Ausgabe 
5.10.1931
 
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Ar. 252 Zweites Blatt

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Jahrhunderten auf lanae Sicht. Die napoleo- üsche Idee ist durch die Zwischenfälle

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über von Wahrheit und Dichtung wie überall. Zu- nächst sagen uns die außerordentlichen Tiefen zwi-

habe, durch Abstimmung, daß sie die Pazifisten ver­achte, möge es sich auch um Frontkämpfer handeln, daß sie Wert darauf lege, zu erklären, ein neuer Krieg würde sie ohne viel Geschwätz an der Front sehen? Und sarkastisch wird das Wort Briands zi­tiert, es könnte sofort Friede sein, wenn es keine Nationalisten mehr gebe ausgenommen die fran­zösischen.

Wie ein Trompetenstoß wurde die Rede M a - ginots empfunden, von dem die Mär geht, er arbeite auf den Krieg hin wie Iswolski und am nächsten Tag kam die überraschende Wen­dung in Genf. Nach verzweifelter Gegenwehr Frankreichs und Jugoslawiens hat die italienische Friedenspolitik wenigstens soviel durchgedrückt, daß eine Anfrage an die Regierungen gerichtet wird, ob sie zu einer Rüstungspause bereit seien. Das ist im Vergleich zu dem ursprünglichen Vorschlag nicht viel, aber man atmete doch in Rom fühlbar auf. Schüchtern will sich wieder ein bißchen Hoffnung durch die Wolken stehlen. Ob es freilich bessere Ein­sicht war, die zum Abbruch der Dorfeldkämpfe für die Abrüstungskonferenz blies, oder nicht vielmehr der Sturm, der über das krachende Weltwirtschafts­gebäude hinwegfegt? Wie dem auch sei, eine unsicht­bare Macht von niegekannter Stärke zieht immer schärfer die Bremse am Kriegswagen an. Es regiert jetzt einer, der keine Sieger und keine Be­siegten mehr kennt, der auch die neutralen Staaten nicht mehr ausnimmt. Wir sind in ein anderes Kraft­feld geschleudert worden, an dessen Urgewalt nicht nur die akademischen Reden, sondern auch viel­leicht die militärischen und imperialistischen Ideale Frankreichs zersplittern werden.

wies auf die turnerischen Traditionen, auf die Gießen zurückblicken könne, hin. Der Kreisvertre- 1er QI. Pfeiffer- Wetzlar hielt ebenfaUs eine kurze Ansprache, in der er der Stadt für die Gastfreundschaft dankte. 3n seinen weiteren Aus­führungen streifte er die hohen sittlichen Werte des deutschen Geräteturnens und die in der DT. damit verfolgten Ziele. Sodann begannen die eigentlichen Hebungen.

Jede Mannschaft bestand aus 9 Mann. Jeder Turner hatte je eine Kürübung am Darren, Seitpferd, Längspferd und am Reck zu zeigen; je drei Mann einer Mannschaft außerdem eine Kürfreiübung. Don jeder Mannschaft wurden nur die Hebungen von 8 Turnern gewertet. Der neunte turnte jeweils als Ersatzmann. Qlls höchste Wertung konnten 30 Punkte erreicht werden. Der Gau Hessen, unsere Heimatprovinz Oberhes­sen, war durch folgende Turner vertreten: H. Dechent (Tgm. Friedberg) als Ersatzmann; W. Fink und P G o e t s ch (beide Marburger T.- u. Spv.), K. Schick und K. Reuter (beide 1846 Gießen), QI. QIh rens (Marburger Tgm.), R. Seth (Tv. Grohen-Linden), QI. Eckhardt und W. S i n n w e l l (beide Tv. 1860 Dad-Rau- heim). Die Starkenburger (Gau Rhein-Main) traten mit zwei Mann Ersah an, die Rhein­hessen hatten ihre stärkste Dertretung zur Stelle.

Der Kampsoerlaus gestaltete sich überaus span­nend, da die Turner mit durchaus gleichwertigen Leistungen auswarteten.

