Ausgabe 
10.7.1931
 
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

M. 159 Zweites Blatt

Zreitag, 10. Juli 1951

SJl.-tfpott

Heiligen Römischen Reiches Deutscher Ration. I Eine historische Rcminiscenz muf) bab

Dieser Friede hat den unglaublichen und wider- 1 dacht werden. Straßburg batte, als es französische

sinnigen Greueln des furchtbaren Krieges ein Ende gesetzt: aber der Friedensverrrag war min­destens ebenso sinnlos wie der Krieg, und ein Vergleich des Dertragsdokumentes mit der Rie-

kriegerisches Ka- Befreiungskriege über Straßburg

Wieder begann ein äußerst Pitel der Weltgeschichte, die gingen über Elsaß »Lothringen, hinweg: 1814 und 1815 wurde

Der Friede von Frankfurt im Mai 1871 brachte Elsaß-Lothringen zum Deutschen Reiche zurück. älTrd 47 Jahre hindurch bildete Straßburg nun die deutsche Hauptstadt des Landes, war Straß­burg der Sitz des Statthalters der Reichslande. Dis zum Weltkriege hat Straßburg einen un­geheuren Aufschwung genommen, die Fahl der Bevölkerung wuchs auf das Doppelte von 85 000 auf 165 000 an. Der Wohlstand mehrte sich, die Straßburger Bürger erfreuten sich wie­der in Ruhe aller Güter, die unverfälschte deutsche Kultur ihnen beschied.

...-----die Stadt sogar

von den verbündeten deutschen Armeen einge­schlossen. verblieb aber leider nach dem Frieden von Paris auch weiterhin den Franzosen. Erst im Jahre 1870 schlug die Defreiungsstunde. Wie­der begann ein Konflikt zwischen Deutschland unb Frankreich. Die preußische Armee des Generals von Werder schloß Straßburg ein und forderte den Kommandant der Festung auf. sich zu er­geben. Zwei Monate hindurch mußten die Straß­burger infolge der sturen Haltung ihres Komman­danten die Schrecken einer Belagerung, eines Bombardements ertragen. Richts nutzte. Mehr als 200 000 Schüsse mußten Deutsche auf die deutsche Stadt abgeben. Mehr als 2100 Todes­opfer forderte die Beschießung. Als ein Glück muß es bezeichnet werden, daß der Brand, der infolge des Bombardements im Thor deS Straß­burger Münsters ausbrach, schnell gelöscht wer­den konnte. Unersetzlich wäre der Verlust ge­wesen, wenn das ganz: herrliche Bauwerk ein Raub der Flammen geworden wäre.

Handlung gebracht werden mußte. Der verun­glückte Kraftwagen wurde stark beschädigt und mußte abgeschleppt werden.

Preußen.

Mrcie Wetzlar

3 Krofdorf, 9. Juli. Auf der Straße von hier nach Kinzenbach hat sich gestern abend ein A u t o u n f a 11 ereignet, der noch gut abge­laufen ist. Ein von Kinzenbach kommender Kraft­wagen wollte einem von Krofdorf kommenden ausweichen, fuhr dabei gegen ein Brückenge­länder und von da in den vorbei fließen den Dach. Das beschädigte Auto mußte abtranSvortiert wer­den. Personen sind glücklicherweise nicht zu Scha­den gekommen.

Mrcie Biedenkopf.

T Waldgirmes, 9. 3uli. Die (S r b b c tr­et n te in unfern Wäldern ist in diesem 3ahrv sehr reichlich. Rach der Abfassung der Schase haben sich in den hohen Kiefern- und Ficht cn- beständen große Erdbeerpslanzungen ausgebreitet. Auch die Himbeeren und Drombeeren, sowie die Haselnußsträucher haben außerordentlich guten Behang.

Maingau.

