Nr. 51 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Zrektag, 6. Hebruar (95(
Oer Napoleon des Petroleums.
Henry Deterding bereist Deutschland. — Dom Bauernsohn zum Petroleumkönig. Wie Deterding durch seine $rou zum Mittelpunkt der Antisowjet-Polittk wurde.
Don Rudolf Bier
Der englische Ocltönia Sir H e nxh Deterd ing, der Berlin nach kurzem Besuch wieder verlassen' hat. Hal auch die Museen einer emgehenoen Besichtigung unterzogen. Besonders interessierte ihn die neue Anlage des Pergamon-Museums und die anlchuehenden neuen Teile. Er wurde von Geheimrat Wiegand persönlich durch die Räume geführt und äußerte seine lebhafte Genugtuung über den künstlerischen Aufbau des Altars des Königs Atalos. Besonders starken Eindruck empfing er von dem Wiederautbau des Martttors von Mi.et. Alm seiner Dankbarkeit für das Gebotene Ausdruck zu geben, überwies er Geheimrat Wiegand die Summe von 10 000 Mk. für die Zwecke der Förderung des Museums.
Die Männer, die die Geschicke der Welt len» ken, sind durchaus nicht so abgeklärt in ihrem Temperament und so nüchtern in ihren Erwägungen, toi? sich das der gewöhnliche Sterbliche meist denkt Feldherren, Staatsmänner oder Könige wurden und werden ebenso von Leidenschaften beherrscht wie manche modernen Wirtschastsiührer, die nicht immer nach Tividenden jagen oder schwierige Börsengeschäfte abwickeln, sondern zuweilen, gleich allen anderen Menschen, zu Opfern bereit sind, um einer Idee, einer großen Liebe oder einer gewaltigen Rarrheit zu dienen. Auch Sir Henry Deterding, der jetzt .zu seinem Vergnügen" - aber er ist gewöhnlich nur vergnügt, wenii er gute Geschälte macht - nochDeutsch- land gekommen ist, sollte man nicht als eine Rechenmaschine ansehen, die in starrer Logik entscheidet, wo dem großen Trust der Royal-Dutch- Shell-Gruppe ein Vorteil winkt In den Londoner Salons erzählt man sich über den englischen Petroleumkönig, der ja eigentlich ein Holländer ist und dessen Familie sogar deutscher Abkunft sein soll, viele lustige Anekdoten, aus denen heroorgeht, wie oft das Temperament mit dieser .'Denkmaschine" durchgegangen ist. Sie mögen zum Teil erfunden sein. Unbestreitbar ist jedoch, daß eine dieser Anekdoten aus Wahrheit beruht. Wer sie kennt, kann sich erklären wie aus dem ursprünglich gar nicht sowietleindlichen Petroleumkönig der Mann geworden ist, der
im Mittelpunkt aller Znterventionspläne gegen den Bolschewismus
steht. Es trifft zu, daß Sir Deterding zunächst ein geschäftlicher Gegner der Sowjet-Union ist. die durch ihre Petroleumproduktion sehr unangenehme Konkurrenz macht. Aber es gibt mehr Konkurrenten aus dem Weltmarkt, und Deterding Hot allmählich einsehen gelernt, daß es vorteilhafter ist, sich mit ihnen zu vertragen, als in einen Petrvleumkricg sehr viel Geld zu stecken. Warum also die erbitterte Feindschaft gerade gegen Rußland? Run. Sir Henry Deterding ist verheiratet, und seine Frau stammt aus der hohen russischen Aristokratie. Sie ist eine Prinzessin aus dem Kaukasus, die früher mit einem russischen General verheiratet war und nach der bolschewistischen Revolution als Emigrantin in Westeuropa lebte. Der Petroleumkönig lernte diese schöne Frau kennen und wurde von ihr mit ihrem Mann bekannt gemacht. Man unterhielt sich häufig über die Mög'ichkrnt. den Bolschewis
mus zu stürzen, aber die Feldzüge wurden nur aus dem Schreibtisch gemacht. Da beschloß die Russin, durch den Einfluß ihrer Persönlich, keit Deterding stärker in die antibo schcwistische Front hineinzuzichen Bald war der Scheidungsprozeß im Gange, der General wurde mit zwei Millionen Mark abgefunden, die Prinzessin aus dem Kaukasus hieß nun Frau Deterding. und ihr neuer Mann ließ in der ganzen Welt verkünden daß cs die Ehrenpflicht jedes anständigen Menschen sei, von den .russischen Verbrechern, die mit gestohlenem Petroleum handeln", energisch abzurücken. So begann Deter- dings Kreuzzug gcg?n den Bo schewisrnus. Ra- türlich hat sich Deterding nicht immer von solchen Einflüssen bestimmen las en, wenn er etwas Großes unternahm. Sonst hätte er es nicht
