den. Damit die Inhaber solcher Fächer ihre Postsachen sofort nach Ankunft jeden Postzuges sich selbst holen und dadurch srüher in deren Besitz kommen können. Die zeitgemäßen Neuerungen der Stadt- und Postverwaltung haben beim Publikum große Anerkennung gefunden.
Preußen.
Kreis Limburg.
WS-r. Limburg. 10. Aug. Am Donnerstagnachmittag fiel das sechsjährige Kind des Lahn- schiffer» Wahl aus Limburg in die Lahn und ertrank. Das Kind hatte auf dem Kahn seines Vaters gespielt und war dabei so unglücklich aus den Rand des Kahnes gestürzt, daß es bewußtlos wurde. Anscheinend rollte das Kind dann über Bord und fiel ins Wasser.
Nnterlahnkreis.
WSN Bad Ems, 7. Aug. Durch eine Art »Notverordnung" hatte sich kürzlich der Bürgermeister von Ems ganz energisch an die Geschäfts- Welt gewandt, die Preise für Gegenstände des täglichen Bedarfs herabzusetzen. Sein Bemühen zwar von Erfolg gekrönt. Der Milchhandel ging um 2 Pfennig je Liter auf 28 Pfennig herunter und die Metzger senkten ihre Preise um 10 bis 24 v. H. Die Gemüsehändler sind ebenfalls in die Preissenkungsaktion eingeschlossen worden. Eine
Mühle ermäßigte den Preis für Futterkleie von 7 50 auf 6,50 Mark. 3n einem Ausruf wendet sich nun der Bürgermeister an die gesamte Einwohnerschaft, das stark eingerissene Pumpsystem-möglichst aufzuheben, da Preissenkung nur unter Voraussetzung der Barzahlung für die Geschäfte tragbar sei.
Jom Schlossergesellen zum Opernsänger.
MSN. L i m b u r g. 7. Aug. In den Opelwer- kcn in Rüsselsheim war vor einigen Jahren ein Schlossergesolle namens Vinzenz Breser aus Lindenholzhausen bei Limburg tätig, der eines Tages durch seine schöne Stimme dem Mitinhaber der Opelwerke, Heinrich v. Opel, auffiel. Dieser ermöglichte dem jungen Mann das Studium an der Opcrnschulc in Darmstadt, das ihm nach dein Tode Heinrichs v. Opel durch dessen Tochter Irmgard weitergewährt wurde. Breser hat nunmehr nach ^/.jähriger Ausbildung seine Studien in Darmstadt beendet. Bei einer Musikschüler-Aufführung in Darmstadt hatte der junge Künstler bereits einige Erfolge und fand große Anerkennung. Auch der Generalintendant der Berliner Staatsoper, vor dem Breser eine Probe seines Könnens ablegte, äußerte sich sehr anerkennend. Breser begibt sich nunmehr zur weiteren Ausbildung für drei Monate nach Berlin.
SJt.-'fport
10 Lektionen Kußball.
Von Otto Nerz.
IV. Etwas von der Technik des Spannstoßes*.
Der nächste schöne Sommermorgen wird dazu benutzt, das Stoßen zu erlernen. Man kann und sollte auch einen spielfreien Nachmittag hindurch nichts weiter tun als nur zu stoßen, mal flach und hart aus's Tor - übrigens, nur der Stoß zum Tor heißt Schuh! — und mal hoch und weit zu einem Kameraden.
Als Anfänger stößt man eigentlich nur mit der Fußspitze und daher meist daneben, weil man nur an einem Punkt auftrifft und deshalb den Ball nicht richtig lenken kann. Für den Stoß kommt aber alles darauf an, wo der Ball getroffen wird: trifft man ihn im Mittelpunkt, so legt er eine flache Dahn hin: weiter unten — und er steigt in die Höhe: rechts oder links der Ball trudelt in der Luft, er dreht sich um seine eigene Achse. Mer Dillard spielt, und das tun viele gute Fußballer, der kennt ja den Ässekt des Billardballes I Nun hat im Spiel jeder dieser Stöße seine Berechtigung, nur muß man sich blitzschnell sür den richtigen entschieden haben. Es ist ober recht unsicher, wenn man die Fußspitze auf gut Glück irgendwo auf dem Leder landen läßt. Nur beim Spannstoß hat man den Fuß genügend in der Gewalt, um ihn sicher auf der richtigen Stelle auftreffen und da- Leder in der gewünschten Richtung fliegen zu lassen.
