Ihm Gedanken austauschen wollen. Solche Ausländer haben sich wiederholt dahin geäußert, daß nirgends der Weg zu einem Regierungschef so einfach und unbürokratisch sei, wie zu dem deutschen Reichskanzler.
Man scheint in der Oeffentlichkeit häufig noch nicht richtig einzusehen, wie weit das Bestreben des Reichskanzlers geht, sich auf breitester Grundlage zu informieren, sich von allen Meinungen, die irgendwie Geltung haben können, Kenntnis zu verschaffen. Wie oft geschieht es, daß irgendein Gelehrter, ein praktischer Wirtschaftler, der vielleicht selten oder nie nach Berlin kommt, einen Brief erhält, in dem geschrieben steht: „5)r. Brüning würde sich freuen, wenn Sie ihn an dem und dem Tage in der Reichskanzlei zum Tee besuchen würden!" Bei dieser Gelegen- yeit informiert sich dann der Reichskanzler genau, — keine Mahlzeit, bei der nicht Menschen von außerhalb in der Reichskanzlei zugegen wären, es vergeht kaum ein Morgen, an dem nicht vor den Referenten des Ministeriums Referenten der öffentlichen Meinung beim Reichskanzler zu Worte kommen.
Allein zu sein, als Mensch für sich zu leben, — dazu kommt der Reichskanzler nur manchmal, eine Stunde am Tage. Wenn keine Rachtsitzun- gen stattfinden, sehen wir ihn abends zwischen 10 und 11 allein im Park des Reichskanzler- Palais spazieren gehen. Auch ich als persönlicher Referent habe den Reichskanzler selten oder nie über persönliche Dinge reden hören. Für den, der in seiner Rähe a7oeitet, ist das große menschliche Erlebnis Dr. Brünings derjenige Augenblick, in dem eine Diskussion von entscheidender Bedeutung festgesahren zu sein scheint: dann wirft Brüning seine ganze Persönlichkeit in die Waagschale. Er wird lebhafter, eindringlicher, spricht dann eine derbere, volkstümlichere Sprache — dann zeigt sich, wieviel Temperament und Schwung sich hinter der äußeren Ruhe und Gelassenheit verbirgt. Einer der amerikanischen Besucher sagte einmal von Brüning: „Er hat nicht nur Charakter, — er hat auch Tempo!" Lind ein anderer seufzte nach 24stündiger Konferenz: „Ihr Dr. Brüning scheint die Rerven des ganzen deutschen Bolkcs durch Rotverordnung f ü r s i ch beschlagnahmt zu haben!"
„An den Herrn Reichsfinanzminister"
Bon Regierungsrat H i r s ch e l, persönlichem Referenten des Reichsfinanzministers.
Hunderte von Briefen mit der Aufschrift: „An den Herrn Reichssinanzminister" laufen täglich bei mir ein. Ich habe die nicht einfache und nicht dankbare Aufgabe, sie zu sieben, alles Wichtige dem Minister vorzutragen und mit dem Rest diverse Papierkörbe zu füllen. Linker diesen Briefen, deren Schicksal der Papierkorb ist, kommen aus allen Gegenden Deutschlands stereotype Forderungen, die mich aber doch jedesmal von neuem in Erstaunen setzen. „Deutschland kann nur wieder gesunden, wenn alle Kaufleute, die pleite gehen und nicht mindestens 50 Prozent in der Masse haben, mit dem Tode bestraft werden!" Am häufigsten ist die Forderung nach der Wiedereinführung des Schuldturms.
Da wird von seltsamen jungen Mädchen angefragt, ob verwandtschaftliche Zusammenhänge zwischen dem Reichsfinanzminister und — Marlene Dietrich beständen. In diesem Falle wird um ein Autogramm gebeten, aber nur bejahendenfalls! Kürzlich wurde ich angerufen, ein Herr meldete sich, der den Herrn Minister unbedingt sprechen wollte. Ich bedeutete ihm, daß der Minister telephonisch nicht zu sprechen sei und fragte, worum es sich handele. Er erklärte, einen todsicheren Plan zur Er- r'ettung Deutschlands ausgearbeitet zu haben. Ich seufzte auf — solche Pläne kommen 'nämlich täglich zu Hunderten — und bat -ihn, den Plan einzuschicken. Worauf der Herr ''erklärte, er werde erst dann die Einzelheiten mit- .teilen, wenn ihm vom Reichspräsidenten — eine 25prozentige Gewinnbeteiligung zugesichert sei.
