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Nr. 101 Zweites 5luh
Etehener Anzeiger tSeneral-Anzetger für Gberhefseiy
öidiag, 8. Mai (95|
Lord 3rtvin, der kommende Mann in England.
Don unserem ^.-Berichterstatter.
t.Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verbotenl)
London. Mai 1931.
Als der frühere Dizekönig von Indien, Lord Irwin, nach Beendigung seiner fünfjährigen Amtszeit wieder englischen Boden betrat, wurde er — ein ungewöhnlicher und in der englischen Geschichte seltener Vorgang — von einer begeisterten Menge begrüßt, in der eine große Reche bekannter und führender Politiker des Landes auffiel. Er wurde fast wie «in wirklicher König empfangen und d2 Urteile der englischen Presse lassen keinen Zweifel darüber, daß man sich in ganz England einig darüber war, daß mit Lord Irwin nicht nur einer der beliebtesten, sondern auch einer der be deute n d st e n Politiker des Landes in di« Heimat zurückkehrte. Hat doch auch vor etwa zwei Wochen, als Lord Irwin Indien verlieh, sein Rachfolger Lord Willingbon nichts Besseres erklären können, als daß er die Politik seines . Vorgängers fortsehen würde und dessen Re- gierungsmechoden in vollem Umfange beizubehal- ten wünsche.
Man muh schon in der Geschichte der englischen Dizäönige Indiens sehr weit zurückgehen, um einen ähnlichen Vorgang zu finden. Allein Lord Curzon hatte, als er von seiner ersten Vizekönigschaft vor etwa 25 Iahren zurückkehrte, einen ähnlichen Empfang, während die übrigen Persönlichkeiten, die dieses hohe Amt inzwischen bekleideten, kaum mehr als die üblichen Rachrufe bei ihrem Scheiden für sich verzeichnen durften. Cs müssen also schon besondere Verdienste und Gründe sein, die dazu geführt haben, dah Lord Irwin bei seinem Scheiden aus Indien einen solchen Rachruf erhielt.
Wenn man seine Amtsperiode rein äußerlich betrachtet, so sieht man, bisher wenigstens, allerdings wenig Erfolge seines Wirkens. Man entsinnt sich der Kämpfe zwischen den Hindus und Mohammedanern, die er vergeblich zu unterbinden versucht hat, des Scheiterns der Round- Table-Konferenz und behält allein das Gandhi-Irwin-Abkommen als erfolgreich im Gedächtnis, wobei man sich allerdings klar darüber ist, dah die Auswirkungen dieses Abkommens in der Tat sehr weitgehend sein können. Die englische Presse verkennt denn auch keineswegs, dcrh seine Amtszeit ein« der trübsten für Indien gewesen ist und dah äußerliche Erfolge nicht zu verzeichnen waren. Darauf legt man aber auch nicht den entscheidenden Wert. Was man Lord Irwin zum Verdienst anrechnet, ist etwas ganz anderes, etwas für uns materialistische Europäer zunächst nicht einmal ohne weiteres Verständliches: die Tatsache, daß Lord Irwin es verstanden hat, in der Verwaltung Indiens einen neuen G« i st einzuführen und die gesamte „Atmosphäre" in Indien so zu verbessern, daß man in England darauf hofft, endlich eine Verständigung zwischen Indern und Engländern anbahnen zu können.
Wie ungeheuer schwer dies gewesen ist, macht man sich in Europa nicht recht klar. Man muh schon wieder dib Zeiten Curzons heranziehen, um das auch nur verständlich zu machen. Curzon, der hochmütige, Hhpecaristokratische, pompliebende Zyniker regierte in Indien, wie dort vielleicht auch irgendein Prokonsul des alten Römerreiches regiert hätte: als ein Mitglied einer höheren Menschenklasse über verächtliche Sklaven Völker, di« durch geschickte Teilung und Verhetzung sowie durch Zuckerbrot und Peitsche im Zaum zu halten waren. Der listige Macchiavelli würde
Die sranzösische kolvmaloussteXmg in Paris.