-Also nun los. Halt — schon falsch! Erstens stürmt man beim Anlauf in der Richtung auf den Ball zu, in welcher er später fliegen soll. Zweitens dars das Standbein nicht vor oder hinter dem Ball stehen — nur direkt neben ihm, und zwar natürlich rechts, wenn man mit dem linken Fuß stößt, und umgekehrt. Meist stößt man mit dem rechten B<in geschickter: aber wenn der .Rechtsfüßer" erst einmal den Stoß rechts kann, soll er ihn auch links üben, bis jede Bewegung hundertprozentig sitzt!
1 Das Standbein wird mit der Ferse aufgesetzt, elastisch und doch fest, das ganze Körpergewicht auf dieses Dein hinübergelegt, so daß der Körper
* Dgl. 165, 170, 178.
leicht nach außen geneigt ist. Nach dem Stoß ruht der Körper noch momentlang auf dem Standbein: wer gleich auf das stoßende Bein fällt, ist ein schlechter Schütze.
Das Stoßbein holt kurz aus, sobald das Standbein neben dem Ball aufgesetzt wird. Der Spann oder Rist des Fußes wird nach unten gedrückt und bleibt auch nach dem Stoß ganz gestreckt: der Stoß erfolgt mit dein Fuhteil: unterer Spann bis Zehenansatz. Nach dem Ausholen Oberschenkel nach vorn schleudern, dann Unterschenkel nach bis zur senkrechten Lagei
Die Arme haben eine sehr wichtige Funktion. Je wuchtiger der Stoß geführt werden soll, desto schwerer ist es, sich auf einem Dein im Gleichgewicht zu halten. Da müssen die Arme energisch mit Gegenbewegungen in umgekehrter Richtung mithelfen. Selbst bei leichten Stößen schleudern die besten Fußballer ihre Arme zur Seite.
So befördert man den Ball flach und gerade nach vorn, der Stoß ist also am besten geeignet für Schüsse und flachen Paß, das ist flaches Ad- geben des Balls an einen Mitspieler. Mill man in hohem Bogen passen, dann wird der Unterschenkel nicht senkrecht nach vorn gerissen, sondern nach dem Ausholen und dem Vorziehen des Oberschenkels in einem Dogen von hinten nach vorn geschwungen. Daraus folgt dann von selbst, daß die Zehen beim Stoß nicht hinter dem Ball liegen. sondern etwas mehr unter ihn rutschen.
Im Spiel ergeben sich häufig Gelegenheiten, wo man mit dem Ballstoppen zu viel Zeit verlieren würde und daher den Ball direkt aus der Luft nehmen muh. Solche sogenannten Flug- oder Volleybälle sollten aber die Ausnahme sein, weil man den Stoß nie so genau placieren kann wie mit dem gestoppten Ball. Außerdem wird der Fuß sehr stark beansprucht und besonders von einem nassen Ball leicht verletzt. Beim Volley ist es besonders wichtig, den Moment genau zu kalkulieren, wo der Ball stoßgerecht daherkommt.
Technisch schwerer ist der Halfvolley, Dropkick oder Sprungball: der Ball soll in dem winzigen Moment gestoßen werden, wo er nach der Ankunft aus der Lust aufgeprallt ist und wieder hochspringen will. Diese Bälle müssen in den Boden h.nein gespielt werden, d. h. das Fußgelenk trifft den Ball schräg oben: trifft man ihn
nämlich im Mittelpunkt, so steigt er in unendliche Höhen. Das Lieben lohnt sich, man kann mit dem Dropkick schöne und überraschende Schüsse zuwege bringen.
Noch ein Tip, bevor wir zu den Seiten- und Kunststöhen übergehen: Bälle von links spielt man mit dem linken, Bälle von rechts mit dem rechten Fuß! Jeder Stellungswechsel kostet wertvolle Zeit!