vom Sohn holländischer Bauern bis jum oicrhundertsachen Millionär
gebracht. Deterding stammt aus Amsterdam, wo er im Jahre 1866 geboren wurde, er ist heute also 65 Jahre alt. Seine Eltern schickten ihn zu einem Kaufmann in die Lehre, und als er aus- gelernt hatte, arbeitete er fünf Jahre als kleiner Bankbeamter in einem holländischen Finanzinstitut. Daraus ging er au einer Handelsgesellschaft über, die ihn nach Ost-Indien schickte. Auf Sumatra bieten sich einem unternehmungslustigen jungen Mann ganz andere Aussichten wie in Amsterdam Im Kolvnialland kann er beweisen, was er zu leisten vermag — und Deterding leistete viel. Eines TageS. entdeckte man, daß in den holländischen Besitzungen Erdöl vorkommt, das ist jetzt etwa vierzig Jahre her. Damals gründete Deterding mit dem Amerikaner Gulbenkian eine Gesellschaft, um diese Petroleumfunde auszubeuten. Sein Eigensinn zeigte sich sehr früh Als die mächtige Standard Oil das junge Alnternehmen ankaufen wollte, lehnte Deterding das Angebot der Amerikaner ab und forderte dadurch Rockescller zum offenen Konkurrenzkampf heraus. Das war eine gefährliche Sache.
denn der amerikanische Petroleumtrust war damals schon außerordentlich kapitalkräftig und hätte Deterding leicht zugrunde richten können. Aber der Holländer konnte sich behaupten. Er brachte seine Gesellschaft durch geschickte Transaktionen auf eine ungeahnte Höhe, er erwarb auch noch die englische Shell-Trarrsport-Gesell- schaft und übernahm bald daraus ein anderes englisches Alnternehmen in Mexiko. Dis in die geheiligten Machlgebiete Rockefell.rs drang Deterding vor, als er weite Pctroleumgebiete in den Vereinigten Staaten erschloß. Rach einigen Jahren stand er an der Spitze eines Riesen- t r u st s. Den größten Aufschwung nahm das Alnternehmen aber im Krieg. Der Holländer und der Armenier setzten auf die Karte der Entente und erhielten als Gegenleistung das Abkommen von San Remo, in dem ihnen das Recht zugesichert wurde, die Erdölvorkommen in Algier, in den übrigen französischen Kolonien, in Ru- mänicn, in Rußland und sogar in der Türkei in ihr Interessengebiet einzubeziehen. Damals entstand der Spitzname „Da poleon des Petroleums", der seitdem an Deterding hasten-- gebl jeden ist.
Weniger wichtig war es dem Petroleumvnig wohl, daß er in England im Jahre 1920 geadelt wurde und sich nun Sir Henry Deterding nennen durfte. In Holland hat man ihm das Adelsprädikat bis zum heutigen Tag verweigert. Aber was macht das diesem Mann aus, der in London und in Amsterdam in seinen Palästen fürstlicher als die Fürsten leben kann! Der es aber verschmäht, in seinen Gemäldegalerien und in dem übrigen Kunstbesitz, der seine Häuser anfüllt, den Hausherrn zu spielen. Er zieht es Dor,_ einen großen Teil des Jahres auf Geschäftsreisen au gehen und dem Petroleum in allen Winkeln der Welt nachzuspüren. Wenn er aber weder in Venezuela noch in der Südsee etwas zu suchen hat, dann hält er sich
mit Vorliebe in 6t Moritz
auf. wo er eine kleine Villa besitzt Dort lebt er ganz bescheiden, und es ist fein größtes Vergnügen. noch als Mann, der den Höhepunkt seines Lebens längst überschritten hat und sich dem Greisenalter nähert. Sport wie ein junger Mensch zu treiben. Sein Haar ist schneeweiß, aber der Kops, der auf dem gedrungenen Körper sitzt, zeigt rote, gesunde Farben. Man sieht ihn dort in St. Moritz, dessen Gemeinde er übrigens große Beträge zum Ausbau der Wege gestiftet
Das örcimotortge Riesen-Wasserflugzeug „Iris 111“ der englischen Luftflotte stürzte bet einem Uebungsflug in der Nähe von Plymouth ins Meer und explodierte. Neun Mann der Besatzung ertranken.
