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Aus der prvvinzialhauptstadt.
Gießen, den 4. November 1931.
„Die Stadt von Morgen".
Zum Städlebaufilm
am 5. November in der Aula der Universität.
Wenn wir heute vom „Städtebau" sprechen, so sind sich die wenigsten darüber klar, wie umfangreich das Aufgabengebiet ist, und von welch ungeahntem Einfluß die Auswirkungen städtebaulicher Anordnungen sind. Anderseits wird ebensowenig darüber nachgedacht, welche Borarbeiten notwendig werden, um die entsprechenden Anordnungen geben zu können. Der Städtebauer muß wissen, welche Kräfte wirksam werden für die Entwicklung und Neugestaltung eines Stadtgebietes. Dabei soll er sich nicht beeinflussen lassen von den politischen Verhältnissen der Gegenwart und Zukunft. Wie der Gärtner nicht daran denkt, ob Hagelschlag, Nachtfrost oder Dürre seinen jungen Baum treffen kann, so soll auch der Aufbau einer Stadt nicht gesehen werden durch die kurzsichtig machende Brille gegenwärtiger Zustände, sondern über den Tagesereignissen stehend soll der Städtebauer in eingehender Arbeit voll Liebe und auch ein gut Stück Zukunstglauben Stein um Stein zusammensetzen, den Blick gerichtet auf die Zeit, die die ersten Früchte seiner Arbeit reif macht. Denn mag Regen oder Sonnenschein, Ruhe oder Sturm in der politischen Welt herrschen — das Stadtgebilde wächst und dehnt sich aus. Und wer dessen nicht eingedenk ist, verpaßt die Zeit, und ein Krüppel von Stadt wird eines Tages vor uns stehen, ein Denkmal der Anklage für die Vergangenheit.
Aber noch weiter geht der Weg. Es genügt nicht, mit Mitteln der Vernunft zu versuchen, alle Einzelglieder des Aufbaues in Zusammenhang zu bringen, ohne die Ueberzeugung zu haben, daß damit ein Ideal ausgestellt wird, dessen Verwirklichung möglich ist. Nicht, daß wir schon in der Lage wären, die Verwirklichung zu erreichen, nein, vorbereiten können wir sie nur, immer nur oorbereiten. Der Städtebauer kann wohl, ausgehend von dem geo- graphisch-politischen Aufbau die Gesamtstruktur für den neuen Lebenskörper schaffen: soll sich aber das Ganze lebendig entfalten, so bedarf es dazu der vollen Mitarbeit und des Mitgehens der Menschengemeinschaft. Denn sein Werk bleibt tot, wenn es nicht von der Allgemeinheit getragen wird. So ist die Arbeit des Städtebauers Stückwerk, wenn sie nur die Vernunft zur Meisterin gehabt hat; sie wird aber goldene Früchte tragen, wenn jeder einzelne Bewohner Mitträger des Gedankens ist: alles für die Gemeinschaft.
Deshalb wird der Film der „Stadt von Morgen" auch nur das Strukturbild einer städtebaulichen Entwicklung geben können. Er wird in seinen 3 Akten einmal zeigen, welche Zustände in den typischen Industriestädten entstanden sind, bevor irgendwelche Maßnahmen zu einer Ordnung der Entwicklung gemacht waren. Gerade die Industriestädte haben infolge ihrer rapiden Entwicklung die wichtigsten Ob-, jette zur Durchführung städtebaulicher Maßnahmen abgegeben. Der zweite Akt wird dann zeigen, wie bewußter Gestaltungswille die Entwicklung der Städte hätte leiten können, wenn, — und zwar zu- nächst im großen Rahmen der Landesplanung — mit Hilfe gesetzlicher Maßnahmen rechtzeitig eingegriffen wäre. Wie sich dann die Hauptrichtlinien dieser Planung im großen automatisch auswirken können für die Stadt im kleinen, wird der dritte Akt mit interessanten Aufnahmen besonders anschau- lich machen.
