Aus der Provinzialbouptffadt
Gießen. den 7. April 1931.
Arbeiislosennot im technischen Berufe.
Die ..Deutsche Techniker-Zeitung", das Organ beS Bundes der technischen Angestellten und Beamten. besaht sich in ihrer Nummer vom 24. März 1931 mit den Bemühungen des Dereins Deutscher Ingenieure, die Not unter den zahlreichen stellen- losen Absolventen der Technischen Hoch- und Mittelschulen zu lindern (D. D. I. - Nachrichten Nr. 10 1931). Sie stellt zunächst sest, dah nicht nur 8000 sondern etwa 15 000 junge Leute alljährlich die staatlichen und privaten technischen Lehranstalten verlassen und den Arbeitsmarkt im technischen Beruf belasten. Zu der Feststellung des „D. D. I ". dah für Tausende stellenloser Absolventen technischer Lehranstalten zur Zeit überhaupt keine Aussicht auf Anstellung alS Tcchniker besteht, schreibt die „D. T. Z.":
„Nach den Angaben der ReichSanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung ist die Gesamtzahl der bei den Arbeitsämtern gemeldeten stellenlosen Angestellten vom 1. Januar 1930 bis zum 1 Januar 1931 von rund 222 000 auf rund 339 COO gestiegen, die Zahl der stellenlosen technischen Angestellten einschließlich Werkmeister und Poliere von rund 34 000 aus rund 58 000. Die Zahl der stellenlosen Mitglieder unseres Bundes (deS Butab. — D. Red.) dagegen ist vom 1. Januar 1930 bis zum 1. Januar 1931 von 3412 auf 8616 gewachsen, und sie hat am Ende des saufenden Monats zweifellos 10 000 bereits überschritten. Dieser Vergleich zeigt, dah, so stark auch infolge der Wirtschaftskrise die Stellenlosigkeit unter den Angestellten im allgemeinen gestiegen ist, die technischen Angestellten doch weit stärker in Mitlcidenschast gezogen sind, als die übrigen Angestelltengruppen. Während bei den Angestellten insgesamt die Zahl der Stellenlosen im Laufe des vergangenen Jahres um rund 50 Prozent Angenommen hat. ist sie bei den technischen Angestellten einschließlich Werkmeister und Poliere um 70 Prozent und bei den Mitgliedern unseres Bundes sogar um 150 Prozent gestiegen. Diesen Angaben der Neichsanstalt entsprechen auch die Mitteilungen, die dem Afa- Bund von den ongeschlossenen Verbänden über die Prozentsätze ihrer stellenlosen Mitglieder gemacht worden sind. Nach den für Ende Februar gemeldeten Zahlen waren von den in Industrie und Handel beschäftigten kaufmännischen Angestellten 8,9 Prozent, von den Werkmeistern 7.4 Prozent, von den technischen Angestellten dagegen 18 Prozent stellenlos."
Anknüpsend an diese Schilderung des Arbeit-- markte- der technischen Angestellten weist die „D. T. Z." auf die Mitteilung in den „03. D. I.- Nachrichten" hin, dah die technischen Hochschulen heute von doppelt soviel jungen Leuten besucht werben, als vor dem Kriege. Die „D. T. Z." stellt fest, dah die Arbeitslosigkeit unter den Be- rus-anfängern hauptsächlich verursacht wird durch den heute „weit über jede- vernünstige Maß hinauSgehenden Andrang zum technischen Studium". Angesichts dieser Feststellung verurteilt die „D. T. Z." mit Recht die Bestrebungen einer Reihe von preußischen und außerpreußischen Städten, technische Hochschulen und neue private technische Lehranstalten zu errichten. Der Bund
der technischen Angestellten und ‘Beamten ist im Interesse des technischen Berufsstande- bemüht, die weitere Ileberfüllung de- technischen Berufes zu verhindern und wieder ein gesundes Derhält- nis -wischen der Ausbildung von technischen ArbeitSkrästen und dem vorhandenen Bedarf herbeizuführen.