WSR. Frankfurt a. M., 9. Juli. Gestern vormittag wollte eine im Haute Hansa-Allee 109 wvhnhaf e Kontoristin Sachen ausb ge n. Das von ihr benutzte elektrische Bügeleisen wurde aber nicht heiß. Sie ließ versehentlich den Stecker in der Steckdose und begab sich an ihre Arbeits­stätte. Inzwischen war das Eisen so heiß gewor­den, daß es ein Möbel st ück in Brand setzte. Am Rachmittag wurde von den Anwohnern star­ker Rauch aus dem Zimmer wahrgenommen und die Feuerwehr alarmiert. Sie konnte den D r a n d in einiger Zeit löschen.

26. Ruder-Regatta in Gießen.

Unserem ausführlichen Vorbericht ist noch nach­zutragen. daß dem Programm für Sonntag auch einige interessante Nummern eingefügt sind, die von befreundeten hiesigen Vereinen be­stritten werden. Um 15.10 Uhr findet als Werbe­veranstaltung des Gießener Schwimmver­eins ein Wasserballspiel statt und daran an­schließend ein Wettrudern zwischen der acht- riemigen Jolle und dem zehnriemigen Kutter der 3ugcnbableilung des Marinevereins Gie­ßen. Beide Boote sind seetüchtig und stammen von der alten Marine. Das Regattaprogramm ist dadurch um zwei besonders interessante Rum­mern bereichert worden. Die prächtigen Wander­preise, Hcraussorderungspreise und Ehrenpreise, darunter auch ein. vom Verein Uferkritik für den Lahn-Achter wieder neugestifteter Her­ausforderungspreis und ein vom Lahn-Regatta- Verband, anläßlich dessen 25jährigen Bestehens gestifteter 3ubiläumspreis, sind in einem Erker des Teppichhauses Hochstätter am Kreuz- plah vom Freitag ab ausgestellt. RähereS über oen Beginn der Vorrennen, Hauptrennen, Kon­zert. Eintrittspreise usw. ist aus dem gestrigen Anzeigenteil ersichtlich.

25. Jahre Lahn-Oünsberg-Gau.

Sauturnsest in Londorf.

Am morgigen Samstag und am Sonntag findet in Londorf das diesjährige Gauturnfest statt. Heber 250 Turner und Turnerinnen werden zu friedlichem Wettkampfe zusammenkommen. 3n allen Klassen sind schöne Kämpfe zu erwarten. Besonders für die Oberstufe (Zwölfkampf) sind zahlreiche Meldungen eingegangen. Aber auch m den anderen Klassen wie Mittelstufe (Zwölf- unb Neunkampf), Reunkampf der 3ugendlichen, volkstümlicher Dierkamps der aktiven und jugend­lichen Leichtathleten, wird mit guten und besten Leistungen aufgewartet werden.

Besonderen Charakter erhalt diese Veranstal­tung dadurch, daß mit derselben zugleich das

derschrift des Diktats von Versailles im 3 ah re 1918 liegt sehr nahe. Auch in Osnabrück und Münster hat man sprachlich geschlossene Bezirke. Landstrecken, willkürlich zerrissen. Besonders im Elsaß wurden die Auswirkungen dieser sinnlosen Aufteilung bemerkbar. Das flache Land wurde zum überwiegenden Teil als französisches Ho­heitsgebiet erklärt: erfreulicherweise aber blieben die meisten Städte, darunter auch Straßburg, dem Deutschen Reiche erhalten. Eine Stadt ohne Hinterland ist aber keine Stadt mehr. Straßburg, die deutsche Stadt, mit einem Kranz von Dörfern umgeben, die französisch waren: das gab ein so unmögliches Bild und eine derart widersinnige Lage für die elsässische Hauptstadt, daß dieser Kopf ohne Körper nicht lebensfähig bleiben konnte. Und diese Sachlage machte sich Lud­wig XIV. zunutze, der nach gut französischer Art eine Politik der Eroberungen rücksichts­los durchführte, um Frankreich die Vorherrschaft in Europa äu sichern. Auch hier liegt der Ver­gleich mit den Ereignissen unserer Tage nahe.

