Wirischast.
Bankschwiengkeiien auch in Dänemark
Kopenhagen, 5. Oft. (WTD.) Infolge von Zweifeln an der Liquidität der „Hande l s b a n k e n", Kopenhagen, die in gewissen Kreisen zu bestehen scheinen, hat die dänische Rationalbank sich bereit erklärt, der „Handelsbanken" Mittel in einer Höhe zur Verfügung zu stellen, die diese für nötig erachtet, um allen an sie gestellten Anforderungen gerecht zu werden.
Handelsminister Hauge erklärte im Zusammenhang mit den Schwierigkeiten von „Handelsbanken", es sei selbstverständlich, daß Gelder, die von Kunden übereilt abgeholt werden, erseht werden mühten. Es mühten also andere Zahlungsmittel beschafft werden. Dies sei nach dem Versprechen der Rationalbank bei Handelsbanken der Fall. Es könne aber hierbei keine Rede von irgendeiner Inflation sein. Dem würde sich schon die Rationalbank entgegensetzen. Immerhin werde die Rationalbank jetzt ihre Kreditpolitik den Banken gegenüber mildern, so dah diese in die Lage verseht würden, legalen Geschäften Kredite zur Verfügung zu stellen, Valuten usw. Hierbei seien Valuten für den Einkauf yon Luxuswaren ausgeschlossen. Es sei seit langem allgemeine Anschauung gewesen, dah die G o l d v o r r ä t e der Rational- bank zu g r o h gewesen seien. Eine Aenderung dieses Verhältnisses müsse man in der Hauptsache als rein taktisch-technische Frage betrachten. Eine Entscheidung in dieser Angelegenheit sei jedoch noch nicht getroffen.
Erwartungen der Berliner Börse.
Berlin, 6. Oft. (WTD. Funfspruch.) Im Vordergründe der Diskussion stand auch heute wieder die geplante Hoover-Aktion, doch liegt bisher genaueres über die gestern stattgefundenen Beratungen im Weihen Hause noch nicht vor. In amerikanischen Bankkreisen geht das Gerücht, dah das Hoovermoratorium um drei Iahre verlängert werde. Sehr bedauerlich ist, dah gerade jetzt bei diesen Verhandlungen Deutschland einen Freund verloren hat durch den Tod des Senators Morrow, der immer grohes Verständnis für internationale Probleme gezeigt hat und der gerade in der nächsten Zeit als Berater der amerikanischen Regierung wichtige Aufgaben erfüllen sollte. Dem entgegen standen die Schwierigkeiten der Regierung. Reichsminister Dr. C u r t i u s hat heute um seine Entlassung gebeten. Die Grundstimmung des heutigen Freiverkehrs wurde in der Hauptsache von den schwachen Auslandbörsen bestimmt. Die Umsatz- tätigkeit war zwar nicht groß, doch fand sie auf einem Rivcau statt, das zunächst unter gestern lag, das aber später auf Deckungen wieder eine Korrektur nach oben fand. Die bekanntgewordene Zahlungseinstellung der Berliner Bankfirma Max Marcus & Co. wurde nur zur Kenntnis genommen und hatte keinen Einfluh auf die Tendenz.
Dom frankfurter Effektenfreiverkehr.
Frankfurt a. M., 5. Oft. Zum Wochenbeginn war der Geschäftsverkehr von Bureau zu Bureau s e h r st i l l. Cs lag nichts vor, was Anregung hätte bieten können, so daß die allgemeine Unsicherheit, die schon die letzten Tage gekennzeichnet hatte, weiter bestehen blieb. Eine gewisse Beunruhigung ging davon aus, daß nun auch aus DänemarkDankschwierigkeiten gemeldet wurden. Wenn sich auch die dänische Rationalbank bereit erklärt hatte, der Kopenhagener „Handelsbanken" helfend beizuspringcn, so ist der Eindruck nicht zu verwischen, daß die Lage überall reichlich unsicher geworden ist. Am
Aktienmarkt herrschte allgemein etwas schwächere Stimmung vor, dagegen blieben Rcichcschu dbuch» forderungen und P'andbriefe gehalten.
Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H.
