Nr. 209 Erstes Blatt
M. Jahrgang
Dienstag, 8. September (931
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GktzemrAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
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Landnöten.
AIS man Ende deS vergangenen Monats die Rachricht laS, in der (Billa des Schriftstellers Äatl 6 t r c d e r feien unheimlich raffinierte (Brandstifter am Werk gewesen, während sich Ctrcdcr selbst fern von Berlin auf hielt, ahnte niemand die erschredende und düstere Aufklärung dteseS Verbrechens: ja, auch als er unter dem Verdacht der Brandstiftung und deS Versicherungsbetruges verhaftet wurde, sträubte man sich gefühlsmäßig gegen die Möglichkeit einer solchen Beschuldigung. Denn Strecker, der jetzt beinahe Siebzigjährige, war ja nicht ein beliebiger Unbekannter, sondern eine Persönlichkeit von Geltung und Ansehen, deren Leben makellos vor aller Oefsentlichkeit lag. Der frühere Offizier hatte sich alS Schriftsteller und Essayist einen berechtigten (Ruf geschahen, er war, in ihren besten Zeiten, Theaterkritiker der .Täglichen (Rundschau", er hat daS Leben Heinrich von Kleists, Friedrich Hebbels, (Nietzsches und StrindbergS beschrieben, er hat Goethes Faust gedeutet und wirkte bis zuletzt als Buchkritiker einer angesehenen deutschen Monatsschrift. Ucberblidt man die (Reihe feiner Essays, Bücher, Romane, Lustspiele, so ist kaum ein Jahr vergangen, in dem er, neben aller beruflichen Arbeit — er war zwischendrein auch Dramaturg an den Reinhardtbüh- n c n — nicht auch irgendein selbständiges Werk veröffentlicht hätte: daS Leben dieses ManneS ist wahrlich Mühe und Arbeit gewesen, Mühe und Arbeit um große und bedeutende Gegenstände.
Run hat er, alS er den unseligen Entschluß faßte, in seinem Hause F^er anzulegen, das olleS selbst zerstört. Voreilig^haben gemutmaßt, es handle sich hier um verwickelte seelische Vorgänge: vielleicht darum, daß der Gestalter Strecker in Wirklichkeit auSführen sollte, waS er die Menschen in seinen Büchern hatte begehen lassen — aber sein Fall liegt viel unkomplizierter, viel einfacher und grausamer: eS ist, nach seinem Geständnis, die einfache und gemeine Materie 11 e R o t gewesen, die ihn zu dieser Tat trieb. Hier hört nun das Private und Persönliche dieser Angelegenheit auf, das Drama Strecker tritt auf die Bühne dieser Zeit und erweckt, einer griechischen Schicksalstragödie nicht unähnlich, Mitleid und Furcht. Wie groß muß die Ratlosigkeit gewesen sein, wie unbeschreiblich die Verwirrung dieses Geistes, als er sich zu dieser Tat entschloß! Gab eS keine andere Möglichkeit für ihn? Wir wissen es nicht, aber wir können annehmen, daß sein getrübtes Auge keinen anderen Ausweg mehr sehen konnte. ilnö so endet dieses redliche und reinliche, dieses arbeitsame und immer strebend sich bemühende Dasein mit einer Verzweiflungstat, einem mißglückten Hasardspiel.
Schicksalstragödic: sie spiegelt die Not der Zeit im allgemeinen, sie stellt im Besonderen das Leiden des geistigen Arbeiters dar, dessen Arbeit immer weniger Achtung und Absatz findet, dessen Wirkungsmöglichkeiten täglich mehr eingeschränkt werden. Das Drama des Alternden auch, dessen ernstes und planvolles Wirken von einem jungen lauten Geschlecht verdrängt wird, dessen Name allmählich in Vergessenheit gerät, weil er der schreienden Reklame abhold ist, weil es ihm widerstrebt, sich anzubicten, weil diese Gegenwart überhaupt mit jungen Kräften einen verschwenderischen Kult treibt, als fei Jugend an sich schon ein Verdienst. Und so wird der Lebensraum des Alternden immer enger und spärlicher, immer dichter umstrickt ihn die Verzweiflung, bis endlich die letzte Hemmung gefallen ist und ein getrübter Geist keinen anderen Weg sieht als das Verbrechen, das der Schuldige nun mit der Vernichtung seines bür- I,erlichen Daseins büßen muß. Wer heute noch in icherer Sorglosigkeit sitzt, hat es leicht, den Branb- tifter zu verdammen Aber roeffen Stellung wäre in dieser Zeit so gefestigt, daß er nicht fürchten müsse, in eine gleiche Lage abzugleiten? Wer will dann für sich bürgen? Wer mag auf diesen Schul- digen den ersten «tein werfen?