Lediglich die Starkenburger waren etwas gehandi­capt und verloren in regelmäßigen Abständen Punkt um Punkt, so daß sich letzten Endes der Kampf um den Sieg zwischen den Oberhessen und Rheinhessen abspielte. Die Mannschaften lagen

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Ein neuer Kolumbus.

Der unternehmende spanische Seeoffizier Kapi­tän Julio Guillen, der eine genaue Rach- bildung der KaravelleSanta Maria", mit der Kolumbus die Reue Welt entdeckte, für die Aus­stellung von Sevilla schuf, beabsichtigt, dieses Modell auf seine Seetüchtigkeit zu erproben. Wie Madrider Blätter berichten, ist er durch private Stiftungen in den Stand gesetzt worden, die Leistung des großen Entdeckers unter Bedin­gungen zu wiederholen^ die sich möglichst eng an die erste Reise nach Amerika anschließen. Er wird mit Genehmigung der spanischen Regierung in diesem Dezember von der Küste des Hafens von Palos, von dem auch Kolumbus ausfuhr, seine Reise antreten. Seine Mannschaft besteht aus 25 Seeleuten, während Kolumbus 52 Mann auf seiner Karavelle hatte. Aber Guillen wird das Schiff ganz nach den alten Methoden führen und kein Instrument, keinen Ausrüstungsgegen­stand verwenden, der später als 1492 erfunden worden ist. DieSanta Maria" wird einen

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Kunfftum -Wettkampf in der Volkshalle.

Um den Wanderpreis des Staatspräsidenten. - Rheinhessen siegt abermals vor Oberheffen und Starkenburg.

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Mittainj Heiohtjsto, sprich äks.

Korsika und dem vorgeschobenen Eiland Capraia nur eine schmale Fahrtrinne von kaum 30 Kilometer läßt. Das meiste davon ist eine Flachsee von wenig über 400 Meter Tiefe, die sich auch vom eigentlichen Meer durch einen sanft bläulich-grünen Schimmer unter­scheidet, der immer smaragdener wird, je mehr man sich dem Ufer nähert, und endlich die schöne gleich- mäßige Farbe von flüssigem Malachit annimmt.

Heber diesen Jnselarchipel, Korsika und Sardinien verlief also die eine Hälfte eines unbekannten Fest­landes. Das alles sind wirklich nur stehengebliebene Reste, die durch ihre Gebirge höher liegen als der andere Teil, der sich jetzt unter dem Mittelländischen Meer befindet.

Das zweite Einbruchsbecken aber ist das heutige Tyrrhenische Meer, jene kleine, aber stürmische See, die in unendlich vielen Schiffergeschichten eine so große und gefährliche Rolle spielt. Es heißt, auf ihrem Grunde liegen Hunderte von zerbrochenen, gescheiterten Wracks aller Länder und aller Jahrhun­derte. An ihren Küsten pochte heiß und wild der Pulsschlag europäischer Kultur, und mit Blut, Sagen, (Erinnerungen, Recht und Unrecht ist jedes Vor­gebirge und jeder Uferstreifen gedüngt. Wie in einem Mahlstrom drehte sich um dieses Tyrrhenische Meer Aufstieg und Untergang aller jener Völker, die direkt oder indirekt mit unserem eigenen Aufstieg verknüpft sind, und deren Einfluß ein viel wirklicherer war, als das Märchen von Atlantis gewesen ist, das immer wieder die Köpfe Europas verwirrte.

lloo und Sedan nur unterbrochen, nicht desavouiert Dorben, und wird daher instinktiv und bewußt von Iden Franzosen jetzt weitergeführt. In der geistigen Konstellation Europas hat sich ja auch nicht viel .geändert nach wie vor kann Frankreich aus eine nhebliche Menge offener und versteckter Freunde in allen Ländern zählen.