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Oben: Der Tempel von Angkor-Baht in Kambodscha (Jndochina). — Im Kreis: Präsident Doumergue mit Marschall Lyautey, dem Organisator der Ausstellung bei der Besichtigung. — Unten: Ein Negerdorf aus Französisch-Westafrika.
ihm zweifellos unter allen seinen Schülern den Preis zuerkannt haben, da wohl niemand nach chm es verstanden hat, die nackten machtpolitischen Interessen so meisterhaft zu vertreten, wie dies Curzon konnte. Hub von den Methoden der Curzonschen Politik hat die indische Verwaltung die letzten dreißig Iahre gelebt. Ob zum Guten oder zum Dösen, das steht hier nicht zur Debatte — jedenfals aber mit Erfolg —, solange, bis sich die Dinge grundlegend gewandelt hatten. Was Curzon nicht verhindern konnte und was viele Konservative in England auch heute noch nicht begriffen haben, wie u. a. auch der alte Löwe Churchill, war nämlich, dah d i e europäische Bildung sich in Indien durchsetzte und dah mit dem Eindringen dieser europäischen Vorstellungen der Inder sich seiner alten nationalen Kultur bewußt wurde.
Das psychologische Problem in Indien bestand daher seit etwa einem Iahrzehnt in der Anpassung der anglo-indischen Ver
waltung an diese verwandelte Mentalität der Bevölkerung, die es ablehnt, sich als Sklavenvolk behandeln zu lassen, und die gesellschaftliche und politische Gleichberechtigung mit der englischen Beamtenschaft fordert. Das war aber der alten Beamtenschaft in Indien erklärlicherweise nur schwer beizubringen. Es erforderte ungeheuren Takt und grohen persönlichen Mut, hier mit gutem Beispiel voranzugehen und sowohl bei den indischen Fürsten wie bei den indischen Rationalisten das Gefühl zu beseitigen, dah sie irgendwie minderwertig seien. Gewih haben auch die Vorgänger Lord Irwins hier beispielgebend gewirkt. Doch hat es keiner von ihnen verstanden, den Beweis guten Willens so zu erbringen, dah die Bevölkerung wieder Vertrauen zur Verwaltung fahte. Das hat als erster Lord Irwin fertiggebracht, trotz aller Anfeindungen der pensionierten indischen Beamten in der Heimat, die in solcher Methode den Anfang vom Ende britischer Herrschaft in Indien sahen, weil sie nicht mehr zu begreifen vermochten, daß im heutigen Zeitalter
des Wirtschaftsimperialismus es auch andere Methoden als die des Befehlens und der Aufrechterhaltung des Hntertanenverhältnisses gibt, die zur Sicherung der Herrschaft dienen können. Das Wunder, das Lord Irwin vollbracht hat. dah sich sogar Gandhi nach all den Iahren erbitterter Feindschaft dazu verstehen konnte, einen Frieden mit den Engländern zu schlichen, und zwar mitten in einem der größten politischen Kämpfe, war ja schließlich auch nicht vorauszusehen. Es bedurfte dazu eben der Intuition eines Mannes von so ungewöhnlichem Format, wie dies zweifellos Lord Irwin ist.
Die Tatsache, daß der Erfolg f ü r Irwin und gegen all die Besserwisser gesprochen hat — obgleich er ja nicht mehr als d.*n Grundstein legen konnte — wird aber nun, nachdem das Hnerwar- tete doch Ereignis geworden ist, allgemein anerkannt. Io, sie gibt sogar zu noch größeren Erwartungen Anlaß. Die Konservative P a r- tei ich sich dessen bewuht geworden, dah sie in Lord Irwin, der ja erst 51 Iahre alt ist, einen der befähigsten und geschicktesten Politiker hat. der in besonders hohem Mähe gerade die Eigenschaft besitzt, die man noch heute in England für das A und O der politischen Weisheit hält: bie Fähigkeit, Kompromisse zu schließen, die alle Parteien zufriedenstellen und doch das Interesse Englands wahren. Man erwartet daher, dah Lord Irwin noch eine grohe Rolle in der englischen Politik spielen wird. Man hat ihn bereits a ls künf tegen Außenminister einer kommenden konservativen Regierung in Aussicht genommen, wird ihm möglicherweise ein noch höheres Amt übertragen. All die Konservativen, die mit der Führung Baldwins nicht übertrieben zufrieden sind und an seiner Stelle eine jüngere und lebendigere Persönlichkeit zu sehen wünschen, die aber zugleich in der Lage ist, die verschiedenen auseinanderstrebenden Richtungen der Partei zu einigen, sehen in ihm den prädest inierten Rachfolger Baldwins für den Fall, daß dieser eines Tages zu rücktreten sollte. Dis dahin dürfte allerdings wohl noch eine gewisse Zeit vergehen. Sicher ist aber jedenfalls, dah die Konservative Partei mit der Heimkehr dieses ruhigen und vernünftigen Mannes, der eines der schwierigsten Probleme der englischen Politik mit so grohem Geschick gemeistert hat, eine Stärkung erfahren hat, die von großer Bedeutung sein wird. An Stelle Churchills, dessen Eigenwilligkeit von der Konservativen Partei nicht langer ertragen wurde, hat sie jedenfalls in Lord Irwin in der Heimatfront den Mann zur Verfügung, der den größten Erfolg der Labour-Regierung Macdonalds auf das konservative Konto buchen kann.