Während man sich in Deutschland immer noch nicht zu durchgreifenden Maßnahmen zur Wiederaufrichtung der Landwirtschaft entschließen kann und damit die Abhängigkeit der Volksernährung vom Ausland bestehen bleibt, geht man in Italien ziel- bewußt einen Weg, der die Ernährung des italienischen Volkes aus eigener Scholle sicherstellen soll. Ungeachtet des Ueberangebotes an Getreide auf dem Weltmarkt, ungeachtet der Rufe, daß in ileberfee das Getreide viel billiger erzeugt werden könne, wird in Italien d i e ,Kornschlacht" geschlagen, jene große wirtschaftliche Schlacht, deren Sieg für das italienische Volk völlige Unabhängigkeit in der Drotgrtreide- versorgung bedeutet. Man hat in Italien aus der Vergangenheit gelernt. Würde Italien in einem Kriege zur See blockiert und auch an den Landgrenzen von jeder Zufuhr abgeschnitten, so wäre eS hx verhältnismäßig kurzer Zeit ausgehungert. Mussolini will ein völlig unabhängiges Italien schassen, einen wirtschaftlich starken Staat, der jederzeit seine Unabhängigkeit aus eigener Kraft verteidigen kann. Man mag zu Mussolini stehen wie man will, die Idee des Faschismus bekämpfen oder sie verherrlichen: Tatsache ist, daß nur das Volk wirklich frei und unabhängig ist, das sich selbst ernähren kann. Wird Italien dieses Ziel erreichen? Unbefangene Sachverständige, zu denen auch der landwirtschaftliche Sachverständige bei der Deutschen Botschaft hx (Rom, Geheimrat Busse, gehört, halten die Steigerung der Ernteerträge bis zur tatsächlichen Selbstversorgung hx Italien für erreichbar. Die
Oie Völkerbundsversammlung eröffnet.
Lebhaftes Interesse des Publikums.
Genf, 7. Sept. (WTD.) Schon lange vor dem auf 10.30 Uhr angelegten Beginn der Eröffnungssitzung der 12. Dölkerbundsverfammlung herrschte in den Wandelgängen deS VersammlungSgebäu- deS das an solchen Tagen übliche lebhafte Treiben. Aus der Straße hat sich eine starke, durch umfangreiche Ordnungsmahnahmen zurückgehaltene Menge angesammelt, die, da die Tribüne nur über eine ganz beschränkte Anzahl von PublikumS- plätzen verfügt, wenigstens die Auffahrt der Delegier fen erleben will. Von den 54 Staaten, die dem Völkerbund zur Zeit angehö.en, sind in der 12. ordentlichen Tagung der Völkerbunds» Versammlung 52 Staaten vertreten. Argentinien und Honduras haben keine Vertreter entsandt. Vier Staaten sind durch ihre Ministerpräsidenten, 23 durch ihre Außenminister oder sonstige aktive Minister vertreten. England hat Lord Robert Eecil, Japan den Botschafter in Paris Poshi- sawa, entsandt. 'Die überseeischen Staaten lassen sich durch ihre europäischen Gesandten vertreten. Der Vertreter Oesterreichs ist Vizekanzler Dr. Schober. Die deutschen Hauptdelegierten, Außenminister Dr. E u r t i u s , Botschaster a. D. Graf Bernstorfs und Ministerealdirektor Dr. G a u S, haben in der ersten Reihe der Delegationen vor dem Tisch des Präsidenten Platz genommen.
Oie Eröffnung.