5 Ok obtr
6 Oktober
Amtliche Notierung
Amtliche
Nottcnmg
Seiet
Geld
Srie'
telffngfort .
10.19
10,21
10,34
10.36
Lien. . . .
54,70
54.80
53,45
53.55
tßrart . . .
12,48
12.50
12,43
12.50
BudapeÜ . .
73.28
73.42
73,28
73,42
Sofia . . .
3.067
3.073
3,067
3,073
Holland . .
159.58
169.92
169,48
169.82
Calo ....
92.91
93.09
92.91
93.09
Kopenhagen.
93.41
93.59
93,51
93.59
Stockholm .
98.40
98.60
98,40
98.60
London. . .
16.03
16.07
16.03
16.12
Buenos Aires
0.923
0.927
0.913
0,922
fReunort .
4.209
4.217
4.2G9
4,217
Brülle, . . .
58,79
58,91
59,14
59.26
Italien. . .
21.38
21.42
21.48
21.52
Vari, . . .
16.68
16,72
16,70
16,74
Schweiz . .
82,32
82,48
82.42
82.58
Spanien . .
37.56
37,64
37.86
37.94
Danzig. . .
81.97
82,13
82.02
82.18
Japan . . .
2.078
2,082
2.078
2.082
Rio ve Ian..
0,194
0,196
0.189
0,191
Jugoslawien.
7.463
7,477
7.473
7.487
iiiiahon . .
14.64
14.66
14,64
14,66
Banknoten.
Serlln, 5 . Oh ober
«eld
Seles
Amerikanische Noten . . .
4.20
4,22
Belgische Noten.....
58.68
58,92
Dänische Noten.....
93.21
93.59
Englische Nolen.....
15.99
16,05
Französische Noten ....
16.67
16.73
Holländische Noten ....
169,21
169.89
Italienische Noten ....
21.46
21.54
Norwegische Noten ....
92.71
93.09
Deutsch-Celterreich, * 100 Schllluig
54,54
54,76
Rumänische Noten ....
2,50
2.52
Schwedische Nölen ....
93,15
98.55
Schweizer Noten.....
82,14
82,46
Spanische Noten.....
37,33
37,47
Ungarische Noten ....
72,75
73.15
* Der Großhandelsindex. Die vom Statistischen Reichsamt für den 30. September berech nete Indexziffer der Großhandelspreise ist mit 107,6 gegenüber der Vorwoche um 0,6 v. H. gesunken. An diesem Rückgang sind die Indexziffern für alle Hauptgruppen beteiligt: Agrarstoffe 90,4 (1 bis 1,4 v. H.), Kolonialwaren 93,7 (—0,3 v. H.j, industrielle Rohstoffe und Halbwaren 99,5 (—0,4 v. H.) und industrielle Fertigwaren 134,0 (—0,2 v. H.).
• Der Eisenerzbergbau im Lahn- Dill-Gebiet. Irn September gestaltete sich die Entwicklung im Eisenerzbergbau des Lahn- Dill-Gebiets rückläufig. Förderung und Absatz blieben teilweise infolge der eingetretenen Stilllegungen erheblich hinter dem Vormonat zurück.
* S t i l l e g u n g s a n t r a g der Mansfeld - A G. Die Mansfeld°AG. für Bergbau und Hüttenbetriebe gibt in einer Erklärung bekannt, daß die vorbereitenden Maßnahmen für die Stilllegung ihrer Betriebe in Angriff genommen seien. Die begonnenen Reubauten würden sofort eingestellt werden. Wegen der fortdauernden großen Verluste sei beim Dcmobilmachungskommisi'ar in Merseburg eine Abkürzung der vierwöchigen Stilllegungsfrist beantragt worden. Das Kupfer- und Messingwerk in Hettstedt soll weitergcführt werden.