Danach wird jeder Besucher klar sein, welcker Aufwand an Vorarbeit einmal zum richtigen Gelingen geleistet werden muß, anderseits welchen Segen diese Arbeit des Städtebauers im Dienste der Gemein- schäft für die gegenwärtige und erst recht für die künftige Generation bringen wird. Gravert. WeiiereSpenden für dieWinternothilfe
Der Arbeitgeberverband für Lahngau und Oberhessen, Ortsgruppe Gießen, hat für die Zwecke der Gießener Wcn- ternothilfe in dankenswerter Weise vorläufig den Betrag von 500MarkproMonatzur Ver- fügung gestellt. Bei dieser Spende hat sich die Ortsgruppe des Arbeitgeberverbandes Vorbehalten, eine Erhöhung des Betrages bei gesteigerter Inanspruchnahme der Winternothilfe vorzunehmen. Möge diese anerkennenswerte Hilfsbereitschaft zum Nacheifern anregen, insbesondere auch bei den gegenwärtig im Gange befindlichen Haussammlungen, die wir heute erneut zur reg ft en Unterstützung empfehlen!
Ferner hat eine von der Schule in Linden - struth durchgeführte Naturaliensammlung, über deren Ergebnis wir im provinziellen Teil unserer heutigen Ausgabe Näheres berichten, eine sehr begrüßenswerte Beisteuer zu dem Hilfswerk gebracht. Die gütigen Spender in Linden- struth dürfen des herzlichen Dankes der Gießener Winternothilfe gewiß sein.
Hessische Beamienkrankenkafse.
Während die Notverordnung vom 1. Februar 1931 dank der günstigen finanziellen Lage der Hessischen Beamtenkrankenkasse noch ohne Beitragserhöhung hingenommen werden konnte, forderten die erheblichen Mindereinnahmen durch die Notverordnungen vom 1. Juli und 1. Oktober einen alsbaldigen Ausgleich. Bis zu der für 1. Januar 1932 geplanten Neuregelung hat deshalb der Ausschuß der Hes - sische n Beamtenkrankenkasse mit Mehr- heil als Uebergangslösung für die Zeit vom 1. Ok- tober bis 31. Dezember 1931 beschlossen, wieder die im M a i 1931 geltenden Beiträge zu erheben. Die geplante Neuregelung ab 1. Januar 1932 sieht statt der Kopfbeiträge mit prozentualen Zuschlägen nunmehr Kopf beitrage vor, die nach Einkommen st ufen gestaffelt sind. Die drei Notverordnungen hätten für die Kasse eine jährliche Mindereinnnahme von 136 000 Mark bedeutet: dabei ist der Ausfall durch die nachträgliche Gehaltszahlung nicht mit eingerechnet. Trotz dieser Mindereinnahme schloß die Kasse am 30. September noch mit einem Ueberscyuß von 78 000 Mark ab.
Daten für Mittwoch, 4. November
Sonnenaufgang 7.22 Uhr, Sonnenuntergang 16.54 Uhr. — Mondaufgang 0 Uhr, Monduntergang 11. 47 Uhr
1847- der Komponist Felix Mendelssohn-Bartholdy in Leipzig gestorben: — 1891: der Dichter Klabund in Krossen (O.) geboren.
LZornotizcn.
— Tageskalender für Mittwoch: Stadttheater Gießen, „Liebe und 8dm“, 19.30E.td 22 Uhr. -- Geflügel- und Boaelzuchtverein, 20.30 Uhr, Gastwirtschaft Henkel, Monatsversammlung. — Caf6 Leib, 16 und 20 Uhr, Vorträge mit Koch-, Brat- und Backvorführungen. — Bahnhofstraße: „Der Sohn der weißen Verge.
— Hugenberg-Kundgebung. Man schreibt uns: Es sei daraus hingewiesen, daß bei der Kundgebung der Deutschnationalen Volks- Partei am 7. November, in der Dr. Hugen - berg spricht, ein Lautsprecher ausgestellt ist. Die Volkshälle ist geheizt.
— Die Deutsche Volkspartei, Ortsgruppe Gießen, veranstaltet am Sonntag, 8. November, 16 Uhr im Hotel „Hindenburg" eine öffentliche Frauenversammlung. Nednerin ist die Reichstagsabgeordnete Frau Oberstudiendirektorin Dr. Matz. (Siehe heutige Anzeige.)
