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Nr. 50 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Donnerstag, 5.8ebruar Mi

Aus Oer ProtHtwafbaupfflaOt

Gießen, den 5. Februar 1931.

Ein Zahr

G eßener Hauöfrauenberatung.

Die GiehenerHauSfrauenberatung unter der tatfrohen Leitung ihrer Vorsitzenden, Stau Dr. Koeppe. und dec regen Mitarbeit zah reicher Damen konnte in diesen Tagen das <rste Jahr ihrer Tätigkeit vollenden. Um in der Oef,entlich!eit gcwijsermahen Rechenschaft zu ge- ben über die Arbeit in dem verflossenen Jahve und dabei auch den Geist zu bekunden, der bei dem Wirken der Hausfrauenberatung maß- ft? end ist, veranstaltete die Dereinsleitung ge­lt rn im Saa.e des Gase Leib einen Unter* ha^tungsabend der Hausfrauen« b e r a t u n g, der einen so starken Besuch auch vieler Herren aufzuweisen hatte, daß der große Saal fast vollständig besetzt war. Aus dieser Tatsache a.lein ist schon zur Genüge ersichtlich, in welch hohem Maste die Tätigkeit der Haus­frauenberatung geschäht wird.

Der in vielerlei Hinsicht anregende Abend wurde von der Dereinsvorsihenden Frau Dr. Kocppe mit begrüstenden Worten clingeleitet, danach sprach Fräulein Hirsch wirkungsvoll einen Prolog. Als Höhepunkt des ersten Teils der Vortragssolge wurde unter der künstlerischen Leitung von Frau Irmgard Hee r m a n n Glucks Maienkönigin" in reizvoller Weise aufgeführt, wobei sich Frl. Martha Peter, Frl. Martha Ludwig, Fräulein Hanna Kellner und die Herren Heinrich Dietrich und Karl Tank darstellerisch und gesanglich in bester Weise ver­dient machten. Die fein abgerundete Darbietung fand verdientermaßen den lebhaften Beifall der außerordentlich interessierten Zuschauer, den man von den Darstellern auch auf die Leiterin mit auSdehnen darf. Fräulein Baer unterhielt so­dann mit Rezitationen einiger Gedichte, und als Abschluß des ersten Teils £er Dortragsfolge kamen auch die zahlreich anwesenden Herren mit einem gemeinsamen Gesang, den die Damen freundlichst unterstützten, in gebührender Weise zur Geltung. Den zweiten T?il des Abends leitete Frau Dr. K oe p pe mit einer Ansprache ein, in der sie zunächst einen Ueberblick über die Tätigkeit der Hausfrauenberatung im ersten Jahre ihres Bestehens gab, dabei auf die viel­fachen. Fördermöglichkeiten der Haussrauenarbei- ten durch gegenseitige Beratung und regen Meinungsaustausch sowohl in Sprechstunden, wie auch bei den regelmäßigen Bersaminlungsabenden hinwies, und als Zielpunkt der weiteren Arbeit die Ertüchtigung aller Hausfrauen für die eigene Hauswirtschaft und die Wirtschaftsgesamtheit hervorhob, dabei aber auch in den Vordergrund stellte, daß neben den rein wirtschaftlichen Dingen auch die Bande der seelischen Harmonie durch gegenseitiges Helfen und Berate^ gestärkt wer­den sollen. Welchen guten Anklang die fesselnden Darlegungen der Rednerin bei den Zuhörern fanden, bewies der herzliche Beifall, der ihren Worten zuteil wurde. Runmehr kam die Gym­nastikschule von Frau Erna Schumann mit einigen künstlerischen Tänzen zu Wort, bei benen Fräulein Beck, Fräulein Buschmann. Fräu­lein Lotte D a v i d s o h n, Fräulein Inge Weyl, Fräulein Gisela Rosenberg, Fräulein Lore Ärcnaien und Fräulein Lotte Hahn in sehr ansprechender Weise die bei Frau Schumann er­lernte Tanzkunst vorführten. Auch diese Dar­bietung des Abends ist als eine reizvolle Habe an die Besucher zu bezeichnen, hie in gebührender Weise mit lebhaftem Beifall dankten und der­gestalt die Tänzerinnen und ihre Lehrmeisterin mit Recht auszeichneten. Ein gemeinsames Lied der Damen, bei dein die Herren unterstützen dursten, beschloß den schönen Abend. Erwähnt sei noch, daß das Festlied der Herren von Frau Ingenieur W i m b e r, die sich neben der Vor-

