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Nr. 4 Zweites Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Die Wirtschaftslage der Reichsbahn.
In kurzen und knappen Sähen, die auch ein Spiegelbild der deutschen Hot und der deutschen Wirtschaftskrise sind, saht der Geschäftsbericht der Reichsbahn für 1930 das Ergebnis zusammen: die Gesamteinnahmen sind von 5,35 Milliarden Mark im Iahre 1929 auf 4,58 Milliarden Mark im Iahre 1930 zurückgegangen. Unabänderlich aber bleibt die Belastung der Reichsbahn mit der Tributabgabe in Höhe von 660 Millionen Mark, tvobei es in der Sache nicht viel ausmacht, ob diese Belastung als Zinsendienst oder als Tributabgabe bezeichnet wird. Hm den Fehlbetrag von 770 Millionen Mark abzudecken, hat die Reichsbahn die sachlichen und persönlichen Ausgaben so weit gedrosselt, daß jeder Versuch, hier weiterzugehen, unmittelbar die Betriebssicherheit gefährden muh. Auch das Reich hat für überlassene Kredite zur Ankurbelung der Wirtschaft Rachsicht gewahren müssen, ganz abgesehen davon, dah der Anteil an der Bounganleiye in Höhe von 225 Millionen Mark schon ausgegcben war, ehe er in den Besitz der Reichsbahnverwaltung gelangte. Aus dieser Darstellung der Reichsbahn ergibt sich an sich der zwingende Schluh, dah die starre Festsetzung der Tributabgabe in Zeiten einer schweren Wirtschaftskrise teils Wahnwitz, teils Verbrechen ist. 2e mehr sich die Verkehrstechnik entwickelt, desto gröher sind auch die Aufwendungen, die die Reichsbahnverwaltung für den Betriebsausbau in jeder Hinsicht leisten muh, so dah das feine Räderwerk dieses gewaltigen Betriebes in Gefahr ist, wenn die für den technischen Ausbau ununterbrochen notwendigen finanziellen Mittel nicht aufgebracht werden können.
Ganz einerlei, wie das Schicksal der Tributlast sich 1931 gestaltet: die Reichsbahn muh unter allen Hmständen aus der Aufbringungslast heraus, weil sich sonst in absehbarer Zeit verkehrstechnische Zustände bei der Reichsbahn entwickeln müssen, für deren Abstellung Milliarden erforderlich sein werden, ohne jede Aussicht darauf, dah sie sich wirklich beschaffen lassen. Die Reichsbahn ist in ihrer Tarifpolitik bis zu den äußersten Grenzen gegangen, d. h. fie hat die Güter- und Personentarife so hoch geschraubt, dah nicht nur in Zeiten einer Wirtschaftskrise der Verkehr dadurch gedrosselt werden muh. •
Eine Ankurbelung der Wirtschaft ist trotz aller Reden und Aufsätze unmöglich, wenn die Reichsbahn auherstande ist, die G ü t e r t a r i f e soweit zu senken, dah der Wettbewerb der deutschen Wirtschaft nicht gehindert wird. Es braucht hier nur an den Bergbau erinnert zu werden, der seine Kohlen aus dem Ruhrgebiet nicht einmal an die Rordsechäfen bringen kann, um hier die englische Kohle aus dem Felde drücken zu können. Der Iahresbericht klagt darüber, dah im Ianuar 1930 der Güterverkehr gegen den Vormonat scharf zurückging. Die Gründe, die hierfür besonders angegeben werden, gelten eigentlich auch für das ganze Iahr: der verhältnismähig milde Winter drosselte den Verkehr mit der Hausbrandkohle, während auf der anderen Seite die Dinnenwasser- strahen weiter benutzt werden konnten, ebenso auch die Landstrahen für den Kraftwagenverkehr, ohne von Cis und Kälte behindert zu sein. Auch das sind alles Erscheinungen, die nicht einmalig sind, sondern, wie auch der Winter 1930 31 zeigt, sich immer wiederholen können. Auf solche Regelfälle kann die Reichsbahn ihren Haushalt nicht in dem Hmfang aufbauen, wie das an sich durch die Tributlast erforderlich ist. Die Reichsbahn muh auch damit rechnen, dah der La st wagenverkehr weiter zunimmt, was immer mehr zur Abwanderung des lohnenden Stückgutverkehrs führt, so dah die Reichsbahn sich in der Hauptsache auf das Schwergut beschränkt sieht, das, wie bei Kohle und Eisen, schon aus Gründen des wirtschaftlichen
Wettbewerbs nicht übermäßig mit Frachten belastet werden kann und darf.
