Oie größte europäische Lokomotivenfabrik vor der Stillegung.
Die weltberühmte deutsche Lokomotivenfabrik Henschel & Sohn in Kassel soll zum Jahresende stillgelegt werden, da in der letzten Zeit die Aufträge immer mehr zurückgeaangen sind. In Zeiten der vollen Beschäftigung konnte die Fabrik jährlich nicht weniger als 700 Lokomotiven bauen. — Oben: Uebersicht über die Werke der Henschel 8- Sohn AG. in Kassel. — Unten: Blick in einen der riesigen Montagesäle.
sailles ist die Tatsache, daß sie vollkommen unfähig waren, eines Sinnes zu sein. Auch konnten sie sich nicht darüber klar werden, welches ihr Hauptziel war: Deutschland zum Zahlen zu bringen ober zu verhindern daß deutsche Tatkraft und Zucht wieder als Wettbewerber auf den Weltmärkten er- schienen ... die erschreckende Planlosigkeit dieser Verhandlungen wurde noch unterstrichen durch die Tatsache, daß man weder auf die offenbarten Beweggründe stolz sein, noch die zur Erörterung gestellten Pläne brauchbar finden konnte ..
Oer Konflikt
in der Handwerkskammer.
Ein verfrühter Bericht.
AuS dem Gießener Handwerk geht uns die nachstehende Zuschrift mit der Ditte um Veröffentlichung zu. — D. Red
Zu dem Bericht der Handwerkskammer am Donnerstag („Gießener Anzeiger" Rr. 283 vom 3. Dezember. — D. Red.) ist zu sagen, daß darin der Entscheidung der Vollversammlung vorgegriffen wird. 3n der Sitzung vom vorigen Dienstag wurde von 10.30 bis 17.30 Uhr ohne Unterbrechung verhandelt, wobei Herr Präsident Rohl seine Ansichten darlegte, während eine Reihe von Rednern ihre Auffassungen zu den Vorwürfen gegen Herrn Rohl vor- truaen. Gegen 17.30 Uhr wurde die Sitzung abgebrochen und die Weiterberatung über die Angriffe gegen den Kammervorsitzenden Rohl auf nächsten Dienstag vertagt. Erst dann wird die Entscheidung darüber fallen, wie sich die Vollversammlung der Handwerkskammer au den Angriffen gegen den Präsidenten Rohl stellt. Vei dieser Sachlage ist es ganz unverständlich, wie in dem Bericht der Handwerkskammer schon gesagt werden konnte, eS sei letzten Endes nichts mehr übrig geblieben, was Herrn Rohl in seiner Stellung als Kammervorsihender belasten könnte. Richtig ist es, den AuSgang der entscheidenden Sitzung am nächstenDienStagerst einmal abzuwarten. 3m übrigen war die Vollversammlung eine geschlossene (nicht öffentliche), und hätte man erwarten müssen, daß die Handwerkskammer nicht schon am Donnerstag, sondern er st nach restloser Erledigung der Angelegenheit einen Bericht herausgegeben hätte.
Aus der provinzialhaupistavt.
Gießen, den 5. Dezember 1931.
Oer Nikolaustag.
Der 6. Dezember heißt im Kalender der N i k o - I a u 9 t a g. Er ist dem Andenken des hl. Nikolaus geweiht und spielt heute im Volksleben noch eine große Nolle, wenn ihm auch nicht mehr die Bedeutung beigemessen wird, die er im Mittelalter hatte. Der Glanz des Weihnachtsfestes hat im Laufe der Zeit den Nikolaustag in den Hinterarund gedrängt, doch besteht noch an vielen Orten der Umzua des hl Nikolaus der die Kinder beschenkt und zu Fleiß und Gehorsam ermahnt. Nikolaus war ein mild- tätiger Bischof in Myra (Lybten), wurde während der Ehristenoersolgung des Kaisers Diokletian in den Kerker geworfen, von Konstantin dem Großen aber wieder befreit. In Deutschland ist Nikolaus, der vor seiner Ernennung zum Bischof dem Kauf- mannsstand angehorte, der Schutzpatron der Kaufleute und der Schiffer geworden. Die großen Städte am Meer weihten ihre Kirchen dem hl. Nikolaus. In der kirchlichen Kunst finden wir St. Nikolaus häufig als einen Mann dargestellt der ein Buch mit sechs Broten trägt (er hat die Stadt Myra vor Hungersnot bewahrt) oder sehen drei Kinder vor dem Bischof stehen, Die er gerettet hat und nun durch die Taufe in die Kirche aufnimmt.