Der erste Zußballsonntag.
Der erste Sonntag nach der Spielsperre brachte auch in Gießen regen Spielbetrieb. Nach dem schönen Auftakt am Samstagabend brachte der Sonntag auf dem Sportplatz der Spielvereini-
gung 1900 an der LiebigShöhe eine Begegnung zwischen Spielvereinigung 1900 (Liga) und Spvrtt club Wiesbaden-Dotzheim (ßiga). Das Treff«, endete mit einem Unentschieden 1:1. DaS nebnis konnte sehr gut auf Sieg für di« 1900el Lauten.
Die 1. Mannschaft des VfB. trug am Sonntage nachmittag ein Spiel In Weidenau au« und kehrt« mit einem 3:0-Sieg zurück. Die 2. Mannschaft des VfB. spielte gegen die erste von Daubringen unentschieden 5:5. Die 1. Jugend errang gegen die erste Jugend von Lollar einen hohen Sieg. 9:1 lautete das Ergebnis. Die 2. Jugend spielte gegen die 2. Jugend der Spielvereinigung auf dem Waldsportplatz 2:2.
2:1 (2:1).
Das Gastspiel -er Süddeutschen.
Ein erwartetes Ergebnis! Zugleich aber auch ein Ergebnis, das sehr wohl höher lauten konnte. Die Fürther waren eine ganze Klasse besser. Die Gießener hatten nicht allzuviel zu bestellen. Daran änderte auch die Tatsache nichts, daß sich die Grün- Weißen alle Mühe gaben, besser spielten als je zuvor, dabei eine sehr schöne Partie lieferten, wie man sie selten auf dem Waldspielplah gesehen hat und — doch verloren. Gegen eine solche Klas- senmannschast mußten die Hiesigen verlieren, denn sie hatten den Gästen trotz aller Aufopferung, trotz des uneigennützigen Spieles, das sie vorführten, nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen. Immerhin war dieses Spiel für die Hiesigen ein hoffnungsvoller Auftakt, denn es wurde bewiesen, daß die Mannschaft in der augenblicklichen Aufstellung und bei der Uneigennützigkeit, mit der jeder einzelne spielte, durchaus entwicklungsfähig ist — falls sie konstant bleibt. Der ständige Wechsel in der Mannschaft läßt eine Mannschaft eben nicht zu Höchstleistungen gelangen.
Die Fürther traten mit zwei Mann Ersatz lder Posten des rechten Läufers und der des Rechtsaußen war anders als in der am Freitag angekündigten Aufstellung besetzt) an. Die Gäste führten typischen süddeutschen Fußball vor. Es läßt sich dabei kaum sagen, welcher Teil der Mannschaft der Bessere war. Die Mannschaft bildet ein homogenes Ganzes, aus dem der einzelne nicht herauszulösen ist: die Mannschaft ist so aufeinander eingespielt, daß der eine ohne den aneren nicht zu denken ist. Das bewies jene überraschende Uebereinstimmung der Spieler untereinander, die sich in der minutiösen Ballabgabe kundtat. Di« Gäste zeigten ein Kombinationsspiel, das in dieser Form zu überbieten kaum möglich scheint: es ging schlechterdings kaum ein Ball ungenau von Mann zu Mann. Es bedurfte aller Anstrengung der DfBer. um zum Zuge zu kommen. Die Fürther schossen aus jeder Lage, beherrschten den Ball souverän. sie spielten dabei scheinbar ohne sonderlichen Kraftaufwand und gingen den Gegner nicht ein einzigesmal hart an. Sie hatten da« einfach nicht nötig. Da sich die DfBer der gleichen Fairneß befletßigten, verlief das Spiel in aller Harmonie. Der ochiedsrich er entschied allerdings nicht immer zur allgemeinen Zufriedenheit. Gr rügte Dinge, die der Rüge nicht bedurften, traf einige falsche Entscheidungen und die erste Halbzeit fiel außerdem um sechs Minuten zu kurz aus.
