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Ur. 258 Erstes Blatt
I8f. Jahrgang
Mittwoch, 4. November M(
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Botschafter von Hoesch bei Laval.
Die Wieberingangsehung des Voungplan-Regimes. — 0er beratende Sonderausschuß soll Deutschlands Zahlungsfähigkeit prüfen. — Eine internationale Reparationskonferenz für Dezember in Aussicht genommen.
Laval berichtet.
Zweistündige Unterredung mit Hoesch und Briand.
Paris, 3. Roo. (IDIB.) 3n dem heutigen 2H 1 n i ff e t r a ( hol, wie das amtliche Kommunique besagt, Ministerpräsident Laval über die Mission berichtet, die er in Amerika durchgesührt hat. Der Tustizminister beglückwünschte im Namen des 2Hi- nisterrates den Ministerpräsidenten dazu, daß er seine Mission in einer unter den gegenwärtigen Umständen besonders nützlichen Weise durchgeführt und die freundschaftliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Frankreich bestätigt habe. Auf Vorschlag des Ministerpräsidenten wurde beschlossen, den Zeitpunkt des Zusammentrittes des Parlaments auf den 12. November festzusehen.
Botschafter v. hoesch, der gestern aus Berlin noch Paris zurückgekehrt ist, hatte nach dem Ministerrat eine Unterredung mit Außen- Minister Briand. Botschafter v. hoesch hat sich dann um 16.30 Uhr ins Innenministerium zu Ministerpräsident Laval begeben und wurde dort sofort von Laval und von dem bereits anwesenden Außenminister Briand empfangen. Diese Unterredung ging um 18.30 Uhr zu Ende. Zu den Verhandlungen wurde auch der Ministerialdirektor im Finanzministerium, B i z o t, und später Finanzminister Flandin zugezogen. Ministerpräsident Laval gab Botschafter v. hoesch Ausschluß über seine Besprechungen mit Präsident Hoover, die die Ablösung der gegenwärtig auf Grund des Hoover- Vorschlages vom Juni taufenden Moratoriums durch das normale P o u n g - P l a n - R e - g i m e zum Gegenstand gehabt hätten.
Eine Erläuterung der „Agence havas" zu der Unterredung sagt über den weiteren Gang der Verhandlungen folgendes: Man hat Grund zu der Annahme, datz binnen kurzem der beratende Sonderauss ch u h regelrecht einberufen und den Auftrag erhalten wird, sich noch vor Jahresende über die Zahlungsfähigkeit Deutschlands zu äußern. Die an den Reparationszahlungen hauptsächlich interessierten Regierungen werden alsdann im Verlauf einer internationalen Konferenz mit der deutschen Regierung eine Regelung zu treffen haben. Ihr Bestreben wird dahin gehen, diese Regelung noch vor dem 1.Februar 1 9 3 2 zu erzielen, damit, wenn möglich, gleichzeitig auch die Frage der namentlich von den vereinigten Staaten und England Deutschland bewilligten kurzfristigen Kredite geregelt werden kann. Die heutige deutsch- französische Aussprache wird also der Ausgangspunkt einer Periode großer diplomatischer Aktivität in Europa sein. Was meint die pariser presse?
Reparalionsregclung vor Kreditverlängerung.
Paris, 4. Rov. (WTB. Funkspruch.) Die Morgenpresse beschäftigt sich eingehend mit der gestrigen Tlnterredung des Botschafters v. H o e s ch mit dem Ministerpräsidenten Laval und Außenminister Briand.
„Echo de Paris" erklärt, anscheinend stehe für Deutschland die Frage der k u r z f r i st i g e n Verschuldung an das Ausland und ein in Vorbereitung befindlicher Plan, der nach deutscher Ansicht die Zustimmung der ausländischen Banken finden dürfte, im Vordergründe der Betrachtung. Das heiße also, zunächst das Problem der privaten Interessen anzuschneiden. Die sranzösischerseits gewünschte Borgangsweise dagegen stelle die Reparationen in den Vordergrund- Die französische Regierung stehe mit Recht auf dem Standpunkt, daß sie sich nach der öffentlichen Meinung in Frankreich richten müsse. Daher wolle sie sich nur innerhalb des Rahmens des Boungplanes halten. Man rate demgemäß Deutschland, sich zunächst einmal der französischen Ansich. anzuschliehen, daß die privaten Interessen vor den Interessen der Gläubigerstaaten zurücktreten müßten.