Schwierigkeiten könnte Italien machen, das in- ..wischen zu einer einigen und kompakten Großmacht ^erangeroadjfen ist. Daher auch, und aus keinem «mberen Grurtb, die Abneigung der lateinischen -Zchwester an der Seine. In dem Augenblick, wo *5 gilt, die Stellungen zu beziehen, muß die A n - Ziehungskraft Roms auf die gewähr- Beten Länder wachsen. Und an diesem Punkte flehen wir heute. Ja, die Lage ist durch die geschickte Aufklärungsarbeit Mussolinis in Genf schon so «sfenkundig aeworden, daß wir Freund und Feind genau unterscheiden können. Auf der einen Seite Deht Frankreich mit seinem willenlosen Vasallen imb Japan, auf der anderen Italien mit den schutz­ssuchenden Klein- und Ohnmächten. England Dimmt zwar der letzteren Gruppe zu, doch behält *5 sich, wie üblich, seine letzte Entscheidung vor. Amerika steht scheinbar abseits, wird aber viel­leicht aus diesmal den Ausschlag geben.

Ein Witz der Weltgeschichte, daß das Feuer aus­gerechnet im Völkerbund ausbrechen, die 21b« »üstungskonferenz in Genf torpediert werden wird. Auch den Harmlosesten werden ja inzwischen die Augen aufgegangen sein. Daß der Völkerbund sich tm japanisch-chinesischen Konflikt die Gelegenheit entgehen ließ, zum erstenmal eine gute Figur zu machen, können selbst seine Pfründeninhaber nicht bestreiten. Bis herunter zu denarmen" Stenoty­pistinnen, die sich in dieser schweren Zeit mit tau­send Goldfränkli im Monat durchschlagen müssen, mciß man, daß Chinesen und Japaner zwar urtei­len und bestimmen dürfen, wenn es sich um ihnen naheliegende Fragen dreht, wie zum Beispiel Ober« fchlesien, der Rat aber ratlos wird, wenn sie sel­ber ein Hühnchen miteinander zu rupfen haben. Man stelle sich also den mächtigsten Militärstaat dieser Erde vor, wie ihm der Völkerbund das Säbel­rasseln, das ihm nun einmal Spaß macht,ver­bietet"!

In Rom kann man sich das nicht ohne ein saures Lächeln oorftellen. Die Alternative lautet hier in­folgedessen sehr simpel: Krieg ober Abrü - fi ung. Unb ba sich ber französische Block auf bie Anfrage Mussolinis gegen bie Abrüstung aus» gesprochen hat--bars man es ben Italienern

nicht oerbenfen, wenn sie aufgebracht finb.Frank­reich hat bie Maske bes Pazifismus abgeworfen unb nocheinmal seinen Willen zur wirtschaftlichen, auf feine militärische Macht gestützten Hegemonie pro­klamiert. Nicht ein Gewehr, nicht ein Bajonett we­niger: bas ist bie Parole bes kriegerischen Frank­

reich, bas über seiner vorübergehenben finanziellen Vorzugsstellung sogar ben Sinn für biplomatische Scham verloren zu haben scheint. Damit ist ber Ver­lauf ber Abrüstungskonferenz bereits vorgezeichnet. Die Konferenz wirb von Anfang an bie trefflich organisierte Tätigkeit ber bessergerüsteten Staaten gegen sich haben. Es wirb roieber von Garantien unb Sicherheit bie Rebe sein, wogegen alle wirklich wichtigen Fragen, wie bas Reparationsproblem, bie Revision ber Verträge, bie Kolonien- unb Golbver- teilung nicht angerührt werben bürfen. Die technische Abrüstungskonferenz geht auf biese Weise sofort in eine politische über und alles in dem üblichen Redeschwall unter."

Das kann man wörtlich in der italienischen Regierungspresse lesen und selbst die lau­testen Parteigänger des militaristischen Frankreichs müssen, wenn auch mit Zähneknirschen, zugeben, daß es so sei. Besonders geärgert hat man sich in Rom darüber, daß der Pariser Schulmeister nun auch in Rom seine Verweise und Pfoten austeilt, wie er es bisher an Berlin und Wien übte. Um zu einer wahren Verständigung zu kommen, müßte zunächst moralisch abgerüftet" werden. Was solle man zu so bedenklichen Gebilden wie der faschistischen Kinderorganisation sagen? Ob denn, so hallt es hier zurück, nicht auch Frankreich seine entsprechen­den Institutionen habe, ob denn nicht erst kürzlich die französische Jugend kund und zu wissen getan

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Gießen

Das Märchen von Atlantis.

