Ausgabe 
10.1.1931
 
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Nr. 8 Erstes Blatt

Samstag, 10. Januar (931

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Paris, 9. Dan. (XU.) Daques Kayser, der im Auftrage der radikalfoziolistifchcnR e p u h l i - quc eine Rundreise durch ganz Deutschland ge­macht hat, berichtet jetzt über seine Ein­drücke in Ostpreußen. insbesondere ander deutsch-polnischen Grenze. Ls sei vet- gebliche Mühe, zu hoffen, so schreibt er, daß Deutsch­land jemals den Gedanken aufgeben könne, Ost­preußen wieder mit dem Mutterland zu vereinigen. Zwei Flachen einer Munde Hütten vielmehr stets das Bestreben, sich wieder zu vereinigen. Man brauche nur einen Blick auf die Karle zu werfen, um auch die schärfsten Gegner einer Wieder­vereinigung zu überzeugen. Man habe jedoch Deutsch­land nicht nur in zwei Teile geteilt, sondern zum Ueberfluß dem besiegten Gegner noch eine Reihe unnützer Beleidigungen zugesügt, die stets ein Hindernis für eine Verständigung sein würden. Der Korridor, der Ostpreußen vom übrigen Deutschland trenne, sei eine Heraus­forderung des gesunden Menschenver- sl a n d e s. Die polnische Grenze, die sich in zwanzig Meter Entfernung an der Weichsel entlang ziehe, habe das Leben der dort wohnenden deutschen Be­völkerung in ihren Grundlagen erschüt­tert. Der Damm, den die Deutschen errichtet hätten, um den jährlichen veberschwemmungen des Flusses Einhalt zu gebieten, sei an fünf Stellen von der Grenze durchschnitten und er, Kayser, habe feststellen können, daß die Teile des Dammes,

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die zu Deutschland gehörten, in einem vor­bildlichen Zu st and seien, während polen den Damm vollkommen vernachlässige. Da­mit jedoch nicht genug, habe man zum Beispiel Gransee und Bischosswerder von ihren Bahn­höfen getrennt und mit einem Schlage das ganze wirtschastsleben erschüttert. Bischosswerder, vor 15 Dahrev noch eine blühende Stadt, liege heute in Agonie.

Kayser berichtet sodann über die Zerstörung der Münsterwalder Weichselbrücke durch die polen. Die Zerstörung habe nicht etwa gleich nach dem Kriege in der allgemeinen Erregung statt- gesunden, sondern man habe die Brücke in den Jahren 1 9 2 8 und 1 929 kaltblütig syste­in a t i sch zerstört. Der Zugang zum Korridor, den man Deutschland versprochen habe und den man ihm bei Kurzebrack gegeben habe, sei illusorisch, denn der Rebergang fei nur denjenigen gestaltet, die mit aller» notwendigen Papieren ausgerüstet seien und auch nur zu bestimmten Tages­stunden. Die Schlußfolgerung, die Kayser aus seinen Beobachtungen zieht, geht dahin, daß man dieblutende Grenze" durch eine gerechtere Grenzlinie ersehen müsse, wenn man sich nicht sogar der Auffassung anschließeu wolle, daß die Frage der Grenzregelung weniger wichtig sei. da doch das ganze Problem des Korridors endlich einmal gelöst werden müsse.

noblem, dieser materiell wie ideell furchtbarsten ib tiefgreifendsten Jjolge unserer Wirtschaftskrisis

Reichskanzlers' Sollte es mchr mehr als ein Zu­fall oder ein Versehen sein, daß gerade an dem 'Tage des Reichstanzlcrbesuches in Oppeln drei polnische Militärflugzeuge eineStunde lang über dieser Stadl Ire uzten, die an­gesichts ihrer geographischen Lage und ihres Umfanges mit keiner anderen Ortschaft auf hun­dert Kilometer in der 'Runde verwechselt wer­den kann! Betrachten wir getrost diesen ..Fehl- flug" als eine polnische Demvnstra- t i o n gegen Deutschland in einem 'Augen­blick, wo man in Polen eine Frontalofsensive gegen die deutschen Klagen und Beschwerden über die Mißhandlung der deutschen Minderheit unternimmt. Diesmal hat uns der Zufall das corpus delicti in die Hand gespielt, und wir werden Gelegenheit haben, Polens Piloten Auge in Auge zu fragen, was sie eigentlich immer wieder mit ihren Maschinen über deutschem Bo­den zu suchen haben. Daß sie n i ch t a l s F r i e - densengel kommen, ist jedem klar, der die Gesinnung polnischer Militärkreise und die Stim­mung an der deutsch-polnischen Grenze kennt.