pelze
Die Dame mit Bankkonto, Wagen und Villa trägt Silberfuchs, Astrachan Breitschwanz und Nerz. Sie hüllt sich in Biber, in Fee und Chinchilla, und nur unter Pelzen klopft freudig ihr Herz. Sie trägt Persianer und rauscht In den Fellen des Pumas auf zierlichen Sohlen dahin.
Sie hüllt sich in Zobel, ja selbst in Gazellen, und um iyre Schultern wallt stolz Hermelin.
So geht sie jedoch nicht allein nur im Schloß um, und nicht nur die Reichen find heute bepelzt: Man sieht, wie die Kleine im feschen Opossum des Morgens zur Arbeit schon trippest und stelzt. Die Stola von Murmel, den Mantel von Fohlen, entbehrt jo auch sie nicht des höheren Schwungs, und stets zu des Wochenends-Ausflug Symbolen gehören heut Bisam und Murmel und Skunks.
Und wieviel Kaninchen verarbeitet werden ist gänzlich unfaßbar und staunenswert.
So viele Kaninchen gibt's gar nicht auf Erden, trotzdem sich dies Tier doch noch leidlich vermehrt. Man trägt es als Sealskin mit hellem Entzücken, auf Läufe und Ohren selbst ist man erp cht, man trägt seine Wamme und trägt seinen Rücken, und nur seine Blume verpetzt man noch nicht.
Und wenn erst die Gatten die Ratten gestatten, und sucht man bei Dackeln und Katzen sein Glück, dann gerbt man und färbt man die Felle, die glatten, und kehrt zu dem Urquell der Menschheit zurück. Da trugen die Felle von Bären und Ottern die Damen der Steinzeit als einziges Kleid ..
Nur kaufte man damals wohl nicht so auf Stottern. Da sieht man den Fortschritt der heutigen Zeit.
Puck.
"Vorsicht beim Baumfällen. 3n ber Zeit des DaumfäUenS werden an den Straßen und in den Ortschaften die RetchS-Telearaphen- und Fernsprechleitungen durch umltürzende Bäume, oder durch herabfallende Aeste häufig beschädigt, weil die Personen, denen das Baum- sällcn obliegt, in der Regel die zur Sicherung £et Telegraphenanlogen gegen Besch diaunzen er or- derlichen Vorkehrungen überhaupt nicht, oder nur in ungenügendem Maße treffen und es unterlassen, von den bevorstehenden Arbeiten der nächsten Postanstalt recht^itia Mitteilung zu machen. Da auch fahrlässige Beschädigungen der Telegraphen» anlagen Im 318 des Reichs-Strafgesetzbuches mit Strafe bedroht sind, wird den Baumbelitzern empfohlen, die nächste Postanstalt von der bevorstehenden Dauinsälluna so zeitig zu benachrichtigen, daß die Entsendung eines Beamten zur Sicherung der Leitungen veranlaßt werden fann.
" Hau-wirtschaftliche Weihnachts- Ausstellung Man schreibt uns Da die hauswirtschaftliche Wechnachts-Ausstellung der Haussrauen-Beratung nachmittags außerordentlich stark besucht ist, wird empfohlen, am Sonntag-
vormittag von 10 Uhr an die Ausstellung zu besichtigen. (Siehe heutige Anzeige.)
