Ausgabe 
11.3.1931
 
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D)rMlm der das Lachen verlernt hat.

Vornan von GeN ^othderg.

Copyright by Martin Feuchtwanger Halle (6aak)

28 Sortierung Nachdruck oerboten

So schieden die Herren also höchst zufrieden von ihrem viel jüngeren Freund, bei dem sie die Niesenunternchmungen in den besten Händen toufetcr.. Mister Linkerton war unfein genug, spöttelnd zu fragen: ~ ,

Ola, so kleinlaut, Mister Loking? Haben eie durchaus den Schwiegersohn mitbringen sollen für MrS. Loking? Haha! Kent und heiraten I"

Lustig stimmten die Herren mit in das Ge­lächter ein, während der Exprehzug weitersauste, immer weiter!

Nach drei Tagen hielt man wieder auf einer größeren Station, und hier wurde der Salon­wagen abgehängt, da Kens auf dem Landsitz bei Salberry Wohnung nahm, weil von hier aus etwas gesponnen werden sollte, das die Welt in Atem hielt für die nächsten Monate.

Koch und Kammerdiener blieben im Salon­wagen, während Kent für seinen Sekretär und dessen Gehilfen Aufenthalt mit erbeten hatte, da er nun einmal nicht gern ohne seinen alten Korsel war. Das war auch ohne weiteres be­willigt worden.

Salberry ging Kent gern. Das war ein weißhaariger Herr mit einem rötlichen, lebens­lustigen Gesicht, der immer fidel war, sich im politischen Leben gut auskannte, von dem Kram aber nicht mehr viel wissen mochte, der mit seiner Frau eine glückliche Ehe führte, von der nur ganz Eingeweihte wußten, daß im Hause des ehemaligen gefürchteten Senators dur der Wille der Frau galt, die das aber auch sorgsam ver­schleierte. vor der Außenwelt und in Gegenwart Äemder ihren John einen ganzen Mann sein liefe.

Dieses Ehepaar besah nur einen einzigen Sohn, der das hübsche, vornehme Gesicht seiner Mutter und die gerade, aufrechte Figur und Nachgiebig­keit seines Vaters geerbt hatte.

Ganz in der Nähe lag Noing-Kastel, und es war gut möglich, von hier aus die schöne Ellinor Shetland zu besuchen und gleichzeitig das Bill Shetland gegebene Versprechen einzulösen.

Mit Salberry kam er schnell vorwärts. Der war schon immer seiner Meinung gewesen. Es war gut, wenn dxr eiserne Wille Kents die An­gelegenheit beherrschte, darüber war sich Der alte Herr längst klar. Sein Sohn war viel zu schwach und ließ sich leicht zu einer Sache über­reden, die ihm hinterher wohl selbst leid tat, meistens aber nicht mehr zu ändern war. Hier stand viel auf dem Spiel, so dafe es am besten war, Kent griff in die Näder der Weltpolitik mit seinem Willen und durch seinen ungeheuren Neichtum.

* *

Annemarie, alias Tommy Fihmaurice, wufete immer deutlicher, dafe nichts auf dieser Welt wieder so hoffnungslos war wie eine große, reine Frauen liebe zu Ehar les Kent.

Zu diefem Manne, der nur Arbeit und seinen eisernen Willen kannte. Der zudem niemals ver­zeihen würde, dafe Annemarie von Wendsbrück sich unter falschen Angaben in sein Haus ge­schlichen hatte.

Annemarie zitterte dauernd vor einer Ent­deckung. Lind so kam es, dafe sie elend und blafe aussah.

Kent nahm aber keine Notiz von dem jungen Gehilfen seines treuen Korsel. Er schien den Kopf mit anderen Dingen voll zu haben.

Am dritten Tage seines Aufenthaltes wollte er nach Noing-Kastel hinüber. Es mochte gut zwei Stunden Fahrt sein, und er nahm eines der hier üblichen Gefährte. Der Kutscher, den Salberry ihm gab. war ein jüngerer, gewandter Mensch mit kohlschwarzen, feurigen Augen. Er hatte tags zuvor einige Zeilen Kents hinüber- gcbracht nach Noing-Kastel, und die Antwort Ellinors, daß sie sich außerordentlich über diesen bevorstehenden Besuch freue, war umgehend cin- getroffen. Sie schrieb noch kurz, dafe er doch den Sekretär mitbringen sollte, da es vieles nieder- zuschreiben gäbe; es sei allerlei Neues anzu­schaffen, und ein Prvzefe mit einem Fremdem, der sich an der Grenze Noing-Kastels angesiedelt habe, sei unvermeidlich. Der Mann sei im An­recht. Er würde schon selbst sehen.

