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6.7.1931
 
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und seht darf er OH unb schieben.

Ion selbst die Bissen in deir Säugling ist nicht mehr

Erweitertes Llmformverbot in München.

Landetzpolizei besetzt daö Braune HauS.

München, 4. Juli. (WTB.) Die Polizei- direktion München erläßt mit sofortiger

das noch viel stärker brennt, als das vom weihen Gott.

Das Baby trägt jetzt eine dunkelgelbe Drille, sitzt im Liegestrthl auf dem Dalkon und raucht heimlich eine Zigarette. Eigentlich darf es na­türlich nicht rauchen, das weihe Wesen hat es streng verboten, aber gerade deshalb schmeckt die Zigarette so gut.

Diel schlimmer ist, was das unartige Daby beim Waschen anstellt. Aber das ist nicht ganz seine Schuld. Das weihe Wesen glaubt näinlich dah ein Daby sich in einer Rußschale waschen kakln. Dies ist aber ein Irrtum. Und die Folge dieses Irr­tums ist, dah beim Waschen das ganze Zimmer überschwemmt wird. Allerdings macht das Spritzen dem Daby nebenbei auch Späh. Das weihe Wesen kann aber diesen Späh nicht begrei­fen. Das weihe Wesen meint, das Waschen sei überhaupt überflüssig.

Das Daby wird wird immer großer und läuft schon allein im Garten herum. Aus einem Kiesweg immer in die Bunde: von rechts nach links, und von links nach rechts. Auch andere Wesen spazie­ren da herum, meist unwahrscheinlich dicke Frauen, mit sinnend-verträurntern Blick, die selbst ein Baby erwarten. Dann und wann wird auch ein Kleines auf den Qlpnen herurngetragen. Jetzt merkt das Baby, dah es eigentlich gar kein Daby mehr ist. Zum ersten Male betrachtet es sich im Spiegel und erschrickt: ein langhaariger bärtiger Mann starrt ihm hinter dunklen Brillengläsern entgegen.

'21 nd) der weihe (Bott meint, das Baby sei nun groß genug, um allein in die Welt hinaus zu spa­zieren. Eo kann mit beiden Augen sehen, mit beiden Beinen gehen, mit beiden Händen zupacken. Das Baby ist teils froh, teils traurig. Es freut sich, end­lich in die Welt hinauszukommen, ober es ist trau­rig, das kleine Paradies mit dem weihen Gott, ja, auch das strenge weihe Wesen zu verlassen. Denn nur im Paradies schmeckt ein verbotener Apfel, ober eine verbotene Zigarette gut. Auch hat es etwas Angst vor der Welt da drauhen. Kein lieber Gott wird sich persönlich nach seinem Befinden er­kundigen. ...

Dav Baby packt melancholisch fein Köfferchen, nimmt Abschied vom Zimmer, vom kleinen Balkan, vom Garten. Am Gittertor steht das weihe Wesen, streng wie ein Erzengel, aber ohne Schwert. Der

Wirksamkeit eine ortsvolheiliche Borschrift, wonach es verboten ist, auf öffentlichen Wegen, Strahen und Plätzen einheitliche Kleidung (Uni­form, Bundestracht) sowie Armbinden zu tragen, durch die die Zugehörigkeit zu einer politischen 'Bf" einigung oder zu einer Schutzeinrichtung einer sol- chen zum Ausdruck gebracht wird. Die Borschrift tritt am 15. Juli 1931 auher Kraft. Samstag gegen 13.45 Uhr fuhren drei Lastautos der Grünen Lan­despolizei vor dem Braunen Hans, dem Sitz der nationalsozialistischen Parteileitung in der Brien-

beginnt sich die Spannung zu lösen. Noch ist eine vollständige Einigung in Paris nicht erzielt. Wir zweifeln aber nicht an der Sicherung des Feier- ;ahreS und der Erleichterung für das deutsche Dolk. Wir hegen die Hoffnung, dah die Durch­führung des großen PlaneS des Präsidenten Hoover eine neue Phase der Weltwirtschaft ein* leiten und die Dahn freimachen wird für ver­trauensvollere Zusammenarbeit der Dölker zur Stabilisierung eines dauerhaften, gerechten Frie­dens. Dem deutschen Staat, seiner Befreiung, seiner Erneuerung galt Stresemanns Werk. Doch wenige Stunden vor seinem Tode hat er sich mit dem Plan einer grundlegenden Deform der Organisation des Reiches besaht.