Ist es nicht aufreizend, wenn der Jahresbericht mitteilen muh, dah es angesichts der gefbannten Finanzlage für 1931 nicht möglich sein wird, Aufträge für den Fahrzeugbau zu erteilen! Dabei sind 1930 nur die unbedingt notwendigen Aufträge hinausgegeben worden, vornehmlich für Personenwagen, während die Bestellungen auf Lokomotiven nur sehr geringen Hmfang hatten. Dabei ist es eine auch technisch sichergestellte Erfahrung, dah die Lokomotiven sich bei starker Heberlastung ungewöhnlich schnell a b n u tz e n . so dah hier ein zu Wenig sehr bald in die Ge- sahrenzone überführen kann. Die deutsche Lokomotiv- und Wagenindustrie ist aber technisch so ausgestattet und ausgerüstet, dah sie unbedingt Aufträge von der Reichsbahn hereinbekommen muh, wenn nicht abermals Stilllegungen und Entlassungen von Tausenden gelernter Arbeiter erfolgen müssen. Cs ist sehr schwer, dah diese Industrie Auslandaufträge hereinbekommt. wenn sie nicht immer wieder auf ihre vorzügliche Leistung für die deutsche Reichsbahn Hinweisen kann. Die deutsche Lokomotiv- und Güterwagenindustrie ist an sich schon eine technische Spitzenleistung, die nicht verkümmert und abge-
Cin neues Iahr hat begonnen, ein Iagdjahr geht zur Reige ,.Iagd vorbei", denkt ein nicht geringer Teil der Durchschnittsjäger und stellt wehmütig die Flinte in den Schrank, der großen Hasenjagden und frohen Schüsseltreiben der letzten Wochen gedenkend. Die „Tote Zeit" hat für fie begonnen, die Zeit, wo es wenig oder gar nichts zu schießen gibt und wo daher die Jagd keinerlei Reiz für sie besitzt. Doch „das Schießen allein macht dm Iäger nicht aus, wer weiter nichts kann, bleib? lieber zu Haus', schreibt ihnen Hermann Löns ins Stammbuch. Denn für den wahren Weidmann, der mit offenen Sinnen und offenem Herzen durch Feld und Wald geht, gibt es keine „tote" Zeit. Er weih, daß er jetzt erst recht in sein Revier gehört. Wer ernten will, muß auch säen. Drum deckt er hier den Hühnern und Fasanen den Tisch, schlägt dort mit dem Standhauer Weichholz für Rehe und Hasen, paßt auf den Fixköter, der nun schon tagelang seine Waldteile durchheht und den ganzen Rehbestand durcheinander und über die Grenzen gebracht hat, oder sieht auf Wechseln, Hecken und Zäunen dem Ströpper auf die Finger, dessen Handwerk blüht, „wenn mager die Aesung und bitter die Rot und hinter dem Wild einherschleicht der Tod". Die Tun aber ist für den echten Iäger mit ebensoviel innerer Befriedigung verbunden, wie der saubere Schuß auf ein bestimmtes Stück Wild. Hnd bei der Hegearbeit wird auch manchmal der Iäger zu feinem Recht kommen. Denn noch hat nicht alles Wild Hegezeit und des Raubzeugs Iagd reizt jetzt mehr denn je.
Wo im Hochwildrevier der Abschuß an weiblichem Rot- und Damwild noch nicht erfüllt ist, bietet der Iagdkalender noch Gelegenheit dazu. Bon Hirschen aber sollten nur kümmernde, oder schlecht veranlagte Stücke besagt werden. Die Fütterungen sind mit Leckerbissen beschickt, kommt dann des Winters Rot, so findet das Wild rasch, was ihm fehlt.
Mild und schneearm ist der Vorwinter verlaufen. Hm so mehr wartet man in Schwarzwild revieren auf Reuschnee im Ianuar, der allein berechtigte Hoffnung auslöst, die Sauen mit Erfolg besagen zu können.
Das Rehwild hat seit Monatsbeginn allenthalben Schonzeit. Cs steht meist in größeren
baut werden darf, wenn nicht die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft überhaupt empfindlich getroffen werden soll.
