Ausgabe 
7.8.1931
 
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Derantwortlich für Lokales: t. D. j). ß. Neuner.

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Schulpersonalie. Dipl -Gewerbelehrer Richard Latsch aus Alsfeld wurde mit Wirkung

vornehmlich, was uns in ein falsches Licht rückt. Also liegt es nicht nur an den andern, sondern eben- soviel au.'

»Das bißchen (?rht* von Richard Stovronnek und führt in eine Welt, deren Schilderung

alle Kämpfe, alle Irrungen und Wirrungen dieses

Romans im Grunde verschuldet hat, ist ein

je her ausgezeichnet und beliebt gemacht haben So dürfen wir hoffen, auch mit dem neuen Roman einen guten Erfolg in unserem Leserkreise verzeichnen zu können.

Talen für Freitag, 7. August.

Sonnenaufgang 4.57 Uhr, Sonnenuntergang 20.03 Uhr. Mondaufgang 22.55 Uhr, Monduntcrgang 14.45 Uhr.

1779: der Geograph Karl Ritter in Quedlinburg geboren: 1848: der Chemiker von Berzelius in Stockholm gestorben; 1914: die Deutschen erobern Lüttich.

ich an uns selbst. Dören wir immer ich, ufrecht. Immer gerade, immer ohne Falsch und ohne unnötige Maske, wir würden auch ge­rechter beurteilt werden. Doch wer macht den An- fana damit?

Nein, wir sehen die Menschen nicht, wie sie sind, wissen wir doch oft nicht einmal über uns selbst Bescheid!r.

mit allen Mitteln erbittert gekämpft wird. Das bißchen Erde und da» bißchen Liebe sind die Grundmotioe dieses Romans, dessen Gestalten Skowronnek nach der Natur gemalt sind, dessen Handlungen mit der intensiven Spannung, dem er­zählerischen Temperament und dem liebenswürdigen Humor gestaltet sind, die Skoweonneks Romane von

Autor wie wenigen aus tieHter persönlicher Kenntnis heraus stets mit besonderer Meisterschaft gelungen ist. Das bißchen Erde, um das es hier geht, und das

Kirchliche Nachrichten.

Israelitische Gemeinden.

Israelitische Religlonvgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 8. August. Dor- abend 7.30 Uhr, morgens 8.30; Predigt; abends 8.10 und 8.50 Uhr.

Aus der prvvinzialhauptfiadt.

Gießen, den 7. August 1931.

Oer Mensch, wie er ist.

Kann auch nur einer behaupten, daß er die Men- schen sieht, wie sie sind? Das Iunggesellenbrevier behauptet, daß man erst in der Ehe die Frau kennen­lernt, wie sie ist. Dieselbe Bosheit ailt natürlich auch umgekehrt. Es läuft ganz auf dasselbe hinaus, und schließlich hat keiner dem anderen etwa» vorzu­werfen. Trotzdem wird man auch dieses Wort nicht aufrechterhalten können, wenn man es ganz ernst nimmt, denn selbst in der Ehe bleiben noch manche Winkel des Wesens unentdeckt und unverstanden. Auf beiden Seiten.

Wir sehen die Menschen, wie eben wir sie sehen, zumTeil auch, wie wir sie in einer bestimmten Stunde und unter der Beleuchtung die unsere äugen, blickliche Stimmung gibt, sehen wollen. Hinzu kommt, daß uns keiner gestattet, ihn wirklich richtig zu sehen. Irgendeine Maske hat jeder oorgebunden, denn jeder will fidj sehen lassen auf die Weise, die ihm gerade behüflt