* Darmstädter Volksbank. Die Darmstädter Dolksbank teilt mit, daß der frühere Vorstand seiner Aemter enthoben und vom neuen Aufsichtsrat fristlos entlassen wurde. Die Vorarbeiten für die Geltendmachung der Regreßansprüche gegen den früheren Reichsrat und die früheren Vorstandsmitglieder wurden gefördert und die beiden neuen Vorstandsmitglieder in ihre Aemter eingewicsen. Die Gehaltsbezüge des neuen Vorstands wurden so bemessen, daß sie gegenüber den Bezügen des früheren Vorstandes um zirka 25 000 Mark ermäßigt wurden. Außerdem wurden alle erforderlichen Sparsamkeitsmaßnahmen eingeleitet, die zur Sanierung der Volksbank erforderlich sind. Die Stillhalteverhandlungen mit dem Gläubigerausschuß dauern noch an.
Wenn Menschen auseinandeegehn
Vornan von 3- Gchneider-Foerstl.
Urhcberrechtsschutz Verlag O. Mei st er, Werdau.
4. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Er schüttelte den Kopf und blickte auf das Muster des Strohtcppichs, der das ganze Zimmer füllte. „Warum erklärst du mir nie, weshalb? Vosanhi will nicht, daß Raja meine Frau wird und du willst nicht, daß ich sie zum Weibe nehme. Hat es einmal Zwist gegeben zwischen den Do- sanyis und uns?"
„3a, Zwist, mein Iunge."
„Aber das ist doch vorüber."
„Es gibt Dinge, die nicht verjähren, Guido. Cs muß ja nicht gerade die Raja sein. Iede andere ist mir willkommen."
Er sah nachdenklich vor sich hin. „Ich habe schon so manche Frau im Arm gehalten, Großmutter, aber Raja hat etwas, das mich rasend macht. Ich weiß nicht einmal, ob das Liebe ist."
„Was sollte es sonst fein?“
Er zuckte die Schultern, erhob sich und küßte sie auf die Stirne. „Gute Rächt, du! Gute Rächt! Und gräm dich nicht. Ich bin es ja gar nicht wert."
3m Gesicht der Greisin stand eine leise Trauer. „3ch hätte so gerne noch deine Frau gesehen und deine Kinder im Arm gehalten, Guido. Aber du wartest so lange, bis es zu spät ist. 3ch habe nicht mehr allzuviel Zeit vor mir.“
Er sah sie erschrocken an. „Warum quälst du mich?"
„Quälen?“
„Du weißt, daß du es tust, wenn du vom Gehen sprichst."
Sie lächelte. „3ch soll wobl tausend 3aßre wer- den, Kind?" Von seinem Arm gestützt, erhob sie sich. Mehr von ihm getragen, als auf eigenen Füßen gehend, stieg sie die Treppe hinauf.
Vor seinem Zimmer machte sie halt. Er neigte das Gesicht und ließ sich von den zitternden Greisenhänden den Segen auf die Stirne zeichnen. „Hab' gute Träume, Guido!"
Er nahm das welke Gesicht zwischen seine jugendwarmen Finger und küßte den schlaffen Mund. „Schlaf wohl, Großmutterchen!"
Sic blieb noch stehen, bis er hinter der Türe seines Zimmers verschwunden war. Mühsam holte sie Atem.
Wenn der Haß nicht so groß wäre! Don einem Horvath zu einer Dosanyi gab es keine Drücke
Rajas schwarzes Haar, das sie dem Enkel von der Hemdbrust gelöst hatte, schimmerte nun auf ihrem Kleide. Mit spitzen Fingern nahm sie eS
hinweg und ließ es zu Boden gleiten. Hastig, als ginge eine Gefahr davon aus, wandte sie den Blick davon.
Sie öffnete eine der Türen linker Hand und ließ den Riegel vorspringen. Aus dem Raum gegenüber kam Guidos Schritt. Ein Fenster klirrte. Der arme 3ungc! Er wußte nicht, ob das Liebe ist.
Roch im Traume lag ein Ausdruck der Sorge auf ihrem Gesicht.
♦
2In Szengeryis Türe klopfte es. Er hörte nicht. Durch die Fenster kam das erste Frühlicht des Morgens und fiel auf seine geschlossenen Lider. Das Klopsen wiederholte sich und wurde zum Trommeln.
Er schnellte auf, rieb sich die Augen. „Was ist?"
„Du hast wohl verschlafen, Dela?"
