Ausgabe 
9.3.1931
 
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Nr. 57 Erstes Blatt

181- Jahrgang

Montag, 9. März 1931

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Chefredakteur

Dr Friedt Will;. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

Reichskanzler Dr. Brüning an die deutsche akademische Zngend.

Zehn JahreDeutsches Studenienwerk". Oie Lleberfüllung der akademischen Berufe. Scharfe Knick des Reichs­kanzlers am Berechtigungsunwesen. Jugend und Politik in Notzeiten der Nation.

Berlin, 8. März. (WTB.) Aus Anlaß das zehnjährigen Bestehens des Deutschen Stu­dentenwerks. der früheren Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft, fand heute mittag im Reichstag eine stark besuchte Kundgebung statt, die ihr besonderes Gepräge durch die An­wesenheit des Reichskanzlers Dr. Brü­ning und zahlreicher Vertreter der Reichs­und Staatsbehörden erhielt. Einen Einblick in Wirken und Bedeutung des Studentenwerls ga­ben die Ausführungen, mit denen Professor Sch link, der Vorsitzende des Deutschen Stu- dentenwcrks, die Kundgebung eröffnete. Rach ihm nahm Reichskanzler Dr. Brüning, von der Versammlung mit minutenlangem Beifallsklatschen begrüßt, das Wort. Der Reichskanzler übermittelte dem Studenten­werk zunächst folgende

Kundgebung des Reichspräsidenten:

Dem Deutschen Studentenwerk, das heute auf ein zehnjähriges Bestehen zurückblicken kann, spreche ich aus diesem Anlast mein« besten Wünsche fürweiterecrfolgreiche Ar­beit aus. Ich verbinde damit meine An­erkennung und meinen Dank an alle diejenigen, die diese so wertvolle Wirtschafts­hilfe dcr Deutschen Studentenschaft seinerzeit ge­schaffen und die langen Jahre hindurch geför­dert haben. Das Deutsche Siudentcnwerk hat durch kameradschaftlichen Gemein­schaftsdienst und tatkräftige Selbst- Hilfe die schwere Rotlage, die auch unsere akademische Jugend hart bedrückt, gelindert und so vielen Studierenden den Weg durch das Stu­dium erleichtert. Möge auch in den kommenden Jahren dieses Werk über dem Str ei Id er Parteien stehen und, von allen einträchtig gefördert, seine Ausgabe an der deutschen aka­demischen Jugend erfüllen. Mit freundlichen Drüsten (gez.) von Hindenburg."

He:chSlanzler Dr. Brüning

erinnerte daran, dast er selbst vor elf Jahren in dem Kreise stand, der das studentische Selbst­hilfewerk vorbereitete und schuf. Aus kleinen Anfängen sei in zehn Jahren ein grostes Werk gewachsen. Es entstand aus der Rot der ersten Rachlriegszeit. Heute ist eine neue Rot toi« eine Sturmflut über Deutschland hereingcbro- chen. Die Weltkrise trifft das geschwächte und vorbelastete Deutschland .allein mit ihrer ganzen Schwere. Die Folge ist die lleberfüllung aller Berufe. Arbeits­losigkeit ist immer ein ernstes und schweres Los. Ganz besonders verhängn'^voll ist sie aber für die Jugend, die voll von Tatendrang über­all auf verschlossene Türen stößt. Di« Rot dcr Jugend ist die groste Tragik dcr deut­schen Gegenwart.

Unter den Möglichkeiten dec Hilfe für die Iugend steht in erster Linie der stampf gegen das Berechtigungswesen. Es ist ein Unding und der Ausdruck einer ungesunden Ueberschähung des intellektuellen lviffens, ivenn für immer neue Berufe höhere oder gar Hochschulbildung verlangt wird. Ich richte hier mit größtem Nach­druck an alle amtlichen Stellen und an die Führer des Wirtschaftslebens den stärksten Appell, die jungen Menschen auch ohne Berech­tigungsschein nach ihren charakterlichen und praktischen Fähigkeiten in das tätige Leben einzuführen und ihnen durch ihre Bewährung Aufstiegsmöglichkeiten zu geben.