Da ist eine Frau, die sc ganz anders ist als die Frauen sonst. Bon einer Herbheit und Unzugänglich, keil daß jedes wärmere Wort auf den Lippen er- stirot. Es ist eine kluge Frau, und infolge der Der- einsamung, in die sie die Herbheit ihres Wesen» ge­führt hat, vermochte sie sich ein ansehnliches Wilsen' anzueignen. Sie könnte eine vortreffliche Gesell- schafterin sein, wenn nicht eben ihr Wesen jeden Menschen absließe, da er sich ständig belauert suhlt. Da tritt ihr einer in den Weg, der sich durch die dornige Hülle nicht schrecken laßt, sondern den andern Menschen sucht, der darunter verborgen sein kann. E, ist keiner der üblichen Sieger über Frauen- herzen, sondern eher ein stiller, schüchterner Mensch, der mehr au» sportlichem Interesse und au» innerer Teilnahme in dem Mitmenschen das Gute sucht und wecken will. Und siehe da: Die herbe Frau wird Wach» in seinen Händen, und in Gemeinschaft eine» anderen Manne» ist sie nur immer herber geworden. Sie ilt auch weiterhin herb und unzugänglich gegen­über den andern aber zu bleiern einen ist sie die hin- gebende, opferwillige Frau, die ihr ganzes Sein auf diese eine Karte setzt, während sie sonst so selbstsicher- egoistilch sein kann.

Ein einfacher Handwerker ist im Grunde seine» Herzens gemütvoll und besitzt echten, von Herzen kommenden Humor. Aber er muß poltern, er kehrt jedem gegenüber Stacheln heraus. Er möchte liebens­würdig fein, aber wie sehr er sich auch darum müht, r» wird doch ein Dorn, der zwar nicht sehr weh tut, doch auch nicht angenehm berührt. So kommt es, daß er so gut wie allgemein gemieden wird, obwohl man feine Persönlichkeit schätzen sollte, weil er nicht nur em charaktervoller und grundehrlicher, sondern auch ein guter, opferbereiter Mensch ist, zum Freunde ebenso geeignet wie zum Kollegen. Hier gibt sich jedoch keiner die Mühe, zu verstehen und in Fühlung zu kommen, und so geschieht es, daß ein vortrefs- licher Mensch keinen Freund findet und überall auf Widerstand stößt.

Die Beispiele ließen sich in» Unendliche vermehren. Doch wozu? Schließlich brauchen wir ja nur auf uns selbst zu blicken. Werden wir so erkannt, wie wir sind? Deutet man nicht unzählige unserer Taten und Worte falsch, läßt man uns wirklich Gerechtigkeit widerfahren Man versteht uns nach all den unbe­deutenden Einzelzügen, die wir nicht immer beherr- schen können, weil wir nicht Herr feder Sekunde sind. Aber man fragt nicht ein einzigesmal nach dem Grunde unseres Handelns, nicht nach den geheimen Motiven, die eigentlich den Ausschlag geben. Richt selten wollen wir allerdings auch anders gesehen sein, al» wir wirklich sind. Und das ist es im Grunde

Unser neuer Roman.

In der heutigen Ausgabe desGießener An­zeigers" beginnen wir mit der Veröffentlichung eines neuen Romans, nachdem der alte in der gestrigen Nummer feine befriedigende Löfung gefunden hat. Der Derfasier unseres neuen Romans gehört feit Jahren zu den beliebtesten Autoren der deutschen Unterhaltung»literatur: seine besten Bücher sind in bedeutender Auflagenböhe verbreitet und werden immer wieder gern gelesen; auch imGießener An­zeiger" ist der Verfasser schon früher erfolgreich zu Worte gekommen. Der neue Roman heißt:

Vornotizen.

Tageskalender für Freitaa: Gieße- ner Gesangvereine, 20.30 Uhr, Gesamtprobe, Kacho- Usches Dereinshaus. Lichtspielhaus, Bahnhof, ftraße:Der Liebesexpreß".