Ein großer Teil der Zuschriften zeigt, wie wenig zutreffend das Bild ist, das man sich vielfach von dem Dasein eines Ministers macht. Gewiß, jeden in Deutschland drückt Verantwortung. Aber nur der, der ganz in der Rähe eines Ministers lebt, kann ermessen, wie ungeheuerlich die Arbeit s^ürde ist, die auf einem jetzt amtierenden Reichsminister lastet. Am Tage durchschnittlich drei Besprechungen in der Reichskanzlei — eine davon um 24 Llhr. Daneben hat der Reichsfinanzminister die Verwaltung des umfangreichsten und schwierigsten Ressorts, das es wahrscheinlich in ganz Europa gibt. Ieden Tag beim Referat spüre ich, daß der Minister keine seiner Pflichten oberflächlich abtut, sondern alle bis zum letzten sorgfältig erledigt. Immer verlangt er Details, Genaues, — gerade das Unerfreuliche will er bis zum letzten Wermutstropfen auskosten. Rur sehr wenig darf ich ihm vorenthalten. Darunter sind Kriminalromane, Witzbücher u. ä. Lektüre, die neben guten Büchern aus irgendwelchen mir unerfindlichen Gründen täglich stapelweise vom Verlag an die Adresse des Ministers geschickt werden. „Die glauben anscheinend, daß unsereins noch Zeit für ein Privatleben hat!", sagt manchmal kopfschüttelnd zu mir der Minister.
Verzugszinsen für verspätet entrichtete Vorauszahlungen.
In den von Steuershndikus Hermann Will zu Gießen herausgegebenen „Aktuellen Steuerfragen" (Rundschreiben Rr. 17) lesen wir:
Rach einem Urteil des Reichsfinanzhofs vom 3. Iuni 1931 — VI 1083, 1084/31 — sind Verzugszinsen für verspätet entrichtete Vorauszahlungen auch dann zu entrichten, wenn später der endgültige Einkommensteuerbescheid auf einen niedrigeren Betrag lautet, als die Summe der einjährigen Vorauszahlungen, und dafür der Unterschiedsbetrag dem Steuerpflichtigen zu erstatten ist.
Das Urteil steht im Einklang mit der sonstigen Rechtsprechung des Reichsfinanzhofs, die ja bekanntlich dahin geht, daß Vorauszahlungen, die zurückerstattet werden müssen, weil der endgültige Bescheid auf einen geringeren Betrag lautet, vom Steuerfiskus nicht verzinst werden (Amtliche Sammlung Band 19 Seite 315). Es ist nun eine Konsequenz dieser Rechtsprechung, daß für verspätete Vorauszahlungen Zinsen auch dann zu zahlen und nicht zu erstatten sind, wenn der endgültige Steuerbescheid niedriger ist.
Die Hilfe für den Steuerpflichtigen gegen diese Zmspflicht besteht darin: Rechtzeitige Anträge auf Herabsetzung der jeweiligen Vorauszahlungen, soweit dos Ergebnis des laufenden Jahres
Rundfunkprogramm.
Sonntag, 6. September.
7.00: Von Hamburg: Hafenkonzert. 8.15: Weißfrauenkirche: Morgenfeier anläßlich des Dritten Evang. Volkstages. Veranstaltet von der Evang. Landeskirche Frankfurt a. M. 11.30: Von Leipzig: Reichssendung. Kantate zum 14. Sonntag nach Trinitatis. 12.00: Römerberg: Kundgebung anläßlich des Dritten Evang. Volkstages. 12.30: Schallplattenkonzert. 14.00: Stunde des Landes. 15.00: Stunde der Jugend. 16.00: Von Berlin: Deutsche Kunstflug- Meisterschoften. Mikrophonbericht von Paul Laven. 16.30: Wiesbaden: Konzert des Städtischen Kur- orchesters. 18.00: Empfindsame Zwiesprache. Rezitationen von Hildegard Rhode und Rudolf Rieth. 18.30: Unterhaltungskonzert auf Schallplatten. 18.55: Robert Steinen lieft ungedruckte Fragmente zu seinem neuen Roman „Farben zu einer Kinderlandschaft. 19.30: Kompositionsstunde Erich Wolfgang Korngold. 20.00: Im Fluge um die Welt USA. 1. Abend: „Im goldenen Westen". 21.00: Cannstatt: Abendkonzert des Philharmonischen Blä- ser-Orchesters. 22.40 bis 24.00: Tanzmusik.
