Samstag, 5. September 1951
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Tbertzessens
Nr. 207 Drittes Blatt
Nachdruck verboten.
24 Fonletzung.
Daten für Tamtztag, 5. Lcptcmber.
1733: der Dichter Christoph Martin Wieland In Oberholzheim geboren; — 1858: der Satiriker M (8. Saphir in Baden bei Wien gestorben; — 1902: der Mediziner Rudolf Virchow gestorben.
Taten für Tonntag, 6. September
1729: der Philosoph Moses Mendelssohn in Dessau geboren; — 1903: der Maler Friedrich von Kaulbach in Hannover gestorben.
Jas bißchen Erde.
Vornan von Richard Gtowronnel.
Copyright by I. Engelhorns Nachf.. Stuttgart.
Herr ßtehxfelb legte den kahlen Kopf auf die linte Schulter und schmunzelte. Es bot sich die Gelegenheit, einen Witz zu machen, der seiner Ansicht nach gut war.
.Sie sagen, Herr Graf, i ch mach' Aufhebens? G i e haben aufgehobenI Alnb ich schätze. Eie haben schon getoufit, wen Sie da aufgehoben haben. Die einzige Tochter von Karl SartoriuS dem ersten Direktor der Dank für Handel und Industrie. Wenn sie schon geerbt hätte, hätten Sie ungefähr dreizehn Millionen zu tragen gehabt."
Malte verneigte sich spöttisch.
.Herr Direktor es interessiert mich natürlich ungemein, dah Ihre Frau Gemahlin eine so stattliche Mitgift zu erwarten hat, aber ich gebe Ihnen noch einmal die Versicherung, der Reichtum Ihres Herrn Schwiegervaters hatte auf meine Entschließungen nicht den geringsten 6m- fluß. Alm so weniger, als ich erst in meinem Försterhause erfuhr, wem ich eigentlich den geringfügigen Dienst erwiesen hatte. .. Ra und Wie ists nun? Darf ich Ihnen zum Schluß noch mit 'nem Kognak und einer Zigarre aufwarten <
Herr Steinfeld klappte die Hacken zusammen: .Angenehm!" Alnd als die Zigarre brannte, fügte er mit einem halb wehmütigen Lächeln huxzil- .Ich habe Sie schon verstanden, 5>err Graf. Gestern abend schon. Entschuldigen Eie, toerm ich cm bißchen aus mir hcrausgehe, trotzdem. Ich bin nicht der Protz, für den Sie mich halten. Das ist bloß eine schlechte Angewohnheit von Berlin her. Da imponiert nur das Geld. Es ist der Wertmesser für alles, alles können Eie damit kaufen. Auch den adeligen Verkehr. Aber glauben Eie nur nicht, daß wir uns darüber täuschen, was das für 'ne ©orte ist. die sich zu unfern Abfütterungen drängt und den Hausherrn hinterher anpumpt. Alles wurmstichig"...
Malte verneigte sich höflich.
„Ich weiß wirklich nicht, Herr Direktor, weshalb Sie mir das alles erzählen?"
Herr Eteinfeld trank seinen Kognak aus.
.Am Schluß werden Wir schon zusammenkom- mcn. Aber eine Frage inzwischen: kennen Sie Berlin?"
.Ho ungefähr wie wir alle hier. Was um die Friedrichstraße herumliegt, außerdem den Alnion- klub und das Kasino am Pariser Platz. Zu weiteren Entdeckungsfahrten haben wir meistens keine Zeit."
Gießener Winterfürsorge.