Nach Ansicht des „Echo de Paris" ist es wahrscheinlich, daß Deutschland diesem Rate entsprechend die Einberufung des im Poungplan vorgesehenen beratenden Ausschusses des Poungplanes beantragen werde. Der beratende Ausschuß des Poungplans könne vermutlich seine Arbeiten rasch abschliehen und den Regierungen Maßnahmen Vorschlägen, die die Anwendung oder richtiger die Abänderung des Zoungplanes zum Ziele hätten. Ls sei unvermeidlich, daß eine Konferenz der Regierungen ftatffinbet, die den Zoung- plan unterzeichnet haben, und zwar wahrscheinlich in Frankreich, entweder in Paris oder
an der Riviera im Dezember oder spätestens Januar.
„Matin" erklärt, die in der deutschen Presse genannten Pläne beträfen ausschließlich die Erneuerung der kurzfristigen Kredite. Die Pressemitteilungen über die Unterredung Lavals-Briand-Hoesch dagegen besagten, daß man von den Reparationen, folglich also von der Ablösung des gegenwärtigen Moratoriums durch das normale Regime des TZoungplanes gesprochen habe. In dieser Frage habe sich der deutsche Botschafter im wesentlichen darauf beschränkt, zuzuhören. Die Rückkehr zum Regime des Poungplanes bedeute auch für den Fall eines deutschen Antrages auf ein Moratorium die Einhaltung der Moratoriumsbestimmungen dieses Planes.
Obwohl die Pressemitteilungen die Frage der kurzfristigen Kredite mit Stillschweigen übergehe, scheine es recht unwahrsch?inlich, daß Botschafter von hoesch in dieser Hinsicht nicht ein dringliches Ersuchen vorgebracht habe. Aber es sei möglich, daß dieser Schritt, wenn er überhaupt unternommen worden sei, a n öle falsche Adresse gerichtet worden fei. Mühten nicht d i e amerikanifchen und englischen Banken, die mit dem Feuer spielten, als sie Deutschland immer wieder Geld liehen, an er st er Stelle darüber entschei-
Berlin, 3. Rov. Sinter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning versammelten sich heute zum ersten Male die deutschen Mitglieder und Sachverständigen der deutsch-französischen Wirtschaftskommission. Rachdem der Reichskanzler den Sachverständigen für ihre Bereitwilligkeit zur Mitarbeit an den Aufgaben der Kommission gedankt hatte, führte er u. a. folgendes aus: Die Wirtschaftskommission finde ein weites Arbeitsfeld; die Sachverständigen könnten alle wirtschaftlichen Probleme in Angriff nehmen, die ihnen geeignet erschienen, um die Zusammenarbeit und das Verständnis zwischen den beiden Rationen zu fördern. Die Sachverständigen dürften die ihnen obliegende Tätigkeit nicht als eine vorübergehende betrachten, die in wenigen Wochen bereits zu einem endgültigen Ziel geführt haben werde, sondern sollten ihre Aufgabe in einer ständigen gegenseitigen Fühlungnahme und Zusammenarbeit erblicken, die nach und nach alle Fragen in ihren Bereich ziehen könne, die im Rahmen dieser Gemeinschaft gelöst werden könnten.