Masor Professor Dr. August von Parseoal, der Konstrukteur des ersten größeren unstarren Luftschiffs in Deutschland, einer der verdienstvollsten Förderer der flugtechnischen Entwicklung, feiert am 5. Februar seinen 70. Geburtstag. Im nächsten Familienblatt werden wir seinem Werk einen Aussatz widmen.

sitzenden in regster Weise um die Ausgaben deS Vereins bemüht, gedichtet wurde, während das Lied der Hausfrauen eine Dichtung von Frau Professor Weidenbach war. die gleichfalls zu den hervorragenden Mitarbeiterinnen des Ver­eins zählt.

Dcr prächtige Abend war eine würdige Jahres­feier der Hausfrauenberatung, deren Wirken zur Förderung unserer Hausfrauen man auch weiter­hin mit besten Wünschen begleiten muh.

Schützt daöWild vorjagenden Hunden!

Don dem Hubertus, Verein «^idgerechter Jäger, Sih Gießen, wird uns geschrieben:

In steigendem Maße fiagea die Iagdpächter über die Schädigungen ihrer Reviere durch das Treiben wildernder Hunde. Die Verluste treten entweder dadurch ein, daß der oder die Hunde ein Stück nach langer Hetze greisen und zerreißen, oder dadurch, daß solche gehetzten Stücke an Hindernisse, wie Bäume, Eingotterungen und ähnlichem, anrennen und dabei äu Schaden kom­men oder verenden. Ebenso schlimm aber wie diese tatsächlichen Abgänge aus dem Bestand ist die Einwirkung der dauernden Hetzen auf das übrige Wild. Es wird verängstigt und meidet das unheimliche Revier, den Heger damit um die Früchte seiner Arbeit bringend. Viele Hunde jagen bei Rächt, ohne daß es der Besitzer über- harrpt weiß, der den nächtlichen Wächter auf dem Hof wähnt. Dis der Bauer am anderen Rdorgen auf den Hof kommt, liegt der Hund längst wieder müde oder vollgefressen in seiner Hütte. Auch städtische Spaziergänger sind vielfach von einer völligen Verständnislosigkeit für die Verheerungen, die ihr unbeaufsichtigt umber- laufender Hund anrichten kann. Es fällt dem Jäger und Iagdschutzbeamten meist nicht leicht, aus einen Hund zu schießen, auch wenn ihnen das Recht zur Seite steht, da Hunde ihre besten Ge­fährten sind. Aber wenn die Verhältnisse so weitergehen, kann Selbsthilfe mit allen verfüg­baren Mitteln nicht ausbleiben! An sich müßten auch die verpachtenden Gemeinden selbst darauf

achten, daß solche Schädigungen der Jagd, für die sie möglichst hohe Pacht einnehmen wollen, vermieden würden. Wenn sie das Iagdau-s- übungsrecht verpachten, müssen sie dem Pächter auch die möglichst ungestörte Ausübung dieses Rechtes gewährleisten. Da die Bewohner eines Ortes sehr wohl in vielen Fällen über jagende Hunde unterrichtet sind, müßte es doch ein Leichtes sein, durch vernünftiges Zureden, oder durch Strafe diesen Unfug einzudämmen. Leider schwinden die alten Dorfhundrassen immer 'mehr und andere treten an ihre Stelle, die viele Be­sitzer nicht zu meistern verstehen und die dann sich au solchen Geißeln der Wildbahnen ent­wickeln. An die Kreisäinter, Gemeindebehörden und die Forst- und Feldschuybeamten, wie auch die Gendarmerie ergeht im Interesse unseres Wildes und der volkswirtschastlichen Werte, die in unseren Jagden stecken, die dringende Bitte, dem jagenden Hunde ihre Aufmerksamkeit zu schenken.