Wenn man die Mannsctmft des VfB- kritisch unter die Lupe nimmt, so läßt sich, trotz der hohen Niederlage, die sie hinnehmen mußte, einiges Erfreuliches berichten. Die Mannschaft fand sich vor allem schneller zusammen, als man anzu- nehmen wagte. Die Stürmerreihe ging verschiedentlich zur ersten Halbzeit sehr forsch vor des Gegners Tor, die Läuferreihe entsprach den Erwartungen, die Verteidigung, die schwer zu arbeiten hatte, erwies sich besonders in der ersten Halbzeit sehr auf dem Posten, konnte aber
während der zweiten Spielhälfte den Gegner nicht mehr zum Stehen bringen. Balser war aus eine schwere Leistungsprobe gestellt und zog sich einigermaßen besriedigend ans der Affäre. Die meisten Tore konnte er nid& verhindern. Die Besten der Mannschaft warenUweifellos neben Balser Dingel und Haupt, Därenfänger war manchmal etwas hart und setzte sich trotz allem guten Willen nicht immer durch, der Jugendliche Knaus überraschte angenehm, wenn auch seine Kampfkraft in der zweiten Hälft« nicht mehr ausreichte, Kretz in der Verteidigung gab sich alle Mühe, mutzte aber seinem Nebenmann viel Arbeit überlassen. Leutheuser war außerordentlich eifrig.
Das Halbzeitergebnis von 2:1 Toren für Fürth bewies, dah die Hiesigen mit großem Eifer hei der Sache waren. Wenn auch der Anstoß die Fürther jofort in Front sah, wenn sich auch der Kamps oft in der Hülste der DfBer abspielte, so vermochten die Hiesigen das Spiel doch nahezu bis zur Pause offen 3U halten. Einige schöne Durchbrüche führten verschiedentlich vor dem Gästetor zu kritischen Situationen, die Verteidigung war jedoch außerordentlich sicher und der Tormann war es nicht weniger. Nach- dem in der 10. Minute für Balser sehr überraschend das erste Tor aus dem Gedränge heraus fiel, vermochte Leutheuser durch einen schönen Schuß aus einiger Entfernung unter großem Beifall den Ausgleich zu erzielen. Für die DfBer blieb dieser Erfolg das Ehrentor. In der 38. Minute fiel das zweite Tor für die Fürther.
In der 4. Minute der zweiten Halbzeit lautet das Torverhältnis 3:1 für Fürth, in der 18. Minute vergaben die Fürther einen Elfmeterball, fünf Minuten später fiel (noch kämpfen die DfBer mit viel Aufopferung) das vierte Tor, aber nun ließ der Elan der Hiesigen doch nach und die Gäste drängten die Grünweihen für den Rest der Spielzeit völlig zurück. Die genaue Zusammenarbeit der Fürther, die nicht die geringsten Ermüdungserscheinungen zeigten, ließ die Gießener nicht mehr zum Zug« kommen und in regelmäßigen Abständen fielen weitere drei Tore,
Das Publikum, es waren 1200 Zuschauer erschienen, verfolgte den Kamps mit großer Aufmerksamkeit. Leider mußte die Feststellung gemacht werden, daß einige Gruppen von Zuschauern es für notwendig hielten, bei Mißerfolgen der Gießener höchst unangebracht zu lachen. Im großen und ganzen verhielt sich das Publikum sehr diszipliniert und erkannte die sportlichen Leistungen, die auf beiden Seiten gezeigt wurden, an. Das Spiel war ein glücklicher Auftakt der diesjährigen Fuhballsaison.
DsR. Jürtt) siegt in Julda 4:1.
Den süddeutschen Gästen war auch in Fulda ein Sieg sicher und sie errangen ihn auch dort in erwarteter Höhe. Die Borussen, die sich von jeher als den Gießenern technisch überlegen erwiesen,
Nachdruck verboten.
2. Fortsetzung.
Das bißchen Erde.
Zftoman von Richard Gkowronnel.
