Ausgabe 
5.1.1931
 
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Nr. 5 Zweites Blatt

Die Steuervorschlage der Gießener Stadtverwaltung.

Don Herrn Rechtsanwalt Luley erhal­ten wir folgende Zuschrift, der wir als inter­essante Stimme aus der Bi.rzcr chaft Raum geben. Wir betonen aber, das) unsere Stel­lungnahme zu den kommunalpolitischen Ge­schehnissen in mancherlei Hinsicht anders ist, als die hier vorgetragene. D. Red.

Rachdem die Stadtverwaltung für das lausende Jahr 1930 aus einem äußeren Anlaß, nämlich -' aus Grund der sich aus der Verordnung des Reichspräsidenten vom 1. Dezember 1930 für die lünftige Finanzgebarung der Stadt ergebenden Einschränkung der Besteuerung festgestellt hat, Laß sich ein erhebliches Minus an Einnahmen er­gab, hat sie geglaubt, dem Stadtrat eine Reihe von Steucranträgen zur Deckung dieses laufenden Defizits vorlegen zu müssen. Es ist bemerkens- Nocrt, daß nicht die Verordnung vom 1. Dezember Iber Stadtverwaltung Veranlassung gab, einmal wegen der laufenden Ausgaben und der dazu nötigen Einnahmen nach dem Rechten zu sehen. Wäre die Verordnung nicht gekommen, so wäre dermutlich nichts ge'chehen, sondern einfach weiter- tzewirtschastet worden. Ich will vorerst davon «bsehen, die Frage zu erörtern, ob man nicht schon längst sich die Frage hätte vSrlegen muffen, eb die laufenden Einnahmen mit den Ausgaben in Einklang standen. Immerhin, es ist gut, daß r>ie Frage nunmehr angeschnitten werden muhte. Die Stadtverwaltung will das Defizit durch neue Steuern decken. Sie ist sich selbst darüber im klaren, daß der augenblickliche Zeitpunkt denkbar ungeeignet zur Belastung der Wirtschaft mit neuen Steuern ist, sie glaubt aber, daß andere Möglichkeiten nicht gefunden werden können. Einen sehr breiten Platz in der Begründung Oer Verwaltung nimmt der Vergleich der zu er­höhenden Steuern mit den Steuersätzen, die von den übrigen hessischen Gemeinden in den gleichen Steuerarten erhoben werden. Derartige Ver­gleiche zu ziehen ist, zum mindesten so wie es die Verwaltung tut, eine Unmöglichkeit. Es mühten nicht nur die Steuersätze verglichen werden, es müßte auch ein Vergleich zwischen der Lage des Gewerbes in den zum Vergleich heran- gezogenen Städten, und der Stadt Gießen gezogen werden. Dazu beschränkt sich die Stadtverwal­tung, daß es nicht angängig sei, dem Wirtschafts­leben der Stadt Gießen die unterste Stufe unter allen Städten des Landes einzuräumen. Ein der­artiger Versuch, den Gießener Steuerzahler ge­wissermaßen von einem Chrenstandpunlt packen au wollen, ist aufs schärfste als keineswegs sach­lich abzulehnen. Sicher ist, daß Gießen in einer viel ungünstigeren Lage als beispielsweise Offen­bach, Darmstadt und Mainz ist. Diese an das Wirtschaftszentrum Frankfurt gelagerten Städte mit weit größerem Hinterland und viel größeren Möglichkeiten geben dem Gewerbe ganz an­dere Möglichkeiten, als das von günstigen Der- ) kehrsstraßen abgelegene Gießen, und es wäre zu- " nächst einmal zu untersuchen, wie sich die Ge- J wcrbesteuer in - den übrigen Städten auf die ein-

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zclnen Gewerbebetriebe auswirkt, bevor man Ver­gleiche zieht. Was in Mainz, in Offenbach und andern Städten für die einzelnen tragbar ist, braucht es noch lange nicht in Gießen zu sein. Ob der Gedanke einer Mieterhöhung glücklich ist, möchte ich ebenfalls sehr bezweifeln. Er trifft gerade die Minderbemittelten, die einen erheb­lichen Teil ihres Einkommens für Mietzahlung aufwenden müssen, am stärksten.