„Bei Gott!" Er sprang aus dem Bett. Ein Stiefel schlug gegen die Dielen, Waschwasser plätscherte, der Schlüsses eines Schrankes knirschte. Gleich daraus siel eine Schale klirrend gegen den Waschtisch. Mit einem leisen Fluch las Dela die Scherben auf, sah Dlut über seine Finger rinnen und klebte eilig ein Pflaster auf die Wunde.
Scherben und Dlut! Das war ein böses Omen.
3m Hinunterspringen über die Treppe schloß er die Knöpfe des Rockes. Professor Török stand im Flur und sprach mit dem Verwalter. Als er Szengeryis „Guten Morgen" hörte, nickte er ihm lachend zu. „So was Schönes geträumt, Bela, daß du dich gar nicht davon losreißen konntest?"
Auf den Wangen des jungen Mannes erschien ein dunkles Rot. Er öffnete hastig die Tür zum Speisezimmer, wo Rosmarie am Tisch hantierte und Kaffee in die Tassen goß. Ab und zu fuhr ihre Linke immer wieder über die Augen.
Als Török auf die Schwelle trat, stellte sie mit einem Ruck die Kanne auf die geblümte Decke, lief an Szengeryi vorüber und flog dem Vater um den Hals. Die Wangen gegen die feinen gedrückt, schluchzte sie auf.
Der Professor stand für Sekunden wortlos, preßte das Kind noch fester gegen sich und mahnte dann mit einem merklichen Vibrieren in der Stimme: „Mußt ein tapferes Mädel sein!" Er schluckte an den Worten, „lind der Aga folgen.' Sie meint es gut. lind keine Angst haben um wich. Es gibt keine Menschenfresser mehr in Afrika, lind gräm dich auch nicht, Kind, wenn einmal lange keine Rachricht von mir eintrifft. Es läßt sich nicht immer machen."
„Vater, nimm mich mit!"
Da war es nun wieder! Wie oft hatte RoS- warie schon darum gebeten. Sobald er zu packen anfing, gleichviel wohin die Reise führte, immer wieder dieses eine: „Rimm mich mit!" lind immer wieder mußte er vertrösten: „Später, Kind! Denn du groß bist. 3etzt ist es noch zu anstrengend für
Frankfurter Eicrmarkt.
Frankfurt a. M., 5. Ott Die Beruhigung im Eiergeschäft hat in der vorigen Woche weiter angehallen. Die Zufuhren gingen zwar etwas zurück. doch war auf der anderen Seite im Zusammenhang mit dem Monatsende ein Rachlassen der Rachfrage festzustellen, die sich auch in den ersten Tagen nach dem Ultimo nicht beleben konnte. Die Preise blieben auf dem Riveau der Dorwoche gut behauptet.
Es notierten in Pf. per Stück ab loco Frankfurt (Main): Bulgaren 10,00—10,50, Iugoslawon 9.75—10,00, Rumänen 9,75—10,00, Russen 8,00 bis 9,00, Polen 9,00-9,50. Holländer 11,50-13,00, Dänen 11,00-13,50, Bayern 10,00—10,50, Dt. Frischeier 10.00—13,00. 3n- und ausländische Mittel- und Schmuheier 7,50—8,50 Pf.
Amtsgericht Gießen.
3n einem Rachöarort überfuhr ein Motorradfahrer auf der rechten Fahrstraßenseite ein vierjähriges Kind, das ihm von dem linken Fußsteig aus in das Rad gelaufen war. Ein gerichtlicher Augenschein an Ort und Stelle ergab, daß dem unvernünftigen Kinde nicht die alleinige Schuld beizumcsscn war, daß vielmehr den Radfahrer die Mitschuld traf, indem er die Fahrbahn nicht so, wie es sich gehörte, überblickte und infolgedessen das Kind zu spät wahrnahm. Der Angeklagte suhr zwar langsamer, bremste auch im letzten Augenblick; aber das Rad kippte um, und das Kind kam unter das Rad zu liegen. Es trug einen Schenkelbruch davon. Der unvorsichtige Motorradfahrer, dem immerhin Milderungs- aründe zur Seite standen, erhielt eine nicht erhebliche Geldstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung.