Die lleberfüllung aller Berufe macht eine nor­male Verwertung bestandener Prüfungen usw. unmöglich. Hier liegt einer der Gründe für den Radikalismus. Da ich Verständ­nis für diese tieferen Gründe habe, so glaube ich, ein offenes Wort zur Kennzeichnung der radikalen Agitation, die heute an den Hochschulen getrieben wird, Ihnen schuldig zu sein. Äe deutschen Hochschulen können nur blühen in einer Atmosphäre, die von agitatori­schen Ausschreitungen frei ist. Sie brauchen das V e r st e h e n w o l l e-n und nicht die Voreingenommenheit. Sie brauchen das Ein­fühlungsvermögen in den Geist anderer und nicht die willkürliche Abgeschlossenheit. Wer nur ur­teilt, aber nicht Entwicklungen begreifen will, der hat in Wirklichkeit keinen akademischen Geist. Wenn scheinbar im Augenblick unlösbare Schwie­rigkeiten vorhanden sind, dann sucht man bei uns eine Rettung in einem vagen Begriff der Diktatur. DaS ist nichts Reucs. Schon vor bald 40 Jahren hat Fürst Bismarck war­nende Worte nach dieser Richtung hin vor den Studenten gesprochen. Er sagte am 30. Juli 1892 in Jena: ..Es ist ein gefährliches Ex­periment, wenn man heutzutage im Zen­trum Europas absolutistischen Ideen zustrebt." Bismarck liest dieser Warnung am nächsten Tage in einer Ansprache in Jena folgende Sähe fol­gen: ,Ohne einen Reichstag, der vermöge sei­ner konstanten Majorität, die in seinem Schoße wirkt, imstande ist, die Pflichten einer Volks­vertretung dadurch zu erfüllen, daß er die Re­gierung kritisiert, kontrolliert, warnt, und unter Um frönten zu führen imstande ist, dasjenige

Gleichgewicht zu verwirklichen, das unsere Verfassung zwischen Regierung und Volk hat schaffen wollen, ohne einen solchen Reichstag bin ich in Sorge für die Dauer und Solidität unserer nationalen Institution." Was Bismarck vor fast vierzig Jahren gesprochen hat, ist auch in der heutigen schwierigen Lage noch zutreffend. Es genügt nicht, in patriotischer Be­geisterung den Schwur abzulegcn, daß man be­reit sei, sein letztes, sein Leben für das Vater­land einzusehen.

Mag auch die materielle Rot in anderen Län­dern groß sein, viel schlimmer ist d i e s e e l i s ch e Not einer Nation, die infolge der Be- drängnisse des vergangenen Jahrzehnts den Glauben an eine vernünftige und gerechte Ordnung der Welt zu ver­lieren beginnt Leider bestehl in der ge­samten Welt wenig Verständnis dafür, was es für eine Nation bedeutet, wenn sie sich für zwei Menschenalter mit schweren striegstrlbulen belastet fühlt, wenn deutsches Land vom leben­den störper des Reiches getrennt, deutsches Volkstum mißhandelt und unterdrückt wird, und die Voraussetzungen für die Einleitungen von Verhandlungen, die zum Friedensverlrag führ­ten, nirgendwo erfüllt sind, heroische

Anforderungen müssen an die sittliche straft einer Heranwachsenden Generation gestellt wer­den, wenn sie gegenüber solchen Tatsachen und Enttäuschungen nicht der Hoffnungslosigkeit verfallen soll, wenn sie Verständnis aufbringen soll für eine Politik, die nur schrittweise die Erfüllung unserer gerechten Forderungen bringen kann.

Die schwere Arbeit ter Rcichsregierung wird im Stillen von der Sorge und von dem tiefsten Mitgefühl für dieses Leid unserer heutigen Ju­gend beeinflußt. Drs Stutentenwerk bewahrt und verwaltet ein Erbe, das die Kriegs­teilnehmergeneration s chu*. De K.iegs- teilnehmer brachten das Er^ebms mit. daß cs keine Stände gibt, und die besten Führer ter damaligen studentischen Generation waren von dem Glauben durchdrungen, daß diesesFront- erlebnis der Gemeinschaft für alle Zu­kunft a l s Grundstock der neuen Einheit Deutschlands erhalten bleiben müsse. Das Werk hat diese Tradition bewahrt. Der Geist der Gründer gibt ein Vorbild für unsere zerspaltene Zeit Halten Sie, so schloß ter Reichskanzler, fest an diesem unersetzlichen Gut, um so die sittliche Grundlage für einen sicheren Ausstieg unseres Vaterlandes zu schassen.

