Kr. 158 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Donnerstag, 9. Juli (931
Ostsiedlung, Deutschlands Schicksal.
Don Dr. Ernst Michael, Kastel.
Der glänzende Aufschwung Deutschlaick>S hn 19. Jahrhundert, seine sprungartige Entwicklung zum führenden Industriestaat der Welt war von volk-politisch lehr bedenklichen Erscheinungen begleitet. 6 Millionen durchweg gesunde, kräftige Menschen wurden in diesem Jahrhundert zur Auswanderung gezwungen, weil ihnen daS Vaterland keine Lebensmöglichkeit bieten konnte. Millionen wanderten au8 dem allmählich menschenleer werdenden Osten nach den Industriestädten WestelbienS ab. Entsetzlich sind die Folgen für unser Vaterland. Die Rach» kommen jener 6 Millionen entscheiden a!8 amerikanische Soldaten im Herbst 1918 den Krieg zu unfern llngunften, wenig später brandet die slawische Welle an die Oft grenzen Deutschlands, überspült daS Land des Großgrundbesitze- und verebbt erst vor den 'BauernWörtern, deren Männer einen lebendigen Schutzwall bilden.
Die neue Grenze übertrifft die schlimmsten Befürchtungen. Die Polen, aus unseren Fehlern lernend, letten sofort eine großzügige Siedlung ein. Allen finanziellen Schwierigkeiten zum Trotz wird daS geraubte Gebiet systematisch au Bauernland gemacht. Heute, nach zehn Jahren, sind jenseits der deutschen Ostgrenze fast 200 000 neue Siedlerstellen vorhanden, ihnen stehen in der uns verbliebenen Ostmark noch keine 30 000 gegenüber. Da zudem der deutsche Osten weiter durch Abwanderung geschwächt wurde, ist heute die Bevölkerungsdichle drüben ungefähr doppelt so hoch wie in der uns verbliebenen Ostmark. und eine um 75 Prozent höhere polnische Geburtenziffer macht von Jahr zu Jahr den Druck gegen unsere Grenzen unerträglicher ilnb nun betrachten wir als Ergänzung zu diesen erschütternden Tatsachen das Bild der deutschen Ostgrenzen. Ostpreußen, die Insel in slawischer Flut, Posen, der Keil nach Westen, mit seiner Spitze nicht mehr als 150 Kilometer von Berlin entfernt. Schlesien in tschechisch-polnischer Zange, es kann einem grausen vor der nationalen Gefahr, die hier aufsteigt. Wohin wir steuern, wenn eS noch zehn Jahre so weiter geht, kann eigentlich niemand mehr zweifelhaft fern, lieber alle Proteste und Kundgebungen für die Wiedergewinnung des verlorenen Landes wird das Aad der Geschichte hinwegrollen, ja die brüchigen Ostgrenzen werden weiter einbrechen, wenn es unS nicht gelingt, in letzter Stunde der nationalen Gefahr zu begegnen.
lind diese letzte Stunde ist da. so sehr sich auch gewisse politische Gruppen in Deutschland gegen diese Erkenntnis sträuben mögen. Soll Deutschland leben, so kann es nur heißen- „09 l ief nach Offen und deutsche Menschen alS Siedler in die bedrohtenAäume". Steht uns doch daS beste Menschenmaterial hierfür zur 23er- fügung. Da wachsen in den deutschen Bauern- gegenben Zehntausende von zweit- und britt- aeborenen Landwirtsföhnen heran, und unter den Arbeitslosen, besonders in den kleinen Städten und Industriegemeinden, gibt es sicher Hundert- taufenöe. die noch das 3eug zu einem Kolonisten und Bauern haben. Selbst bei günstigster Entwicklung unserer Volkswirtschaft werden diese Menschen nur zum geringen Teil in den gewerblichen Produktionsprozeß neu- und wiedereingegliedert werden können. Denn Deutschland ist. diele Erkenntnis, wächst von Tag zu Tag. heute völlig überinbuftriaHficrt und kann nur gesunden, wenn feine wirtschaftliche Struktur gründlich geändert wird.