Die Ziffer der vom Gießener Wohlfahrtsamt betreuten WohlfahrtSerwerbSlosen unserer Stadt ist feil Ende März d. 3. in stetem «^'9^ begriffen. Während man am 31-Marz beun Städtischen Wohlfahrtsamt 438 Wohlfahrt Server bslose als HauptunterstützungSempfanger und 792 Zu- fchlagSempfänger zählte, waren diese Ziffern am 30. Juni auf 467 bzw. 800 am 31 Juli auf 549 bzw. 875, und am 31. August auf 554 bzw. 981 ge- fliegen. Die Ziffern von Ende August reichen schon dicht an die Zistern vom 31. Dezember v. 3 heran, wo man 578 WohlfahrtSerwcrbSlose als HauptunterstühungSempfänger und rund 1000 Zu- fchlagSernpfänger zählte. Angesicht» der Wirt» schastlichen Entwicklung kann man ohne weiteres annehmen, daß die Ziffer der Wohls ahrtserwerb». losen in den kommenden Monaten noch erheblich anwachsen und sicherlich doS AuSmah übersteigen wird, daS Ende deS vorigen IahreS vorhanden war. Dazu kommen für die Wohlfahrt-Pflege noch die Kriegsopfer, die Sozial- und Kapitalrentner, sowie die in Armenptlege befindlichen Personen. Deren Stand am 1. August von 1113 Hauptunter- stühungS- und 704 Zuschlagsempfängern ist zwar ziemlich unveränderlich, immerhin nimmt auch in diesen Kreisen die Rot immer schärfere Sonnen an, da die Bezüge gekürzt wurden. Alnter diesen Umständen ist es heute schon angezeigt, sich mit der Rotwendigkeit einer umfassenderen Winiersürsorge alS früher vertraut zu
„Ra sehen Sie?" Herr Eteinseld steckte sich die ausgegangene Zigarre wieder an. „Da haben Eie von dem wirklichen Berlin keine Ahnung. Das bedeckt ungefähr zwei Quadratmeilen mit einen Ausläufern, sein Herz aber sitzt in einem verräucherten Haus, von der einen Seite die Durgstraße, von der andern die Spree. Da Wird das Schicksal gemacht für alle. Richt nur für die paar hundert Jobber, die da um die Schranken drängen und schreien, um einen kärglichen Gewinn für den Tag herauszuschlagen. Das sind nur unumgängliche Begleiterscheinungen. In Wirklichkeit prallen da ganze Ströme aufeinander, die zusammenstoßen und einen Ausgleich uchen, man steht mittendrin an sogenannter leitender Stelle und muß scharf aufpassen, daß man in dem Strudel nicht weggespült wird. Das reißt an den Heroen, und man muh eine Ablenkung haben, um frisch zu bleiben und widerstandsfähig. Man baut sich eine Villa im Grünewald freut sich ein Jahr lang daran, im nächsten Jahr spektakelt die Elektrische einem am Vorgarten vorüber. Man pachtet ein Schloß mit einer Jagd, aber die Jagd steht nur auf dem Papier, und das Schloß bietet die einzige Zerstreuung, daß man durch viele Zimmer wandern kann, bei gutem Wetter auch durch den Park. Sie werden mir zugeben. Herr Graf, Das ist nur ein sehr mäßiges Vergnügen, nicht wahr?"
Malte nickte bestätigend. Er hatte achtungsvoll- den voltswirtschaftlichen Auseirantersetzungen zu- gehört, ohne groß verstanden zu haben. 3mmer«* hin war ihm so viel klar geworden, daß Herr Eteinseld mit seiner Pachtung nicht recht zufrieden war. Darüber hatte er sich ja schon gestern abend verbreitet. Da sagte er also: „Herr Direktor, nach allem, was ich von Ihnen höre, scheinen Eie ein wohlhabender Mann zu fein. Lassen Eie hier die Alten-Krakower Jagd lausen und pachten Eie sich eine neue. Aus langjähriger Erfahrung kann ich Ihnen die Versicherung geben, sie taugt nichts. Mein Gatter schneidet ihr den Wildwechsel ab."
Herr Eteinseld kniff die Augen ein.
.Sind Eie verheiratet, Herr Graf?" . . . Alm) als Malte, ein wenig verwundert, verneinte, fuhr er fort: .Ra sehen Eie, das hab' ich mir gleich gedacht, sonst würden Eie nicht so reden. Wenn IHre Frau, und sie wäre nämlich die einzige Tochter von Karl Sartorius — also, wenn die behaupten würbe, nur die Mecklenburger Luft hier täte ihren Rerven wohl, würden Sie da vielleicht wo anders pachten?" . . .