das neue Hahr hinzogen, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Die Unternehmer hatten darauf zum 15. Januar den Belegschaften gekündigt, aber auch trotz persönlichen Eingreifens des Reichsarbeits­ministers gelang es nicht, Unternehmer, die eine Lohnsenkung um 8 v. H. verlangten, und Gewerk­schaften, die nur eine solche von 4 v. ch. bewilligen wollten, zusammenzubringen. So drohte im cherzen der deutschen Wirtschaft, im Ruhrkohlenbergbau ein 'Arbeitskonflikt größten Ausmaßes und non unab­sehbaren Folgen. Der Regierung mußte daran liegen, ihn in diesem Krisenwinter unter allen Um­ständen zu vermeiden. Da ihr durch das geltende Schiedsverfahren die chönde gebunden war, griff sie zur Notverordnung.

Sie ging auch hier neue Wege. Während bis vor etwa zwei Jahren der von der Regierung bestellte Schlichter von sich aus und mit seiner Stimme allein einen Schiedsspruch gefällt hatte, sobald die Parteien sich in der Schlichtungskammer nicht eini­gen konnten und auch keine der Parteien dem '23er- milllungsvorschlag des Schlichters beigestimmt hatte, so wurde nach dem bekannten Lohnkonflikt in der Gruppe Nordweit der Eisenindustrie dieses selbe 'Verfahren vom Reichsarbeitsgericht verworfen und das Gesetz über das Schlichtungswesen dahin^inter- pretierr, daß stets eine Mehrheit der Schlich­tungskammer den Schiedsspruch herbeisühren müsse, der Schlichter diesen also nicht allein fällen könne. Durch diese Auslegung des Gesetzes war natürlich das Zustandekommen eines Schiedsspruchs sehr er­schwert, da es die Zustimmung mindestens einer der streitenden Parteien vorausletzte. Auch im Lohn­konflikt der Ruhrindustrie war man gestern an dem Punkt angelangt, wo nur offener Kampf übrig zu bleiben schien, als die Reichsregierung mit einer Notverordnung des Reichspräsidenten eingriff. So­weit uns im Augenblick bekannt ist, kehrt die Not­verordnung nicht, wie man erwartet hatte, zu dem früher üblichen System des sog. Einmannschieds­spruchs zurück, sondern macht sich die Form zu eigen, die in dem Lohnkonflikt der Berliner Metall­industrie im Herbst des vergangenen Jahres sich

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Chefredakteur.

Dr. Friedr. Wich. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wich. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; Tür den übrigen Teil Ernst Blumfchein und für den Anzeigenteil Mar Filler, sämtlich m Gießen.

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Eine unerhörte Provokation. 60 Kilometer von der Grenze entfernt sich an eblich verflogen.

Oppeln, 9. Jan. (111.) Die dieOberschlesische Tageszeitung" berichtet, überflogen am Freitag um 13.35 Uhr drei polnische Flugzeuge in ganz geringer höhe zweimal die Stabt Oppeln. Um 13.40 Uhr landete ein Flug­zeug auf dem Exerzierplatz neben den Schießständen der Garnison. Die Dache nahm den Flugzeugführer, der wieder aufsteigen wollte, fest. Fünf Minuten später ging ein zweites pol­nisches Flugzeug neben dem ersten nieder. Auch dessen Führer wurde zwangsgestellt. Die Flugzeuge wurden sichergestellt. Es handelt sich um polnische Militärflugzeuge, die auch die polnischen Hoheitszeichen tragen. Die Flieger, die in polnischer Uniform waren, gaben an, sich verflogen zu haben. Das dritte Flugzeug, das spater noch über Grudschüh gesichtet wurde, ist verschwunden.

