Nr. 52 Zweites Blatt Süeßener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)Samstag, 7. Zebruar Mf
Oie Gefahr der Lleberasterung
Don G Buch.
Deutschland befindet sich in der traurigen Lage infolge der wirtschaitlichen Verhältnisse seine im । besten Erwerbl-alter stehenden Menschen nicht mit Arbeit versehen zu können, infolge- , dessen hören wir ständig die Klage, daß in dem verkleinerten deutschen Gebiet zuviel Menschen vorhanden sind. Die Aussicht, seine Kinder vielleicht nicht ernähren und die Heranwachsenden • nicht mit Arbeit versehen zu können, führt dazu, daß die Ehepaare, die an sich bereit wären, die Zahl ihrer Kinder zu vermehren, oder überhaupt nicht in kinderloser Ehe leben wollen, gegen ihren Wunsch im Einkindersystem verharren oder -eine Ehe ohne Kinder führen. Der H.nweis, dah die bevölkerungspolitische Zukunft des deutschen Volkes eine Steigerung der Geburtenzahl erheische, findet stets die Antwort, dah nur die Einengung der Bevöllerungsstärke uns ■ die kommenden Jahrzehnte erleichtern könne.
Hier liegt ein Trugschluh vor, der zwar vom einzelnen aus gesehen begreiflich ist, aber die 'volkswirtschaftlichen Notwendigkeiten eines großen Volkes verkennt. Die jetzige Arbeitslosigkeit be» weist nicht ein Zuviel an arbeitsfähigen Menschen in Deutschland, sondern kennzeichnet nur d i e Zerfahrenheit der wirtschaftlichen Zu stände. Die heutige Krise ist nicht eine natürliche Folge der Zeitverhältnisse, sondern hat ihre Ursache überwiegend in der unrichtigen Handhabung des gesamten Wirtschaftsappara.es, der Weltwirtschaft wie der deutschen Wirtscha t. Niemals sind Zustände wie die heutigen eine Dauererscheinung, zumal dann nicht, wenn diese Zustände sich in der gesamten Weltwirtschaft zeigen.
Während nun aber wirtschaftliche Notzeiten von begrenzter Dauer sind, und durch normale und günstige Perioden abgelöst werden, bleibt die Wirkung der V e v ö l k e r u n g s v e r - Linderungen über Generationen hinaus in Wirksamkeit. Hier wirkt sich ein Naturgesetz aus, dem der Mensch machtlos gegenübersteht. Man kann wohl bei günstiger Wirt- faftslage durch Zleih, Tüchtigkeit und Sparsamkeit in 15 bis 20 Jahren ein Dermügen erwerben, der . Sohn kann Vermögensverluste, die der Vater in der Wirtschaftskrise erlitt, wieder durch Ncu- erwerb hereinholen, aber der Sohn, der in dem aufblühenden Geschäst dringend der Hilfe seines Bruder. oder eigener Kinder bedürfte, kann sie nicht Herbeischafien, wenn sie nicht noch in der Notzeit geboren sind.
Es ist auch ein Irrtum, zu glauben, dah eine wieder eintretende bessere Wirtschaftslage ohne weiteres eine Geburtenvermehrung mit sich bringt. Selbst dann, wenn der Wille dazu vorhanden sein würde, wirkt sich auch hier das Naturgesetz aus: einmal das Gesetz des Alters, dann das Gesetz der abnehmenden Fruchlbarkeit. Hat die Mutter in den Notzeiten die Geburt weiterer Kinder beschränkt, wird die Tochter in den meisten Fällen sich mit einem Kind begnügen müssen, auch wenn ihr Wille sich nach weiteren Kindern sehnt, und nun genug Mittel vorhanden sind, den Lebensbedarf mehrerer Kinder zu sichern. Tritt der Wunsch nach vermehrter Kinderzahl erst ein, wenn bei Mann oder Frau eine gewisse Altersgrenze überschritten ist, dann helfen alle gefüllten Kassen nichts, dann versagt sich die Natur oder sie gewährt nur das Alterskind, dessen Leistung oder Gesundung häusig beeinträchtigt ist.