3m Verlauf der sogenannten Reunionen wurde Straßburg 1681 kampflos besetzt. Und die Fran­zosen erfLärten mit Stolz, daß diese Besetzung sogar im Einverständnis mit dem geistlichen Ober­hirten der Stadt, dem Bischof Franz Egon von Fürstenberg geschehen sei. Diese Behauptung ist leider richtig: der Kirchenfürst hatte aus der eigenartigen Lage Straßburgs, das seiner natür- lichnr Hilfsquellen beraubt war, eine falsche Erkenntnis gezogen: er glaubte, der Stadt helfen zu formen, indem er sie ebenso französisch wie das Hinterland machte. Ein 3rrtum, der sich an der Stadt Straßburg, der einstmals blühenden freien Reichsstadt sehr schnell rächen sollte. Wohl hatte Ludwig XIV. Straßburg eine Sonderstellung im Staate eingeräumt; wohl bestätigte erfeiner liebem» Stadt Straßburg'' feierlich und oft alle Privilegien. Aber nicht lange daraus machte die französische Revolutton dieser Scheircherrlichkeit ein Ende. Und wieder einmal über Rächt wurde diefreie königliche Stadt" zum Hauptvrt eines französischen Departements degradiert.

Stadt war, gewiß keinen Grund, die Revolution zu verherrlichen. Aber ausgerechnet hier ent­stand das aufwühlende Lied der Revolution, die Marseillaise. 3m Hause des Bürgermeisters von Straßburg war es, wo Rouget de Lisle am 25. April 1792 den versammelten Zuhörern zum ersten Male sein .Sturmlied der Rheinarmee" vorsang, das alsbald das Kampflied der Revo­lutionsheere wurde, und noch heute die Rational­hymne der Franzosen bildet.

hiesigen Vereine werden ihm das Gepräge geben. Die Vorbereitungen, für das Fest sind bereits ab­geschlossen. Man erwartet einen würdigen Verlaus der 3ubUäum»feier

-/- Lich. 9. 3uli. DaS Konzert des Ber­liner Mvzartchores. das am Montag in der Turnhalle stattsand, war sehr gut besucht. Außer einem wohlgelungenen Sprechchor und einigen Volkstänzen wurden von den etwa 100 jugendlichen Sängerinnen und Sängern Chöre wie der gegeben, die mit bewundernswerter Rein­heit, Sicherheit und klarer Aussprache zum Vor­trag gelangten. Dem Chor und feinem verdienten Leiter, Chormeister Erich Steffen, wurde rei­cher Beifall zuteil.

]) L i ch, 10.3uli. Gestern gegen 17 Uhr er­eignete sich auf der Landstraße Riederbessingen Lich In der Kurve etwa 500 Meter vor dem Orts­ausgang Riederbessingen ein Autounfall. Rach der Darstellung von Augenzeugen hat sich der Unglückssall wie folgt abgespielt: Der Schaf- Herdendesiher 3oh. Hch. aus Dom-Assen- heim befand sich mit seinem Personenauto auf der Fahrt von Riederbessingen nach Lich. 3n der Kurve wich er, vorschriftsmäßig rechts fah­rend, einem entgegenkommenden Motorradfahrer aus, verlor dabei die Herrschaft über seinen Wagen und stürzte in den linken Straßengraben, wobei sich das Auto überschlug und den Führer, sowie die mitfahrende Frau Philipp Schwa lz Witwe (Riederbessingen), die in Lich Einkäufe besorgen wollte, unter sich begrub. Die beiden Verunglückten wurden von den 3nsassen eines hinzukommenden Autos aus ihrer mißlichen Lage befreit. Eh kam bei dem Unfall mit dem Schrecken davon, während die Frau leichtere Ver­letzungen am Kopse, an den Händen, an der Brust und an den Deinen davontrug und mit dem hinzukommenden Auto nach Lich in ärztliche De-

25jährige Deichen des Gaues gefeiert wird. Der 3ubiläumstommers am Samstagabend wird der Auftakt fein, An diesem Abend sollen die Turner­führer Daüpert. Wiefeck: Schmidt, Launs- bach, und Lotz, Wieseck, geehrt werden.

Der Sonntag ist ausgefüllt mit der Durch­führung aller Wettkämpfe. Am Rachmittag wer­den die Freiübungen geturnt, außerdem turne­rische und sportliche Darbietungen vorgesührt.