Ein Metallfräser, der Erwerbslosenunterstüt- zung empfing, sollte dadurch Betrug verübt haben, daß er während der Zeit, in der er solche in Anspruch nahm, eine bezahlte Stellung bei einer auswärtigen Gesellschaft inne hatte. Die Beweisaufnahme ergab zu Ungunsten des Angeklagten, daß er bei dieser zu Werbezwecken in der fraglichen Zeit beschäftigt war, daß ihm auch Bahn- und Zehrungskosten, letztere in sehr geringem Maße, bezahlt wurden, sowie daß er — und dieses Moment führte zur Anklageerhebung — einem Arbeitskollegen gegenüber äußerte, er erhalte für seine Beschäftigung 80 Mark Lohn. Schließlich war auch nicht anzunehmen, daß er umsonst arbeitete. All dem gegenüber erklärte aber der Unternehmer eidlich, der Angeklagte habe während seiner Beschäftigung keinen Lohn erhalten, und dieser bestätigte es; er zieh sich damit selbst der Lüge seinem Arbeitskollegen gegenüber, begründete sie aber damit, er habe diesem nur die Zunge lösen wollen, damit er ihm über die allgemeinen Lohnverhältnisse bei seinem Arbeitgeber aufkläre. 3m übrigen erklärte der Angeklagte, er habe nur deshalb umsonst gearbeitet, weil ihm der Unternehmer eine bezahlte Beschäftigung in Aussicht gestellt habe; bei einer solchen Aussicht esse man auch einmal zur jetzigen Zeit trockenes Brot. Auch in dieser Hinsicht sprach sich der Unternehmer, an dessen Glaubwürdigkeit zu zweifeln kein Grund vorlag, zugunsten des Angeklagten aus. Dieser wurde f r e i gesprochen.
Schöffengericht Wehlar.
Q Wetzlar, 5. Oft. Ein früherer Dahnhofs- meister aus Kinzenbach stand unter der Anklage des Derbrechens im Amte vor dem hiesigen Schöffengericht. Er hatte in den 3ahren 1930/31 den Betrag von 703,19 Mark unterschlagen. Bei einer unvermuteten Kassenprüfung wurde der Fehlbetrag festgestellt. Der Angeklagte gab die Verfehlung zu. Er will den Betrag in kleinen Teilen der Kasse entnommen haben, da er durch die lange Krankheit seiner verstorbenen Ehefrau in schwere wirtschaftliche Bedrängnis gekommen fei. Der Angeklagte wurde
dich." Und dann wieder das haltlose Weinen des Kindes.
Török löste sich aus der Umarmung der Tochter. „3ch habe noch mit Olga zu reden. Sorge, daß Bela seinen Kaffee bekommt!" Dann war er aus dem Zimmer. Der Abschied von dem einzigen Kinde riß an seinen Rerven.
Szengeryi trank seine Tasse im Stehen leer, griff nach Rosmaries Händen und fuhr streichelnd darüber hin. „Du mußt dich nicht im geringsten um den Vater sorgen. 3ch werde gewiß auf ihn acht haben und bringe ihn dir wohlbehalten zurück."
Das blasse Gesicht hob sich vertrauend zu ihm auf. „3a, Dela, wenn du das tun wolltest! — Warte!" Sie lief in das Zimmer nebenan und kam mit einem Paar selbstgestrickter Handschuhe zurück. „Ich wollte sie dir eigentlich zu Weihnacht schicken, weil es jetzt noch gar nicht kalt ist. Aber ich habe sonst nichts, was ich dir geben konnte — zum Andenken an mich."
Szengeryi sah auf die unförmlichen Dinger, die jenen ähnelten, die die Rinderhirten im Winter zu tragen pflegten und unterdrückte ein Lächeln. „Ich danke dir, Rosmarie." Er hatte sich auf einen Stuhl gesetzt und sie auf seine Knie gezogen.
„Ich zerdrücke dir dein Beinkleid", wehrte sie angstvoll. Er hatte sie schon ost gezankt deswegen. Aber heute hielt er sie fest. Unablässig ihre Hände liebkosend, suchte er nach dem Blick ihrer Augen. „Wenn ich wieder zurückkomme, wirst du ein großes Mädchen sein."
Ein Schimmer von Freude flog über ihr Gesicht. „So groß wie die Raja jetzt."