Wir seh n diesen Vorgang sich jetzt in Frankreich abipielen. Nicht aus Not, wohl aber aus Vequemlichleit hatte' sich das französische Volk dazu entsch.ossen, die „Kinderplage" abzuschafsen. Man war nach 1870 ein Nentnervolk, das nur daraus bedacht war, sich früh die Gelegenheit zu verschaffen, von den Zinsen erworbener und er-
Müy-Mus, der Tonsilmkobol'.
Don K. H Nuppel.
Copyright 1930 by I. L. A. Wien.
Aon allen Fanfaren des Gelächters begrüßt, vom Freudengeschrei sämtlicher fünf Erdteile empfangen, ist ein fabelhaftes Tier auf die Well gekommen, ein Tier, wie es weder im Brehm noch im Meyer oder Brockhaus steht, ein Tier, das feine Entstehung dem Stift eines genialen, von allen Göttern des Witzes gesegneten Zeichners verdankt: Micky-Maus, der neueste Filmstar, der tönende Nachfahr aus dem stummen Geschlecht, Felix des Katers und Oswalds des fidelen Karnickels. Die Micky-Maus ist auf ihrem ' Siegeszug durch die Welt, und wir wollen Tanzrasseln schwingen, aufs Becken hauen und uns die . Nase begießen zu ihrem würdigen Empfang. Das Geschlecht der Mäuse, gemeinhin unter den Kehricht des Tierreichs verwiesen, gejagt und ersäuft, den Katzenbestien zum Fraß vorgeworfen — es ist durch Micky angenehm geworden vor Gott und den Menschen.
Man kann nicht sagen, welchen Geschlechts das heitere Tier eigentlich ist. Grundsätzlich möchte man es als weiblich ansprechen, aber es scheint, daß da Assoziationen an die erotische Terminologie jener sagenhaften Vorzeiten hereinspielen, in denen die Witze aus dem Eheleben in den Witzblättern etwa beginnen: Sie (zum jungen Ehemann): „Schätzt, ich habe heute einen entzückenden Hut gesehen." — E r : „Aber Maus ..." Die Micky Maus ist zumeist in ein Paar schlappender Hosen zu sehen und betätigt sich nach Art der Lehrlinge als Schiffsjunge, Kuchen- junge oder Botenjunge, was das feine Empfinden ihres -Erzeugers verrät, denn es ist platterdings unvorstellbar, daß solch närrisches Tier je in ein anderes Lebensalter als das einer lausbübischen und überaus losen Jugend aussteigen könne. Es wird gut fein, sich von der einer fossilen Zärtlichkeit enfftam- M"nden metavhorischm Nebendeutung des Wortes „Maus" entschlossen frei zu machen und die Micky- Maus als den bezauberndsten Straßenbengel, der uns feit langem begegnet ist. zu nehmen. In gewissem Sinn ist sie die Nachfolgerin Jackie Coogans, der uns als fenstereinwerfender, schökerischer Knabe im „Kid" rechtens in Entzücken versetzte.
Die Welt, in der Micky in wahrem Sinne des Wortes sich mausig macht, gerät auf eine höchst scherzhafte Weise durcheinander. Es fehlen in ihr die Anmaßung und Pedanterie des Menschm der die Dinge durchaus in einem langweiligen System von Ordnunaen u"d genau geregelten Beziehungen haben . will. Mickys Reich liegt weit ab von der Locik und dem Geltungsbereich des Satzes vom zureichenden Grunde. Ein Philosoph, in diese Welt gestellt, würde
erbter Kapitalien zu leben. Ein solches System ver.angt die Kinderbelchränkung. Heute ist Frankreich das reich st e Land der Welt, seine Industrie und Landwirtschaft verlangen nach Franzosen, um die Arbeit zu leisten, die überall vorliegt, und den Gewinn einzuhcimsen. der sich überall ergibt. Aber diese Franzosen sind nicht vorhanden: es leben viele alte und ältere Menschen, aber die jungen und die arbeits- tüchllgen Altersstufen sch.en. 3n dem ausblühenden Geschäft, in dem drei Söhne zu Wohlstand gelangen könnten, ist meist nur ein Sohn oder überhaupt kein Erbe vorhanden Fremde, Ein- gewanderte, müssen in das Land geholt werden, i.-nen fließt der Verdienst zu. Unentbehrlich geworden, bleiben sie in dem Land wohnen, das sie so gut ernährt, gründen Familien und haben sechs Kinder. wo der Franzose kein oder nur ein Kind besitzt: da der junge männliche Nachwuchs fehlt, heiratet die Französin den Cin- gewanderlen, den Fremd stämmigen. Die sremde Nasse überwuchert die einheimische, wie die kräftige Pflanze stets die schwach« überwuchert.
