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Nr. 4 Erstes Blatt
M. Jahrgang
Dienstag, 6. Januar (93 (
Crid)etnt lüglich.autzei Sonntags und Feienag» Beilagen: vte 3Du|tnertt vtetzenei g-amihenblättei Heimat im Bill» Die Scholle
Monats-Bezugrvretr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfenmg für Träger» lohn, auch bei Richter» lchemen emjelner'Jlummem tnfolgr höhere, Gewalt. 5erntorechonfchlvsse
anterSammelnummer2251 Anschnft lü, Drahtnachrichten Anzeiger «Slcfien. poslschecklonlo:
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Crotf ntt» Derlag: vrühl'lche Unioerfit8ts=Bnd>. und Stcinönitferct B. Eange in Sietzen. Schriftleitung und Seichäftrltelle: Schulittatze 1.
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Chefredakteur
Dr Fnedr Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für üen Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen
Außenpolitik und nationale Idee.
Reichsaußenminister Dr. EuriiuS auf dem Wege nach (Sens.
Pforzheim, 5. Ian. (TU.) Vor der Ortsgruppe der Deutschen Volkspartei erklärte Reichsaußen- minister Dr C u r t i u s, er fei nach Baden gekommen, um für den schweren Gang nach Genf sich das Vertrauen seiner nächsten Parteifreunde zu sichern, nachdem es ihm gelungen sei, in Ostpreußen und Oberschlesien gleichfalls Vertrauen zu erwerben. „Ich kann Ihnen nicht versprechen", sagte Dr C u r t i u s. „daß wir in Genf in den entscheidenden Fragen unseres Vaterlandes große außenpolitische Erfolge werden erzielen können. Ich kann Ihnen aber wohl versprechen, daß ich meine ganze Persönlichkeit für Deutschland und für Deutschlands Ehre ein setzen werde. Ich hoffe den Widerhall der ganzen Nation dafür zu finden, was ich in Genf zu erklären habe. Im gegenwärtigen Augenblick stehen die Fragen des nationalen Staates und der nationalen Idee im Vordergrund unseres gesamten innerpolitischen Geschehens. Sie sind leider zu einem parteipolitischen Kampfobjekt erniedrigt worden." Dr Curtius erklärte ferner, man habe ihm nachgesagt, er sei im günstigsten Falle ein ge- geschickter Ressortverwalter, er verstehe es, mit Sach
lichkeit die außenpolitischen Probleme aktenmäßig zu erledigen. Es gebe jedoch in Deutschland keinen, für den die Idee des freien und glücklichen Vaterlandes so unmittelbar der Leitstern seines ganzen Handelns sei, wie ihn. Das Tragische an der Lage des Außenministers fei, daß er genötigt ist, fortwährend seine ganze Kraft darin zu setzen, d i e nationalen Leidenschaften in die Klärbecken der Vernunft zu leiten und daß manchmal auch die eigenen Parteifreunde nicht verstehen, warum der Außenminister so und nicht anders gehandelt hat. Niemand sehne den Tag heißer herbei als er, an dem es möglich sein werde, die entscheidenden Schritte für die wirkliche Befreiung des Vaterlandes zu tun. Wir hätten das Recht, nicht zu verzweifeln, weil unsere Volkskräfte gewachsen seien. Heute, in den Notzeiten des Reiches, sei der deutsche Gedanke in der Welt w i i t stärker ausgeprägt, als in den glücklicheren Vorkriegszeiten. Erst nach dem Kriege hätten wir so etwas wie ein Gesamtnationalbewußt - sein gewonnen. Mit diesen Kräften würden wir auch die politische und die Wirtschaftskrise überwinden.
Die Einheitsfront gegen eine Revision des ^oungplans. Auch England wünscht keinerlei Erörterung.
London, 5. Ian. (TU.) Die Vertreter des englischen Finanzministeriums, die an den Pariser Besprechungen über die Goldvorräte der Bank von Frankreich teilnahmen, sind nach London zurückgekehrt. Zuständige Kreise enthalten sich im großen und ganzen irgendwelcher Kommentare zu den in Paris gepflogenen Verhandlungen. Diese seien technischer Natur gewesen. Es wird jedoch nicht in Abrede gestellt, daß zwischen Frankreich und England in ihrer Eigenschaft als Gläubigermächte gegenüber Deutschland gemeinsame Interessen vorhanden seien. Grundsätzlich steht die englische Politik auf dem Standpunkt, daß ein etwaiger Antrag Deutschlands, aus eine Verzögerung der Tributzahlungen gemäß dem Poungplan oder auf irgendeine sonstige finanzielle Revision durchaus unerwünscht ist Der Poungplan sei erst seit einem Jahr im Gange. Die Entwicklung der englisch-französischen Verhandlungen bewege sich in einer Richtung, die durch das Aufwerfen von deutschen Forderungen nur geftört werden könne.
