Ausgabe 
7.5.1931
 
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Kr. 106 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)Donnerstag, 7. Mai Ml

pariser Lotterie um die Präsidentschaft

Don unserem v. ^i.-Berichterstatter.

Die Jagd im Mai

sickern. Bei einer unvoreingenommenen Prüfung er­gibt es sich, daß Briand bisher tatsächlich niemals den Wunsch bekundet hat. sich für die Präsidentschaft aufstellen zu lassen im Gegenteil. Und trotzdem läßt er den um seine Person entbrannten Kampf ruhig immer weitere Kreise erfassen, ohne mit einem aufklärenden Wort dazwischenzutreten. In politischen Kreisen will man sich das so erklären, daß Briand

der Quai d'Qrsey seinem auf die Außenpolitik ge­richteten Ehrgeiz, seinen Lebensgewohnheiten und seinem Temperament viel mehr entspreche, als das

vergoldete Gefängnis am Platz Beauveau. Seitdem nun feine Stellung als Außenminister reichlich ge­fährdet erscheine, und der Boden unter seinen Füßen zu schwanken beginne, lasse er sich den ehrenvollen Rückzug ins Elysee stillschweigend ebnen. Die fron- zösische Linke wolle ihn als lebendes Aushänge­schild des paneuropäischen Pazifismus gern auf dem Präsidentenstuhl sehen, und die Mittelgruppen um Tardieu-Laval hätten nichts dagegen, das Außen­ministerium auf diesem schmerzlosen und innerpoli- tisch ungefährlichem Wege von Briand zu befreien. So verschieden die Motive demnach auch sein mögen, die Kandidatur Briands dürfte, wenigstens in der Kammer, viele Anhänger finden, um so mehr, als Kammerzentrum und Rechte keinen prominenten Gegenkandidaten zu stellen vermögen. In anderen Kreisen heißt es im Gegensatz dazu, daß gerade die allzu öffentliche Besprechung der verschiedenenMo­tive" dazu geeignet sei, Briand aus Prestigegründen von einer Kandidatur abzuschrecken. Dritte, wollen

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Paris, im Mai 1931.

Am 13. Mai, d. h. also in wenigen Tagen, tritt die souveräne französische Nationalversamm­lung zum zwölftenmal (seit 1879) im Schlosse zu Versailles zusammen, um den Nachfolger Dou. merg-ues auf dem Präsidenten st uhl der Republik zu wählen. Alle sieben Jahre wendet sich das Interesse der gesamten Nation diesem höchst repräsentativen, neugiererweckenden und auch politisch nicht bedeutungslosen Ereignis zu. Alle ieben Jahre feiern die mehr oder weniger profef« ionellen Gerüchtemacher wahre Orgien, und alle ieben Jahre werden die Würfel über den neuen Rann irgendwo hinter den Kulissen geworfen, bzw. präpariert". Da es keine offiziellen Kandidaturen gibt und theoretisch jeder unbescholtene französische Staatsbürger wahlfähigen Alters mit alleiniger Ausnahme sämtlicher Mitglieder der einst in Frank­reich regierenden Häuser zur höchsten Würde emporgehoben werden kann, ist die Zahl der mög­lichen republikanischen Thronfolger unbegrenzt. Praktischliegen die Dinge nun so, daß die aus beiden Kammern zusammengesetzte Nationalver­sammlung mit absoluter Mehrheit einen Mann aus ihrer Mitte kürt, daß ein Senator nach alter Gewohnheit bevorzugt wird, und daß im milita- ristisch-waffenfreudigen Frankreich eine hohe Mili­tärperson trotz Heldenoerehrung und Dolksgunst für das Präsidentenamt aus gewissermaßenhisto­rischen" Gründen gar nicht in Frage kommt.

