Freitag, 6. März 1951
ssießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberbeilenf
kr. 55 Zweites Blatt
Nachdruck verboten
24 itortlefiung
entgeistertes Lächeln.
plötzlich über'
„Zieh dich endlich um. sonst bist du morgen krank Ist und trinf und geh dann schlafen. Gute Rächt!"
Er ging und zog die Tür hinter sich zu.
Annemarie starrte auf die Tür: mit beiden Händen faßte lie nach der linken Brust, weil das Herz laut und schmerzhasi (jammerte.
„Charles Kent! Charles Kent!"
Diesen Hamen schien das Herz zu rufen, und em Wunderlames Gefühl beschlich das Mädchen.
Fast unbcwustt völlig im Bann seines Willens, leincr Persönlichkeit zog das Mädchen sich aus, hüllte sich in die Sachen, die er gebracht. Und die ihm selbst gehörten.
Annemarie senkte i at Gesicht ties aut die Brust. Da stieg aus dem gesteppten Schlafrock ein herbes Parfüm zu ihr aus Das Mädchen erzitterte b.s ins Herz hinein. Regungslos blieb sie stehen.
Die Klerder waren viel zu weit und zu lang. Sie konnte keinen Schritt vorwärts tun. sonst wäre sie gestürzt
Rach einer Weile setzte sie sich aut das äußerste Ende des Ruhebettes Sie nahm eines der runden Biskuits goß in das Glas ein wenig Wein und trank Dann knabberte sie das Gebäck.
Wie geborgen sie sich fühlte.
Und dort drüben weilte Charles Kentl
Wie jung er aussah!
Seltsam sic fürchtete sich nicht vor ihm. Ober doch? Warum nur klopfte ihr das Herz fo stürmisch? Und sie hatte doch vorhin bte Wahrsten sagen w""'en? Warum hatte sie es nun nicht getan? W il seine freundliche Fürsorge ihr ledes Wort uo^elchnitten hatte? Aber et muhte es doch erfahren daß sie Annemarie von Wends- brück war? Das andere war doch Betrug?
Annemarie legte das zweite Biskuit aut den Teller zurück Sie konnte plötzlich nichts mehr essen
„Betrug, Du hast dich durch einen Betrug m lein Haus geschlichen" dröhnte es rings um sie.
Und eine andere Stimme flüsterte lockend, geheimnisvoll
„Wenn et erfährt, wer du in Wahrheit bist, wird er dich erbarmungslos wieder hinausstoßen, denn Charles Kent haßt die Frauen."
Annemarie legte sich zurück kroch unter die Felldecke, vergrub das Gesicht in die weichen Kissen Und da stieg es wieder herb und duftend zu ihr aus Charles Kents Par üml
Ganz still lag Annemarie, log den Duft in sich hinein dachte
„Ich will vergessen wer ich bin; ich bin von letzt an Tommy Fitzmaurice. Ich will hierbleiben - bei ihm "
Und noch im Schlaf dachte Annemarie:
„Ich will hierbleiben!"
(Fortsetzung folgt)
von Da faßte eine Hand nach ihr Iahte sie an der Schulter . , - ...
..Hallo, mein Bürschchen, du bist ja nah bis auf die Haut Warum treibst du dich noch jeh! hier draußen herum?"
Wie an den Platz gebannt, blieb das Mädchen regungslos stehen und schwieg!
Kents Stimme klang ungeduldig.
„Kannst du nicht hören? Warum du um diele Zeit hier draußen bist, will ich wissen."
„Ich - suche Ar eit auf einem Schiff Ich möchte gern nach Europa."
Annemarie sprach fo gut englisch, daß lern Mensch ahnen konnte daß sie aus der lustigen schönen Stadt an der Donau stammte.
„So! Und deine Eltern? Möchtest du augrüden?" ä ..
„Ich habe niemand mehr Keinen Menschen Rur d.e Wirtin im Boardingshaus wat immer freundlich “ , .
Dann komm mit tritt Gleich letzt, ich werde dir stellen."
Chat es Kent wartete keine Antwort ab Er Idjriti weiter durch Rächt und Sturm und der kleine Schiffsiunge 'olgte ihm W. rc >hm ge- folg* bis ans Ende der Welt Annemarie war es als babe sie plötziich die Heimat gesunden, als könnte es ihr niemals wieder traurig geben.
