Nr. 59 Zweites Blatt
Weiter Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Mittwoch, N. März 193<
Der Prins von Wales als tommis vavageur
der britischen Wirtschaft.
Englisch-amerikanische Rivalität in Südamerika.
Von E von LLngern-Sternberg.
Den 1-1. März eröffnet der Prinz von Wales die britische Weltwirtschaft-Ausstellung in Buenos Aires. Bereits vor mehr als einem Monate hatte sich der Prinz in Begleitung seines Bruders, des Herzogs von Port, auf dem Dampfer „Oropefa" nach Südamerika eingeschifft, um als Sendbote feines Vaterlandes den britischen Einfluß in den lateinischen Staaten jenseits des Ozeans, der durch die Vereinigten Staaten von Nordamerika verdrängt und überschattet wird, von neuem zu festigen und um England neue Absatzmärkte zu schaffen. Noch im Jahre 1908 überstieg die englische Wareneinfuhr nach Lateinamerika die der Vereinigten Staaten, Deutschlands und Belgiens zusammcngenommen, aber schon 1928 hatten die Vereinigten Staaten allein Englang um ein Bedeutendes überflügelt. Wallstreet als Finanzmacht und das Staatsdepartement in Washington ab Hüter der Monroe-Doktrin verdrängten England aus den festesten Positionen die cs in Lateinamerika besaß.
Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Lateinamerikaner oft an den Fesseln zu rütteln versuchten, die ihnen der große Bruder im Norden auserlegt hat. Man liebt den Pankec nicht, aber man ist gezwungen, sich vor dem Dollar zu beugen, und man fürchtet die nordamerikanischc Jnterocntionspolitik, die sich im Laufe der letzten Jahrzehnte rücksichtslos bemerkbar gemacht hat. Nach dem siegreichen Kriege mit Spanien nahmen die Bereinigten Staaten gegen den Willen der Bevölkerung Puerto Rico in Besitz und sicherten sich in Kuba eine Vormachtstellung, die cs ihnen vertraglich ermöglicht, im Falle von Unruhen in Havanna mit bewaffneter Macht zu intervenieren. Auch können sie eine Flottenstatiott auf der Insel errichten. 1915 besetzten die Nordamerikaner Haiti, das die Zugänge zum Pana- matanal beherrscht, und zwangen den Präsidenten Dartiguenave einen Vertrag abzuschließ-.n, der den Vereinigten Staaten ein finanzielles, politisches und militärisches Protektorat zugesteht. Auch heute stehen nordamerikanischc Marinctruppen auf Haiti garni- saniert, und werden voraussichtlich die Insel niemals verlassen. Die Neuyorker Trusts bewirkten durch Anzettelung einer Revolution und mit Unterstützung der Regierung die Abtrennung Panamas von Kolumbien. Don ganz besonderer Rücksichtslosigkeit aber ist die Intervention der Nordamerikaner in Nikaragua. Dort wurde und werden noch immer Präsidenten mit Hilfe nord- amerikanischer Marinctruppen gehalten oder gestürzt, je nachdem cs das Interesse Washingtons erfordert. Dort gelten keine völkerrechtlichen Bedenken und Nordamerika duldet keinen Einspruch
Im Jahre 1928 machte sich das kleine E o st a Rica zum Wortführer der lateinamerikanischen Staaten, indem cs in Genf vom Völkerbünde eine grundlegende Interpretation der Tragweite der Monroe --Doktrin verlangte, die ganz im Gegensatz zu ihrer ursprünglichen Bedeutung die sie im Jahre 1823 hatte, heute als ein Instru - ment des nordamerikanischen Impe - rialismus mißbraucht wird und deren Anerkennung von den meisten südamerikanischen Staaten aufs entschiedenste abgelehnt wird. Costa Rica drang mit seiner Forderung wie zu erwarten war nicht durch. Man denkt in Washington gar nicht daran, den Griff auf Latein-Amerika, namentlich auf Zentral-Amerika, zu lockern. Die Vereinigten Staaten beherrschen den Panama-Kanal, sie wollen auch Herren über den Nikaragua-Kanal sein, und von diesem weltpolitischen Ziel werden sie weder völkerrechtliche Skrupeln, noch Revolutionen an denen Lateinamerika so reich ist abdrängen. Die meisten Petroleumfelder, Minen und Jndustrieunternehmun- gen in Südamerika befinden sich unter nordamerikanischer Kontrolle. In Bolivien, Peru und in einigen anderen Staaten des südamerikanischen Kontinents ist ein Teil der Staatseinnahmen nordamerikanischen
Bankkonzerncn verpfändet, so daß auch eine Gin- m i schung in d i c innere Politik jener Länder keineswegs zu den Ausnahmen zählt. Sicher aber dürfen die Nordamerikaner keinen Anspruch auf ein wirtschaftspolitisches Monopol in Südamerika erheben, die Konkurrenz der übrigen Länder auf dem freien Markte Lateinamerikas ist nicht behindert.