Jedenfalls muß die Reichsbahn instandgesetzt werden, für sachliche Ausgaben auch 1931 über die Mittel zu verfügen, ohne die eine reibungslose Abwicklung des Gesamtbetriebes nicht denkbar ist. Die Möglichkeit hierzu würde sich bieten, wenn im Reichshaushalt für 1931 der Ertrag dar Beförderungssteuer der Reichsbahn in voller Höhe zur Verfügung gestellt wird, was sich schon deshalb empfiehlt, weil diese Summe von der Reichsbahn sofort für Aufträge an die Wirtschaft zurückgeleitet werden könnte. Das wäre eine Arbeitsbeschaffung, die Hand und Fuß hätte, die unmittelbar auch dazu beitragen würde, den Arbeitsmarkt zu entlasten. Es ist ja zunächst gar keine Aussicht vorhanden, daß die Wirtschaftslage sich 1931 entscheidend bessert, so dah die Reichsbahn den Ge'chäftsplan für 1931, soweit es sich um die sachlichen Ausgaben handelt, entsprechend einteilen kann. Die Beförderungssteuer I hätte unbedingt mit dernPoungplan verschwinden müssen, oder, wenn das nicht möglich war, hätte ihr Ertrag der Reichsbahn nicht genommen werden dürfen. So leistet die Reichsbahn nicht nur eine Tributabgabe von 660 Millionen Mark, fie muh auch für das Reich eine Sondersteuer in Höhe von 290 Millionen Mark aufbringen, trotzdem die Gesamteinnahmen zurückgegangen sind.
Sprüngen zusammen und findet auf Saaten, am Heidekraut, altem Gras und Weichholz ausreichende Aesung. Sollte der Winter aber mit viel Kälte und Schnee ko nmen, k inn auch bei uns Fütterung notwendig werden Das Wichtigste ist zunächst Schuh vor zwei- und vierbeinigen Feinden.
Der Hase hat ab 16. Ianuar in Hessen wie in Preußen Ruhe. Schon jetzt konnte man bei dem milden Wetter die verliebten Mümmelmänner um die Schönen werben sehen. Bei Schnee droht die Hauptgefahr an Hecken und Zäunen, die gar nicht oft genug abgegangen werden können. Mancher Biedermann wird dabei entlarvt.
In allen Revieren ist ein guter Hühner- besah in den Winter hinübergekvmmen. Ihn zu erhalten, ist vor allem eine Deckungsfrage, die in Heckenrevieren natürlich gelöst ist, in anderen aber durch künstliche Deckungen gelöst werden kann. Hinzu kommt in zweiter Linie Fütterung. Werden beide Forderungen erfüllt, wird der Erfolg die Mühe lohnen.
Die F a f a n e n j a g ö ist auf Hähne noch offen, auf Hennen dagegen in Hessen geschlossen, während in Preußen Hennen noch bis zum 31. d. M. Schußzeit haben. Wo Fasanen sind, heißt es Raubzeug kurz halten und vor allem „Füttern, Füttern und noch einmal Füttern!" Dann ist die Grundlage für einen Dauerbesah meist gegeben.
Seit Monatsbeginn haben Wildenten in Preußen und anderen Ländern Schonzeit, während fie in Hessen noch den ganzen Monat hindurch geschossen werden dürfen. Wer es bei dem Abschuß ermöglichen kann, Erpel und Ente anzu- sprechen, schone die Ente ebenso wie eine Fa- sanenhenne. Der Winter 1928 29 und die Folgezeit haben gezeigt, daß die Enten nicht unerschöpflich sind. Kein Wild hat gelitten wie sie. Wo sie gefüttert wurden, waren sie dankbare Gäste.
Der Raubzeugjäger hat hohe Zeit. Die Roll- und Ranzzeit hat begonnen. Die Betze rennt und Herr R^neke folgt ihren Spuren. Das Keckem der Füchse hallt durch die Winternacht. Hnd kommt zu der Liebe noch der Hunger hinzu, dann bieten sich Möglichkeiten genug, den Fuchs vor die Flinte zu bringen. Oft wird der scharfe Erdmann Frau Crmeline und einen oder gar
Oie Jagd im Januar.
Kleine Freuden.