Montag, 7. September.
7.00: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert. 17.00: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.40: „Das Abc des Autos", Vortrag von Hellmut H. Honig, Berlin. 19.05: Englischer Sprachunterricht. 19.45: Operetten« und Schlager-Stunde. 20.30: Neuyork bei Nacht. Ein Ouerschnitt auf Schallplatten. 21.10: Konzert zum Gedächtnis des 100. Geburtstages von Joseph Joachim. 22.30 bis 23.00: Unterhaltungskonzert.
Dienstag, 8. September.
7.00: Frühkonzert. 12.05: Schallplattenkonzert. 15.05: Von München: Für die Hausfrau. — Vorbereitungen auf das Erntedankfest. 17.00: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.40: „Ausländsdeutsche im Reiche der Musik', Vortrag von Dr. Karl Klingenfuß. 19.05: „Arbeitsdienstpflicht", Vortrag von Theodor Bäuerle. 19.45: Johann-Strauß-Konzert des Rundfunkorchesters. 20.45: Wilhelm Raabe (zum 100. Geburtstag), Erinnerungen an Wilhelm Raabe, Plaudereien über Wilhelm Raabe. 21.30: Klaviermusik. 22.35: Briefkasten. 23.00 bis 24.00: Tanzmusik.
Mittwoch, 9. September.
7.00: Frühkonzert. 10.20 bis 10.50: Schulfunk. 12.05: Schallplattenkonzert. 1515 bis 16.00: Stunde der Iugend. 17.00: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.40: „Die Erforschung der Sahara", Vortrag von Paul Spatz, Berlin. 19.05: Freiburg: „Schutzzollpolitik und Weltwirtschaft", Vortrag von Dr. Else Hölzl. 19.45: „Der Ackersmann und der Tod", von Johannes Saaz, gelesen von Emil Heß. 20.00: „Das möcht ich
nicht wieder hören", ein bunter Abend, zusammengestellt von Karl Kostlin. 21.00: Konzert des Rundfunkorchesters. 22.15: „InternationaleOlhm- piavorbereitungen", Gespräch zwischen Henry F. Schulte, Director of the Athletics der Universität von Rebraska, und Otto Boer.
Donnerstag, 10. September.
7.00: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert. 15.30 bis 16.30: Stunde der Iugend. 16.40: „Ein rheinischer Weberjunge erzählt", Improvisationen von Paul Laven. 17.00: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.40: Zeitfragen. 19.05: „Der pluralistische Parteienstaat", Vortrag von Dr. Georg Schmitt. 19.45: Wiener Volksmusik 1. 20.30: Die Geschichte von Aucassin und Ricolette. Für den Rundfunk bearbeitet und gesprochen von Professor Friedrich Karl Roedemeyer. 21.30: Kammermusik. 22.15: Von Berlin: Zeitbericht — Ungarns Außen-und Innenpolitik vor dem Rücktritt Dethlens. Bearbeitet von Actualis. 23.10 bis 24.00: Wien: Tanzmusik.
Freitag, 11. September.
7.00: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert. 17.00: Rachmittagskonzert. 18.40: „Das Schlichtungswesen", Vortrag von Dr. jur. Döse. 19.05: Aerztevortrag: „Die Leberbehandlung bei Blutkrankheiten". 19.45: Unterhaltungskonzert des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. 20.30: Von den Dynamiden bis zu I. S. Dach. Eine musikalische Plauderei von Hans Reimann. 21.00: Segen der Erde. Li- terarisch-musikalische Hörfolge. 22.35 bis 23.00: Tanzmusik. 0.30 bis 1.30: Auf den Kurzwellensender: Rachtkonzert.
Samstag, 12. September.