Die Stadtverwaltung geht aber über einen meines Erachtens sehr wesentlichen Punkt, über

Oie neuen Ausgrabungen in Aegypten.

Bon Prof. Or. Georg Steindorff, Direktor des ägyptologischen Instituts der Universität Leipzig.

In den letzten Jahren sind auf ägyptischem und babylonischem Boden besonders durch staatliche, aber auch durch private amerikanische und eng­lische Ausgrabungen Funde gemacht worden, die an fünft- und kulturgeschichtlicher Bedeutung die des Tutanchamon zweifellos übertreffen. In erster Reihe stehen hier die Ausgrabungen, die im Auf­trage der ägyptischen Altertumsverwaltung durch den Engländer Cecil F i r t h im Umgreife der 1 bekannten Stufenpyramide auf dem Totenfelde von Eokkara ausgeführt worden sind. Hier wurden Tempelanlagen freigelegt, die König Djoser um 2780 v. Ehr. geschaffen hat, und die etwa ein Jahr­hundert älter sind, als die große Cheopspyramide Don Gise. Sie zeigen Raumgestaltungen und Bau- formen, besonders eigenartige Säulen, von denen wir bisher keine Vorstellung hatten, und die un­seren Anschauungen von der Entstehung der ägyp­tischen Steinarchitektur und deren Ursprung aus dem Holz- und Ziegelbau vollständig umgeftaltet haben. Hatte man früher geglaubt, daß die ein- Wachen, grandiosen Formen der großen Pyramiden und die schlichten Quaderbauten der dazu ge­hörigen Tempel einer gewissen archaischen Primi­tivität ihre Entstehung verdanken, so haben wir letzt umgelernt und eingesehen, daß diese Archi- ickturschöpf ungen andersartige Vorgänger haben; ihre Einfachheit steht in einem bewußten Gegensatz zu. den älteren, leichteren und gefälligeren For- - men der Djoser-Dauten. Eine völlige Wendung im Geistesleben der Aegypter hat sich bei den Pyra­miden von Gise vollzogen, die uns jetzt erst durch die Auffindung der älteren Architekturwerke zum Dewutztsein kommt.

Einen anderen Fund von großer, kunstgefchicht- ücher Bedeutung, der auch eines gewissen pikanten ! »ivorischen Beigeschmacks nicht entbehrte, hat der Amerikaner Reisner bei der Cheopspyramide

Gise gemacht. Auf dem Grunde eines 30 Meter riefen Schachtes fand er eine Felsenkammer, deren Eingang sorgfältig vermauert war. Drinnen stand .-in großer Alabastersarg, auf dessen Deckel gol­dene Stäbe und allerlei Gerümpel lagen, viele davon mit Inschriften versehen, die auf den ersten Mck verrieten, daß dieser Grabschah einer ägyp­tischen Königin, und zwar feiner geringeren als lei Mutter des Königs Cheops, der Gemahlin seines Vorgängers Snofru, gehörte. Reben dem bärge lagen in einem wüsten Haufen von Schutt Öesäße, ganze und zerfallene Gegenstände, darun­ter viele hölzerne, die vollständig von den Pilzen zerfressen, zufarnmengeschrumpft odet in Staub auf» xelöst waren. Mit einem bewunderungswerten Aufwand von Geduld ist in einer zehnmonatigen

Gießener Anzeiger lGeneral-Anzeiger für Oberhessen)