Von Annie $rancö*£arrar.

Was hat uns Plato alles von der versunkenen 2111 a n t i s" erzählt? Nein, nicht Plato, sondern eigentlid) Solon, der durch seinen Mund spricht. Aber et; ist auch nicht Solon, sondern ihm sollen die weisen Greise von Sais es berichtet haben. Und auch die wissen es nur vom Hörensagen, von den Bewohnern einer anderen tausendjährigen Stadt. Trüber und umgewisser kann keine Quelle sein. Es fängt also an, nicht anders als unsere Märchen:Es war einmal".

Die Alte Welt kannte Europa, Asien, Lybien, den Grbteil der schwarzen Menschen. DieAtlantis" ober sollte ein vierter Kontinent fein, unermeßlich groß, von einem mächtigen Volk bewohnt, das krie­gerisch und raubluftig über hellenische Städte herfiel. Legypten selbst soll von ihnen beherrscht worden sei». 3ur die Griechen (man versteht das, denn Griechen erzählten doch dieses ganze Märchen) leisteten einen Widerstand, dem die Atlantiker nicht gewachsen aaren. Und bann brach etwas wie himmlische Ver­geltung über die böfen Nachbarn und Welttyrannen herein. Ihr ganzer Erdteil versank unter schrecklichen 1 Grdbeben, und diese Katastrophe dauerte nicht länger als einen Tag und eine Nacht. Die Tiefe der Meere nahm ihn auf, und da unten liegt er nun mit seinen verfallenen Städten, mit den Tempeln, über die Ligen und Tange wuchern, mit verödeten üben 1 yütteten Straßen, in denen stumm die Fische i schwimmen und Meerestiere im Schlamm dahin- aanöern. Und mit den vielen, vielen tausend Toten i unb allem, was ihre Habe war ...

Unb weil man griechische Märchen von je tm Sbenblanbe so bitter ernst nahm (hätte man bie Levante, aus ber sie alle stammen, nur besser ge­kannt, so wäre man siche weniger vertrauensselig ^gewesen!), so suchte man mit Aufbietung von sehr | Diel Scharfsinn nach ben Spuren biefes Weltunter- Ringes. Unb erklärte schließlich, bie Azoren, Mabeira, I Sie Kanarischen unb Kap Verbuchen Inseln seien bie I Spitzen ber höchsten Berge ber versunkenen Atlantis «-wesen. Unb alles habe sich zwischen Afrika unb i Sübamerifa ereignet, bie früher ein einziger, zu- scmmenhängenber Kontinent gewesen seien, aus bem eben nun jener Teil, ber alsAtlantis" unterging,

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schen Sübamerika unb Afrika, baß ba fein unter­gegangener Kontinent liegen kann. Der Atlantik flutet zwischen ben beiden Festlänbern burchschnittlich 2000 bis 5000 Meter über bem Meeresgrunb. Es müßte bort aber eine verhältnismäßig seichte Flachsee sich befinben mit vielen Untiefen unb einem höchst unregelmäßigen Meeresboben. Dann sinken so große Festländer überhaupt nicht so ohne weiteres unter unb am allerwenigsten in ber Zeit von einigen Stun- ben. Zuletzt aber hat man unzweifelhaft erfahren (indem man die Küstenlinie Afrikas und Süd­amerikas aneinanderpaßte), daß zwischen ihnen über­haupt keine Bruchstelle nachweisbar ist. Sie ent­sprechen sich im Gegenteil so genau, daß man nur annehmen kann, sie seien in irgendeiner früheren Erdperiode auseinandergewichen, unb ber Atlantik habe biefen Spalt bann ausgefüllt.

Unb nun kommt bas Körnchen Wahrheit, um bessentwillen diese ganze Levanteerfindung von der Atlantis hier Raum gefunden hat. Zwischen Süd­amerika und Afrika war es zwar nicht, die Kata­strophe eines Tages und einer Nacht ist es ebenso­wenig gewesen, und von einem Volke und einer Kultur der Atlantiker (noch, dazu in Aegypten!) wissen wir schon gar nichts.