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werden durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung
werden
wenn Sie sie frühzeitig genug aufgeben
** Von der Landesuniversität. Die Pressestelle der Landesunioersität teilt mit: Fräulein Dr. Lydia Pacini wird im lausenden Wintersemester italienische Hebungen im praktischen Seminar für Italien abhalten. Näheres durch Anschlag am Schwarzen Brett der Universität.
" Pfarramtspersonalie. Durch die Kirchenregierung wurde dem Pfarrer Otto Iller t zu Groß-Gerau die evangelische Pfarrstelle zu Heuchelheim, Dekanat Gießen, übertragen.
* Iustizpersonalie. Der Iustizsekretär Karl Möll beim Amtsgericht in Gießen wurde mit Wirkung ab 1. November zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitz in Gießen ernannt.
” Di e neue hessische Tierärztekammer. Nach der Neuwahl seht sich die hessische Tierärztekammer aus folgenden Mitgliedern zusammen: W. Hohmann (Büdingen), Dr. Wirth (Wörrstadt), Dr. H. Erb (Gießen), Veterinärrat Dr. Ohly (Erbach), Schlachthofdirektor Dr. H. Keller (Gießen), Dr. L. Hoffmann
(Darmstadt) und Dr. W. Weisheimer (Guntersblum).
** Einstellung von Bagatellsachen durch d i e hessischen Gerichte. In Verfolg der letzten Notverordnung des Reichspräsidenten, die auch Sparmaßnahmen auf dem Gebiete der Justiz vorsieht, wurde in Hessen bereits die Einstellung einer großen Zahl von Bagatellsachen, die im Armenrecht geführt wurden und den Justizetat finanziell erheblich belasteten, angeordnet. In einer Reihe von Fällen amtsgerichtlicher Prozesse der Zivilgerichtsbarkeit und Privatklage wegen Beleidigung ujw. ist das Verfahren entweder eingestellt, oder den Beteiligten das Armenrecht entzogen worden, wenn es sich um solche Bagatellsachen handelte.
•• Volkshochschule. Es sei auf die heute 20 Uhr in der Universität beginnenden Mittwochskurse noch einmal hingewiesen. „Staatsphilosophische und ethische Probleme der Gegenwart" wird von Prof. Messer gehalten, „Goethe" führt Oberstudiendirektor Dr. Baur weiter, „Französisch für Anfänger" hat Georg Graf übernommen, „Zeichnen" gibt Kunstmaler Fries. Näheres siehe heutige Anzeige.
" Oeffentliche Bücherhalle. Im Oktober wurden 1676 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 1171, Zeitschriften 22, Iugendschriften 98, Literaturgeschichte 1, Gedichte und Dramen 3, Länderund Völkerkunde 120, Kulturgeschichte 6, Geschichte und Biographien 149, Kunstgeschichte 5, Naturwissenschaft und Technologie 60, Hausund Landwirtschaft 4, Gesundheitslehre 5, Religion und Philosophie 6, Staatswissenschaft 20, Sport 2, Fremdsprachliches 4 Bände.
** Der Obst-- und G a r t e n b a u v e r e i n Gießen begann seine Wintertätigkeit am Sonntag mit einer zahlreich besuchten Versammlung im Saale des Hotel Hopfeld. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Vortrag über „Düngungsfragen im Gartenbau", gehalten von Garteninspektor Rehnelt. Der Redner verbreitete sich über Herkunft, Zusammensetzung. Gehalt und Wirkung der verschiedenen natürlichen und künstlichen Düngemittel auf Pflanzenwuchs und Boden, ging auf die Bedürfnisse der Gartengewächse näher ein und schloß mit dem Hinweis, daß jede Art von Düngung nur als ein Hilfsmittel zu betrachten sei, einer Verarmung des Gartenlandes entgegenzuwirken und seine natürliche Fruchtbarkeit zu er
höhen. Das Ziel wird erreicht, wenn Düngung und immerwährende Bodenbearbeitung Hand in Hand gehen. In der anschließenden Aussprache, die sich auch mit anderen Fragen des Gartenbaues beschäftigte, kam mehrfach der Wunsch zum Ausdruck. daß es auch für unser Obstbaugebiet erwünscht wäre, wenn dem vorzeitigen Ernten des Winterobstes durch Festsetzen eines bestimmten Termins Schranken gezogen würden. Diese Maßnahme soll sich in Gelnhausen, wie auch in einzelnen Ortschaften der Wetterau bewährt haben, da für die Haltbarkeit unseres deutschen Obstes nichts schädlicher sei, als zu frühes Ernten.