Malte schüttelte den Kopf. Zum Widerspruch fehlte ihm jeder Grund. Rur eine häßliche Aeuhe- nmg fiel ihm wieder ein. die er am vergangenen Abend zornig zurückgewiesen hatte. Diefe Vorliebe für den Aufenthalt in Mecklenburg erklärte sich anders. Weil in Friedeberg die Dragoner standen und unter ihnen der Panschenhagener
zum Seinebabel sogar größer, als eS nach den ständigen Häkeleien zwischen den lateinischen Schwestern den Anschein haben mag, sicher sitzt im Innersten Mussolinis sogar ein Rest verschmähter Liebe von jener Sorte, die in Haß umschlägt, ohne Zweifel würden viele Faschisten lieber Schulter an Schulter mit der Action fran- ^aise als mit Hitler marschieren, aber im heutigen Italien tritt alles, tritt auch die eingefleischteste persönliche Liebhaberei vor dem einen, alt und jung, reich und arm beherrschenden Airgedanken zurück, der da heißt: Vaterland.
Eine Hemmung nur psychologischer Art, jedoch so eigenmächtig, daß daran jeder direkte Angriff Frankreichs scheitern müßte. Auge in Auge ist dieses Italien nicht niederzuringen. Das weiß der unsichtbare Rapoleon und daher haßt er die Seele des Widerstandes: den Faschismus. Immerhin, er haßt ihn, das heißt: er hält ihn für hassenswürdig und Wirft ihm daher ehrliche Waffen entgegen, so viel nur aufgetrieben Werben können. Alm jebe Tonne Wirb bei den Flottenverhandlungen gerungen. Zwei Drittel von den deutschen Tributgelbern werden in Kanonen gegen Italien umgeschmolzen. Auf jedes königliche Flugzeug setzt die Republik anderthalbe. Bei den Herbstmanövern in Frankreich sahen Italienische Beobachter zu und umgekehrt. Wer dieser Tage in Spezia oder Raney die Verhängung des Kriegszustandes miterlebt hat, wessen Ohren noch sausen von den nächtlichen Dombenangrifsen, wer einen jener Begleitbriefe zu den Lufttorpedos aufgehoben und gelesen hat, daß im Ernstfälle nicht Haus und Hof, nicht Weib und Kind der Vernichtung entgehen würde, der weih, Wie die Dinge in Wirklichkeit stehen. Anders, als es vom Genfer Katheder doziert wird.
Mussolini selber ließ sich von seinem aktiven Luftwehrminister im Flugzeug nach dem kriegsmäßig abgebunfelten Hauptquartier bringen und versicherte seine EchWarzhemden, daß das italienische Heer jeder Möglichkeit entgegensehe und dasür gerüstet fei. Das weiß man natürlich auch in Paris und da unverhüllte Zweikämpfe
Kreis von aktiven Mitarbeitern wird hx der Lage fein, die schwierige Aufgabe so weitreichend und gründlich wie möglich zur Lösung zu bringen. An Kräften, die bei ehrenamtlicher Mitarbeit an Aufgaben des Gemeinwohl» mitzu- wirken bereit sind, hat es hx unserer Stadt bisher erfreulicherweise nie gefehlt, ebenfo war e» bislang immer möglich, au» allen Schichten der Bürgerschaft Helferinnen und Helfer zu gewinnen, die neben ihrer Arbeitsfreude auch da» erforderliche seelische Einfühlungsvermögen mitbrachten, das gerade für eine Aufgabe wie die bevorstehende Wintersürforge eine der Wichtigsten Vorbedingungen ist. Wir zweifeln nicht barait, daß ein Appell der Stadtverwaltung an die Bürgerschaft zur ergänzenden Fürsorge und attit) en mitarbeit in dem kommenden Rotwinter die erhoffte Wirkung haben wird. Man darf also Wohl, auch schon im Hinblick auf die früheren Erfahrungen in unserer Stadt bei der Arbeit an großen Aufgaben zum Besten der Bürgergesamtheit. mit einem gewissen Optimismus darauf hoffen, daß es den gemeinsamen Anstrengungen der amtlichen Fürsorgestel'.en und der bereitwilligen Mithilfe der Bevölkerung gelingen wirb, unsere hilfsbedürftigen Mitbürger über den bevorstehenden Rotwinter hinwegzu- bringen und dadurch dem wohlverstandenen Gesamtinteresse einen wertvollen Dienst zu leisten.
Malte stand auf.