So hat der bekannte Aationalökonom Professor Sombart kürzlich gefordert, daß das richtige Derhältms zwischen Landwirtschaft und Handel. Industrie usw. nicht 21:79. sondern 40:60 fein muffe. Zu erreichen ist dies nur durch Verwandlung der etwa 12 Millionen Morgen Oed- land. Moor und Heide, über die Deutschland verfügt, in Acker- und Gartenland und durch eine weitgehende Beseitigung des Großgrundbesitzes dort, wo er durch fein Vorhandensein eine nationale Gefahr darstellt, nämlich im beut« s ch e n-O st e n. Angesichts der oben geschilderten
Die Riefenlustmanöver der englischen ßufftftreitfräftc in Hendon bei London.
Oben links: Ein Zieldorf wird durch Brandbomben zerstört. Unten links: Parade der Militärflieger. Rechts: Mannschastsabsprünge im Fallschirm.
Verhältnisse muh man daher zu der Forderung kommen, in allernächster Zeit östlich der Elbe mindestens 100 000 neue Bauern- st eilen als unüberwindlichen Damm gegen die polnische Flut zu schaffen. Mit den bisherigen Siedlungsmethoden wird man einer solchen gigantischen Aufgabe allerdings nicht gewachsen fein. Es wäre daher zu fordern:
1 Die Ostsiedlung mutz als die dringlichste nationale Aufgabe erkannt und durch eine großzügige Propaganda zur Dolkssache gemacht werden.
2. Die Siedlung muß auch solchen Menschen ermöglicht werden, die zwar über Geldmittel nicht verfügen, die aber bereit sind, ihre Arbeitskraft als Ostsiedler zur Verfügung zu stellen.
3. Die neuen Siedlungen müssen durch langjährige Abgabenfreiheit lebensfähig gemacht werden.
4. Die Siedler aus dem Westen des Reiches dürfen nicht einzeln angefetzt werden, sondern müssen mit ihren Landsleuten zu Dorf- gemein sch a f te n zu sa m m e n ge f a h t werden.
Fast unüberwindlich werden jedem Deutschen die Schwierigkei!en finanzieller 21 r t erscheinen. aber auch sie sind zu überwinden, wenn man die alten ausgetretenen Wege verläßt. Deutschland ist ein kapitalarmes Land, aber dieser Mangel an Kapital kann zum Teil ausgeglichen werden durch richtige Verwendung des uns überreich zur Verfügung stehenden Produktionsfaktors Arbeit. Man kann in Deutschland für solche Aufgaben, wie sie die Siedlung nötig macht, den Straßen- und Häuserbau, die Melioration des Landes ufw. hochbezahlte Arbeitskräfte nicht ansehen. wie bas etwa Holland bei der Trockenlegung des Zuidersees sich leisten konnte, sondern wir müssen etwas ähnliches aufbauen, wie es uns die Bulgaren, die sich in einer gleich verzweifelten Lage wie wir befanden, durch ihren Arbeitsdienst vorgemacht haben.
Als geeignete Form käme zunächst ein freiwilliger Arbeitsdienst in Frage, bei dem sich die Arbeitsfreiwilligen den Anspruch auf Siedlungsland erarbei- t e n. Dieser freiwillige Arbeitsdienst ist bei der Größe der Aufgabe nicht nur aus Ersparnisgründen erforderlich, sondern auch deswegen, weil man nur so die für die Siedlung geeigneten Menschen auf die Dauer gewinnen kann. Schon jetzt macht es Schwierigkeiten Menschen ausfindig zu machen, welche die 6000 bis 8000 Mk. Eigen-
kapital für die vorhandenen Siedlungen aufbringen können. Das wird in Zukunft immer schwieriger werden, und soll chie Ostsiedlung über die kläglichen Erfolge — kläglich, gemessen an den Leistungen der Polen — hinausgeführt werden, dann muh man eben auf die Beibringung eigener Mittel ganz oder teilweise verzichten und als Entgelt dafür die 2lbleiftung von Arbeit entgegennehmen. Gar nicht zu umgehen ist auch die Abkehr von der Gepflogenheit, dem Siedler die Siedlung tipp topp schlüsselfertig zu übergeben. Vielmehr wird aus Ersparnisgründen ein gut Teil der Dchlußarbeiten von der Siedlergemein- fchaft, die ja über Handwerker verfügt, erledigt werden müssen. Man denke nur, unter welchen Verhältnissen unsere Auswanderer noch heute anfangen müssen, wenn sie in Brasilien oder Kanada sich eine Heimstätte gründen. Sollte nicht ein Teil dieses Kolonistengeistes, der da auf einmal vorhanden ist. auch in Deutschland aufgebracht werden? Cs wird der Fall sein, wenn die Siedler die Aussicht haben, in absehbarer Zeit Herr auf eigener Scholle zu werden.