Die Reise des Prinzen von Wales nach Südamerika hat in gewissen nordamerikanischen Finanz, konzerncn eine Alarmstimmung ausgelöst. Kaum daß der Prinz südamcrikanischcn Boden betreten hat, haben bereits viele südamerikanische Firmen ihre Bestellungen aus Nordamerika zu- rückgezogen und haben sic nach London geleitet. Jeder Südamerikaner der etwas aus sich hält will dieselben Strohhüte und dieselben Joppen, wie sic der Prinz anhatte, tragen. Der Prinz von Wales führt in seinem Gepäck vier Autos von verschiedenen Typen, ein Jagdflugzeug, Gewehre usw. mit, und so geschieht es denn, daß englische Wagen und englische Jagdgewehre gekauft werden, die Damen for« dem englische Stoffe und da auch englisch'- Banken und Finanzkonzerne ihre Vertreter nach Südamerika entsandt haben, ist bereits die Rede von Finanzierungen in London und von Anleihen, die bisher nur in Wallstreet erlangt werden konnten. Der Alarm der Nordamerikaner geht so weit, daß sich ein Konsortium gebildet hat, das seinerseits den bekannten Flieger Lindbergh als „Reklameprinzen" nach Südamerika entsenden will, um mit dem Prinzen von Wales in Konkurrenz zu treten. Doch dürfte es dazu heute bereits z u spät sein.
Die Fahrt des englischen Prinzen durch die Staaten Südamerikas glich einem Triumphzug. 9lad) den offiziellen Paraden und Empfängen in Lima, der Hauptstadt Perus, begaben sich der Prinz von Wales und sein Bruder über Arequipa nach der alten Jnkahauptstadt Euzco. Im Theater veranstalteten die Indianer zu Ehren des Prinzen den heiligen Lanzentanz und sangen dazu ihre alten Weisen, wie sie ihre Vorfahren sangen, ehe Pizarro und die spanischen Konquistadore sie niedermetzelten um sich Schätze an Gold und Smaragden anzueignen. Aus Cuzco unternahm das Prinzenpaar einen Ausflug auf dem Titicacasee, den höchsten See der Welt, um die heiligen Inseln inmitten des Sees, auf denen sich einst der Sonnen und der Mondtempel der Inkas erhoben, zu besuchen. In den Ruinen leben noch einige alte Indianer, die alle Geheimnisse der Vergangenheit kennen und die heute noch ebenso wie vor 400 Jahren den „Gott Sonne" anbeten, wenn er in Purpur und Gold getaucht sich hinter den ewigen Gletschern der Anden zur Nachtruhe begibt. Ein alter Indianer näherte sich den Prinzen um ihnen den Sonnensegen zu geben, damit sie immer Sonne im Herzen trügen
Aus Rücksicht für die Prinzen verschoben die Revolutionäre in Peru ihren Aufstand bis zur Stunde seiner Abreise nach Bolivien. Staum daß der Prinz die Grenze überschritten hatte, erhoben sich die Garnisonen des Südens gegen den zeitweiligen Präsidenten Oberst Sanchez - C e r r o , der selbst durch einen Militärputsch zur Macht gelangt war, und dem man vorwarf, ebenso wie fein Vorgänger, der langjährige Diktator L e g u i a , Verrat zu üben und fein Land den Nordamerikanern zu verkaufen. Bereits im November des Vorjahres war in Öen Minendistrikten von Oroya ein Aufstand gegen die nordamerikanischen Direktoren und Ingenieure ausgebrochen. Zwei nordamerikanische Ingenieure wurden von der aufgeregten Menge gelyncht, und die übrigen mußten fluchtartig die Kupferminen verlassen. Infolge energischer Vorstellungen des Generaldirektors Klingsmill und des nordamcrikanifchen Botschafters in Lima sah sich die Regierung gezwungen, Militär gegen die Minenarbeiter und Angestellten aufmarschieren zu lassen und die Unruhen in Blut zu ersticken. Unter dem
Eine der rührendsten Szenen des neuen Chaplin-Films „Lichter der Stadt". Charlie spricht mit dem blinden Mädchen, das er liebt.