Begrüßungsansprache bce Ratspräsidenten
Kurz nach 10 Uhr eröffnete der amtierende Ratspräsident, der spanische Außenminister L e r • rouj, die Vollversammlung. In seiner mit Beifall aufgenommenen Ansprache ging Lerroux kurz auf die wichtigsten Vorgänge des abgelaufenen Arbeitsjahres des Völkerbundes ein. Ein Beweis der zunehmenden Ausbreitung des Rechtsgedankens im internationalen Leben, erklärte er u. a., fei darin xu erblicken, daß nunmehr 37 Staaten, darunter fast alle europäischen Staaten, die obligatorische Rechtsprechung des Haager G e« r i ch t s h o s e s anerkennen. Einen wesentlichen Beitrag zur Aufrechterhaltung des Friedens bedeute auch die Tätigkeit des Europaausschusses. Der Europaausstbuß habe sich im ersten Jahre feines Bestehens hauptsächlich mit einem Teilgebiet der allgemeinen Wirtschaftskrise, der mittel» und osteuropäischen Landwirtschaftskrise, beschäftigt und hierbei bemerkenswerte Ergebnisse erzielt und außerdem das Problem der Umstellung der Zollpolitik in Europa durch ein großzügiges Gesamtprogramm gefördert. Der Aufschub der R e - parations- und Kriegsschulden auf Grund des Vorschlages des Präsidenten Hoover, die Konferenzen von London, Paris, Berlin und Rom zwischen den deutschen, amerikanischen, englischen, französischen und italienischen (Staatsmännern, d i e Tätigkeit d e r BIZ. und die Arbeiten des Baseler Sachoerständigenausschusies seien weiterhin Anzeichen für den Willen zur Gesundung und den Wunsch nach Zusammenarbeit.
Oie Wahl des Präsidenten.
ritnlcocu siegt mit knapper Mehrheit über Apponyi.
Dann wurde zur Wahl des Präsidenten der Vollversammlung geschritten. Gewählt wurde der zweite rumänische Delegierte, der Gesandte in London, Titulescu. Er erhielt von den 49 abgegebenen Stimmen 25. Aus den ungarischen Delegierten, Gras Apponyi, entfielen 21 Stimmen. Titulescu war bekanntlich auch Präsident der 11. Völkerbundsversammlung Es ist das erste Mal in der Geschichte des Völker
bundes, daß ein Delegierter zweimal hintereinander zum Präsidenten gewählt wurde. Titulescu begann seine Amtsübernahme mit einer längeren programmatischen Rede, in der er die Zweckmäßigkeit und Wirksamkeit der Völkerbundsarbeiten alS daS Ziel, an dem er nach Kräften mitarbeiten wolle, in den Mittelpunkt stellte. Er warnte vor übertriebenem Pessimismus und erklärte, man dürfe nicht von einem Zusammenbruch sprechen, sondern müsse die gegenwärtigen Versuche alS eine Baustätte betrachten. Die „Arbeiten der ersten Stunde" könnten vergessen werden. SS komme nur darauf an. daß späteren Geschlechtern daS Gebäude deS Friedens überliefert wird. Zu diesem Zweck müsse mit Vertrauen, Umsicht, Aktivität und Opfersinn gearbeitet werden.
Diese Wahl ist ausschließlich auf die politischen Intrigen der leitenden französischen Kreise des Sekretariats, insbesondere der Leitung der Informationsabteilung zurückzuführen, die unter keinen Umständen einen Vertreter der im Weltkriege besiegten Staatengruppe, den Ungarn Apponyi, den Ehrenposten des Präsidenten der Völkerbundsversammlung einräumen wollten. ES hat sich auch bei dieser Wahl von neuem gezeigt, daß für die im Weltkriege „besiegten" Staaten im Völkerbund kein Platz ist. AlS TituleScu die Prä
sidententribüne betrat, wurde ihm auS dem Saal nur äußerst lauer Beifall gezollt. SS war dabei deutlich daS Befremden über dies«
Wahl zu spüren und insbesondere darüber, daß TituleSeu sich bereitgefunden habe, die Wahl zum zweiten Male anzunehmen.
Oie Erledigung der Zollunion im Völkerbundsrat.
Oer CRaf nimmt bat Haager Gutachten ohne weitere Aussprache zur Kenntnis.
