Ausgabe 
4.7.1931
 
Einzelbild herunterladen

Aus der Provinzialhauptstadt.

Diehen, den 3.3ull 1931.

Verdirb dir nicht selbst die Sonntagsfreude!

Sonntag ist- und herrliches Wetter. Der Him­mel Dar, di« Sonne strahlend, ein wunbervv..ev Tag für e.nen Au-flug ins Freie, für eine er­frischend« Wanderung durch Wald und Wie'en »ur Kräftigung und Erholung der müden, von der Wochenarbeit angestrengten Nerven.

Munter und gutgelaunt, mit der besten Ab- sicht sich -u erholen und sich an der Natur zu erfreuen, eilt man zum Bahnhof. Arn Schalter Gedränge, «ine klein« Schlange steht an, jeder hat e» eilig. Da drängt sich einer vor, statt in de? Reihe zu bleiben. Und sogleich erhebt man feine zornige Stimme; man protestiert, erhitzt sich, grobe Worte fallen, die man nach Möglich­keit noch grober erwidert, die Galle steigt hoch, und xornror, grimmig, verdrossen und verär­gert begibt man sich in da- Wagenabteil. Sie Sonne scheint sogleich weniger hell, die Luft ist weniger frisch geworden der Meltau de- Aerger- ist auf die Sonntag-fr ende gefallen.

Oder: 3m Abteil ist e- heiß, man mochte gern ein Fenster öffnen. Aber da sitzt ein Ehepaar, dem e- .zieht", da- beim geringsten Lüftchen entsetzt auffähri und unter allen Umständen dar­aus bringt, dah die Fenster geschlossen bleiben. Man empört sich, schleudert erst giftige Ducke, wird dann energisch, scharfe Bemerkungen fliegen hinüber und herüber, ein regelrechter, bissig aus- gesochtencr Streit entsteht. Der weibliche TeU de- Ehepaare- ersucht den männlichen Teil, sich doch ja nicht mit .solchen" aLzugeben; man bleibt nicht- schuldig, und am Ende siegt man *Ete-^ auch. Da- Fenster wird geöffnet, man lehnt sich triumphierend in den Sih zurück. Aber von der schönen Natur drauhen, an der der Zug vorüber- fährt, sieht man nichts mehr. Die Stirn zeigt Falten, die sich sobald nicht glätten wollen die Sonnt agsfreude ist dahin. __

Oder: 3m Gasthause, in dem man vergnügte Einkehr halten will, ist es von Besuchern voll, die 5teHnenluten oder Kellner schwirren hastig umher. Man setzt schon mehrere Minuten lang da und immer noch kommt feine Bedienung. Die Geduld fängt an, in die Brüche zu gehen; man trommelt nervös auf den Tisch, winkt heftig, ruft schließlich mit entrüsteter Stimme, klopft wütend an das Salzfaß, hält den an anderen Tischen servierenden Geist zornentbrannt fest und gibt ihm mit schneidender und vor Unwillen vibriere^ der Stimme die Aufträge. Und wenn schliehlich nach weiterem Warten die Speisen und Getränke gebracht toerden, macht man sich grollend und scheltend darüber her und iht in Aufregung und Aerger Und Freude, Genuh, Behaglichkeit und SonntagSsricde da- altes ist längst in die Flucht geschlagen. ,

Oder: Man ist aus dem Heimweg, die Straßen- bahnen sind überfüllt, werden von Ausflüglern und Spaziergängern gestürmt. Man will auch unbedingt gerade mit diesem Wagen, der da hält, mitfahren, obwohl man noch genügend Zeit hätte. Man drängt also mitten in da- Gewühl hinein, bringt durch wie ein Mauerbrecher, läßt sich nicht um Haarbreite zur Seite schieben, too man un- schubst, schubst man wieder, zorni­gen Worten entgegnet man zornig und wenn man schliehlich den Platz erobert hat, sitzt man mit keuchendem Atem und vor Hast und Gereizt­heit zitternden Händen da, In jedem Wagen- tnf affen, ja, beinahe in der ganzen Menschheit einen Feind sehend. Und statt Zufriedenheit, Erholung und Ausgeruhtsein bringt man Er­regung, Aerger, Unbefriedigtsein und Nervosität mit nach Hause und in di« kommende Arbeits­woche hinein.