Kent runzelte die Stirn beim Lesen dieser Zeilen.

Ein abgekartetes Spiel? Wollte Ellinor Shet­land ihn möglichst lange in Noing-Kastel fest­halten?

Korsel und Annemarie fuhren bann mit. Kurz vor dem sich weit ausdehnenden Landsitz wurde der Weg so schlecht, dafe Kent es vorzog, das Stück bis Noing-Kastel zu Fufe zu gehen. And er winkte auch Korsel. der seinerseits Annemarie ein Zeichen gab. And so schritten die beiden bann ein Stück hinter Kent her. der jetzt doch inter­essiert hinsah. wie die vielen Arbeiter rechts und links des Weges ihrer Arbeit nachgingen.

Mitten unter ihnen waren die Aufseher, ohne die mochte es gewiß nicht gehen; aber Kent fand doch, daß manche sehr rohe Gesichter hatten, was ab und zu auf llebergriffe schließen liefe, und daher mochten auch die gelegentlichen Un­ruhen stammen.

Sonst schienen die Schwarzen hier friedlich und gutmütig, ja sogar fleifeig zu sein. Nun, war er einmal hier, wollte er mit Mife Shetland und ihrem Verwalter ein ernstes Wort über die Auf­seher und manches andere, was Salberry ihm anvertraut hatte, sprechen.

Eine Gruppe seltener, hoher, ganz dicht ge­wachsener Sträucher nahm die Dahinschreitenden auf.

Annemarie betrachtete diese seltsamen Sträu­cher; da zuckte sie zusammen. Zwischen den Blättern blinkte es silbern auf. And ein Paar feurige Augen blitzten dicht darüber.

Ohne recht zu wissen, was sie tat, lief sie vor­wärts, an Kents rechte Sette, breitete die Arme auS. Da krachte auch schon ein Schüfe.

Lautlos sank Annemarie zu Boden.

Kent stand regungslos da. Aeber die Felder jagte ein Mensch. Kent rife das Gewehr von der Schulter, zielte, traf. Drüben stürzte der Flie­hende kurz vor den dort arbeitenden Schwarzen in die Knie.

Kent warf das Gewehr weg, kniete neben dem kleinen Gehilfen nieder. Aus dessen Schulter sickerte Blut.

Holen Eie Wasser, Korsel, dort, im Tümpel. Oben ist eS sauber."

Korsel streckte angstvoll die Hände aus, sah, dafe er nichts mehr aufhalten konnte, und ging mit zitternden Knien zum Tümpel, während der Kutscher über das Feld jagte, um zu sehen, waS für ein Verbrecher das war, der auf Kent ge­schossen hatte. Denn natürlich hatte die Kugel nur Mister Kent gegolten. Wer sollte denn ein Interesse an dessen kleinem Gehilfen haben?

Kent rife die Zacke des jungen Menschen auf, wollte nach der Wunde sehen und zuckte im nächsten Augenblick zurück.

Ein hauchdünnes Epitzenhemd über einer jun­gen, knospenden Brust.

Tommy Fihmaurice war ein Mädchen!

Kent erhob sich, blickte finster auf Korsel, der eben mit dem Wasser kam.

Korsel, Aufllärungl Wufeten Sie, Dafe Tommy Fihmaurice ein Mädchen ist?"

Seit kurzem erst, Mister Kent."

So, Korsel, Sie unterstühen also solche Sachen?"

Ich ich. ach Mister Kent, ichP' Zum Buchstabieren ist keine Zeit, Korsel. Mir scheint, dieser kleine, seltsame Tommy wollte mir Das Geben retten."

3a, sicher!"

Mister Korsel sagte es und klammerte sich an einen Strohhalm Der Hoffnung, daß diese Sache jetzt doch noch Halbwegs glimpflich ablaufen könnte.