Montag, 5. Januar 1951

die Ausgabenfenkung, mit einem eleganten Schwung hinweg. Sie sagt, sie habe bereits seit Jahren die Ausgaben auf das Allernotwendigfte beschränkt, ja sogar so weit beschränkt, daß be­reite im laufenden Jahr erhebliche Rachbewilli­gungen haben eintreten müssen. Cs ist für den Außenstehenden, dem der Haushalt int einzelnen nicht bekannt ist, nicht ohne weiteres, möglich, die Ausgaben auf ihre Rotwendigkeit nachzu­prüfen. Wer nun in den letzten Jahren die Ge­legenheit wahrnahm, einige der sinnfälligsten Wirkungen der städtischen Wirtschaftspolitik zu beobachten, der muß sich, wenn er solche Worte hort, doch fragen, ob hier nicht die Begriffe über notwendige Ausgaben bei der Stadtverwaltung und in einer Privatwirtschaft so verschieden sind, daß der Begriff der notwendigen Ausgaben, wie er bei der Stadtverwaltung angewendet zu wer­den scheint, einer Rachprüfung bedarf. Der Außenstehende tonnte vor zwei Jahren beobach­ten, wie gleichzeitig der Reubau der Markthalle, der Schule in den Eichgärten und der Siedlung in'der Schwarzlach in Angriff genommen wurde. Aus der Tatsache, daß bis heute nur die Woh­nungen in der Schwarzlach fertiggeftellt worden sind, während nach meiner Beobachtung dec Markthallenbau mehr als ein Jahr ruhte, die Schule in den Eichgärten völlig ruht, ergibt sich zunächst einmal, daß man sich bei Inangriffnahme der Arbeiten ganz einfach übernommen hat. Es wäre nun interessant, einmal zu erfahren, wie­viel man in jedem Rechnungsjahr für jeden der Baukomplexe ausgegeben hat und was in jedem Jahr an Zinsen ausgegeben worden ist. Da diese Bauten bisher keinerlei Ertrag bringen, sondern zwecklos herumstehen, so sind diese Zinsen glatt verloren. Hätte man nur soviel angefangen, als man bewältigen konnte, so hätte ein Teil fertig­gestellt und in Benutzung genommen werden können, so aber müssen die Zinsen, statt durch Einnahmen, durch Steuern aufgebracht werden. Wieviel betragen diese für jedes Jahr? ilnö wenn sie nicht zu bezahlen wären, was konnte damit an Steuern gespart werden.

Kann unter diesen Umständen die Stadtver­waltung wirklich behaupten, sie habedie Aus­gaben auf das Allernotwendigfte beschränkt".

Weiter: Im vergangenen Jahre wurden für die Straßenbahn einige große neue Wagen on- gefchafst. In Benutzung habe ich sie leider sehr wenig gesehen. Ich habe einmal einen Strahen- bahnwagensührer nach den neuen Wagen ge­fragt; er sagte, sie kämen nur bei besonderen Gelegenheiten heraus, ständen aber sonst im Depot. War es wirllich notwendig, solche Wagen, die gelegentlich bei irgendwelchen Festen einmal ge­fahren werden, anzuschafsen? Welche Rente er­bringen sie, wenn sie im Jahre einige Male gefahren werden? Was kosten sie an Zinsen?

Weiter: Früher fuhr man den Müll in Pferde- toagen ab und die Straßen wurden von Straßen­kehrern gereinigt. Jetzt hat man Straßenkehr­maschinen angeschafft und Automobile für Müll­abfuhr. War das eine notwendige Ausgabe? Was bis vor zwei Jahren, seitdem das erste Auto für Müllabfuhr angeschafft wurde, ging, soll das heute nicht mehr gehen? Wieviel Er­werbslose konnten mit Straßenreinigung beschäf­tigt werden, wieviel Fuhrunternehmer, die ihre Pferdefuhrwerke für billigen Preis vermieten, hätten hier Arbeitsgelegenheit gehabt! Roch in allerletzter Zeit mußte aber ein solcher Müllab­fuhrwagen hinzugekauft werden. Wie teuer stellen sich diese im Betrieb gegen den Betrieb durch Pferdefuhrwerke? And wie steht es mit dem übrigen städtischen Autopark?

Weiter: Welche Grundstücke hat die Stadt Gie­ßen in den letzten Jahren erworben und war der Erwerb eine unbedingte Rotwendigkeit. Auch hier