(schweres Derkehrsunglück bei Lich.
Zwei Tote.
Am gestrigen Ostermontag zwischen 20.15 und 20.30 U&r ereignete sich auf der Landstraße Lich—Rieder-Bessingen, etwa 500 Meter vor dem Ortseingang von Rieder-Bessingen in der Höhe der Pein-Mühle, ein schwere - Verkehrs- Unglück, dem leider zwei blühende Menschenleben zum Opfer sielen. An jener Stelle fließen der 22 Jahre alte Maurer Karl S t e n g l e r und der 25 Jahre alte Arbeiter Hch. Ludwig, beide aus Lich, aus dem Motorrad Etenglcrs in Richtung Nieder - Dellingen sahrcnd. mit einem mit Vieh beladenen Auto-Tran-Portwagen aus Ober-Hörgern zusammen. Die beiden Motorradler. von denen Ltengler seine Maschine selbst führte, wollten nach Nieder-Bessingen fahren, wo eine Musikkapelle oug Lich zum Tanze ausspielte. Sie hielten auf ihrer Fahrt die vorgeschriebene rechte Straßenseite inne, allerding- soll ihre Maschine nicht beleuchtet gewesen sein, während das entgegenkommende Dichauto sich weit auf der Mitte der Straße nach der Fahrbahn der jungen Leute zu befunden haben soll. Der linke Kotflügel des Lieferwagens streifte vermutlich die Lenkstange des Motorrades, wodurch die Maschine au- ihrer Fahrtrichtung ab- gelenkt wurde und die Fahrer gegen das Auto schlugen. Dabei wurden die bedauernswerten jungen £cute so schwer verletzt, dah S t e n g - ler auf der Stelle tot war, während Ludwig nach etwa einer Stunde verstarb. Merkwürdigerweise will der Lenker des Viehtransportautos, der Händler und Kraft- wagenbesiher Willy Horn aus Ober-Hörgern, von dem furchtbaren ilnglüd gar nichts bemerkt haben, jedenfalls fuhr er in Richtung Lich weiter und kümmerte sich nicht im geringsten um den Vorfall. In der Nacht gegen 2 Llhr wurde er durch die Gendarmeriestation Lich in Holzheim festgenommen und mit dem beschädigten Wagen nach Lich verbracht. Das tragische ilnglüd kam erst durch Strahenpassanten, die bald nach dem Vorfall den Schauplatz des Geschehens passierten, zur Kenntnis. Die behördlichen Organe und Sani- tätsmannschaften waren rasch zur Stelle, sie muhten sich ober darauf beschränken, die beiden 03etungIüdten nach Lich zu übersühren und die ersten Feststellungen an der ilnglüdsstelle zu machen. Die weitere Untersuchung ist zur Zeit noch im Gange.
Gießener Wochenmarktpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Kochbutter von 1 Mark an: Butter 120 dis 130; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 20 bis 35; Weißkraut 15 bis 20; Rotkraut 20 bis 25; gelbe Rüben 12 bis 15: rote Rüben 12 bis 15: Spinat 45 bis 50; ilntcr- Kohlrabi 5 bis 6; Grünkohl 20 bis 25; Rosenkohl 40 bis 45; Feldsalat 150 bis 200; Tomaten 70 bi- 80; Zwiebeln 10 bis 12: Meerrettich 30 bis 60; Schwarzwurzeln 35 bis 40; Kartoffeln 4 bis 5; Aepfel 40 bis 50; Birnen 30 bis 40; Dörrobst
30 bis 35; Nüsse 60 bis 70; das Stück: Tauben 70 biS 80; Sier 9 bis 10; Blumenkohl 30 bis 70; Salat 35 brs 40; Endivien 15 bis 35; Ober- Kohlrabi 10 bi- 15; Lauch 5 biS 15; Rettich 10 bi- 15; Sellerie 10 bi- 50; da- Bund, Radieschen 20 bis 25 Pfennig: der Zentner: Kartoffeln 3 bis 4; Weißkraut 10 bis 12; Wirsing 20 bi- 25; Rotkraut 12 bi« 15 Mark.