Wie leicht und mühelo- wäre da- alle- gu vermeiden bei ein klein wenig gutem Willen und Geduldl Geduld, Gelassenheit, innere Nuhe sind die drei Eigenschaften, die- bei FeieriagSwande- rungen niemals fehlen dürfen. Geduld dem gran­tigen, übelgelaunten Mitreisenden gegenüber, Ge­lassenheit bei kleinen Unannehmlichkeiten und innere Ruhe um Streite und Hader der anderen. Dann wird man auf das Scheltwort deS 2llrf- gcregten eine ruhige, versöhnende Antwort geben können, wird mit lächelndem Gleichmut und ohne die FÄsung zu verlieren, warten, biS man uns im überfüllten Gasthause die ersehnte Stärkung bringt, im Gedränge wird man Haltung und Mäßigung bewahren und lieber eine Viertel­stunde später daran sein, als im Gewühl mitzu- wühlen. Und jedem sonstigen Zank und Streit, jeder Aufregung und jedem Aerger wird man still aus dem Wege gehen. Dann wird der Sonn­tag zu dem, was er wirklich sein soll: zu einem Tage der Erholung, des Ausruhens, der Freude und de- stillen und friedlichen Genusses. M. C.

Keine Inflationsgefahr.

Don der 3ndustrie- und Handels­kammer Gießen wird uns geschrieben:

Wiederum sind gewissenlos« Menschen am Werk, das Gespenst einer neuen 3nslalion an die Wand zu malen und damit in weite Kreise der städti­schen, besonders aber der ländlichen Bevölkerung, größte Beunruhigung zu tragen. 3hr« unverant­wortliche Handlungsweise läuft in Wirklichkeit daraus hinaus, eigene Geschäfte zu machen, indem sie die Bevölkerung zu überstürzten Wareneinkäufen jeder Art veranlassen, di« in vielen Fällen über die Derhältnisse des einzelnen weit hinausgehen, ihm unerfüllbar« Derpflich- tungen auferlegen und für lange Zeit große Sorge machen. Entgegen solchen unlauteren Machenschaften kann gar nicht oft und scharf genug darauf hingewiesen werden, daß bei der heutigen, gesetzlich verankerten Dersassung der Reichsbank die Wiederkehr einer 3n f la - t i o ne in Ding der Unmöglichkeit ist.

Aus der Praxis der öffentlichen Berufsberatung. Von Dr. Bottenbacher, Arbeitsamt Gießen.

Gin Lehrherr schrieb uns folgendes: Er habe vor einem 3ahre einen Kaufmannslehrling ein­gestellt und wollte denselben wegen Untaugl-.chkeit während der Probezeit wieder entlaßen; aber auf stetes Drangen und Bitten der Eltern des Zungen behielt er dielen weiter in Lehre in der Hoff­nung, schließlich doch noch einen Kaufmann aus ihm machen zu können. Leider habe sich seine Hoff­nung als vollkommen trügerisch erwiesen, der 3ungc besitze absolut kein Denk- und Auffassungs­vermögen und bekam auch in der Berufsschule die allerichlechtesten Noten. Da er nun die Ver­antwortung trage, dem Zungen später das Zeug­nis . auggelernt geben und ihn als .Gehilfen" empfehlen müsse, so wisse er sich keinen Rat und bitte höflichst um Hilfe in dieser Angelegenheit.

Dieser typische, gar nicht selten« Fall erinnerte mich an das Gespräch mit einem Handwerks­meister, der von der Berufsberatung nicht viel wissen wollte und meinte: die Probezeit sei ein ausreichendes und das beste Mittel richtiger De- ruf-M'slese. Gewiß, die Probezeit ist ein Mittel, sogar ein unentbehrliches, aber nicht daS Mittel, auch nicht immer das beste zur vernünf­tigen Ausvrnhl des DerufsnachwuchseS. Schon von jeher haben Arbeitgeber sich deshalb nicht allein auf das Experiment der Probezeit verlassen und vor Einstellung eines Lehrlings allerhand