Dem gleichen Schicksal des Nasscnunterganges wird Deutschland anheimfallen, wenn die heute lebende Generation nicht zu der Erkenntnis gebracht werden kann, daß ein Fehlschluß darin liegt, daß der künftigen deutschen Welt ein geringerer Nachwuchs zu stellen sei, weil die Kinder ein schwereres Leben haben würden, als die Eltern heute und die schon von diesen Eltern Geborenen. Sehr schnell wandelt sich die wirtschaftliche Lage eines Volkes, das Volk aber muß sein gesundes Men'chenmaterial zur Ver- s ü g u n g haben, um bei solchen Wandlungen sich neu festigen und neu entwickeln zu können. Für diese schnelle Wandlungsmöglichkeit wirtschaftlicher Verhältnisse haben wir ein Beispiel, das lurz zurückllegt. Wer von den Deutschen, die das Elend der Jahre von 1803 bis 1813 erlebte und die Verarmung nach 1813 sah, hätte wohl an die Möglichkeit eines Aufstiegs geglaubt, wie er sich von 1870 bis 1914 vollzog? Wer gern mit dem Beispiel der Wirkungen des Dreißigjährigen Krieges auf Deutschland bei der Hand ist, um zu beweisen, daß die heutigen Verhältnisse unsere Bevölkerung zum gleichen Schicksal verurteilen, der begeht einen Denkfehler. Der Dreißigjährige Krieg wirkte allein auf die deutschen Gebiete zurück, die damals Deutschland umgebenden Großstaaten erfreuten sich bester Entwicklungemöglich- feiten. Heute stehen wir einer Weltwirtschaftskrise gegenüber. Ein europäischer Staat wie Großbritannien befindet sich in der gleichen Wirtschaftszerrütlung wie wir. Großbritannien hat bei seiner Bevölkerung von rund 47 Millionen über 2 5 Millionen Arbeitslose. Italien befindet sich in ernster Finanz- und Wirt- schaftsnot, ständig wächst auch dort das Arbeitslosenheer. In den Vereinigten Staaten rechnete man im Sommer schon mit 7 Millionen Arbeitslosem
Ganz abgesehen von dieser wesentlich anderen Lagerung der Verhältnisse wird durch die Technik die Zeitspanne in völlig andere De- wertungslinien gerückt. Entwicklungen, zu deren Vollendung früher die Zeitspanne von Generationen gehörte, vollziehen sich heute in wenigen Jahrem Noch nie haben sich die Probleme so gedrängt, haben sich die Neibungsslächen, die in ihren Wirkungen das ganze künstliche Gebilde unserer Versklavung über den Haufen werfen können, so gedrängt, wie es jetzt der Fall ist. Wir haben alle Ursache, an unsere Zukunft zu glauben, haben damit aber auch die Verpflichtung, uns die Zukunftsmoglichkeiten offenzuhalten. Nur ein starkes, gesundes Volk hat eine Zukunft! Schon jetzt liegen die Dinge hinsichtlich unseres Devölkerungsaufbaues bitter ernst.
Im Jahre 1871 standen in einem Alter von 65 Jahren und mehr 4,7 Prozent der
sie sofort als nicht-existent erklären: es wäre für ihn die einzige Möglichkeit, sich selbst gegen dieses Reich der reinen vitalen Phantasie zu behaupten. JegÜcher Unfug wird, von Micky verübt, zum holdseligsten Märchentraum. Eine Welt von nie geahnter E.gen- gesetzlichkeit tut sich auf; kein Ding ist — um in der Sprache des erwähnten Philosophen zu reden — Akziden- genug, um nicht sogleich Agens zu werden.