Sollte jedoch Deutschland die Revision des Voungplanes aufwerfen, so würde England sich energisch jeder Behandlung dieser Frage außerhalb der im Voungplan vorgesehenen Bestimmungen widersehen. Cs würde aber auch ernste Einwände gegen die Znkraftsetzung der Schuhbestimmungen des Boungplanes selbst erheben. Man gibt dabei der Befürchtung Ausdruck, daß in diesem Augenblick sofort die Erörterungen über gewisse im Voungplan enthaltene Klauseln wieder aufleben würden, deren Interpretation noch nicht ganz eindeutig feststehe Anscheinend bezieht sich diese Auffassung auf die Sanktionsklausel. Ob dieser Punkt in Paris jetzt wieder zur Erörterung gestanden hat oder nicht, darüber schweigen sich natürlich die Londoner Stellen aus.
Es ist aber charakteristisch, daß die Gemeinsamkeit der Interessen der Gläubigermächte offen zugegeben wird, so daß man den Eindruck gewinnt, als ob die in den Pariser Meldungen über eine etwaige Gemeinschaf tsfront der englischen und französischen Finanzministerien und möglicherweise auch der Regierungen nicht unbegründet sind. Die klare Betonung der ablehnenden Haltung Englands gegenüber finanziellen Revisionsplänen T^utsch- lands unmittelbar nach der Beendigung der Pa
riser Konferenz ist auf jeden Fall für die Beurteilung der Lage äußerst wertvoll.
Die Verteidigung des Status quo.
Weder Abrüstung noch Revision des Äoungplans.
Paris, 4.San. (£11.) Der „Temps" nimmt in einem Leitartikel zu der Neujahrsansprache des Generals Groener Stellung. Die Ausführungen des Generals über die Durchführung des Voungplanes seien nicht geeignet, das Ansehen Deutschlands im Auslande zu erhöhen. Ihr Zweck sei, die internationale Meinung auf eine Revis ion vorzubereiten. Man werde aber das Recht haben, der deutschen Regierung bei der Antragstellung einige Wahrheiten entgegenzuhalten. Es sei nöl» l i g falsch, daß die finanzielle und wirtschaftliche Krise, unter der Deutschland gegenwärtig leide, eine mittelbare oder unmittelbare Folge der durch den Friedensvertrag geschaffenen Lage sei. Deutschland gehe es schlechter als anderen Staaten, da seine Regierungen in den letzten Jahren verhängnisvolle Fehler begangen hätten. Die notwendigen Opfer zur Sanierung der Finanzen und zur loyalen Erfüllung seiner Berpflichtun- gen habe man von dem Volke nicht fordern wollen. Große Summen seien in luxuriöse Unternehmungen und in Rü st ungen gesteckt worden, die bei weitem die Bedürfnisse eines Heeres von hunderttausend Mann überschritten.
Die Abrüstungsverpflichtung der anderen Staaten auf Grund des Versailler Vertrages bestreitet der „Temps" ebenfalls. Die Auslegung des Vorwortes im fünften Teil des Vertrages sei ungenau. Rach dem Wortlaut sei eine juristische Verpflichtung nicht gegeben, und Artikel8 des Paktes spreche lediglich davon, „die Vorbereitung einer allgemeinen Rüstungsbeschränkung aller Staaten zu ermögliche n“. Hieran werde unablässig gearbeitet. Ob Deutschland wolle oder nicht, es bleibe an die Bestimmungen des Versailler Vertrages, wie Frankreich seinerzett an Öen Frankfurter Vertrag, nach wie vor gebunden. Auch die Organisation des Frieden- durch Schiedsgerichte und eine bessere Bürgschaft für die allgemeine Sicherheit würde immer
Abflauen der kommunistischen Streikbewegung im Ruhrgebiet.
Oer Reichsarbeitsminister im Ruhrgebiet.