Als er seine Augen schloß, war die Befreiung der Rheinlande gesichert, Deutschland wieder ein mäch­tiger Faktor der Weltpolitik. Mit Recht steht sein Eyrenmal am Rhein, mit Recht zieren dessen Steine die Worte:Der Freiheit der Rheinlande, der Größe des deutschen Batcrlandcs. Zwischen jenem Tiefstand und diesem Höhepunkt liegt ein gewaltiges Ringen mit geistigen Waffen um Ruhr und Rhein, liegt die Entwicklung einer Außenpolitik, die Zusammen­arbeit und Berständigung der Völker erstrebte, die ein neues, glücklicheres Europa, einen Ausgleich der Spannungen, vor allem zwischen Deutschland und Frankreich, herbeiführen wollte. Die Achtung, Be­wunderung und Liebe, die Stresemann sich bei inter­nationalen Kongressen, in erster Linie in Genf, er­warb, beruhte auf den Grundsätzen seines Wollens. Wir aber gedenken des Vaterlandes, das er mit der ganzen Glut seines feurigen Herzens aelicbt und für dos er alle feine Kräfte hingegeben hat: Unser ge- liebtes Deutschland lebe hoch!"

Dr. Curtius legte darauf im Namen des Reichs­präsidenten vor der Herme Stresemanns einen prächtigen Kranz nieder.

Aus aller Welt.

Schwere» Gewitter über Berlin.

Heber Berlin ging Sonntagnachmittag ein auergewöhnlich schweres Gewitter nieder, in dessen Derlauf erheblicher Schaden durch zahlreiche Blitzschläge und durch wolkenbruch­artigen Regen angerichtet wurde. Im Schil- lerpairk fuhr ein Blitz in einen Baum, unter den sich ein Mann und eine Frau vor dem ilntoetter geflüchtet hatten. Der Mann wurde von dem DUH auf der Stelle erschlagen: die Frau, die be- wuhtlos' ins Krankenhaus übergeführt wurde, scheint am ganzen Körper gelähmt zu sein. Im Südwesten Berlins schlug der Blitz in eine Hochantenne, sprang auf den Schorn- stein über und suchte sich dann einen Weg an den durch das Haus gehenden Drähten. Dadurch erhielt ein Rundfunkhörer einen elek­trischen ©d) lag, der, wie der Arzt feststellte, eine schwere Beschädigung des Gehörganges her- beiführte. In Tempelhof setzte ein einschlagender Blitz ein Siedlungshaus in Brand. Der Brand konnte aber so schnell gelöscht werden, daß nur ein Teil der Dachkonstruktion zerstört wurde. Während des Gewitters trat auf dem Tegeler See bei der Insel Scharfenberg eine Wasser­hose auf. Drei Paddelboote wurden von dem Strudel ergriffen. Eines von ihnen kenterte. Die Rachforschungen des Wasserschuhes nach dem Besitzer sind bisher ergebnislos verlaufen.

(Ein Cabcnfaffcnräubcr

bei der Tat überrascht und erschofsen.

In Recklinghausen hatte ein Handwcrks- burs'che den Versuch gemacht, die Kasse einer Schankwirt schäft auszuplündern, wurde aber to­be i durch d i e Wirtin gestört. Auf ihre Hilferufe eilten ihr 21iähriger Sohn und ihre Tochter herbei, worauf der Einbrecher auf seinem Fahrrad die Flucht ergriff. Dor der Tür sandte ihm der Wirtssohn eine Kugel nach, die den Flüchtenden so unglücklich am Kopfe traf, dah der Tod sofort eintrat. Die Ermittlungen der Rdordkommission sind mxb nicht abgeschlossen.

Wieder mal Säugling.

Eindrücke nach einer Augenoperation.

Don Siegfried von Vegesack

Ich bin wieder Säugling und liege fest ein- getoidelt, den Kops in einer Haube, auf den Rücken. Und zwar bin ich ein Daby jener fernen Zeiten, als die Kinder wie junge Hunde noch ohne Augen zur Welt kamen: meine Stirn ist ver­bunden, ich kann nichts seheü. Ich kann nur mit den Händen hin und her tasten, mit den Deinen ein wenig zappeln, aber ich darf mich nicht ab- ftrampeln, ich muß ganz ruhig liegen. Ich be­fühle das glatte Laken, die weiche Decke: alles ist neu und sonderbar.