Was nun die trotz Arbeitsdienst und Kostensenkung durch sparsame Bauweise' noch immer schwierige Finanzfrage anlangt, so seien hier einige gewiß gangbare Wege gewiesen. Zunächst mühte der staatliche Besitz ganz anders als bisher herangezogen werden Das für die S'ed ungen nötige Bauholz werden die Staats- forsten zum Teil liefern können. Steine und Ziegel sind ebenfalls auf Staatsboden zu gewinnen. Bereits vorhanden sind die Etatmittel Preußens und des Reiches für Siedlung und die Summen der Osthilfe. Sie werden alles in allem für jedes der nächsten Jahre etwa 150 bis 200 Millionen Mark ausmachen und sind daher un- zureichenb. Um sie zu erhöhen, wird man vielleicht aus der Hauszinssteuer gewisse Summen flüssig machen können. Ferner stehen bei Einsatz von Arbeitsfreiwilligen sämtliche Unter- st ü hungsbeträge zur CBerfügung, die ihnen bisher bezahlt wurden. Dor allem aber wäre zu fordern, datz bei einer Revision des Doungplanes. die ja angesichts unserer Wirtschaftslage unbedingt in nächster Zeit kommen muß und wird, ein Teil der Einsparungen für die Siedlung bereitgestellt werden. Ebenso wären sämtliche Summen, die in Deutschland durch eine großzügige Reichsneugliederung und eine radikale Verwaltungsreform gespart werden — nach pessimistischen Schätzungen 500 Millionen, nach optimistischen
Schätzungen 2 Milliarden jährlich — für Sted- lungszwecke zu verwenden. Ist es doch na4>- gerade ein Unsinn ja geradezu ein Verbrechen an unserm Volle, für Bcibebaltung dieses überholten Regierungs- und DerwaltungsapparateS jährlich Hunderte von Millionen zum Fenster hinauszuwerfen und bei der Siedlung, die eine Schicksalsfrage der ganzen Ration ist. mit jeder Million zu geizen. Auch an die Auflegung einer großen Kolonisationsanleide wäre zu denken, die bann sicherlich ihre Ze.-chner finden wird, wenn da- Volk erst einmal spürt daß hier ein großes Werk zur Rettung Deutschlands an- gefangen wird, und schließlich würde auch d t c deutsche Industrie, für die ja ein gewaltiger neuer Absatzmarkt geschaffen wird, für bte Finanzierung zu interessieren fein. Es find also Möglichkeiten der Finanzierung genügend vorhanden. aber sie werden nur ausgeschöpft werden von einem Dolle, das den Ern st der Lage erkennt, und alle seine Kräfte bewußt in den Dienst der Rettung des deutschen Ostens und damit der Sicherung der deutschen Ration stellt.