Man erwartet auch diesmal guten Verlauf der Veranstaltung.

Handball im Lahn-Oünsberg-Gau.

Wißmar k Schiedsrichter I 6:4 (4:2).

Am Sonntagmorgen wurde auf dem Wiß- marer Sportplatz ein Handballspiel der Schieds­richter-Vereinigung des Turngaues Lahn-Düns- berg gegen Wißmar I audgclragcn. Die Schieds­richter-Vereinigung bestand aus erstklassigen Kräf­ten, welche sich jedoch zu Anfang im Zusammen­spielen noch nicht recht verstanden, so daß Wiß­mar durch gutes Kombinationsspiel für kurze Zeit in Führung gehen konnte.

Rachdem jedoch die Schiedsrichter kurz nach dcr Halbzeit schon den Ausgleich herbeiführten, entspann sich bis zum Schluß ein äußerst span­nendes Spiel, das jedoch Wißmar durch 2 Tore sicher für sich entscheiden konnte.

Wißmar ll Schiedsrichter II 4:6 (0:2).

Wißmar II konnte infolge der technisch über­legenen Schiedsrichter in der 1. Halbzeit kein Tor erzielen. 3n der 2. Halbzeit gestaltete sich wohl das Spiel für Wißmar besser, der Vor­sprung der Schiedsrichter war aber nicht mehr auszugleichen.

Abendsportfest in Bochum.

Trotz Regen 3000 Zuschauer und gute Leistungen.

Das am Mittwochabend von TuS. Dochurn ver­anstaltete Sportfest wurde von einem Dauerregen empfindlich betroffen. Dennoch kamen 3000 Zu­schauer und wenn diesen zunächst auch die Ab­sagen von Körnig, Verger und einigen anderen

Athleten eine weitere Enttäuschung bereiteten, so wurden sie doch im Laufe des Abends durch eine Anzahl von schönen Kämpfen entschädigt. Die Sprint- holte sich 3onatb leicht, LammerS spielte feine Rolle Lieber 400 Meter lieferten sich Borchmeder und der österreichische Rekord- mann Rinner einen packenden und zermürben­den Kampf. auS dem der Hochschulmeister Hocke als lachender Dritter und Sieger hervorging. Der erschöpfte Rinner gab auf. Dr. Peltzer fer­tigte über 800 Meter den Studenten Danz knapp ab und im Weitsprung nahm Mölle (Köln) Re­vanche an feinem Bezwinger in Stamford Bridge, de Boer. Gute Ergebnisse gab eS auch noch im Diskuswerfen. Hier und im Kugelstoßen kam Emil Hirschfeld zu einem Doppelersolg. (Kugel­stoßen 14,53; Diskus 43.71 Meter.)

Dom Nürburgring.

Runtsch auf NSU-SS Sieger dcr Klaffe 1000 ccm. Ruttchen, Erkelenz, auf NSU-SS schnellster deutscher Fahrer.

Don allen internationalen Motorrad-Wett­bewerben dieses Jahres hatte wieder dcrGroße Preis von Deutschland" der am 5. 3uli auf dein 28.3 Kilometer langen Kurs des RürburgringeS ausgettagen wurde, die hervorragendste Be­setzung gefunden. Insgesamt 61 Fahrer wur­den vom Starter auf die beschwerliche Reise geschickt. Während die Fahrer der kleinen Ma­schinen 13 Runden = 367,9 Kilometer, die Fahrer der 350er Kategorie 14 Runden - 395,2 Kilo­meter zurückzulegen hatten, mußten die Konkur­renten der 500-ccm- und 1000-ecm-Klasse 15 Run­den =» 424 5 Kilometer bewältigen.