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Dobermann „Strolch“ aus Hohenwuzen bei Freienwalde, der kürzlich einen siebenjährigen Knaben vom Tode des Ertrinkens rettete, erhielt vom Deutsche» Tierschutzverein ein schönes Halsband samt einer Leine aus Lackleder als Rettungs-„Medaille". Unser Bild zeigt den braven Hund nach „persönlicher* Empfangnahme der Auszeichnung in Berlin nebew dem geretteten Knaben.
hat, auf dem Rodelschlitten oder mit Schlittschuhen bewaffnet Doch sollte man daraus niemals schließen, daß Deterding seine Zeit in bot Schweiz mit leeren Vergnügungen vertrödelt Reben ihm läuft auf Schlittschuhen sein Sekretär, der ihm die neuesten Depeschen aus allen Teilen der Welt überbringt, aus Deterdings mächtigem Petroleumreich, in dem die Sonne niemals untergeht
Ein Mann, dessen Vermögen aus vierhundert Millionen Mark geschätzt wird, sollte eigentlich keine Sorgen haben. Aber er hat nun einmal Sorgen. Er ärgert sich über den Wettbewerb deS russischen Petroleums, daS nach seiner Meinung ihm gehört Denn Deterding hat den russischen Emigranten die entwerteten Pe- troleumaftien abgetauft und damit nach seiner Meinung den Anspruch erworben, das Erdöl am Schwarzen Meer und im Kaukasus auszubeuten. In dem Prozeß gegen die Tscherwonzen- fälscher, der in Berlin geführt wurde, ist bekanntgeworden, daß Deterding sogar versucht hat, denKaukasus alsselbständigeRepu- blik von der S o w j e t - Al n i o n abzutrennen, um zu seinem Petroleum zu gelangen, und daß er zu diesem Zweck mit den Banknotenfälschern und mit verschiedenen Generalen zusammengearbeitet hat. Der Krieg, der tatsächlich geführt wurde, spielte sich freilich nicht in Georgien ab. sondern auf dem Weltmarkt des Petro- teums. Es hat vor etwas mehr als zwei Jahren in diesem Krieg einmal einen Frieden gegeben, den die Kenner der Verhältnisse sofort als einen Waffenstillstand zwischen den Kämpfen bezeichnet haben. Deutschland hat längere Zeit viel« Vorteile aus dem Wirtschaftskrieg gezogen.
Der Rann der das Lachen verlernt hat.
ZRoman von Gert Nothberg.
Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale)
Rachdruck verboten!
In einem abgetrennten Raum des Hotels „Sacher" saßen an einem schönen Iuniabend mehrere Offiziere Es war bisher recht lustig und auch laut zugegangen. Als aber Baron Lodenhauer eine andere Sache aufs Tapet brachte, war man plötzlich leiser geworden. Eine ganz infame Sache war das.
Flüsternd unterhielten sich die Herren, bis Oberleutnant Prinz Liebenstein fragte:
„Ob er heute kommt? Es wäre ein starkes Stück! Aber zuzutrauen ist es dem Kentner schon Der macht alles möglich."
Oberst Graf von der Stauer lachte kurz auf. Es klang ärgerlich — nein, wütend.
„Daß der Mann so vor die Hunde gehen soll, ist einsach furchtbar. Ich könnte heulen oder ihn beim Kragen nehmen und schütteln — oder beides!"
Die Herren schwiegen.
Rach einer Weile meinte der kleine Graf Rittershausen.
.Aber daß man halt von der Geschicht' nie was gemerkt hat?! Viel eher hätt' ich glauben können, der Kaltenberg hat was mit der Fürstin. Aber der Kentner? Da steh' ich vor einem Rätsel!"
.Tas Schlimmste ist, daß der Fürst hinter tne Sache gekommen ist. Der hat sich wenig genug um seine Frau gekümmert. Warum er nun auf einmal den Eifersüchtigen herauskehrt, bleibt halt auch unerfindlich", sagte Franz Teschener, der Sohn des Hofmarschalls
»Wenn wenigstens der Erzherzog heut' kommen möcht Er ist doch auch ein enger Freund vom Kentner Der wird doch alles versuchen, die Angelegenheit wieder einzurenken", sagte einer
.Da gibt s nit mehr einzurenken Das hat schon zu weite Kreise gezogen", sprach Major Heilenbacher verdrießlich, und traut einen gewaltigen Schluck.