Erkundigungen zur Feststell ng der wahr­scheinlichen DerusSeignung

ein gezogen. Großbetriebe namentlich gingen längst du«h Einführung von ärzllichen Untersuchungen und Eignungsprüfungen feine Erfindung der Berufsberatung über solch bloß« Erkundigun­gen hinaus, die Probezeit nur noch als ultima ratio betrachtend. Es ist eben höchst unangenehm für den Meister, einen Lehrling wegen Untaug­lichfeit wieder entlassen zu müssen, und ganz be­sonder- für den zu entlassenden Zungen, der mög­licherweise, nut infolge unzulänglicher Berufs- v o r auSlese, daS nötige Selbstvertrauen zu einem andern Beruf verliert, für den er glänzend ge­eignet sein kann. Wir wissen, wie oft gerade aus zwar begreiflichen, aber nicht immer zu billigenden Gründen trotz Probneit unfähige Lehrlinge zu chrem, wie zum Schaden des Lehrherrn und der Wirtschaft nicht wieder oder rechtzeitig entlassen und weiter mitgeschleppt toertnm.

Auf oben zitterten Notschrei «ineS, Lehrherrn haben wir betreffenden Ceßriing mit seinem Vater in unsere Sprechstunde vorgeladen und liehen uns den Sachverhalt zunächst auch von der andern Seite mitteilen.

Es handelte sich um einen großen, kräftigen Zungen, der aus einer zweiklassigen Volksschule mit Durchschnittsnoten entlassen wurde und ur­sprünglich Autoschlosser werden wollte. Da in diesem Mvdeberuf feine Lehrstelle xu finden war, rieten die .Leute" und vor allem die Mutter, die ihren Sohn seiner schonen Handschrift wegen schon immer in einembesseren" Beruf zu sehen wünschte, zum Kaufmann. Der Vater war froh, durch Znserat bald eine Kaufmannslehrstelle ge­funden xu haben, gab es doch im Dorfe soviel« Arbeitslose, aber feinen einzigen im Kaufmanns­beruf, der seine- Erachtens deshalb noch die besten Zukunftsaussichten biete. Nach mancherlei Rich­tigstellungen, daß wir feinen .besseren" Beruf kennen, sondern nur

Berufe mit verschiedenen Anforderungen an Körper und Geist,

und dah gerade unter den kaufmännischen An­gestellten eine außergewöhnlich große Arbeits­losigkeit vorherrsche, meinte der Vater auf die Frage, warum er seinen Sohn, der doch offenbar

zum Kaufmannsberus ungeeignet sei und eine schon« Handschrift allein noch lange feinen Kauf­mann mache, nicht rechtzeitig aus der Lehre ge­nommen habe Es fiele fein Meister vom Him­mel, wir haben alle erst lernen müssen, und sie glaubten eben, ihr Sohn werde sich schon noch vreinsinden: überdies sollte er nicht zuhause mit einem Makel der Untauglichkeit behaftet, arbeits­los herumbummeln, damit die Leute im Dorfe mit dem Finger auf ihn zeigten. (Gin Schularzt erzählte mir gelegentlich, von Eltern auf dem Lande häufig geradezu beschworen zu werden, ihr Kind doch nicht als zu schwach vom Schulbesuch zurückzustellen, da dies als Schande gelte. Zn einem solche Falle habe sich ein Vater nicht mehr getraut, im Wirtshause fe&cn zu lassen.)

Der etwas verschüchterte, scheinbar unter star­kem Zwang der Ellern fteßenbe Zunge, machte den Eindruck, lieber heute als morgen vom Kauf­mannsberuf erlöst zu fein, in dem er zu feiner zufriedenstellenden Leistung kommen konnte. Don Berufsfreude keine Spur, schien er schon jetzt müh­sam seine langen Tage dahinzuschleppen. ES ge­lang un- schließlich, den Vater zu überzeugen, daß jede weitere Kau sm arm-lehre zwecklos und unverantwortlich sei und seine Zustimmung zur Auslosung des Lehrverhältnisses zu erreichen, wenn wir den Zungen anderswo in einen passen­den Berus untervrächten.