Arbeit der gesamte Inhalt dieser Grabkammer untersucht worden, so daß die mannigfachen Bei­gaben, die man für die Tote ausgestellt hatte, gerettet worden sind. Durch die sorgfälttgste und überaus scharfsinnige Beobachtung der Lage der zerfallenen Stücke konnten die meisten wieder her- gestellt werden. Auf diese Weise siird uns Werke des ägyptischen Kunstgewerbes aus dem dritten vorchristlichen Jahrtausend beschert worden, die mit ihren einfachen geschmackvollen Formen und mit ihren anmutigen Ornamenten die größte Be­wunderung heraussordern. Von den auch fitl- turgeschichtlich interessanten Gegenständen möchte ich das Bett der alten Königin erwähnen, dessen Löwenfüße mit Goldblech überzogen waren. Lieber ihm erhob sich einst ein Betthimmel, der von Pfosten und Säulchen mit Palmenkapitellen getra­gen wurde, und der sich durch einen linnenen Vor­hang schließen ließ, ein Möbelstück, das uns durch­aus modern anmutet. Ein mit Goldblech und Fayenceeinlagen geschmückter Kasten diente wahr­scheinlich dazu, die genannten Vorhänge des Bett­himmels aufzubewahren. Armstühle und Trag- feffel vervollständigten das Mobiliar der Königin, die in einem goldenen Schmuckkasten ihre silber­nen, mit reizvollen Einlagen verzierten Arm» und Fußringe aufbewahrt hat. Gewiß sind Stücke ähnlicher Art auch schon früher in den ägyptischen Gräbern gefunden worden, aber die hier entdeck­ten find von durchaus neuen Formen und ent­stammen einer Zeit, aus der bisher nichts ähn­liches zutage gekommen war. Ein ganz über­raschendes Ergebnis brachte die Oeffnung des Sarges. Als in Gegenwart staatlicher Behörden fein Deckel gehoben wurde und man mit voller Erwartung, ähnlich wie im Tutanchamon-Grabe, die geschmückte Mumie der Königin zu erblicken hoffte, fand man die Steinkiste leer; nicht ein Leinwandfetzen, nicht ein Knochen war darin. Wie es gekommen ist, daß man einst den inhaltlosen Sarg der Königin mit all den kostbaren Beigaben hier sorgfältig bestattet und vermauert hat, ist ein Rätsel, dessen völlig befriedigende Losung wohl kaum je gefunden werden wird.

Ein kunst- und kulturgeschichtlich vielleicht noch wichtigeres Gegenstück zu dem Grabfund der ägyp­tischen Konigin-Vkutter lieferte auf babylonischem Boden die 1927. 28 dem Engländer W 0 0 lley geglückte Entdeckung mehrerer Konigsgräber in Ur, dem Heimatsorte des biblischen Abraham. In ihnen enthüllt sich ein Reichtum der Bestattung, der dem der kostbarsten ägyptischen Gräber kaum nachsteht, und der uns den höchsten Stand der Kulturentwicklung offenbart. Gegenstände aus Gold und Silber find überreich vorhanden, nicht nur persönlicher Schmuck, sondern auch Gefäße, Schwerter, ja sogar Werkzeuge aus Edelmetall. Vasen aus Stein sind zahlreich, feltener Decher und Schalen aus Obsidian und Lapislazuli, der von dein Juwelier mit Vorliebe zu kleineren Schmuckstückes verarbeitet worden ist.

hatte ich Gelegenheit, Beobachtungen zu machen, die mir zu Zweifeln Veranlassung gaben.

Das sind einige wenige Punkte, die einem Außenstehenden auffallen konnten. Der Staate- kommisfar sollte zunächst einmal einen Blick auf die Ausgabenseite werfen, den Haushalt nach­prüfen und alle unnötigen Ausgaben rücksichts­los streichen. Die Fehler, dte auf der Ausgaben- feite in den letzten Jahren gemacht worden sind, sind nur schwer wiedergutzumachen. Man soll zum mindesten über sie sich im klaren sein, um anderen auf die Spur zu kommen und lünftige zu vermei­

den. Die Einschränkung der Sttatzenbahn aber beweist schon, daß es noch mehrerlei Wege gibt, die Ausgabcnseite entlasten zu können, bevor man zu untragbaren neuen Steuern schreitet. Andere Städte haben als unrentabel sich erweisende Be­triebe und Unternehmungen wieder aufgegeben. Auch in Gießen hat man den Fehler gemacht, die Kräfte der Stadt zu überspannen. Die Er­kenntnis dieser Tatsache ist das erste, was nottut. Ist -erst diese einmal da, dann wird sich künftig auf eingeschränkter Basis zum mindesten leichter wirtschaften lassen.

ö.J.-fport

Iußball der Gießener Mannschaften.

