Nr. 83 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
Zreitag, 10. April 1931
SJ.-fport
Waldlauf derMittelrhein-Tui-nei-(DT)
Kommenden Sonntag bringt der Mittelrhein, kreis der DT. in Frankfurt a. M.-Oberrad feine Waldlanfmcisterschasten -um AuStrag. die dem größten Interefse in Turner- und Sportkreisen begegnen. Aus den 23 Gauen des Kreises nehmen die Besten daran teil. Besonders im Einzellauf entsteht eine scharfe Konkurrenz zwischen dem Titelverteidiger F o r n o f f (Tgs. Darmstadt), Reuter (Tgm. Sachsenhausen) und Mittel (Tgs. Koblenz). Reben diesen sino als ernste An- Wärter auf die Meisterschaft auch Berkholz (Bad Homburg). Voigt (Seligenstadt) und Pfannenschmidt (Stockheim) zu betrachten. Roch stärker dürste der Meistertitel im Mannschaftslauf umstritten sein. Es sind vor allem die Mannschaften von Tgm. Sachsenhausen, Tgs. Darmstadt und Tgs. Koblenz, die sich den Rang streitig zu machen versuchen. Die Besten des nächsten Sonntags werden den Mittelrheinkreis bei dem Waldlauf der DT. gemeinsam mit der DSB. in Hannover vertreten.
Westdeutsche Zußball-Meisterschast.
Fortuna Düsseldorf und Meidericher Sportv. bestreiten am Sonntag in Duisburg das erste Entscheidungsspiel um die westdeutsche Meisterschaft. Als weiterer Teilnehmer an der Runde hat sich bereits BfD. Bielefeld qualifiziert, während der vierte im Bunde noch zwischen Alemannia Aachen und Kassel 03 ermittelt wird. 3n der Runde der Zweiten spielen am 12. April: Sterkrade gegen Rheydter EpB; Echwarzweih Barmen gegen Borussia Rheine. — Die westdeutsche Handballmeistcrfchast wird am Sonntag in Krefeld zwischen Aachen 08 und Tura Barmen entschieden.
Spielvereinigung 1926 Leihgestern.
Leihgestern I — Großen-Buseck Liga 1:6.
Am ersten Osterfeiertag weilte die Ligamannschaft Großen-Busecks zu einem Gesellschaftsspiel in Leihgestern. Leihgestern muhte auf eigenem Plaste die erste Niederlage hinnehmen. Großen-Buseck konnte zur Halbzeit mit drei Toren in Führung gehen. 3n der Mitte der zweiten Halbzeit gelang Leihaestern das Ehrentor, während die Gaste das Resultat auf 6:1 schraubten.
Leihgestern I — Germania Marburg Ligareserve 4:2.
Für den zweiten Osterfeiertag hatte sich Leihgestern die Ligareserve des Sportvereins „Germa- nia“ Marburg verpflichtet. Die Gäste zeigten ein schönes Spiel. Leihgestern ging in diesem Spiel ganz aus sich heraus und konnte bis zum Schluß vier Tore erzielen, nachdem vorher Marburg mit zwei Toren führte.
Am Sonntag fährt die erste Mannschaft zu einem Gesellschaftsspiel nach Steinberg. Die neu ausgestellte Schülermannschaft wird voraussichtlich auf eigenem Platze gegen die gleiche des Sportvereins Klein- Linden spielen.
(Sportverein 1928 Garbenteich.
Garbenteich I — Steinberg I 5:4 (3:1).
2lm ersten Feiertag weilte die I. Mannschaft von Wallenborn-Steinberg in Garbenteich zu Gast. Rach einem harten und wechselvollen Spiel verließen die Plahbesitzer als verdiente Sieger da» Spielfeld. Das Rückspiel in Steinberg verlor Garbenteich durch ein Eigentor mit 1:0. Auch dieses Spiel wurde überaus hart durchgeführt. Garbenteichs II. Mannschaft spielte gegen Dutenhofens II. unentschieden 1:1.
Kreuzweg der Lebe.