7.00: Frühkonzert auf Schallplatten. 10.20 bis 10.50: Schulfunk. 12.05; Schallplattenkonzert. 13.00 bis 13.10: Insel Wight, England: Um den Schneider-Pokal für Wasserflugzeuge. 1. Mikrophonbericht. 14.55 bis 15.05: Insel Wight, England: Um den Schneider-Pokal für Wasserflugzeuge. 2. Mikrophonbericht.. 15.15 bis 16.00: Stunde der Iugend. 17.00: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.40: „Berufsaussichten der Iung- akademiker". Ein Chemiker, Dr. Fritz Dreusch, erzählt. 19.05: Spanischer Sprachunterricht. 19.40: Besuch bei Maler Posch, Darmstadt, anläßlich der Berleihung des Büchner-Preises. — Am Mikrophon: Eberhard Deckmann. 20.00: Freiburg: Im Schloß und Münster Salem in Ober-Daden. Sprecher: Dr. Rupert Giehler, Ernst Drugger. 20.40: Dasselbe in Grün. Ein bunter Abend, zusammengestellt und geleitet von Curt Elwen- spoek. 22.35 bis 24.00: Tanzmusik.
bereits nachweisbar geringer sein wird, als das des vorhergehenden, auf dem die Vorauszahlungen beruhen.
Oberheffen.
Notruf der größten oberhessischen Landgemeinde.
£ Wieseck, 4. Sept. Gestern abend fand eine Sitzung des Gemeinderats statt, in der von Bürgermeister S ch o m b e r ein Schreiben des Kreisamts bekanntgegeben wurde, wonach die endgültigen Steuersätze für die Umlagen und die Sondergebäudesteuer für 1930 und 1931 genehmigt wurden. Zugleich machte Dürgermeister S ch o m b e r Mitteilung von dem schwierigen finanziellen Stand der Gemeinde. Sollte nicht erreicht werden, daß Staat und Reich die Lasten für die Wohlfahrtserwerbslosen mit übernehmen, so steht auch die Gemeinde Wieseck vor dem Ruin. Die von der vorgesetzten Behörde empfohlenen Steüererhöhungen mühten vom Gemeinderat a b g e l e h n t werden, da bei deren Einführung für die Gemeinde keinerlei Vorteil herauskomme. Eine Arbeitergemeinde wie Wieseck, die mit ihren Steuern mit an der Spitze marschiere, könne unmöglich den wenigen Steuerzahlern noch weitere Lasten auferlegen. Die im Voranschlag vorgesehenen 25 000 Mk. für Erwerbslose und Wohlfahrtsempfänger reichten bei weitem nicht aus, um den unbedingt notwendigen Unterstützungen gerecht zu werden; seien doch bereits seit April 15 000 Mk. ausbezahlt worden bei einem viel niedrigeren Erwerbslosenstand, und rechne man hinzu, daß diese Lasten von Woche zu Woche sich erhöhen, so komme man zu dem Ergebnis, daß dieser Zustand nicht mehr lange anhalten könne. Auch die von der vorgesetzten Behörde vorgeschlagene Einführung der Getränke st euer wurde vom Gemeinderat einstimmig abgelehnt, zumal sie keine nennenswerte Einnahme bringe und die Kontrolle nicht bezahlt mache.
Gemeinderat in Büdingen.
!! Büdingen, 3. Sept. Dem Antrag der Baukommission entsprechend beschloß der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung, folgende Arbeiten durch ausgesteuerte Erwerbslose ausführen zu lassen: 1. Das Ausräumen des Sremenbachbettes von derLohstegbrücke bis zur Brohlerschen Mühle, einschl. Entfernen des aus dem Mauerwerk herauswachsenden Ge- büschs. 2. Die Herstellung des Schaafesfeldwegs einschl. der Seitengräben. 3. Die Herstellung des noch nicht ausaebauten Stückes des verlängerten Steinwegs einschl. Stellen des Baues und Beschotterung. 4. Planieren der Iahnstrahe, und 5. Bekiesung des Schulhofes. — Das von dem Gemeinderat beantragte Disziplinarverfahren gegen den Schuldiener Lehning wegen Richtausführung gegebener Aufträge konnte von dem Kreisamt nicht durchgeführt werden, da die vorgebrachten Gründe keinen Anlaß zu einer disziplinären Bestrafung gegeben hatten. — Die beiden pensionierten Feldschühen Michel und K n a f hatten sich freiwillig bereit erklärt, während der Obsternte den Dienst als Ehren- feldschühen, d. h. ohneirgendeineBe- z a h l u n g , zu versehen. Rachdem das Kreisamt gegen diese Maßnahme nichts einzuwenden hatte, lehnte der Gemeinderat die Beschäftigung ab mit der Begründung, daß Ehrenfeldschützen in genügender Zahl vorhanden seien.