Copyright by I. Engelhorns Nächst. Stuttgart.
stellen konnte, daß er vor Errichtung des (Satter8 mehr als zwanzig jagdbare Hirsche alljährlich abgeschossen hätte und das Vierfache an Kahl- wild. Und das verhielt sich in der Tat so. denn seine tausend Morgen Wald bestanden fast ganz aus dichten Kiefernschonungen, weil er vor Jahren bereits wegen drückender Schulden die alten Buchen und Eichen hatte hcrunterschlagen lassen, und das Hochwild zog sich namentlich zur Winterzeit nach den Dickungen, da es dort reichliche Gelegenheit zum Schälen an den saftigen Kiesernsprossen hatte. Um die Zeit aber lud der Baron von Köhnemann sich ein halb Dutzend Moltzahner .,Schützenbrüder" ein — anständige Jäger gaben sich zu so unweidmännischer Hantierung nicht her —. die Schonungen wurden mit hohem Jagdzeug umstellt, und es Hub ein, Morden an, daß am Abend nach solchen „Jagdtagen zuweilen mehr als dreißig Stück Rotwild auf der Strecke lagen. Und dieser nicht unlohnende Beiried hatte mit einem Male ein Ende, als an der Vellahner Grenze das feste Gatter stand, denn der Revierjäger Schwarz leistete sich zuweilen noch eine kleine Extrarache. Don Zeit zu Zeit setzte er seine beiden Teckel Waldmann und Waldine nächtlicherweile in die Alten-Krakower Schonungen, und die scharfen kleinen Racker machten ganze Arbeit. Was an Rot- und Schwarzwild noch in den Dickungen steckte, rückte aus. salvierte sich vor den bösartigen Kläffern ins Vellahner Revier, durch die „Einsprünge", die man wohlweislich im Gatter angelegt hatte: eine Art von großen Mausefallen, die dem Wilde wohl das Einwechseln, aber nicht mehr die Rückkehr gestatteten - - ■
So kam es, dah schon nach wenigen Monaten der Baron von Köhnemann, wie man zu sagen pflegte. ..keinen Schwanz mehr" in seinem Revier besaß, auf seiner nächsten Winterjagd kamen ein kümmerliches Stück Damwild und ein räudiger Fuchs zur Strecke. Der Vellahner Herr lachte nur, wie es seine Art war, ein herzhaftes schütterndes Lachen, als ihm das klägliche Ergebnis berichtet wurde ... Vielleicht aber, wenn es ihm vergönnt gewesen wäre, weiter in die Zukunft hinauszusehen. daß er dann das Datier wieder abgerissen hätte. Etliche Jahre später zahlte es chm der Nachbar an dem einzigen Jungen heim ... , _
Der Alten-Krakower war em leidenschaftlicher Jäger. Ein „Schießer" mehr als ein Weidmann, aber sind bekanntlich die Schlimmsten! Als es nun im eigenen Revier nichts mehr zu erlegen gab, hing ihm die Büchse untätig im SchraM Denn von den Nachbarn wurde er aus Rücksicht auf den Vellahner nicht eingeladsn, 2n seine Seele aber fraß sich ein dumpfer Groll, und nicht bei sich selber suchte er hie Schuld, sondern bei dem andern, der ihm durch sein böswilliges Vorgehen di« herrlichste aller Lebensfreuden, eie
Sache des Revierjägers zu der feinigen, ritt Persönlich nach Alten-Krakow hinüber, um die leidige Angelegenheit mit einer kurzen Aussprache in Ordnung zu bringen, denn was Recht war, mußte Recht bleiben. Der Nachbar konnte nicht willkürlich die alte Jagdsolge brechen, nur well der Schütze auf Der andern Seite fein Herrenjäger war. Aber sei es, dah der Baron von Köhnemann an dem Tage mit dem linken Fuße zuerst aus dem Bett gestiegen war oder bei Tisch zu viel Rotwein getrunken hatte, statt der gütlichen Einigung gab es eine gröbliche Auseinandersetzung, und der Vellahner Herr tarn mit leeren Händen wieder heim.