Ein« nachträgliche psychologische EignungSunter- suchung verstärkte unsere mit dem auf der Schü­lerkarte vorliegenden Lehrerurteil übe rein ftim- mende Vermutung, daß der Zunge mit rein hand­werklichem Arbeitstypus und gar nicht so schlech­tem technischen Verständnis für einen Schwer beruf wohl geeignet sein durfte. Ein Versuch in dieser Richttmg war zu wagen und der Schmiedemeister eines Nachbarborse-, der zwischendurch auch Auto- repariert, nahm ihn gern in di« Lehre und wlll'S bis heute, nach einem halben Zcchre, nicht bereut haben. .Die Mutter hatte für diese Berufsentschei­dung feine große Anteilnahme, der Vater dagegen war zufrieden und der Zunge selbst fühlt sich glück­lich seinem ursprünglichen Berufswunsch näher ge­kommen zu fein.

Die große Sportbegeisterung unserer Zugend, der unwiderstehliche, natürliche Drang, im Wett­kampfe sich auszuzeichnen, zieht weitere Kreise als immer angenehm empfunden wird.

Stet Berufsberater hat manch« Klagen von Eltern und Arbeitgebern anzuhören, daß Zungen- häufig nur den Sport hn Kopfe haben und sogar die DerusSpslichten darüber oft vergessen.

Nicht stets sind solche Klagen, ganx abgesehen von gesundheituntergrabender Rekordsucht, geradezu berechtigt; aber zwei in dieser Beziehung beson­ders hervorgetreiene Beratung-- und Dermitt- lungSsälle, die um ähnliche aus andern Beruf S- bera tung-steilen vermehrt werden könnten, seien doch al- beachtenswerte Winke all denen mit auf den Weg gegeben, die es mit der Zugend zu tun haben:

Ein von uns vermittelter Lehrling wurde wegen blauen Montag machen" wieder aus der Lehre entlassen. Er hatte sich gewöhnlich übern Sonntag sportlich so überanstrengt, daß es unsicher war. ob er Montags zur Arbeit komme oder zuhause im Bett seine müden Glieder auSrube. Der betref­fende, durchaus nicht sportfeindlich gesinnte Mei­ster, der selbst seinen Sohn zutn Turnen schickt, teilt feinen sporifanatisierten Lehrling mehr ein­stellen und brachte zum Ausdruck, dah die Zugend heute durch Sport zu sehr dem Berus entfremdet werde.

Es darf daher auch erwartet werden, daß die Bevölkerung allen Elementen, die unter dem Vor­wand der Znslationsgefahr an sie her an treten, die gebührende Dehandtung zuteil werden läfjt

Bornotizen.

Tageskalender für Sam 8 tag. Verein für das Deutschtum im Ausland: Deut­scher Abend. 19.30 Uhr, Eass Leib. 1870 bis 1920: Hauptversammlung, 21 Uhr, imAqua­rium". Lichtspielhaus Bahnhofstraße:Der Tanzhusar".

Tag eskalender für Sonntag. Gleiberg-Sommerfest von 15 Uhr an auf der Burg Gleiberg. Dauerscher Gesangverein: Sommerfest auf derLiebigshöhe". D H. D.: Sommerfest, 15 Uhr, auf derKarlsruhe". Kundgebung der Gießener SA, 21 Uhr, im Eas6 Leib. Redner: Bernhard Graf zu Solms- Laubach (Arnsburg). Lichtspielhaus Bahnhof­straße:Der Tanzhusar".

Aus dem Stadttheaterbureau roirbuns geschrieben: Ms 6. Vorstellung des Som- merabonnements hat die Intendanz des Stadt­theaters das Ensemble Berliner Bühnenkünstler (Ernst Ludwig Franken, Lotlina Baart und Curt Unser) $u einem nochmaligen Gastspiel Der- pflichtet. Die Künstler, die bereits vor einiger Zeit hier zu Gast waren, werden sich mit einerLust­spiel-Revue" verabschieden. Die drei Einakter (Der unsichtbare Mensch",Der Biß" undNachts um 3") bringen in ihrer Handlung köstliche Situatio­nen. Das Gastspiel findet am Dienstag, 7. Juli, 20 Uhr, statt, Ende 22 Uhr. Auch für dieses Gast- spiel hat die Intendanz ermäßigte Sommerpreise angesetzt. Der Vorverkauf hat heute begonnen.