Es fällt schwer, in dem Flug von drei polnischen Militärmafchinen über Westoberschlesien am Tage des Reichskanzlerbesuches keine beabsich­tigte Herausforderung zu sehen. Don zu­ständiger preußischer Seite wird zwar erklärt, es stehe nach Prüfung der Angelegenheit fest, daß das Vorkommnis keinerlei Zusammenhang mit der Anwesenheit des Reichskanzlers und seiner Begleiter habe. Die polnischen Flieger seien zweifel­los durch das sehr schlechte Wetter und infolge des starken Schneegestöbers, das die Sicht behinderte, zu ihrem heruntergehen auf deutschem Gebiet gezwungen worden. Die Jlotlan- bung finbet aber doch in Berliner politischen Kreisen starke Beachtung. Man weist barauf hm, bah bies janichtberersteFall einer Uebersliegung bet deutschen Grenze durch polnische Militärflug­zeuge ist. Auch die Darstellung, daß die beiden Ma­schinen sich verflogen hätten, wird bezweifelt, da Oppeln schließlich 60 Kilometer von der Grenze entfernt liegt. Letzten Endes ist es ja Sache der Polen, dafür zu sorgen, daß nicht in diesem doch recht schwierigen Grenzgebiet uner­fahrene Piloten verwandt werden, die den fliegerischen Anforderungen nicht gewachsen sind. (Ein solcher Zwischenfall hätte nach Ausfassung Berliner politischer Kreise um so eher vermieden wer­den müssen, als auch in Polen bekannt ist, daß der Reichskanzler sich mit der von ihm geführten Delegation heute in Oppeln auffjiell.

Empörung in Berlin.

Die Politiken Militärslieeer keine Friedenseugel sagt die Germania.

Berlin, 10. San. (CAD.) Zu den Grenz- überfliegungen bei Oppeln durch polnische Flie­ger schreibt dieGermania", das Blatt des

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bewährt hatte. Wie damals wird auch nach der neuen Notverordnung ein von der Regierung be­stellter Sonderschlichter, zwei unabhängiae, aber mit den Interessen der Parteien vertraute Persönlichkei­ten berufen und dieses Dreimännerkollegium wird mit Stimmenmehrheit einen Schiedsspruch zu fällen haben, der durch den Reichsarbeitsministcr für ver­bindlich erklärt werden kann.

Wenn auch diese in der Notverordnung verfügte Aenderung des Schlichtungsverfahrens bas dikta torische Eingreifen des Staates in Lohnfragen gegen­über dem früher üblichen System des Einmann- schiedsspruchs etwas abmildert, so bleibt doch eine schwere Beeinträchtigung der sozialpolitischen Selbst- verwaltung, die grundsätzlich die direkte Derständi- gung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in Tarifstreitigkeiten allenfalls durch Vermittlung eines Unparteiischen anftrebt, den diktatorischen Schieds-- spruch eines vom Staate bestellten Organs jedoch ablehnt, zumal wenn dieser Schiedsspruch weniger auf wirtschaftliche ober soziale, als vielmehr auf allgemeinpolitische Momente zurückgeführt werden muß. Immerhin kann es schwerwiegende Gründe allgemeinpolitischer Art geben, die den Staat zum Eingreifen zwingen, aber der Staat sollte sich stets vor Augen halten, daß seine Entscheidung die ultima ratio ist und bleiben muß und daß feine Klinge durch allzuhäufigen Gebrauch nicht oorjeitig schartig wird. Es tut auch nicht gut, den Parteien durch staatlichen Machtspruch die Verantwortung abzunehmen, die sie für ihre Wirtschafts- und So­zialpolitik und die aus ihr entstehenden Folgen vor dem Gesamtoolk zu tragen haben. Probleme der Wirtschaft wollen mit viel Delikatesse behandelt werden, das gilt von der Arbeitslosigkeit und Dietrichs Vorschlag zu ihrer Behebung, das gilt nicht minder vom staatlichen Schlichtungsverfahren. Es ist gut, wenn es ohne den Staat geht und die Wirtschaft sich selber zu helfen vermag. Zwingen die Verhältnisse jedoch den Staat, einzugrelfen, so muß Offenheit und Klarheit herrschen und es muß ganz fest und sicher zugevackt werden