•• Oeffentliche BücherhalIe. 3m Ro- vember wurden 1461 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 980, Zeitschriften 25. 3ugendschristen 126, Literaturgeschichte 8, Gedichte und Dramen 3, Länder- und Völkerbunde 84, Kulturgeschichte 8. Geschichte und Biographien 148, Kunstgeschichte 3, Raturwifsen- schaft und Technologie 34. Heer- und Seewesen 2, Haus- und Landwirtschaft 6. Gesundheitslehre 1. Religion und Philosophie 3, Staatswissenschaft 27, Sprachwissenschaft 1, Fremdsprachliches 2 Bände. Auswahl aus dem Zugang neu aufgenommener (z. T. gestifteter) Werke: Rachschlagewerke: Beckmanns Weltlexikon und Weltatlas. Romane: Die Kleine Chronik der Anna Magdalena Bach. Liesbeth Dill: Der Grenzpfahl: Heinrich Federer: Pilatus: Peter Frenchen: Die Flucht ins weihe Land, ein Eskimoroman: 3oh. 3eger- lehner: Die Todesfahrt auf das Matterhorn: Selma Lagerlöff: Charlotte Löwensköld: 3ack London: Martin Eden: 3osef Ponten: Seine Hochzeitsreise: Romain Rolland: 3ohann Christoph: Anna Schieber: Das große 3ch: Gustav Schröer: Der Drockhof und seine Frauen. Lebensbeschreibung: Charmian London: 3ack London. sein Leben und Werk: Romain Rolland: Das Leben Tolstois. Reisen: Alex. David-Reel: Arjopa. die erste Pilgerfahrt einer weißen Frau nach der verbotenen Stadt des Dalai Lama: Seen Hedin: Rätsel der Gobi: Tader Horn: Abenteuer an der Elfenbeinküste: H. Huffzky: Wir durchstreifen Bulgarien (3ugendschrift): David R. Martin: Mit Graf Luckner auf hoher See (3ugendschrift): Stefsansson. Dilhjalmur. Das Geheimnis der Eskimos. Geschichte: Carl Guniberg: Weltgeschichte, Leben und Kultur der Völker (mit Bildern): H. Heydernarck: Flieger im Westen: H. Pochhammer: Graf Spees letzte Fahrt. Kulturgeschichte: Frauen jenseits der Ozeane, herausgegeben von Margarete Driesch. R a t Urgeschichte: Wilhelm Bölsche: Der Termitenstaat: Ludwig Heck: Schimpanse Dobbi und meine anderen Freunbe. Technik: Rolf 3taltander: So lernte ich fegelfliegen (3ugendfchrist): O. Kap- pelmeyer: Das neue Radiobastelbuch und Rund- funkpraklikum. ..Kunst und K ü n st 1 e r", 3ahr- gang 1930. Blätter zur Pflege persönlichen Lebens, von 3ohannes Müller, zwei 3ahr» gänge.
Oberbeffen
Gemeinderat in Laubach
□ Laubach, 4. Dez. 3n der gestrigen G e - n. einderatssihung wurde auf Grund der neuen Aenderungen der allgemeinen heffifchen Bauordnung die OrtSbaufahung vom 9. Dezember 1892 dahin ergänzt, daß bei Anlegung von neuen, oder bei Verlängerung bereits bestehender Straßen die Grundstücksanlieger zu den erforderlichen KalanifationSanlagen, der ersten Einrichtung der Straßenbeleuchtung und der Errichtung von Trottoir- je die Hällte der Kosten au tragen haben.
Zur Holzhauerei hatten sich 81 Bewerber gemeldet. Infolge Kürzung des Hiebfaves werden nur Dohlfahrt-erwerbslofe, deren Zahl zur Zeit 20 beträgt, die aber ständig im Steigen ist, zur Holzfällung zugelassen.
Der Bürgermeister gab bekannt, daß jetzt auch die Bürger st euer. nachdem mit Wirkung vom 1.Rovember d. 3. die Bi er st euer verdoppelt worden ist. mit einem Zuschlag von 100 v. H des Landessatzes auf Grund kreiSamtlicher Verfügung zwangsweise eingeführt worden fei
Die im 3ahre 1932 zur Erhebung kommende Hundesteuer bleibt bei dem seitherigen Satz von 4 Mk. (für den Staat 12 Mk.).
Landkreis Mienen.