Oberheffen.
Oie Bürgermeisterwahl in Wiesect verschoben.
' Wieseck, 8. Mai. Rachdem die Amtsperiode des Bürgermeisters Schomber abgelaufen ist, beschäftigte sich der Gemeinderat gestern abend unter dem Vorsitz des Beigeordneten Schäfer mit der Wahl des Bürger- meisters. Die bürgerlichen Gemeinderäte vertraten den Standpunkt, daß nur eine Wiederwahl des seitherigenBürgermeisters in Betracht kommen könne, zumal die Gemeinde Wiesect nicht in der Lage sei, noch einen zweiten Bürgermeister zu bezahlen. Die Sozialdemokraten vertraten den Standpunkt, die Wahl b is zum 1.3uni hinauszuschieben, da sie noch verschiedene Fragen klären wollten. Mit
Das Schicksal
spricht das letzte wort
Roman von I. Schnei der-Foer st l.
Hrheber-Rcchtschutz ' irch Verlag Oskar Meister, W^cdau L Sa.
14. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Ia", sagte si« gleichmütig, „warum sollen Sie das nicht?" Hnd als spräche sie nur für sich selbst, fuhr sie weiter: „Hnsere Frauen sind anders als die Frauen hierzulande. Ihr Haar ist schwarz und üppig, wie das meine. Ich habe als Kind des öfteren in den Bungalows der Eingeborenen geschlafen. Meine Aja ist auch eine Iavanerin."
„Hnd Ihre Mutter?" Unwillkürlich konzentrierten sich Lippstädts Gedanken auf die Frau, die dieses eigenartige Geschöpf geborön ftatte.
„Meine Mutter? Ich sagte Ihnen schon: Ich weih fast nichts von ihr. Das Wenige eben nur, das mir die Aja hin und wieder erzählt hat Sie muh sehr schön gewesen sein und viel, viel jünger als mein Vater. Er ist seit gestern fünfundsiebzig Iahre."
Es wurde ganz still zwischen ihnen. Zwei Finken schäkerten im Gezweig der Trauerweiden, dah es zitternd auf und niederschwankte. Eine Ringelnatter zog das dürre Gras entlang. Fern ab, wo die Mauer den Park umfriedete, erklang der Hall einer Peitsche.
„Wann reisen wir?"
Viktor hatte die Frage vollkommen überhört. Wege, die er schon tausendmal gegangen war, ging er noch einmal. Immer wieder waren es die gleichen, und sie endeten alle am selben Schnittpunkt. „ . 4
Die Leiber der schwarzen Zypressen standen ganz in Sonne. Als wollten sie die reglose Trauer verklären und mit Trost umweben, rannen güldene Fäden die dunklen Stämme herab. Flttter- gleich, in spinnwebfeiner Verästelung, ruht« ttipferner Reflex auf dem Moose, so dah es aussah, als tränke der ganze Boden sich satt daran.
„Wann reifen wir?"
Viktor schrak auf. „Sagten Sie etwas?
Sie fragte ein drittes Mal.
Ec senkte den Kopf, und als er das Gesicht wieder hob, war der Blick, mit dem er sie ansah, so qualzerrissen, dah sie bereute, in ihn gedrängt zu haben.
„Es eilt nicht. Graf! Ich bleibe noch mehrere Wochen. Vielleicht helfen Sie mir jetzt auf die Deine. Der Schmerz ist nicht mehr arg im Knöchel."
Doch sie hatte sich getäuscht. Die reglose Stellung war nur ein vorübergehendes Einschläfern gewesen. Als sie den Fuß aufsehte. zuckte sie
hilflos zusammen. „Es geht nicht! Was wird meine Aja dazu sagen, daß ich so leichtsinnig war. Ist es wohl möglich, dah der Chauffeur den Wagen bis hierher steuert?"