Druck des nordamerikanischen Botschafters wurden ferner mehrere höhere Beamte, auch der Innenminister Jimenez, ihres Amtes enthoben und durch den Vereinigten Staaten genehme Persönlichkeiten ersetzt. So taten sich denn die empörten „Patrioten" mit den radikalen Elementen zusammen und zettelten eine Militäroerschwörung an, die Peru in ernste Wirren zu stürzen droht. Dagegen hat England alle Sympathien gewonnen und der Prinzenbesuch wird in Peru gewiß reiche Früchte tragen.
In B o l i v i e n dauerte der Aufenthalt der beiden Prinzen nur kurze Stunden. La Paz ist die höchst- gelegene Hauptstadt der Welt (zirka 4300 Meter über Meer) und die meisten Besucher, die unvor- bereitet, d. h. ohne Zwischenaufenthalt in gemäßigteren Höhen dorthin kommen, werden von der quälenden Bergkrankheit der Saroche befallen, die sich in schweren Herzbeschwerden und Uebclfeit äußert Trotz des überaus herzlichen Empfanges mußten alle Paraden und Empfänge abgesagt werden, der Prinz erkrankte und mußte schleunigst seine Reife in niedere Regionen nach Chile fortsetzen. Die Reden, die der Präsident, General Ibanez und der Prinz wechselten, der Ordenfegen, der gegenseitig ausgetauscht wurde, und die Begeisterung der Bevölkerung zeugen dafür, daß der Prinzenbesuch auch für Chile für das britische Reich Vorteil gebracht hat Buenos Ai res bereitet den englischen Gästen einen Prunkempfang, wie ihn die Stadt selten gesehen hat Die Rede des Prinzen bei der Eröffnung der englischen Weltwirtschatts- Ausstellung wird durch Radio über die ganze Welt verbreitet werden. Der Prinz von Wales hat dem britischen Reich durch seine Südamerikareise einen Dienst von großer Tragweite erwiesen.
Die Wormser Klage gegen den Glaatskommissar abgewiesen.
WSR. Mainz, 10 März Dor dem Provin- zialausschuß der Provinz Rheinhessen wurde heute die Klage des Ortsgewerbevereins Worms genen die Be- schlüssedesStaatskommissars bezüglich der Steuererlasse verhandelt.
Dem Prozeß liegen folgende Vorgänge zugrunde: Auf Grund des Defizits in den städtischen Finanzen von Worms schlug Oberbürgermeister Rahn die Erhebung der Bier-, Getränke- und Bürgersteuer vor: dies wurde trotz zweimaliger Vorlage durch den Oberbürgermeister vom Stadtrat abgelehnt. Hierauf stellte der Oberbürgermeister den Antrag auf Einsetzung eines Staatskommissars, der in der Person des Oberregie
rungsrat Dr. Seyferth vom Krcisamt Mainz nach Worms berufen wurde. Der Staatskommisfar ordnete die Erhebung früherer und die Einführung neuer Steuern an. Hiergegen wandte sich der Wormser Ortsgewerbeverein c. V und stellte im Stadtrat verschiedene Anträge, von denen derjenige Annahme fand, der einen Protest der Stadträte gegen die Verletzung des Selbstverwaltungsrechtes da stellte. Außerdem erhob der Ortsgewerbeverein Klage beim Provinzialausschuß und bezeichnete die Steuererlasse als ungesetzlich und unzulässig.