Was für die Vergangenheit galt, verliert auch 1931 nicht seine Gültigkeit, doch kann man in diesem Jahr das Wahlergebnis noch weit weniger voraus­sehen als sonst. Im Schoße der parlamentarischen Gruppen ist dieLotterie" lebhaft im Gange. Seit Wochen tauchen Namen auf und gehen verblaßt wieder unter, das Gerücht schiebt bald diesen und bald jenen alsaussichtsreichste Persönlichkeit" in den Vordergrund, um ihn kurz darauf ebenso un­motiviert und willkürlich fallen zu lassen. Die er­fahrensten Kenner riskieren keine Prognose, und nur der Sozialistenführer ßöon Blum wagte vor einiger Zeit die Behauptung, daß die Würfel bereits gefallen seien. Vorsorglicherweise nannte auch er fernen Namen, doch will man wissen, daß unter dem großen Unbekannten B r i a n d zu verstehen sei. Die Organe der ausgesprochenen Rechten (wie die Action frangaise, der ,,Figaro, derAmi du Peuple usw. griffen diese Andeutungen sofort auf, um einen schneidigen Feldzug gegen die Kandidatur des verhaßten Außenministers zu eröffnen. Vor allen Dingen lag dieser vorzaiti^cn Kampagne wohl die Absicht zugrunde, Briand zu einer entscheidenden Aeußerung zu provozieren, wobei man jedoch die taktische Klugheit derSphinx vom Quai d'Orsey" zweifelsohne unterschätzte. Bis zum heutigen Tage hat Briand jede offizielle Festlegung vermieden, und niemand weiß, ob der umstrittenste und zugleich aus- sichtsreichsteKandidat" überhaupt zu kandidieren gedenkt.

Ein großes Fragezeichen beherrscht mit seiner Un­durchdringlichkeit die ganze Wahlstimmung und läßt das Gerede um andere Namen immer mehr ver-

Der Mai ist gekommen und hat den Wald gleich­sam mit seinem Zauberstabe berührt. Birke, Buche und Eiche schmücken sich mit jungem Grün, Tanne und Fichte stehen in Blüte, in satten Farben liegt die Wiese, von Blumen geschmückt, und mit einer Feiertagsstimmung" im Herzen durchpirscht der Weidmann den vom Vogelsang erfüllten Waldes­dom. Ueberall sprießt junges Leben, und sein Jung­wild zu schützen, ist seine vornehmste Pflicht.

Die Jagd auf Rot- und Damwild ruht. Das Mutterwild setzt und muß vor Störungen behütet werden.

Der R e h b o ck hat zum Teil schon gefegt, wenn der Monat beginnt, oder wird es bald tun. Dann erst kann der Jäger sich ein Bild von dem Jahrgang machen und zum Abschuß aussuchen, was ihm schuß- reif oder abkömmlich erscheint. Der Abschuß selbst beginnt in Hessen erst am 1. Juni. In Preußen gilt der 16. Mai als erster Schußtag. Bekanntlich pflegen aber viele Bezirksausschüsse von dem Recht der Schußzeitoerkürzung Gebrauch zu machen. Von den für unser Gebiet in Betracht kommenden Bezirksaus- schlissen Kassel, Koblenz und Wiesbaden hat bis jetzt nur der letztere den Aufgang der Bockjagd auf den 30. Mai festgesetzt. Pächter preußischer Reviere wer­den gut tun, sich rechtzeitig über die anderen Bezirke zu unterrichten. Die Ricken sind yochbeschlagen und kommen durch hetzende Hunde leicht zu Schaden. Darum gebührt jedem jagenden Hunde ohne Gnade die Kugel. Auch die Kitze, die in der zweiten Hälfte des Monats gefetzt zu werden pflegen, find durch diese Räuber in größter Gefahr. Daß selbst stro­mernde Katzen sich an Kitzchen vergriffen ist ver­schiedentlich beobachtet. Darum gehört der Weidmann jetzt recht oft ins Revier, auch wenn er den Bock noch nicht auf die Decke legen darf.

wissen, daß man dem Außenminister die Kandi­datur nahelege, um ihn durchfallen zu lassen und damit nicht nur für das Elysee, sondern auch für den Quai d'Orsey unmöglich zu machen.