Aber es sank eine Landbrücke unter nämlich die zwischen Italien und Afrika. Sizilien und seine Flachsee ist nur die eine Seite dieses untergegangenen Kontinents, den man ebensogut Afrika wie Europa nennen tann. Aber Griechen haben nichts davon erlebt. Vielleicht nur ganz, ganz frühe Urmenschen, denn es geschah vermutlich kurz nach jener Zeit, ba Deutschland noch ein Palmen- und Lotosland mit südlichem Himmel und einem warm und blau an seine Küsten spülenden Meere war. Die Alpen stan­den damals noch kaum. Im Gegenteil mißt man ihnen die Schuld zu, weshalb das Festland im Süden sich verringerte. Denn man nimmt an, daß alle Fest­länder und Ozeane sich in stetem Gleichgewicht er­halten, so daß also, wenn an einer Stelle Gebirge aufsteigen, anderswo (nämlich innerhalb des in An­spruch genommenen Druckfeldes) Landstrecken unter­tauchen müssen. Die Anwendung dieser Theorie hieße demnach: Als die Zentralalpen sich erhoben, viel mächtiger als heute, da sie bereits fast um die Hälfte wieder abgetragen und von ihren 10 000 Meter Höhe auf 3000 unb 5000 Meter gesunken finb, belasteten sie bie europäische Scholle so sehr, baß südlich von ihnen bie ßänbercien vom einbringenben Meer über­flutet würben.

So ober ähnlich entstauben zwei Einbruchsbecken. Das eine ist bas heutige Ligurische Meer mit bem breit ausgewölbten Golf von Genua, ber bei Livorno in einen kleinen Jnselarchipel übergeht und zwischen

Mit großer Spannung sah man in den Krei­sen der Turner des Mittelrhein-Kreises der DT. dem Kunstturn-Provinzkampf der Hessenturner entgegen. Die Veranstaltung wurde zu einem turnerischen Grohereignis im wahrsten Sinne des Wortes und reihte sich den bisherigen Wett­kämpfen würdig an. Biele Turner aus den Pro­vinzen Rheinhessen, Starkenburg und Oberhessen hatten sich in der Dolkshalle eingesunden, um die Mannschaften im edelsten Wettstreit kämpfen zu sehen. Richt weniger Interesse brachte das Gießener Publikum der Beranstaltung entgegen. Etwa 1500 Personen nahmen lebhaften Qlnteil an jeder Phase des Kampfes. Die Turner selbst ent­täuschten nicht. Es wurden Spitzenleistungen ge­zeigt, die deutlich fühlen liehen, daß eine Hn- fumme von Energie, viel Mut und Qlusdauer, viel Kraft, Selbstbeherrschung und Konsequenz des Wollens dahinter stand. Das Kunstturnen an den Geräten ist die gestrige Beranstaltung erbrachte erneut den Beweis dafür die Hohe Schule der Deutschen Turners überhaupt. Das Publikum geizte nicht mit Beifall. Allerdings war gleichzeitig zu bemerken, daß die Zuschauer jede Hebung kritisch werteten. Auch die Ent­scheidungen der Kampfrichter fanden kritische Würdigung. Die gesamte Beranstaltung war ge­tragen von echt turnerischem Geiste und verlief in vollendeter Harmonie.

Die Gießener Reichswehrkapelle leitete mit einer schneidigen musikalischen Darbietung ein.

Die einmarfchierenben kampfmannschafien, von Gauoberturnwart Will (Gießen) geführt, wur­den freudig begrüßt.

Dr. Rosenberg als CBertreter des Oberbürger­meisters unserer Stadt, begrüßte die Turner und

Schiffbruch Per Abrüstung?

Von unserem römischen ^.-Korrespondenten.

Rom, Oktober.