Rach mehrstündiger Verhandlung, in der der Ortsgewerbeverein durch Rechtsanwalt Dr. L u - l c t) (Worms), Stadtverwaltung und Stadtrat durch Oberbürgermeister Rahn vertreten waren, während Staatstommis ar Obcrrcgieru.tg Srat Dr. Seyferth sich selbst vertrat, kam der Prvvin- zialausschuß zu dem -Urteil, die Klage al 8 unzulässig und unbegründet abzuweisen unter Belastung des Klägers mit den Kosten. Der Streitwert wurde auf 25 000 Mark festgesetzt.
Große Strafkammer Gießen.
* Gießen, 10 März. In vielstündiger, den Vor- und den Nachmittag ausfüllendcr S.tzung wurde gegen eine Landwirtsehefrau von Eschenrod verhandelt, die vom Erweiterten Bezirksschassengcricht Gießen wegen Untreue und Urkundenbeseitigung zu. einer Gesamtgefängnisstrafe von neun Monaten verurteilt worden war. Als Rechnerin des Spar- und Darlehenkaffen- Vereins Eschenrod hatte sie eine dem Verein gehörige Summe von etwa 1700 Mark im Besitz, die sie mit den Vereinst,kichern in einer Schreibtischschublade unter Verschluß aufbewahrte. Eines Morgens meldete ihr Mann der zuständigen Gendarmerie einen nächtlichen Einbruchsdiebstahl in fein Haus, bei dem aus dem Schreibtisch das Geld und die Geschäftsbücher gestohlen worden seien. Die Ermittlungen ergaben alsbald, daß der D i e b st a h l vorgctäuscht war. Aus dem Boden der Schub- lade war ein Stück teils ausgeschnitten, teils aus- gebrochen, eine Arbeit, die, wie ein sachverständiger Schreinermeister überzeugend bartat, von einem unter dem Schreibtisch liegenden Täter überhaupt nicht, und keinesfalls ohne starkes, die Hausbewohner aufweckendes und den Hund alarmierendes Geräusch ausgeführt werden konnte. Auch fehlten vollkommen die bei einem derartigen Einbruch un» ausbleiblidjen Holzabfälle, und es war unerfindlich, was einen Einbrecher auf den Gedanken hätte bringen können, die Schublade restlos auszuräumen und außer den Geschäftsbüchern auch Briefe mitzuneh. men. Unbedingt beweiskräftig war aber die Tatsache»
Gießener Gtadttbearer.
Bernhard Blmnc: „Feurio!"
Die Wohltat der Fcuersmacht, welche Schiller im „Sieb von der Glocke" mit bewegten Worten und ohne jede Ironie gepriesen hat, wird in einem ziemlich fatalen Rebensinn zum Leitmotiv dieses bäuerlichen Lustspiels.
.Doch furch'bar wird die Himmelskraft" — gar nicht furchtbar, sondern ein wahrer Segen: wenn sie sich nämlich nicht von selbst der Fessel entrafft, sondern wenn der gewitzte Zeitgenosse mit Petroleumkanne und Zürcdschnur ein bißchen nachhilft.
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Wenn zum Beispiel die Bürgermeistersleute in einem kleinen schwäbischen Kass im Rebenamt eine Feuerversicherungsag rnttcr verwalten und außerdem ein Holzgeschäft betreiben, dann ist sozusagen der Bock zum Gärtner gemacht.
Der junge Württemberger Dichter Bernhard Blume entwickelt diese Theorie in sieben Bildern, welche an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen.
Was sich für unliebsame Folgen ergeben können, wenn einer, dem Zuge der Zeit folgend, das Lustspiel etwa als .Lehrstück" aussaht, mag man in einem Beitrag des Autors zum Programmheft nachlesen.