Dann und wann wird mir etwas vor den Mund geschoben und ich muh den Mund auftun. Ich sperr ihn weit auf, wie ein hungriges Spatzenjunges, und etwa- Warmes, Flüssiges wird mir zwischen die Lippen ehigetrid>lcrt. Trotzdem ich mir große Mühe gebe, möglichst brav und ordentlich alles herunterzuschlucken, geht manches doch daneben, auls Sabbellätzcheir, das man mir vorsorglich um­gelegt hat. Manchmal halte ich auch ben Mund erwartungsvoll aufgesverrt. ober die Mahlzeit ist schon beendet. Enttäuscht sinke ich in das Kissen zurück.

Als Säugling hat man eS nicht leicht. Riemanb versteht einen, und man versteht nlemanbcn. Diese Welt, auf die man plötzlich verschlagen wurde, ist fremd und voller Rätsel. Da wird man z. D. am Morgen ans süßem Schlaf geweckt, die warme, schützende Hülle wird von, Kopf entfernt, etwas schrecklich Blendendes, Brennendes sticht, geheim­nisvolle Dinge bewegen sich und verfchwinden wieder im Dunkel. BIS eines Tages nur das eine Auge Derbunbcn wird, und der Säugling stau­nend das sogenannte Licht der Welt erblickt.

Dom Licht bekommt er anfangs eigentlich nicht blei zu selben: die Fenster sind von dunklen Rol­läden verschlosfeir, nur durch einen Spalt dringt ein blasser Streifen in die Dämmerung. Aber das genügt, um mit dem einen Auge Entbeckungswan- derungen zu unternehmen. Da stehen überall rät- sclhasie Dinge teils viereckig, teils rund, teils hell, teils dunkel. Am sonderbarsten ist daS weiße Ge-

nerstraße, vor. Die Aktion der Landespolizei grün­det sich auf die Verordnung der Staatsregierung, die das Uniforrnoerbot erweiterte und hatte zum Ziele, diese Verordnung durchzuführen. Das mit der Durchführung beauftragte Kommando der Landes­polizei befetztedasBrauneHaus und stellte Posten im Umkreise auf. Sämtliche in Uniform be­troffenen Angehörigen der SA. wurden mit den Kraftwagen zur Polizeidirektion zwecks Feststellung ihrer Personalien gebracht. Sie wurden dann wieder entlassen.

Protestdemonstrationen.

München, ».Juli. (WTB). Am Samstagabend bildeten einige hundert Nationalsozialisten am Karolinenplatz Sprechchöre und verteilten Auf­nahmeformulare für die NSDAP. Eine Polizei- Hundertschaft zerstreute die Demonstranten. Ein neugebildeter Zug Demonstranten drang unter Ab­singen von nationalsozialistischen Liedern und unter nationalsozialistischen Kampfrufen über den Karo­linenplatz bis zur Neuhaufcr-Straße vor. Beim Er- scheinen berittener Polizei und des Ueberfallkom- mandos entwichen die Demonstranten. Wegen Teil­nahme an Demonstrationen, Verletzung des Bann­kreises, Beamtenbeleidigung u.ä. wurden 19 Na­tionalsozialisten fest genommen, von denen sechs dem Schnellrichter vorgefichLt wurden.

Auch am Sonntag kam es zu Zwischenfällen zwischen Nationalsozialisten und der Polizei. Zum Standkonzert im Hofgarten waren zahl­reiche Nationalsozialisten erschienen, die als Er­kennungszeichen'in auffallenderweise denVölkischen Beobaiyter" zur Schau trugen. Als Kriminalbeamte hiergegen einschreiten wollte, rotteten sich die Natio­nalsozialisten zusammen und gingen gegen die Beamten tätlich vor. Dabei wurde nach der Mitteilung des Polizeiberichts ein Beamter niedergeschlagen. Die Musik unterbrach das Konzert und ruckte ab. Ueberfallkommandos trieben die Demonstranten auseinander. Fünf National­sozialisten wurden scstgenommen und dem Schnellrichter übergeben. Nach 16 Uhr kam cs in der Nähe des Karolinenplatzes zu einer Schlä­gerei zwischen Nationalsozialisten und politischen Gegnern, wobei abermals Ueberfallkommandos aus­rücken mußten und vier Personen festgenommen wurden.