Flug tag. Der für den nächsten Sonntag vorgesehene Flugtag dürfte für Gießen wiederum ein großes sportliches Ereignis bedeuten. Erst­malig wird dabei ein Mitglied deS Vereins für Luftfahrt Dießen zu einem großen MotorfluA- wetibewerb starten. Das Schulflugzeug Klemm L 26 wird unter Führung des Leiters der hiesigen Flugschule Fluglehrer ßubtoig Maier nach­mittags $um Deutschlandslug 1931 Gießen ver­lassen. Dte Piloten der Sportfliegervereinigung werden die modernsten Arten des Kunstfluges -eigen; HilsSfluglehrer Moog startet an diesem Tage aus dem Flugzeug ^Thea Rasche" zu seinen Sensations- und Rückens!» gn. Die Zuschauerplätze sind so gelegt, daß sich der gesamte Flugverkehr direkt vor dem Publikum abspielt.

vom 1 Juli zum Studienrat an der Gewerbeschule zu Lauterbach ernannt,

* Freie Lehrer st eile. An den Volksschulen zu Elbenrod und Deckenbach wurden je eine Stelle für einen evangelischen Lehrer frei. Dienstwohnun- gen sind vorhanden.

2 5. Dienstjubiläum. Der Kafsenbote Heinrich O p p e r konnte gestern auf eine 25- jährige Tätigkeit im Dienste der Städtischen Gas- und Wasserwerke in Dießen zurückdlicken. Der Jubilar zeichnete sich stet» durch ytXMffCTtbafte und treue Pflichterfüllung au».

Dlvckenläu tcn und Dotte»dienst am 11. August. Da» Lande-kirchenamt erläßt ein Anschrei den, nach dem die kirchliche Feier de» Verfassupgstage» auch in diesem Fahr genau wie in den früheren gehandhabt werden soll. Daher ist für den 11. August von 12 bi» 12,15 Ahr ein allgemeineSGeläute angevrdnet. DieAbhaltung von Gottesdiensten wird den örtlichen Entschließungen überlassen. Voraussetzung hierfür ist, daß bei Ver­anstaltungen von weltlichen Feiern unter allen Umftänben auf die kirchliche Veranstaltung Rück­sicht genommen wird.

* Die Post am Serfaffungstag Da der Dersasfungstag (11. August) in Hessen al» staat­lich anerkannter Feicrtog gilt, wird bei den Post­ämtern in Gießen der Dienst wie folgt geregelt: Die Schalter Werden wie an Sonntagen geöffnet. Außer der einmaligen Briefzustellung, die um S.45 Uhr beginnt, wird eine Geld- und Landzustellung aus- geführt. Die Briefkasten werden wie an Werktagen geleert. Die Kraftposten verkehren wie an Sonn- tagen.

Straßensperrung, mitgeteilt vom Oberhessischen Automvbil-E'.uh (A. v. D). Gießen. Die Sperre der Ortsdurchfahrt Schlitz ist wieder aufgehoben. Di« Sperrung der Siraßenftrecke Rendel Riederdvrfel- d e n bi- zur Abzweigung nach DüdeSbeim wird ab 11. August ebenfalls aufgehoben. Di« Straße Rodheim v. d. HöhePetter­weil wird ab 10. August gesperrt. Die Um­leitung erfolgt über Holzhausen v. d. HöheOber- erlenbach oder RiederwöllstadtOkarben. Die Straße Rendel Büdesheim vom Ab­zweig nach Riederdorfelden wird ab 10. August gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Groß- KarbenHeldenbergen und umgekehrt.

ee Der Kraftfahrzeugbestand in Hessen. Rach den Feststellungen deS Landes« statistischen Amte- waren am 1. Juli 1931 im Volksstaat Hessen 10147 Krafträder vorhanden. Gegenüber Dem Vorjahre haben vor allem di« Krafträder und ganz besonders die Kleinkrast- räger an Zahl zugenommen; bei den Kraftwagen pat sich das Wachstumtempo gegenüber den Vor­jahren wesentlich verlangsamt. DesonderS hoch ist der Kraftfahrzeugbestand in den Kreisen Drost- Gerau und Darmstadt. Entfällt hier doch bereits auf 31 bzw. 38 Einwohner ein Kraftfahrzeug.