Micky kehrt z. B. vor einer Haustür die Straße, da gerä. der Besen, den er (der Mausejunge, vergeßt es nicht) in der Hand hält, in den illuminierten Bereich der frei einherschwebenden, knospenentsiegelten, zweigleinbeflügelten Gedankenverbindungen: ein kriegerischer Marsch ertönt, flugs wird der Besen zum Gewehr, das man nach Art eines Wachpostens schultert, die Weise wandelt sich zum Lieblichen, schon ist de' Besen an Mickys Lippen eine Flöte, geschaffen zum süßesten Trillerschlag; doch da sich die Musik abermals wandelt und in einen energischen Tanz- rhythmus übergeht, hat der Besen plötzlich zwei schlenkerig-muntere Beinchen und hüpft auf die honetteste Art neben Micky her, jeden Schritt genau wiederholend und am Schluß nicht vergessend, eine zierliche Verbeugung gleichsam als Dank für die Ovationen der Zuschauer dreinzugeben.
Nichts ist schöner, als wenn die Dinge mit einem Male ihr funktionelles Dasein entschlossen von sich werfen und ein aktives, eigenmächtiges Leben beginnen In dem Meisterstück aller bis jetzt gezeigten Micky-Filme, im „Tiervariets" begibt es sich, daß Micky als Klaviervirtuose auftritt. Beim ersten Ton, den er in die Tasten schmettert, biegt sich das Klavier krumm; Akkorde Haden zur Folge, daß die Beine des Flügels sich nach den Seiten spreizen und die Tastatur bis auf den Boden hinabrutscht. Das geplagte Instrument versucht mit Güte und Gehorsam den unerbittlichen Spieler zu beschwichtigen; er braucht nur zu winken, und der Ton kommt von selbst Dann wieder wehrt es sich durch Boshaftigkeit und Tücke gegen den Tyrannen; es trillert mit Ausdauer und Emnfinduna an Stellen, die durchaus keinen Triller vertragen. Micky beendet den Spuk, indem er die beiden trillernden Tasten wie Gummibänder heraus- zieht einen Knoten hineinmacht und sie wieder genau an ihren Platz zurücklegt. Da liegen sie, mit stummem Vorwurf wie Hunde, denen man einen Maulkorb vor die Schnauze gebunden hat Schließlich aber schreitet das Klavier zu offener Rebellion; es wirft den gewalttätigen Spieler ab, und während Micky verdutzt auf dem Boden liegt beginnt der F'ügel, mit den beiden Vorderbeinen auf sich selbst zu spie'en, in heiterster Allotrialaune umherzuhüpfen, und der Klnoierstuhl. von solchem Lebenswunder angesteckt, tut wacker mit.
Gs ist eine unbänbioe Fidesitas, die da ausbricht, das Dina an sich hat sich fonifaacn verwirklicht, und das Ereignis, das die Gestaltwerdung des raren
Desamtbcvölkerung, im Jahre 1910 war der Prozentsatz der nicht mehr im Erwerbsalter stehenden Personen 5 Prozent. Demgegenüber waren i n einem Alter von 45 dis 65 Jahren 1871 16,6 Prozent und 1910 15,3 Prozent. Es ist dies die Altersklasse, die innerhalb dec Arbeitsleistung auf der abnehmenden Linie steht. Im Alter von 15 bis45 Jahren waren 1871 insgesamt 44,3 Prozent und 1910 45,6 Prozent. Also säst die Hälfte der Bevölkerung befand sich im besten oder in Der Leistung aus steigenden Erwerbsalter. Der Nachwuchs betrug 34,4 Prozent, bzw. 34,1 Prozent. Wir hatten also eine 'Bevölkerung, Deren gesunde Verteilung einwandfrei war. Fast 43 Prozent der Bevölkerung stand zur höchsten Arbeitsleistung