3n der 350er-Klasse standen nur vier deutsche Maschinen gegen acht erprobte Ausländer. Leider war es den deutschen Fahrern nicht vergönnt, den Sieg zu erringen. Die Halbliter klasse, in weicher der Kamps am stärksten tobte, war von der Elite der englischen Rennfahrer besetzt. Rur die drei NSU.-Maschinen, welche für diese Klasse gemeldet waren, vertraten die deutschen Farben: leider stürzten die beiden NSU.-Fahrer Reheis und van HamerSfeld schon nach kurzer Zeit, doch konnte sich der NSU.-Fahrer Rüttchen be­haupten. Er beendete das Rennen mit wenigen Minuten Zeit-Differenz im DurchschnittS-Tempo von 102 Stunden - Kilometer und erhielt den Ehrenpreis als schnellster deutscher Fahrer auf schnellster deutscher Maschine.

Der NSU.-Fahrer Runtsch beendete als Sie­ger der 1000-cem-Klasse daS Rennen in der Zeit von 4.02.27 = 104 9 Stunden-Kilometer und er­reichte damit die drittbeste Zeit des Ta­ges mit nur 4 Minuten Differenz gegenüber der TageSbestzeit der schnellsten englischen Fahrer.

12. Rhönsegelflug-Weitbewerb.

3n der Zeit vom 22. 3uti bis 5. August geht in der Rhön mit dem 12. Rhönsegelflug-Wett- betoerb die größte Veranstaltung des deutschen Segelsportes vor sich. Die traditionellen Flüge von der Wasserkuppe haben eine erfreulich große Zahl von Rennungen erhalten. 3nsgesamt wur­den 60 Meldungen abgegeben, die sich aller­dings nur auf Deutschland erstrecken. Reben den bekannten Fliegern Kronfeld, Groenhoff, Mayer usw. haben auch eine Reiße junger Flieger gemeldet. Mit Rücksicht auf die beschränk­ten älnterkunftsmöglichkeiten werden die Veran­stalter die Anzahl der Flugzeuge auf 40 redu­zieren müssen.

Rund um Scholien".

Die deutsche Molorrodmeisterschafk.

Arn 19.3uli startet im RennenRund um Schotten" der dritte Lauf um die deutsche Meister­schaft für Motorradfahrer. Das Rennen verspricht eine ganz ausgezeichnete Besetzung. 14 Tage vor dem ersten Rennungsschluß war die Zahl der Meldungen schon höher als die Endzahl des vorigen Jahres, man rechnet mit Bestimmtheit bamit, daß die Zahl von hundert Teilnehmern erreicht wird.

Die einzelnen Felder sind ganz hervorragend besetzt. Mit besonderer Spannung erwartet man den Ausgang der Meisterschaftskämpfe. Rach den Rennen auf der Eilenriede und dem Sachsenring

Das Diktat von DersaillesrißElsaHothnngen wieder von der deutschen Mutter weg. Straßburg wurde geraubt und soll heute eine französische Stadt darstelten. Dem Süßeren Eindruck nach ist das richtig: in einem wütenden Kampf gegen alles Deutsche haben die Franzosen überall ihre Bezeichnungen anbringen lassen, sie haben au8 deutschen Einrichtungen französische gemacht, deutschen Sttaßen und deutschen Plätzen franzö­sische *71 amen gegeben. Aber all das ist nicht mehr als Tünche: wer mit den Straßburgern näher zusammenkommt, spürt, immer wieder eindring­lich, daß sie trotz der Zeit der Reunionen, trotz des Diktats von Versailles Deutsche geblieben sind.

Oie Köchin als Medium.