Die Briand feindliche Rechte hielt übrigens bis vor wenigen Tagen an der Hoffnung fest, daß der bisherige Präsident und gefeierteNizza-Redner" Doumergue im letzten Augenblick die Wie­derwahl annehmen werde. An Bitten und lieber- rebungsfünften hat man es nicht fehlen lassen, doch hält Doumergue unerschütterlich an dem Wunsche fest, sich ins Privatleben zurückzuziehen. Wie man sich vertraulich zuflüstert, soll der alte Junggeselle angeblich die Absicht haben, vom Calvinismus zum Katholizismus überzutreten und eine späte Ehe zu schließen woran ihn das Präsidentenamt aus begreiflichen Gründen verhindern müßte. Unter den Kandidaten des Senats werden in erster Linie der greife Senatspräfibent Doumer, Justizminister B6rarb, Lehrun unb beJouvenel genannt, boch hält man es ebensogut für möglich, baß ber Sieg im entscheibenben Moment einem Außenseiter unb Kompromißkanbibaten zufällt. Die Würfel klirren unb rasseln schon im Becher es weiß aber niemand zu sagen, wie sie fallen werden. Es sei denn jene Pariser Hellseherin, die einen jüngeren Senator als zukünftiges Haupt der Republik erschaut haben will.

Das Wildgeflügel hat seine Balz beendigt. Auer- und Birkwild, Haselhuhn und Schnepfe, Fasan und Rebhuhn dazu die Enten legen oder brüten bereits. Wo Fasanen- ober Hühnergelege gefunden werden, markiere man sie unauffällig und suche sie rechtzeitig durch Verständigung mit dem Grundeigen, tümer vor dem Vermähen zu schützen. Durch Aus­loben von Belohnungen für vor dem Vermähl

Schutz der an sich als Jnsektenvertilger für ihn wich­tigen Hühnervögel zu interessieren. (Ein im No­vember geschossener Fasanenhahn hatte nicht weniger als 1400 Larven einer der Kohlfliege nahestehenden schädlichen Fliegenart im Kropf!) Die Krähen brüten ober haben Junge, bie gefüttert fein wollen. Das Wiesel, ber Iltis brauchen Nahrung für ihr Geheck. Schützt bie Eier unb Brutvögel vor riefen Räubern! Kommt bann noch günstige Witterung in ber Brutzeit unb in ben Wochen unmittelbar nach bem Ausfallen hinzu, bann gibt es auch roieber Hühner unb Fasanen, wie bas Vorjahr in vielen Revieren zeigte.

Die jungen Dächse sind schon so groß daß sie über ben Boben kommen unb es lernen, sich selbst Nahrung zu suchen. Mit bem 15. Mai enbigt in Hessen bie Schonzeit bes Dachses, ber sich übrigens überall in unserer Gegenb stark vermehrt hat, ba ihm wenig nachgestellt mürbe. In Revieren, wo man ben Fasan roieber hochbringen will, wird man ben Dachs etwas kurz halten müssen.

Der Fuchs raubt nie so viel wie jetzt. Denn viele hungrige Mägen warfen auf Frau Ermeline, bie zum Raub auszog. Kitzläufe auf dem Mutterbau, Hasenläufe usw. zeigen, daß ihre Tätigkeit nicht immer ganz einwandfrei im Sinne bes Hegers ist. Wo zuviel Füchse vorhanben find, ist die Zeit zum Graben der Jungfüchse da. Nie aber wird ber wahre Jäger bie Fähe allein abschießen, wenn er nicht gleichzeitig auch ihr Geheck kennt unb es unschäblich machen kann. Um sich allein burch bas Leben zu schlagen, finb bie Jungfüchse noch zu klein.

Der erste Satz Hasen scheint besser durchgekom­men zu sein, als man nach dem strengen Nachwinter erwarten konnte. Jedenfalls werden häufig starke Junghasen beobachtet. Was für den Schutz des übrigen Jungwildes galt, gilt auch im besonderen der Hasenjugend, denn:

Menschen, Hunde, Wölfe, Lüchse, Katzen, Marder, Wiesel, Füchse, Adler, Uhu. Raben, Krähen, Jeder Habicht, ben wir sehen, Elstern auch nicht zu vergessen Alles, alles will ihn fressen."