Vornan von Paul Grabein
UrheberrcchtSschuh: Romandienst _Digo". Berlin W 30.
21. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Ursula fuhr auf aus ihrer Betäubung. Was sollt« das alles? Wie durfte er diese Frage an sie richten? Alnö sie wollte davon stürzen. Er aber ergriff, zum letzten entschlossen, ihren Arm und hielt sie zurück.
„Alrfula, beantworte mir die einzige Frage wenigstens — das bist du mir schuldig: Liebtest du Drenck schon damals, als alles kam, als du — noch mein warst?"
„Das konntest du glauben?" Wie ein Aufschrei entrang es sich Ursulas Brust.
„Also nein? — Rein!" Fast jubelnd stieß es Wigand hervor. „Dann weiß ich alles: Ein Opfer war deine Ehe — ein Sühneopfer!"
©ein« entflammten Blicke verzehrten ihr süßeS, blasses Gesicht, so dicht vor ihm. 3n der flüchtigen Sekunde, wo er die angstvoll Widerstrebende so zurückhielt, jagten sich seine Gedanken wie Blitze:
-Die lieb, wie schön war sie! Sein eigen war sie einst gewesen, und das sollt« ihm nun auf ewig verloren sein! Rur um einer einzigen, unseligen Stunde des Vergessens willen, für die sie berde in langen Leidensjahren schwer gebüßt hatten. Warum muhte eS denn sein? 3enem anderen war sie nichts, nur eine lästige Fessel — M hatte ihn nie geliebt, nur aus Mitleid ihn genommen — was hinderte sie also, ihre Bande zu sprengen, frei zu werden — wieder sein zu werden — sein, dem sie gehörte mit dem heiligen Recht der Liebe?
And näher beugte er das Antlitz zu ihr, die entsetzt rang, sich aus seiner Hand zu befreien. 3hr Widerstand, das Anringen ihrer garten Glieder gegen seinen zwingenden Grifs raubte ihin den Rest der Besinnung. Lohend schlugen die Gluten seiner Liebe über ihm zusammen.
„Arsula!" Sein heißer Atem schlug ihr ins Gesicht. „Deine Ehe ist ein furchtbarer 3rrtum, der uns alle zugrunde richtet: ihn, dich und mich! Mach ein Ende damit, mach dich frei! — Arsula, ich kann nicht ohne dich leben! Sei wieder meinI“
Die im leidenschaftsbehenden Flüsterhauch her- vorgestvhenen Worte, der heiße Hauch seines Mundes in ihrem Gesicht, drohten ihr die Besinnung zu rauben. Es kam über sie wie damals als Braut vor Drencks Ankunft, wo er sie auch so an sich gerissen und mit seinen Liebkosungen fast erstickt hatte — kam über sie wie ein süßer, lähmender Dann, der jede Wider st crnds kraft aus-
Handball im Gau Hessen (O.T.)
Der Turnverein L i ch hatte an Ostern den befreundeten Turnverein 1850 Bad-Rauheim mit zwei Mannschaften bei sich zu Gast. Tv. 1860 Dad-Rauheim Ii gewann gegen Lich l 6:3, nachdem in der Halbzeit noch Lich 2:1 geführt hatte. Schwerer hatte es Dad-Rauhrims 3ugent». sich gegen den körperlich überlegenen Gegner durch- zulehen. Das Treffen der Zugendmannschatten endete 1:0 (0:0) für Dad-Rauheim. Tags darauf weilte übrigens eine kombinierte Mannschaft des Tv. 1860 Bad-Rauheim in Kirchhain, wo sie von der ersten Elf des dorttgen Turnvereins 4:1 (IX)) geschlagen wurde.
To. Großen-Linden I — Io. wchlor II 9:0 (3:0).
Dieses Treffen endete mit einem überraschend hohen Siege der Großen-Lindener. Die Gäste waren aber keinesfalls so schlecht, wie aus dem Resultat hervorgeht. Sie waren im Feldspiel fast gleichwertig, aber der Sturm versagte vor dem Tore vollkommen. Wesentlich anders war es bei der Stürmerreihe des Gastgebers, denn diese mach e sich d e gerügte Schußgciegenheit zu nutz en. Vorher unterlag die 3ugend Grohen-Lindens Lützellindens 3ugend 2: 4.
