tungen: H. Dechent (Friedberg) 98% P., W. Fink (Marburg) 87% P., P. Goetsch (Marburg) 93% P., K. Sch i ck (Gießen) 96% P, A. Ahrens (Marburg) 100% K. Reuter (Gießen) 100% Punkte, R. Seth (Großen-Linden) 110 P., A. E ck - hardt (Bad-Nauheim) 108% P. und W Sinn- well (Bad-Nauheim) 107% Punkte.
Betrachtet man die Ergebnisse der oberhessischen Turner vergleichsweise mit dem Ergebnis des Kunstturnwettkampfes in der Stadthalle zu Mainz im Frühjahr dieses Jahres, so kann man feststellen, daß die Differenz zwischen dem 1. und 2. Sieger wesentlich geringer geworden ist. Seinerzeit vermochten die Rheinhessen allerdings gegen eine ersatzgeschwächte oberhessische Mannschaft 881:829 Punkten den Sieger zu stellen. Bei dem gestrigen Kampfe betrug der tlnterscbied nur noch 6 Punkte. Man kann unter diesen Umständen wohl mit Recht behaupten, daß sich hier zwei völlig gleichwertige Mannschaften gegenüberstanden.
Den Schluß der Veranstaltung bildete eine würdige Siegerehrung,
die von dem Gauoberturnwart Frey vorgenommen wurde. Die siegreiche Mannschaft erhielt ein Diplom, und jeder Turner der Mannschaft den schlichten Eichenkranz. Den anderen beiden Mannschaften wurden Diplome zuteil. Mit einem dreifachen Gut Heil auf die deutsche Turnerei wurde die Beran- staltung geschlossen. Für die Stadt Gießen bedeutet dieser Kunstturn-Wettkampf ein weiteres Glied in der Kette seiner turnerischen Tradition. Allen Teilnehmern und Zuschauern dürfte dieser Wettkampf lange in bester Erinnerung bleiben.
Gerhardt abermals Zweiter.
Championat der Ltrcckcnläufer.
Nur 14 Läufer traten am Sonntag in Berlin zum traditionellen Bahnläufen über 25 Kilometer um das Championat der Streckenläufer an. Das Ergebnis: 25 Kilometer Bahnlauf: 1. Brösecke
(BVG.) 1:29:36,2, 2. Gerhardt (Gießen) 1:29:44,6; 3. Brauch (SEE.) 1:31:03,8; 4. Schneider (Hirschberg) 1:31:21,2; 5. Geisler (SEE.) 1:31:23,2.
Zußball in Hessen-Hannover.
Dis auf die eine große Hebevra^chung in Marburg, wo die Kurhessen den Tabellenführer, ihren Ortsrivalen Germania, mit 3:1 schlugen, verliefen alle Spiele planmäßig. In der Süd- gruppe liegen nunmehr drei Vereine punktgleich mit je 8:2 Punkten an der Spitze: SC. 03 Kassel, Hessen 09 Kassel und Dorusia Fulda. In der Nordgruppe führt Sport Kassel mit 9:1 Punkten vor Hessen Hersfeld (8:2 P.).
Die Spiele in der Südgruppe brachten folgende Ergebnisse: SC. 03 Kassel - FD. Horas 9:1 (3:1); Dorussia Fulda — Ockershausen 8:1 (6:0); Kurhessen Kassel — Germania Fulda 1:1 (1:0); Kur- hessen Marburg — Germania Marburg 3:1;
In der Nordgruppe: Hessen Hersfeld — Germania Kassel 1:1 (1:1); Spielverein Kassel — Spv. Göttingen 5:2 (2:0); FC. Grone — Sport Kassel 0:2 (0:0); Sp. u. Sp. Northeim — Göttingen 05 0:1.
Punktkämpfe in der Gruppe Main.
Eintracht und Sportverein spielen unentschieden.