Aus der langen Reihe haltender Wagen löste sich em großes elegantes Car und der Cisen- bahnköntg stieg ein. Der pompöse Chauffeur blickte verächtlich auf den zitternden nassen Jungen , ... . .
Sollte er den vielleicht gar neben sich auf Dem
Führeri.tz dulden? v _
Seh dich zu mir" klang die gebietende Stimme Kents
Die Augen des Chauffeurs' wurden immer größer _
Was fiel denn auf einmal dem Gewa.ttgen ein? Da fetzte sich der patfchnasfe Kerl wahrhaftig in die Polster Eine ziemliche Portion Frechheit besaß der. das stand übet allem Zwe-fel
D t Wagen fuhr davon.
Matt erhellte die elektrische Lampe den Wagen, und Annemarie sah ganz zusammengedrückt in der Ecke
Der Eisenbahnkönig beachtete den Heinen Schiffsjungen nicht Et arbeitete in Gedanken stete.ts den Plan aus der ihm die Sympathien der bisherigen Gegner bringen würde.
Flüchtig ging lern Blick nach einer Weile zu Oer kleinen Gestalt Run. das Kerlchen sollte nicht mehr frieren Wahrscheinlich hatte er auch noch manchmal gehungert. Run, das lieh sich gutmachen.
Der Chauffeur b ieb noch lange in der Bo? Die Sache lieh ihn noch nich. gleich zur Ruhe kommen
„Geht idjlafcn!" herrschte Kent die Dienet an
Dann war et allein in den Räumen
Kent wat im Frack nachdem er den Abendmantel abgeworfen hatte.
„Paffendes Zeug ist für dich nicht hier da müssen wir morgen weiter festen. Doch das kannst du einstweilen anziehen und dann schlaf dort auf dem Ruhebett. Decken und Kissen sind ja genug da"
Er warf dem Jungen einen Schlafrock von sich zu und ein Weihes langes Hemd, das er aus einem der Schränke nahm.
Dann ging er ins Rebenzimmer lieh die Tüt offen schien sich selber auszuziehen.
Da kam Annemarie endlich zur Besinnung Diesen Wann, der Gutes an ihr tun wollte, den wollte sie belügen und betrügen? Denn was er ihr Gutes zuteil werden lieh, galt ja dem Schiffsjungen!
Richt ihr, nicht Annemarie von Wendsbruck' Und deshalb war es Betrug, wenn sie blieb „Mister Kent!"
Im fchwarzseidenen Schlafanzug erschien er in bet Tür
„Ra Kerlchen? Was ist denn? Ach Io!
Er durchauerte das 3immer öf nete eine der Türen tarn nach kurzer Zeit zurück stellte eine silberne Dole mit Teegebäck und eine Karaffe Wem nebst Glas auf den kleinen Tisch neben das Ruhebett.
Seine Hand strich über den blonden Kops.
Das Mädchen, zwischen dem Berg oon Fässern Tonnen. Säcken. Eisen sitzend spürte es nicht dah ein Unwetter nahte Und dann praHclte es vom Himmel Annemarie fast sich schutz'uchend um. doch es war alles nur noch em einziger großei dunkler Haufen um fie her Da preßte sie ihre zierliche Gestalt ganz fest gegen die große Tonne, aus der es abscheulich roch, und vergrub das Gesicht in den Händen.
Sie mochte von Frost und Furcht geschüttelt wohl eine Stunde so gelauert haben Das Unwetter tobte noch immer Born Meei herüber leuchteten noch immer die Lichter des Ochtsfs- riefen. und lockende Weifen der Kapelle tonten ab und zu durch den Sturm. x ,
„Das Ende dachte das Mädchen. „Es ist das
Md einem Male zuckte sie zusammen Es war ihr als erklinge in der Rähe em Schritt B'el- leicht kam jemand auf dem schmalen Wege, an dem sie zwischen den Fässern lauerte?
Und wenn?
Riemand wurde Rotiz von dem Schiffslungen nehmen Solche verlassenen Jungen gab es noch mehr . „ „
Annemarie lauschte in den sturm Hem es tarn niemand! Ihre oon Furcht auf gepeitscht en Rerven mußten ihr einen Streich gespielt haben. Da. kurz vor ihr. erklang der feste, rasche Schritt wieder
Und letzt flammte ein S reichholz auf Ein großer, breitschultriger Herr! Und für Den Bruchteil einer Sekunde wurde sein Gesicht von dem hell brennenden Slreichhol.z beleuchtet, mit dem er sich die Zigarre anbrannte.