Der Marineverein Gießen veran­staltet am Mittwoch, 8. Zuli, im Saale des Cafe Leib ein Zazz-Symphoniekonzert. il. a. gelan­gen, wie man uns schreibt, Werke des deutschen

3azz-Meister-Komponisttzn Roball, 2. Rhapsodie von Liszt, Russische Rhapsodie, Saeophon-Soli von Wiedreft, und Soli für vier Klaviere zum Vortrag. Als Solisten wurden die Herren Wei­gand, Krug, Froese, Rusch-Gießen und Sa opbo.lft O. Schlunke, Frankfurt, gewonnen. Das Konzert ist für Gießen neu in seiner Art. Der Ertrag soll der Zugendabteilung zugute kommen. (Siehe heuttge Anzeige.)

** Straßensperrungen, mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Club G. V. (A. v. D.), Gießen: Während der Ausführung der Pflaster- arbeiten auf der Strecke Gießen Marburg in der sog. Serpentine südlich von Wolsshagen, Kilometer 101,600 bis 101,100, wird der normale Verkehr auf dem alten Straßenstück zwischen Kilo­meter 99,915 und 101,200 und der schwerere Ver­kehr über RiederweimorFronhausenBellnhau­sen und umgekehrt umgeleitet werden. Die Pflasterarbeiten beginnen am 6. Zuli und nehmen etwa eine Woche in Anspruch. Die Provinzial- stratze Heuchelheim Allendorf wird wegen Emeuerungsarbeiten an der Brücke über die Lahn vom 13. bis 22. Zuli für jeglichen Der- fehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Gießen oder Dorlar.

Die städtische Kunstsammlung im Neuen Schloß, Eingang Senckenbergstraße. ist morgen, Sonntag, von 11 bis 13 Uhr, bei freiem Eintritt geöffnet. Kinder haben nur in Beglei­tung Erwachsener Zutritt.

Die Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei Keinen Preisen geöffnet

Die Rentenbankscheine zu 5 Mark. Zm Publikum ist vielfach die Ansicht verbreitet, daß die Rentenbankscheine zu 5 Mk. keine Gültig­keit mehr hätten. Zur Aufklärung teilt unS die Reichsbank mit, dah die Rentenbankscheine zu

5 Mk. mit dem weiblichen Bildnis auf der Vorderseite nach wie vor gültig find und nur die grünen Rentenbankscheine zu 5 Mk. (ohne Bildnis) eingezogen wurden. Aber auch diese werden noch von der Rentenbank in Berlin cingelöR und ihr Gegenwert dem Ein» reicher unter Abzug deS PvrtoS übersandt.

"Sie Bezahlung von Stromgeldern für Mal betrifft eine Bekanntmachung feJ Elektrizitätswerkes in unserem heurigen Blatte. Znteressenten mögen die Anzeige beachten.

Sin« AusstellungGiehenerStau- bcnfulturcn findet am morgigen Sonntag auf dem Gelände des Gartenarch.lekten Eberhard Schwarz am Alten Steinbacher Weg statt. Näheres in der heutigen Anzeige.

* Funds ach en. Das Verzeichnis über die im Monat Juni gefundenen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur des Polizeiamts, Landgraf-Philipp-Platz 1, ringe- jeden werden. Die Empfangsberechtigten werden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte innerhalb zwei Mongten beim Fundbureau während der Dienst» stunden geltend zu machen.

Sine Verlängerung der Mar­burger Festfpiele um ztvei Tage wird In unserem heutigen Anzeigenteil angekündigt. Nä­here- in der Anzeige

Erweitertes

Schöffengericht Gießen.

Gießen, 3. Zuli. Gin vielfach wegen Eigentumsvergehens, insbesondere wegen Dieb­stahl- und Unterschlagung vorbestrafter, jetzt 26 Zähre alter auswärtiger Musiker hatte sich heute wegen mehrerer Hochstapeleien, Urkun- denfälschungen und ilnterfdjlagun- gen zu verantworten. 3n den früheren und heu­tigen Fällen ist er al- Graf von Schlief- f e n und unter anderen Namen, z. D. von Bü­low. aufgetreten und wußte sich dadurch Kredit diu verschossen.