Die Volkshochschule im Arbeitsjahr 1930/31.

Bon der Leitung der Volkshochschule Gie­ßen wird uns mitgeteilt'

Infolge der sehr unsicheren finanziellen Lage der Volkshochschule mußte im laufenden Jahr von der Durchführung eines Sommcrsemesters abgesehen werden. Dank dem außerordentlich starken Besuch des Winterhalbjahrs, dessen Kurse von 139 Perso­nen mehr als 1929.30 belegt wurden, ergab sich jedoch kein Rückgang in der Hörerzahl, sondern gegenüber dem Vorjahr wiederum ein, wenn auch fkiner Zuwachs: die Zahl der eingeschriebenen Per- sonen beträgt 458. Es wurden 27 (1929 30: 31) Kurse mit 335 (1929 30: 329) Abenden veranstaltet: die Kurse sind zum Teil noch in der Durchführung begriffen. Für die günstige Zusammensetzung der Hörerschaft ist in mancher Beziehung typisch der Teilnehmerkreis des Kammerorchesters: 2 Schlosser, 1 Laufbursche, 1 Stellmacher, 1 Friseur, 3 Beamte, 2 Studierende, 5 Schüler, 1 Hausfrau Die Zahl der erwerbslosen Kursteilnehmer, die in früheren Jah­

ren nicht nennenswert war, beträgt über 100. Da über dcn Besuch der Kurse von jeher widersprechende Urteile verbreitet werden, so folg! hier eine Statistik der Belcgungsziffern: 3 Kurse haben zwischen 40 und 50, 3 Kurie zwischen 30 und 40, 7 Kurse zwi­schen 20 und 30, 10 Kurse zwischen 10 und 20, 4 Kurse 10 und weniger als 10 Teilnehmer. Außer den Kursen sand ein lehr stark besuchter Eröffnung», abend statt, der in erster Linie vom Kammerorchester bestritten wurde. Im Februar und im März werden eine Feier von Mozarts 175. Geburtstag und ein musikalischer Volkskunstabend des Kammerorchesters stattfinden.

Taten für Freitag, 6. Februar

Sonnenaufgang 7.32 Uhr, Sonnenuntergang 16.57 Uhr. Mondaufgang 22.01 Uhr, Monduntergang 9.10 Uhr.

1919: Eröffnung der Deutschen Rationalveriamw. lung in Weimar. 1922: Kardinal Ratti wird Papst (Pius XL). 1929: der Konzertdirigent Siegfried Ochs in Berlin gestorben.

Gietzener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 130 bis 140 Ps. IKochbutter von 110 Pf. an). Matte 30 bis 35. Käfe (10 Stück) tO bis 140. Wirsing 15 bis 20 (pro Zentner 12 bis 15 Mk.). Weißkraut 12 bis 15 (pro Zentner 8 bi» 10 Mk.), Rotkraut 15 bis 20 (pro Zentner 10 bis 12 Mk). Kartoffeln 3.5 bis 4 (pro Ztr. 2.50 bis 3 Mk ). gelbe Rüben 10 bis 15. rote Rüben 10 bis 15. Spinat 25 bis 30. ilnterloblrabi 5 bis 6, Grünkohl 20 bis 25. Rosenkohl 35 bis 40. Feldsalat 100 bis 120. Endivien 80 bis 100, Tomaten 70 bis 80. Meerrettich 30 bis 60, Zwiebeln 10 bis 15. Schwarzwurzeln 30 bis 50. Aepsel 30 bis 45. Birnen 20 b s 40. Russe 50 bis tO, Dörrobst 30 bis 35. Honig 40 bis 50, junge Hähne 90 bis 120, Suppenhühner 90 bis 120 Pfennig pro Pfund! Tauben 70 bis 80. Eier 13, Blumenkohl 40 bis 80, Oberkohlrabi 10 bis 15. Salat 25 bis 30. Lauch 5 bis 15. Rettich 10 bi« 15, Sellerie 10 bis 50 Pfennig pro Stück.