Viktor verneinte. „Ich trage Sie, Mih Hetter» field!"
„Danke", lachte sie gequält auf. „Wenn ich auch nicht gerade schwer bin. Für eine größere Strecke genügt es doch. Was machen wir nur?"
„Kommen Sie!" ermunterte er. „Sie dürfen sich meinen Armen schon anvertrauen." Ehe sie noch etwas entgegenzusprechen vermocht hatte, fühlte sie sich behutsam, aber sicher emporgehoben und den Kopf willig gegen feine Schulter lehnend, schloß sie die Augen.
Ihr feines Gesicht lag gegen das dunkle Tuch seines Rockes. Er sah das Zucken ihrer Lippen und sprach, um ihr das Peinliche der Situation zu erleichtern, zu ihr herab: „So habe ich seinerzeit im Felde meinen besten Freund aus dem Trommelfeuer nach dem Verbandsplatz getragen und als ich ihn dort aus den Armen legte, war er tot."
Schweigen.
Sein Blick suchte zu ihr hinab und wurde schreckhaft weit. „Warum weinen Sie?"
Ihr Körper wurde geschüttelt.- „Weil Sie mir so unsagbar leid tun."
Drohend rollte von West her das erste Mahnen eines auf steigenden Gewitters.
Hlla Setterholm hatte sich auf ihrem Ruhebett im Atelier ousgestreckt und eine Zigarette in Brand gesetzt. Run beobachtete sie kritisch den Männerllrpf, der unweit vom Fenster auf einem Sockel stand.
Da fehlte etwas! Ein Dutzend blauer Ringel schwebte nach der Decke. Es ist der Mund, der nicht stimmt, ärgerte sich die Professorin, schaute genauer und wurde unschlüssig. Vielleicht waren es die Augen. Auch über den Brauen, wo die Stirne anfetzte, war ein Zug, der nicht hineingehörte.
„Der Tschapp!" sagte sie hörbar laut. Was war dieser Viktor Lippstädt für ein unruhiges Menschenkind, keine Minute konnte er stille halten, sah jetzt nach dem Fenster, horchte eine Sekunde später nach der Türe, schlug jetzt das rechte Knie über das linke und sprang mitten in der besten Arbeit auf, um sich zu überzeugen, dah die Eve noch nicht im Korridor stand.
Sagte das Kind, es käme um drei Hhr, saß er sicher schon ab ein Hhr bei ihr und tat nichts als horchen und schauen und nach der Treppe laufen und wieder zurück zu ihr. „Sie glauben, dah ihr nichts zugestoßen ist, Frau Professor?"
Er tat ihr leid und zugleich konnte sie zornig auf ihn werden. Zuweilen lachte sie ihm auch ins Gesicht ..Graf, welcher Hnterfchied besteht
zwischen einem Verliebten und einem Irrenhäusler?"
„Ich weih keinen, Frau Professor!"
„Ich auch nicht!"
Dann hielt er drei Minuten still und alles begann von neuem: Das Horchen, Laufen, Schauen und in Angst vergehen.
Heute war er noch nicht dagewesen. Vielleicht hatten sie sich anderswo getroffen, oder sie waren sich unterwegs begegnet. So ärgerlich sie manchmal auf ihn war, mm ging er ihr doch ab.
Vielleicht war er das! Es hatte im Flur geläutet. Wenn er schön brav und gesittet war, glückte es ihr womöglich, die Düste zum Abschluß zu bringen und das, was nicht in sein Gesicht hineingehörte, auszumerzen.
Maßlos verblüfft sah sie nach der Tür«, unter der Lutz' schlanke Gestalt auftauchte. „Störe ich, Tante?" Als er Staunen bemerkte, ging ein feines Rot über sein Gesicht. „Du muht entschuldigen, daß ich dich so unangemeldet überfalle. Aber ich bekomme dich sonst überhaupt nicht mehr zu sehen, wenn ich dich nicht in deinen eigenen vier Wänden aufsuche."
Sie hatte ihre Heberraschung abgeschüttelt und sich vom Diwan erhoben. Es war Monate her, dah er den Weg zu ihr gefunden hatte. Hnd nun auf einmal. Das muht« Gründe haben. Man würde je sehen.
Sie hatte in ihrem innersten Herzen eine kleine Schwäche für ihn. Er war der einzige Sohn ihres toten Bruders und dann war ihm auch die unvergleichlich« Art der Setterholms zu eigen, die sie selbst zwar nicht besah, die sie aber aus der Sphäre des Elternhauses her nur zu gut kannte.