Der Reichskanzler gab sodann bekannt, daß die Kommission entsprechend der zwischen den beiden Regierungen vereinbarten Arbeitsteilung i n v i e r Tl n t e r k o m m i s s i o n e n gegliedert worden ist, von denen die erste Kommission wieder in atoei Abteilungen zerfällt. Die erste Llnterkom- mission soll sich mit der Erörtern ngderall- gemeinen Wirtschaftsbeziehungen
Berlin, 4. Rov. (£11.) Am späten Rachmittag des Dienstag trat in der Reichskanzlei der Ausschuß zusammen, den der Wirtschaftsbeirat eingesetzt hat, um einen Plan für d ie Tilgung der privaten deutschenAus- landverschldung aufzustellen. Die Beratungen zogen sich bis in die späten Abendstunden hin, weil sich schon bei dem Beginn der Arbeiten an einem Schuldentilgungsplan zahlreiche technische Schwierigkeiten ergeben hatten. Die Bedeutung der Beratungen zeigte sich darin, daß neben den Mitgliedern des Ausschusses und den Sachverständigen aus dem Kreis der Privatbankiers der Reichskanzler, der Vizekanzler, der Reichsbankpräsident Dr. Luther, der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, v. Bülow, der Wirtschaftsminister Warmbold und Sachreferenten der interessierten Ministerien an den Verhandlungen teilgenommen haben. Die genaue Prüfung der deutschen Auslandverschuldung hat ergeben, daß man, ehe ein Tilgungsplan für jenen Teil der Kredite aufgestellt werden könne, den man als „unnormal" betrachtet, zunächst einmal erst die Konsolidierungsmöglichkeiten prüfen muß. Es lagen mehrere Vorschläge für eine Fundierung der kurzfristigen Kredite vor. Die maßgebenden Stellen haben sich bis jetzt aber noch für keinen dieser Pläne endgültig entschieden. Der Grund liegt darin, daß es unmöglich ist, die sechseinhalb bis sieben Milliarden kurzfristiger Kredite, die auf Grund des Warenverkehrs als nicht gerechtfertigt erscheinen, gleichmäßig zu behandeln. Die vorläufigen Berechnungen haben ergeben, daß
den, ob sie im Februar ihre Tribute wieder erneuern wollten? Falls die Mehrheit der amerikanischen und englischen Banken sich weigern würde, dazu beizutragen, die in Schwierigkeit geratenen Schuldner wieder flott zu machen, dann müßten die Regierungen, die das Schlimmste vermeiden wollten, der deutschen Regierung die Frage vorlegen, welche Garantien sie in der Lage sei zu geben. Die eigentliche Entwicklung der Verhandlungen hänge also jetzt von Berlin ab.
„2 i & e r t ö" wendet sich mit den schärfsten Worten gegen das angebliche „Manöver", den Privatschulden den Vorrang vor den politischen Schulden einzuräumen. Ein Eingehen Frankreichs auf ein derartiges Manöver würde bedeuten, daß die Rechte des Landes, die auf der systematischen Zerstörung der reichsten französischen Provinzen durch die deutschen Armeen und auf den Opfern der durch das deutsche Heer gequälten Bevölkerung beruhten, von den Ansprüchen der Londoner und Reuhorker „W ucherer" zurückgedrängt werden sollten. Letztere machten sich zu Verbündeten Deutschlands, um ihm zu erlauben, sich den Reparationszahlungen zu entziehen. Weder der französische Staatspräsident noch die französischen Minister würden jemals ihre Zustimmung zu einem derartigen Verzicht Frankreichs geben.
zwischen beiden Völkern befassen. Das Haupt- thema der einen Unterabteilung bildet der deutsch - französische Handelsver- trag, während sich die andere Unterabteilung insbesondere mit den privaten Wirtschaftsvereinbarungen, wie Kartellen usw., befassen wird. Die zweite Unterkommission soll die Verkehrsfragen (Eisenbahnen, Binnenschiffahrt, Seeschiffahrt, Luftverkehr) behandeln. Der dritten Ünterkommission liegt die Erörterung der Frage der Bildung von Interessengemeinschaften zum Zwecke einer engeren Verflechtung der beiden Wirtschaften ob, während sich die vierte Unterkommission dem Problem der Zusammenarbeit im Auslande widmen soll. Die Kommission wird ihre Tätigkeit aller Wahrscheinlichkeit nach Ende der nächsten Woche mit einer Zusammenkunft einiger Mitglieder und Sachverständigen in Paris beginnen. Es wurde dann die Verteilung der deutschen Sachverständigen auf die verschiedenen Unterkom- Missionen festgesetzt. Als Vorsitzende der einzelnen Unterkommissionen wurden folgende Herren bestimmt: Unterkommission l: Staatssekretär z. D. v. S i m s o n ; Unterabteilung 1: Ministerialdirektor Posse vom Reichswirtschastsministerium; Unterabteilung2: Clemens Lammers; Unter» kommission II: Graf v Roedern, Verband deutscher Reeder; Unterkommission III: Abraham Frowein; Unterkommission IV: Minister a. D. Hermes.