Reben dem Einwand der finanziellen Unmöglichkeit. der bereits entkräftet wurde, kommen die Gegner einer großzügigen Siedlungspolitik immer wieder mit dem Hinweis auf die schwierige Lage der Landwirtschaft. In der Tat. diese Bedenken treffen das Wesentliche, denn die Reubesiedelung des deutschen Osten- ist nur möglich im Rahmen einer gesunden, leistungsfähigenLandwirtschaft. Sollen die neu entstehenden Bauemsiedlungen auch in erster Linie der Selbstversorgung der Familie dienen, so wird auch für sie die Der - Wertung der Ueberschüffe eine Haupt- forge bleiben. Jeder Mensch weiß heute, daß die deutsche Landwirtschaft nur gesunden kann, wenn sie sich nach dem Vorbild der benachbarten Bauernländer, wie Dänemark. Holland ufw. In noch stärkerem Maße auf die sogenannte Der - edelungsproduktion (Erzeugung von Fleisch- und Milchprodukten, Giern ufw.) ein- stellt. Standardprodukte auf den Markt bringt und das Genossenschaftswesen zur Regelung des 2lbfatzes ausbaut. Dies wird bei den Neusiedlungen insofern einfacher fein, als ja die Siedler meist jüngere, fortschrittlich gesinnte Leute sind und auch die viel größere Gleichmäßigkeit der Dodenbefchaffenheit im deutschen Osten die 2Hobernifierung eher ermöglicht, als in den landschaftlich so reich gegliederten und mit fo verschiedenen Böden ausgestattelen Gebieten in den übrigen Teilen des Deutschen Reiches Erne Selbstverständlichkeit ist es. daß für eine lieber» gangszeit der deutsche Markt durch zollpolitische Maßnahmen (auch die Landwirtschaft hat Recht auf ErziehungSzölle) vor der Heberfchwemmung durch ausländische Produkte weitgehend geschützt werden muß. Die jährlich fast 4 Milliarden betragende Einfuhr von Ob ft. Gemüse, Fleischwaren. Milch, Käse. Eier usw , Erzeugnisse. die wir zum überwiegenden Teile im 3n- lande genau so gut und billig Herstellen können, muß ganz wesentlich herabgedrückt werden, selbst auf die Gefahr hin. datz unsere industrielle Ausfuhr nach den betroffenen Ländern nachläßt. Vergessen wir nicht, daß die deutsche Industrie durch einen bann kaufkräftigen Bauernstand mehr als reichlich entschädigt werden kaum
Schon bricht sich die Erkenntnis, daß eine Reu- besiedlung des deutschen Ostens aus nationalen und wirtschaftlichen Gründen das Gebot der Stunde ist, allerorten 23abn. Das deutsche Bauerntum, bisher häufig gleichgültig oder sogar ablehnend eingestellt, beginnt die große Möglichkeit für die Unterbringung seines Nachwuchses zu ahnen. Teile der hündischen Bewegung (wie z. B. der Iungdeutsche Orden), der Jugendbewegung (z. D. die Evangelischen Iungmännerbünde) und Kreise der deutschen Studentenschast gehen praktisch an das Siedlungswerk heran. Aber noch fehlt in der breiten Malle unseres DolkeS. vor allen Dingen in der Großstadtbevölkerung, das richtige Verständnis für diese schicksalsschwere Frage Es zu wecken, wird die Qlufgabe aller Gutgesinnten aus allen Lagern sein müssen. Denn nur eine ganz große Volksbewegung wird es schaffen können, das deullche Schicksal in letzter Stunde zum Guten zu wenden.
0er Apfel vom Daum der Erkenntnis.
(Erzählung undGleichnisvonAlbrechtSchaeffer
Ein König in Persien, der dem Tode erlag, bevor er einen männlichen Erben zeugte, hinterließ eine einzige Tochter von großer Schönheit namens Gülnare Run sollte nach dem Gesetz die Krone mit der Hand der Prinzessin demjenigen gehören, der in gefährlichen Kamvfspielen sich alber erste an Kraft und Kühnheit erwiefe. Das Schicksal aber wollte es. daß. als diese Turniere vollzogen wurden, vier Ritter verblieben, die ununterscheidbar waren an Arm» und Herzkraft. In ihrer Ratlosigkeit nun erinnerte sich die Prinzessin eines früheren Wortes ihrer lange verstorbenen Mutter: daß sie dem Ruf ihres Kinbes aus der Seligkeit folgen würde, wenn er aus einer großen Rot $u ihr dränge. Also ging Gülnare bei Rächt in die Einsamkeit des Gartens, und sie hatte kaum den Ramen der Toten gerufen, so quoll ein Schein aus dem Dunkel und die Verstorbene stand vor ihr in blühender Gestalt, als ob sie lebte, an ihren Dusen mit den Armen drückend vier schimmernde Aepfel: ..Ich kenne", sprach sie, »deine OSerlcgenljeit, mein Kind, nimm diese Aepfel an dich, die sie dir lösen werden. Es sind Früchte vom Daum der ©rfenntniS, und alle find sie von gleicher Kraft: jeder verzehrt den, der ihn verzehrt. wenn er nicht berufen ist."