bereit, fast 34 Prozent wuchs zur Arbeils'eistung heran und nur 5Prozent nicht mehr Leistung skrästige waren vorhanden. Im Jahre 1931 ist infolge Der Geburtenstärke vor Dem Weltkriege die Zahl Der im besten Erwerbsalter stehenden Personen noch besser als im Jahre 1910; im Augenblick steht die Hälfte unserer Bevölkerung innerhalb dieser Altersstufe. Aber wie haben sich die anderen Zahlen bereits verändert! Der uns zur Verfügung ftehcnDc Nachwuchs ist von 33,9 Prozent auf 2 3,3 Prozent gesunken. Das heißt also. Die heute in Der besten Arbeitskraft Stehenden werden, wenn sie alt geworden sind, eine Generation sehen, Die ihren Arbeitsplatz nur noch zu 23 3 Prozent einnehmen wird. Die Altersgrenzen, innerhalb Derer Die Leistungskraft erst langsam, Dann mit unerbittlicher Schnelligkeit abnimmt, ist von 15,3 Prozent schon a u f 20 Prozent angewachsen. Welch hohe Belastung des Volksvermögens durch 'Renten, Pensionen, Krankenhilfen usw. liegt in Diesen Zahlen. Der Prozentsatz Der Personen, Die vom Erwerbs
leben säst oder ganz auSgeschlosien sind, ist von 5 auf 6,4 P r o z e n t, ge st ie g e m
Wenn man nun annimmt, Daß_ DaS Verhältnis Der Geburten unD Der Todesfälle sich in Der gleichen Weise sortsetzt, wie in den letzten Jahren, Dann hätten wir im Jahre 1970 eine Bevölkerung. Die zu 40,8 Prozent aus Menschen bestänDe, Die sich im Haupterwerbsalter befinden; ihnen gegenüber ständen Dann 25,2 Prozent an Menschen von 45 biS 65 Jahren, Die dem Volksleben nur noch einen Teil ihrer Kraft zu bieten haben, und nicht weniger als 12,2 Prozent betrüge Die Zahl der Greise. Denen nur iwch 21,8 Prozent an Kindern gegenüverstanden.
Diese Zahlen allein kennzeichnen schon die große Gefahr, Die unserem Volkstum Droht. Nun aber iinD Die Zahlen auf Der Annahme auf gebaut, Daß wir Die jetzige Geburten stärke beibehalt e w Unsere heutige JugenD aber wird schon mit Dem GeDanken groß, Daß man sich unbedingt vor Kindern schützen muffe, Denn nur allein Dadurch sei Die wirtschaftliche Lebensbasis iwch einigermaßen erträglich. Selbst Dgim, wenn wir bereits be seren Zeiten gegmüberstehen, wenn diese junge Generation erst Ehen eingeht, wenn Die Wirtschaftslage sich gebessert hat, wird sie die Tendenz zur Geburtenverhütung nicht vergessen und wird wie Die Franzffen handeln, und ein bequemes und wirtschaftlich nicht mehr gefährdetes Leben durch Kinderbe- schränkung und Kinderlosigkeit noch angenehmer zu gestalten suchen. Werden Die heute vielfach maßgebenden Jdeengänge weiter verfolgt, dann werden wir in Den Folgejahren noch weitaus schlechtere Geburtszahlen haben als bisher und Damit eine noch schnellere i Hebe ratterung unterer Bevölkerung herbei- I führen.
Vor einer Neuaufteilung Afrikas?
Italiens Marsch zum Tschad-See. — Der plan einer zweiten Saharabahn.
Ton Or. Georg Häfner.
Die Italiener, Die sich seit vielen Jahren bemühen, ihre Kolonie Tripolis militärisch zu durchdringen, haben nun d i e Oase Kufra besetzt. Sie verkünden, daß sie den alten Karawanen-Weg an den Tschad-See bis nach Zentralafrika hinein in ihren Besitz zu bringen trachten, obwohl sie damit französische Ansprüche verletzen.