.Pfui Teilet I Dös is ja scheußlich Da steckt der Kerl also in einer elenden Klemme. Wenn man ihm doch helfen tonnt“, sagte Gras Schönhausen. und senkte den hübschen, blonden Kopf
.Wenn man die Sach hätt' vertuschen wollen, wär's genau so gut gegangen, wie es auch mal woanders geht. Aber hier hat man halt kein Auge zudrücken wollen, und nun haben's dem
armen Kerl eben den Strick gedreht. Ich hätt' cd...!"
.Servus, meine Herren!"
Ruckartig flogen die Köpfe nach der Richtung zur Tür.
Dort stand ein großer, schöner Offizier und blickte mit lachenden Augen auf die Runde der Offiziere.
Dann war es aber auch mit der beinah versteinerten Ruhe zu Ende. Viele Hände streckten sich ihm entgegen Man machte ihm Platz. Graf Karl Kentner schnallte den Säbel ab. Das Käppi flog in die Ecke und er setzte sich. 3m Ru stand ein Glas Wein vor ihm. Er hob eS und sagte .Es lebe das Geben!“
Hell flirrten die Gläser aneinander.
Dann sagte Kentner gemütlich:
.Ich bitt’ um Entschuldigung, daß ich gewagt hab', zu kommen. Ich möcht' mich gleich verabschieden. Ich — hab' meinen Abschied eingereicht und fahr' in den nächsten Tagen heim."
Schweigen!
Alnb jeder dachte: „Also doch!"
Der Oberst stand auf, trat zu Kentner, ging mit ihm zur Seite.
„Alnb es gab leine andere Möglichkeit, Kentner? Wirklich nicht? Hatten Sie nicht auch einmal an Ihren Obersten gedacht? Vielleicht hätte sich doch noch etwas für Sie tun lassen."
„Gehorsamsten Dank, Herr Oberst. Es — ließ sich nichts mehr tun!“
.Dann will ich Ihnen heute als älterer Kamerad sagen, daß es mir sehr leib tut. Kentner, sehr leid, und daß ich am liebsten heulen möcht. daß gerade Oie dran glauben müssen Ich hatte Sie immer besonders in mein Herz geschlossen Morgen früh erwartet Sie also Ihr Oberst, Oberleutnant Kentner!"
„Zu Befehl, Herr Oberft“
Der Oberst berührte den Arm des jungen Offiziers
„Alnb — was sagen Sie zum Fürsten Leob- ftein? Duellgegner! So was! Sieh einer an! Run, ba ist man wehrlos! Er will also absolut die Gerichte mit der Affäre belästigen Ekelhaft direkt Aber nicht zu ändern Was werden Sie tun, lieber Kentner?"
Ein Lächeln zuckte übet das schöne, braune Gesicht des anderen
Die großen, grauen Augen flammten verächtlich „Es wird kaum zur Mtthandlung kommen" „Weshalb nichts
.Verzeihen, Herr Oberst, wenn ich darüber schweige.“
Etwas ärgerlich nagte der Oberst an der Alnter- lipve Dann zwang er sich ein Lächeln ab und sagte
„Hoffentlich kein neuer Skandal?!"
„Rein Hern Oberst. Das heißt: Von meiner Seite aus gewiß nicht"
.Was werden Sie beginnen, Kentner? Sie würdigten mich einmal Ihres Vertrauens. Run kann ich mir nicht denken —“
Das Gesicht des jungen Mannes wurde eisenhart Kentner sagte:
„Daheim wird meines Bleiben- kaum sein" „Ja, aber, um Gottes willen, was dann?" „Verzeihung, Herr Oberst: die Welt ist groß!" Der Oberst sah den jungen Menschen außer Fassung an, bann stieß er, noch immer außer sich, hervor:
„Es muh doch etwas mit Ihnen geschehen?" „Gewiß! Alnb es wirb nicht einmal sonderlich von dem Schicksal anderer gescheiterter Existenzen abweichen“, sagte Kentner düster.
„Kentner! Sie haben doch nicht etwa die Absicht, außer Landes zu gehen?"
„Cs wird mir nichts anderes übrigbleiben. Die Maulwürfe würden hier ja doch weiter wühlen und dann — ich kann hier nicht leben.“
Dem Obersten brannte es plötzlich seltsam in den Augen. Die buschigen Brauen zuckten unb ber weiße Schnurrbart zitterte.
„Das - ist entsetzlich! Der schneidigste Reiter." .Oh' Es gibt Ersatz. 3um Beispiel GrasBonen- birchner Sieger auf der ganzen Linie."