Nach Italien, als ber einzigen europäischen Nroßmacht, bie wirtschaftlich noch nicht abhängig ist oon Frankreich, politisch aber alles von ber neu« napoleonischen Strömung zu fürchten hat, mußten die Abrüstungstenbenzen naturgemäß gravitieren. Rom ist zum Mittelpunkt ber Friebens- ijoffnungen geworben. Rom hat bie Führung an iich gerissen. Weil es ben Frieben braucht, ruft es jur gemeinsamen Abwehr gegen ben Imperialismus Frankreichs, bas ihn nicht unbebingt nötig hat, son- lern gefahrlos jeben Tag marschieren konnte. Unb lie Gloire hat heute, wo bie englische Hanbelsmacht noch weniger zu fürchten wäre als bamals unb bie nationale Zersplitterung bei bem Hauptgegner fast benfo viel versprechend erscheint wie in den Zeiten i)es Rheinbunds, einen besonderen Reiz.

Im Gegensatz zu Italien, das immer eine lurzf ristige Politik trieb, weil es eine an­dere nicht treiben konnte, manövriert Frankreich seit

Montag, 5. Oktober 193|

meist nur wenige Punkte auseinander. Rach der ersten Hebung am Barren lautete das Punktver­hältnis 187,5:182,5:187 (die Reihenfolge der Punkt­wertung ist in der Folge stets: Rheinhessen, Star­kenburg, Oberheffen). Die Oberhessen lagen also nur einen halben Punkt hinter dem Endsieger. Rach der zweiten Hebung (Seitvferd) lautete das Ergebnis 386,5:347:381,5. Die Starkenburger fie­len bereits merklich zurück und sollten den Verlust auch nicht mehr aufholen. Bei den Freiübungen vermochten die Turner Goetsch, Schick und Sinn- well drei Punkte aufzuholen, so daß das Ergeb­nis in der Gesamtwertung 466:430:464 lautete. Bei der folgenden Hebung (Längspferd) erwiesen sich die Oberhessen als die weitaus Besseren und hat­ten bereits nach der zweiten Hebung den An­schluß an Rheinhessen gewonnen (490:454:490). Diese Hebung brachte den Turnern unserer enge­ren Heimat vorübergehend die Führung. Ver- mochten sie doch nicht weniger als 11 Pluspunkte auf ihr Konto zu bringen. Mit 665:603:676 Punk­ten lagen sie nach den Hebungen am Längspferd vor den Rheinhessen. Bei der nun folgenden letzten Hebung erwiesen sich aber die Rheinhessen wie immer als die Besseren und holten dabei Punkt, um Punkt auf. Bereits bei der dritten Hebung hatten sich mit 749,5 663:746 die Führung wie­der an sich gerissen. Aber zähe verteidigten sich die Hessenturner und gaben sich nicht leicht ge­schlagen, obwohl vorauszusehen war, daß zu die­sem Zeitpunkt den Rheinhessen der Sieg nur noch durch einen Versager in deren Mannschaft zu neh­men gewesen wäre. Der Abstand vergrößerte sich zwischen Rheinhessen aber nur langsam und erst mit der letzten Hebung stand der Sieger fest.

Mit nur sechs Punkten Vorsprung vor ben Oberheffen errangen bie Rheinhessen ben Sieg. Bei der Auswertung der einzelnen Ergebnisse ergeben sich interessante Vergleiche. Als bester Einzelturner (ohne Berücksichtigung der Freiübung) ging der Mainz-Kasteler Jak. G e n h hervor. Mit 113,5 Punkten erreichte er die höchste Wertung des Wettkampfes. In der Einzelbewer­tung schnitten aber auch die Oberhessen vorzüglich ab. Seth belegte mit 110 Punkten den 2. Platz, Eckhardt mit 108,5 Punkten den dritten und S i n n w e 11 mit 107,5 Punkten den 4. Platz. An fünfter Stelle folgte dann Ql. Müller (Turnges. Mainz-Moinbach) mit 107 Punkten.