Die Gruppe Main hatte am ersten Oktobersonntag ein sehr interessantes Programm. Das Haupttreffen, die Begegnung Eintracht gegen Fuhballfportverein endete vor 20 000 Zuschauern am Riederwald mit einem Unentschieden von 1:1 (0:0). Rot-Weiß trat am Biederer Berg gegen die Kickers Offenbach wie- der in alter Frische an und gewann überraschend mit 3:1 (3:0). Union Niederrad ließ sich in Hanau 2:4 (0:1) schlagen, man hatte hier mindestens mit einem Unentschieden gerechnet. Eine Ueberraschung war auch der glatte 3:1-Sieg, den Griesheim über Isenburg erzielte. Germania 94 scheint schon jetzt ziemlich verloren zu sein, die Mannschaft ließ sich auf eigenem Platz von Germania Bieber 2:4 schlagen.
Landesverband der Obst- und Gartenbauvereine in Hessen.
Unter starker Beteiligung der Vereinsvertreter aus dem gesamten Verbanosgebiet fand gestern vormittag im Cafs Leib zu Gießen die Hauptversammlung desLandesverbandes der Obst- u nd Gartenbauvereine in Hessen statt.
Präsident v. Hahn, der Vorsitzende des Landesverbandes, leitete die Tagung, begrüßte die Teilnehmer, die Vertreter der Behörden und der Presse. Er dankte dem Verkehrsoerein Gießen und dem Kreisobstbauverein Gießen für die prächtige O b st - und Gartenbau - Ausstellung^die auf der Liebigshöhe gezeigt wird. In kurzen Worten würdigte der Redner die Bedeutung, den Sinn und den Zweck der Ausstellung und teilte die erfreuliche Tatsache mit, daß bereits der größte Teil des Ausstellungsobstes verkauft ist. Schließlich begrüßte er noch den Referenten des Tages, Herrn Deckel (Kassel).
Im Namen des Landwirtschaftskammerausschus- ses wünschte Landtagsabgeordneter Fenchel der Tagung vollen Erfolg, ebenso Gärtnereibesitzer Schneider (Gießen) namens der Gärtner-Vereinigung.
Präsident v. H a h n erstattete nunmehr einen aus- führlichen
Bericht über die Tätigkeit des Landesverbandes während der 25 Jahre seines Bestehens. Er schil- bette die organisatorische Entwicklung des Verban- des und die sich entgegenstellenden Schwierigkeiten. Insbesondere ging er auf die ständigen Bemühungen um intensivere Zusammenarbeit mit der Land- wirtschastskarnrner ein. Der Landesverband habe im
Laufe feines Bestehens seine Notwendigkeit nachgewiesen. Weiter skizzierte der Vorsitzende die Arbeit des vergangenen Jahres. Die Obsternte des Jahres 1931 dürfe als sehr gut bezeichnet werden. Leider seien die Preise sehr niedrig. Nach wie vor erweise sich die Auslandkonkurrenz als sehr drückend. Der Plan zur Durchführung einer großzügigen Absatzwerbung habe sich bisher nicht durchführen lassen. Man habe sich dafür um die Durch- führung einer Marktbeobachtung und einer Verladekontrolle bemüht. Die Bestrebungen um die Herabsetzung der Frachtsätze für Obst bei der Reichsbahn seien von Erfolg begleitet gewesen. Weiter habe man sich seitens des Landesverbandes um eine Einheits Packung bemüht, nicht weniger auch um systematische Schädlingsbekämpfung und planmäßige Obstbaumanpflanzung. Durch stetige weitere Ausbildung der Obstbaum-Jnspektoren werde wirksame Breitenarbeit eingeleitet. Die Kreisver- bände müßten sich im einzelnen durch Vergebung von Ehrenpreisen die Absatzförderung angelegen sein lassen. Der Landesverband sei auch für die Zukunft bemüht, alles nur mögliche für den deutschen Obstbau zu tun. Allerdings müsse es immer die Aufgabe des Landesverbandes bleiben, die großen Ziele im Auge zu behalten und zu verfolgen.
Der vom Rechner Herrn Michel (Darmstadt) vorgelegte
Rechnungsbericht
zeigte eine Einnahme von 8213 Mark, eine Ausgabe von 1785 Mark und einen äleberschuh von 6128 Mark. Das Gesamtvermögen des Landesverbandes beträgt insgesamt 9428 Mark.