Der Oberst antwortete nicht. Aber die ganze Tragödie — ach was Gemeinheit, der dieser Prachtmensch zum Opfer fiel, wurde ihm klar. Alnb da war man machtlos! War denn das nur möglich?
Graf Kentner lächelte plötzlich wieder strahlend- heiter, wie er stets gelächelt hatte.
„Wollen wir nicht lieber fröhlich sein, Herr Oberst? Was nicht mehr zu ändern ist, soll man nicht zur Tagesordnung machen"
Schweiget drehte sich der Oberst um unb ging wieder zum Tisch zurück. Als es feststand, daß der Erzherzog, um dessentwillen man hauptsächlich die Sache rschen Räume aufgesucht, nicht kommen würde, als sich nach einiger Zeit einige Herren der Diplomatie in einem anderen Raume niedergelassen hatten, schlug irgendeiner vor, noch zu Ianoff zu gehen Trotz des russisch klingenden Ramens war der alte Ianoff ein urfibeler Wiener, bei dem es immer kreuzfidel zuging, bei dem der Wein am besten schmeckte, der immer für ein paar fesche Mädel und feurige Musik sorgte und dessen Frau eine erstklassige Wiener Köchin war Also mit einem Wort: Man war dort sehr gut aufgehoben und ging gewöhnlich erst bei Morgengrauen weg.
Der Vorschlag wurde denn auch gebührend auf genommen. Der kleine Graf Rittershausen schnallte bereits um und suchte nach dem Käppi, das wieder einmal, weiß der Kuckuck, verschwunden war.
Die verheirateten Herren machten Einwände.
Alnb ba auch ber Oberst fest blieb, gingen schließlich nur die ledigen Herren
Man bedauerte aufrichtig und ein bissel auch zum Schein, aber Oberleutnant Prinz Liebenstein meinte, als man unter sich war:
.Jetzt will ich erst schnell mal Lust holen Ich erstick’ beinah, wenn der Alte mit da ist. Gr ist ja gut, aber man muh immer jedes Wort ab- wägen und das paßt mir nicht. Mir ist S schon so lieber.“
..Mir auch. Grab' heut' will ich toben, daß dem Ianoff Hören und Sehen vergeht", sagte Gras Kentner Alnb bann setzte er hinzu: „Obwohl die Herren mir gegenüber eine unverständliche Güte an den Tag gelegt haben“
„Sonst noch was gefällig? Warum sollen si« denn nicht freundlich sein Kentner? Wo du bie doch niemals etwas hast zuschulden kommen lassen, bis auf bie Sache, die so dunkel unb unverständlich ist? Warum schweigst du, Kentner? Wen schonst du denn eigentlich?"
Prinz Liebenstein war ernstlich ungehalten» denn Me Sache ging ihm näher, als er zeigen mochte.
„Schweig!. Ludwig! Wir wollen nicht meh» daran denken."
.Schweigen wir. Kentner. well du es mm einmal so haben willst! Aber ich sage dir: eS ist schon manchmal einer zugrunde gegangen, weil er einen Ehrbegrifs, noch dazu an gänzlich falscher Stelle, zu hochgeschraubt hat.“
„Was weißt denn du?" sagte Gras Äentnei^ mit der Hand über die Augen streichend, al- verwische er etwas, was sich immer wieder x>ot ihm aufdrängen wollte.
Die Rächt war warm. AleberaH gingen Pärchen eng umschlungen und aus verschiedenen Lokalen ertönte frohe Musik.
Jetzt, in dieser Dunkelheit, in der niemand sein Gesicht sehen konnte, war et tiefernst.
Wien mit seiner Musik, seinen Freuden, seinem Lachen. Wien mit den wohlbekannte« Straßen und Gassen, mit dem Prater und dem Dlumenkorso, den Fiakern und dem Heurigen
Die Offiziere durchschritten einen schmalen Weg, ber von dichtem Gebüsch umgeben war. Ei« großer, parkähnlicher Garten mit alten, hohen Säumen breitete sich vor ihnen aus. Bunte Lampions leuchteten aus dem Dunkel unb bie Kapelle spielte „Rosen aus bem Süden" von Meister Strauß.
„Rn da ist schon Betrieb! Das läßt man sich gefallen!“, lachte vergnügt Graf Soschendorf.
Unb Kentner bachte:
„Fort mit allem, was mir das Herz schwermacht' Lachen und tanzen werd' ich. 3um letzten Male in Dien lachen und tanzen Und lachen über Liebe und Treue, lachen lachen, lachen!"
(Fortsetzung folgt)


