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Donnerstag, 8. Oktober 1931
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Nr. 255 Zweites Blatt
Deutsche Mos aus der pariser Auto-Ausstelluua
EmdeutscheiÄduftmlaMn
Don Alfred M. Batte
Trust der J.-G.°Farben zusammenzuschließen. Immer wenn die Verhandlungen hoffnungslos abgebrochen schienen, war es Duisberg, der von neuem einem Weg zur Verständigung suchte und 'N kurzer Zeit einen sriedlichen und fördernden Zusammen' schluß erreichte. Diese Selbstbeherrschung, dieses Bezähmen des eigenen vulkanischen Temperaments ringt allen, die Duisberg kennen, immer wieder Bewunderung ab, denn nur die Näherstehenden wissen aus eigener Erfahrung, von welch explosiver Impulsivität dieser jugendliche Siebziger erfüllt ist.
Ein Siebziger? Man möchte es nicht glauben, wenn man sein von fiebernder Aktivität erfülltes Tagewerk überblickt, das morgens beginnt, Ipar endet, und trotz spätester Nachtstunde und größter Arbeitsleistung noch immer Zeit und Lust für geselliges Beisammensein im Kreise von freunden läßt Es steckt eine unverwüstliche Jugend m diesem Manne, der es sich leisten kann, von sich zu bekennen, daß er keinen Tag seines Lebens anders gelebt haben möchte als er ihn lebte. Und es lsi bezeichnend für ihn, daß von all den Ehrungen, den neun Doktorhüten, den Orden und Titeln, den Mitgliedschaften gelehrter Körperschaften, jene Ehrung ihm die liebste ist, die ihm die Jugend verlieh als die deutschen Studenten, für btt. er durch große Dotationen sorgte, ihn einstimmig zum „!ß ater der Studentenschaft ernannten.
wird Unser Akademischer Chor aber bereitet inzwi- i schen die „Matthäuspassion" vor, um damit unsere Veranstaltungen zu krönen.
Alles wird davon abhängen, ob die ersten dieser Konzerte einen Besuch aufweisen, der uns gestattet, dieses gewiß nicht überspannte, aber immerhin anspruchsvolle Programm durchzuführen. Wir hoffen, daß unsere Werbung erfolgreich ist, und daß insbesondere keines unserer alten Mitglieder uns untreu wird Es wäre ein Jammer, wenn Gießen seinen Ruf einbüßen sollte, auch im Musikleben einen vorderen Platz unter den Mittelstädten einzunehmen. Das aber müßte der Fall sein, wenn sich der Konzertverein genötigt sähe, seine Arbeiten einzustellen.
Im letzten Polarlager Andrses.
Noch viele interessante Gegenstände liegen in dem Lager der unglücklichen Andree-Expedition aus der einsamen Weißen Insel im Polarkreis, und zwei neue Expeditionen haben hier neue Funde gemacht. Die eine war eine wissenschaftliche schwedisch-norwegische Expedition unter der Leitung von Pros. A h l m a n , deren Ergebnisse noch ausstehen, die andere das Privatunteirneh- men eines Franzosen Dr. Miccard. Wie Osloer Blätter berichten, wurde der Franzose von einem deutschen Gastwirt, der in Oslo lebt Doebler, begleitet. Dieser ist ein leidenschaftlicher Polarjäger und vermietet sich nach Möglichkeit jeden Sommer bei einer privaten Expedition nach der Arktis als Koch, um sich seinem Lieblingssport bingeben zu können. Auf diese Weise hat er das Polargebiet 25 Jahre hintereinander besucht. Doebler begleitete in diesem Sommer Dr. Miccard nach der Weißen Insel und durchforschte das Lager Andrees, er fand hier eine Kamera, eine Socke, eine gestrickte Wollmuhe, das Stück eines Jackenkragens, das mit Blut bespritzt ist, und einen Menschenknochen. Infolge der Wärme, die in diesem Sommer in der Arktis herrschte, war nach seinen Berichten das Eis so weich, daß er diese Gegenstände mit einem gewöhnlichen Taschenmesser aus dem Eis heraus» araben konnte. Tief unter dem Eis eingebettet erblickte er das Fell und die Ueberreste eines Eisbären, der wahrscheinlich von Andree getötet worden war und ihm und den Seinen zur Nahrung gedient hatte.