Genf, 7. Sept. (TU.) Die Verhandlung des Völkerbundsrats über den deutsch-österreichischen Zollunionsplan war nach den in den letzten Tagen zwischen den Abordnungen getroffenen Vereinbarungen nur von einer Dauer von kaum fünf Minuten und beschränkte sich ausschließlich auf folgende vom Ratspräfibenten verlesene kurze Erklärung:
„Der Völkerbundsrat nimmt von dem Gutachten Kenntnis, das der Haager Gerichtshof in Verfolg des auf der Maitagung des Rats an ihn gerichteten Antrages über das zwischen Deutschland und Oesterreich abgeschlossene ZoUunionsprotokoU erstattet hat, dankt dem Internationalen Gerichtshof für seine Bemühungen und nimmt von der am 3. September im Luropaausschuß abgegebenen Erklärung Kenntnis. Der Rat stellt daher fest, daß für ihn keinerlei Veranlassung mehr vorliegt, die Prüfung dieses Punktes weiter fortzufehen."
Die Aussprache wurde mit der einstimmigen stillschweigenden Annahme dieser Erklärung abgeschlossen. Irgendwelche Erklärungen wurden hierzu weder von deutscher noch von französischer Seite abgegeben. Der Präsident teilte ferner mit, daß d l e amtliche Abschrift des internationalen Gutachtens des Haager Gerichtshofes dem Völkerbundsrat zwar noch nicht vorliege, daß jedoch der Präsident des Haager Gerichtshofes dem Generalsekretär des Völkerbundes fernmündlich die Uebereln ft immun g des bereits übermittelten Textes des Gutachtens mit dem amtlichen im Haag niedergelegten Text bestätigt habe.
Der Völkerbundsrat hat damit die Verhandlungen über den deutsch-österreichischen Zollunionsplan end
gültig abgeschlossen und den von deutscher und österreichischer Seite geltend gemachten Wünschen stattgegeben und von jeder politischen Aussprache abgesehen. 3n den in den letzten lagen fortgesetzt geführten Verhandlungen war von deutfcher und österrelchifcher Seite geltend gemacht worden, daß eine allgemeine politische Aussprache über den deutsch-österreichischen Zollunionsplan nicht mehr wünschenswert erscheine. Die maßgebenden Ratsmächte, besonders Frankreich, haben sich somit diesem Wunsche angeschlossen. Mit den am vorigen Donnerstag von Dr. Lurtius und Schaber abgegebenen Verzichterklärungen war d i e politische Entscheidung übet die Zurückziehung des Zollunionsplanes ja bereits gefallen. Somit erübrigte sich jede weitere politische Aussprache im Völkerbundsrat.
Oie Taktik
der deutschen Oelegation.
Warum Curtiutz schon im (Luropaauoschutz vcrjichtcte.
Genf, 7. Sept. (LU.) Zu der In der Presse lebhaft erörterten Frage, aus welchen Gründen die deutsche und österreichische Derzichterklärung bereits vor der Bekanntgabe deS Haager Gutachtens erfolgt sei, wird von amtlicher deutfcher Stelle erklärt, daß eine längere Hinauszögerung der endgültigen Entscheidung angesichts der wachsenden Rervosität und Unruhe untragbar erschienen sei. Ferner wäre eS unnatürlich gewesen, wenn bei der Erörterung der wirtschaftlichen Pläne, iixsbesondere derjenigen der europäischen Markterweiterung i m ® u * ropaausschuß die Bekanntgabe deS deutschen und österreichischen Standpunkte- zum ZollunionS- plan unterblieben wäre. Der deutsche Vertreter
Kornschlacht oder .Dattaglia del grano", wie sie der Italiener nennt, wird in dem letzten italienischen Dorf mit einer für südliche Verhältnisse seltenen Zähigkeit durchgekämpft. Das ganze Dauernvolk wird in diese wirtschaftliche und zugleich nationale Kampffront hi neingedrängt.