Hubertus.

Kreisen will man jicy Das |0 ernaren, uuß -oriunu . ... _ _ ...

ursprünglich fest entschlossen gewesen sei, bie Wahl loben von Belohnungen für vor dem Verrnahen ge- zum Präsidenten der Republik abzulehnen, bal schützte Gelege suche man den Lanbwirt an dem

Aus Der Provmzralhauptstavt.

Gießen, den 7.Mai 1931.

Bezirksjugendtagung im GOA.

Die Jugendgruppen des Gewerkschafts- bundes der Angestellten aus den Orts­gruppen Gießen. Wetzlar, Friedberg, Butzbach und Marburg a. L. hielten auf der Burg Münzen­berg in der Wetterau am vergangenen Sonntag ihre diesjährige Bezirksjugendtagung ab.

Am Samslagnachrnittag war bereits ein Bor­trupp aus Gießen unb Wetzlar über Lich auf­geb rochen und wanderte über Kloster Arnsburg, Muschenheim, Trais-Münzenberg und Münzen- berg zur Burg. 3m benachbarten Gehölz wurden die Zelte für die Nacht aufgeschlagen. Die ersten Sonntagmorgenstunden verengen bei Spiel und Gesang. Bei der Eröffnung der eigentlichen Ta­gung auf der Burg im Burghof, der im ge­schlossenen Zug durch den Ort erreicht wurde, waren etwa 75 Jungens und Mädels sowie einige ältere Kollegen anwesend.

Dezirksjugendobmann Mathis eröffnete die Tagung mit einem Hinweis auf den Zweck und die Bedeutung des Tages, und forderte zu ge­schlossener Mitarbeit und Aktivität der Gruppen auf. Dezirksvorsihender L. Zecher (Gießen) übermittelte die Grüße des Bezirks- und Gau- Vorstandes Hessen im GDA., sprach über das immerwiederkehrende Wachstum in der Statur und verglich dieses symbolisch mit der Jugend­arbeit im GDA., um einen tüchtigen Nachwuchs im Angestelltenberuf und mit ihm eine bessere Zukunft zu erreichen. Nach zwei Borsprüchen im Sprechchor nahm Geschäftsführer Mack (Gießen) die W i m p e l w e i h e für die Jungen­schaft Wetzlar unb für die Jugendgruppe Fried­berg vor. Zu allen Zeiten, so führte.er aus. fei die Fahne der Sammelpunkt der Ideen und Willensziele gewesen. Mit dem Geleitwort: GDA. = Gedenke des Aufstiegs!" überreichte er den Jugendobleuten bieser Gruppen die farben­freudigen Wimpel. Als neue Jungenschafts­gruppen wurden Friedberg uyd Gießen aus der Taufe gehoben. Die Jungenschaft als Heber- gang von Jugendarbeit zur Mitarbeit an den großen Aufgaben des GDA. für Stand und Volk erstrebe bie Entwicklung zur Steife unb zum zweckbewuhten Leben. Diesen Gebanken vertiefte Geschäftsführer Mack in seinem Referat über benWert ber Persönlichkeit!"

Der Bezirksjugenbobmann dankte ben Rednern, schilderte den Verlauf des Reichsjugendtages in Nürnberg und wies auf die diesjährige Reichsjugendtagung am 17. bis 21. Juli in Hirsch­berg (Schlesien) hin. Verschiedene Dcharlieder be­schlossen ben Vormittag.

Am Nachmittag fanb bann eine Führerbespre­chung ber Jugenbobleute unb Mädelsführennnen statt, wobei auch Bezirkstrefsahrten im Laufe bes Jahres festgelegt wurden. Einstimmig wurde der bisherige Dezirksjugendobmann wieder- gewählt und bestätigt. Am Spätnachmittag waren die Gesamtteilnehmer teils in Bewegungsspielen, teils in angeregter Unterhaltung beisammen. Ge­gen 17 bzw. 18 Uhr brachen die Gruppen in der Richtung Lich bzw. Butzbach zur Heimkehr auf.