Die angesetzten Spiele dcr ersten Mannschaften dcr hiesigen Vereine mußten der schlechten Plah- vcrhältnisse wegen ausfallen.Germania" Mar­burg sagte den hiesigen 1900ern noch am Sams­tagabend ab, die Fechenheimer konnten das Spiel gegen die erste Elf des VfB. ebenfalls nicht zum Austrag bringen, da der VsB.-Plah zur Hälfte unter Wasser stand. Dagegen trugen die unteren Mannschaften mit wechselndem Erfolg einige Spiele aus. Vor vielen Zuschauern siegte die Ligareserve von 1900 über die erste Mannschaft vonTeutonia" Watzenborn-Steinberg mit 2:1 nach einem rassigen Kampfe, der die Zuschauer von Anfang bis zum Ende in Spannung hielt. Die dritte Mannschaft verlor gegen Garben­teich auf grundlosem Platze in Garbenteich mit 5:3. Die vierte Mannschaft weilte in Daubringen, spielte gegen die dortige zweite und gewann hoch mit 9:1. Die Jugend gewann gegen Lollars Jugend 4:0.

Das Spiel der Ligareserve des VfB. gegen Lollars erste Mannschaft in Lollar verlief sehr dramatisch. Bei dem S.ande von 4:2 Lollar wurde dcr Kampf abgebrochen, die Zuschauer drangen in das Spielfeld und es kam zu erregten Aus­einandersetzungen, in deren Verlauf ein VfB.er verletzt worden sein soll. Die dritte Mannschaft trug in Bieber ein Verbandsspiel gegen die erste des dortigen Sporwereins aus und gewann mit 3:2. Das Spiel wurde als Gesellschaftsspiel aus- getragen, da der Schiedsrichter nicht erschien.

Fußball in Heffen-Hannover.

Jaooritenficge.

Von den Spielen des Sonntags fielen die ange- fetzten Treffen Hessen 09 gegen SC. 03 Kassel und Groß-Almerode gegen Einbeck 05 wegen der sehr schlechten Platzoerhältnisse aus. In den restlichen Kämpfen gab es einige für die weitere Tabellenge- ftaltung bemerkenswerte Ergebnisse.

In der S ü d g r u p p e setzte sich Kurhessen Mar­burg mit einem 5:3-Sieg über Hessen-Hersfeld wie­der an die Spitze der Tabelle. Auch Borussia Fulda, die Spielverein Kassel mit einem 4:2-Sieg aus dem engeren Meisterschastswettbewerb ausschalten konnte, rückt auf den dritten Tabellenplatz vor. Nach den noch ausstehenden Spielen zu urteilen, dürfte den Niarburger Kurhessen in dieser Gruppe die Meister­schaft kaum zu nehmen sein, da es sich bei den noch ausstehenden Spielen zum größten Teil um schwä­chere Gegner handelt, während sowohl Sport Kassel wie auch Borussia Fulda noch schwere Kämpfe zu bestehen haben. Hermania Kassel konnte Germania Fulda mit 2:0 (1:0) schlagen und damit vom vor­letzten auf den fünften Tabellenplatz vorrücken. Nach Verlustpunkten gerechnet, stehen die Hermannen so­gar noch vor Hessen Hersfeld.

In der 91 orbgruppe überraschte der hohe

Sieg von Göttingen 05 über 6p. Vg. Göttingen, da klütere in den vorhergegangenen Spielen recht acht­bare Ergebnisse herausgeholt hatte. Göttingen 05 scheint tatsächlich die stärkste Mannschast dieser Gruppe zu sein. Auch Kurhessen Kassel fertigte Grone mit 5:1 ab, so daß die Situation in dieser Gruppe noch völlig ungeklärt ist. Vier 9.stannschaflen der Spitzengruppe haben noch Aussichten auf den Meistertitel.

Süddeutsche Fußballmeisterschaft.

Bei den ersten Endspielen um d e süddeutsche Fußballmeisterschaft gab es besonders in den Trostrunden manche Äeberraschung. So wurde in der Abteilung Süd ost der 1. FC. Nürnberg in Augsburg von den Schwaben 2:1 (2:1) geschla­gen und in der Abteilung Rordwest verlor Rot- Weiß Frankfurt auf eigenem Platz gegen FV. Saarbrücken 1:3 (1:2). Die b.'iden Spiele in der Meisterrunde brachten harten Kampf. Eintracht Frankfurt holte sich mit einem 3:2 (2:0) in Bückin­gen die ersten Punkte und die Sp. Vg. Fürth tonnte zu Hause den FK. Pirmasens nur knapp 2:1 (2:0) bezwingen.