Kreis Friedberg.
t. K i r ch -Göns, 3. Sept. Die starken Regenfälle in den letzten Wochen haben dem Getreide auf unseren Feldern keinen erheb-
lichen Schaden verursacht. Roggen und Gerste waren zum größten Teil schon geborgen. Der Weizen, der aus Haufen stand, konnte nach dem Regen bald eingefahren werden. Lediglich der Hafer hat gelitten. Die Landwirte haben bereits mit der Grummeternte begonnen. Der Ertrag steht dem der Heuernte etwas nach, kann aber trotzdem als gut bezeichnet werden. Die Frühkartoffel lieferte einen guten Ertrag.
Kreis Büdingen.
△ Nidda, 3. Sept. Am Montag wurden hier die Frühäpfel und Zwetschen von den städtischen Baumstücken stammweise versteigert. Die sehr reich behangenen Aepfelbäume erbrachten nur geringe Preise. Der Zentner Aepfel stellte sich am Baume auf etwa 2 Mark. Sehr ungleich war der Behang der Zwetschendäume, manche hatten fast gar keine Früchte, andere wieder reichlich. Für den Zentner Zwetschen ergab sich ein Durchschnittspreis von 4 bis 5 Mark am Baum.' Der Erlös für Zwetschen betrug im ganzen 540 Mark.
! Borsdorf, 3.Sept. Bei der hiesigen Beigeordnetenwahl wurde Otto Belzer gewählt. Er war als einziger Kandidat aufgestellt. Der feityerige Beigeordnete Ludwig M ö b u s hatte wegen vorgerückten Alters eine Wiederwahl abge- lehnt. — Unser Dorf, das als eines der ersten Dbft- dörfer Hessens gilt, steht hinsichtlich der Menge als auch der Güte vor einer vorzüglichen Obsternte. Sowohl die besseren Tafelobstsorten wie das billigere Wirtschaftsobst zeigen einen sehr guten Behang. Der eigentliche Handel hat noch nicht eingesetzt, wenn auch vereinzelt schon Angebote für Wirtschaftsäpfel (Kelterobst) gemacht wurden, die sich um 2 Mark je Zentner bewegten.
i. BobenhausenI, 4. Sept. Die B r o m d e e r. ernte in den umliegenden Staatswaldungen fällt in diesem Jahre sehr reichlich aus. Die Nachfrage ist sehr groß. Meist sind es ausgesteuerte Erwerbslose, die die Beeren sammeln und sie in der näheren Umgebung zum Verkauf anbieten. Der Preis beträgt 20 bis 30 Pf. für das Pfund.
* Wenings, 3. Sccht. Am vorigen Sonntag wurde hier der Iugendsonntag derevan- gelischen Landeskirche gefeiert. Im Fest> gottesdienst wirkten der Musikverein und die Mädchenbünde der beiden Gemeinden mit. Pfarrer Köhler hielt die Fesüpredigt. Rachmittags marschierte der Festzug wieder zum Peterskopf. Der Mädchenbund Merkenfritz führte „Das Spiel von den drei Glocken" aus, dos Pfarrer Köhler nach Motiven aus einem Märchen von Sophie Renschle verfaßt hatte. Lehrer Heusohn und der Verfasser hatten am Tag vorher mit Hilfe der Schulkinder und zweier Gemeindeglieder eine entsprechende Freilichtbühne geschaffen. So verfehlte das gut gespielte Stück seine Wirkung nicht. Besonders wirkungsvoll waren die in das Stück eingeflochtenen Chöre. Der Mädchenbund Wenings unter Leitung der Pfarrfrau sang ebenfalls zwei sehr schöne Chöre und tanzte verschiedene Volkstänze. Das von ihm aufgeführte lustige Stück „Hans und Liefe!" fand großen Beifall; die Spielerinnen hatten sich gut in ihre Rollen eingelebt. Abwechselnd mit den Darbietungen der Iugend erfreute der Musikverein die Hörer mit Volksliedern und sonstigen Musikstücken. Die Fortschritte, die er seit seiner Gründung zu Beginn des Iahres gemacht hat, sind sehr beachtlich und erfreulich. Pfarrer Köhler sprach dem Verein in seinem Schlußwort feinen besonderen Dank aus, ebenso denjenigen, die sonst zum Gelingen der Feier brigetragen hatten, und den Zuhörern, deren Zahl überraschend groß war.