„Dann muß ich Fräulein zu dir sagen", lächelte er.
„Du bist verrückt." Aergerlich suchte sie von ihm frei zu kommen.
Er hielt sie nur noch fester an sich gedrückt. „Schenk mir noch einen Kuß zum Abschied! 3a?“
Willig legte sich ihr keuscher Mund auf den seinen. Sie fühlte, wie sein Körper zitterte, und ließ ihre Augen erstaunt auf ihm ruhen. „Was ist dir? Hast du Angst vor dem Gehen, Bela?"
„3a, Rosmarie."
Eie wurde in diesem Moment ganz mitleidiges Weib und fuhr, ohne auf seinen sorgfältig gezogenen Scheitel zu achten, ihm zärtlich über das Haar. „Du kommst ja wieder. Dela. Dann hol ich dich ab an der Station, oder ich reite dir ein Stück entgegen."
Er nickte und senkte den Kops gegen ihre Drust. „Vergiß mich nicht, Rosmarie!"
„Vergessen? Rein." Sie schmiegte sich fester an ihn. „3ch habe ja nicht an viele Menschen zu denken. Rur an Vater, dich und Guido Horvath."
Guido Horvath! Da war es wieder. Szengeryis Gesicht wurde ganz fahl.
Török trat in den Rahmen der Tur, sah das verstörte Gesicht feines ehemaligen Schulers und.
wegen Verbrechens tm Amt zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Außerdem wurde ihm die Fähigkeit zur Dekleidung eines öffentlichen Amtes auf die Dauer von drei 3ahren aberkannt. Dem bisher unbescholtenen 60jährigen Angeklagten wurde unter der Voraussetzung, daß V. der Reichsbahn den Schaden ersetzt, eine drei
jährige Bewährung^ frist erteilt.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem
Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Kleines Erlebnis in einer Diertelstunde.
Dieser Tage hatte ich auf einer hiesigen Dank etwas zu tun, mußte aber eine kurze Zeit warten, weil ein 3üngling eines hiesigen Geschäftes für eine Pariser Firma etwa 100 Mk. für Parfümerien einzahlte. Don der Dank ging ich auf den Wochenmarkt, um etwas Obst zu kaufen. Auch hier mußte ich einige Zeit warten, weil zwei Damen ausgerechnet ‘Bananen kauften Als ich sie darauf aufmerksam machte, daß es hier doch vorzügliches deutsches Obst gibt, und daß es eine Schädigung unserer Wirtschaft bedeute, ausländisches Obst zu kaufen, erhielt ich von beiden die Antwort ..Ei, unser Enkelcher esse die Danane so gern.“ Ich konnte nur erwidern: „Wahrscheinlich haben Ihre „Enkelcher" noch nie gutes deutsches, viel gesünderes Obst vorgesetzt bekommen." Unter Obst kommt um, und ‘Bananen werden gekauft. G.
Seid nicht so mitteilsam mit eurer Freude!
Es ist gut, daß es in der heutigen Zeit noch Leute gibt, die sich mit Sjuihor über die Alltagssorgen Hinwegsehen können. Iedoch sollten sie mehr Rücksicht, besonders in den Rachtstunden. auf ihre Mitmenschen nehmen. Leider war cs in der Rächt zum Sonntag nach einer Festlichkeit, daß die Anwohner der Sonnen st raße und Umgebung (welche ja immer sehr viel darunter zu leiden haben) wieder einige Stunden ihrer Rachtruhe einbüßten. Unter den heimkehrenden Festteilnehmern waren mehrere Damen, die sich besonders durch Iohlen, Lachen und Singen am meisten und unangenehmsten bemerkbar machten. Dieses Lärmen wirkt nicht nur ruhestörend, sondern es erweckt auch Erbitterung bei denen, die sich mit Mühe und Rot durch die heutige schwere Zeit hindurchringen müssen. Kann denn nicht jeder so viel Selbsterziehung in sich haben, um dieses Lärmen zu unterlassen? Muß erst die Polizei Einhalt gebieten?
Cin Einwohner der Sonnenstraße.
Letzte Nachrichten.