Taten für Tiendtag, 7. April.
«Sonnenaufgang 5.51 Uhr, Sonnenuntergang 19.04 Uhr.' — Mondaufqang 0.47 Uhr. Tlonbuntergang 7.33 Uhr.
1930: der bayrische Staatsrechtslehrer Karl Freih. von Stengel gestorben.
Vornotizcn.
— Tageskalender für Dienstag. Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Ihre Majestät die Liebe". — Astoria-Lichtspiele: „Der Doppelgänger" und „Die drei um Edith".
— Aus dem Stadttheaterbu reau wird uns geschrieben: Heute bleibt da- Theater geschlossen. Für die Abonnenten deS DienStag- Abonnements wird die Abonnements-Vorstellung auf Donnerstag. 9. April verschoben. — Morgen Mittwoch (im Mittwoch-Abonnement) und Donnerstag (im Dienstag-Abonnement) jeweils 19.30 älhr, Gastspiel der Vereinigten Operettentheater Bochum-Hamborn mit der Schlager-Operette „Viktoria und ihr Husar", in drei Akten und einem Vorspiel von Grünwald und Löhner-Beda. Musik von Paul Abraham. Die Intendanz macht darauf aufmerksam, dah diese beiden Operetten- Gastspiele die letzten Operetten-Dorstellungen dieser Spielzeit sind. „Viktoria und ihr Husar" hat es in einer ganzen Reihe von Großstädten zu Serien-Ausführungen gebracht. Das Vereinigte Operettentheater wird mit seinem gesamten Solo- und sämtlichem Chor-Personal sowie verstärktem Orchester dieses Gastspiel bestreiten, zu dem eigens neue Kostüme entworfen und hergestellt worden sind. Die Spielleitung hat Theo Bachen- heimer, musikalische Leitung Wilhelm Bachen- heimer. Operettenpreise.
*• D i e Dftcrfciertage brachten mancherlei Enttäuschungen mit sich. Wer auf schönes Früh- linaswetter gehofft hatte, mußte zu seinem Leidwesen erfahren, daß von diesen Hoffnungen allerlei abzustreichen war. Immerhin verblieb das Wetter im großen ganzen doch noch so, daß man wenigstens in gut wärmender Bekleidung einen Spaziergang unternehmen konnte. Unter diesen Verhältnissen hatte naturgemäß auch der Ausflügleroerkehr stark zu leiden, sehr zuM Leidwesen der Gasthausbesitzer in der Umgegend, die sich von den beiden Oster- tagen gute Cinnahmemöglichkeiten versprochen hatten. Ker Reiseverkehr auf der Bahn war von Gründonnerstag ab rege, er blieb jedoch hinter dem Reisebetrieb des Vorjahres ansehnlich zurück. Auch an den beiden Feiertagen war die Inanspruchnahme der Reichsbahn nur mittelmäßig, lediglich gestern abend wurde sie sehr stark, jo daß soaar von Gießen nach Frankfurt ein Nachzug gefahren werden, mußte. Der ganze Verkehr, für den sich die Bahnverwaltung umfassend vorgesehen hatte, wickelte sich glatt ab. In der Stadt selbst verliefen die Feiertage in gewohnter Ruhe und Ordnung. Die Gottesdienste waren an beiden Festtagen gut besucht.
* Ev angelis che Pfarrpersonalte. Auf sein Nachsuchen wurde Pfarrer Ferdinand
Dörr in Heuchelheim bet Dießen unter Anötz» fennung feiner langjährigen treuen Dienste mit Wirkung vorn 1. August ab in den Ruhestand versetzt.
