlassen hatten, entdeckten wir plötzlich einen riesigen Hai. der unser Schiff verfolgte. Er verfolgte uns tagelang Wir warfen einen Sessel ins Wasser, der Hai verschluckte ihn Einige Tage später fiel eine Frau über Bord, der Hai verschlang fie. Wieder
sibirischen Dimensionen gewiß nichts Uebertoät* ttgcndeS! Aber (von den erst noch mit den Ent- stehungsschwierigkeiten ringenden Schacht- und Hüttenanlagen abgeleben> allein schon ein Problem, das in die Erfüllung ber Moskauer Wunschträume von ber Versorgung nicht nur Sibiriens und über die Turkiib Mittelasiens, sondern auch eined großen Teils des europäischen Rußlands mit Brennstoffen und Eisenerzeugnissen vorläufig noch In große Zweifel sehen läßt.
Man bat bas Wort vom „russischerrRuhrgebiet^ noch in den Obren, da ber Zug sich Swerdlows? nähert Man denkt an Bochum und Gelsenkirchen unb hält nach Fördertürmen und Hochöfen, nach Kokereien und Eisengießereien Ausschau. R t ch t S von alledem ist aber vorläufig zu feben. Langsam rattert der Zug durch die Stepp« und erst im Uralgebiet selbst zeigen sich bewaldet» Hügel. Dann gebt# in allmählichen Steigungen auswärts, bis man zum erstenmal hält. Ein Blick durch die Fenster — wir sind mitten im Walde. Erstaunt fragt man nach ber Ursache ber Störung unb kriegt von erfahreneren Mitreisenden zu hören, daß das das Vorzeichen von Swerdlows? fcl Der Knotenpunkt sei verstopft — Der - kehrSschwierigkeiten — man hört etwas von mangelnder Disziplin. Und in der Tat hielt ber Zug noch viermal, bevor er sich — wieder auf freier Strecke — endgültig verpustet batte. Rechts und links fieht man ein Knäuel von Gleisanlagen — hier in Swerdlowsk, dem ehemaligen 3cfaterinburg, kreuzen sich fünf Strecken, wo zur ZarenAeit nur eine war — aber «S gibt keinen Bahnhof. Der alte entsprach nicht mehr den gewachsenen Ansprüchen und wurde abgerissen — ber neue ist aber noch nicht ganz fertig. Man muß mühsam bie Stufen bis zur ebenen Erbe herunter» klettern unb befinbet sich mitten auf dem großen Rangierbahnhof.
Swerdlowsk könnt« Detroit heißen. ES ist eine amerikanisch« Stadt, eine aus dem Boden gestampft« Großstadt. Aeußerlich fällt das Fehlen der Kirchen im Stadtbild auf. Die wenigen, die im alten Jekaterinburg standen, sind abgerissen, umgebaut und in Arbeiterkinds verwandelt, ober so von den benachbarten Derwal» tungs- unb Fabrikpalästen zurückgedrängt worden, daß man sie nicht mehr sieht. Dagegen dominieren di« Fabrikschlote, die riesigen, oft sieben- bis achtstöckigen Zweckbauten ber Werke unb Bureaus. Die staatlichen Trusts feiern Orgien in Glas unb Beton. Gerabe Linien, peinlichste Raumausnuhung. viel Licht unb Luft. Ganze Straßenzüge werben neu geschaffen, hier unb ba wechseln moderne Großbauten mitBretter» zäunen, ja mit schiefen Wohnhütten ber Deklassierten ab. Die Wohnungsfrage ist auch hier ein trauriges Kapitel. Es gibt »war mehrere einfache, aber wohnlich errichtete Arbeiterhäuser. und den ständig neu Auziehenden Arbeitern sucht man damit zu helfen, oay man ihnen unentgeltlich Holz zum Wohnungsbau zur Verfügung stellt. Es ist auch schon ein ganzer Gürtel von Arbeiter-Wohnlauben um das Zentrum der Stadt entstanden. Für den enormen, im Plan vorgesehenen Arbeiterbedarf ist das aber völlig unjureidjenb.