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richten. Anzeiger Sieben.

fro-nurt am moin°i lese. Vrvlk und Verlag: vrühl'sche UntverMtr-vuch' und Stehtörnderei v. Lange in Stehen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Schulstraste l

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Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Etetzener FamilienbläUer Heimat im Bild Die Scholle monat$«8e$ugspreu:

2.20 Reichsmark und 30 Reidjspfcnnig für Träger» 'ohn, auch bei Nichter­scheinen emzelnerNummern infolge höherer Gewalt 5ernlvrechanlchlüfse

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Neue Wege.

'' Rcichsfinanzrninister Dietrich hat den Faden mfitergefponnen, den er in^ seinem am vergangenen Sslmstag hier erwähnten Silvesterartikel ausgenom- nm hatte Er mochte dem Arbeitslosen«

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DieDeutsche Allgemeine Leitung* weist darauf hin, daß wir uns Jahre hindurch die ständigen Grenzverletzungen durch polnische Mili­tärflugzuge haben gefallen lassen. Die deutschen Beschwerden wurden mit Dementis ober mit Aus­flüchten beantwortet. Es bebeutet eine uncr» hörte Provokation gegenüber dem Deutschen Reiche, zum Besuch des Kanzlers in Oppeln polnische Militärflieger zu entsenden. Es bedeutet aber weiterhin eine Provoka­tion gegenüber dem Völkerbund, un­mittelbar vor dem Zusammentritt des Völkerbunds- rates, der über schwere Verletzungen des Rechts durch Polen entscheiden soll. In diesem Augenblick wagt dieser Ruhestörer einen neuen lieber« griff, von so unentschuldbarer Drei- stigkeit, daß ihn keine noch so routinierte Lügemaschine wird umbeuten können. Von der Reichsregierung aber verlangen wir schärfsten P r o t e ft gegen den letzten polnischen Uebergriff, der dem Völkerbund einen neuen schlüssigen Be­weis für die Berechtigung unserer Beschwerden und unserer Warnungen zu geben geeignet ist.

uf>er die Hereinnahme von Arbeitslosen zu treffen, imit der gleichzeitigen Verpflichtung zur Senkung

^i*r Preise und damit Förderung des Absatzes. Wir tfieinen, unsere wirtschaftliche Lage sei ernst genug, ;»iun jeden Vorschlag, der zur Bekämpfung der