Die b e ft e Mannschaftswertung erzielten die Rheinhessen mit 226 Punkten am Reck. Die zweitbeste Mannschaftswertung sicherten sich bann bie Oberhessen mit 212 Punkten am Längspferd. Auch am Reck brachten sie es auf über 200 Punkte. Vollwertungen erreichten während bes ganzen Wettkampfes nur vier Turner. 30 Puntte erhielten bie Oberheffen E ck h a r b t (Barren) unb Seth am Reck. Die beiben anberen Vollwertungen erreichten bie Rheinhessen Kretz (Freiübung) unb Neumann am Reck. Der Marburger Turner Walter Fink hatte einen weniger guten Start. Mit 87% Punkten ftanb er bem als Ersatzmann ber Ober- Hessen gemelbeten unb gewerteten Dechenb von ber Turngemeinbe Friebberg mit 98% Punkten um elf Punkte nach. Paul Goetsch (Marburg) geriet bei ber Freiübung baburch etwas in bas Hinter­treffen, als er, ber er als erster turnte, bei ber Frei­übung für eine ganz vorzügliche Hebung nur 28 Punkte erhielt. Stark benachteiligt erschien außerbem Adolf A r e n b s (Marburg), ber für eine ausge­zeichnete Hebung am Reck nur 27 Punkte zugespro­chen erhielt, währenb ber nächste Turner Peter Rath (Rheinhessen) für eine sehr kurze unb kaum besser ausgeführte Hebung 28 Punkte erntete. Diese beiben Entscheidungen bes Kampfgerichts nahm bas Publikum mit unverhohlenem Mißfallen auf. Walter Fink verlor seiner Mannschaft brei Punkte baburch, baß er eine Hebung am Barren wieberholen mußte, unb statt 22 Punkten nur 19 in Anrechnung tarnen. Das gleiche Mißgeschick passierte bem Bad-Nau- heimer Eckhardt ebenfalls am Barren. Dadurch gingen ber Mannschaft bie sechs Punkte verloren, mit benen die Rheinhessen als Sieger aus bem Wettkampf hervorgingen. Im einzelnen brachten es unsere heimischen Turner auf folgenbe Punktwer­

großen Stein von Palos mitführen, der in den monumentalen Leuchtturm zu Santa Domingo eingebaut werden soll, der zur Erinnerung an die Entdeckung Amerikas errichtet wird. Der Kapitän hofft, mit der neuenSanta Marin" drei Jahre lang die amerikanischen Gewässer sowohl im Atlantischen wie im Stillen Ozean zu befahren.

Vom Stint.

DerDeutsche Sprachverein" schreibt: Jn Rord- deutschland spielt ein im übrigen Deutschland fehlender kleiner Fisch, eine billige Lachsart, eine Rolle im Vergleich, der Stint. Da hat man die in Süddeutschland unbekannte Redensart: er ist vergnügt, luftig, freut sich wie ein Stint. Im Preußischen ist man auch verliebt wie ein Stint, verwegen wie ein Stint, patzig wie ein Stint (auch in Holstein), man sagt: er hat Kurage wie ein Stint (freilich mit dem Zusatz: im warmen Wasser), in Hamburg: he smitt fit in de Boß') as cn Stint. Rach den Fest­stellungen des Raturforschers Th. Zell be­nehmen sich die Stinte in der Laichzeit wie un­sinnig. Wie er sagt, ist nichts falscher, als bei den Bewohnern des kalten Wassers ein kühles Herz anzunehmen; der Fang der Heringe, Thun­fische, Lachse gelingt am besten in der Laichzeit unter Benützung der Verliebtheit der sonst scheuen Tiere. Eine allgemeine Eigenschaftfauler Fische" rügt man in Holstein besonders am Stint, der wegen seines üblen Geruchs auch Stinkfisch heißt. Man spricht dort von faulen Stinten, wie anderswo von faulen Fischen, in Beziehung auf alte, schlechte, verdorbene Sachen, auch auf Hn- wahres, Erlogenes.

) warf sich in die Brust.

Oochschulnachnchten.

Professor Dr. Hans Naumann, Ordinarius für Germanistik in F r a n k f urt a. M., wurde in gleicher Eigenschaft an die Uniucrfität Bonn versetzt; ihm wurde der durch die Emeritierung von Geheimrat R. Meißner in Bonn erledigte Lehrstuhl der deut­schen Sprache und Literatur übertragen.

Der Ministerialdirektor i. W. Professor Dr. Karl Rauch in Weimar hat den an ihn ergangenen Ruf als Ordinarius für deutsches, bürgerliches unb Handelsrecht an bie Universität Kiel als Nachfolger von Professor K. A. Eckhardt zum 1. April 1932 an­genommen.