Eine spiritistische Komödie, bei der eine fin­dige Köchin die Hauptrolle spielt, ist dieser Tage tft Lyon enthüllt worden. Eine reiche Witwe, die bem Okkultismus ergeben ist, entbedte in ihrer Köchin hervorragenbe mebiale Eigenschaften, und entzückt über diese Begabung des dienstbaren Geistes, veranstaltete sie mit ihr regelmäßige Sitzungen, bei denen die Küchenfee in ständige Berührung mit den Bewohnern des 3enseits trat. Unter denen, mit denen fk eifrige Zwiesprach pflegte, befand sich auch der verstorbene Gatte ihrer Herrin, mit bem die Witwe bei Lebzeiten nicht sehr gut sich vertragen hatte. Desto größere Ehrfurcht brachte sie bem Geist bes Verflosse­nen entgegen und hörte sorgfältig auf alles, was er mitteilte. Der Geist gab nun durch den Mund des Mediums immer häufiger und immer ein­gehender Ratschläge, die sich besonders auf die Führung des Haushaltes bezogen. Der Geist des Gatten zeigte plötzlich ein außerordentliches 3nter- effe an den Löhnen, die die Dame ihren Haus­angestellten zahlte, sowie an der Zusammenstel­lung der täglichen Speisenfolge, und zwar for­derte er, daß die Dienstboten viel besser bezahlt würden als bisher, und empfahl besonders Ge­richte, die die Hausfrau selbst nicht gern, die sich aber in der Küche großer Beliebtheit erfreu­ten. Alle diese Wünsche, die aus dem 3enseits in so autoritativer Form geäußert wurden, mußte die Dame natürlich erfüllen, und so führte die Köchin infolge ihrer Tüchttgkett als Medium ein herrliches Leben.

O Straßburg, o Straßburg..!

73on Ernst Wesner.

Vor 250 3ahren, im 3uli 1681, wurde Straßburg im Zuge der Reunionen mit Frankreich vereinigt.

Wer auf bem Wege nach Frankreich ben Dvbcn Straßburgs betritt, spürt bort ben ersten Eindruck romanischen Geistes. Wer umgekehrt ostwärts fahrend die elsässische Hauptstadt erreicht, begrüßt in ihr den Vorposten deutschen Landes. Zwei Kulturen, eine fast so alt wie die andere, haben sich hier in Straßburg aufs innigste vermengt, sich befruchtet und damit dem künstlerischen und geistigen Leben dieser Stadt außerordentliche Impulse gegeben; stärkere und reichere vielleicht, als mancher anderen deutschen Stabt an Deutsch­lands Strom, die auch einen Vorposten des Deutschtums darstellt.

Straßburgs ungemein günstige geographische Lage drei Kilometer vor der Mündung der 311 in ben Rhein, brachte es mit sich, baß schon zu Zeiten der Römer an ber Stelle bet heutigen Stabt ein blühenbes Gemeinwesen sich erhob. Die römische Sieblung blieb allerbings nicht lange bestehen; im fünften Jahrhundert tourbe der Ort durch die Hunnen grausam und umfassend zerstört. Aber längst hatte sich in der Straßburger Gegend ein wichtiger Knotenpunkt der großen römischen Heerstraße zwischen Ger­manien und Gallien gebildet. Es war selbstver­ständlich und natumotwendig, daß an diesem Knotenpunkt e.ne Niederlassung neu errichtet wurde, diesmal von Alemannen und Franken bewohnt, die ihrer neuen Siedlung nach römischer Art den Namen Strataburgum die Burg an der Straße geben. Die Alemannen auf dem rechten Ufer des Rheins nannten sich allerdings .3Iisazono", die Stadt der in der Fremde Wei­lenden. Zur Zeit des Abschlusses des Vertrages von Verdun im 3ab re 843 wurde Elsaß hem mittelfränkischen Reiche Lothars zugesprochen und so entstand der Name Lotharingien gleich Lothringen. Rach dem Tobe Lothars und seiner Söhne wird das Land zwischen Ludwig dem Deutschen und Karl dem Kahlen aufgeteilt aber bis zum Abschluß des Westfälischen Friedens zu Osnabrück und Münster im 3ahre 1648 verblieb das Elsaß ein unantastbarer Bestandteil des