Etwa derselbe Meridian, auf dem Berlin liegt, führt durch Rom, trifft den afrikanischen Kontinent bei der Stadt Tripolis und schneidet schließlich den Tschad-See in Zentralafrika. Er zeigt die Linie, auf der in diesem Augenblick der italienische Kolonialimperialismus vorwärtsschreitet. Es ist nicht wahr, daß diese imperialistische Politik von Mussolini begonnen wurde. Sie ist viel älter und führte schon vor Zwei Jahrzehnten zum Tripolis-Krieg, der den Italienern das letzte Stück in Nordafrika brachte, das noch nicht vergeben war. Damals glaubte man, daß nun die Aufteilung Afrikas vollendet fei. Wenn man von Liberia an der Westküste und von Abessinien im östlichen Afrika absieht, gibt es ja seitdem in diesem Erdteil kein Land mehr, das von den (Eingeborenen selbst regiert wird. Liberias Unabhängigkeit steht, wie man weiß, nur auf dem Papier. Die wahren Herren des Landes sind Die Amerikaner, die jetzt durch ihre Denkschrift über Liberias Sklavenhandel eine Staats- frife in dieser Negerrepublik herbeigeführt haben. An Abessinien haben sich die Europäer — und zwar die Italiener — schon einmal heftig die Finger verbrannt. Seitdem haben sich die Engländer und in den letzten Jahren auch die Ameri'aner wiederholt bemüht, im Reiche des Negus festen Fuß zu
Objekts bedeutet, sollte auch den sauersten Philosophen munter machen. Ein anderes berühmtes Tier, der Bandwurm Friedel Darmstädter, dessen Berühmt, heit allerdings literarischer Natur ist — er ist von dem großen Düsseldorfer Hermann Harry Schmitz erfunden worden —, und dessen Seele, seinem triften Aufenthaltsort entsprechend von Melancholie erfüllt ist, müßte sich schier zur holdseligsten Schmetterlingsraupe wandeln, wenn er unversehens in Mickys Tiervariet6 geriete. (Wer weiß, in wie vielerlei Gestalt er wirklich dort ist?)
Ist es richt angesichts der universalen Lust, die Micky dem Erdkreis bereitet, eine Schande, daß man den Namen ihres Vaters und Erfinders nicht weiß? Eines Mannes, dessen genialer Humor unmittelbar neben dem Chaplins genannt zu werden verdient? Ist er nicht tausendmal wichtiger als die Namen der Spiel- und Aufnahmeleiter, der Prvduktionsdirek- toren und sonstigen Beteiligten, die vor jedem lächerlichen Dutzendfilm auf der Leinwand erscheinen? In irgendeiner Filmzeitung war er einmal abgebildet, und ganz klein und beiläufig stand darunter, daß er die Micky Maus erfunden habe: ein junger Amerikaner mit einem vergnügt lachenden Gesicht. Man plakatiere ihn, man lerne seinen Namen in der Schule auswendig als eines guten Mannes und Menschenfreundes. Hier stcht er, wir wollen ihn nie vergessen: Walter Disney.
Geschichten, die Gladstones Eckermann erzählt. „Die persönlichen Papiere von Lord Rendel", die jetzt in England veröffentlicht werden, enthalten hauptsächlich die Niederschrift von Gesprächen mit Gladstone. Lord Rendel, der ein naher Freund des großen liberalen englischen Staatsmannes war, ist für ihn etwas sehnliches geworden wie Eckermann für Goethe, indem er seine Aeuße- rungen schriftlich festhielt. Gladstone wußte manche hübsche Geschichte zu erzählen, so auch von feinem großen Gegner Disraeli, dem er im Privatleben die höchste Achtung entgegenbrachte. Eine dieser Disraeti-Anekdvten lautet: „Kurz nachdem Disraeli Lord Beaconsfield geworden war, kam ein junger Lord zu ihm und fragte ihn, welche Studien er wohl machen müsse, um die rednerischen Fähigkeiten zu erlangen, durch die er das Ohr des Oberhauses gewinnen könne. .Haben Sie vielleicht einen Friedhof in der Nähe Ihres Hauses?* lautete Disraelis Gegenfrage. .Jawohl', meinte der andere erstaunt. .Dann würde ich Ihnen empfehlen', sänke Disraeli, .Den Kirchhof jeden Morgen in der Frühe aufzusuchen und sich an den Grabsteinen zu üben/" Gladstone war stets ein leidenschaftlicher Verfolger jedes Unrechtes. Das veranlaßte ihn noch als ganz
fassen. Es ist ihnen vorläufig nicht gelungen — aber bei einer neuen Aufteilung Afrikas wird dieses Land nicht übergangen werden.