wissen wir, welche Ansprüche das Gießener Publikum verwöhnt durch eine glänzende Vergangenheit, an sogenannte erstklassige Konzerte stellt Allen diesen Bedürfnissen und Anforderungen mußten unsere Maßregeln angepaßt werden. Bisher brachten wir außer sechs sog. Künstlerkonzerten drei Orchesterkonzerte und ein Chorkonzert. Die .Künstlerkonzerte weiterzuführen besteht trotz aller Schwierigkeiten der Lage immerhin die Möglichkeit. Aber nicht nur Der Vorstand, sondern wohl alle Besucher unserer Konzerte sind sich darüber einig, daß es damit nicht getan ist Denn die Veranstaltungen mit Orchester bilden nun einmal die Grundlage für die Bestrebungen eines Vereins, der es sich zum Ziele gesetzt hat die großen Werke unserer allen und neuen Meister unseren Mitbürgern lebendig zu machen.
Bei vorsichtiger Berechnung unserer Finanz age ergab sich aber die Unm 'glichet, solche Veranstaltungen durch ein auswärtiges Orchester (Darmstadter, Meininger) tragen zu lassen. Erfreulicherweise aber hat sich während der Nachkriegszeit in aller St Ue bei uns der „O r ch e st e r v e r e i n gebildet, dessen eifrige Mitglieder, wiederum teils „Liebhaber teils Berufsmusiker, voller Idealismus gewillt und befähigt sind, auch größere orchestrale Leistungen anzugreifen und damit, wie das Sommerkonzert in der Volkshalle gezeigt hat, auch anspruchsvolle ^)orer zu befriedigen. So begrüßen wir es darum daß dieser Verein uns seine Unterstützung zugesagt hat. Es wird möglich sein, mit seiner Hilfe wenigstens ein Orchester- und ein Chorkonzert heraus,ziibringen, für deren Gelingen sich unser Dirigent Dr T e m e s = oart) mit seiner bewährten Kraft einsetzen wird Drei Orchesterkonzerte wie bisher können wir freilich nicht bringen, wenigstens nicht von Anfang an in Aussicht stellen Für unsere acht Konzerte aber ist ein Plan ausgestellt, der auch dem verwöhntesten Geschmack genügen dürste. Freundliches Entgegenkommen hat es uns ermöglicht, wiederum Künstler ersten und allerersten Ranges für unsere Konzerte zu gewinnen. Es sind lauter Namen Die unser Publikum kennt und schätzt. B u s ch und Serkin eröffnen den Neigen, das Wend! i n g "Quartett (Diesmal um Die Klarinette verstärkt) chließt fid) an. Es folgen: Lubka Kolessa, Edith Lorand, Günter Ramin und Eva Sieben berg. Für Das Orchesterkonzert ist ein Beethovenprogramm vorgesehen, bei dem Dr. Hobohm, Der uns erst un
I längst Durch fein schönes Spiel entzückte, wieder zu • für jedermann eine be andere Freude fein
schätzbaren Heilmittel, die Duisberg ersand oder deren Herstellung er organisierte: es sei nur erinnert an Aspirin, Pyramidon, Novocain, Lummal, Adalin, Salvarsan, das Heilmittel gegen Schlafkrankheit Germanin, die Impfstoffe und Heilsera, die die wirksame Bekämpfung völkerbedrohender Epidemien ermöglichen.
Auch in dieser Vielseitigkeit ist Duisberg eine neuartige Erscheinung. Früher bildeten Wissenschaft und Industrie zwei getrennte Lager: Die Wissenschaft lieferte Der JnDustrie Die geistigen Massen, das geistige Rohmaterial stand aber weltfremd abseits: Duisberg hat dem Wissenschaftler die Anerkennung der Industrie errungen; bis dahin galt Der Chemiker für eine Art Quacksalber: man brauchte ihn zwar, aber er war nicht sonderlich geachtet, bis Duisberg mit feinem Beispiel bewies, daß man ein hervorragender Wissenschaftler und gleichzeitig ein praktischer Industriekapitän sein kann. Der Stand der deutschen Chemiker hak in erster Linie ihm die Kräftigung seines Standesbewußtseins und die Anerkennung in der ganzen Well zu danken.