To. Großen-Buseck I — Liga Rol-Dciß Frankfurt 5:3.
Mit der Verpflichtung der Frankfurter Gäste hatte man einen guten Griff getan. Frankfurt stellte eine äußerst körperliche Mannschaft ins Feld, die mit allen Mitteln des Erlaubten um den Sieg kämpften. Dagegen hatte Großen-Buseck eine sehr schnelle und eifrige Vertretung, wodurch ein Gegengewicht geschaffen wurde. Das Spiel war von Anfang an spannend. Die Hauptstärke der Frankfurter lag im Sturm und in der Abwehrarbeit. Daß jedoch nicht mehr Tore geschossen wurden, lag lediglich am Dusecker Tormann, der ein ganz hervorragendes Können zeigte.
Das 3ugendspiel gegen Heuchelheim endete 2:2 und enttäuschte.
Tv. Allendorf (Lahn) — To. Großen-Linden I.
Am Sonntag treffen sich die beiden Mannschaften zu einem Gesellschaftsspiel in Allendorf. Großen-Linden hat die größere Spielerfahrung für sich und sollte aus diesem Treffen als Sieger hervorgehen, wenngleich der Sieg nicht leicht errungen werden dürfte, denn auch Allendorf vermochte in der letzten Zeit eine ansprechende Spielstarke zu beweisen.
To. Großen-Buseck I — Polizei Buhbach I.
Die Mannschaft der Polizisten ist in weitem Amkreise bekannt und befindet sich augenblicklich in bester Form. Die Großen-Dusecker werden deshalb vor eine große Leistungsprobe gestellt, um so mehr deshalb, weil sie die körperlich schwächere Mannschaft darstellt.
Handball im Lahn Oünsberg-Gau.
To. Dorlar I — Tv. Ahbach I 5:3 (2:3).
Während in der ersten Hälfte der Gast mehr vom Spiel hat, und die Ueberlegenheit auch zahlenmäßig ausdrückt, kann Dorlar kurz nach der Pause durch seinen Halblinken den Ausgleich erzwingen und durch zwei weitere Tore mit 5:3 führen.
To. Münchholzhausen I — Tv. Dorlar (komb.) 6:3.
Mit fünf Spielern aus der Jugendmannschaft muß Dorlar in Münchholzhausen eine unverdient hohe Niederlage hinnehmen, die dem Spielverlauf nicht entspricht.
zulösen drohte. 3n tödlicher Angst und doch in einem Gefühl beseligender, heraufziehender Ohnmacht begann ihr ganzer Leib zu zittern und zu erschlaffen. Als Wigand dies stumme Sich- hingeben fühlte, riß er sie an sich — er verstand Üjre stumme Antwort — und seine Lippen wollten sich auf ihren Mund pressen, wieder Besitz von ihr zu ergreifen. Doch, im letzten Augenblick kehr-e ihr die Besinnung zurück.
Was wollte sie dulden? Sie war ja Freds Frau!
„Laß mich — vergiß nicht, was du der Frau eines anderen schuldig bist!"
„Stoß mich nicht zum zweiten Male zurück — opfere dich nicht aus falschem Edelmut — laß mich hoffen!"
Einen Augenblick, einen bang lastenden, voll schicksalsschwerer Entscheidung, schwieg sie; dann klang tonlos ihre Antwort:
„Es gibt für uns kein Hoffen mehr. Wir müssen tragen, was wir uns selbst auferlegt haben."
Zerschmetternd fielen die Worte in feine neu hoffende Seele.
„Warum?" schrie er verzweifelt auf. „Was zwingt uns?"
„Die Pflicht."
Herb und unbarmherzig klang es in sein Ohr. Da schwieg auch er, und seine Seele rang sich von ihrem Hoffen los. Die Portieren rauschten hinter Arfula zusammen, die Tür fiel ins Schloß — er war allein.