Sozialdemolralie und Kabinett Brüning.

Das Panzerschiff B. - Oie Steuerforderungen der Sozialdemokraten.

Berlin, 8. März.* (ERD.) Unter der Über­schriftVerständigung in Sicht?" nimmt der parteioffiziöse Soziald. Pressedienst zu den Be­sprechungen zwischen Reichsregierung und Sozial- demolraten Stellung. Er geht von ter Tatsache aus, daß Regierung und bürgerliche Fraktionen an der Einsetzung der ersten Rate für das Panzerschiff B in den Etat 1931 festhaltcn. Das habe zwar keinen Einfluß aus die Anschauungen der Sozialdemokraten, die übereinstimmend den Bau t>?n Panzerschiffen in der jetzigen Roizeit für überflüssig und unzweck­mäßig halten. Aber bei den bevorstehenden Ent­scheidungen hantele es sich nicht um die Bekun­dung von sozialdcmolratischen Grundsätzen, son­dern um die Stellung zu einer politischen Maß­nahme, von der das Schicksal der Demo­kratie in Deutschland auf lange Zeit hinaus bestimmt werden könnte.

Die Rechtsopposition hoffe, daß die Schwächung der bürgerlichen Mitte, die durch den Auszug der beiden Rechtsparteien eingetreten ist, zu einer Verschärfung dcr politischen Situation führe. Die Sozialdemokratie sei gewillt, diese Schwierigkeit überwinden zu helfen, um die Spekulation ihrer Gegner von rechts und links zu zerschlagen. Das liege um so näher, als ohne weiteres feststehe, daß eine Regierungskrise in diesem Augenblick nicht nur unermeßliche wirtschaftliche Gefahren herausbe- schwört, sondern durch die Annäherung der bür­gerlichen Mitte an Hugenberg und Hitler der Bau des Panzerschiffes B in keiner Weise ver­hindert werde.

Als Forderungen werten vom Sozial­demokratischen Pressedienst aufgestellt: Wille zum Entgegenkommen bei der Regierung und den bür­gerlichen Parteien der Mitte, Z u s ch l ä g e z u den hohen Vermögen oder Zuschläge auf die hohen Einkommen. Diejenigen Schichten, die eine den Rahmen des Zulässigen ausfüllente militärische Rüstung auch in der Gegenwart für notwendig hielten, müßten bereit sein, die Kosten dafür aufzubringcn.

Die wittschastspolitische Ausgabe Minister Ltegcrwald über das Lanierungs- programm des Kabinetts.

M ü n st e r, 8. März. (WTB.) Auf einer Kund­gebung dcr christlichen Gewerkschaften führte Reichsarbcitsminister Dr. S t e g e r w a l d u. a. aus: Unsere Wirtschaft befindet sich weitgehend in einem Zustand der Ueberorganisation und ter Desorganisation. In dieses Chaos suchte das Sanieru nasprogramm derReichsre- gicrung allmählich Ordnung hineinzubringen. Erstens müssen die Etats des Reiches, der Länder und Gemeinden unter allen Umständen in Ordnung gebracht werten. Das ist im Augenblick nicht mehr möglich durch eine Er­höhung der Einnahmen. Mithin muh es durch Ausgabenkürzungen geschehen. Die zweite Erwägung war: Die deutsche Aus­fuhr muh konsolidiert werden, sonst kom­men wir in eine immer größere Versklavung ge­genüber dem Ausland. Die dritte Erwägung war: Wir müssen über die überspitzte Leih- kapitalperivdehinwcg. Früher haben die Betriebe die Ausgaben für Investierungen meist aus langfristigen Anleihen zu einem erträglichen Zinsfuß bekommen, während die erarbeiteten Gewinne als Betriebskapital benutzt Worten sind. Heute ist cs vielfach umgekehrt. Geld ist an sich