Annemarie erhob sich wollte an dem Manne vorüberhufchen Trotz des hochgeschlagenen Kragens hatte sie ihn ernannt. Charles Kent, der Cisenbahnkönig war es!
Und er tarn gewih oon Drüben. Man statte ihn an Land ge. rächt: er hatte das Fest auf dem Luxusriesen eher verlassen als Die anderen Gäste bte vielleicht gar des Wetters wegen bis 'rüh dort blieben.
Der Sturm der einige Zeit geruht hatte, fauchte mit erneuter Kraft und Wut daher Und Annemarie, von Angst gepackt, wollle Da»
War Charles Kent denn geschnappt? Wie konnte er einen verlumpten Schiffsjungen mit zu sich nehmen?
Dann psttf er plötzlich gedämpft vor sich hin Er schien da einer besonderen Sache feiner Meinung nach auf die Spur gekommen zu fein Aber er würde sich lieber die Zunge abbeißen als zu irgendeinem Men chen etwas sag n Der I mqe toütoe ein Mädel fein Der ganze Auszug war Komödie um die D-ener chafi zu täuschen
Dringender als ie verlangt unsere Zeit nach I praktischem Christentum, wir können die Taufende, die dem Christentum den Rücken gekehrt haben, nur durch Taten oon der Wahrheit unserer Re- ligion überzeugen In diesem Geist ist auch das Wort des Erzbischofs Soederblom gemeint Die Zeit des Priesters und des Leviten ist vorüber, die Zeit des barmherzigen Samariters ist für die Kirche da “ So gedenken wir Friedrich v Bobelschwinghs und feiner Samariterstadt Bethel Auch sie will das
Christentum der Tat" üben, den Glauben an Gott
Ein Großer der inneren Mission.
Zum hundert' en Geburtstag von 0. Friedrich ».Bodelschwingh am 6. März.
Von Lic Borrmann, Propst und Superintendent in Angermünde.
Der Mann der das Lachen verlernt hat. Vornan oon Gert Mo dder« Copyright b\ Marlin Fcuchtwongcr Halle iSaale.
durch tätige Liebe zu den Mitmenschen beweisen. Bethel bei Bielefeld ist das Musterbeispiel für praktisches Christentum, als winzige Anstalt für epileptische Kinder 1867 oon Bielefelder Kauf- Icuten gegründet, 1872 von Pastor Friedrich von Bodelschwingh übernommen und von ihm zu einer blühenden „Gottesstadt", der größten und viel- seitigsten aller christlichen Anstalten Deutschlands, erhoben
Der aus altadligem westfälischem Geschlecht als Sohn des nachmaligen Finanzininisters Friedrich Wilhelms IV geborene Fritz v. Bodelschwingh ist Zeit seines Lebens ein Mann des Volks in des Wortes bester Bedeutung gewesen Schon auf des Vaters Gut Belmede bei Dortmund lernt der Jüngling das Volk lieben In nähere Beziehung zu allen Vollsklassen bringt ihn seine Militär- zett Als er sich im Dienst eine schwere Lungenentzündung zuzieht, lernt er das Elend der damaligen Lazarettbehandlung ohne geordnete Krankenpflege kennen, so daß ihm seither als das Ideal aller Krankensürsorge ein ausgebildetes, von christlichem Geist erfülltet Pslegepersonal vor der Seele stand Als Bodelschwingh als „Halbinvalide" aus dem Militärdienst und dem Lazarett entlassen war, fragte ihn der Droschkenkutscher, wohin et ihn fahren solle Trüb antwortete der scheinbar in der Vollkraft feiner Gesundheit gebrochene Mann, das wisse er selbst nicht dd fuhr ihn der Droschkenkutscher geradeivegs zur Post und weil diese eben angespannt war. entschloß sich Bodelschwingh. zu fei; em Jugendsreund Scnfft v Pilsach zu fahren Auf dem Besitz des alten Herrn v öenfft, Gramenz in Pom- mem, ist er dann Inspektor geworden.