• ’ WohnungSgesuch - Erneuerung. In einer Bekanntmachung der Stadtverwaltung im heutigen Anzeigenteil wird darauf aufmerk- fam gemacht, die WohnungSgefuche schriftllch oder mündlich zu erneuern.
• • Einbruch in der Weller-bürg. In der Nacht zum ersten Feiertag wurde tn der Gastwirtschaft Weltersburg ein Einbruch verübt. Der Dieb löste eine Scheibe auS dem Fenster deS Gastzimmers, öffnete den Riegel und stiea ein. Aus dem Büfett entwendete er eine Anzahl Zigaretten, sowie einige Flaschen Branntwein. Die Landeskriminalpoltzeiltelle Gießen ist mit den Ermittelungen beschäftigt.
" DaSvereinigung Gießen. Man be- richtet uns: In der vergangenen Woche fand di« Hauptversammlung der im vorigen Jahre gegründeten Gießener Gas-Vereinigung, der Arbeitsgemeinschaft der hiesigen Jnstal.attonsmeister, GaSgeräte-Vertaufsgefchäfte und des Städtischen Gaswerkes, statt. In dem Jahresbericht gab der Vorsitzende u. a. einen Rückblick über die in Gemeinschaft mit der hiesigen Hausfrauen-Beratung durchgeführte Veranstaltung von Koch-, Brat- und Backadenden. sowie Ausstellung mit Gießener Gas-Woche. Wenn auch derartige Veranstaltungen in erster Linie dazu bienten, den Hausfrauen die Kenntnis von sachgemäßer Behandlung und Pflege der neuzeitlichen, gut durchkonstruierten Gasgeräte zu vermitteln, mannigfache Anregungen für gesunde, auch für daS Haushaltungsgeld bekömmliche Dpeisenzuberei- tung zu geben und schließlich probierte Rezept« zu besprechen und zu kosten, so konnte auch, trotz der damals schon ungünstigen Zeiten, eine Belebung des DerkaussgeschästeS durch diele Veranstaltungen sestgestellt werden. Insbesondere gedachte der Vorsitzende der außerordentlich rührigen Mitarbeit der hiesigen Hausfraucn-Dera- tung, die eS in selbstloser Weile mit großem Erfolg verstand, diese Abende für jede Hausfrau interessant und reichhaltig zu gestalten. In dem anschließenden Kassenbericht wurde ein Ueber- blick über die entstandenen Linkosten gegeben. Der Kassenbericht schließt, dank der Llnterftützung durch einige Lieferfabriken, recht günstig ab, so daß die Mitgliedsbeiträge für daS neue Geschäftsjahr herabgesetzt werden konnten. Nach Entlastung des vorjährigen Vorstandes wurde der Vorstand für das lausende Geschäftsjahr ernannt. Er setzt sich aus solgenden Herren zusammen: Vorsitzender: Dr. E. G o c r e s, Schrift- wart: Hch. Lich, Kassenwart: Edg. Dorr- mann. Beisitzer: K. Kolb, I. B. Häuser, Betriebsinspektor W. Steckenmesser. Wie im vorigen Jahre, sind auch in diesem Jahre eine Reihe von Veranstaltungen vorgesehen.
• • R i ch t i g st e l l u n g. Zu der Veröfsentlickuna der Reichsbahn Jubiläen vom Samstag, 4.2lprlh teilen wir wunschgemäß mit, daß es an Stelle von Reichsbahnfekretar Heinemann Reichsbahn- Obersekretär heißen muß.
Entfettungs-Kuren im Frühling sind sehr emvsehlenSwert, weil der Körper gerade jetzt eine besondere Neigung zur SlofsauSschetdung belitzt. Nehmen Sie früh, mittags und abends 2 btt 3Toluba-Kerne, die Sie in Anotbeken erhalten.
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