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 140 bis 150; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 20 bis 40; Weißkraut 15 bis 25; Rotkraut 25 bis 40; gelbe Rüben 12 bis 15; rote Rüben 12 bis 15; Spinat 25 bis 30; Feldsalat 100 bis 120; Tomaten 70 bis 80; Zwiebeln 10 bis 15; Meerrettich 30 bis 60; Schwarzwurzeln 35 bis 40; Rhabarber 25

Das SOtttta«

«»richt das letzt« Wort

Roman von I. S chneider-Foerstl.

Llrheber-Rechtschuh durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

13. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Gott, Graf." Ihre Stimme schwankte, während sich ihre kleine waryre Hand in die seine schob. Sie haben Ihre Mutter wenigstens gefarmt. Ich habe von der meinen nicht einmal eine Er­innerung. Sie starb bei meiner Geburt. Das wenige, das ich von ihr weih, hat mir mein Bater berichtet, größtenteils aber meine 2T]<t Wer haben auch kein Bild von ihr, das heißt, wir haben ein Bild, aber mein Vater hat es mir nur ein einziges Mal gezeigt. Er hält es immer versperrt, so maßlos hat er sie geliebt. ®r hat ihr auch keine Nachfolgerin mehr gegeben. So bin ich zwischen lauter Männern ausgewachsen. Vielleicht wäre ich sonst anders."

Anders?" Viktors Blick suchte in dem röllich matten Dämmer nach dem ihren.Warum anders. Miß Hettersield?"

Besser", sagte sie leise.Ich bin ein furchtbar verzogenes Geschöpf. Das bißchen Gute an mir verdanke ich alles meiner Aja. Mein Vater hat nie und nie etwas anderes für mich gehabt als Nachsicht und Liebe. Das taugt nicht. Ich wäre sicher ein völlig mißratenes Menschenkind ge­worden, wenn ich die Aja nicht gehabt hätte. So ist wenigstens doch etwas einigermaßen Leid­liches aus mir geworden, llpollen wir jetzt gehen?"

Er wlllsahrte sofort und öffnete die Türe. Warm und schwül schlug ihnen die Sommerluft des Junitages entgegen. Er drehte den Ring, und um ihm Platz zu machen, trat sie etwas seitwärts, stieß einen kurzen Ruf aus und lag im nächsten Augenblick auf dem schmalen Rasen­streifen, der sich um den Tempel zog.

Es ist nichts", lächelte sie zu ihm auf, der sich schnell zu ihr niederbeugte. Aber ihr Gesicht war weiß und der kleine Mund schmerzverzogen. Als sie sich aufzurichten suchte, griff sie unwillkürlich und schuhverlangend nach seiner Hand.Irgend­wo sticht es", sagte sie resigniert.Ich glaube, es ist der Knöchel. Ich will versuchen, ob ich stehen kann!"

Rein, lassen Sie." Sein Arm griff unter ihren Körper und hob ihn behutsam zu sich auf. Vor­sichtig placierte er sie auf die vorletzte Stufe und kniete sich dann vor sie hin.Dars ich?" Er ft reifte erst den beigefarbenen Wildlederschuh ab und dann das feine Seidengewebe des Strumpfes, dessen Bänder sie gelockert hatte.

Den Knöchel befühlend, nickte er, als sie vor Schmerz zusammenzuckte.

Die Aja wird sehr unglücklich sein", sagte sie deprimiert.Auf schwachen Füßen bin ich immer schon gestanden. Das macht, well ich kein Training im Laufen habe. Ich bin immer nur gefahren tunb geritten. Das rächt sich jetzt. Es rächt sich eben alles, nicht wahr, Graf?" Als Viktor nichts erwiderte, suchten ihre Augen durch das Gezweige der Trauerweiden.Run müssen wir eben Ihrem Vater und Jefferson allein die Be­sichtigung überlaufen. Augenblicklich ist es ganz unmöglich, daß ich weitergehe. Setzen Sie sich g|u mir, dann können wir wenigstens ein bißchen plaudern."