Das Landwirtschaftsministerium hat neben umfangreichen Maßnahmen zur Wirlschaftsberatung und Entfaltung des Wettbewerbs unter den Landwirten 8 0 0 landwirtschaftliche Wanderlehrer in die Dörfer geschickt, die Tag für Tag die Idee der „Battaglia bei grano“ propagieren und den Bauern die praktische Möglichkeit des Sieges sofort zeigen. Ein solcher Wanderlehrer erscheint in der Bauerngemeinde und bittet die Bauern, ihm auf ihrem Acker einige Quadratmeter zu überlassen. An Ort und Stelle beginnt er sofort mit der Arbeit, er düngt den Boden sachgemäß mit Wirtfchafts- und Handelsdünger und sät Weizen aus, der aus einer Saalgutwirtschaft stammt. Nach Beendigung der B'e- ftcUungsarbeiten reift dieser Landwirtfchaftslehrer weiter. Erst zur Erntezeit erscheint er wieder und zeigt dann den Bauern den Unterschied des Getreides: so sieht euer Weizen aus und so meiner! Wenn ihr die gleichen Erträge haben wollt, bann müßt ihr biefe Saat unb jenen Kunstdünger ge- brauchen. Am Abend folgen belehrende Vorträge, die den Bauern aufklären. Der Erfolg ist überraschend: die italienischen Landwirte schlagen die Kornschlacht aut. Die Erträge steigen erstaunlich. Italien ist auf dem besten Wege, die Srotverforgung aus eigener Scholle sicherzustellen. — Man redet in Deutschland soviel von negativer Handelsbilanz unb Deoisenabsluß, wäre es nicht bitter nötig, auch unser
Volk aus eigener Scholle zu ernähren, wo wir dem Ziel bod) viel näher sind?
Oer Deutsche Lehrerverein zum Echulabbau.
Berlin, 7. Sept. (Vdz.) Der geschäftsführende Ausschuß des Deutschen Lehrervereins wendet sich gegen die Drosselungsmaßnahmen, die von den Ländern und Gemeinden auf dem Gebiete des Volksschulwesens geplant werden, in einer Entschließung, in der eS heißt:
.Der geschäftsführende Ausschuß deS Deutschen Lehrervereins erhebt schärf st en Einspruch gegen die bildungskeindlichen Abbaumahnahmcn, die neuerdings durch Reich, Länder und Gemeinden auf dem Gebiete des Schulwesens betrieben werden. Die weitere Erhöhung der Klassenfrequenz und der Pflichtstundenzahl der Lehrer, die schematische Zusammenlegung von Schulen und Klassen, die Herabsetzung der Schülerwochenstunden und die mit diesen und ähnlichen Maßnahmen zu befürchtende verhängnisvolle Herabdrückung der unterrichtlichen und erzieherischen Wirksamkeit drängen die deutsche Volksschule an den Rand des Abgrunds und stellen sie alS volkswirtschaftlichen und staatspolitischen Abzugposten für den notwendigen Wiederaufbau des deutschen Wirtschaftslebens in Frage. Der geschäftsführende Ausschuß erwartet, daß die Unterrichtsministerien der Länder Wege suchen und Mittel
bereitstellen, die brachliegende Arbeitskraft der stellungslosen Junglehrer und - lehre r i n n e n der Schule dienstbar zu machen. Der Deutsche Lehrervercin lehnt jedes Sparprogramm auf dem Gebiete des VolkSschul- wesens entschieden ab, daS nicht zugleich einen sinnvollen organischen Aus - und Ausbau des deutschen Bildungswesens bringt."
OieBürgermeisterzurBesoldungSfrage
Berlin, 7. Sept. ($11.) Der Vorstand deS Deutschen Bürgermeisterbundes nahm in einer Sitzung zu der Frage der Besoldung der Bürgermeister, Etadträte und Beigeordnete Stellung. In seiner Erklärung bedauert er, daß einige wenige — ausnahmslos in Großstädten — tat* sächlich vorhandene Auswüchse ungerechterweise verallgemeinert und dazu benutzt würden, einen ganzen Derussstand in Verruf au bringen. Er weift demgegenüber darauf hin, daß inSbeson- dere in den Städten, deren Besoldungspolitik ja in der Hauptsache die neuesten Angriffe gelten, die Festsetzung sämtlicher Bezüge der leitenden Beamten in jedem einzelnen Falle nach den seit Jahrzehnten geltenden und angewandten gesetzlichen Bestimmungen seitens staatlicher Stellen nachgeprüst und besonders genehmigt worden ist. Danach entbehre die jetzt vielfach aufgestellte ‘Behauptung, daß die Gemeinden und vor allem die Städte allgemein und in größtem Umfange nach freiem Ermessen die Bezüge ihrer leitenden Beamten viel zu hoch festgesetzt hätten, jeder Grundlage.