Müde lieh er sich auf den Sessel an dem Flügel fallen, auf dem sie gesessen hatte. So war denn also nichts mehr zu hoffen. Das törichte Aufflackern seines Sehnens war erstickt worden im ersten Auflodern. Run ging es weiter im alten, schleppenden Trott des Kärrnergauls, wie all die 3ahre bisher.
Run, mochte es sein! Er war eS ja schon gewohnt geworden. Aber, daß er ihr nicht Helsen konnte — nicht helfen sollte! 3n ausbrechendem 3ngrimm ballte sich noch einmal seine Hand zusammen. Alles hätte er für sie getan, auch wenn er nichts für sich damit hätte erringen können; nur, daß er sie. die Geliebte, nicht mehr leiden sah um seinetwillen! And wenn et Drenck hätte zwingen sollen, sie freizugeben — zum zweiten Male! Aber sie wehrte ja seine Hand ab, die ihr die Last vom Racken nehmen wollte — sie wollte weiter ausharren und dulden. ES war ja ihre Pflicht.
Am das Bild, das er von ihr im Herzen trug, wob sich in dieser Stunde ein Helligenschein. Mit festem Entschluß erhob er sich endlich: Er wollle lernen von ihr, zu entsagen ohne Bitterkeit und Groll. 3a. eine Heilige sollte sie ihm fortab fein, unerreichbar für seine Wünsche und Begehren.
To. Lollar I — Tv. Launsbach I 3:5 (3:1).
Am ersten Ostertag trafen sich diese Mannschaften im Freundschaftsspiel. Es kam ein sch.mes, faires Spiel zustande, das von Launsbach mit 5:3 gewonnen wurde.
Die Derbandsspiele sind soweit beendet. Im 3. Bezirk findet noch ein rückständiges Spiel zwischen Burkhardsfelden und Beuern statt, das als offen zu bezeichnen ist. Auf neutralem Platz in Wißmar treffen sich zu einem Entscheidungsspiel um den Zweiten Platz des 2. Bezirks die Mannschaften von Staufenberg und Allendorf I.
Als Bezirksmeister in den einzelnen Bezirken sind im 1. Bezirk To. Dorlar, im 2. Bezirk To. Londorf und 3. Bezirk To. Garbenteich ermittelt worden. Die Entscheidungsspiele um die Gaumeisterschast beginnen am 19. April.
Gerälc-Nlannschastskamps.
Kommenden Sonntag findet in Kinzenbach zum erstenmal ein Geräte-Mannschaftskampf statt, der Mannschaften des Turnvereins Launsbach, der Turn- und Sportgemeinde Rodheim a. d. Bieber und des Turnvereins Gut Heil Kinzenbach zufammenbringt. Der Sieger in diesem Kamps ist im voraus wohl nicht zu bestimmen, obwohl Rodheim vor nicht langer Zeit einen solchen Kampf gegen Waldgirmes und Atzbach bestritt, wahrend Launsbach und Kinzen- bad) feit langer Zeit wieder zum erstenmal zu einem Mannschaftskampf antreten.
Handball der Turner (AOT )
Bönstadt I — Allendorf I 1:2 (0:0).
Die 1. Handballmannschaft des Turnvereins Allendorf a. d. Lda. unternahm eine Oftcrreife zunächst nach Bönstadt (Gau Wetterau der ADT.). Rach torloser erster Halbzeit, in der die Allendor- fcr durch ihre bessere Kombinatton auffielen, ohne den guten Tormann des Gegners überwinden zu können, wurden die Seiten gewechselt. 3n der 2. Halbzeit gelang es den Allendorfern in der 13. Minute, das l.Tsr zu erzielen und in der 20. Minute siel der zweite Erfolg. Unmittelbar darauf holten die Plahbesiher ein Tor auf, trotz aller Anstrengungen reichte es jedoch nicht zum Anentschieden.
Friedberg-Fauerbach I — Allendorf I 4:3.