pltel deS Ruh-rkampseS flog, wuchs er als Kanzler beS Deutschen Reiches zum Staatsmann heran. Der Weg Gustav Stresemanns war von diesem Tage an ein ständiger Kampf feines weit in die Zukunft blickenden staatsmännifchen Sin- neö mit dem lodernden Feuer vaterländi­sch e r Le i de n f ch a f t, das auch in seiner Brust brannte. Er sah, daß sein Dolk den Weg in die Freiheit nur finden konnte, to-eitn beides zuein- andcrkam, das vaterländische Herz unb der kühle, nüchterne Sinn für die beherrschenden Tatsachen dieser Welt.

WaS wir tun und erstreben können, was wir Deutsche heute planen und wollen, ist, das sage ich aus tiesstem Inneren Glauben, nur möglich, weil Stresemann mit seiner ganzen Kraft und seinem Leben denKampf um die Freiheit deS Rheins geführt und gewonnen hat. Leicht spinnen sich die Gedanken von den Tagen seines Wirkens hinüber zu denen, in denen wir heute leben. Das deutsche Dolk hat unsägliches Leid in diesen zwei Jahrzehnten erfahren. In Leiden und Blut, in Opfer und Hingabe, in Zerstörung und Enttäuschung, aber auch in kraftvoller Treue und in Einigkeit in solchen Jahren wächst der unbeirrbare Wille zur Freiheit und Selbstbehauptung empor. Volle Vater- wandliebe und Zusammenarbeit unter den "Völkern sollen und dürfen Bein Gegensatz fein. Wo die Freiheit unterdrückt, wo Stolz und Ehrgefühl zertreten werden, dort wächst die Giftsaat der Zerstörung auf. Möge dieser Tag nicht nur ein Tag der Dankbarkeit sein, nicht nur ein Tag der Ehrung des rheinischen Volkes und des deutschen ManneS Stresemann. Möge er ein Tag der Mahnung sein brinnen wie brausten: Wer ble Rettung der Völker Europas wirklich will, ber muh Einheit, Freiheit unb Sicherheit des Volkes wollen, bas in Europas Mitte wohnt.

Unmittelbar nachdem Abg. Dinaeldev seine Rede beendet hatte, stieß ein unter den Fahnen- Deputationen in unmittelbarer Rähe des Mikro­phons für die CRunbfunf-ikbertragung stehender, unauffällig gekleideter Mann den RufDeutsch­land erwache!" aus, der natürlich auch über die cmgeschlossenen Rundfunk enber zu hören war. Der Detressenbe würbe sofort von Polizeibeamten fest­genommen.

Dann erklang Stresemanns LieblingsliebAm Brunnen vor dem Tore". Dann schloß sich

die Weiherede des Reichs­außenministers Or. Curtius:

Ich komme van der Stätte des Wirkens Strese­manns, die in den letzten Wochen gleichsam mit politischer Hochspannung geladen war. Nur langsam

Säugling: er ist zum vernünftigen Baby heran­gewachsen. Unb Die Mahlzeiten sind die Höhe­punkte seines Daseins. Die übrige Zeit verbringt er in einem Dämmerzustand, halb schlafend, halb wachend.

Aber bald macht das Baby die Entdeckung, daß es etwas noch viel Mächtigeres gibt, als das weiße Wesen. DaS ist der weiße Gott, der jeden Morgen erscheint und sich persönlich nach dem Be- slnden beS Babys erkundigt. Der weiße Gott hat ein helles weißes Licht in ber Hand, und komische viereckige Gläser auf ber Rase, und damit sieht er dem Baby in das Auge, das noch verbundeni wirb. Das Licht sticht und tut weh, aber ber weiße Gott hat eine so freundliche, ruhige Stimme, baß das Baby ganz still hält. Dann nimmt der weiße Gott einen Wattebausch unb streicht vor­sichtig über baS Auge. Das tut so wohl nach dem blenbenden Licht, daß das Baby nur noch einen Wunsch bot: ber weiße Gott möchte immerfort fein Auge streichen. Aber ber weiße Gott hat natürlich noch viele andere Babys, für die er sor­gen muß, nicht einmal am Sonntag hat er Ruhe, unb so verschwindet er bald, unb nur das anberc strenge Wesen bleibt zurück.