' Sitzung des Provinzialausschus­ses. Am kommenden Samstag, 7. Felruav, 8 30 ilftr beginnend, findet im Sitzungssaale des Re­git rungsgebäudes zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provi.z Oberhessen statt mit folgender Tagesordnung: Gesuch des Wilhelm Weine! zu Rieder-Mörlen um Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft in dem Hause Steinfurther Straße Rr. 3 in Rieder-Mörlen: hier: Klage gegen den Beschluß des Kreisamts Friedberg vom 13. August 1930. Klage 1. des Ludwig Halberstadt zu Rieder- Mockstadt. 2. des Aron Josef Halberstadt zu Rieder-Mockstadt gegen das Kreisamt Büdingen wegen Versagung eines Wandergewerbescheins für 1931 Rj. Klage des Bezirksttirforge- verbandes Gelnhausen gegen Landesfürsoige- verband Hessen, vertreten durch den Bezirks­fürsorgeverband des Kreises Friedberg, auf Er­stattung von Anstaltspflegekosten des Walter Iessinghaus aus Schwelm. Klage des Pr:u- ßischen Bezirksfürsorgeverbands Frankfurt a. Ri., vertreten durch das Städtische Fürsorgeamt. ge­gen den Bezirksfürsorgeverband des Krci'es Friedberg auf Erstattung von Fürsvrgekosten ür die Witwe Stevhan. geb. Huth. Gesuch des Hermann von Söhnen in Friedberg um Erlaub­nis zum Betriebe einer Schankwirtschaft im Hause Kaiscrstraße Rr. 23: hier: Klage gegen den Be­schluß des Kreisamts Friedberg vom 12. August 1930.

* Der DienenxüchtervereinGießen und Umgegend vielt am Sonntag imTann­häuser" seine ordentliche Generalversammlung ab. Rach herzlichen Degrühungsworten, itzsbesondere an den Redner des Tages, Lehrer und Bürger­meister Hensel (Hirzenhain) und den Vorfitzeirden d s Oberhess schon Im'erbund s. Lehrer R un k (Aidda), gab der Obmann Bodenbender den

Die kleine AicoleNe.

iRomcin von Paul Hain

(Schluß.)

Hoch und schweigend stand der Wald in den Bergen, von dem roten Schein der Rachmittags- fonne übergoldet. Das Raunen des Frühlings ging hier schan um, uni) in der frischen Luft war eine Ahnung von kommender Wärme und Pracht.

Wördehoff wanderte den schmalen Weg zwr- schen den Bäumen dahin, den Wanderstock in der Hand. Gr ging rüstig vorwärts, während seine Blicke in stiller Wiedersehensfreude ringsum flogen, über die Lichtungen, die Abstürze, die 5elfentnimmer, auf denen die Tannen sich wieg­ten. Und manchmal fiel plätscherndes Wasser über Geröll.

..Ich grüße euch atl ihr Dinge" dachte Wördehoff und atmete frei und stark.Ihr seid mir liebe, gute Bekannte."

Wit jedem Schritt, den er tat, wurde ihm freier zumute. Jeder Schritt führte ifjn näher dem Ziel entgegen, nach dem er drängend strebte. Es war der gleiche Weg. den er damals ge­gangen war, als er auf feiner sommerlichen Wanderfahrt das Schloß erreichte.

Run mußten doch bald die roten Dächer sichtbar werden, die kleine Holzbrücke, die über den rauschenden Dach in die Stadt hineinführte! Schneller ging fein Fuß.

Da hatte er endlich die Brücke erreicht. Zwi­schen den Bäumen wurde das breite Band der Straße sichtbar.

Er faßte den Stock fester und schritt mit weiten Schritten aus. Ging zwischen den Häusern hin.

Roch waren die Vorgärten kahl und leer, wo sonst die Rosen im Sommer dufteten. Aber die Frühsträucher hatten auch hier schon Grün an- gesetzt und die <,äune wurden schon neu gestrichen.

Da winkte das weihe Hans jenseits der Stein­drucke. unter dem der Dach quirlend rauschte. Es war derDraune Hirsch".