Am zweiten Feiertag sah man die Allendorfer als Gäste in Friedberg- Fauerbach. Es entwickelte sich gegen die dortige erste Mannschaft ein flottes Spiel, in dem die Fauerbacher durch ihren großen Eifer zuerst die Führung übernahmen. Mi? 1:0 für den Gastgeber wurden die Seiten gewechselt. 3n der 8. Minute der 2. Halhzrit entglitt dem Allendorfer Tormann ein Ball und rollte ins Tor. Schußpech und der gute Fauerbacher Tormann verhinderten vorerst jeden Erfolg der Gäste und erst nachdem der Gegner bis Aur 22. Minute noch zwei Tore zu erzielen vermochte, rafften sie sich auf, schossen innerhalb von acht Minuten 3 Tore und überließen so den Friedbergern nur einen knappen Sieg.
Arbeiter-Turn- und (Sportbund.
Im weiteren Verlauf der Frühjahrsserienspiele treffen sich am kommenden Sonntag in der e r ft e n Klasse Wetzlar I gegen Gießen I in Wetzlar. Hier dürste mit einem sicheren Siege der Gästemannschaft zu rechnen sein.
In Heuchelheim stehen sich Heuchelheim I und Naunheim I gegenüber. Auch hier dürften die Gäste die bessere Mannschaft darstellen.
In der zweiten Klasse ist Daubringen I in Marburg zu Gast. Zwei gleichwertige Gegner wer- den hier ihre Kräfte messen. Gießen II hat Großen- Buseck zum Gegner. Gießen sollte das Spiel für sich entsechiden. Auch Wiesecks II dürfte auf eigenem Platze gegen Hachborn I Sieger bleiben.
Großen-Linden I ist in Naunheim zu Gast. Der Ausgang dieses Spieles ist nicht vorauszusagen. Leun I spielt auf eigenem Platz gegen Hungen. Der Ausgang ist ebenfalls ungewiß. Grünberg spielt in Ruddingshausen, während Allertshausen und Odenhausen a. d. Lda. in Allertshausen ihre Kräfte meßen. Treis I hat Marburg I in Treis zum (Gegner. Londorf spielt gegen Sichert:Hausen in Sichertshausen. Annerod I spielt auf dem Trieb gegen Gießen III. Watzenborn II hat Beuern I zum Gegner. Hausen I spielt in Nieder Ohmen gegen die dortige erste Mannschaft, Saasen I gegen (Brünberg I treffen sich in Saasen Allendors a. d. Lahn spielt in Launsbach gegen die dortige erste Mannschaft. Frankenbach 1 und Gleiberg I treffen sich in Frankenbach. Wißmar I gegen Waldgirmes I stehen sich in Wißmar gegenüber. Klein Lindens erste Mann- schäft spielt gegen Wetzlars zweite Mannschaft in Klein-Linden.
Die Jugendklasse hat folgende Spiele, jeweils am Ort des erstgenannten Vereins: Großen- Linden gegen Gießen, Fellingshausen gegen Naunheim, Wieseck II gegen Wißmar, Rödgen gegen Wieseck I, Lollar gegen Hachborn, Fronhausen gegen Hausen.
Oer (Sport im Reiche.
Rach schwerem Kampfe mit den hartnäckigen Frösten scheint nun doch die Sonne gesiegt zu haben und nun muß eS endlich Frühling rverden, den Sumer und Sportler schon lange mit Ain* geduld erwarten. Hochbetrieb herrscht am Sonntag in den Rasenspielen. 3m Fußball stehen die Endkämpfe um die Meisterscha ten der La.'.d.'s- verbände im Vordergrund. 3n Berlin wird das Zusammentreffen des deutschen Meisters Hertha BSE. mit Tennis-Borussia das Spiel des TageS. Schon am Samstag kämpft Minerva 93 gegen den FE. Mailand. Eine zweite italienische Mannschaft, Ambrosiana Mailand, spielt am Sonntag gegen die Kölner Stadtelf. Auch im Handball werden die Meisterschaftsspiele der Turner und Sportler fortgesetzt. 3m Rugby übt die voraussichtliche „Deutsche Fünfzehn" gegen Odin Hannover, um für den bevorstehenden Länderkampf mit Frankreich in Paris gut gerüstet zu sein. 3m Hockey gehen in Berlin die Meisterschaftskämpfe weiter, während im Reiche wieder interessante Freundschaftsspiele ausgetragen werden. 3m Turnen sind die deutsch-schweizerischen Kunsttumwettkämpfe zwischen Zürich und München, der Almer Turnerschaft und des Tv. Arbon sowie weitere Begegnungen in Brandenburg (Potsdam- Rathenow—Brandenburg), und Düsseldorf (Städtekampf Essen—Düsseldorf—Köln) hervozuheben.