Eine Stufe unter ihr Platz nehmend, daß Feine Füße in den Weichen Sand eingegraben waren, flimmerte sein schwarzes Haar an ihren Knien. Sie hob die Hand, strich darüber, fühlte sein Zusammenzucken und verschränkte die Finger im Schoß.

Der Park lag sommerverträumt. Kein Lusthauch regte sich mehr. Die Trauerweiden standen ge­bückt und lehnten die Spitzen ihrer Zweige küh- lungbedürftig gegen die Erde. Eine Eidechse raschelte vorüber, lieber der Wölbung, die den Himmel freigab, zog ein Falke und zeichnete Ellipsen in das Blau des Aethers. Viktor sah hinauf und ballte unwillkürlich die Hände, dann lockerten sich die Finger wieder und blieben auf den Knien verschränkt.

Wo mochte der Vater jetzt sein? Angelangt auf welcher Kreuzwegstation? In den Stallungen, wo die Decke sich drohend gegen die Bohlen senkte? Am Weiher, der moosverfilzt die letzte Brut der Karpfen barg? Was sagte Jefferson, wenn er den Wirrwarr in den Remisen sah? Vielleicht machte er überhaupt keinen Schritt in die Gewächshäuser, wenn er die zerbrochenen Scheiben, die vermorschten Balken, die verfaulten Bretter sah. Niemand konnte Jefferson zumuten, daß er zu der Kaufsumme von achtmalhundert- tausend Schilling noch weitere dreimalhundert- tausend für Reparaturen auf wandte.

Er wird nicht kaufen!" Maßlos erschrocken fuhr sein Kopf in die Höhe. Er mußte es laut gesprochen haben, denn Miß Hettersield fragte:

Wäre Ihnen das erwünscht, Graf?"

Er preßte die Knöchel der Hände gegenein­ander.

Wäre es Ihnen erwünscht?" wiederholte sie.

Jal Ich beneide die Toten, die hierbleiben dürfen."

Ihre Finger lösten sich aus dem Schoß und legten sich ihm auf die Schultern.Dann bleiben Siel Ich werde nicht kaufen."

Er starrte sie an.Sie? Miß Hettersield!" Ich, ja!" Ihr Blick ging müde über ihn hin­

weg.Ich will mich hier seßhaft machen, für einen Teil des Jahres wenigstens. Aber es kann gerade so gut auch anderswo sein und Jefferson wird sicher etwas ausfindig machen, das mir auch wieder gefällt. Für Sie aber möchte ich etwas tun, Graf. Ist Ihnen mit einer Hypothek gedient?"

Langenbach ist eine einzige große Hypothek, gnädiges Fräulein!"

Wieviel?"

Sechsmalhunderttausend Schilling!"

Sie wurde nachdenklich.Dann sind Die besser daran, wenn Sie verkaufen."

Er stieß ein3a!" heraus und neigte das Ge­sicht toieber zu den Knien hinab, deren Zittern et nicht mehr verbergen wußte. Warum sollte sie nicht auch alles andere wissen, wenn sie nun schon dieses eine wußte? Als stünde er angeflagt vor dem Zeugentische eines Gerichtes, um nach jahrelanger Gewissensfolter fein Bekenntnis zu sprechen, riß es ihm alles aus der Seele:Die verlotterten Wirtschaftsgebäude, die unbebauten Sieder, den abgeholzten Wald, die Forellenwasser, die keine Fische mehr bergen, die Jagden, die, nie geschont, kein Wild mehr auf weisen, weil man nur immer herausgeholt und nichts hineingesteckt hat. Die zerschlissenen Tapeten im Herrenhaus, mit dem Holzwurm im Getäfel und das ewige Feilschen um das tägliche Brot und das bißchen Glanz nach außen, um den Schein zu wahren."

Richt", sagte sie bittend.Richt! 3ch weiß ja altes!"

Sie wußte alles. 3eder wußte es! Die Scham war unbegrenzt.