Mit diesem weißen Wesen hat es das Baby nicht leicht. Unb je größer daS Baby wird, desto strenger wird eS vom weißen Wesen überwacht, damit es nur ja nichts Schlimmes anftellt. Denn jetzt ist ble gefährliche Zeit gekommen: daS Baby macht seine ersten Gehversuche, fünf Schritt vom Bett bis zum Feigster, und fünf Schritt vom Fenster bis zum 'Bett. DaS Baby ist sehr stolz auf diese Leistung, ja, eS wagt sich sogar auf den klei­nen Balkon hinaus unb lernt hier eine ganz neue Welt tonnen: grüne Dämne, blauen Himmel, ein Stück braune Mauer, unb ein großes runbeS Licht,

chöpf, bas dann und wann wie ein Wesen einer »öheren Welt erscheint, merkwürdige Laute von ich gibt und seltsame Dinge verrichtet. Es bohrt dem Säugling etwas Blitzendes, Hartes unter den Arm, befühlt sein Handgelenk, unb kritzelt dann etwas auf eine Tafel, die über ihm an ber Wand hängt.

Dieses weiße Wesen, - bas merkt der Säug­ling bald, -- ist allmächtig: ihm muß er sich fügen. Das weiße Wesen bringt ihm das Essen

Am Vorabend der Enthüllungsfeier.

Ein Festakt in der Mainzer Siadthalle.

WSR. M a l n z, 4. Juli. Der eigentlichen Vnt- hüllungsseier des Dlresemann-EhrenmalS in Mainz ging am Samstagabend ein Fe ft a kt in ber S ta othalle voraus, den ber Mainzer Ovchesterverein mit der Prometheus-Ouvertüre von Beethoven einleitete. Der Präsident deS Ar­beitsausschusses, Dr. Baurn, begrüßte sodann bic Festversammlung. Im Hamen der Stadt Mainz entbot Oberbürgermeister Dr. Ghrh a r at Willkommensgruß und Dank all denen, die sich eingefunben hatten, den Befreier des Rheinlan- beS zu feiern.

ES folgte eine Reihe musikalischer und künst- lerischer Darbietungen. $ann ergriff

der hessische Staatspräsident Or h. c. Adelung

baS Wort: Hessen nimmt an dem Ereignis, daS unS zusammengeführt hat, lebhaftesten Anteil! Denn, wie dem Lande die schwersten Lasten der Besetzung auferlegt waren, fo empfand es auch am unmittelbarsten die Erleichterungen, die die Räumung der besetzten Gebiete mit sich brachte. Ein besonderes Maß von Dankbarkeit verbindet deshalb Hessen mit Gustav Stresemann, und wir begrüßen e« besonders, daß das Denfmal, daS sei­nen Rarnen trägt, in Mainz errichtet wurde. ES kündet der Gegenwart unb den späteren Geschlech­tern die BesatzungSnot, eS kündet, daß eS einem hervorragenden deutschen Staatsmann in schwer­ster Zeit gelungen ist, für fein Vaterland einen weithin sichtbaren Erfolg zu erzielen unb einen wesentlichen Schritt vorwärts zu kommen auf bem Wege zur Freiheit. Don ber vollen Freiheit unb Gleichberechtigung im Rate der Dölker flnb wir allerdings noch toelt entfernt. Unb mit großer Sorge blicken wir gegenwärtig nach Paris, ob man dort wohl ble für die Befriedung ber Völ­ker so ungeheuer wichtige Stunbe recht erkennen unb ben Weg finden werde, ber zur Gesundung! ber wirtschaftlichen Lage führt. Daß baS Werk Stresemanns zur Vollenbung komme, daß Deutschland wieder ganz frei toerbe, daß auch daS deutsche Dolk an der Saar wieder zu und zu­rückkehre, ist unser heißer Wunsch. Wer auch immer hierher kommen mag nach Mainz, soll sich in Ehrsurckt neigen vor dem Ehrenmal beS Füh­rers ber deutschen Defreiungspolitik, soll gelo­ben, öS ihm gleich zu tun an wahrer Vaterlands­liebe, an Opfermut und Pflichttreue, es aber auch gleich xu tun den deutschen Männern unb Frauen am Rhein, bic dieses schöne deutsche Land ihrem Volke erhalten haben. Wenn das deuische Volk Gustav Stresemann ehrt, bann ehrt es sich selbst.