Wenn Menschen anseinandevgehn
Tioman von 3- Gchneider-Foerstl.
Urhebrrrechtsschutz Verlag O. Mei st er, Werten.
3. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Sie hatte schon den Mund zu einem strengen Wort geöffnet, als hinter Szengeryis Schultern ein dunkler Kopf auftauchte und eine bittende Stimme klagte:
„Ein stellenloser Künstler bittet um ein bescheidenes Abendbrot!"
Der schwere Silberschöpfer glitt in die weihe, goldgerandete Schüssel. Aga lachte. Töröks Lippen schmunzelten. Rosmarie sprang auf, lies an Szengerhi vorüber nach der Tür und zog Horvath mit beiden Händen an den Tisch.
Ihre Augen starrten ihn an, begannen dann zu flimmern und standen in feuchtem Glänzen. „Guido, hast du wirklich Hunger?"
»Ja. RosmarieI"
„Ißt du denn nicht mehr bei deiner Großmutter?"
Horvath sah Tränen in den Kinderaugen. Es reizte ihn, sich bemitleiden zu lassen. Zudem machte es ihm Spaß, diese dunklen Sterne seinetwegen in Trauer zu sehen. Mit gedämpfter Stimme, als schäme er sich, es gestehen zu müssen, klagte er: „Ich bin heute morgen unartig gegen Großmutter gewesen. Nun liebt sie mich nicht mehr und hat mir die Türe gewiesen."
„Guido!" Die Kinderaugen standen voll Entsetzen.
Török warf dem Künstler einen warnenden Dlick zu. Aber Guido fand Rosmaries erblaßtes Gesicht so süß, daß er gar nicht davon hinwegsehen konnte.
„Und du hast also wirklich noch nichts zum Abendbrot gehabt?" forschte das Mädchen.
„Nichts", gab er ernsthaft zu.
„Hast auch kein Geld, dir etwas zu kaufen?"
„Nein, Rosmarie." Er griff in die Tasche, zog seine Dörse und zeigte ihr die leeren Fächer. „Ich werde mich durchbetteln müssen bis Wien, vielleicht auch noch bis weiter hinauf."
Rosmarie sah erstarrt in sein schönes Gesicht. Als ihre Augen sich wiederum mit Tränen füllten, war es Dela Szengeryi zu viel des Schmerzes. „Warum quälst du sie?" sagte er ärgerlich und rückte seinen Stuhl zur Seite, um dem Freunde neben sich Platz zu machen.
„Er ist gar nicht so arm", lachte Agas dunkle Stimme in dem großen Raum. „Du weinst umsonst. mein Kindchen. Guido kauft die ganze Steppe, wenn er sie haben will."
Rosmarie war noch nicht völlig beruhigt. Als Aga ging, um in der Küche nach dem Draten zu sehen, füllte sie Horvaths Teller nochmals bis zum Rand.
Er hielt ihr die Kinderhände fest und neigte sich darüber.
„Herr Horvath!" mahnte Török ernst.
Rosmaries Augen glänzten in Seligkeit, die Delas dagegen waren schier am Erlöschen.
Die gute Laune des Künstlers schlug im Nu wieder eine Drücke zu harmloser Fröhlichkeit und leichtem Geplauder. Es ging schon auf die zehnte Stunde, als er sich verabschiedete. Am Morgen wollte er noch einmal kommen, um den beiden Herren Adieu zu sagen.
Dela Szengerhi ließ es sich nicht nehmen, ihn ein Stück zu bekleiden. Aber es wurde ein schweigsames Wandern.
Dela wurde von tausend Zweifeln und Ahnungen geplagt. Horvaths Gedanken waren meilenweit entfernt und hasteten von der Steppe nach dem Lichterglanz der Großstädte, nach deren Hasten und Treiben und nach den Erfolgen, die er dort wieder zu erringen hoffte.