Bon Richard Huelsenbeck
Ich habe einen Blick für so etwas: der Verkäufer, ein schwarzhaariger eleganter Mann, lächelte über mich, als ich das Geschäft betrat. Er führte mich gleich zu einem Wagen, groß wie ein Haus, mit blitzenden Aufschlägen und einer Maschine, die ungeduldig mit ihren Zylindern zu stampfen schien. „Das wäre etwas für Sie, Herr Doktor", sagte der Schwarzhaarige: aber er lachte dabei mit dem Zwerchfell: ich bemerkte es wohl. Frauen sind in solchen Lebenslagen vi.l unbefangener als wir: was die meine angeht, so sah sie sich das Benzin- Luxushaus in Ruhe an: obwohl sie wußte, wir würden dafür nicht einmal die Anzahlung leisten können. Ich erbleichte und steuerte zu einem Wagen, der später von meiner Frau als Puff- Puff bezeichnet wurde. Das war ein sogenanntes Kleinauto, wir haben es dann gekauft, trotz des Widerstandes meiner Frau, die erklärte, sie wisse nicht einmal, ob sie sich das Ding als Kasserolle in die Küche hängen würde.
Es sind ja schon viele schöne Geschichten über Kleinautos erzählt worden: ich will die Leser nicht langweilen: aber es sind da doch gewisse historische Miniaturen vorgekommen, die der Erwähnung wert sind. Vorigen Winter, als es bitter kalt war, war ich einmal in einem Restaurant am Kurfürstendamm: mein Pusfpufs stand getreulich draußen: es nahm sich zwischen den großen Wagen wie eine fahrbare Hundehütte aus. Ich aß gemütlich, als ich nach zwei Stunden meinen Wagen in Gang bringen wollte, streikte der Motor. Er hatte sich über die Kälte geärgert und über die Tatsache, daß er draußen bleiben mußte. Die Chauffeure der großen Wagen, die lächelnd meine Bemühungen umstanden, sagten es mir dann auch „Den Kleinen hätten Sie doch am besten in der Garderobe abgegeben ...“
Als ich vor einiger Zeit nach Wannsee fuhr, blieben zwei Hühner tot liegen. Wie das kam, kann ich heute noch nicht sagen. An dem Weg, der nach Wannsee führt, gibt es Bauernhäuser, und diese Bauernhäuser haben Hühner. Rachdem das Hnglück geschehen war, stieg ich aus und betrachtete entfett die Blutlache, in der die Hühner schwammen. „Die sind tot“, sagte meine Frau einfach: aber sie blieb ruhig im Wagen sitzen. Meine Tochter vergnügte sich so lange mit der Hupe, bis der Besitzer der Hühner auf
merksam wurde und aus seinem Bauernhaus herauskam. Cs war ein einfacher Mann mit dem geraden Sinn des Wannseebauern: aber er wußte genau, daß der Hühnertarif in der letzten Woche energisch angezogen hatte. Ich war ganz verstört: es war mir, als wären einige Menschen umgebracht worden. „Das wirst du bezahlen müssen", sagte meine Frau, die sich nicht aus dem Wagen rührte. Ich wurde wütend. Hatte ich jemanden im Zweifel gelassen, dah ich die Hühner bezahlen wollte? War ich der Mann, der fremde Tiere überfährt, ohne sie zu bezahlen? War ich einer von denen, die sich ihren Verpflichtungen entziehen, wenn's ans Zahlen geht? Gab es dafür irgendwelche Anhaltspunkte in meiner Vergangenheit: sogenannte Flecken auf dem Schild meiner Ehre?
Meine Tochter vergnügte sich unterdessen weiter mit der Hupe. Ich muß gestehen, daß Gelüst kam mich an, ihr eine hinter die Ohren zu schlagen. Da ich aber strenger Anhänger einer prügelfreien Erziehung bin, begnügte ich mich zähneknirschend mit einem milden: „Laß das". Hnterdessen hatte der Bauer seine Heberlegen» heit heftig ausgenuht. Er stand da. sah teils auf die Verstorbenen, teils auf mich und lächelte. Er gehörte nicht zu den wütigen Bauern einer ganz anderen Temperamentsklasse, mit der ich auch schon zu tun gehabt habe. Es würde aber zu weit führen, wenn ich alle diese Erlebnisse hier erzählen wollte. „Ich will Ihnen was sagen", meinte der Bauer, „stecken Sie Ihr Portemonnaie man wieder ein. Ich hätte heute so wie so zwei von diesen Biestern geschlachtet: und dann: diese da haben wenigstens einen leichten Tod gehabt. Gestern wurden mir zwei Hühner von einem Rolls Royce überfahren: das ist schon ein anderes Gewicht..." Der Mann lächelte meiner Frau zu, und dann ließ er einen Blick über meinen Wagen gleiten, der mich empörte. Ich bin Schriftsteller und deswegen notgedrungen Psychologe. In diesem Blick lag eine ganze Weltanschauung. Etwa die: „Ich bin nur ein einfacher Bauer auf der Wannseescholle und nähre mich redlich von meiner Hände Arbeit. Ihr, die Ihr stolz vorbeizurasen meint, seid im Grunde arme Teufel: das zeigt sich daran, daß Ihr Autos besitz!, die wie Kinderwagen aussehen. Rur gefahren muh fein, denkt Ihr. Rur gerast muß fein, bildet Ihr euch ein. Rein, ehe ich mir so einen Kohlenkasten mit Auspuff kaufe, bleibe ich stolz auf meinem Hühnerstall fitzen."