3n der Leichtathletik kommen die Waldlaufmeisterschaften der DSB.-Derbände undTurn* kreise zum Austrag. Bei den Sportlern kommen die Brandenburgischen Meisterschaften in Eichkamp (SCC.-Plah) zur Durchführung. Mitteldeutschland ermittelt seinen Meister in Merseburg, Westdeutschland in Minden, Süddeutschland in München und Südostdeutschland in Waldenburg. 3m Schwimmen sind die internationalen zweitägigen Kämpfe in Wien unter Beteiligung der Wasserfreunde Hannover zu erwähnen. 3m Radsport litt die Eröffnung der Sommerbahnen an den Oftertagen unter der schlechten Witterung. Am Sonntag wollen die Bahnen in Leipzig, Düsseldorf und Halle die ersten Rennen durchführen. Aus der Landstraße wird die Fernfahrt Berlin—Kottbus- Berlin und der Straßenpreis von Süddeuftchland (Stuttgart) ausgetragen. 3m Motorsport finden in 3talien zwei große internationale Veranstaltungen statt. An dem 1000-Meilen-Rennen von Brescia beteiligen sich Earacciola und v. Stuck, während in Sizilien die Targa Florio für Motorräder ausgefahren wird.
16. Kapitel.
3n ihrem dunklen Zimmer sah Alrfula am Fenster, Freds Rückkehr aus dem Speisesaal erwartend. Sie scheute sich vor dem Licht. 3m Dunkel sollte alles bleiben, was in ihr wogte.
Die Begegnung da eben mit Wigand hatte ihre Seele von Grund aus aufgestört. Sie fühlte alles um sich her wanken — woran sich nur noch halten in diesem Chaos ihrer Empfindungen!
Was sie damals auf die Dahn getrieben hatte, wo sie nun elend zu erliegen drohte, das war ein furchtbarer 3rrtum gewesen: Richt aus Gefühllosigkeit, weil er sie kaltherzig aufgab, war 3övg Wigand von ihr gegangen — nein, gerade weil er sie liebte, well er dem Anblick der verlorenen Geliebten nicht gewachsen war!
Wenn sie das damals geahnt hätte! Dann hätte sie ja auf ihn gewartet, 3ahr für 3ahr, getreulich, bis zur Gelegenheit einer Aufklärung — dann hätte sie sich auch nie zu dem Schritt der Verzweiflung hinreihen lassen, sich für Drenck zu opfern! Das war ja nur in dem Gefühl geschehen: Es ist ja doch alles verloren!
So geliebt hatte Wigand sie, sie, die jetzt bettelarm an Liebe durchs Leben ging! And diese Liebe hatte sie zurück gestoßen! Do geliebt war sie worden. Verloren — verscherzt solch Glück!
Aber nein — 3örg hatte sie nie vergessen, er liebte sie heute noch!
Mit wild pochendem Herzen sprang sie auf. Sie hörte ihn wieder rufen: „3ch kann ja nicht von dir lassen, sei wieder mein!“ And wie er sie an sich gerissen hatte mit seiner über alles hin- wegorausenden Leidenschaft!
Sie schloß die Augen — noch jetzt durchrieselte sie der Schauer. So liebte er sie, noch jetzt! Wenn sie nur ein Wort sprach, so gab es kein Hindernis, das er nicht niederrih mit seinen starken Händen, um ihr die Freiheit zu verschaffen. Sie fühlte es, sir wußte es.