00 Klein-Linden, 4. Dez. Schon öfter wurde den hiesigen Kleintierzüchtern in ihren Viehbeständen Schaden angerichtet, ohne daß man bisher des UebeÜätere habhaft werden konnte Kürzlich wurde nun von einem Ein- wohner ein Hund beobachtet, der in einen Hof eingebrungen war und vier Kaninchen, sowie zwei
Meerschweinchen würgte. Die Gendarmerie hat die Nachforsunaen nach dem Eigentümer des Hundes bereits aufgenommen.
* Alten-Buseck, 5. Dez. Am heutigen Samstag begeht Frau Katharina Brück. Wwe., in geistiger und körperlicher Frische ihren 8 7. Geburtstag.
* Albach, 5. Dez. Am 13. Dezember sollte hier Bürgermci st erwähl stattfinden. Da aber nur e i n Wahlvorschlag, auf den Rainen deS seitherigen Bürgermeisters Wilhelm Lenz lautend, eingegangen ist. braucht die Wohl nicht stattzufinden. Bürgermeister Lenz gilt somit alS gewählt.
)' Leihgestern. 4. Dez. Am Donnerstagabend hielt im hiesigen Iugendverein, in dem in diesem Winter das Deutschtum im Ausland mit besonderer Berücksichtigung der evangelischen Kirche behandelt wird, der Gerichtsreferendar Dr. R e u f ch einen Vortrag über Reifecindrücke in Rord-Amerika. Vor wenigen Wochen von dein internationalen Dtudentenkon- greß in Boston, wohin er als Vertreter der deutschen Studentenschaft abgeordnet war, zurück- gekehrt, entwarf der Vortragende ein fesselndes Bild von diesem Land der unbegrenzten Möglichkeiten: die nächtliche Ankunft des Schiffes in dem Hafen von Reuyork mit seinem unbeschreiblichen Lichtermeer, die Stadt selbst mit ihrem ohrenbetäubenden Riesenverkehr, den Wolkenkratzern bis zu 100 Stockwerken, in die man durch Expreß- und Lokalaufzüge befördert wird, Kinos mit sechs- bis achttausend Sitzplätzen, alle diese Bilder und noch vieles andere mehr ließen den Zuhörer gespannt aushorchen und stellten an seine Vorstellungskraft nicht geringe Anforderungen. Auf der einen Seite Riefenreichtum, auf der anderen Seite Riefenarmut in den Elendsvierteln von Reuyork, den Riederlafsungen besonders fremder Einwanderer, auch vieler 'Deutscher. die 'auf der Suche nach dem Glück in dem Dollarlande gescheitert ein mehr wie armseliges Dasein führen. Und draußen auf dem Lande die vielen Farmer, die kleinen bis zu 200 Morgen am schweren wirtschaftlichen Kampfe, zum Tell kärglich lebend, dann die großen biS zu 1003 und mehr Morgen, daneben endlich die gefchlossenen deutschen Bauerndörfer in Pennsylvanien und dem Seengebiet, sauber und mit breiten Straßen. Gemeinden, die mit ihrem lutherischen evangelischen Glauben auch ihr Deutschtum rein bewahrt haben. Mit warmem Dank an den Redner für seine fesselnden Ausführungen wurde der inter- essante Abend geschloffen.
0 Holzheim. 4. Dez. 3m nächsten 3ahre feiert unsere Gemeinde das 300jährige Bestehen der Kirche, an deren Erneuerung schon jetzt fleißig gearbeitet wird. Eine Seitenwand wird frisch getäfelt, sämtliche Fenster werden gestrichen. Türen erseht. Kandel gelegt usw. Während die Herstellung deS Turmes auf Kosten der politischen Gemeint geschah, sammelte die Kirchengemeinde einige hundert Mark für obige Arbeiten. Die unbedingt notwendige, aber zur Zeit wegen Geldmangels nicht möglich« Erneuerung der inneren Kirche soll im nächsten Jahre stattfinden. — 3n der jüngsten Sitzung des K i r • chenvorstandeS und der Kirchengemeindevertretung wurde als Ersah für den verstorbenen Bürgermeister Wetz der letzige Bürgermeister Buß nahezu einstimmig gewählt.