.Ich bebaute, Ihnen nicht dienen zu können, Herr Direktor."
.Ra, na", meinte Herr Dteinfeld begütigend, „ich lasse doch mit mir reden! Die zehntausend Mark Waren natürlich nicht mein letztes Wort. Ramentlich, wo Wir uns gestern doch auch persönlich nähergetreten sind . . ."
Malte verneigte sich ein wenig spöttisch.
„Sehr liebenswürdig von Ihnen, mir auf diese Weise Ihre Dankbarkeit auszudrücken, Herr Direktor, aber wir haben uns in dieser Angelegenheit nicht ganz verstanden. Es würde Ihnen wenig helfen, wenn ich die zehntausend Mark einstecke und daS Gatter umlege. In vier Wochen vielleicht habe ich hier nichts mehr zu sagen, und das Gatter wird wieder aufgerichtet."
„Erlauben Eie mal", gab der andre ganz verwundert zurück, „xmb das müssen Sie mir ein bißchen näher erklären!" . . . Malte aber schüttelte zorixig den Kops. Es wuchs ihm nähernde schon zum Halse heraus. Seit er in der Heimat war, erinnerte ihn jeder Augenblick, jedes Wort, das gesprochen wurde, daran, daß er hier nur wie ein Vogel auf dem Dache saß. . . Schließlich brauchte er sich doch nicht vor jedem hergelaufenen Kerl bis auf» Hemd auSzuziehen mit all seinen Sorgen und Röten . . . lind seine Antwort fiel schroffer auS, als es sonst seine Art War ...
„Das werde ich mir lieber schenken! Ich mühte Ihnen sonst so einen ähnlichen Sermon halten, wie Eie mir über Ihre Dörsengeschichten. DaS ist nun mal so bei uns in Mecklenburg. Wer näher dran ist an dem bißchen Erde, hat recht. Der andre mag zusehen, wo er bleibt . . . Deswegen aber kann ich mit Ihnen jetzt nicht verhandeln. Sollte Ihre Frau Gemahlin auch später noch für den hiesigen Landaufenthalt schwärmen, stehe ich vielleicht zu Ihrer Verfügung. Im andern Falle mühten Sie sich nach Hohenrömnitz wenden! . . . Ra, Wie ist s nun? Darf ich Ihnen noch mit einem Kognak aufwarten?" . . .
Herr Steinfeld nickte lächelnd.
„Ich bin fast schon draußen, Herr Graf! . . . Alnd von diesen Derhältnifsen habe ich gehört. Sie paffen wirklich nicht mehr in unsre Zeit . . . ich möchte sagen, wie hier Ihr ganzes Land. Sie sind auch so ein altmodischer Mensch. Mit dem Geschäft um das Gatter hätten Sie mich ganz glatt hereinlegen können . . . ich hatte ja keine Ahnung, dah von Ihnen getroffene Abschlüsse für Ihre Rachfolger nicht rechtsverbindlich sein könnten" . . .
„Herr Steinfeld?!" . . . Malte brauste auf und hob unwillkürlich die Hand. Der andre aber zog gleichmütig seinen kostbaren Zobelpelz an. den er vorhin über eine Stuhllehne geworfen hatte.
(Forts ^ung folgt.)
gegenwärtig etwa» au» der Mode find, die deutsche Reutralität trotz allem auch nicht so gesichert scheint wie in den Zeiten de» Tilsiter Frieden», arbeiten einstweilen eben die anderen Waffengattungen. Die goldenen Kugeln, die Agenten, die Kulissen. Italien soll nicht frontal behandelt, sondern umgangen werden. Umfaßt werden.