Arbeitslosigkeit und Süifurbching unserer Wirtschaft gemacht wird, auf das sorgfältigste auf seine -rauchbarkeit hin zu prüfen. Und der Reichsfinanz­minister Dietrich, dessen starke Energien wir in den Notverordnungen des Kabinetts Brüning gespürt buben, ist zweifellos ein Mann, der bereits gezeigt hat, daß man aufhorchen darf, wenn er sich zum 13ort meldet. Aber man sollte ihm nicht all die stichhaltigen Einwände, wiederholen müßen, die gegen jeie Art von Subventionspolitik geltend ge­macht werden. Wie wollen die vom ciaate mit der Verteilung der Lohnbeihilfe an die Industrie beauf­lagten Organe ermitteln, welche Unternehmungen dlcwähr dafür bieten, daß bei ihrer Unterstützung burd) öffentliche Gelder die Wirkung erreicht wird, blt das System der Lohnbeihilfe zu erreichen be- isebt ist? Wäre cs nicht denkbar, daß schlecht ge­leitete und deshalb nokleidende Betriebe, die infolge bss Absatzrückganges ihre Belegschaft einschränken mußten, durch die Subventionen in Form von Lvhnzuschüssen aufgepäppelt und in den Stand ge­setzt werden, anderen Betrieben desselben Produk­tionszweiges, die dank einer besseren Organisation rfccr einer vorsorglicheren Geschäftsführung noch rollbeschäftigt waren, keine neuen Arbeiter einstellen tarnten und deshalb auch keine Zuschüsse «erhielten, empfindlich Konkurrenz machen, daß sie gezwun- pen werden, ihre Erzeugung einzuschränken und Ar- j-eitcr zu entlassen? Wie will man es vermeiden, beß die staatlichen Zuschüsse statt in die richtigen iunäle der Wirtschaft zu gelangen, den Wirtschafts- Igruppen oder Einzelunternehmungen zufließen, dis durch bewegliche Klagen ihre Bedürftigkeit nachzu- wifen suchen oder durch irgendwelche Machina- tirneii künstlich die Voraussetzungen für eine Sub- icntion schaffen? Dem Reichsfinanzminister sind ratürlid) diese und andere grundsätzliche Bedenken be- Lijmt, die gegen die Suboentionspolitik im allge- cteinen erhoben werden, cs ist deshalb schlecht ein ziehen, weshalb er all diesen Einwendungen nicht burd) Bekanntgabe präziser Vorschläge die spitze abbrach.

Noch schwieriger ist das Kernproblem des Dieb 'nchschen Plans, die A d s a tz f r a g e. Der Minister -meist selber daraufhin, daß die Beschäftigung der Lrbeitslosen weniger eine Frage der Produktion i a($ des Absatzes fei, und er hofft, dem dadurch bei- jLttommen, daß er die subventionierten Wirtschafts­zweige zu einer Senkung der Preise ver- ^lichteL. Es muß aber doch wohl bezweifelt 'm er­

ben, ob bei gleichbleibenden oder gar steigenden Lasten aus Steuern, Sozialabgaben, Verkehrs- und Werktarifen ein so starker Preisabbau möglich wird, daß, da ja durch die bloße Umleitung der Arbeits­losenunterstützung in Lohnzuschüsse keine zusätzliche .Kaufkraft entsteht, für die durch die Lohnbeihilfen zusätzlich entstehende Produktion Absatz geschaffen werden kann, soweit wenigstens der innere Markt in Frage kommt. Und soll Dietrichs Plan vorwie­gend der Exportindustrie zugute kommen, so wird man dagegen sagen müssen, daß bei der geringen Bedeutung des Außenmarktes für die Gefamtkon- junkturlaae von ihm kaum eine starke Belebung der Wirtschaft und Entlastung des Arbeitsmärktes zu erhoffen sein wird. Gewiß würden wir wenig­stens für begrenzte Zeit größere Warenmengen als bisher auf den Weltmarkt zu werfen vermögen, dank der Lohnprämien vermullich auch zu billigeren Prellen, sicher die wirksamste Lektion für unsere Tributgläubiger, aber wir können natürlich die Weltbewerbsländer nicht hindern, sich burd) Zoll mauern, Antibumpinggesetze und ähnliches gegen die deutsche Warenflut abzusperren.

Dietrich ließ auch die Frage offen, ob Urprobuf- tion oder verarbeitende Industrie vorwiegend mit der Lohnbeihilfe bedacht werden sollten. Es liegt natürlich nahe, den Plan des Reichsfinanzministers in Zusammenhang zu bringen mit den Schwierig­keiten, die der Regierung aus dem Lohnkon f 1 i k t im Ruhrbergbau erwachsen sind. Die Kohlenindustrie des Ruhrreviers hatte zur Unter­stützung der Preissenkungsaktion der Reichsregie­rung mit Wirkung vom 1. Dezember ihre^Kohlen- preise um 6 v. H. geienft, bevor ihr eine Senkung der Selbstkosten ermöglicht worden war und zwar im Vertrauen auf die Zusage der Regierung, in der Senkung der Produktionskosten sonzufahren. Ueber diese Zusage ist zwischen Zechenbesitzern und Reichsarbeitsminister eine Kontroverse entstanden, die jedoch nichts an der Tatsache ändert, daß seit­dem die öffentlichen Lasten sich gleich geblieben sind oder gar erhöht wurden und die Verhandlungen über eine Neugestaltung des Lohntarifs sich bis in

Die blutende Grenze.