* Wiedersehensfeier der 7 6. Res. - D i v i s i v n. 3n den Tagen vom 5. bis 7. Sep­tember findet in Wiesbaden die Wiedersehens­feier der Regimentsvereinigungen der 76. Res.- Division statt. Zur Vorbereitung der Feier hat sich ein Ausschuß gebildet, der es auch über­nommen hat, unbemittelten Kameraden die Teil­nahme an dem DivisionStag durch Vermittlung von Frei quartieren zu ermöglichen. Die Leitung des Unterkunstsausschusses liegt in den Händen des Vorsitzenden der 80er Ortsgruppe Wiesbaden, Dr. H o r n h. Kleine Wilhelmstraße 5. Don ibm werden auch Meldurrgen zur Teilnahme an Der WiedersehenSseier entgegengenommen.

Keine gebrauchten Räder von U n bekannten kaufen. Trotz wiederholter be­hördlicher Warnungen werden gebrauchte Fahr-

räder, deren Herkunft fast in allen Fällen zweifel­haft ist, von leichtgläubiaen Personen, hauptsächlich auf dem Lande, angekaust. Mehrere Fälle in letzter Zeit geben Veranlassung, norttmal» zu warnen In allen Fällen gibt der Verkäufer an. Eigentümer de» Rades zu sein. Die Käufer derartiger Fahr­räder bringen sich dem Strafgesetz gegenüber in empfindliche Situationen, weil sie den Umständen nach annehmen müssen, daß die Räder nicht auf ehrlichem Wege erstanden sein können. Die Vor­zeigung von Perfonalpapieren leiten» der Ver­käufer, die überdies meist falsch sind, schließt nicht au», daß sich die Abnehmer solcher Räder wegen Hehlerei strafbar machen können.

Der Landwirtschaftliche Genvf« senschaftSverbandRaiffeisen mit dem Sh in Frankfurt a. M. dem die Genossenschaften in Oberhessen und im Krei» Wetzlar angehören, h.elt am Sonntag im Restaurant Faulst>ch in Gießen einen genossenschaftlich-geldwirtschaft­lichen Sprechtag ab. Direktor Ivlk von der genossenschaftl chen Zentralkafi« referierte übet die wesentlichen Fragen der Geldwirtschaft in den letzten Wochen und Tagen, wie e» zu der Krise gekommen ist, welche V.laßnahmen zu ihrer Be­hebung ergriffen worden sind imb wie diese sich im genossenschaftlichen Geldverkehr auSwirken. An den Vortrag schloß sich eine rege Aus sprach« an, in der durch den Austausch von Erfahrun­gen in den letzten Wochen und durch Erwägun­gen und Vorschläge aus der Mitt« der anwesen­den Genossenschaftler noch manche aktuell« Fraga geklärt werden konnte.

,e Der Wanderflug der Zugvögel beginnt. Roch ist der Sommer nicht zur Hälft« vorüber, und schon rüsten di« ersten Zug­vögel sich zur Südlandreise. Die Mauer- oder Turmschwalbe, die vom 1. Mai bi» 1. August unter gellendem Sri-Sri-Sri durch die Straßen unserer Städte jagt und die Spitzen der allen Kirchtürme umfliegt, nimmt anfang» August von un» Abschied. Vogelbevbachter rühmen die oben erwähnte Regelmäßigkeit ihrer Ankunft und ihreS Wegzugs. Stet» in großen Gesellschaften wan­dernd. verläßt sie ihre Rester gewöhnlich in ein und derselben Rächt. Di« Mauer- ober Turm­schwalbe ist ein höchst lebendiger, äußerst flug- tüchtiger Vogel. Unübertrefflich ist ihre Gewandt­heit und unermüdlich ihre Ausdauer. Durch Vernichten unzähliger Insekten: von kleinen Kä­fern, Schmetterlingen, Fliegen. Mücken, Blatt­läusen, Libellen und Eintagsfliegen zählt der kühn« Segler zu den nützltchsten Sommervögeln unserer Heimat. Di« übrige Z«it des Jahre» verbringen die Turmschwalben in Afrika und Südindien.

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