-Wie kann ich aber“, sprach die Tochter, sich fassend, »vier Männer vergiften?"
»Du sollst es nicht tun. Weil sie vielleicht dir nicht glauben würden, so lasse jeden geheim, daß niemand es weiß, in eine Kammer gehen, nachts, und ich werde felbcr hineingeben zu jedem, ihm einen 2lpfel hinlegen und ihm sagen, datz er ellen mag. wenn er sich berufen glaubt, und sterben wird, toenn er es nicht ist. Morgens komme ich dann zu dir und führe dich hin." Die Mutter lächelte, nickte und schwand.
lind am Morgen nach der Rächt, in der die vier Ritter die Kammer betreten hatten, erschien die Mutter ihrer Tochter, und fic gingen zur erften. Sie war ganz leer; der Apfel hatte feine Kraft bewährt, und die 2Itutter sagte: .Dieser
war rasch wie ein Held. Richt einen Ru kamen ihm Zweifel an feiner Berufenheit; er griff zu. aß und wurde verzehrt."
Sie betraten die zweite Kammer, in der nichts war wie in der ersten. „Dieser", sprach die Mutter. ..wurde bleich: aber er würgte seine Zweifel mit der Schlinge des Hochmuts, aß und wurde verzehrt."
Leer war auch die dritte Kammer. ..Wenn du", sagte die Mutter, „das Antlitz von diesem gesehen hättest, als er aß, so hättest du das deine darin gesehen wie im Spiegel. Zum König war er daher nicht berufen Komm in die letzte Kammer!"
Gülnare aber zauderte vor dieser Türe, und über ihrem pochenden Herzen schwebte der Rame Iussuff zu ihren Lippen. „Oeffne“, sagte die Mutter und löste sich in ein Lächeln auf. Die Tür sprang auf, im Lamven- schein erblickte Gülnare auf dem Tisch einen Apfel, der keine Spur eines Bisses zeigte; im Schatten aber stand ein Mensch an der Mauer, bleich und mit brennenden Auqen Er sagte: .Du Gülnare. wirst es in alle Ewigkeit Feigheit nennen, und ich habe doch im Kamps nicht norm Tode gezittert. Aber", er stockte und sprach: »ich wußte nicht und ich weiß nicht, ob ich berufen bin."
Er senkte den Kops und schritt an ihr vorüber. Riemand im Land sah ibn mehr.
Federmann 32. Folge.
Bon Hans JRiebou.
Dellrekord.
- Der Kapitän der Europa", erzählt Mücke, „hat das blaue Band bekommen."
..Das blaue Band?" fragt Federmann. „Wofür denn?"
..Er hat", sagt Mücke, „er hat auf der ersten Awierikafahrt der Europa den Weltrekörb ge- b rochen."
..Komisch", schüttelt Federmann den Kops, und ich dach:>2. Kapitäne würden überhaupt nicht mehr seekrank."
Der AnglückStag.
Ein Flieger sitzt mit am Stammtisch. ..Das war ein verteufe.ter Tag damals", erzählt er. . Sechstausend Meter über der Front, Döen, daß ich
nicht mehr wußte, wo vorn und hinten war. dabei bockte der Motor. und schließlich noch einen Schrapnelltreffer ins Tragdeck — was blieb mir anderes übrig, als abzuspringen? Rur gut. daß ich einen Schirm da hatte"
..2lch", sagte Federmann und setzt sein Glas hin. „geregnet hat es auch noch?"