Zuerst ärgerte er sich Darüber. Dann aber lachte er, Daß seine ganze schwere Gestalt schüt- lerte; er hatte ein Mittel gesunden, dem Alten- Krakower die „JagDgnietschigkeit" gründlich und für alle Zeiten zu versalzen. Dem Revierjäger Schwarz schenkte er zum Tröste Den Abschuß eines andern braven Hirsches — es gab ja genug davon in Der Vellahner Wlldbahn —, am nächsten Tage aber begann am Grenzrain ein eifriges Arbeiten. Zweieinhalb Meter hohe Eichenpf äh le wurden in kurzen Abständen eingegraben und dazwischen feste Eisendrähte gespannt, ein Gatter wurde errichtet, das Dem Alten-Krakower für immer den freien Wildwechsel abschnitt. Damit war es auch mit seiner Hirschjagd vorbei, denn sein Revier war nur klein, umfaßte knapp tausend Morgen. Als ein schmaler Zipfel schloß es sich an Die ausgedehnten Vellahner und Hohenrömnitzer Waldungen, Die wiederum mit Den großherzoglichen Staatsforsten einen meilen- und meilenweiten Komplex bildeten. Von der andern Seite aber war keinerlei Zuzug zu erwarten, denn hinter Der Alten-Krakower Feldmark lagen drei sehr große Dörfer, und der emsige Wirtschaftsbetrleb Der Bauern behagte Dem eDlen Rotwilde nicht, das schon gegen geringfügige Störungen empfindlich war unD gar leicht leinen Standplatz wechselte.
Als nun der Baron von Köhnemann sah, daß es mit dem Gatter Ernst wurde, zog er andere Saiten auf und schickte das einbehaltene Geweih des Vierzehnendecs mit einem höflichen Entschuldigungsschreiben zurück, das Ganze wäre nur ein bedauerliches Mißverständnis gewesen. Der Vellahner Herr jedoch erwiderte ebenso höflich, zu seinem Leidwesen könnte er Die verspätete Entschuldigung samt dem Geweih nicht annehmen. Auf dem Heimwege damals nach Der fruchtlos verlaufenen Unterredung hätte er sich Das Wort gegeben, soviel an ihm läge, würde er Dafür sorgen, daß sein Herr Nachbar keine Hirsche mehr zu schießen bekäme, und fein Wort müßte man halten. Der Alten-Krakower wiederum revanchierte sich mit einer gerichtlichen Klage wegen Besitzstörung, ober er wurde in allen Instanzen abgewiesen, obwohl et unter Beweis
Ter Leibkutscher Fuhbel, Der mit seinem Gespann auf der Freitreppe gehalten hatte, wußte nur zu berichten, es müßte etwas Fürchterliches gewesen sein. Die junge Baroneß hätte geweint, daß es draußen zu hören war, Der Alten- Krakower immer dazwischen mit seiner groben Stimme, dah Die Fenster klirrten, und mit einem Male hätte auch Graf Malte aufgeschrien, so unnatürlich unD taut, Daß es »ihm draußen im Sattel ganz kalt über Den Rücken lief. Und eine kleine Weile später wäre Der junge Herr her- ausgekommen. mit Dem Taschentuche norm Gesicht, und es hätte ausgesehen, als könnte er sich nicht recht auf den Füßen halten. Ganz mühsam wäre er in den Wagen gestiegen, und da hätte Der Baron von Köhnemann den Fensterflügel aufgerissen unD Dem Davonfahrenden noch etwas nachgeschrien, aber weil Die Räder über das holper.ge Steinpflaster rasselten, wäre es, Gott sei Dank, nicht zu verstehen gewesen.