Kent nahm Dem alten Herrn das Wasser ab.

Geben Sie mir ein sauberes Tuch oder feier, ich habe selbst ein."

Kent zog ein weißseidenes Tuch hervor, tauchte es in Das kühle Wasser unD legte es auf die Wunde. Dann nahm er die kleine, leichte Ge­stalt einfach auf seine Arme und ging zurück zum Wagen.

Der Kutscher kam eben von der Verfolgung zurück.

Fahr' wieder nach Hause", sagte Kent und hielt Annemarie vorsichtig in seinen Armen.

Kent besann sich.

Wer war Der Kerl?"

Ein Angestellter Miß Shetlands. Er hat Mister Kent an der Schulter verwunden sollen; dann sollte Mister Kent nach Noing-Kastel ge­bracht werden. Der erbärmliche Kerl heulte vor Schmerzen und verriet seine Herrin. Die anderen haben es auch alle mitgehört. Sie sind ja auf sein Geschrei alle zusammengelaufen."

Es ist gut! Fahr' heim, langsam", sagte Kent, und sein Gesicht verriet nicht, was er dachte.

Annemarie bewegte sich stöhnend. 3hve finit Hand fuhr nach der Schulter, blieb an der schwarzen, seidenen Schmir hängen, die ihr um den Hals hing. Ein Medaillon hing Daran, ein offenes, altmodisches Schmuckstück.

Kent starrte auf die beiden Köpfe, die auf dem Bild des Medaillons waren.

Wendel von Wendsbrück und daS blond« Annerl!"

War dieses Mädelchen. das er auf den Knien hielt, etwa das Kind dieser beiden Menschen, die immer unvergesien in ihm geblieben waren?

Sengend heiß brannte die Sonne. And Eharles Kents Gedanken wanderten in die Vergangen­heit.

* * *

Miß Salberry mühte sich mit Sorgfalt um DaS verwundete Mädchen. Dabei kam sie immer noch nicht über die Angelegenheit hinweg.

So ein SchandwÄb! Wer hätte denn das ge­dacht! And ihr Mann war auch manchmal drüben gewesen und hatte geholfen.

Hatte sie es etwa auf den auch abgesehen?

Nach Stunden angestrengten Nachdenkens kam Mife Salberry zu dem Schluß, daß Mife Shet­land wohl wahnsinnig vor Sehnsucht nach Kenk werden konnte, aber doch niemals nach dem guten, alten Salberry.

Aber der alten Dame gingen noch andere seltsame Gedanken durch den Kopf.

Kent hatte in knappen Worten eine kurze Er­klärung gegenüber Annemarie, hatte flüchtig durchblicken lassen, daß er bis jetzt selber nicht gewußt, daß der kleine Gehilfe ein Mädchen sei.

Ob das Wahrheit war?

Ob Der große, schöne Kent wirllich nichts ge- txnifet hatte?

War das süfee, blonde Mädel seine Geliebte?

Miß Salberry sah prüfend in das junge Ge­sicht, das vom Wundfieber hell gerötet war. And da schüttelte sie den Kopf.

Nein, das junge Mädelchen ist rein und schuldlos. Kent hat die Wahrheit gesagt", dachte sie bann.

3ch will nicht fort! Ich will bei Mister Kent bleiben, ich liebe ihn."

Klar und Deutlich sagte es Annemarie.

Da verstand die alte Dame die ganze Tragik, die in diesem jungen Menschenleben war. And noch mütterlicher, noch zärtlicher strich sie das lockige Haar aus der feeifeen Stirn. Anermüd- lich legte sie Eisbeutel auf, um wenigstens das Fieber zu verjagen. Doktor Morris kam auch, blickte mitleidig in das schmale Gesicht des jun­gen Mädchens und zuckte mit Den Schultern.

Der Schüfe ist an und für sich nicht gefähr­lich, wenn die Verwundung auch ziemlich schwer ist. Aber ich fürchte, die junge Mife ist viel zu zart, um dem rasenden Fieber standzuhalten."

Er beugte sich über fein Buch und schrieb einige Anordnungen auf ein Stück Papier. Dann ging er.

Kent sah vor sich nieder.

(Fortsetzung folgt.)

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