„Warum hast du denn nicht abgelegt draußen?" fragte sie verwundert, da er noch in Hut und Mantel stand.
„Es war niemand da, Tante. Ich fand die Türe nur angelehnt."
„So, da war niemand", sagte Hlla zwischen Lachen und Olerger. „Dann Hot halt die Hschi wieder einmal ein Üeines Tratscherl g'macht. Gib her, ich kann das gar net seh n, wenn du da stehst wie ein Fremder."
Trotz seines Protestes trug sie eigenhändig seine Garderobe nach dem Flur und kam dann raschen Schrittes wieder zurück. „Ich nehme an, dah du Zeit hast, Lux. Aber drüben in meinem Wohnzimmer, da ist es gemütlicher!"
„Rein, Tante, bitte hier. So ein Atelier gibt gleich eine andere Stimmung. Privaträume habe ich immer. Darf ich ein wenig Hmschau halten?"
Er sah die Büste des Grafen Lippstädt, die beinahe vollendet auf dem Sockel thronte und verzog den Mund.
„Den kennst ja", sagte Hlla, während sie hinter ihn trat und die Hand auf seine Schulter legte. „Muht halt keinen Anstoß dran nehmen, wann
du Leut bei mir findest, di« dir nicht sympathisch sind. Ich selber mag ihn gern. Ich modellier niemand, den ich net leid'n kann. Aber das da g’fallt dir vielleicht besser." Mih Hetterfields seiner Kopf tauchte unter dem grauen Seidentuche auf, das sie von einer Düfte weggezogeni hatte.
Lutz vergah vollkommen die berühmte Setter- holmsche Beherrschung. Seine Blicke sogen sich fest und konnten sich nicht von diesem Antlitz trennen. „Einfach gottvoll schön!"
„Ja! Richt!" Hlla weidete sich an feiner Begeisterung. „Das Kopferl ist selten schön. Eine Iavanerin. Wann du die erst in Ratura seh n könntest! Schad', dah sie schon bald wieder ab- reist."
„Wann, Tante?"
„Mein Gott, das kann ich dir nicht so genau sag'n, Lutz. Sie nimmt den Grafen Viktor mit. damit ihm das Wart'n nicht so schwer wird." Zu ihm auf sehend, gewahrte sie die Dlutwelle, die sein Gesicht dunkel färbte.
„Der versteht es. wie man's machen muh, sich überall anzupirschen, wo es etwas zu holen gibt."
„Geh, schäm dich doch!" tadelte sie, während sich ihr Arm unter den seinen schob. „Wer wird denn einen Menschen, dem 's nicht gut geht, so grundlos verdächtigen." Sie wollte ihn mit sich vor nach dem Rebenzimmer dirigieren, aber er war nicht von Miß Hetterfields Büste wegzubringen. „Wann's dir so gut g fallt, dann wartest halt noch ein halbes Stünderl, dann kommt's zum Tee." Sie streifte ihn belustigt von dem tadellos gezogenen Scheitel bis zur Spitze seiner spiegelnden Lackschuhe hinab. „Wann du nicht so ein verbohrter Jungg'sell wärst — die möchte zu dir passen."
„Weißt du Genaueres über sie?"
„Mein Gott, was man halt so herausfind't, wann man zusammen plaudert. Frag'n, das tu ich nicht. Was sie mir halt selber g'sagt hat: Einen Hauf'n Geld! Eine große Portton Eig'n- sinn! Aber nett ist er, der Eigensinn. Boshaftigkeit ist gar keine dabei. Der Vater auf Java, einen Haushofmeister hat's dabei, gegen den ein englischer Lord ein Dreck ist. Entschuldigung", lachte sie, als sie sein schokiertes Gesicht sah. „Der Ausdruck war nicht Setterholmsch, gelt?" Sie lachte wieder, während er den Mund verzog. „Hnd eine Zofe hat s mit, ein scheußliches Ding. Aber eine gute Haut! Genügt's jetzt?"
Er geb keine Antwort und ging rund um dis Düste.
„Von hint'n is nix zu seh'n!" neckte sie.
Er reagierte nicht auf den Scherz und sagte überlegend: „Ist sie käuflich?"
„Was?" Ihre Dräuen waren hochgezogen und ein schnelles Rot lichterte über ihre Wangen.
l Fortsetzung folgt.)