** VHC. Gießen. Die 11. Vereinswanderung am vergangenen Sonntag bewegte sich in der näheren Umgebung unserer Stadt. Der blauen Punktmarkierung nach führte der Weg durch den Stadtwald die alte Steinbacher Straße entlang zum Fernewald, der zum großen Teil durchschritten wurde. Beim Treffpunkt der gelben Striche verlieh man das seitherige Wegezeichen, und dem neuen Zeichen folgend, ging es jetzt durch hübsche, stille Waldschneisen zur Mittagsrast nach Albach. Während des dortigen Aufenthaltes war auch die Sonne auf dem Plan erschienen und spendete den 70 Wanderern auf ihrem Weitermarsch ihre wärmenden Strahlen. Durch ein idyllisches Tälchen und später durch das stattliche Hofgut Albach ging es hinauf zum Wald, von dessen Rande man reizvolle Blicke auf die umliegenden Wälder, die sich noch größtenteils des herstlichen Schmuckes erfreuen, genoß. Am Saume des Waldes entlang führte der Weg hinter den anmutig gelegenen Albacher Teichen her zum Endziel Lich, von wo nach einer gemütlichen Schlußrast die Heimfahrt erfolgte.
D i e Schülervereinigung ehemal. Handelsschüler Rheno-Germania hielt — wie man uns berichtet — am Samstagabend im Cafe Leib ihr 4. Stiftungsfest ab, das von dem Lehrerkollegium der Handelslehranstalt, von Mitgliedern und Gästen gut besucht war. Ein reichhaltiges Programm füllte den Abend. Der erste Vorsitzende begrüßte die Festteilnehmer und gab einen kurzen Ueberblick über die während der vier Jahre des Bestehens der Vereinigung geleistete Arbeit, sowie über die Ziele, die sich die Vereinigung gesteckt hat. Im weiteren Verlause des Abends gelangte ein kleines Lustspiel zur Aufführung, das viel Beifall fand. Die Feier nahm einen schönen Verlauf.
Selbstverständlich ohne Mundstück rauchen
Diese Darstellung zeigt deutlich die filtrierende Wirkung der Feuchtigkeit im Mundende einer Atikah ohne Mundstück. Der Tabak ist dunkler geworden als beider Mundstück-Cigarette, bet der das Mundstück das Eindringen der Feuchtigkeit verhindert.
weil es gesünder ist und besser schmeckt
Ein einfacher Vergleich zeigt Ihnen, warum die Cigarette ohne Mundstück besser schmeckt und gesünder ist. Rauchen Sie zu gleicher Zeit abwechselnd eine Atikah und irgendeine Cigarette mit Mundstück. Bei jedem Zuge an der Mundstück-Cigarette werden Sie deutlich empfinden, wie der Rauch heiß und beißend scharf auf Ihre Zunge strömt, während der Rauch der Atikah angenehm kühl und mild ist.
Die Erklärung dafür finden Sie, wenn Sie die etwas über die Hälfte aufgerauchten Cigaretten mit einer scharfen Schere spalten. Unter der Lupe - aber auch schon mit bloßem Auge — er
kennen Sie, daß der Tabak im Mundende der Atikah bedeutend dunkler ist als bei der Mundstück-Cigarette. Am dunkelsten ist er an der Feuchtigkeitsgrenze.
Dort hält nämlich die Feuchtigkeit, deren filtrierende Wirkung eine wissenschaftlich feststehende Tatsache ist, die Stoffe fest, die den bitteren, scharfen Geschmack geben und die Kehle reizen. Ein Mundstück dagegen läßt die filtrierende Feuchtigkeit nicht durch, ganz abgesehen davon, daß es schon an und für sich das Aroma beeinträchtigt, weil es nach Klebstoff oder gefärbtem Papier schmeckt.
ATIKA
AUSLESE-CIGARETTEN
Selbstverständlich
OHNE MUNDSTUCK