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

g. Klein-Linden, 9. 3ulL 3n ber jüngsten Gemeinderatssitzung wurde zunächst die Wahlkommission für die am 2. August ftattfin- benbe Beigeorbnetenwahl gewählt. Die Einfüh­rung der allgemeinen Wertzuwachssteuer wurde abgelehnt, da eine nennenswerte Einnahme aus dieser Steuer nicht zu erwarten steht. Die In­standsetzung einer OrtSstrahe soll vorerst zurück- gestellt werden. Dem Gesuch eines außerhalb des Ortes wohnenden Bürgers um Zuleitung ber Waiserleituvg wurde unter besonderen Bebin- Singen stattgegeben. Das Gesuch eines anderen inwohneeS um Zuleitung ber Wasserleitung xu feinem Bauplatz wurde zurückgestellt. Die Aus­führung ber Installationsarbeiten sowie ber Kana'.isationSarbeiten ber Gemeinbegebäude wur^e den in Betracht kommenden hiesigen Ge- schästSleuten übertragen, unter ber Voraussetzung, die Ausführung ber Arbeiten zu bem Dor- SnschlagspreS deS Hessischen HochbauamtS Gießen vorzunehmen. Der hiesige Schützenclub .Roland' beriet in feiner Mitglieberversamm- lung über seine Beteiligung an dem am 2. August zu Krofdorf staltfindenden DundeSschießen. Während dreier Mebungsschießen sollen die fünf besten Schützen des Vereins ermittelt werden. 3m Anschluß an das Bundesschiehen findet für die nächsten Sonntage Ehrenscheibenschiehen und Königsscheibenschießen statt. Mit Rücksicht auf die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse sieht der Verein von der Abhaltung eines PreiS- schießenS ab.

$ Aus dem Buseckertal, 9. Juli. Die Regen- fälle in den letzten Tagen sind den ausgetrockncten Fluren sehr zu statten gekommen. Gemüse, Kartof­feln und sonstige Hackfrüchte zeigen jetzt frisches, üp­piges Wachstum. Auch das Ergebnis der ©rum- meternte wird dadurch sehr günstig beeinflußt. Die überall vorzüglich stehende Getreidefrucht dürste bei günstiger Witterung bald zur Reife ge­langen und keine Enttäuschungen' bringen. Die Imker sind mit der diesjährigen Honigernte nur teilweise zufrieden. Während hier und da die Schleuder fleißig in Gebrauch genommen werden konnte, stehen andere Imker, besonders solche, die unter starkem Schwarmtrieb ihrer Völker zu leiden batten, vor fast leeren Honigräumen. Bei manchem Imker dürften Kosten für Winterfutter und Mittel­wände kaum ausgeglichen werden.

Dg. Großen-Duseck, 9. 3uli. Rachdem man sich vor einiger Zeit über die Plahsrage einigte, wird nun bas Ehrenmal für die im WeltlriegeGefallenenanberRord- se:'e der Kirche errichtet. Aus grauen, von einem S:c.nhauer in Beuern bearbeiteten Steinen wirb ein breit ausladender Altar erbaut, auf den ein gebrochener Eichenzweig auS Bronze zu liegen lammt. Hinter dem Altar werden in der Kirchen­mauer Bronzetaseln mit den Rainen der Gefal­lenen angebrach:. Mm ein geschlossenes Ganzes zu erhalten, wird der seitherige Zugang zur Kirche verlegt und ein weiterer an der Rord- se.re deS Kirchhofes als Aufgang zum Denkmal geschaffen. Grünanlagen um das neue und das siebziger Denkmal werden den Abschluß bilden.

k Reiskirchen, 9. 3uli 3n einer gut be­suchten Versammlung des hiesigen Gewerbe- vereins sprach Geschäftsführer Kirchner- G eßen übet die Abgabe der Vermögenssteuer- Erklärungen. Der Redner erläuterte zunächst die in Frage kommenden geseh.ichen Bestimmungen, um sich dann eingehend mit bet Vermögen s- steuer-Erklärung und ihren Anlagen zu beschäf­tigen. 3n der anschließenden Aussprache wurden auch andere Steuerfragen eingehend besprochen.

Lang-Göns. 9. 3uli. Am kommenden Sonntag begeht die hiesige Freiwillige Feuerwehr ihr 50. Stiftungsfest. Zu­gleich ist bamit ber 11. Derbanbstag ber Freiw. Feuerwehren bes Kreises Gießen verbunben. Außer ben Verbands weh­ren haben auch eine Anzahl Feuerwehren aus anberen Kreisen ihre Beteiligung zugesagt. 3m Rahmen ber Veranstaltung wird ein Festzug burchgeführt. Fünf Feuerwehrkapellen, Reiter- unb Wagengruppen, sowie die Beteiligung ber

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