Es ist das Charakteristikum bedeutender Männer, daß ihnen die Gabe eigen ist, immer zur richtigen Zeit das richtige Wort zu finden und im richtigen Augenblick das Richtige zu tun. So findet man auch in Dulsbergs Leben immer dieses intuitive Erkennen des richtigen Augenblicks. In Vorahnung kommender Dinge sorgte er für die Ausbreitung des Unternehmens, in dem jetzt außer Farben und Heilmitteln alles Erdenkliche, Kunstseide, Filme, und in dem Riesenwerk Leuna künstlicher Stickstoff aus Luft und Benzin aus Braunkohle hergestellt werden. Hand in Hand mit dieser genialen Befähigung geht auch eine starke Eigenwilligkeit, die ihm, halb im Scherz, halb im Ernst, bei seiner Umgebung den Namen „König Karl" eingetragen hat. Dabei ist er aber durchaus kein Mensch, der immer Recht haben will: im Gegenteil; eine seiner Lieblingstendenzen ist das Sprichwort: „Friede ernährt, Unfriede verzehrt", und danach hat er in seinem Leben gehandelt; seine Bereitschaft zum Verhandeln und zur Einigung hat wesentlich dazu beigetragen, daß es gelang, die sich scharf bekämpfende deutsche chemische Industrie in verhältnismäßig schneller Zeit zu dem gigantischen
Oie Ueberschwemmung von Hankau.
politische Eindrücke von einer Weltreise. Don Or. Paul Rohrbach.
Tokio, September 1931.
Brieflichen Nachrichten aus Hankau aus den letzten Tagen 'des August entnehme ich die folgende Schilderung. Der chinesische Bootsmann hat sein Paradies gefunden. Jedes Stuck, das schwim men will, ist in Hankau Gold wert, denn niemand kann einen Schritt weit zu Fuß gehm wenn er nicht wie viele arme Ehinesen sich aus dem Fen st er in 4 oder 5 Fuft Wasser begeben und halb schwimmend, halb watend sEr Bestimmung zustreben will- Wie europäischen Konzessionen und die Eingedorenenstadt stehen von einem Ende zum andern unter Wasser, und die chinesischen. Behörden haben h'er 2500 Sampans (chinesische ^ootc
Höchstzahl, die in den engen Straßen verkehren tann. Wer mit dem Flugzeug von Shanghai an- kommt, wird von einem Sampan ausgeiwmmen und nach dem Gebiet der europäischen Konzessionen gerudert. Am .Bund" (6er am Nußuser) kommt man dann in der: Hohe der Baumkronen, die dort an der: Uferstraße ge pslanzt stehen, an. Alle Erdgeschosse sind über flutet, und die Sampans fahren drxrch die Haus türen ein und landen die Passag.'ere: an. der Treppe zum Oberstock. Man ist den Bootsleuten ziemlich aus Gnade und Ungnade pra'sgegeben.
' Mancher Passagier, der den Preis für eine kurze Fahrt nicht zahlen kann, wird, ob er tvill oder nicht, in 5 Fuß Wasser geworsem Dieser Tage geschah das beim Zollhaus einer Frau mit einem Kind an der Brust. Sie war em Flüchtling und besaß nichts. Hm sie zu retten, würbe vom Zollhaus ein Boot geschickt.
Ein „normaler" Tag von heute für einen Geschäftsmann von Hankau sieht so aus: er steht aLif, ißt sein Frühstück, läßt einen Sampan ms Hau.s kommen, steigt dann die Treppe hinunter bis zum Wasserspiegel und springt ins Boot, das dann seinen Weg durch den Hauseingang m die Straße nimmt. Die durchschnittliche Geschwindigkeit Der Boote beträgt nur 2 Meilen (3,5 Kilometer) die Stunde und es mag eine Stunde dauern, bis der Mann ins Bureau kommt, ungerechnet die Chance für Zusammenstöße und sonstige Hinder- nisse unterwegs. Am Bureau angekommen, sieht er zu, wie er kletternd oder heraufgehißt rn der, Oberstock kommt. Das chinesische Personal ist inzwischen zu Fuß durch das Wasser gekommen, das den Leuten bis zum Nacken reicht.
Wenn der Geschäftsmann ein Telegramm ausgeben will, so gibt er es seinem Kuli. Dieser rollt es dann in seine Jacke und legt die Jacke
Die vielfachen Ehrungen, die dem Präsidenten Des Reichsverbands der deutschen Industrie und Gründer der I. - G. ° Farben- industrie Carl Duisberg zu seinem 70. Geburtstag zuteil wurden, mögen der äußere . Anlaß sein für die Betrachtung eines Le- bensganges, der grabe in der heute dem freien Unternehmer so abholden Zeit des Interessanten und Nachdenklichen genug bieten kann.