In sechs Jnfpektorjahren hat sich ferne Liebe zum Boll herrlich auswirken können Um Der furchtbaren Trunksucht zu steuern veranstaltete
Als weiterer Referent gab der stellvertretende Geschäftsführer. Dr Heger (Wiesbaden), einen Ueberblick über den Borentwurs eines neuen Akttenrechtsgesehes.
Anschließend sprach Der Hauptreferent, Dr. Hartwig, über die
„Ucberfrembung In der deutschen Wirtschaft".
Der Redner gab in außerordentlich interessanten Ausführungen, die durch in- und ausländisches Zahlenmaterial erhärtet waren, einen U'berblick über die bereits eingetretene starke Ueberfrem- dung und die mit einer Fortsetzung dieser Entwicklung Verbund nen schweren Ee ähren W nn auch nach dein Verlust des deutschen Kapitols durch Krieg und Inflation der Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft nur mit Hilfe von Auslandskapital niöglich gewesen sei. fo habe doch die internationale Einstellung weiter deutscher B^vö"erungskreife hierbei völlig verkannt, daß das ausländische Kavital nicht aus Wohlwollen für Deutschland oder aus einem internationalen Eolldaritätsge^ühl, sondern von einem reinen Interessen- und Machtstandpunkt aus nach Deutschland kam. Die gesamte Verschuldung Deutschlands an das Ausland betrage heute 27 Milliarden Mark, fo daß wir allein Durch Den ZinsenDienst und Die Reparationen mit etwa fünf Milliarden Mark jährlich belastet seien. Die Formen, in Denen dieses Leihkapital nach Deutschland kam. seien neben dem einfachen Darle'en insbesondere die Beteiligung, der Aufkauf m' f*':A lich die Selbstgründung ausländischer Unternehmungen in Deutschland. Mit großer Zielbewußtheit suche Dabei ganz besonders Rordamcr ka leb nswichtige deutsche Wrs^att - teile unter feinen Einfluß zu bringen D"r ame-
Wirtschafisberaiungen in Mainz
Tagung des mittelrheinischen Jabrikanten-Vereins.
st raße" leisteten, beweist u. a. Die Trockenlegung von 6000 Morgen Moor in Der Kolonie Freistatt. Der Vater Bodellchwingh wollte aber seine „Bruder auch aus Der Wanderschaft vor Betteln und Trunksucht bewahren Eo entstanden Die „Herbergen zur Heimat", in_ Denen heimatlosen Leuten eine heimatliche Stätte bereitet wird EnDlich lei in Dielet Zeit der Wohnungsnot erwähnt, daß Vater Bodelschwingh die Parole: „eignes Heim auf eigner Scholle' für t>ic Qlr- beiterwell ausgab und Durch den Verein „Arbeit e t h e i m" um Bielefeld Hunderte von freundlichen Arbeiterwohnungen schuf Roch heute arbeitet dieser Verein erfolgreich an Der Linderung der Wohnungsnot
Der große Mann. Der täglich für Taufende sorgte, hatte Zeit für Den einzelnen. Seine seelsorgerischen Besuche blieben selbst bei Den blödesten und abgestumpftesten feiner Pfleglinge nicht ohne. Erfolg Als ein Sonntagskind geboren, war Vater BoDelfchwingk) ein SonnenkinD, das allen, mit Denen er in Berührung kam, Sonne brachte Es war rührend und erschütternd, wie Die Geisteskranken, zu Denen er täglich gegangen war. nach seinem Tode baten, „der gute Mann. Der immer so freundlich Die Hand auf sie gelegt habe, solle doch wiederkommen" Wer die Dankbarkeit gesehen bat. Die noch heute in Bethel für Den Vater Bodelschwingh glüht, kennt das Geheimnis feiner einzigartigen Wirksamkeit — es ist zu» sammcngefaßt in das Wort Liebe! So steht auf feinem Grabe, wie es über seinem Leben stand „Rachdem uns Barmherzigkeit widerfahren, werden wir nicht müde."