Man kann Mufsolini nicht den Vorwurf machen, daß er e» verfäumt hätte, rechtzeitig seine Minen gegen die zu erwartenden EnikreisungSmanöver zu legen. Er versuchte die furchtbare, schicksalhafte Falle de» Mittelmeer» mit der Annäherung an England, mit der Brücke über Spanien nach Südamerika, mit einem östlichen Interesfenkreis zu sprengen, nachdem die Verwirklichung de» heiß angestrebten und von Berlin aus kühl abgelehntcn „vertikalen Bündnisse»" immer weiter in die Ferne rückte. Dieser Damm von der Rordsee bi» zum Mittelmeer, gegen die französische Vorherrschaft einerseits und den Bolschewismus andrerseits, ist anscheinend endgültig zusammengebrochen. Da» Projekt scheint kürzlich bei der Romsahrt der deutschen Minister seierlich begraben worden zu sein. In Italien ist man bestürzt über den Dang der Dinge und beschwört den erhofften deutschen Sekundanten, doch nicht zu erlahmen. Vergeblich. Selbst Ungarn, so fürchtet man, daS Heldenhafte Ungarn, sei der Rot und dem .hilfsbereiten Gold schon erlegen. Wenn daS am grünen Holz geschieht, wa» soll aus Bulgarien werden, au» der Türkei, au« dem schwach gewordenen Spanien? 3n der Tat hat e» die sranzö- fische Diplomatie bereit» verstanden, die Peseta halb zu stützen und da» Madrider Außenministerium auf diese Weife ganz für die bisher vermiedene Einschaltung in die Flottenverbandlungen zu gewinnen. Alnd Rußland? Al» seinerzeit das faschistische Italien mit den roten Zaren verhandelte, wurde eS von dem edelmütigen Frankreich hart getadelt. Heute ist diese» selbe Frankreich gerne bereit, wie die italienischen Zeitungen bitter fcftftellen müssen, auf die Vor- kriegsmilliarden zu verzichten, wenn sich dieSow- jcl» dafür in den großen Ring eingliedern. Damit würde der deutschen Hand auch der letzte Trumpf, der letzte Stich gegen Polen entfallen. Systematisch wird der Apenninenhalbinsel da» Wasser abgegraben. Frankreichs Vasallen schwanken nicht, wie man meinte, schwenken nicht, werben nicht von Tag zu Tag unzuverlässiger und schwächer, sondern im Gegenteil immer stärker und zuverlässiger, je klarer sich das Ziel Frankreichs erkennen läßt: Deutschland und Italien einzukreisen.
Was bleibt eigentlich noch? England, da« — vielleicht — eine« TageS zu seinem alten Grundsatz, keine Macht auf dem Kontinent zu stark werden zu lassen, zurückkehron werde? Dann aber darf e« nicht abrüften, dann wird efl in Schwort und Harnisch aus der sogenannten Abrüstungskonferenz erscheinen. Alnd da» ist das einzige, woran in Wahrheit der Italiener glaubt: er glaubt nur noch, gezwungen dazu durch die französische, augenöffnende Politik, an die Macht. Rur noch an Selbsthilfe. Gab es denn einem Rapoleon gegenüber für einen Staat etwas anderes als Kampf oder Alnterwcrfung?
Rom, September.
Der Geist Rapoleons schwebt über den Wassern. Er braucht nur Gestalt anzunehmen, es braucht nur ein Mann aufzustehen in Frankreich und er kann marschieren. So gut sind die Wege vorbereitet, die Einfallstraßen ins Herz Europas hinein. So tresflich hat die französische Politik in den dreizehn Jahren der allgemeinen Erschöpfung gearbeitet. Herz und Schmerz beiseite lassend, Pazifismus und Völkerbund, kann man nicht umhin, dem Quai d'Orsay voll Bewunderung ein Zeugnis auszustellen, wie es Macchia- velli seinem Idealherrscher Vorbehalten haben mochte. Es ist immer wieder unvergleichlich großartig, wie Frankreich seine Waffen zu gebrauchen versteht. Sein Heer, fein Geld, feine Diplomaten. Seine Vasallen, feine Agenten, feine Freunde. Die Propaganda, die Presse, den Völkerbund. Wo die Tanks nicht eingreisen können, da sprechen die Banken. Wo die Gesandten versagen, da wühlen die Konferenzen. Alnd alle Manöver Werben getarnt, eingenebelt burch bie großen Worte. Auf jeber Aktenmappe lieft man Pax unb auf jebem Gasbehälter Völkerverföhnung.
So konnte es kommen, bah Frankreich immer schon am Ziel eintraf, bevor es ber Gegner wahrhaben wollte. Es hat heute Wenig Zweck mehr, barüber zu bebattieren, ob Deut sch - I a n b Wieber eingekreist Werben soll ober nicht, benn e s i st schon eingekreist. Vor 1914 machte man’« mit Verträgen, 1919 mit einem Ring von Vasallenstaaten, biesmal mit Gelb. Dahinter zur Sicherung, versteht sich, Solbaten unb Dünb- nisse.