Kreis Srtiottcn
4= Freienseen, 3.Dez. Heute wurde hier, wie alljährlich, der W i n t c r m a r 11 abgehalten, zu dem 88 Ferkel und Läuferschweine aufgetrieben waren. Bezahlt wurden für sechs biS acht Wochen alte Ferkel 8 biS 10 Mk.. für acht biS zehn Wochen alte 10 biS 13 Mk. und für gehn bi» zwöl Wochen alte 13 bi» 17 Mk. Für Läuserschweine, je nach Qualität. 17 bi« 22 Mk.
Preufcen.
KreiS Wetzlar.
0 Wetzlar, 4 Dez. Die diesjährige Generalversammlung des KreiSviehversiche- rungSvereinS fand unter dem Vorsitz von Landrat M i ß statt. Rach der Rechnungslegung
durch den Kassenführer wurden die Wahlen not- genommen. Als Verwaltung?r^»Mitglieder wurden neu gewählt Heinrich Bork I. (Lützellinden) und Rudolf Simon (Biskir^en,. Den Geschälls- bericht erftattctc Direktor Schneider Versichert waren durchschnittlich 5980 Stück Rindvieh, 8716 Schweine, 1416 Pferde und 1189 Ziegen. Da» Vermögen dcS Vereins betrug Ende des Geschäftsjahres 1930 31 bei der Rindviehversicherung 30 715.44 Mk.. bei der Schweineversicherung 44 435,82 Mk. bei der Pser de Versicherung 42 384,24 Mk., bei der Ziegenversicherung 3326.95 Mark, bet der Diehleihkasse 7297,75 Mk.
Hochstapler vor Gericht.
][ Marburg, 3. Dez. 3m vergangenen Winter trat in Halle, Braunschweig, Kassel, Marburg, G ie ßen und Wetzlar ein gerissener LogiS- und Warenbetrüger unter den verschiedensten Decknamen auf und schädigte zahlreiche Geschäftsleute. Sv suchte er in den Geschäften Bekleidungsstücke, Bücher ufw. auS. ließ sie in dem von ihm gemieteten Hotelzimmer abgeben und verschwand Dann unter Mitnahme der Waren und ohne Begleichung seiner Zechen. 3n einem Falle lieh er sich auch einen Diebstahl zuschulden kommen. Rachdem er am 3. und 4. Mär< als Dr. phil. Febre in Marburg verschiedene Schwindeleien verübt hatte, gelang es einige Tage daraus der Kriminalpolizei in Wehlar, den Hoch- tapler dingfest zu machen. SS handelte sich um den 33jährigen. in Tilfit geborenen Chemiker W. Lorat. der wegen Betruges und Diebstahls schon öfters vorbestraft ist und erst Ende vorigen 3ahreS in Leipzig auS der Strafhaft entlassen wurde. Eine Untersuchung seines DeistesAustandes in der hiesigen Irrenanstalt ergab, daß e: sehr tark erblich belastet ist. DaS Marburger Schöffengericht oerurteilte ihn heute wegen fortgefehten Betrugs und Diebstahl- zu einem 3 ahr drei Monaten Gefängnis. Falls es gelingt, den Betrüger in einer Fürsorgeanstalt unterzubringen. soll die Strafe au-gesetzt werden.
Starkenburg.
Tragischer Tod eines Schutzpolizisten.
M a i n z. 4. Dez. (WSN.) Am Donnerstagvormll- tag fand im früheren Unterkunftsraum der Alice- kajerne, her zu einem Schießstand von 50 Meter Länge für die Schupo eingerichtet wurde, eine Ucbung her Schupobeamten im Klein- kaliberschießen statt. Bei dieser Gelegenheit geriet eine Schießscheibe in Unordnung, die von einem der drei in Deckung befindlichen Schutzpolizisten, die die Treffer anzuzeigen hatten, dem 23 Jahre allen Heinrich Trayser au» Darmstadt, in Ordnung gebracht werden sollte. In dem Augen- blick, als Trayser diese Arbeit verrichten wollte, krachte ein Schuh. Die Kugel traf Trayser in die rechte Schuller und drang in den Brustkorb ein. Der Tod trat infolge innerer Verblutung ein Die sofort eingeleitete Untersuchung ergab, daß ein Kollege, ohne gewußt zu haben, daß Trayser mit der Reparatur an der Schießscheibe beschäftigt war, den tödlichen Schuh abgegeben Halle.