man bei Umrechnung der jetzigen Zinsbelastung Deutschlands auf ein ganzes Jahr auf etwa l3/.i Milliar d en kommt, und zwar nur für d i e privaten Schulden.
Hinzukommen dann die auch unter dem Hoover- schuldenfeierjahr fälligen Zinsen der Dawesanleihe und der Younganleihe sowie die einzelnen Raten für die amerikanischen Mixed Claims und die belgischen Markforderungen in Höhe von insgesamt mehr als 200 Millionen. Die De- visenverpflichtungen Deutschlands gegenüber dem Auslande würden also auf etwa 2 Milliarden Mark kommen. Bei vorsichtiger Schätzung der deutschen Handelsbilanz und sonstiger Deviseneingänge kann man nur durch eine erhebliche Zins- senkung zur allmählichen Tilgung wenigstens eines Teils der Schulden kommen. Die Reichsregierung muß für ihre weiteren Entschließungen ja auch erst einmal genau über die Ansichten und Intentionen Lavals unterrichtet sein. Darüber sind vorläufig noch keine näheren Nachrichten zu erwarten, da der Bericht des deutschen Botschafters zunächst dechiffriert werden muß. Erst wenn das Kabinett über die Situation Klarheit hat, wie sie von Paris her nach der Rückkehr Lavals aus Amerika gegeben ist, wird es zu positiven Entschlüssen in der Richtung eines Tilgungsplanes kommen können, der bann die Plattform für die weitere Haltung in der Reparationsfrage bilden kann.
Das deiiW-sranzösische Mischaftskomiiee.
Eine vorbereitende Sitzung der deutschen Mitglieder.
S:
ie wird es mit der Auslandsverschuldung?
Beratungen des StillhalteauSschuffes. — Die große Zinsbelastung. Noch kein Tilgungsplan aufgestellt.
Nimmt Frankreich Einfluß in Oesterreich?
Ein umfasscnoesLerkaussprojc.t süriämtl. österreichischen Verkchrsunternc ßmnnsten.
München, 3.Nov. (TU.) Die „Telegramm- Zeitung" meldet aus Wien: Line Gruppe von hiesigen amtlichen Persönlichkeiten, an deren Spitze der Minister Heini steht, ist im Begriff, bie österreichischen Verkehrsmittel z u - nächst zusammenzulegen. Zu biesem Zweck sotten vor allem bie Autobusunternehmen mit ben Bundesbahnen vereinigt werben, ebenso bie Donau-Dampfschissahrfs- Gesellschaft. Aus biesem Grunbe wurde auch der schon 75jährige Präsident der zuletzt genannten Gesellschaft zum Präsidenten der Bundesbahnen gemacht. Das ganze Unternehmen soll dann durch Vermittlung der Länder- bank an ein französisches Konsortium verpachtet werden. Diesem Konsortium gehört der sranzösische Rüstungsindustrielle Schneider- L r e u f o t an. Verhandlungen in Paris finden bereits statt und werden für Oesterreich durch den Generaldirektor der Bundesbahnen, S eefeHine r , geführt. Unterstützt wird dieser dabei von Dr. Renner, der über Leon Blum Einfluß genommen hat. Ein weiterer Plan sieht die Verpachtung der österreichischen Telephonanlagen an Frankreich vor, ebenso die Gründung einer österreichischen Hypothekenanstalt wieder mit französischem Kapital und schließlich die Auflegung einer „inneren A n - leihe", bie von österreichischen Instituten gezeichnet werben wirb, nachbem Paris bas Gelb zur Verfügung gestellt hat.