Er war gottbegnadet und wußte es. Die große Welt verwöhnte und umschmeichelte ihn. Alnb doch fühlte er ab und zu eine trostlose Leere in sich, ein Sehnen nach etwas Unbekanntem, das ihm noch vorenthalten war.
Als Szengerhi nun den Schritt verhielt und ihm mit einem „Gute Nacht" die Hand reichte, schrak Horvath aus seinem Traume auf. Seine Gedanken waren so grundverschieden von denen des Freundes gewesen, daß er die Anklage, die im Gesicht des anderen stand, lediglich für Trennungsschmerz hielt.
„Komisch", sagte er gütig, „daß es so etwas wie Heimweh gibt. Ich weiß das aus Erfahrung Man braucht seine Zeit, um darüber hinwegzukommen. Aber wenn es dann überwunden ist, ist die Fremde nur um so schöner."
Dela wußte keine Antwort. Er hielt Horvaths Rechte in der seinen und drückte sie schmerzhaft. Dann wandte er sich zum Gehen. Der Geiger sah. wie seine Schatten immer kleiner und kleiner wurden. Dann setzte er mit raschem Schritt die Füße wiederum in Bewegung.
Nach einer halben Stunde Weges tauchte das Licht einet Tanja auf. Hinter der Weißdornhecke, die sie umfriedete, erklang das Geheul einer Dogge. Eine Frauenstimme gebot Schweigen. Horvath blieb stehen. Er lauschte und rief einen Namen in das Dunkel.
Eine Gestalt löste sich von der weihen Mauer des Hauses. Dlauschwarzes Haar glänzte im Mond. Ein leichter Schritt kam quer durch den ©arten. Horvath wartete, bis daS Mädchen sich ihm genähert hatte.
Mit einem Satz überquerte er die niedere Barriere des ZauneS. Nach einem Moment des
Die Rechnung wurde in Ordnung befunden, und dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Ein Antrag des Obst- und Gartenbauvereins Darmstadt auf Herabsetzung des Landesverbandsbeitrags wurde De.tagt.
Zum Schluß hielt Herr Deckel (Kassel) einen sehr instruktiven und aus praktischen Erfahrungen herausgegrisfenen Dortrag über das Thema „Lehren und Nutzanwendungen aus dem Obstabsah der letzten Jahre".
Er stellte hierbei insbesondere die Verkaufs- Praktiken ausländischer Obfteraeuger denen des deutschen Obsterzeugers gegenüber und wies
dabet Gegensätzlichkeiten von grundsätzlicher Be- deutung auf, aus denen Nutzanwendungen zu ziehen die lebenswichtigste Aufgabe des deutschen Obstbaues sei. Der Dortrag wurde mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und fand lebhaften 'Beifall.
An den Dortrag schloß sich eine Aussprache an. Zum Schluß der Versammlung fand eine
Entschließung
Annahme, in der von der Reichsregierung Maßnahmen gefordert werden, die dazu beitragen, den deutschen Obstmarkt von dem Druck der ausländischen Ob st einfuhr zu befreien.
Wirtschaft.
Neues Verbot von Kursnotizen.
Berlin. 3. Olt. (WTB.) Nachdem die Effektenbörsen seit einiger Zeit erneut geschlossen sind, hat es sich, wie im Juli d. I.. im Interesse der Bekämpfung der Schwarzen Börsen als notwendig erwiesen, die Veröffentlichung und die zirkularmäßige Bekanntgabe der Kurse, sowie von Preisangaben beim Angebot und bei der Nachfrage bei Wertpapieren zu verbieten. Ein solches Verbot ist im Wege der Notverordnung heute ausgesprochen worden. Die Notverordnung entspricht im allgemeinen den inzwischen wieder aufgehobenen Verordnungen vom 15. und 16. Juli 1931.
Oie Devisenbewirtschaftung.