Weihnachisbiiie
der Nieder-Ra mstäbker Anstalten sür Epileptische und Krüppel.
Wir hätten im vergangenen 3ahr unseren Pflegebefohlenen nicht em so schönes und frohes WeihnachtSfeft zurichten können, wie eS geschehen ist, wenn nicht auf unsere Dille eine so warmherzige und opferfreudige Antwort auS allen Teilen unseres HessenlanbeS gekommen wäre. Run sind wir in diesem Winter der großen wirtschaftlichen Rot erst recht auf die Weihnacht-Hilfe aller Freunde der Armen und Kranken angewiesen und bitten darum herzlichst:
helfen Sie un» wieder den Weihnachtstisch decken für die hessischen Fallsüchtigen und Krüppel und alle anderen Pfleglinge der Rieder-Ramslädter Anstaltenl
Helfen Sie mit, trotz aller eigenen Sorgen, daß die Helle Sonne der Weihnacht-frohbotschaft, der WeihnachtSfreude und der Weihnacht-lieb« hell hineinfcheine in da- Leben von 350 Menschen, die zu den Aermsten der Armen gehören. Vergessen wir doch über den gewalllgen Rotständen, die auf uns und unserer Zeit lasten, nicht den Jammer, der in der Stille hinter Anstaltsmauern fein Dasein fristet und nicht über den neuen Röten unserer modernen Zeit das alte Krankbeit-elend. da- immer da war und immer auf die brüderliche Liebe angewiesen bleibt
Für jede, auch die kleinste Gabe, find vir dankbar und bitten, sie auf unser Postscheckkonto (Frankfurt a. M. Rr. 4992, Rieder-Ramstädter Anstalten) einzuzahlen, oder zu überweisen.
Mit herzlichen W ihnacht-grüß« Pfarrer Schneider, Direktor.
Weihnachten in Bethel.
E- ist doch wahr, daß durch da- Kind von Bethlehem ein neuer Schein in die dunkle Welt gekommen ist! Wenn Taufende sagen, sie sähen nicht- davon wenn in dieser schweren Zeit viele Herzen sich dem Licht der andern Well verschließen. so hört es darum doch nicht auf zu leuchten. Und wenn die heilige Rächt auf- neue zu uns kommt, dann bringt in alles Leid und allen Kamvs der Erde ihre F eudenbotfchaft tief hinein: .Also hat Gott die Well geliebt.“
Daß wir an diese Liebe Gottes glauben dürfen, da- allein gibt uns in Bethel Mut zu unterem 'Dienst. Er ist immer noch am Wachsen. Fast 6000 Epileptische und Gemütskranke, Arb.it-- und teimatlose werden zu Weihnachten an unteren ischen sitzen Diele von ihnen sind ganz einsam. Allen möchten vir gern eine kleine ^freube bereiten. Sie soll ein bescheibener Aoalanz bet himmlischen Liebe sein, bie in bem Christkind offenbar geworden ist.
Darum schauen wir wieder aus nach fröhlichen Mithelfern beim Weihnachtsdienst von Bethel. AlleS ist un- sehr willkommen: Kleidungsstücke, Mäntel, Strümpfe und Schuhe, vor allem für Männer, ebenso Lebensmittel jeder Art. Spiel- fachen für Kinder und Defellscha'tSsplele für Er» wachfenc, Bücher oder Bilder Sehr wertvoll ist uns auch Strickwolle. Unserem .Weihnacht-)aus* wird daS Verteilen sehr erleichtert, wenn uns die Gaben so früh wie irgend möglich ge- fanbt werden. (Anschrift: Weih-acht-hauS Bethel bei Bielefeld. Bahnstation Brackwebe.) Will uns aber jemand lieber das Einkäufen überlassen, freuen wir unS auch über jede Geldgabe (Postscheckkonto Hannover 1904).
Mit herzlichen, dankbaren Wechnachtsgrühen F. v. Bodelschwingh. P.
Bethel bei Bielefeld, im Advent 193L