Kreis Scholten.
-»-Ober-Schmitten, 4. Sept. Im 84. Lebensjahre starb die ä l t e ft e Bewohnerin des Dorfes, Katharina Elisabeth Müller. In derselben Nacht starb auch ihr Neffe, der Landwirt Wilhelm D i e h l m a n n im 61. Lebensjahre. Beide wurden in einem gemeinsamen Grabe bestattet.
ch Sichenhausen, 3. Sept. Die Einmütigkeit unserer Gemeinde zeigte sich in diesen Tagen im Hinblick auf die Beigeordnetenwahl. Es wurde nur ein Kandidat, Gemeinderat August Ries ausgestellt, der als gewählt gilt.
± Groß-Eichen, 3. Sept. Am vergangenen Sonntag fand hier der Eröffnungsgottesoienst für den Konfirmandenunterricht statt. Die Zahl der Konfirmanden ist diesmal recht klein. Im ganzen werden acht Kinder, sieben Knaben und ein Mädchen, in den Llnterricht ausgenommen, darunter zwei Knaben aus Klein- Eichen.
Kreis Alsfeld.
0* Alsfeld, 3.Sept. Das 17 Mann starke Alsf elder Iugend orche st er unter der Leitung von Oberreallehrer Dotter veranstaltete im „Deutschen Haus" ein Konzert, das außerordentlich zahlreich besucht war; viele Konzertfreunde konnten keinen Platz mehr finden. Die Leistungen verdienten alle Anerkennung. 8tua. phil. Hermann Dotter erntete für sein Diolinfolo „Balletszenen, Fantasie von Beriot vp. 100" stürmischen Beifall.
c.^^eJ(au' 3- Sept- In diesen Tagen wird hier die Bachregulierung am alten Echlohgraben durchgeführt. Bei diesen Arbeiten lönrwusämtliche Arbeitslose der hiesigen Gemeinde Beschäftigung finden. —Frau Katharina Rühl feiert demnächst ihren 90. Geburtstag. Die Iubilarin dürfte eine der ältesten Frauen unserer nächsten Llmgebung sein.
Kreis Lauterbach.
*ßauterbad),4. Sept. Der Gemeinderat hat die Einrichtung einer Volksküche be- schlossen, die in der Hauptsache den Krisen- unter ft ü^ten der Stadt die Ernährung während des Spätherbstes und des Winters wenigstens zum Teil sicherstellen soll. Unter der Auf- sicht der Stadtverwaltung sollen von einer tüchtigen Köchin, der eine Anzahl junger Leute zur Unter- stützung beigegeben werden soll, kräftige Suppen her, gestellt werden. Die Stadtverwaltung will demnächst einen Aufruf erlassen, in dem zur U n t e r st ü tz u n g dieses Hi Ifs wertes durch Spenden von Naturalien und Geld ausgefordert werden soll.
Preuße«.
Kreis Wetzlar.
B Wetzlar, 4. Sept. Der Regierungspräsident zu Koblenz hat das von ihm am 14. Juli erlassene Verbot von Umzügen und Versammlungen unter freiem Himmel im Regierungsbezirk Koblenz «jeder aufgehoben.
Kreis Biedenkopf.