Das war alles, was der Leibkutscher Fuhbel zu berichten wußte, aber Lentz meinte, es wäre mehr als genug, Damit Die beiDen Herren sich am nächsten Morgen mit der Pistole in Der Hand gegenübertreten mühten. Und im allerletzten Grunde eigentlich um nichts anderes als nm ein paar wertlose Knochen, um ein Plundriges Hirschgeweih, das der Baron von Köhnemann vor lenen langen Jahren nicht hatte herausgeben wollen, obwohl zwischen Vellahn und Alten- Krakow seit ewigen Zeiten eine gerechte Jagdfolge bestand, wie es sich unter anständigen Nachbarn gehörte. Damit hatte es angefangen. Aller Haß und alle Wirrnis stammte aus dieser lächerlich kleinen Ursache ... Der Hirsch hatte auf Vellahner Gebiet die Kugel bekommen, war, schwer.rank. über die Grenze gewechselt und in einer Alten-Krakower Kiefernschonung verendet. Nach altem Brauch und Herkommen gehörte das Geweih dem Schützen, aber weil es ein braver Dier;ehnender war und Der Hirsch nicht von dem Vellahner Gutsherrn selbst erlegt worden war, sondern nur von seinem Revierjäger Schwarz, verweigerte der Baron von Köhnemann unter allerhand nichtigen Ausreden die Herausgabe der Trophäe. Der Revierjäger Schwarz. Dem Der Abschuh Des Hirsches von seinem Herrn als Belohnung gewährt worden war für Das Abfassen eines Schlingenstellers, beschwerte sich in einem respektvollen Schreiben und erhielt keine Antwort. Da machte Der Vellahner Herr Die
Betätigung der Jagbpassion, geraubt hatte. Wenn er Den Namen Des Grafen Römnitz hörte, spie er aus, unD allmählich entwickelte sich zwischen Den beiDen Nachbargütern eine FeinDschaft, toi« sie ingrimmiger toohl kaum ersonnen werben konnte. Alle Tage gab es Streitigkeiten wegen irgendeiner geringfügigen Grenzverletzung, jeden kleinen Aniah benutzte der Alten-Krakower zu einem Prozesse, die Forstbeamten schossen sich wechselseitig die Hunde tot, und wenn Die Knechte auf Dem TanzboDen zusammentrafen, setzte es blutige Kopse. Da riß auch Dem sonst so gutmütigen Vellahner Herrn der Geduldsfaden.
Eines Tages traf er den Alten-Krakower an der Feldgrenze, beide Herren waren allein, und was zwischen ihnen sich abgespielt haben mochte, wußte kein Mensch zu erzählen. Nur als> der Vellahner heimkehrte, sagte er mit seinem schlitternden Lachen zu seinem Vertrauten: „Du, Lentz, heute hab' Ich's dem da drüben" — den Namen Köhnemann sprach er nicht gern aus — „unter vier Augen gründlich besorgt. Prozesse rann er mit mir führen, so viel er will, hoffentlich aber unterläßt er's von jetzt an, mir über die Drenze hinweg Schimpfreden an den Kopf zu schmeißen. Von dem Alten-Krakower aber wurde erzählt, er wäre von dem Zusammentreffen nur ganz mühselig nach Hause gekommen und hätte unter Dem Vorwande eines Hexenschusses Drei Tage lang Das Bett hüten müssen. UnD in Der ganzen Unv gegenb gab es ein Schmunzeln, Denn so ziemlich jeDermann gönnte ihm wegen seiner ewigen Stän- fereien Die unfreiwillige Bettruhe ...
So spann sich Die FeinDschaft von Jahr zu Jahr unD hörte nicht auf. selbst als Der Vellahner Herr eines Tages Das Zeitliche gesegnet hatte. Nur Die Prozeßakten Des Barons von Köhnemann bekamen ein anDeres Aktenzeichen. Nicht mehr gegen Den Grasen Römnitz lauteten sie. sondern gegen Die Vellahner Gutsverwaltung. Alles andre blieb wie sonst. Die Kühe tourDen gePfänDet, wenn sie einmal über Die Grenze liefen, Die Förster schossen sich gegenseitig Die HunDe tot, unD Die Knechte verprügelten einander, wenn sie auf dem Tanzboden jufammen- stiehen. Und nur zwei Menschen gab es, Die sich an die alte Feindschaft nicht kehrten. Ein blondhaariges Mädchen, das frisch aus der Strelitzer Pension in das freudlose Vaterhaus zurück- gekehrt war, und ein schlanker junger Mann, der eben bei den Friedeoerger Dragonern sein Jahr abgebient hatte unb nun auf bem väterlichen Gute sich ein wenig um bie Wirtschaft kümmern sollte, um später einmal bas Hohenrömnitzer Majorat zu übernehmen, zu bem er aller menschlichen Voraussicht nach der nächstberechtigte Erbe wär. Die Ehe seines Oheims, des Erblandmarschalls Grafen Römnitz, war schon seit mehr als siebzehn Jahren kinderlos ...
(Fortsetzung folgt.)