über 2000 Epileptiker leben, in der ein Diako- nissenmutterhaus mit 1600 Schwestern steht und ein Brüderhaus mit 500 Mitgliedern. Der „Vater Bodelschwingh" hat im Lause oon achtunddreißig Jahren eine Anstaltsgemeinde geschaffen, die eigentlich nicht den Charakter einer Anstalt trägt, sondern den einer großen Familie, mag diese auch nach Tausenden zählen Dadurch, daß icDer Kranke sich als Glied dieser Familie fühlt und daß fast jeder Kranke noch Arbeit tun kann, mag sie auch nur im Sortieren von Lumpen bestehen, fühlt er sich glücklich, weil noch zu etwas nütze auf der Welt und so wird Bethel. Brennpunkt des Glaubens und der Liebe, am besten und kürzesten charakterifierl durch den Geist Der FreuDe. Die noch Die verdüstertste Seele Dort erleuchtet
Andere soziale Rot trat bald an ihn heran „Wir sind alle fallsüchtig", sagte ihm ein Hand- werksbursche, den er nach einer Reihe von Arbeitswochen weiterwandern lieh Dies Wort ging Dem Volksfreund nach, und er fand Den Weg. Diesen „Blutsverwandten" seiner fallsüchtigen Pfleglinge zu helfen. Arbeit statt Almosen für ehrliche Leute, wurde jetzt Die Parole seiner Arbeit an „feinen BrüDcm von Der Landstraße" Hatte er schon für epileptische GanDleute mit Landwirtschaft begonnen, wurde für Die Arbeitslosen Dieser Gedanke ins Große geführt in Der Senne, zehn Kilometer von Bielefeld, kaufte Bodelschwingh einen Bauernhof, auf Dem Die ersten Arbeitslosen Arbeit fanben Das war der Ansang von Wilhelmsdorf, Der Mutter von jetzt vierzig deutschen Arbeiterkolonien. Welche Pionierarbeit „Die BrüDer von Der Land
er für Die Tagelöhner Waldfeste mit geistiger Unterhaltung Um der Rot in Den Insthäusem au wehren, gibt er mit vollen Händen Mit der größten Treue der Kardinaltugend seines Wesens, erfüllt er seine Pflichten - auch die geringste, am Sonntagnachmittag, den er so gern für sich hätte, um mit den ihm unterstellten zwölf Inspektoren zu kegeln Erst als er sich bei einem Sturz vom Pferde den rechten Arm beschädigt, fühlt er sich Dieser Pflicht enthoben „Run kann ich nicht mehr kegeln Gott hat mir meinen freien Sonntagnachmittag beschert!" Die freien Stunden verwendet er nun auf das Stu- dium des Reuen Testaments, er besucht die Kirche und die pommerschen Missionsfeste Rach einem solchen entsteht unter Der Lektüre einer Missionsgeschichte sein Entschluß, Missionar zu werden.
Rach der Ernte führt er ihn aus er geht nach Basel ins Missionshaus und studiert erst Dort. Dann in Erlangen und in Berlin Theologie Schon damals ist es seine liebste Beschäftigung, im Lazarett kranke Soldaten zu pflegen oder Obdachlosen zu Wohnung und Arbeit zu verhelfen. Der Dienst der Rächstenliebe. gelobt et sich, soll sein Leben aus üllen Für Den Misfions- dienst unter Den HeiDen reicht seine Gesundheit nicht aus auch sonst traut sich Der überaus bescheidene Kandidat die Uebernahme eines Pfarramtes noch nicht zu - er möchte in völliger Verborgenheit Dem Allergeringsten Dienen. Als solchen Dienst sieht er die Sammlung Deutsch- evangelischer Gassenkehrer und Lumpensammler in Paris an, die ihm ein Freund vorfchlägt. Als Bodelschwingh 1858 aus seinen „Misfions- posten" nach Paris kam. fand er weder Ge- mcinbe, Kirche noch Pfarrhaus vor. In der winzigen Stube einer Mietskaserne des Montmartre sammelt er zunächst die Kinder Der unter Der fremden Bevölkerung untergehenden hessischen Gassenkehrer und Lumpensammler Durch die Kinder knüpft er Verbindung zu Den Eltern. In Der VorstaDt La Vilette pachtet er „Den grünen Hügel" unD baut Dort