Wördehofs blieb stehen. Sah über das Gast­haus hinweg auf die kleine Anhöhe, von der das langgeftrcd e. oectoit erie Schloß mit seinem spitzen Turm herunterblickte.

Heiße Unruhe stieg in ihm auf.

Hastig schritt er dem Weg zu. der in schräger Steilung den Dorg hinaufführte. Das Herz schlug ihm laut WaS erwartete ihn da oben?

Da lag der Sch loh Hof vor ihm. Still. Kein Laut zu hören. Voll Dangen ging er durch das Portal.

Alles wie damals dachte er flüchtig. Keine Menschenfeele zu sehen. Die dicke Dohlentür rechter Hand war geschlossen. Der eiserne Löwen- kops daraus glänzte unter der Sonne. Die Fen­ster im Hause waren verhangen. Er schritt über den Hof. Wie verlassen das alles aussah! Sollte er hineingehen? Furcht hielt ihn zurück, die Tür zu öffnen.

Olein, erst wollte er in den Garten gehen, der hinter der Remise bis zum Dach abfiel und wo er so oft mit Kinna und Ricolette gesessen hatte.

Leise knarrte das Gatter, da er es ausstieh. Don unten r elelte und plätscherte der Dach

Ein Schauer ergriff den Ein tretenden.

Leise flüsterte er: ..Mein Königreich--"

Mit schweren Schritten ging er den Weg hin­unter zum Dach, wo die Dank stand. Schweigend ragten die Wälder ringsum, und die Erde strömte einen herben Duft aus.

Hi<r wollte er eine Weile sitzen, bevor er feine Angst ins Haus trug. In die'es stille, verlas­sene Haus, das mit seinen verhangenen Fenstern so unendlich traurig ausgesehsn hatte.

Er sah lange so bis ihn ein Geräusch auf­schreckte.

Dom Gemüsegarten her hatte sich eine Gestalt genähert, lehnte nun am Zaun und blickte zu Wördehof' hinüber

..Ra? Wer find denn Sie?" tönte die un- wir'che Stimme.

..Jacobus!" r.ef Wordeho s erleichtert.

Da erkannte auch der ihn und öffnete die Pforte.

Mein Gott. Sie. Herr Wördehoff."

Er lief auf die Dank zu.

..Sie hier im Garten? Ru ja das is ja wie ein Wunder! Roch vorhin sagte Marthe wenn bloß der Herr Wördehoff kommen wollte

Der war aufgesprungen und streckte dem Alten die Hände entgegen.

..Jacobus! Gestern erst horte ich, daß der Professor gestorben ist da fuhr ich los ich traute mich nicht ins Haus"

3a. ocr §wei Wochen haben wir chn begra­ben. Er ist in Genf gestorben aber hier auf bem Kirchhof vor der Stadt liegt er begraben und beinahe hatten wir Ricvlette zu ihm ge­legt

Wördehoff schrie fast:Wo ist sie, Jacobus? Wo ist sie?"

Er rüttelte ihn an den Schultern.

Da lächelte der Alle ein wenig.

Sie ist krank. Die Pflege und die Sorge um den Professor sie war schon in der Schweiz bettlägerig sehr lange. Ja es hat viel Mühe gekostet, sie über den Berg zu brin­gen"

Sie lebt, Jacobus"

Freilich. Und ich denke jetzt wird es schon mit ihr werden sie fragt jeden Tag nach Ihnen"

Wördehoff war erschüttert.

Kommen Sie man, sagte der Alte leise.Ru is ja alles gut. Ricolette fehlt bloß eine große Freude, sagte Dc. Windthorst, bevor er weg mußte"

..Er ist weg?"

Ja wissen Sie denn das nicht? Er hat doch wieder sein altes Leiden und muhte nach der Riviera wegen des Herzens. Er sagte, er hätte Ihnen doch geschrieben."