Mit einer weiteren Ansprache bes ReichstagS- präflbenten Löbe und einer Festrede des Kasseler OberstudiendirektorS Dr. Becker fand ble Feier ihr Ende.

Oer Weiheakt.

Dingcldey unb CnrtinS sprechen am Denkmal.

Mainz, 5. Juli. (WTB.) In ben frühen Morgenstunden kündigten Böllerschüsse die Feier der Einweihung des Stresemann-Ehrenmals an. Die öffentlichen Gebäude unb viele Privathäuser hatten geflaggt. Auf bem Rhein vor bem De>nk- ' mal hatten Schiffe sestgemacht, auf denen Tau­sende von Zuschauern ble Feierlichkeiten mit- eklebten. Während vom ChorAus tiefer Rot" - und die HymneDie Himmel rühmen des Ewigen Ehre" vorgetragen wurden, kreiste ein Flugzeug über den'Platz unb warf einen Blumenstrauß mit der WidmungDem Befreier der Rhein- lande!" aus der Höhe herab. Rachdem die Hülle von dem auf der Vorderseite in Stein gemeißel­ten Reichsadler gefallen war, hielt

Reichstagsabgeordneter Oingeldey

ble Gedächtnisrede.

In jenen Tagen, In denen Gustav Stresemann blutenben Herzens den Schlußstrich unter das Ka-

gule weiße Gott ist verschwunden. Das Baby ist erwachsen und marschiert in die große Welt hinaus....

AlfönsXIU.

und das Attentat von Barcelona.

Er mußte der Revolution weichen, unb viel­leicht war es eine geschichtliche Rotwendigkeit. Gr ist 'm guter Form gegangen, und das war so gescheit wie manche kluge Handlung seiner oft stürmisch bewegten Herrschaft. In einem mit farbigen Impressionen von 'Paul Paeschke illu­strierten Beitrag des Iulihcftes von V e l h a g c n & Kinsings Monatsheften wird eine Erinnerung an König Alfons mitgeteilt und so die Eigenschaft beleuchtet, welche ihm mehr als einmal den gefährdeten Thron gerettet hat: der Mut.Als ich die ersten spanischen Ferientage in Sau Sebastian verlebte, weilte der königliche Hof gerade zur Badekur in dem herrlichen Seebaoestädtchen. Der König und die Königin kannten hier kein strenges Zeremoniell. Sie be­wegten, sich frei auf Der mit Tamarisken be­pflanzten Promenade unter ben eleganten Bade­gästen, und als sie dem beliebten baskischen Pelotaspiel beiwohnten, gab es keinerlei Po­lizeiaufgebote, keinerlei Absperrungen.'Das Pe- lotaspiei wird mit harten weißen Bällen und schauselförmig gekrümten Schlägern gegen eine hohe Steinmauer gespielt. Körrig Alfons liebtö es sehr. Ich sehe ihn noch in bem dichtgefiillten Pelota-Hous dem Sieger begeistert Beifall spen­den. Das Spiel war zu Ende, die Tribünen leer­ten sich. Tausende umringten den Platz. Aber eS gab keinerlei Gedränge. Auf Alfons XIII. war erst wenige Tage zuvor in Barcelona ein Atten­tat auSgeübt werden, bem er nur wie durch ein Wunder entgangen war. Es machte einen tiefen Eindruck auf mich, die vertrauensvolle Ruhe zu sehen, mit der ber schlanke junge König sein Auto bestieg. In bem offenen Wagen blieb cr aufrecht stehen, seine Basken begrüßenb. .Hier bin ich, hier ist mein Schabe", schien er zu sagen, .aber ich weiß, daß ich nirgends in meinem Königreich so sicher bin, wie in eurer Mitte!« Königlicher Mut sprach sich in den großen dunklen Augen aus. iinter Viva-Rufen rollte das Gefährt bem Sommersitze an Der Concha b'oro zu."