Warum fielen die Toten dort drinnen nicht über ihn her und riffen ihn zu sich hinein, daß ihm die grenzenlose Demütigung dieser Stunde erspart blieb? Wie konnten die schlafen, wenn er, der letzte Lippstädt, der einzige, der noch ihren Ramen trug, sich wand unter der Rot dieser Folter? 3n ihrem Blute hatte das seine den Ursprung und sie liehen ihn allein allein 1

Hatte er gewimmert? Grausam tief drückte er die Zähne itz das Fleisch des rechten Handrückens.

Heber ihn hin ging Alice Hettersields weiche Altstimme:3ch werde kaufen." 3hre Hände drückten dabei seinen Kopf leicht nach ihren Knien zurück.Aber ich werde nicht wohnen bleiben, Graf. Mit den zweimalhundert Schilling, die nicht für Hypotheken Wegfällen, machen Sie den Anfang, das Gut wieder flott zu kriegen. Die Gebäulichkeiten werden von mir instand gesetzt, das Schloß und alles andere. 3efferfon sorgt um einen Verwalter, die Sanierung der Wälder übernimmt ein Forstbearnter. Sie haben nichts dabei zu tun, als die Oberaufsicht zu führen.

Er schüttelte den Kopf.Die große Oekonomie erheischt ein vielköpfiges Personal."

Das wird zu bekommen sein", sagte sie gleich­mütig.

Sein Rücken zog sich förmlich zusammen. Die Rettung! Aber er durfte dih Hände nicht danach ausstrecken.3ch danke 3hnen. Miß Hetter- field, aber es gibt noch andere Gründe, die mich von hier forttreiben.

3hre Augen wurden hellwach.Eine Frau?" 3a!"

Warum holen Sie sich die Frau nicht?"

Er zögerte, ehe er Antwort gab.3ch kann die Einwilligung ihrer Mutter nicht bekommen. Wir müsien noch drei 3ahre warten, bis sie volljährig ist. Da ist es besser, ich gehe für solange. Man kann sich nicht so nahe wohnen, wenn man ein­ander nichts sein darf."

Allerdings." Da Lippstädt nach den weißen Kieseln sah, die im Sand verstreut lagen, entging ihm der Ausdruck ihres Gesichtes. Er hörte nur ihre Stimme über sich hinsprechen.Kommen Sie zu uns! Wir haben Platz und Arbeit! Und bei uns vergessen Sie auch!"

3ch teilt nicht vergessen, Miß Hetterfield."

Auch das Lächeln, das sich nun um ihren Mund stahl, entging ihm.So war es nicht gemeint, Graf. 3ch rechne anders. Drei Jahre sind lang. Man kann nicht immer vom Morgen bis zum Abend ein und demselben nachhängen. Darüber wird man verrückt. Ich wiederhole mein Angebot: Kommen Sie zu uns!"

Ich will nichts geschenkt j^aben! stieß et hervor.

Es wird Ihnen niemand etwas schenken. Das kennt man bei uns nicht. Jeder wird nach dem entlohnt, was er leistet. Und ich glaube, Sie vermögen viel zu leisten, Graf Lippstädt." Ohne Antwort abzuwarten, sprach sie weiter:Sie dürfen es sich ja nicht leicht denken. Cs ist seht heiß bei uns auf Java. Der Besitz meines Vaters geht in die Tausende von Tagwerk. Er liegt an der Küste und dahinter ziehen sich die Vulkane von West nach Ost! Von der Veranda sieht man gerade nach dem Gade und dem Salak. Und wenn der Papadony schlechter Laune ist, hört man ihn bis herüber grollen.

Ich möchte..Sein Kopf glitt toitlenloS gegen ihre Knie.

Zu uns kommen! Ja?"

3a! Er wandte das Gesicht zu ihr auf, griff nach ihren Händen und küßte sie in Dankbarkeit.

Sie ließ die Finger zwischen den seinen ruhen und lächelte.Wir bauen Reis und Zuckerrohr und Tee und Pfeffer. Es ist schön bei uns! Alles ist schön! Auch die Frauen!"

Eine feine Röte jagte seine Wangen hinauf und langsam gab er ihre Hände frei.Sie wissen, daß ich liebe, Miß Hetterf^ld!"

(Fortsetzung folgt.)