Süddeutsche Entscheidungsspiele.

SB. Waldhof Rheinmeister.

Die Entscheidung in der Rheinmeisterschaft zwischen den beiden punktgleichen Rivalei, SV. 'Waldhof und Phönix Ludwigshafen fiel mit etwas Glück zugunsten dcr Waldhofer aus. SV. Waldhof, dcr noch am Vorsonntag gegen den Abstiegskandidaten FG. Kirchheim wirllich nicht gefallen konnte, erwies sich in diesem Treffen Phönix ebenbürtig. Das einzige Tor des Tages fiel in dcr 31. Minute, und zwar durch einen Rachschuh von Ofer.

Handball-Meisterschaft im Turngau Hessen (OT )

Io. wehlar-Rieder-Girmes Gaumeisler.

Auf dem Bad-Nauheimer Sportplatz trafen sich am gestrigen Sonntag die beiden Bezirtsmeister der Handball-Meisterklasse des Turngaucs Hessen, Tv. 1860 Bad-Nauheim und Tv. Wetz- lar°Nieder-Girmes, zum zweiten Entschei­dungsspiel um die Gaumcisterschaft. Bor zahlreichen Zuschauern entwickelte sich ein äußerst spannender und zum Teil recht scharfer Kampf.

Bad-Nauheim, mit 10 Mann spielend, führte zu­nächst 1:0; Wetzlar-Nieder-Girmes glich aber kurz vor Halbzeit aus. Nach Seitenwechsel war Bad- Nauheim vollzählig und spielte zunächst überlegen. Durch weites Aufrücken seiner Verteidigung errang dann Wetzlar-Nieder-Girmes bei einem Durchbruch das Führungstor. Obwohl Bad-Nauheim nochmals ausglich, gelang es der Mannschaft von der Lahn kurz vor Schluß noch, das Spiel 3:2 für sich zu

Im merkwürdigen Gegensatz zu der reich ent­wickelten, materiellen Kultur steht der Brauch, daß bei der Bestattung der Könige und ihrer nächsten Angehörigen zahlreiche Menschenopfer dargebracht wurden, eine Sitte, von der bisher weder durch literarische Rachrichtcn, noch durch sonstwelche Spuren irgend etwas bekannt war. In einem Königsgrabe lagen am Ende der Rampe, die in das Grab hinabführte, sechs Leib­wächter mit Kupferhelmcn und Speeren, in der Grabkammer selbst neun Hofdamen mit ihrem äußerst kunstvoll gearbeiteten goldenen Kopfputz. Dem Civgang gegenüber standen zwei schwere, vierrädrige Karren mit je drei angeschirrten Rin­dern, die Knochen der Kutscher fanden sich in den Karren, die Gebeine der Knechte ruhten vorn beim Kopse der Rinderskelette. In der Gruft einer Königin lagen in zwei parallelen Reihen die Hofdamen und ein Harfner mit feinem wunder­voll verzierten Instrument. Es kann kein Zwei­fel bestehen, daß alle diese Personen bei der Beisetzung ihrer Herren hingemordet worden sind, um denen, denen sie im Leben gedient hatten, auch im Tode nahe zu fein.

Die Gräber gehören dem Volke der Sumerer an, das schon im vierten vorchristlichen Jahr­tausend im Unterlauf der Zwlllingsftrome Eu­phrat und Tigris ansässig war. Rach jahr­hundertelangem Ringen sind sie dann später den von Rorden her vordringenden semitischen Akka­dern unterlegen und völlig vom Schauplatz der Geschichte verschwunden, bis sie erst vor sechzig Jahren dank dcr Entzifferung der kcilfchrist- lichcn Llrtunden ihre Wiederauferstehung in der Wissenschaft feiern konnten. Jetzt wissen wir, daß dieses Volk eine hohe Kultur besessen hat, daß es dcr Lehrmeister seiner Öleberwinder ge­wesen ist und nicht wenig zur Entwicklung des Menschengeschlechtes beigetragen hat.

Lustiges von schwarzen Dienstboten.