Nach den abgeänderten Richtlinien für die Devisenbewirtschaftung werden die allgemeinen Genehmigungen zum Verkehr mit Devisen, die zu Zahlungen zur Einfuhr, Ausfuhr und Transit- Handel und für eine Reihe von anderen Geschäften erteilt worden waren, mit dem 8. O k t o b e r 1931 ungültig. Neue allgemeine Genehmigungen können erteilt werden, in denen das Recht zum Erwerb von Devisen auf einen b e st i m m t e n Höch st betrag für jeden Monat beschränkt wird. Soweit Anträge auf Erneuerung bis z u m 8. O k t o b e r bei den Devisenbewirtschaftungs- stellen eingereicht sind, können diese gestatten, daß die Firmen bis auf weiteres auf Grund ihrer alten Genehmiguna Geschäfte tätigen, wobei eine Anrechnung dieser Geschäfte auf den Höchstbetrag der später ausgestellten neuen Genehmigung erfolgt.
Frankfurter Schtachtviehmarkt.
Frankfurt a. M., 5. Okt. Auftrieb: Rinder 1417 Stück, darunter 320 Ochsen, 175 Bullen, 493 Kühe, 390 Färsen; Kälber 521, Schafe 115; Schweine 5067 Stück. Es notierten pro 100 Pfund Lebendgewicht: Rinder. Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts: jüngere 38 bis 42, ältere 35 bis 37, sonstige vollfleischige jüngere 29 bis 31; Dul en: jüngere, vollsleisch ge, höchsten Schlachtwerts 33 bis 34. sonstige voiljleischige oder ausgemästete 26 bis 29; Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 30 bis 33, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 26 bis 29, fleischige 20 bis 25; Färsen (Kalbinnen, Iunarinder): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 38 bis 42, vollfleischige 35 bis 37, fleischige 29 bis 34. Kälber. Beste Mast- und Saugkälber 46 bis 49, mittlere Mast- und Saugkälber 40 bis 45, geringe Kälber 35 bis 39. Schafe. Mastlämmer und jüngere Masthämmel: Weidemast 31 bis c8, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 25 bis 33. Schweine. Vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund 54 bis 57, von etwa 200 bis 240 Pfund 53 bis 57, von etwa 160 bis 200 Pfund 51 bis 56, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 45 bis 53, Sauen 42 bis 50. Marktverkauf: In allen Gattungen ruhig. Rinder nahezu ausverkauft; Kälber, Schafe und Schweine geräumt.
Frankfurter Getreidebörse.
Frankfurt a. M., 5. Okt. An der Getreidebörse war die Stimmung zu Beginn der neuen Woche zwar ruhig, aber doch etwas befestigt. Das Angebot hat sich verringert. Die Umsatztätigkeit war etwas belebter, im allgemeinen aber doch immer noch ziemlich klein, zumal das Weizenmehlgeschäft fast vollkommen stagnierte. Roggenmehl war dagegen weiter stark gesucht und im Preise höher. Don Futterartikeln war Kleie weiter etwas schwächer. Die Preise blieben im großen und ganzen behauptet. Weizen und Roggen konnten je 2,50 Mark anziehen. Es wurden notiert: Weizen 230 Mark, Roggen 220 Mark, Hafer (inländischer) 175 bis 180 Mark, Hafer (ausländischer) 160 bis 167 Mark, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0, mit Austauschware) 36,75 bis 37,50 Mark, Sondermahlung 34,25 bis 35 Mark, Weizenmehl (niederrheinisches, mit Austauschware) 36,75 bis 37,25 Mark, Sondermahlung 34,25 bis 34,75 Mark, Roggenmehl 30,50 bis 31,50, Weizen- kleie 8,50 bis 8,40 Mark, Roygenkleie 8,75 bis 8,70 Mark, Erbsen (je nach Qualität für Speisezwecke) 33 bis 37 Mark, Linsen (je nach Qualität für Speisezwecke) 25 bis 58 Mark, Heu (süddeutsches, gut, gesund, trocken) 4 bis 4,25 Mark, Weizen- und Roggenstroh (drahtgepreßt) 3 Mark, Weizen- und Roggenstroh (gebündelt) 2,75 bis 3 Mark, Treber (getrocknet) 11,25 bis 11,90 Mark, Jndustriekartoffeln hiesiger Gegend 2,20 Mark. Tendenz stetig.