Störung.
Federmann sprengt den Garten. Plöhlch fängt an zu regnen. „Verflucht", murmelt Feder- mann und dreht den Hahn ab. „nun werde ich w'eder mit dem Svrengen nicht fertig.“
Adoption.
Dchonke hat ein 25aby adoptiert. Don einer englischen Mutter.
„So ein Unsinn“, sagt Federmann, „was willst du denn eigentlich machen, wenn das Kind erst anfängt zu sprachen? Du kannst doch gar nicht englisch."
Ahvenkauf.
Federmann will eine Uhr kaufen. Eine moderne große Uhr.
„Diese Wanduhr“, sagt der 2krläufer, „geht sieben Tage, diese Standuhr vierzehn Tage. Und diese Glaskuppeluhr sogar ein volles Jahr.“
Danke", sagte Federmann, „dann behalte ich lieber meine alte Uhr. Die geht schon dreiundzwanzig Jahre."
Telephon.
Horniebel kommt zu Besuch
„Ich wollte gerade ausgehen", sagt Federmann, „warum hast du mch denn nicht vorher angerufen?“
.Angerufen?" fragt Horniebel. „Hast du denn ein Telephon? Das habe ich ja gar nicht gewußt."
„Aber Menschenskind". sagt Federmann, „lieft du denn lein Telephonbuch?"
Dr. Eckener.
Sebermann geht spazieren. Plötzlich bleibt er stehen, guckt einen Herrn, der einen grauen Spitzbart hat. an und stürzt auf ihn zu.
„Verzeihung", sagt er. „sind ©ic nicht Hugo Eckener?"
Dr. Hugo Eckener lächelt. „Jawohl", sagt er, „das bin ich.“
„Menschenskind, Hugo!“ schlägt ihn Feder- mann auf die Schulter. „Weißt du noch, wie wir in Flensburg in die Schule gingen? Run sag' mal, was ist beim eigentlich aus dir geworden?"
Betrug.
„Ich bin", erzählt Mücke, „vor ein paar Jahren mit einer Eisenbahnkarte und weiter gar nicht- von Hannover nach Berlw gefahren.“
„Die Eisenbahn", nickt Federmann, „die Eisenbahn kann man leicht betrügen. Ich bin einmal mit einer Rückfahrkarte von Hamburg nach Stettin gefahren. Aber zurück habe ich — haha — ein Auto benutzt.“
Lokalrunde.
Federmann will einen Witz machen. Feder- mann geht in ein kleines Lokal und sieht: et ist der einzige Gast.
„Herr Wirt", sagt er und kneift die Augen zusammen". „eine Lokalrunde."
Der Wirt nickt. Rimmt ein Glas, schenkt ein. Rimmt ein zweites Glas, schenkt ein. Rimmt ein drittes, viertes, fünftes, sechstes —.
Federmann guckt zu. „Ranu?" sagt er schließlich. „Was wollen Sie mit all dem Bier?"
„Was ich mit dem Bier will?" sagt der Wirt und stößt eine Tür auf. „Hier nebenan ist es gerammelt voll."
Zeitschriften.
— Die Heberfrembung bet beutschen Wirtschaft durch Kapitaleinfuhr ist heute ein schwerwiegendes wirtschaftspolitisches Problem geworden. 2le» gierungsrat Dr. H. Schmalz behandelt dieses fesselnde Problem im neuen Heft der Leipziger „3(luftrirten Zeitung" (Derlag I. I. Weber). Kinderaufnahmen einst und jetzt so heißt das Thema eines anderen Beitrags. Selten wird einem die Wahrheit des Satzes „Andere Zeiten, andere Welten" so klar, wie bei dieser Gegenüberstellung von Bildern aus den Iugend- tagen unserer Großväter und den modernen Kin- deraufnahmen. Berichte aus fernen Ländern, eine Riemenfchneider-Würdigung. Photoratschläge, ausführliche Modenbearbeitungen. Bilder aus der Tagesgeichichte, wertvolle künstlerische 23eigaben ergänzen den Inhalt des Heftes.