Berlin, 5. Ian. (IBIB.) Reichsarbeilsminister Dr. Siegerwaid Hai sich heule indasRuhr- gebiet begeben, um auch an Ori und Stelle vor dem Beginn der Schlichtungsverhandlungen m i i den Parteien Fühlung zu nehmen. In
Dortmund fand bereits eine Besprechung zwischen dem Beichsarbeitsminister und den führenden Persönlichkeiten der Bergarbeiterschaft statt. Einige Persönlichkeiten der Arbeitgeber sind zu Besprechungen mit dem Minister ebenfalls nach Dortmund geladen worden. Der Schlichter Professor Dr. B r a h n hat die am Lohnkonflikt im Ruhrbergbau beteiligten beiden Parteien für kommenden Mittwoch, vormittags 10.30 Ahr, nach Esten zu Schlichtungsverhandlungen eingeladen.
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Berlin, 5.- San. «ERD.) 3m Gegensatz au alarmierenden Rachrichten und Ueb-rschristen m Der Presse über die Lage im Ruhrgebiet wird von der preußischen Regierung darauf hingewiesen, daß es sich bei den kommunifttschen Streiks nur um eine verhältnismäßig geringfügige Be - ine g u n g handelt, die im wesentlichen nur itn nördlichen Ruhrgebiet Erfolg gehabt hat. 3n den übrigen Gebieten herrscht überall Ruhe und Arbeitswilligkeit Auch in dem nördlichen Gebiet hat die Streikbewegung heute erheblich nachgelassen. Der Gesamtdurchschnitt der Streikenden wird von den örtlichen Behörden, die die Lage als durchaus nicht bedrohlich ansehen, auf höchstens neun Prozent der Belegschaf ten beziffert.
lieberaU ist es der Polizei gelungen, die Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten. Zu größeren Zusammenstößen ist es nirgends gekommen. Zwischenfälle, die lediglich lokaler Ratur waren/ tonnten von der Polizei beigelegc werden, ohne daß Verstärkungen von außerha b zugezogen zu locröen brauchten. Wenn bei diesen Zwischen- fällen Opfer zu beklagen sind, so darf auch daraus nicht auf eine größere Bewegung geschlossen werden, da sich bei Widerstand gegen polizeiliche Anordnungen energerisches Vorgehen Nicht immer vermeiden läßt. Auch bei den lokalen .Ztoischenlällen waren po izeiliche Maßnahmen größeren Umfangs nicht notwendig. Die ort» M)en_ Polizeibehörden haben, um weitere Zwischenfälle zu vermeiden und Belästtgungen der Lrbeitswi'Iigen sofort verhindern zu können, so- Dohl in den Wohnkvlvnien der Bergarbeiter wie a.uch in den Zechen Polizeiabteilungen ffl a t i o n i c r t. Bisher konnten alle Versuche, t>ne Arbeitswilligen zu belästigen, erfolgreich ab- giewehrt werden.
Beruhigung
im linksrheinischen Revier.
Moers, 5. 3an. (WTD.) Die Streiklage im Moerser Bezirk hat sich wesentlich gebessert, da auf sämtlichen Schachtanlagen durch die örtliche Polizei und durch starke Abteilungen auswärtiger Beamten für ausreichenden Schuh der Arbeitswilligen gesorgt war. Die Zahl der eingefahrenen Bergleute ist dadurch ^anz besonders gestiegen. Ansammlungen von ■ streikenden und Belästigungen der Arbeitswilligen sind kaum noch zu verzeichnen. Am schlimm- sten sieht es noch auf der Zeche Riede rrhein im Reukirchen aus, wo nur ein Drittel der Lelegschaft zur Frühschicht eingefahren ist. Auf ö*r Zeche Friedrich Heinrich in Lintfort, iXr bisherigen Hochburg des kommunifttschen Terrors, sind 60 Prozent angefahren, auf den Schachtanlagen der Gewerkschaft Dier - gardt-Wevissen 75 Prozent; auf den Achen des Bergwerks Rhein-Preußen hat saft die gesamte Belegschaft die Arbeit wieder aufgenommen.
Starkes Abflauen auch im Hamborner und Dortmunder Bezirk.