Geheimrat Pros. Dr. Carl Duisberg, der Begründer und Leiter des größten deutschen Trusts, des Chemiekonzerns der I. - G. - Farbenindustne, Vor- sschender des Reichsverbandes der Deutschen Jndu- ssi'rie und Ehrendoktor von neun Fakultäten ist einer der imponierenden Erscheinungen des deutschen Wirt- fchaftslebens; sein Aufstieg ein Musterbeispiel deutscher Tatkraft.
Sein Elternhaus war nicht reich; der Vater hatte eine kleine Bandfabrik in Barmen, und der Sohn joUte später selbstverständlich das väterliche Geschäft Äbernehmen. Aber die Mutter erkannte früh das <3enie ihres Sohnes, förderte feine Neigung zur Chemie, fetzte Den Befuch der Hähern Schule durch, lichtete ihm im Keller des Hauses ein primitives Laboratorium ein, und brachte es durch Sparfam- feit fertig, dem Sohn das Universitätsstudium zu ermöglichen. War es die Peitsche des Schicksals, die jedes Genie antreibt, ober war es bas Sdjulb’ tewußtsein gegen bie Mutter, die für ihn Entbehrungen litt, — von Beginn seines Lebens an kannte Carl Duisberg keine Ruhe; der große Weg mußte im Sturmschritt durchmessen werden. Unersättlich in seinem Wissensdurst, stürzte er sich neben der Che- mie auch auf Mineralogie, Geologie und eine seltene Erscheinung zu jener Zeit — Nationalökonomie. Mit zwanzig Jahren machte er summa cum laude den Dr. phil. Endlich schien wenigstens das eine erreicht zu sein: den Eltern nicht mehr zur Last fallen zu müffen. Sofort bewirbt er sich um eine Stellung: das Nahrungsmitteluntersuchungs- emt in Krefeld will ihn als Assistenten einfteUen. Jedoch sein Lehrer Professor G e u t h er, der das Genie des Studenten erkannt hat, will sich mit dieser Laufbahn nicht einverstanden erklären. Da aber das Geldverdienen eine bittere Notwendigkeit für den jungen Duisberg ist, findet Geuther einen großzügigen Ausweg: er stellt den jungen Doktor als Assistenten an und zahlt ihm aus eigener Tasche ein Gehalt. , „ , rx.., . _
Nun konnte sich Duisberg ohne Unterstützung der Eltern in Ruhe wissenschaftlichen Arbeiten hmgeben. Dann packte ihn das Verlangen nach einem -Wir- lungskreis im praktischen Leben. Er bewarb sich heimlich bei den chemischen Fabriken, doch niemand wollte ihn nehmen, weil er seiner militärischen Dienstpflicht noch nicht genügt hatte. Kurzentschlossen fuhr er nach München, meldete sich als Freiwilliger und diente sein Jahr ab. Tagsüber wurde exerzier, nachts weiter studiert. Nach einem Jahr als Leutnant der Reserve entlassen, mußte er sich von neuem nach einer Stellung umsehen. Und nun übernimm bas Schicksal die Aufgabe, den jungen Chemiker auf den richtigen Weg zu bringen. Die Mutter Dulsbergs wendet sich an ihren alten Lehrer, der auch der Lehrer Des BegrünDers Der Farbensab r i - (en FrieDr. Bayer gewesen war mit Der Bitte bei Bayer nach einer Stellung für ihren Sohn unizuschauen. UnD wirklich erhält Duisberg nach kurzer Zeit eine Stellung als Chemiker bet Den Farbenwerken Friedr. Bayer. Sem erstes Laboratorium in Der neuen Stellung war ^" primitiver Holzschuppen, ein kleiner Junge, der Den Boden fegte unD bie Gläser auswusch, )ein „Assistent
%ie Fabrik war in wirtschaftlichen Voten Man brauchte neue Farbstoffe. Duisberg machte sich an die Arbeit. Aber so oft er auch die Komponenten zusammentat, es wollte kein brauchbarer Fmbstosf entstehen, immer wieder kam ein s^vutziges Braun, statt des erwünschten leuchtenden Rots, Nun wurden aber im Laboratorium an jedem Sam-tag von Dem Laboratoriumsjungen auch ^brauchten Reagenzgläser gereinigt; eines Tages fiel es Du's berg auf daß ein Becher einen roten Inhalt patte. Nachforschungen ergaben, daß der Laboratonmn - junge vergessen hatte dieses Glas auszuwaschen.