Run ist Italien an ber Reihe. Hier liegt ber Fall etwas schwieriger. Es ist ungleich hinbernisreicher, sich in Rom einzuschmuggeln, als in Berlin. Mißtrauen wacht Gewehr bei Fuß steht Mussolini. Die Hegemonie Frankreichs wirb in keiner einzigen Bevölkerungsschicht, bei keinem Literaturklüngel als unabwenbbar hin- genommen ober gar heimlich unterstützt. Vielleicht ist bie Hinneigung intellektueller Schichten
Rachgeborene, der Kurt Drebow . ... aber auch egal. Was gingen ihn hier all die Menschen an--in ein paar Wochen War er ein Land
fremder, der mit schmalem Deutel in die Weite Welt zog...
Herr Eteinseld hatte die KopsbeWegung semeS Gegenübers als eine Zustimmung aufgesaßt.
„Sehen Sie, Herr Graf, Sie würden auch versuchen, von so einer Pachtung loszukommen. Die Frau Baronin Perkwald hat mir ebenfalls vor ihrer Abreise heute früh versichert, sie will auf ihren Vormund in diesem Sinne eintoir- ken . . . Dämlich, sie fand bei unsrer Rückkehr eine Depesche vor, die sie plötzlich nach Wiesbaden zurückrief" . . .
Malte nickte bloß. Die Depesche glaubte er zu kennen, sie War natürlich nur ein Vorwand. Es gab ihm einen Stich im Herzen. Aber das War xxun vorbei . . . Eie ging ihm aus dem Woge. Daß sie sich noch einmal wiederfahen nach der Auseinandersetzung von gestern abend, war ausgeschloffen. Alnd recht so. Einmal muhte doch Schluß gemacht werden mit der Vergangenheit.
Herr Eteinfeld fuhr fort zu sprechen.
„Ich habe meiner Frau natürlich sofort mit- gcteilt, daß die Frau Baronin Perkwald uns in dieser Hinsicht entgegenkommen Will, aber— Was glauben Sie wohl, Herr Graf — sie Will nicht fort Jetzt noch weniger als früher. Ein .Vergnügen' ist das, xnxter uns gesagt! Aber ich als geduldiger Ehemann muh gehorchen. Mein Schwiegervater nämlich, der Geheime Kommerzienrat Sartorius, ist auch sozusagen mein Vorgesetzter, unb er liebt fein einziges Kind Wie seinen Augapfel. Also, Wie gesagt, da ist nichts zu machen! . . Aber da ich als alter schlesischer Obersörsterssohn von dieser mecklenburgischen Villeggiatur wenigstens mein bißchen Iagdver- gnügen haben möchte. . ."
Malte blickte ein Wenig verwundert auf.
„Entschuldigen Sie: ,Schlesischer Oberförsters- söhn' ? . . . Ich hatte geglaubt“ . . .
Herr Steinfeld lachte vergnügt.
„Kanns mir ungefähr denken, Was, aber daS War ein Irrtum. Ich bin nach dem Abiturienten- eramen mit siebzehn Jahren in Berlin Danklehr- ling geworben . . . da nimmt man sich das an im Lauf der Zeit. Mit meinen Derufsgenossen an der Börse rede ich — na lagen wir mal — noch prägnanter! . . . Aber wie ists nun mit uns beiden. Herr Graf? Sie sprachen da vorhin von Ihrem Gatter. Ich habe mich ertunbigt . . . Wenn Sie es abreihen, kann ich in 2Htcn-ÄratoW_ eine ganz gute Jagd haben. Ich Würde sie natürlich absolut Weidmännisch und pfleglich behandeln — auf mein Wort! Alnd für das Almlegen des Gatters Will ich zehntausend Mark bezahlen. Ich denke, das ist ein Angebot, dem Sie nähertreten tonnten?!"
machen.