T Waldgirmes, 4. Sept. Am Mittwoch kam hier eine freiwillige Arbeitsgemeinschaft von etwa 30 Lehrern und Lehrerinnen aus -dem südlichen Teil des Kreises Biedenkopf zustande. Zum Vorsitzenden wurde Rektor Müller (Raunheim) gewählt. Man sprach über das Ziel des Llnterrichts und der Erziehung. Dabei kam zum Ausdruck, daß die alten Pädagogen Pestalozzi und die Philanthropen mit ihren Grundsätzen heute noch maßgebend seien. Den nächsten Vortrag für die Tagung in Rodheim hat Hauptlehrer Feir aus Hermannstein übernommen. Im Winter will die Arbeitsgemeinschaft regelmäßig in Gießen tagen.
Hauptversammlung des Hessischen Mlanchthonverems.
h. Frankfurt a. M., 1. Sept. Die diesmalige, in ihren Beschlüssen sehr wichtige Hauptversammlung des Hessischen Melanchthonvereins fand gestern im „Kronenhof" dahier unter dem Vorsitz von Landeskirchenrat D. Waih, Darmstadt, statt. Als Vertreter des Landeskirchenamtes war Oberkirchenrat . Zentgraf, Mainz, erschienen.
Aus dem Bericht des Vorsitzenden ist zu entnehmen, daß der Vorstand des Vereins im abgelaufenen Berichtsjahre den Hauptzweck des Vereins, nämlich die Schaffung eines Alumnates für evangelische Schüler zu wirtschaftlich günstigen Bedingungen und unter guter Aufsicht am Sitze einer höheren Lehranstalt (Gymnasium), nicht aus den Augen verloren, sondern tatkräftig betrieben hat. Richt weniger als 13 Projekte wurden vom Vorstand geprüft, konnten aber nicht zur Ausführung gelangen, *ba die wirtschaftlich ernste Lage unbedingte Vorsicht gebot. Dagegen wurden vorsichtshalber aus den Beständen der Heeresverwaltung (Reichsvermögensverwaltung Mainz) für 6000 Mk. Möbel aller Art einschließlich 24 Betten erworben. Der Verein erhält seine finanzielle Llnterstützung von der Kirchenregierung, die die Bestrebungen des Vereins als wichtig und zeitgemäß ansieht, von bis jetzt 13 Dekanaten (10 stehen noch aus) und 91 evangelischen Kirchengemeinden, sowie einer Anzahl persönlicher Mitglieder. Der Beitrag für letztere beträgt jährlich 2 Mk., der korporative Beitrag eines Vereins usw. 10 Mk. Eine größere Anzahl evangelischer Geistlicher hat bis jetzt dankenswerter Weise jährlich größere Opfer gebracht. Die Tätigkeit des Vereinsvorstandes wurde gebilligt und besonders von Oberkirchenrot Zentgraf empfohlen, bei Gründung eines Alumnates vor allem die D e - dürfnisfrage sicherzustellen, ehe weitreichende Beschlüsse gefaßt würden. Dies entspricht auch der Stellungnahme des Vorstandes.
Eine lebhafte Besprechung fand über die Schaffung und Eröffnung eines Studentenheims für evangelische Studenten des pädagogischen Instituts in Mainz statt. Der Vertreter des Studentenausschusses und andere fachkundige Interessenten des pädagogischen Institutes aus Mainz konnten überzeugend das dringende Bedürfnis nach einem solchen Heim dartun. Die Generalversammlung beschloß daher einstimmig und freudig, die in dieser Richtung vom Vorstände bereits eingeleiteten Schritte zu billigen. Danach wird im „Wittenberger Hof" zu Mainz (der dem dortigen evangelischen Verein gehört) ein Stockwerk mit einer Anzahl Zimmer und Betten hergerichtet und vor allem große Tagesräume (Lesezimmer, Musikzimmer) zur Verfügung gestellt, und zwar bereits vom 1. Oktober d. I. an für das kommende Wintersemester.
Auch für die evangelischen Lehrer st uden- tinnen soll in ähnlicher Weise gesorgt werden, denn das Bedürfnis ist auch hier dringend vorhanden. Die Inangriffnahme des genannten Werkes bedingte eine Erweiterung des Vereinszweckes und hiermit eine Aenderung der Statuten, die ebenfalls angenommen wurde.
Mit Dank für die Mitarbeit und mit dem Wunsche, daß das in Angriff genommene Wohlfahrtswerk zum Segen von Schule und Kirche gelingen möchte, fchloß der Vorsitzende die Tagung,