..Herrgott! Jacobus"

Ra und als er weg war und Sie kamen nicht aber meine Frau sagte immer: Sie kommen schon noch! Und Ricolette glaubte es. Das war gut so"

Sie überquerten den Hof. Wördeho's eilte immer einige Schritte voraus. Stteß schon die Tür auf. Im Dorraum kam ihnen Frau Marthe entgegen. Ihr volles, gutmütiges Gesicht war voll unbeschreiblicher Freude, da sie Wördehoff erkannte, und der Ausdruck des Frohsinns hatte kaum Platz zwischen den vielen Runzeln und Falten in ihrem Geficht.

Frau Marthe"

. Da sind Die ja. Herr Wördehoff!"

Sie blickte ihn mütterlich an. Dann nahm sie einen Strauß Rosen vom Tisch und drückte ihn chm in die Hand.

Da. nehmen Sie. Ich hab' sie mittags von dcr Gärtneeei geholt es sind Winterrofen. Ricolette liebt sie so sehr und ich wollte sie ihr ins Zimmer stellen. Run können Sie das be­sorgen. Kommen Sie nur"

Wördehoff folgte ifjr wie im Traum.

Stand eine kurze Weile vor einer Tür, hinter der 5rau Marthe verschwunden war. Die Tür ging wieder auf al.es war hell dahinter, die Vorhänge mußten wohl von den Fenstern zu­rückgezogen fein. Frau Warthe nickte Wötckxchoff aufmuntcrnd zu und schob ihn in das Zimmer. Die Tür fiel lautlos hinter ihm ins Schloß.

Ricolettes blasses Gesicht blickte mit großen, leuchtenden Kinderaugen dem Eintretenden ent­gegen. Ihr blondes Haar stand wie ein Hei­ligenschein um den Kopf. Ihre Arme streckten sich aus.Hubert--

Da war er bei ihr. Sie richtete sich aus den weißen Kissen aus.Hubert du"

Ihr Gesicht strahlte in stiller Verzückung.

Endlich kommst du"

Er legte vorsichtig die Arme um sie. Die Rosen fielen über das Bett.

Rico. Liebste, ich bin frei, frei für dich! Ge­stern bin ich es geworden. All' deine Briefe, sie erreichten mich nicht. Jemand hat sie behal­ten, den wir nicht mehr nennen wollen. Erst gestern hat der Zufall oder ein gütiges Schicksal mir alles verraten. Auch deines Vaters Tod

Sie schlang die Arme um seinen Hals-

Ich habe den Glauben an dich nie verloren gehabt. Hubert", flüsterte sie.

Er füllte, wie ihr Herz schlug. Wie ein Zit­tern der Freude ihren Körper durchbebte. Zärt­lich zog er sie an sich.

Laß d r erzählen. Lieb

Rein nein nicht jetzt, du. Später wenn ich ganz gesund bin Sie lächelte ihn verklärt an.

Run werde ich ja bald gesund."

Ihre Augen leuchteten.

Run kommt das Fieber nicht wieder. Hubert lieber Hubert nun bleibst du immer bei mir.

Immer Ricolette immer. Unser Früh­ling liegt Der uns."

Hell schien die Sonne ins Zimmer. In stum­mer Seligkeit blickten sie einander art Und ihr? Lippen sehnten sich einander entgegen.

Mein Wunder mein Königreichmurmelte Wördehoff und küßte sie leise und innig.

Ihre Hand strich über sein Haar.

Mein Liebster nun kann der Frühling kommen."

Sie sank in die Kissen zurück. Aber ihre Hände blieben ineinander. Und ihre Blicke liehen ein­ander nicht los.

So lag sie das Geficht leise gerötet lä­chelnd wie ein beschenktes Kind. Roch einmal flüsterte sie:Run kann der Frühling kom­men" Dann schlossen sich ihre Augen und ruhig ging ihr Atem. Sie schlief. Schlief ohne angstvolle Träume ihrem großen Glück entgegen, und Wördehoff bewachte andächtig ihren Schlaf.

Durch das Fenster toinfte der Wald, von der Rachmittagslonne beschienen, und der grüne Schimmer dcr auf den Wipfeln lag. glänzte verheißungsvoll. Gan,; fein dufteten die Rosen, die verstreut über dem Bett lagen.

Ende.