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Die Spekulation liegt auf der Hand: wer ein ein Holzgeschäft hat, muß auch was zu bauen haben. Und wenn es nichts zu bauen gibt, dann muß er dafür sorgen ... am besten durch gelegentliche Brandstiftungen. (Dies ist kein Rot- programm, sondern eine Iichaltsangabe.)
Dann blüht nicht bloß das Holzgeschäft, sondern auch die ganze übrige Gemeinde nimmt einen mrgeahnt üppigen Aufschwung ... wenn es saftige Versicherungssummen und neue Scheuern statt der alten morschen Baracken gibt.
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Also, die Schultheißin, die nicht auf den Kopf gefallen ist, stiftet den eigenen, halbidiotischen Sohn und dessen gerissenen Freund zum Feuerlegen an.
Aus der Scheune, auf die sie es nächtlicherweile abgesehen haben, erscheint unpassenderweise ein junges Liebespaar (dieDürgerrnristers-
tochter und der Zimmermann Zack) — jetzt kommt der Schwindel raus.
Wer aber denkt, daß mit dieser gegenseitigen Entdeckung der Brand verhütet sei, der hat nicht mit dem Unternehmungsgeist und dem Geschäftssinn derer zu Rumpe'sbach gerechnet. Kaum ist die Lust rein, da schleicht der Feuerwehrhauptmann selber herbei, wirst das verruchte Streichholz in seine Scheuer und brüllt dann Feurio über das nächtliche Dorf. (Ein starkes Stück: aber die Situationen reizen unwiderstehlich zum Lachen.)
Weil der Zimmermann sein Schifferklavier bei der Scheuer vergessen hat, ist bald ein dehnbares corpus aelicti gefunden, und jeder denkt: dem geht's an den Kragen, und zittert um das junge Liebesglück.
Zwar wird der Zack eingelocht, aber mittlerweile ist einer .von oben", ein leibhaftiger Regierungsassessor, im Anmarsch auf das Dorf, in dem sich"die nächtlichen Brandsälle so erschreckend mehren — zur Untersuchung der Tatbestände.
Die Brandstifter müssen heilfroh sein, wenn der Zimmermann gutwillig aus dem Arrest heraus- tommt und sich davon macht. Das tut er, nicht ohne zuvor die Bürgermeisterin an seiner Stelle eingesperrt zu haben... unb das Töchterchen nimmt er auch mit
Zu allem Uebersluß ist der Assessor so blöd und der Gemeinsinn und der Selbsterhaltungstrieb der tüchtigen Dorfbewohner so entwickelt, daß cs ihnen mit etlicher Pfiffigkeit gelingt, den Regierungsboten höchst unverrichteter Dinge wieder absah- ren zu lassen. Die Sache kommt also nicht ans Licht, und wenn auch kein Unschuldiger büßen muh: die Schuldigen kommen ebenfalls mit heiler Haut und ungeschoren davon.
Das Laster hat gesiegt: die Gaunerei triumphiert über die Obrigkeit — genau wie im .Biberpelz" Und die Bürgermeisterin Hepp, welche die einheimischen Mitschuldigen zuletzt mit dreifachem Tusch der Feuerwehrkapelle hochleben lassen, ist eine echte Rachkommin der berühmten Mutter Wolff en, die nicht bloß lange Finger macht, sondern auch kaltblütig den roten Hahn auf die gutversicherte Schusterbude setzt.
Man sicht: das Motiv des Lustspiels ist nicht neu; doch ist es geschlossener und zugleich durchsichtiger im Ausbau — obwohl die vorletzte Szene beinahe ins Schwankmilieu abgleitet —, auch viel sicherer und weniger vertrackt in der Auswahl und Einführung der handelnden Personen... im Vergleich zu Hauptmanns früher Tragikomödie.
Aber die volksstückmäßige Unbekümmertheit, Lockerheit und Derbheit der sieben Szenen... die vielen kräftigen Wörter, der süddeutsche Dialekt überhaupt, das ganze Drumherum mit Liebeshändeln und Keilerei, mit Kegelbahn und Blasmusik und Schoppenheben —: das alles erinnert viel mehr an Zuckmayer und den .Fröhlichen Weinberg" als an Hauptmann, dessen .Biberpelz" freutet) noch immer unübertroffen bleibt. —
Unter Fasso11s Spielleitung sah man eine Aufführung von kernigem und nichts vertuschendem Realismus, strotzend von komischen Situationen, beeinträchtigt nur durch die uneinheitliche und stellenweise recht unzulängliche Beherrschung des Dialektes.