(Eine Neuordnung des afrikanischen Kolonialbesitzes scheint nun unmittelbar be- vorzustehen. Die Diskussion über b i e ehemals deutschen Schutzgebiete, die jetzt formal Mandatsgebiete des Völkerbundes, tatsächlich aber englische und zum geringen Teil auch französische Kolonien geworden sind, hat niemals aufgehört und wird wohl in der nächsten Zeit sehr an Umfang gewinnen. Portugals afrikanischer Besitz, vor allem die schlecht verwaltete und übermäßig verschuldete Kolonie Angola, wird feit langem von Regierung zu Regierung angeboten und als Kompensationsobjekt bei den verschiedensten Verhandlungen über ftolonialfragen benutzt. Es ist durchaus wahrscheinlich, daß diese Kolonie in ab- sehbarer Zeit den Besitzer wechseln wird. Und nun beginnt Italien, eine schon vor zwei Jahren ausgesprochene Drohung zu verwirklichen und die afrikanische Frage von Norden her aufzurollen. Die Italiener beanspruchen nämlich nicht nur Tripolis, sondern auch die angrenzenden Länder Ti-- besti und Borku für sich, mit einem Zugang zum Tsckad-See, an dem heute nur französischer und englischer Besitz Zusammentreffen, zu dem aber früher auch Deutschland durch das Kamerun-Gebiet einen Zugang hatte. Durch diesen italienischen Anspruch könnte das geschlossene Gefüge Des französischen Kolonialsystems im westlichen Afrika erschüttert werden. Abgesehen davon, welche Folgen dieser Vorstoß ganz allgemein auf die ohnehin recht gc- fpannten französisch-ital'-'-'sch-'n Beziehungen haben
alter Mann hinter einem Jungen herzurennen: „Es war in einer Straße hinter Regentstreet. (Ein Mädchen trug einen Korb mit Apfelsinen, die sie verkaufen wollte, und ein Junge nahm heiml.ch zwei der Früchte und lief mit ihnen fort. Der alte Gladstone, der das gesehen hatte, nahm sofort die Verfolgung auf, und auch als der Junge die Apfelsinen fortwarf, ließ der greife Staatsmann nicht ab, bis er den Jungen gefaßt und einem Schutzmann übergeben hatte." Manch amüsanter Zug wird auch von dem berühmten Arbeiterführer John Burns berichtet. Dieser war sehr selbst- bewußt, aber in ganz naiver Art. Als Campbell» Bannermann 1907 sein Kabinett bildete, schickte er nach Burns und sagte zu ihm: „John, ich brauche Sie für mein Kabinett. Sie müssen das Innenministerium übernehmen", worauf Burns sofort antwortete: „Sir Henry, Sie haben niemals eine volkstümlichere Tat in Ihrem Leben vollbracht!" Wenngleich er eitel war, verleugnete er doch niemals feine niedrige Herkunft und erzählte gern, wie er seine Laufbahn als Page begonnen. Ja, er leitete sogar seine Eleganz des Auftretens davon ab. Eduard VII. hatte eine besondere Vorliebe für Burns, und zwar deswegen, weil er fand, Burns sei nicht nur der bestgekleidete Mann in seiner Regierung, sondern auch an seinem Hose. Eduard, Der ja selbst als der Diktator der Herrenmode galt, war Darin ein Kenner. Da erzählte ihm Burns eines Tages, wie er zu seiner vollendeten Kleidung gelange. Er fei früher Page bei einem Obersten gewesen, der seine Livree von einem Schneider in Bond-Street kaufte. Als er dann später berühmt geworden sei, habe er sich bei demselben Schneider seine Kleider machen lallen, und dieser habe von ihm noch ein so gutes Maß aus seiner Pagenzeit, daß er ihm immer in dem alten Stil seine Sachen mache...
Zeitschriften.
— Im Februarheft Der Monatszeitschrift »W e * stermanns Monatshefte" trürDiflt Der Berliner Kunsthistoriker Dr. Paul Schndt Das Werk Des 62jährigen Emil Orl k. Der Auf atz, Der mit vielen Illustrationen versehen ist, gibt einen aufgeyiuhncten knappen aber bezeichnenden Querschnitt. „Sen äußersten Vorort von Berlin" nennt Werner v. D. Schulenburg Ascona und gibt aus seiner ci'nen Anschauung einen ebenso wi^igen wie kritischen Entwicklungsbericht Dieses Wink-ls am Lago Maggiore. Eva Volkmayn plaudert über; „ötil im Sy-im unD in Der Ge'olligke't". Die vielen färb'gen Abbildungen werden D'z l beitragen, Daß gerade dieser Artikel jeden intere fiert Außerdem beginnt in Diesem^Hrft Der neue g oße Nvman von Irmgard Spangenberg „Alles um Jorindental",