Das Tollste ist mir kürzlich geschehen, als ich mit meiner Freundin nach dem Freibad fuhr.
Es ist die blonde Freundin, von der meine Frau eine dunkele Ahnung hat. Es gibt noch eine schwarze, von der sie keine Ahnung hat. Die Sache begann schon, als ich den Wagen auf den Parkplatz fahren wollte. Es gibt da einen Mann, der die Aufsicht zu führen behauptet, einem fünfzig Pfennig abverlangt und dann eine Pa- piermarle auf den Wagen klebt. Fein säuberlich, ordentlich und mit der Wichtigleit, die man in Deutschland solchen Angelegenheiten zu widmen pflegt .....Das ist wohl ’n neuer Typ", sagte
der Mann und betrachtete lächelnd meinen Wagen, „so ’n kleinen habe ich lange nicht gesehen . . .“ Ich wollte auf brauten; aber Ina legte mir ihren Arm auf meine Schulter: ich war gehandikapt. „Für so kleine Wagen", fuhr der Mann fort, „sollten eigentlich dreißig Pfennige genug fein . . ." Ich wollte wieder aufbrausen: aber Ina faßte meine Hand und lächelte. „Vielleicht beantragen Sie das mal“, tagte der Mann, drehte sich aus dem Absatz um und ging. Ich kochte; aber Ina lächelte: „Wenn man es sich richtig überlegt, hat der Kerl sogar recht. Es ist doch so wie mit den Kindern unter zehn Jahren, die zahlen auch kleinere Preise .." Wären Sie fähig gewesen, Ina zu widersprechen ?
Ich will nun auch noch das letzte Hnglück erzählen, das mir im Sommer widerfahren ist. Es geschah in Begleitung der anderen Freundin, von der meine Frau keine Ahnung hat. Wir fuhren nach Wannsee; als wir eben auf dem Parivlatz feftgemadtt hatten, kam ein rothaariger Men ch. der sich als Herr Sieper vorstellte. Das Austreien dieses Menschen, seine bewußte vierschrötige Art, beunruhigte mich. Ich vermutete, Sieper und Fritzi müßten sich einmal näher gekannt haben; obwohl sie behaupteten, nichts als Tanzpartner auf einem der zahllosen Bälle des Winters gewesen zu sein. Während ich mit dem Aufseher und Kartenverteiler sprach, steckten Sieper und Fritzi die Köpfe zusammen; das war mir sehr unangenehm, ließ sich aber nicht ändern. Sieper war in einem großen Wagen gekommen ; er zeigte auf das Ding, das im Hintergründe zwischen zwei Wannseekiefern stand, mit seinem widerlich dicken Finger. Er lobte es über den grünen Klee; und dabei war es mir, als ob er mitleidige Blicke über mein Wägelchen schicke. Mich packte die Wut: aber Fritzis glucksiges Lachen, in das ich so verliebt bin, beruhigte mich wieder. Sieper meinte, wir sollten uns doch in seinem Wagen ausziehen; wir hätten dann nicht nötig, im Bad eine Kabine zu nehmen. „In
Dienstag, 6. Januar (931
Elli Beinhorn, die erst kürzlich mit dem Silbernen Sportflieger» abzeichen ausgezeichnet wurde, ist von Berlin mit einer 40-?8-Klemm-Maschine zu einem Flug nach Westafrika gestartet.
mehrere Kavaliere aus dem Bau sprengen, manches Füchslein läßt sich durch Lampes Todes- klage betören und der „Dust" des Luderplahes bringt manchen hungrigen Rotrock vors Rohr. Am schönsten aber ist es, den Fuchs bei stillem Drücken auf dem Passe zu strecken. Wie man die „Reue" benutzt, ihn einzukreisen, so bietet sie auch die Möglichkeit, den Marder auszugehen, bi-3 man das Raubvogel- oder Krähennest oder den Cichhornkobel findet, wo er sich steckte. Deo Edelmarder ist übrigens in ganz Preußen während des ganzen Jahres als Raturdenkmal geschützt.