Löffler hatte mit begabter Hand das ganze Feuerdörfchen mit malerischen Aufbauten im Spitzwegstil auf die Drehbühne gestellt, so daß die sieben Schauplätze im Handumdrehen verwandelt werden konnten.
Die besten Gestalten lieferten Hub (Schultheiß). Vvlck (Maul), Link mann (W rt), Ritter (Feuerwehrkommandant) — vor aLem, weil sie sich am sichcr'ten im Dialekt zurechtfanden. Besonders Dolck, der abgebrannte Oekonom, und Hub, das schimpfende Ortsoberhaupt mit dem schlechten Gewissen, brachten zwei Bauernfiguren von prallem Humor auf die Deine.
Recht gut war auch die mit allen Hunden gehetzte Schultheißin der Frau Schubert- Jüngling geraten. — Ein herzhaftes Liebespaar: Wielander und Hauer. — Druck (Pipel) schien durch die fremde Mundart behindert: Wefeners Assessor war von vornherein viel zu betont auf die krasse Karikatur hin angelegt — "Bäuerle, Zingel, Scheicher rundeten das Ensemble ab. —
ES war ein unbestrittener Erfolg mit Gelächter und Deifall schckn bei offener Szene. Iith.
Was die Star-Post biingt.
Einige Kuriosa aus den unzähligen "Briefen, die die berühmten Filmstars in Hollywood erhalten, werden in einer Fachzeitschrift mitgeteilt. So schreibt etwa eine Hausfrau an die Diva Evelyn Brent: „Ich sah, wie Sie im Film in einer Szene kochten, und die Spaghetti sahen so appetitlich aus, daß ich Sie doch sehr bitten möchte, mir das Rezept zu schicken." „Bitte, schicken Sie mir eine Locke von dem langen Haar, das Sie in „Eimarron" trugen, aber bald, denn ich weiß, daß Sie es bald abschneiden lassen werden", mit diesem Verlangen wendet sich eine Verehrerin an den hübschen Filmstar Richard Dix. Ein kleines Mädchen bittet um das Bild eines Hundes, den es im FUm gesehen, weil sie glaubt, cs sei ihrer, der ihr weggelaufen. Betty Compson sandte ein Bewunderer eine große Schachtel Zigaretten aus Alexandria und schrieb: „Ich möchte, daß Sie diese Zigaretten in Ihrem nächsten Film, in dem Sie zu rauchen haben, be- nutzen und dabei an mich denken." Den merkwürdigsten Brief aber empfing die beliebte Bebe Daniels; „Wenn Sie jemals Ihre Rolle vergessen sollten, während Sie vor der Kamera stehen", schrieb ihr ein Gönner, „dann schließen Sie die Augen, suchen Sie für eine Sekunde an nichts zu denken, und dann denken Eie an das Wort „Abrakadabra". Sofort — wenn Sie es richtig machen — werden Ihnen die vergessenen Sähe wieder einfallen."
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Der Ordinarius der Philosophie Dr. Julius Sten, z e l in K i e l hat den Ruf an die Universität Basel als Nachfolger von Professor K. Joel abgelehnt.
Der Lehrstuhl der Physik an der Kieler Universität ist an Stelle von Professor H. Geiger dem ordentlichen Professor Dr. Heinrich Freiherrn Rausch von Traubenbera an der deutschen Universität in Prag angeboten worden.
Professor Dr Herbert "216 m a nn . Ordinarius und Direktor der medizinischen Poliklinik in Leipzig, hat den Ruf an die Universität König s b er g als Direktor der med zinischen Klinik angenommen und bereits seine Ernennung zum Ordinarius in König berg erhalten. Hier wird er Rachsolger des verstorbenen Geheimrat- M. Matthes.