Der Korridor eine Herausforderung des gesunden Menschenverstandes. Das Urteil eines Franzosen nach einem Besuch der Weichselgrenze.

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Reue schwere Grenzverletzung durch Polen.

Polnische Militärflieger landen am Tage des Kanzlerbesuchs in Oppeln nach einstündigem Rundflug über der Stadt.

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ign einer anderen Seite beikommen. Nicht Unter- 'Vßung, sondern Beschäftigung, das ist fein Zieh 51c Milliarden, die die Arbeitslosenversicherung all- «chrlich verschlingt und die eine bet Hauptursachen ter die chronischen Finanzkalamitäten der Reichs- itffe wie auch iiber die Wohlfahrtsfürsorge der Aus­gesteuerten(bie katastrophale Finanzlage der meisten ^tmeinben sind, diese Milliarden sollen wenigstens Ilil einem Teil dadurch nutzbringender angelegt wer- den, baß man den Versuch macht, zusätzliche B'ejchäftigungsmögl ich leiten zu schaf­fen. Der Reichsfinanzminister hat auf der Drei- länigstagung der württembergischen Demokraten in Stuttgart und wenige Tage später in einer Rede irr Heilbronn nur angedeutet, in welche Richtung feine Plane zielen, da sie anscheinend vorerst nur die von ihm betreuten Ministerien beschäftigt, die Zustimmung des Reichstabinetts aber wohl noch nicht gefunden haben. Wir zweifeln, ob es taktisch geschickt war, die Oesfentlichkeit ohne rechten Zu­sammenhang und brockenweise mit einem Projekt

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bekanntzumachen, das unter Umständen gewaltige Umwälzungen für unsere gesamte Finanz, Wirt­schafts- und Sozialpolitik bedeuten könnte, zumindest ober in einem Augenblick, wo die Arbeitslosenziffer Ionf 4^3 Millionen emporschnellte, eine lebhafte Dis-

Tiilfion und heftiges Für und Wider auslösen mußte, vielleicht war aud) Dietrichs Absicht, erst einmal hlc interessierten Kreise auf den Zahn zu fühlen, ;ti erkunden, welchen Widerhall diese Gedanken- qänge in der Wirtschaft finden würden, bevor er ö»m Kabinett einen festumrissenen Plan vorlegen Ivvllte. Wenn wir den Reichssinanzminister recht nerftanben haben, io will er einen Teil der für die " rbeitslosenunterstützung aufgebrachten Gelder in i^orm von Lohnzuschiissen solchen Privat- mternebmungen zuwenden, die mit Hllfe dieser Gelder Arbeitslose einzustellen vermögen, also ein Lohnprämiensystem, das unter der FlaggeSub- nentionspolitit" nach den betrüblichen Erfahrungen 'Leier Jahre in übelstem Rufe steht, oo ist bas ^cho, das Dietrichs Projekt 'm der Industrie sowohl wie bei der Arbeiterschaft gefunden hat, auch nicht jieraöe freundlich. Und die Antwort, die der Reichs- nanjminifter seinen Kritikern vorläufig gegeben hart, ist immer noch zu lückenhaft, als daß sie nun 'her Nacht all die'schweren Bedenken beschwicht'.gen 'ännte, die man gegen jede Suboentionspolitik wel­cher Art auch immer mit ihren bureaukralischen Eingriffen in bas seinverästelts und weit schneller )iird)einanbcrgebrad)tc als wieder organisierte Ge­triebe des deutschen Wirtschaftskörpers geltend machen muß.

Dietrich hat erklärt, er wolle keineswegs schlechte Unternehmungen auf Kosten der guten stützen, er >:nke vielmehr daran, mit einzelnen, leicht überseh- Äraren Produktionszweigen, welche die wichtigsten " Produkte unserer Wirtschaft liefern, ein Abkommen

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