So ist die Zeit wirklich nicht tot. Aber „e r st .Heger — dann Jäger" muß Heuer mehr ' denn je die Losung sein.
Für manches Revier ist der Monat von besonderer Bedeutung. Bedeutet er doch vielfach die letzten Wochen vor der Reuverpachtung, die Ende Januar Anfang Februar stattzufinden pflegt. Man wird seitens der Verpächter, wie der Pächter ihnen eine besondere Aufmerksamkeit zuwenden müssen. Die Zeiten der hohen Liebhaberpachten scheinen überwunden zu sein. Das Sinken der Wildpreise (ohne behördlichen Druck!) bei gleichbleibenden Pachten und Steuern gibt manchem zu denken, der unter ganz anderen Voraussetzungen gepachtet hat. So werden in anderen Teilen von Deutschland in den letzten Monaten Pachtpreissenkungen bis zu 53 Prozent beobachtet, besonders bann, wenn es sich um ausgeschossene, „wildreine" Reviere oder nur auf kurze Zeit (6 Jahre) zu verpachtende handelt. Es wird an den Verpächtern liegen, ihre Folgerungen daraus zu ziehen. Hubertus.
Daten für Mittwoch, 7. Januar
Sonnenaufgang 8.04 Uhr, Sonnenuntergang 16.08 Uhr. — Mondaufgang 20.02 Uhr, Monduntergang 10.21 Uhr.
1831: Reichspostminifter Heinrich von Stephan in Stolp i. P. geboren.
Ihrem Wagen geht das ja leider nicht", sagte Sieper höflich; aber ich hätte ihn ermorden mögen. Ich liebe meine Maschine, wenn es auch keine Luxuskabine ist, in der sich ein halb Dutzend Badende ausziehen können.
Die Sache endete damit, daß Fritzi erklärte, sie wolle sich in Siepers Auto fürs Bad zurechtmachen. Ich sagte, so ruhig ich konnte, aber innerlich weißglühend: „Wenn du meinst, dah sich das schickt?" Fritzi lachte nur; und dann ging sie mit dem rothaarigen Sieper.
Meine Frau weiß nichts von allem; auch nicht, daß ich diesmal allein nach Hause gejuckelt bin.
Schuh vor Lawinengefahr!
Immer wieder stoßen wir in der Presse auf die Schlagzeile: „Der Tod in den Bergen". Hn- kenntnis und Leichtsinn verachten die Gefahren des Schnees, die ein anerkannter Alpinist, Jos. Jul. Schätz, in einem reich illustrierten Essay des Januarheftes von Velhagen & Klast n g s Monatsheften schillert. Er gibt auch Ratschläge, wie man sich vor Lawinengefahr schützen soll, und man möchte wünschen, daß sie jeder Wintersportler lieft und befolgt. Man muh wissen, daß man lawinengefährliche Hänge. Rinnen und Mulden unangeseilt oder einzeln in großen Abständen queren soll, und zwar möglichst hoch oben, nahe am oberen Rande; daß man beim Begehen nicht die Zeit größter Sonnenbestrahlung, also zwischen 10 und' 16 Hhr, wählen und nicht im Zickzack, sondern gerade hinauf-, bzw. hinabstapfen soll, und dah man als Skiläufer daher abschnallen, also zu Fuh gehen und die Lawinenschnur nachschleifen lassen möge. Dem Unerfahrenen sei nahegelegt: Am ersten Tag nach starken Reuschneefällen, und sei der Himmel noch so blau, keine lawinengefährlichen Skitouren unternehmen! Roch weniger natürlich bei FöhnwetterI Später aber bei Querung zweifelhafter Hänge äußerste Aufmerksamkeit, hoch oben in großen Abständen queren! Wer nicht sturzfrei fahren kann, bleibe solchem Gelände fern, denn ein Sturz kann schnell zur Katastrophe werden. Für den Skiläufer ist jede Lawine, in die er gerät, deshalb gefährlichen- als für den Fußgänger, weil der Schnee die Ski sofort belastet und den Menschen wie mit Bleigewichten in die Tiefe zieht. Da heißt es für: ihn so rasch wie möglich: Bindung lösen, Ski ab! Wer in eine Lawine gerät, trachte mit Aufgebot aller Kraft, Kopf und Fühe hoch zu behalten, sich gleichsam schwimmend auf der Ober* fläche des Schnees zu halten.