Neuer Kurs in der Osthilfe.
Erweiterte Vollmachten für Schianqe- Schöningen. — Loslösung von Preußen.
Berlin, 4. Rov. (TUH Reichsverkehrsminister T r e v i r a n u s, der bisher Reichskommissar für die Osthilfe war, hat sich von den Beamten der Oststelle, die der Reichskanzlei angegliedert ist, verabschiedet. Sein Rachfolger wird der Reichstagsabgeordnete Schlange-Schöningen. Es hat sich aber nicht nur ein personeller Wechsel in der Oststelle vollzogen, es ist auch ein Kurswechsel zu verzeichnen, der sich einerseits in erweiterten Vollmachten für den neuen Reichskommissar ausdrückt, andererseits darin, daß die Durchführung der Osthilfe von nun ab allein vom Reich übernommen, die bisherige Mitwirkung Preußens aufhören wird. In einer Aussprache zwischen dem Reichskanzler und dem preußischen Ministerpräsidenten soll der Gegensatz der Auffassungen nicht zu überbrücken gewesen sein. Die erste Wirkung wird eine Rotverordnung sein, durch die die Industriebank unmittelbar der Reichsregierung, d. h. dem neuen Reichskommissar unterstellt wird. Die grundsätzlich verschiedene Einstellung der Reichs- und preußischen Regierung wird dazu führen, daß Preußen selbstverständlich nach Entlassung aus allen Verpflichtungen dem Reich die weitere Fortführung der Osthilfeaktion allein überläßt. Zwischen Reich und Preußen ist man übereingekommen, diese Aenderung damit zu begründen, daß eine Doppelarbeit vermieden und eine einheitliche Reichsexekutive in der Osthilfe sichergestellt werden solle.
Der Weg des Zentrums.
Ein programmatischer Artikel der „Germania".
Berlin, 3. Roo. (TU.) Anläßlich des Zusammentritts des Reichsausschusses der Zentrumspartei am Donnerstag bringt bie „Germania" unter der Ueberschrift „Der Weg des Zentrums" einen Aufsatz, in dem es u. a. heißt: Das Zentrum hat eine Politik des Experimentierens immer abgelehnt. Dieser Mittelkurs ist ein Wesensbestanbteil der Zentrumspolitik, und es bestehen weder Berdachts- grünbe noch bie Aussicht, baß bas Zentrum diese Politik zugunsten des Schwergewichts dieser oder jener Seite aufgeben oder ändern wird. Das muß man vor allen Dingen gegenüber den Tendenzen aussprechen, bie sich in ben l e tz t en inner- politischen Debatten gezeigt haben. Eine Diskussion mit einem Gegner ist nichts anberes als eine Frage ber allgemeinen Klärung. Sie bedeutet für das Zentrum jedenfalls keine Veränderung seines Standorts, und sie bedeutet ebensowenig ein Koalitionsgespräch, weil es eine koalitions - politischeFrage gegenwärtig gar nicht 9 i b t. Im Februar des nächsten Jahres werden die Parteien wieder zu entscheiden haben, wie sie zu der Politik des Kanzlers flehen. Aber auch in ben kommenden wirtschaftlichen Auseinandersetzungen ist die ausgleichende Stellung des Zentrums notwendiger denn je. Es weiß heute jedermann, daß wirtschaftliche Reformen nicht zu umgehen und daß viele Fehler zu verbessern sind. Wenn es Wirtschaftskreise gibt, die der Meinung sind, sie könnten der Wirtschaft dadurch helfen, daß sie Arbeitgeber und Arbeitnehmer hoffnungslos in zwei feindliche Lager auseinanderspalten, bann chüssen wir ihnen mit ben Worten des Kanzlers im Reichstag bebeuten, daß nicht nur der Reichskanzler, sondern auch bas Zentrum die Beschreitung