Devisenmarkt Berlin — Frankfurt <l2R.
3. Oktober
5. Oktober
Amtliche Nolierunq
Amtliche Notierung
Neid
»ries
Geld
»rid
Helsingsor» . Wien...»
10,29
55,44
10,31
55,56
10,19
54,70
10,21
54,80
Prag . . .
12,48
12,50
12,48
12,50
Budapest . .
73,28
73,42
73,28
73,42
Sofia . . .
3,057
3,063
3,067
3,073
Holland . .
169,63
169,97
169,58
169,92
OSIo.... ttopendagea.
92,91
93,09
92.91
93,09
93,41
93,59
93,41
93.59
Stockholm
98,90
99,10
98.40
98,60
London. . . Buenos Aires
16,28
16.32
16.03
16.07
1,908
1,912
0,923
0.927
Nenyort . .
4,209
4,217
4,209
4.217
Brüssel. . .
58,79
58,91
58.79
58.91
Italien. . .
21,33
21,37
21,38
21,42
Bari» . . .
16.68
16.72
16.68
16.72
Schweiz . .
82,42
82,58
82,32
82.48
Spanien . .
37,76
37,84
37,56
37,64
Danzig. . .
81,97
82,13
81,97
82,13
Japan . . . Rio de Ian..
2,078
2,082
2.078
2,082
0,199
0,201
0,194
0.196
Jugoslawien.
7,453
7,464
7,463
7,477
titilabon . .
14,79
14,81
14,64
14,66
Banknoten.
Serlln, 3 -Ol ober
(Selb
Amerikanische Noten . . .
4,20
4,22
Belgilche Noten .....
e ä « -
58,68
58,92
Dänische Noten .....
93.21
93,59
Englische Noten .....
16,24
16,30
Franzäsische Noten....
16.67
16,73
Holländische Noten ...»
169,26
169.94
Italienische Noten ....
21,41
21.49
Norwegische Noten....
92,71
93,09
Deutsch-Oesterrcich, 1 100 Schilling
55.29
55.51
Rumänische Noten . . . .
2,50
2,52
Schwedische Noten ....
98,65
99,05
Schweizer Noten. ....
82,24
82,56
Spanische Noten. . . . .
37.47
37,63
Ungarische Noten ....
72,75
73,15
Zögerns riß er den schlanken Körper an sich. Immer und immer wieder preßte er seine Lippen auf den Mund des bleichen Gesichtes, das hilflos an seine Schulter ^urüdgeneigt lag.
Er horte ein leises Wimmern, hielt inne, sah die geschlossenen Lider und lieh seine Küsse nun über diese hinbrennen.
Allmählich fühlte er, wie sein Blut sich zu beruhigen begann. Mit einem Lächeln sah er auf den reglosen Körper, der sich an den seinen schmiegte.
„Warum läßt du dich so selten in die Arme nehmen. Raja?" fragte er vorwurfsvoll. „Wenn du heute am Rain nicht nach meiner Hand gegriffen hättest, wüßte ich gar nicht, daß du Sehnsucht nach mir hast. Du willst mich glauben machen, daß du mich liebst. Aber das ist nur Lüge!"--
„Ich werde sterben darüber, Guido." „Worüber, mein Kind?"
„An dieser Liebe."
Er lächelte nachsichtig. „Werde mein Weib, dann kannst du immer bei mir sein."
Sie stöhnte. „Du weiht, daß Vater es niemals zugeben wird."
Er zuckte die Achseln. „Dann ist es am besten, wenn wir uns trennen."
Sie fuhr leise auf und umklammerte seinen Arm. „Das könntest du, Guido? Jetzt, wo du alles in mir geweckt hast! Wo ich weiß, was Liebe ist. Wo ich nicht anders kann, als mich in deine Arme werfen, wenn ich dich sehe."