NckttWgesuch des Reichsaußenminifiers
Berlin, 6. Off. (IDIB. Drahtmeldung.) Der Reichsminister des Auswärtigen, Dr. Eurtius, hat am Samstag, dem 3. Oktober, an den Reichskanzler folgendes Schreiben gerichtet: Sehr geehrter Herr Reichskanzler! 3n der Unterredung, die wir am Tage nach meiner Rückkehr aus Genf hatten, habe ich Ihnen erklärt, daß ich ohne Rücksicht auf die parlamentarische Lage aus der Reichsregierung ausscheiden wollte. In unserer Besprechung blieb die Frage des Zeitpunktes und der Form offen. Ich halte es nunmehr für erforderlich, über mein Ausscheiden alsbald Klarheit zu schaffen; deshalb bitte ich Sie, bei dem Herrn Reichspräsidenten meine Entlassung zu beantragen. 3n ausgezeichneter Hochachtung Ihr sehr ergebener gez. E u r t i u s.
Reichspräsident o. Hindenburg empfing in den Rlittagsstunden den Minister Eurtius zum Borfrag. Dr. Eurtius machte dem Herrn Reichspräsidenten davon Mitteilung, daß er dem Reichskanzler sein Abschiedsgesuch oorgetegt habe.
wie dieser das Kind an sich gepreßt hielt. Seine Stimme klang strenge mahnend: „Rosmarie, man seht sich mit fünfzehn Iahren nicht mehr auf die Knie eines Mannes!"
Ohne ihren Sitz zu ändern, blickte sie dem Dater aus verwunderten Augen entgegen. „Es ist ja nur Bela, Dater."
Der Vater stand entwaffnet, trat rasch hinzu und zog sie zu sich empor. „Dleib brav, mein Kind!" Seine Stimme versagte.
„3a, Dater.“
„Unb gehorche der Olga, als wäre ich es selbst.“ Ein Ricken.
„Und nun verabschiede dich von Dela!"
Rosmarie entwand sich dem Arm deS DaterS, sah einen Augenblick stumm in Szengeryis schmerzverzogenes Gesicht, bann warf sie die Hände um seinen Hals und drückte die Wangen an sein Gesicht. Török mußte wegsehen.
„Du sorgst dafür, daß Dater nichts zustößt?“ bat sie flüsternd.
„3a, mein Liebes. Aber du darfst nicht mehr weinen. Es wird ihm sonst zu schwer."
Sie wischte eilig die Tränen weg und ging gefaßt zwischen den beiden Männern nach dem Garten, an dessen offenem Tor der Wagen wartete. Quer über die Felder kam ein Mann gerannt, geradewegs auf sie zu.
„Guioo!" rief Szengeryi erfreut.
„3ch habe schon gefürchtet, ich komme zu spät.“ Der Geiger keuchte in raschem Atmen. „Cs wäre mir furchtbar leid gewesen." Gr hielt den Schlag für den Professor geöffnet, der als erster in den Wagen stieg.
Dela sprang nach. Rosmarie stand auf der rechten Seite und hielt die Hand des Vaters umklammert, die sich ihr nochmal entgegenstreckte.
„Es ist Zeit", mahnte der junge Mann auf dem Kutschbock.
„Leb wohl! — Auf Wiedersehen! — Auf Wiedersehen!"
Die Pferde zogen an. Aga winkte unter der Ture mit ihrem großen Taschentuch und führte es ab und zu verstohlen an die Augen.
Szengeryi sah zurück. Das Licht der Morgensonne überflutete die Steppe, die fern am Horizont mit dem Himmel in eins verschmolz. Dunkelbraun, wie der Leib einer Südländerin, von der blauen Kugel deS Firmamentes überdacht, ruhte die Ebene. Gleich rieselndem Gold schwankten die Weizenfelder im Frühwind.
2luf dem staubigen Weg, der als schmales Dand durch das Gelände zog, glitt der Wagen mit leichtem Geholper dahin. Pappelgruppen hoben sich in der Feme von der hellen Tonung deS Himmels ab, wurden bald kleiner, bald größer. Der Horizont dehnte sich über brennend gelbe Rapsfelder und senkte sich wieder.
(Fortsetzung folgt)