Es ist für eine Hausfrau feine kleine Heber« raschung, wenn sie bei einem Besuch in der Küche eines Morgens einen ihr vollkommen fremden Koch antrifft, der das Frühstück bereitet", so er­zählt eine englische Aristokratin, Lady Betty Sherbrooke Walker, die in der Kenja-Kolonie ein Hotel hat und von ihren Erlebnissen mit ihren schwarzen dienstbaren Geistern plaudert.Wo ist mein Koch und wer bist du?" fragte ich.Ich bin dein neuer Koch, Memsahib", erwiderte der schwarze Boy in Suaheli.Dein Boy Wambugu ist für einen Monat weggegangen. Er ist mein Freund, und ich tue seine Arbeit."Warum ist er weggegangen?" Der Boy grinste, wobei er eine wundervolle Reihe schneeweißer Zähne, die alle zugespiht waren, zeigte:Seine Ziege ist krank, Memsahib."Aber seine Frau kann doch nach der Ziege sehen!"Ja, aber er will eine

neue Frau kaufen, Memsahib."Hnfinn, er hat sich doch erst im Vorjahr eine gekauft und braucht doch keine neue."Rein, aber er mußte nach feinem Bruder sehen und ihm einen Schilling borgen, damit der sich Medizin kausen kann." So verwickelt diese Gründe erschienen, so hatten sie doch ihre Berechtigung. Wambugu war im Besitz von ein Paar Frauen, aber er handelte seit eini­ger Zeit um eine dritte. Der Vater der Dame verlangte als Kaufpreis 15 Ziegen.Gestern wurde eine von Wambugus Ziegen bezaubert", berichtete der neue Koch weiter,und sie hat Schaum vor dem Mund, sie wird sicher sterben, und Wambugu will seine Frau noch schnell kaufen, bevor sie stirbt, besser eine lebendige Frau als eine tote Ziege."Was ist denn los mit der Ziege?" fragte ich.Ich weiß nicht, Memsahib, aber Wambugu nahm die kleine Röhre mit weißer Farbe, mit der du dir deine Zähne malst, mit nach Hause, um sie seinen Kindern zu zeigen. Er wollte sie gleich wieder zurückbringen, aber die Ziege fraß sie und seitdem ist ihr Maul wie das Euter einer Kuh, aus dem Milch läuft. Es ist schlechte Medizin, und die Ziege wird sicher sterben." Ich sand mich mit dem Verlust meiner Zahnpasta ab und ebenfo mit dem neuen Koch, der etwas besser war als der alte. Die schwarzen Dienstboten in Kenja tragen alle die Rationaltracht der Suaheli, ein langes weißes Gewand, das vom Hals bis zu den Knöcheln geht und einen roten Fez mit schwarzer Troddel, sie würden niemals das Haus in Schuhen betreten, sondern gehen barfuß. Cs find sehr anstellige Leute, die sich die größte Mühe geben, die Wünsche ihrer Herren zu be­friedigen und auch ganz ehrlich sind. Rur muß man sich auf ihre seltsamen Gedankengänge ein- ,richten, wenn man mit ihnen auskommen will."

Hochschulnachrichten.

Professor Dr. Emil Karl Frey in Berlin hat den Nus auf das Ordinariat der Chirurgie an der Medizinischen Akademie in Düsseldorf als Nachfolger von Professor von Haderer angenom­men und bereits seine Ernennung zum Ordinarius in Düsseldorf erhalten. Wissenschaft­liche Beihilfen: Die Preußische Akademie der Wissenschaften hat durch ihre physikalisckx-mathema- tische Klasse bewilligt: 2400 NM. für die Bearbei­tung desJahrbuches über die Fortschritte der Machematik", 200 NM. für die Fortführung der Opuscula Ichneumonologica" des Prof. Dr. Otto Schmiedeknecht in Blankenburg i. Th., 2000 RM. für die Bearbeitung desSpeziellen Kanon der Sonnenfinsternisse für Vordersten und Aegyp­ten für die Zeit von 4000 bis 900 v. Chr." durch Prof. Dr. Paul Viktor Neugebauer in Berlin und 1000 RM. für die Fortführung der geologischen Untersuchungen in der spanischen Trias durch Prost Dr. Martin Schmidt in Quedlinburg.