Gießener Konzertverein.
- ückbttck und Vorschau
Duisberg untersuchte den Inhalt: es war der ersehnte rote Farbstoff. Er hatte nicht ahnen können, daß dieser Farbstoff, im Gegensatz zu den anderen Azofarbstoffen, nicht sofort entsteht, sondern zu seiner Bildung einige Tage braucht. Durch die Nachlässigkeit des Laboratoriumsjungen war die Erfindung gelungen: das rote Benzopurpurin 4 b war gewonnen, und damit ein wichtiger und gewinnbringender Stoff, dessen Absatz wesentlich zum Aufstieg und zur Sanierung der Elberfelder Fabrik beitrug.
Auch die Erfindung des blauen Farbstoffes, des Benzoazurins, ging sehr merkwürdig vor sich: als Duisberg von vergeblichen Versuchen übermüdet, nach dem Mittagessen sich zum Ausruhen ausstreckte und dabei einschllef, fand er die richtige chemische Formel — im Traum. Die Versuche nut dieser Traumformel ergaben einen Farbstoff von solcher Schönheit, daß sich der ganzen Fabrik eine ungeheuere Aufregung bemächtigte. Der kaufmännische Direktor erschien sofort bei Duisberg, unD obgleich es bereits spät war, ruhte er nicht, als bis Duisberg ihm eine provisorische theoretische Kalkulation anfertigte um festzustellen, ob bei Dem langen unD nicht sehr einfachen Herstellungswege Die technische Darstellung Dieses Farbstoffes zu konkurrenzfähigen Preisen möglich war. Diese kleine, auf einen Zettel nieDergefchriebene Kalkulation hat jener Direktor wie Duisberg heut noch erzählt, siebzehn Jahre lang als eine Art Talisman in seiner Zigarrentasche bei sich getragen, Denn mit Der Erfindung dieses zweiten Farbstoffes begann d e r große Auf- throung Der Farbfabrikation.
Als die Fabrikation ungeheuer wuchs, ergaben sich auch Unmengen von Produktionsabfallen, Die in anDeren Fabriken fortgeworfen zu werden pflegten. Duisberg hatte jeDoch Das Gefühl, Daß Die e Abfälle nicht wertlos seien und ließ sie in Fässern auf Dem Fabrikhof aufstapeln. Aus diesen Abfällen gewann er in Zusammenarbeit mit anderen nach langen mühsamen Versuchen Das erste bcDeutenDe lünftlidje Fiebermittel, Das Phenacetin, und schuf Damit Die ©runDlage für Die Deutsche pharmazeutische JnDustrie. Mit Dem Phenacetiü rourDe Die pharmazeutische Abteilung Des heutigen J.-G -Trusts begründet, und an das Phenacetin schließt sich die lange Reihe der un-
Oie Schrecken des Autoexamens.