DaS städtische Wohlfahrtsamt stellt sich natur- lich auf die bestmöglichste Erfüllung dieser Wm- teraufgabc ein. Für die Brennstoffversorgung, bte nach bestimmten Richtlinien burchgefuhrt wird, sind im diesjährigen Voranschlag 20 000 Mk. em- Seftcllt. Welches AuSmah diese Versorgung tm inzelfalle annehmen wird, muh natürlich je nach Lage der Verhältnisse individuell entschieden werden und kann heute in keiner Weise eine Festlegung erfahren. Reben der Brennstvffversorgung sind aber auch in der Rentnersürsorge und xn dem Arbeitsplan des Wohlfahrtsamtes zugunsten der Kriegsbeschädigten und KriegerhinterbUebe- nen etatmäßig ansehnliche Geldmittel vorgesehen, ferner ist für besondere Rotstandsmahnahmen noch ein Betrag von 18 500 Mk. in dem Haushaltsplan des Wohlfahrtsamtes enthalten. Im Rahmen de« Wohlfahrtshaushaltes Wirb zunächst dxe Winterfürsorge von Amts Wegen durchzufuhren fein. Inwieweit je nach der Gestaltung der Verhältnisse eine Erweiterung unter entsprechendem Auswand von Geldmitteln notwendig und durchführbar sein Wirt), muh sich aus der Gestaltung der Verhältnisse im Lause des Herbstes und Winters ergeben.
Dringlicher als je zuvor Wird es für den kommenden Winter sein, dah neben der amtlichen Winterfürsorge die freiwillige Wohlfahrtspflege umfassend in Erscheinung tritt. Auf diese Ausgabe hat erst vor kurzem der ReichSverband der deutschen Industrie seine Mitglieder eindringlich hingewiesen, darüber hinau« ist aber auch von den Svihenorganisationen der charitativen Arbeit der Appell an die Qefsent- lichkcit gerichtet worden, in dem kommenden Rot- winter den Gedanken der Volksgemeinschaft durch Mithilfe bei der freiwilligen Fürsorge für xmferc hilfsbedürftigen Volksgenossen weitgehend xmb anhaltend in dxe Tat umzusetzen. Zwar ist c« heutzutage so, daß jedermann selbst sein gehäuftes Maß von wirtschastlichen Schwierigkeiten unb Sorgen zu tragen hat. Aber es dürfte doch nicht uninöglich fein, trotz dieses eigenen erschwerten Daseinskampfes noch Kräfte und Mittel verfügbar zu machen zu Gunsten derer, die von dem Schicksal der Arbeitslosigkeit und der Schmälerxmg der Subsistenzmittel noch härter
betroffen sind. Wir zweifeln nicht daran, daß der schon oft hervorragend bewährte Gerne i n- f i n n und da« weitgehende soziale Verständnis in unserer Bürgerschaft sich auch ?gegenüber den kommenden großen Aufgaben der re;willigcn Wohlfahrtspflege erneut bewähren
WerbciL Es wirb aber notwendig sein, die Kräfte nicht in Einzelaktionen zu zersplittern, fonbern alle Kraft und alle Hilfsbereitschaft zu - s a m menzuf a s f en zu einem Werke, das hx enger Gemeinschaft mit den berufenen amtlichen Stellen zur Durchführung kommt. Rur auf diesem Wege wirb eine möglichst gerechte unb den Erfordernissen von Fall zu Fall ange- pahte Hilfstätigkeit durchzusühren sein. Welche Wege dabei im einzelnen al« Fürsorge zu wählen sind bedarf selbstverständlich der sorgsamsten Prü'fxmg. damit keine Fehlschläge auftreten und do« gute Wollen und die aufgewandten Mittel nicht mehr ober minder nutzlos eingesetzt Werben. Man darf auch nicht de» Glaubens fein, daß es mit Geldspenden und Raturalbeihilfen au» dem Kreise der Bürgerschaft allein getan fei, im übrigen aber den behördlichen Stellen die Durchführung deS Werke» überlaffen bleiben fönne. Sehr wichtig und zweckmäßig wird es vielmehr fein, bie tätige Mitarbeit möglichst zahlreicher Bürger bei biefem Hilfswerk zur Verfügung zu ftelleix, denn nur ein großer
Die Einkreisung Italiens
Don unserem römischen E-Äorrcfbonbentch.