Essen 5.3an. (WTD.) 3m Hamborner Bezirk sind zur heutigen Mittogsschicht aus der Zeche Thyssen Schacht 2 bis 5 von 970 etwa 800 Bergleute eingefahren, auf Schacht 3 bis 7 von
740 etwa 100, auf Schacht 4 bis 8 von 800 etwa 300, auf der Zeche Beeckerwerth von 350 etwa 220, auf der Zeche Westende von 600 etwa 550, auf der Zeche Lohberg von 500 etwa 120, auf her Zeche Reumühl von 1000 etwa 200 und auf her Zeche Diergardt von 150 etwa 30 Mann. 3m Dortmunder Bezirk ist der Streik völlig a b g c f l a u t. Auf allen Zechen des Polizeipräsidialbezirkes ist die M i 1 t a g s s ch i ch t voll e i n g e s a h r e n. Zu toeiteren Zwischenfällen ist es nirgends gekommen und auch besondere Polizeikräfte brauchten nicht eingesetzt zu werden.
Zusammenbruch des Streiks im Bezirk Recklinghausen.
Recklinghausen, 5. 3an. ('WTB.) Die Streiklage im Präsidialbezirk Recklinghausen hat sich erheblich gebessert, so daß im Kreis der Streik als zusammengebrochen bezeichnet werden kann. Auf den in diesem Bezirk liegenden 54 Zechen mit 91 000 Bergleuten arbeiteten sämtliche Belegschaften. 3n Buer ist der Streik ebenfalls abgeflaut. Aus der Zeche West erholt arbeiteten von 1155 Bergleuten 420 nicht, auf der Zeche Scholven von 1053 410. Auf den übrigen Schachtanlagen ist alles angefahren. 3n Gladbeck wird, mit Ausnahme der Zeche Zweckel, überall gearbeitet. Auch in Bottrop ist auf den Prosper-Zechen d i e Arbeit überall wieder ausgenommen worden. Es fehlten nur ungefähr 65 Mann zur Frühschicht. Auch in Gelsenkirchen ist der Streik erlahmt, da auch hier die Polizei große Sicherheitsmaßnahmen getroffen hatte. 3n Recklinghausen wurden sechs Personen, und in Buer vier Personen fest genommen. 3n Westerholt überfielen Streikende heute früh einen Arbeitswilligen, der schwer verletzt wurde. Auch hier wurden einige Personen festgenommen.
Berliner Blatter zum Ruhrkonflikt.
Berlin. 5.3an. (ERB. Eigene Meldung.) Ein Teil der Berliner Abendblätter beschäftigt sich mit der Lage in dem Lohnkonflikt zwischen den Ruhrzechen und den Bergarbeitern.
Die „Bos fische Zeitung" (dem.) schreibt Die Reichsregierung ist offenbar jetzt entschlossen, ihre ganze Autorität für den Ausgleich einzusetzen. Die dringlichste Sorge bleibt die Wiederherstellung des Arbeitsfriedens in den Wichttasten Industriezentren des Reiches. Streik oder Aussperrung von Hunderttausenden würde nicht n.r einen politischen Gefahrenherd schaffen, sondern auch einen verschärften Rückschlag im ganzen Erwerbsleben des betroffenen Gebietes herbeiführen. Die Lohnsen - kungsparoleist keinDing an sich. Oberstes Gesetz muß bleiben, jeder Erschütterung der staatlichen Ordnung vo z.ibeugen, die unvermeidlich wäre, wenn die wirtschaftlichen und sozialen Gegensätze unvermittelt aufeinanderprallten. Opfer für einen billigen Frieden werden unter allen Umständen hinter dem Preis zurückbleiben, den eine Erschütterung des Staates fordern würde.