Trotzdem wird hier Gewalttges geleistet, wenn auch bas meiste noch zu tun übrig bleibt unb man vergeblich nach einem Gelsenkirchen, Bochum ober Dortmunb sucht. Die kommunistis'chen Arbeiter finb zäh — nicht umsonst wird dies der röteste Fleck der roten Erde genannt — und eS gibt in jedem Klub, dem ber Maschinisten, der Schlosser, ber Dreher, zuverlässige kommunistische Zellen. Einen Feinb haben sie alte — b e n Kapitalisten, „ber uns bas Blut aussaugt" unb ber für alles, buchstäblich für alle« verantwortlich gemacht wirb. Selbst die Verkehrs- unb Crnährungsschwierigkeiten gehen auf sein Konto. Lind nur die Einsichtigsten geben zu: „Es wirb alles gehen. — wenn mit der Ernte alle« klappt". Das ist ber wunde Punkt. Auch hier.
Rach dem im Februar revidierten Plan des obersten Volkswirtschaftsrats soll ber Ausbau
Nach einigen Tagen fiel eine Kiste Orangen inS Wasser auch die verschluckte der Hai Kurz bevor wir die Küste von Eurrpa erreichten fingen wir den Hai. Als wir ihn aufschlihten, sah die Frau auf dem Sessel und verkaufte uns bie Orangen, drei Stück für zwanzig Pfennig!" (Lust. DL)
Oochschulnacknchten.
Der Pfarrer D. Emil Fuchs in Eisenach ist als Professor für Religionswissenschaft an bie Pädagogische Akademie in Kiel berufen worben. Er wird sein Kieler Lehramt im Mai d. 3. übernehmen. Fuchs, durch zahlreiche Werke über religiöse, ethische unb weltanschauliche Fragen bekannt geworben, oblag in Gießen bem Studium ber Theologie, besonders unter Stabe unb Kattenbusch, unb liestanb bie belben theologischen Prüfungen. 1900 erwarb er in Gießen den Lt- zenttatengrab. Zunächst als Vikar ber deutschen Gemeinde in Manchester tätig, war er später Repetent an ber theologischen Fakultät der ilni- berfität Gießen, 1905 bis 1918 Pfarrer in Rüsselsheim a. M. und kam dann nach Eisenach. Die Gießener Theologische Fakultät ernannte ihn zum Ehrendoktor, b. Fuchs ift Mitbegründer ber Zeitschrift für Religion unb Sozialismus.
Prof. Dr. Heinrich Freiherr Rausch von Traubenberg an ber deutschen Universität in Prag hat den Rus auf den Lehrstuhl der Physik an der Universität Kiel als Rachfolger von Prof. H. Geiger angenommen.
Der ordentliche Professor und Direktor des 3n- stituts für landwirtschaftliche Betriebslehre und Arbeitswirlschast an der Berliner Landwirtschaftlichen Hochschule, Geh. Regierungsrat. Landesökonomierat Dr. Friedrich Aer e b oe. ist von seinen amtlichen Verpflichtungen entbunden worden Geheimrat Aereboe hielt von 1903 ab Vorlesungen an der neugegrünbeten Akabemie in Dosen. 1904 folgte er einem Rufe nach Breslau, 1906 wurde er ordentlicher Professor für landwirtschaftliche Betriebslehre an der Landwirtschaftlichen Hochschule zu Bonn-Poppelsdorf und Ordinarius der Landwirtschaft an ber Bonner Universität. Seit 1907 war Professor Aereboe mit ber Abhaltung von Vorlesungen an der Berliner _ Landwirtschaftlichen Hochschule betraut 1910 übernahm er ein Ordinariat an ber Berliner Landwirtschaftlichen Hochschule, kam später an die Universität Breslau, war 1919 bis 1922 Direktor der Landwirtschaftlichen Hochschule in Hohenheim und kehrte.1922 als Ordinarius für landwirtschaftliche Betriebslehre an die Landwirtschaftliche Hochschule in Berlin zurück.