in Deutschland da, was fehlt ist Kapital, ist Geld in langfristigen Anleihen zu einem er­träglichen Zinsfuß. Die Gewerkschaften müssen sich darüber klar werden, dah wir n >ch vor einerReihe sehr schwerer Jahre stehen. Staat und Wirtschaft eines 60 Millionen-Volkes lassen sich nicht auf Kommando in Ord­nung bringen. Es ist Illusion, daran zu glauben, daß in Deutschland in kurzer Zeit an Stelle des privatkapitalistischen Wirtschafts­systems ein anderes Wirtschaftssystem gesetzt werden könne. Dann hat es aber auch keinen Zweck, dah sich Arbeitgeber und Arbeiter ständig als zwei feindliche Heerlager gegenübcrstehcn. Vci feinem Rückblick auf die letzten zehn Jahre müssen wir feststellen, dah die Menschen, die in der Produktion stehen, mit am schlechtesten weggekommcn sind. Je schwe­rer die Arbeit, desto schlechter dir Arbeitsbedin­gungen, desto kärglicher ter Lohn. Im letzten Jahrzehnt ist die produktive Arbeit von dem Ver waltung s a ppa r a t der öf­fentlichen Hand und dem Vertei­lungsapparat immer mehr in dieEcke gedrückt worden. Hier liegen ungeheure Auf­gaben der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer. Wir werten bestimmt auch die jetzigen Schwierig­keiten überwinden. Wir müssen insbesondere in dem Krisenjahr 1931 alle Kräfte straffen und zusammenfassen. Mit Wahrheit, Klarheit und sittlichem Ernst werden und müssen wieder die Grundlagen geschaffen werden für die Gesundung von Volk und Staat.

Oingeldey fordert Entlastung der Wirtsck afi.

Güstrow, 9. März. (TU.) Auf dem Partei­tag ter Deutschen Dolkspartei (Wahlkreis 35) erklärte der Führer der Deutschen Volkspartei, Dingeldey, u. a.: Durch die Ausartung des politischen Systems feien wir in eine Entwicklung hineingekommen, die unhaltbar sei. Die Trust­frage und die Weltwirtschaftskrise seien nicht allein Schuld an diesen Zuständen, sondern vor allem die Belastung unserer heimi­schen Wirtschaft, die sich bis an die Grenz« des Möglichen gesteigert habe. Deshalb müsse mit allen Mitteln erstrebt wer­den, daß die Reichsregierung ihre Refor­men und Maßnahmen zur inneren Sanierung durchsetzen könne. Gegebe­nenfalls müsse der Reichstag für einige Zeit das Feld räumen. Zur Gesundung der Staatsfinan­zen gäbe es keinen anderen Weg, als weitest­gehende Beschränkung der öffent­lichen Ausgaben, um eine wirtschaftliche Verelendung des Vollskörpers zu verhüten. Es müsse mit aller Macht verhindert werden, dah neue besitzzerstörende Steuern eingeführt werden. Außerdem müsse das Sa« rifsystem gelockert werden. Das gegen­wärtige politisierte Tarisrecht sei infolge seiner Starrheit unhaltbar. In der heutigen Krise sei mit leeren propagandistischen Erörterungen nichts getan. Rur tatkräftiges, zielbewuß tes Handeln könne uns retten. Das Jahr 1931 müsse durch erfolgreiche Revisionsverhandlungen über das Tributsystem gekennzeichnet fein.

Oie Staaispariei gegen die sozialistischen Sieuerpläne.

Berlin, 8. März. (DDZ.) Reichskanzler Dr. Brüning empfing heute nachmittag den

Abgeordneten Dr. Fischer als Finanzsachver­ständigen dcr Staatsvartci. um mit ihm über die sozialdcmolratischen Besitz st eucr- anträge zu sprechen. Die Slaats^artci steht diesen Anträgen ablehnend gegenüber, weil darin ein Bruch mit den steuerpoliti- schen Erklärungen dcr Regierung er­blickt wird.