Die A. Z." (Bockspartei) bezeichnet es als verständlich, wenn die Unternehmer als Heber- zeugung der Regierung annähmen, daß eine Selbstkostenerleichterung, wie sie der Berliner Metallindustrie zuteil wurde, nunmehr auch für die besonders schwierig gelagerte Kohlenindustrie erfolgen müsse. Verschärft muhte diese Zuversicht noch dadurch werden, daß die R^chrindustriellen ihren Preis» ermähigungsbeschluß auf dem Vertrauen in die Durchführung des 'Regierungsprogrammes, wie er vor allem im Wirtschaftsplan vom 30. Dezember niedergelegt war, aufgebaut hatten. Gewiß ist das Opfer, das der schwer arbeitenden Dergarbeiterschaft aus wirtschaftlichem Zwang zugemutet werden muß, sehr hart und unerfreulich, zumal festzustellen ist, daß eine falsche lohnpolitische Entwicklung die Einkommens- Verhältnisse mancher rein binnenwirtfchaftlichen Industriezweige überhöht und damit zu einer ungesunden Verschiebung der alten Relation zwischen den Löhnen der Bergleute und der übrigen Arbeiterschaft geführt hat. Diese Tatsache macht ohne Zweifel die bevorstehende Entscheidung besonders schwierig. Sie schafft aber nicht die Rotwendigkeit aus der Welt, daß der Bergbau nunmehr die Konsequenzen aus seiner eigenen Lage ziehen muß. Es handelt sich heute aber gar nicht mehr um die Frage, ob den Bergarbeitern eine mehr ober minder große Lohnsenkung zugemutet werden soll, sondern allein darum, ob die zur Zeit noch beschäftigten Arbeiter mit einer ökonomisch ausreichenden Lohnsenkung ihre weiteren Besch ä k t i g u n g s m ö g l i ch ke i t e n erhalten oder ob eine unzureichende Selbsttostenentlaftung die Deschäftigungszahl vermindern soll. Denn daß der Bergbau von sich aus in der Lage ist, aus vorhandenen Reserven oder neuen Krediten ein überhöhtes Lohnniveau zu finanzieren, ist völlig ausgeschlossen.
Der „I u n g d e u t s ch e" weist auf die Gefahr der Konkurrenz der englischen Kohle hin, die auf Grund eines Tarifvorsprunges von etwa 3,35 Mark pro Tonne ihren Absatzmarkt in Deutschland behaupten könne. Das Blatt fordert in diesem Zusammenhang Vorzugstarife für die Ruhrkohle.
Die „Deu 1 sche Zeitung" (deutschnatl.) spricht vom „Klasienkampf an der Ruhr" Daß die vorläufige Machtprobe von den Kommunisten allein bestritten werde und die sozialdemokratischen und anderen Gewerkschaften zunächst noch Gewehr bei Fuß ständen, dürfe über die Bedeutung des Kampfes nicht Hinwegtäuschen Die Unsicherheit der gewerkschaftlichen Stellung rühre von der Bindung der Sozialdemokratie an die Regierung Btüning her. Wenn sich die gesamte Arbeiterschaft aufraffe,' einer allzu erfüllungsbereiten Regierung mit Entschiedenheit gegenüberzutreten, dann werde sie auch bei der Arbeitnehmerschaft etwas von dem Vertrauen zurückerwerben, wenn sie Führer der Wirtschaft sein wolle.
Der „Angriff" (natlsoz.) macht die Politik der Regierung Brüning für die Zuspitzung der Lage im Ruhrgebiet verantwortlich. Der Kamps müsse auf breite st er Basis gegen d i e Regierung geführt werden, die es dulde, daß kurzsichtige Unternehmer die Löhne abbauten. Es gelte, die politische Macht zu gewinnen, um eine sozial- gerechte Wirtschaftsführung zu ermöglichen.
Wie Böhmen tschechisch wird.
Großzügige Fälschung einer Volkszählung.
P r a g, 4. 3an. (TU.) Dezeichnenderweife halten die tschechoslowakischen Behörden das Ergebnis der Volkszählung streng geheim. Wer etwas hierüber erfahren will, ist auf 3ndiskrettonen! der tschechischen Oppositionspresse und auf Berichte der Rebenregierung in der Tschechoslowakei — der Tschechisierungsvereine — angewiesen. 3m letzten Bericht des nordbvhmischen Tschechisierungsvereins wird nun verraten, was die Deutschen von den nach Trautenau entsandten Dolkszählungsbataillonen zu befürchten haben. Diese rein deutsche Stadt weist nach der Volkszählung mehr als 2 0 v. H. Tschechen auf. Dadurch wird die Stadt gezwungen, den Amtsverkehr tschechisch abzuwickeln. Auch aus Ostböhmen wird überall ein starkes Anwachsen der tschechischen Bevölkerung gemeldet. Dies ist sehr leicht dadurch zu erklären, daß aus dem rein tschechischen Gebiet mit Hilfe und Unterstützung der staatlichen Behörden viele hundert Tschechen für die Volkszählungsnacht nach deutschen Gegenden geschickt wurden.