Kirche unb Pfarrhaus Schon diese Arbeit in Paris zeigt seine Art. „Im Kleinen anfangen, in Die Rot mit praktischem Griff eingreifen, nichts künstlich machen. sonDern ab- warten, bis Der rechte Augenblick zur Verg-öße- rung Des Werkes ihm von Gott gezeigt wirb" - Als Die Arbeit in Paris 1864 auf sicherem GrunDe stand, nahm Bodelschwingh Den Ruf als Pfarrer nach Dem westfälischen Dori Dell- w i g an Von Dort hat er Die Kriege 1866 und 1 870 7 1 als Felbgeistlicher mitgemacht In Dellwig finD ihm an einer EpiDcmie in zwölf Tagen feine vier KinDer ge ft erben Es gehörte fein ganzer Glaubensmut Dazu, seine verzweifelte Frau bei der Rückkehr vom Kirchhof in Das vereinsamte Haus zu trösten „Die mit Tränen fäcn. werden mit Freuden ernten!“
Aus Diesem Schmerz riß ihn Der Ruf zu neuer Arbeit a l s Anstaltsgeistlicher nach Bielefeld an Die im Entstehen begriffenen Anstalten Bethel (für Epileptikers unD Sarepta (für Diakonissen) Er fand einen alten Bauernhof vor. Der unter sehr bescheiDenen Verhältnissen zu einem Wohnhaus für Epileptiker ausgebaut war, unD ein kleines Haus für Die Schwestern in Biele- selb bas er sofort nach Bethel vor bie Tore von Biclefclb verlegte Run setzt Bobelschwmghs Lebensarbeit ein aus biefen bescheibenen zwei Häusern mit wenigen Kranken unb Schwestern hat er eine Stabt geschaffen, in ber heute
Korfel. fein alter Privatfekretär. wurde alt Mochte er fich eine junge Kraft erziehen bie ihm etwas Arbeit abnahm Der Junge sollte gleich ein anstänbiges Gehalt bekommen, wenn er halbwegs feine Sache machte Es tarn auf einen Angestellten mehr ober weniger nicht an unb ber Junge hatte ausgefehen. als ob er zu allem fähig wäre.
Der Wagen hielt.
Kent fprang heraus. Strahlenbe Helle kam dis in Den Wagen Kent toanbte sich zurück „Komm mit!"
Auf Dem Gesicht des Chauffeurs stand ein
Der Mittelrheinifche Fabrikanten-Verein Der- anftaltcte in Mainz unter Leitung feines stellvertretenden Vorsitzenden Kommerzienrat Carl Dycker Hofs, eine gut besuchte Versammlung Der Geschäftsführer des Vereins,' Dr. h. c. Paul Meesmann berichtete zunächst über die
wichtigsten Ereignisse auf wirtschaftlichem Gebiet während der letzten Wochen.
Er erläuterte Die von ber Reichsregierung im Rahmen bes Osthilfegesetzes geplanten Maßnahmen, für bie ein Betrag von 950 Millionen Mark vorgesehen fei, unb wies insbe- fonbere auf bie Bebcutung ber Agrarfrage hin. Die Behebung ber landwirtschaftlichen Rotlage bürfc nicht als das Problem eines einzelnen Berussstandes aufgefaßt werben Der Verein vertritt ben Stanbpunkt, baß bei ber Regelung ber für bie Erhaltung ber Land- wirtschaft wichtigen Fragen bie Rücksichtnahme auf befonbere Eigeninteressen unb auf bie Wir- kung im Aus'ande zurücklreten m- ffe. gegenüber dem deutschen Gefamtinteresse Des wetteren berichtete ber Geschäftsführer über ben für bie gesamte beut sehe Oeffent'ichkett überraschenb von ber Reichsbahn abgeschlossenen sogenannten „Schenker"-Vertrag, ber bezüglich ber An- unb Abfuhr ber Güter einfchneidenbe Aen- berungen vorsieht Abschließend wies der Redner aus die auf fast fünf Millionen gestiegene Arbeitslofenziffer hin. bie nur bann eine wirk- liebe Senkung erfahren könne, wenn einer Wie- beringangfehung ber Wirtschaft burch Herabsetzung ber Probuktionskosten unb Tributlasten ernstlich bie Wege bereitet würden. In der Aussprache gab Reichs'ahnprisibent Lochte ban- kenswerte Auskünfte üb r Den Schenk r-'Bertrag, ben er als Rahmenabkommen zum Zw'cke ber Dereinhett'ichung ber Gebühren bezeichn'te^______