Eine Kundgebung der NSOAP. in Frankfurt

Göhring und Goebbels sprechen

Frankfurt, 7. März. (TU.) Die National­sozialisten hielten am Samstagabend eine große Kundgebung in der Franlsurter Festhalle ob, bei der Hauptmann Göhring als erster Redner er­klärte, er könne es verstehen, wenn der eine oder andere Anhänger der nationalsozialistischen Bewe­gung zaghaft werde, weil es dem Nationalsozialis­mus noch nicht gelungen fei, eine Aenderung des gegenwärtigen Systems herbeizuführcn. Aber man muffe bedenken, daß man immer noch in dem sogenannten parlamentarischen Staat lebe, in dem die Mehrheit regiere. Deshalb mußte, mit aller Energie darauf hingearbeitet werden, daß an Stelle der 107 in den nächsten Reichstag 200 oder gar 300 Nationalsozialisten einziehen könnten. Die Nationalsozialisten würden den Marxisten und Anhängern des gegenwärtigen Systems jetzt mit ihren eigenen Waffen, nämlich mitdemStimm­zettel in der Hand, also auf völlig legalem Wege die Macht entreißen. Das Stabinett Brüning stütze sich heute nur noch auf einen Umstand, nämlich auf die allgemeine Angst vor den Nationalsozialisten. Der Kampf der Nationalsozialisten gelte vor allen Dingen dem Marxismus und denjenigen bürger­lichen Parteien, die dem Marxismus in den letzten 12 Fahren Hilfestellung geleistet hätten und heute noch leisten. Der zweite Redner, Dr. Goeb­bels, betonte, daß niemals eine politische Partei so mit Haß und Lüge verfolgt worden sei, wie die nationalsozialistische. Aber auch niemals habe eine Partei einen grandioseren Sieg erfochten, wie die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei am 14. September 1930. Die Nationalsozialisten würden die Macht legal erkämpfen, aber was das junge Deutschland, wenn es einmal die Macht be fitze, mit dieser Macht anfangen werde, das werde feine Sache fein. Wenn jetzt die Füh rer der nationalsozialistischen Bewegung von den Gerichten des heutigen Systems verfolgt würden, dann hätten sie die feste Ueberzeugung, daß das deutsche Volk sie von jeder Schuld sreispretoen würde. Der als dritter Redner vorgesehene Ge­neral a. D. Litzma n n war infolge Krankheit am Erscheinen verhindert.

Die BMöse der Kölner Kircken- provmz zur nationalsozialistischen Bewegung.

Köln, 7. Marz. (TU.) In dec »Kölnischen Volkszeitung" veröffentlichet d i e D i s ch ö f« der Kölner Kirchenprovinz ein- Erklärung, in der cs u. a. heißt: Die Erwartung, daß es den Führern ter Hitler-Bewegung bald gelingen werte, ihr« Ziele und Grund­sätze so zu entwickeln, und so zu klären, daß sie zu begründeten Mißverständnissen oder zu Bedenken bei gläubigen Katholiken keinen Anlaß mehr gäben, hätten sich nicht er­füllt, ebensowenig auch die Hoffnung, daß man­ches Beklagenswerte im Oluf treten nationalsozia­listischer Vertreter nicht zuletzt in ter Sprache ihrer Presseorgane sich als vorübergehende Er­scheinung erweisen würde. Auch die Stellung­nahme der Erzbischöfe und Bischöfe Bayerns hätte die verantwortlichen Führer ter Bewegung nicht dazu zu bringen vermocht, die dcr katholi­schen Glaubens- und Sittenlehre widersprechen­den Kundgebungen aus ihren eigenen Reihen klar und eindeutig abzulehnen. Deshalb rie­fen die Bischöfe ter Kölner Kirchenprovinz die ihnen unterstellten Gläubigen mit aller Eindring­lichkeit zu neuem ernstem Besinnen auf. Niemals dürfe man sich, auch nicht im Kampfe gegen Anrecht. Anwahrheit und Gewalttat zu Formen der Abwehr hinreißcn lassen, die mit den christlichen Sittcngeboten nicht vereinbar sei. Die Erklärung ift unterzeichnet vom Kardinal Schulte, Erzbischof von Köln, und den Bischö­fen von Münster, Osnabrück, Trier und Limburg.

Oer Flotienfriede auf dem Schwarzen Meer. Ein türkisch-russisches Zusatzabkommen über die Beschränkung derLeerüstunven.

Angora, 8. März. (WTB.) Der türkische Mi­nister des Aeußern und der Botschafter der Sow­jetunion haben über die Beschränkung der Flotten­rüstung auf dem Schwarzen Meere ein Protokoll unterzeichnet, in dem es heißt:

Die beiden hohen vertragschließenden Parteien, die eine Festigung der friedlichen und freundschafö