Zunächst gab er zu, sich bei zwei Musikalien­händlern je ein Cello im Werte von 1500 und 200 Mk. ausgeliehen, weiterverkauft und die er­lösten Beträge für sich behalten zu haben. Da­gegen bestritt er die Betrügereien. Die ehe- gehende Beweisaufnahme ergab aber, baß er als »Graf von Schlieffen" mit dem Znhaber einer FLugschule im Rheinland wegen Ankauf- eines Flugzeugs in Verbindung trat und ihm vorspie- gelte, er habe liegende Güter und erhalte von! feiner Mutter einen monatlichen Zuschuß von 1500 Mk. Auf Grund dieser Angaben verkaufte ihm der Eigentümer auch ein Flugzeug für 2200 Mark. Den Kaufvertrag versah der Angeklagte mit der Unterschrift .Graf von Schlieffen".; 1000 Mar? zahlte er an, für die übrige Summe gab er Wechsel, die monatlich mit 250 Mk. einzulosett waren. Ein Wechsel wurde al-bald bezahlt; die übrigen wurden aber nicht eingelöst, da der An­geklagte völlig vermögenslos war. DaS Geld für die Anzahlung hatte er von seiner Braut erhal­ten. Der Verkäufer erklärte vor Gericht, er fühle fich betrogen; er hätte dem Angeklagten keines­falls das Flugzeug verkauft, wenn er dessen wahre Verhältnisse gekannt hätte. Der Angeklagte be­gab sich bann nach Gießen, wo er auf dem Flugplatz Schau- und Rundflüge vornehmen wollte. Es wurden ihm und feiner Braut auch in der Wirtschaft deS Gießener Flughafen- drei Wochen lang Kost und Logis gewährt. Außer­dem lieh ein Angestellter des Cafes dem(Stra­fen von Schlieffen" 30 Mk., die er bei Abho­lung seines Flugzeugs an der Bahn benötigte. 3m letzteren Falle stellte der Angeklagte eine Quittung auS mit bet Unterschrift .Graf von Schliessen".

Nach Schluß bet Beweisaufnahme führte bet Staatsanwalt au-, der Angeklagte habe sich bet Unterschlagungen (der beiden Cello-), sowie de- Betrugs zum Nachteil des Flugzeugverkäufers in Tateinheit mit qualifizierter ürfundenfälschung schuldig gemacht und außerdem der schweren Ur­kundenfälschung gegenüber dem Wirtschaftsange­stellten durch Unterzeichnung der Quittung mit falschem Namen. Dagegen sei ein schlüssiger Be­weis für die Betrügereien zum Nachteil des Zn- Habers und des Angestellten der Wirtschaft, am Flughafen nicht erbracht worden. Der Angeklagte müsse auch wegen .liebertretung deS § 360 Ziffer 8 StGB, bestraft werben, ba er sich gegenüber dem Gießener Kriminalbeamten auch al-Gras von Schlieffen" ausgegeben habe. Der Staatsanwalt beantragte eine Gesamtstrafe von einem Zahr ein Monat Gefängnis, sechs Wochen Haft und Anrechnung der Untersuchungshaft.

Das Gericht schloß sich nach längerer Beratung den Ausführungen des Staatsanwalts hx vollem Umfange an und sprach eine Ges ängn is­st r a s e von einem Zahr sowie sechs Wochen Hast au- und rechnete die Unter­suchungshaft mit vier Monaten 15 Tagen an; wegen der erwähnten Betrügereien erfolgte Frei­sprechung

Wenn

schönes Haar y ..Jk Sie jünger macht, ^dann war's

reicht für 2 mal

sollte bei keiner Wäsche fehlen! Warum?

Dell infolge seines Gehalles an Enzymen Burnus schon durch müheloses Einweichen der Hausfrau den größten Teil der Dascharbeit abm'mmt, sie also in erheblichem Umfange entlastet. Außerdem aber werben noch wesentliche Erspar« ntffe an Seife, Seifenpulver und Zeuerungsmaterial erzielt und ferner eine bisher unerreichte Schonung der Wäsche.

Deshalb

keine Wäsche ohne Burnus!