In einer übermütigen Plauderei des Oktoberheftes von Belhagen & Kinsings Mo - n a t s h e f t e n schildert mit humoristischer lieber* treibung Anton M a v e r, wie schwer es dem Anfänger fällt, mit Händen und Füßen die „Nuckelpinne' zu beherrschen. Aber diese Schwierigkeiten sind nichts gegen die furchtbaren Mysterien, die sich dem entsetzten Auge und den sich verwirrenden Sinnen zeigen, wenn die Haube geöffnet wird und der Unterricht am Motor beginnt. Ich habe Menschen - so schreibt der Verfasser die bis dahin, von ihrer eigenen Vortresflichkeit überzeugt, das ruhige und zufriedene Leben des ehrbaren Bürgers führten und sich Nacht für Nacht einer ununterbrochenen gesunden Nutze von 8 bis 10 Stunden Sch las erfreuten, mit schwarzen Bändern unter den Augen, scheu und heimlich, Urbilder schlechtesten Gewissens, sich an der Wand entlangdrückend, den Garagehos zur Motorstunde betreten sehen: denn sie wußten, daß sie die Fragen des Instruktors nach dem Gemisch, nach den Bergasertypen, nach der Magnetwirkung oder der Disfeientialkonstruktion nie beantworten konnten, obwohl sie in der Nacht, alle halben Stunden, aus verstörtem Schlummer auffahrend, das Lehrbuch gewälzt hatten, nur um hoffnungslos wieder in die zerwühlten Kissen zu sinken und weiter das Dunkel von höhnisch herumfliegenden Drosselklappen — was gerade diese Bögel im Motor zu suchen haben, ist mir nie klar geworden — und Zündkerzen, die es nicht erhellen, erfüllt zu sehen. (Einer meiner Freunde, ein sehr feiner Maun, der während des Krieges eine Zeitlang zu Den Kraftfahrern kommandiert war, antwortete bet einer Offiziersbesprechung der Kolonnenführer auf die Frage, ob feine Formation eine „Drehbank mit Futter" wünsche: „Jawohl, aber ich bitte gehorsamst um seidenes" — was, nach dem Gelächter der anderen zu schließen, aus einem Mißverständnis beruht haben muß.) Ich weih, daß es Dinge gibt, die ich nie in meinem Leben verstehen werde: dazu gehört das Libretto des „Troubadour" und die Tatsache, daß und wie ein Auto vom Motor bewegt wird. Ich glaube, die Sache ist ganz anders und ganz einfach: will es laufen, dann läuft s eben, und will es nicht, dann bleibt es stehen — aber, Golt sei Dank, meistens will es ja.
Die aroße Pariser Auto-Ausstellung scheint ein voller Erfolg für Die Deutsche Autoindustrie zu werden, Ze mtt zahlreichen schönen und technisch vollkommenen Modellen^vertreten.sitz Den wagen wird von Dem internationalen Publikum zugestanden daß fielMnunb tedjmfch herv
9 ragenbften Erzeugnisse Der europäischen Autoindustrie darstellen.
Von Dr. Gustav Krüger, o. Professor der Theologie an der Universität Gießen.
Mit feinen Veranstaltungen im kommenden Winterhalbjahr tritt der Gießene r K 0 n 4 e r t 0 e r - e i-n in sein 140. Vereinsjahr ein. Am 14. Marz 1792 gab Die „Musikalische Gesellschaft Gießens 'M Gasthaus Zum Löwen" ihr erstes „Liebhaberkonzert
Liebhaber" waren es, bie in Verbindung nut einigen Berufsmusikern lange Jahre binDurd) Die mufifnliichen Kosten Dieser Konzerte bestritten Der Ä ÄfcÖ« Der .Musikalischen Gesell,chaft" ?ür die Leitung und Ausgestaltung dieser Konzerte seit 1818 aus der Grobherzoglichen odjatulle be- willigt wurde, ermöglichte Den weiteren Ausbau. Tüchtige Musikdirektoren (G a ß n e r, H 0 f m a n n, Mickler, Felchn er. Traut mann) brachen die Leistungen der nunmehr als „Konzertverein bezeichneten, längst über das „dilettantische Stadium h naüsgewachsenen Gesellschaft und des ihr eng ver- bunbenen „2ltabemi[d)en Sefanooereins (1819) auf Die Höhe die die älteren unter uns erlebt hoben, und D e Den jetzt lebenDen und künftigen Geschlechtern zu erhalten die vornehmste Ausgabe der Vereinigung geworden ist. Sie zu erfüllen, machen aber che wirt- sch,Etlichen Verhältnisse immer schwieriger. Wir fon- 'nen nicht mehr aus dem Vollen heraus arbeiten, ^a wir stehen vor der Frage, ob wir unsere 21r- beiten überhaupt werde fortsetzen können wenn tm von Den musikliebenden Kreisen unserer Stadt nich mehr ausreichend unterstützt werden. Auf den Ernst dieser Lage dringend aufmerksam zu machen und noch im letzten Augenblick zu tatfraftiger Unter- slützung aufzurufen, ist der Zweck diefer feilen.
Der Vorstand des Vereins ,st .n den letzten Wochen und Monaten unausgesetzt bemüh gewesen die Gefahr zu bannen, die unserem Musikleben beim Em- aehen unserer Konzerte drohen wurde Wir haben versucht unseren Haushalt so bilsig und einträglich mie möglich zu gestalten. Wir hoben alles exwogen, um den Stamm unserer Besucher nicht nur au er halten, sondern womöglich zu vergrößern. Die Kosten
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