And wieder schossen ihr die Gedanken durch den Kopf, die sich vorhin gerade, ehe er kam, bemächtigt hatten: Wenn sie nur frei würde — jetzt wäre ja die Zufluchtsstätte da, an die sie sich hätte retten können! Wenn sie nur wollte.
And wollte sie es? Ein Schwindel kam über Arsula. Sie fühlte es aus ihrem tiefsten 3nnern pl^lich aufsteigen mit wachsender Gewalt. Was da jahrelang gelegen hatte für tot, begraben, es begehrte jetzt wieder ans Licht, zu neuem Leben. Die Liebe zu 3örg war nicht tot! Falscher Stolz nur hatte sie eingesargt. Run aber erhob sie sich aus der Gruft und forderte chr Recht!
3hr Recht? Sie gehörte einem anderen, und der würde sie niemals frei geben, wenn er merkte, zu welchem Zwecke. And sie würde auch nicht mehr den Mut haben. Fred um ihre Freiheit zu bitten. Dor einer Stunde twch, als sie
nichts mehr für sich begehrte, hätte sie Wohl offen vor ihren Mann Eintreten können und ihm sagen: „Laß unsere Wege sich wieder trennen, damit wir uns nicht weiter quälen!" Aber jetzt? Rein — sie hätte sich selbst nicht mehr achten können. Also fort mit allem Hoffen und Wünschen! Aber wie grausam war das: Roch einmal eröffnete sich ihr in ihrem trostlosen Dunkel ein lockender Ausblick ins Licht, nur um sich hohnvoll gleich wieder zu verschließen!
Qualzerrissen sah Alrfula in dem dunklen Gemach. Daß doch nur Fred endlich käme, daß sie handeln, diesem martervollen Hin und Her ihrer Gedanken ein Ende machen könnte!
Aber was sollte sie ihm sagen? Mußte sie ihm alles bekennen, was ihr heute begegnet war, was ihre Seele in dieser Stunde aufgewühlt hatte? Rein, — das war sie ihm, der sich ihrer Seele so entfremdet hatte, nicht schuldig. Cs genügte, wenn sie ihre Pflicht gegen ihn tat, still ihr Begehren niederzwang. Rur sagen wollte sie ihm: „3a, laß uns von hier fortgehen — gleich morgen! Wohin du willstI Alles soll mir recht sein. Rur fort!“
Wo blieb Fred nur? Lauschend trat Alrfula an die Tür ihres Zimmers. Alle waren längst aus dem Speisesaal wieder heraufgekommen — sie hatte deutlich die Schritte draußen vernommen, die Türen schlagen hören — nur er tarn nicht!
Wieder wartete sie fünf Minuten — zehn — dann machte sie Licht und klingelte nach dem Mädchen, das alsbald erschien und Auftrag erhielt, unten nach dem Herrn zu sehen.
Es dauerte nicht lange, so kam die Botin zurück: Herr Drenck sei ausgegangen; et hätte bei Tisch die Absicht geäußert, hinunter nach Montreuk zu gehen, um in der Tonhalle noch ein Glas Bier mit den deutschen Herren zu trinten, die dort allabendlich am Stammtisch zusammen- lämen.
Ein Schrecken durchfuhr Alrfula bei dieser Meldung. Sie ahnte, wie das alles zusammenhing: Ford war aus Aerger, aus Zorn über sie — die ihm die Gelegenheit zu einer Versöhnung verweigert hatte — fortgegangen. Dazu noch die verzweifelte Stimmung nach Wigands Erklärung heute morgen — kein Zweifel, Fred spielte jetzt wirklich mit feinem Leben va banque. Genießen wollt« er, was noch zu genießen war, in froher Zccherrunde fein Elend vergessen, den Zwist mit seinem Weibe, so lange es eben ging, und dann — mochte kommen, was woltte!
Don Angst, von Selbstvorwürfen gepeinigt, rang Alrfula die Hände ineinander. Wenn nun ein Alnglüd geschah — war sie nicht schuld daran? Warum hatte sie ihm heute mittag nicht geöffnet, als er zu chr wollte, gewiß reuevoll, mit bester Absicht, alles wieder gutzumachen!
(Fortsetzung folgt.)