„Meine Schuld ist es nicht", sagte er ruhig. Es Hang eine gewisse Wärme in seinem Tone mit. „Für mich ist es ja gewiß nichts weniger als angenehm, daß ich mich immer auf die Lauer stellen muh, um dich zu Gesicht zu bekommen und einen Kuh von dir zu kriegen. Ich habe gehofft, du würdest endlich einmal Ernst machen und nicht immer nach deines Vaters Geboten tanzen. Ich bin achtundzwanzig Jahre und will ein Weib haben. In diesem Alter ist man kein dummer Junge mehr, der sich immer wieder vertrösten labt.
„Ich tu dir alles zuliebe, Guido, alles", klagte das Mädchen.
„Rur das eine nicht", schalt er störrisch. „Sag deinem Vater, dah du meine Frau werden willst, pack deine Koffer und komm mit mir.“
„Unö dann, Guido?" flüsterte sie angstvoll.
„Gott, wie kindisch!" wehrte er ärgerlich. „Dann lassen wir uns eben trauen und bauen uns irgendwo ein Rest! Es ist überall schon in der Welt."
„Und meines Vaters Segen?"
Er biß ungeduldig mit seinen schonen weihen Zähnen in das Fleisch der Unterlippe. „Wähle in Gottes Namen, was dir lieber ist: Mich oder deines Vaters Segen!" Er streifte ihren Arm von sich und wandte sich zum Gehen.
Mit einem Sprung gewann er die andere Seite der Hecke.
Ihr Weinen klang ihm nach. Aber er sah nicht mehr zurück er durfte nicht, sonst machte er kehrt, sonst--
Nein, ehrlos war er noch nie gewesen!
Ein Weib, das ihn liebte, zur Dime machen? Nie! Dazu waren die anderen gut genug, die sich verkauften.
Sein Schritt wurde immer rascher. Ein schwacher Lichtschimmer kam ihm entgegen. Zwischen grünenden Obstbäumen und blühendem Holder kam er aus einem ebenerdigen Fenster durch die Nacht.
Grohmutter war noch wach und wartete auf ihn.
Die Erregung in seinem Gesicht schwand. Da- Hämmern und Brausen seines Blutes verebbte. Als er das geräumige Zimmer betrat, über dessen Boden das dunkle Balkenwerk verästelte Schatten warf, stand Kinderfrieden in feinem Gesicht.
„Ich habe mich gesorgt, Guido." Die Greisin, die in einem Lehnstuhl sah, sagte es vorwurfsvoll, doch war ihre Stimme von quälender Angst befreit.
„Um mich groben Menschen, Grobmütterchen, sollst du dich nimmer sorgen." Hinter ihren Sessel tretend, lehnte er sich über sie und streichelte ihre kühlen Wangen.
Sie drückte auf die Klingel und befahl dem Mädchen, das Abendbrot für den Enkel herein* zubringen.
„Ich habe bei Torok gegessen", wehrte er. „Dee Professor fährt morgen und Bela Szengeryi mit ihm." Dann mit einem Lachen: „Er liebt Ros» marie. Findest du das nicht komisch,Großmutter?"
„Nein", sagte sie ernsthaft. „Es ist gut, wenn man ein Ziel vor sich hat." Wie zufällig griff sie nach dem Perlmutterknopf, der die Brust seines Seidenhemdes schloß und löste ein langet, blauschwarzes Haar davon ab.
Er wurde rot, senkte den Blick und zog sich einen Schemel herbei.
„Kommst du von ihr?" fragte sie und suchte in seinen Augen.
„Ja."
„Und das mit Töröks Abendsuppe?“
„Ist Wahrheit, Großmutter. Ich habe sie erst auf dem Rückweg getroffen."
Wieder suchten ihre Augen in den seinen» „Und du hast deine Hände rein gehalten?"
„3a." Lein Blick ruhte ohne Scheu in den» ihren.
Sie atmete auf. „Guido, ich bin eine alte Frau. Aber glaube mir, die Nächte, in denen alles zur Reife drängt, sind gefährlich, gefährlicher, al6 je ein Tag eS werden kann. Ich hasse das Mädchen und alles, daS von dort kommt. Du weistß es. Aber Schande über sie bringen sollst du nicht."
(Fortsetzung folgt)


