Ausgabe 
4.6.1931
 
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Rr. 128 Sweues Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Donnerstag, 4. Juni (93(

Tagungen und Kongresse

Kriegsopfer-Tagung

zwungen und damit ihre Kaufkraft empfindlich

übernehmen, muffe sie in Liebereinstimmung mit der überwiegenden Mehrheit des deutschen Vol­kes dring nd die Revision des Voung-Plans for­dern, dessen Tributzahlungen Deutschland und die Weltwirtschaft zugrunde richten.

3n einer Entschließung stellt der Deutsche Philologenverbandmit größter Bestürzung fest.

Der Zentralverband Deutscher Kriegs- ter und Kriegerhinterblie-

beschädigter und Kriegerhinterblie­bener hielt dieser Tage in Koblenz seinen 5. Ver­ba n d s t a g ab, der mit einer öffentlichen Protest- kundgebung der Koblenzer Ortsgruppe des Verbandes eingeleitet wurde. In dieser Versammlung referierten (9g. Michel- Berlin und Frau 21. Gotting- Düsseldorf über die Forderungen der Kriegsopfer, insbesondere im Hinblick auf die gegenwärtige Lage. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der

geschmälert. Weil die Beamtenschaft nicht in der Lage fei, über das ihr schon aufgebürdete Maß von Entbehrungen hinaus noch weitere Lasten zu

eine ausreichende KriegÄrpferversorgung und Fürsorge.

Die Kriegsopfer würden sich eine Beschneidung ihrer Rechte nicht mehr gefallen lassen.

Daraus wurde einstimmig eine

Entschließung

angenommen, in der es u. a. heißt: Die im Zen- tralverbande vereinigten Kriegsopfer verkennen keineswegs die Rotlage des Reiches. Sie fordern daher zur Lieberwindung der finanziellen Schwie­rigkeiten die schärfste Drosselung der mit der Rotzeit nicht in Einklang zu bringenden Auf­wendungen auf allen Gebieten der öffentlichen Ausgabenwirtschaft. Der fünfte Verbandstag des Zentralverbandes deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener weist mit Rachdruck darauf hin, daß sich die wirtschaftliche Rot min­destens in gleicher Weise, wie in anderen Kreisen des Volkes, auch in zahllosen Kriegsopferfamilien bemerkbar macht. Darüber hinaus wird die Le­benshaltung der Kriegsopfer noch erheblich un­günstig beeinflußt durch die schon zahlreich ver­ordneten Sparmaßnahmen aller Art und durch die allgemein bedeutende Verknappung der Für­sorgemittel. Der Verbandstag erwartet von der Reichsregierung baldige Maßnahmen zur Be­seitigung der wirtschaftlichen und gesundheitlichen Gefährdung der Kriegerhinterbliebenen durch die Verschlechterung ihrer Heilsürsorge und die Mil­derung der in den Sparerlassen zahlreich ver­fügten unerträglichen Härten. Ohne Bean­spruchung neuer Mittel kann diesen Forderungen des Verbands tageö Zug um Zug entsprochen werden durch die auf natürlichem Wege in der Reichsversorgung auch weiterhin zu erwartenden Ersparnisse. 3n Würdigung der gegenwärtig schwierigen Lage des Reiches sieht der fünfte Verbandstag des Zentralverbandes deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener davon ab, die sofortige Verwirklichung der noch zahlreich vorhandenen anerkannten Wünsche der Kriegsopfer zum Ausbau der Versorgung zu verlangen. Er spricht jedoch die bestimmte Er­wartung aus, daß die Sorge um die alternden Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen und der weitere Ausbau der Reichsversorgung als vordringliche Aufgaben ins Auge gefaßt werden, sobald in der Finanzlage des Reiches eine Besserung nur irgendwie festzustellen ist.

Wirtschaftslage und Beamtenbesoldung.

Auf dem Derbandstag des Deutschen Phi­lologenverbandes in Hamburg, über den wir in Rr. 123 hinsichtlich der standespolitischen Referate schon zusammensassend berichteten, sprach der 2. Vorsitzende des Verbandes, Dr. Doh­len, Berlin, über das Thema:W i r t s ch a f t s- lage und Lebenshaltung in De u tsch - land". Der Redner erklärte u. a.: Die Entwick­lung habe die Voraussage bestätigt, daß eine Kür­zung der Beamtengehalter ein wirkungsloses, ia geradezu gefährliches Mittel zur Sanierung der Finanzen und damit zur Ankurbelung der Wirt­schaft sei. Eine weitere Herabsetzung der Deam- tengehälter würde zu einer wirtschaftlichen Kata­strophe führen. Die letzte Gehaltskürzung habe besonders die höheren Beamtem zumal ihnen die Desoldungsordnung von 1927 nur 75 Prozent ihres Vorlriegsrealgehaltes gebracht hatte, zu stärkster Einschränkung in ihrer Lebenshaltung ge-

zum Ausdruck gebracht wird, daß die Versammlung entschieden Einspruch erhebt gegen die bisherigen Abbaumaßnahmen und daß man den weiteren Ausbau der Dersorgungs- gefetzgebung und die Beseitigung der jetzigen Mängel und Härten als unbedingt vordringliche Aufgaben ansieht. Weiter wird gefordert, datz die im 23er- forgungshaushalt durch Ausscheiden von 23ersor- gungsberechtigten eingesparten Mittel ungekürzt verwandt werden.

Am folgenden Tage trat vormittags der Der- bandsausschuß zusammen, dem der Haupt- vorstand des Zentraloerbandes und die Vertreter der 26 Landesverbände angehören. Es wurden in organisatorischer Hinsicht wichtige und weittragende Beschlüsse gefaßt. In sozialpolitischer Hinsicht mür­ben die Richtlinien festgelegt für die Fortsetzung einer erfolgreichen /sozialpolitischen Tätigkeit des Zentraloerbandes in den kommenden, zweifellos kritischen Zeiten.

Bei der Eröffnung des Verbands­tages wies Derbandsvorfitzender Butter- b r 0 d t auf die Bedeutung des Verbandstaaes, des ersten in dem befreiten deutfchen Westen, hin. Er machte eingehende Mitteilungen über

die Versorgung der Kriegsopfer, die gegen- roärllg an einem Krifenpunkt angelangt sei.

Ziel des Zentralverbandes sei, für die berechtigten Forderungen der Kriegsopfer einzutreten. In Er­gänzung des bereits schriftlich vorliegenden Ge­schäftsberichts wurden noch ergänzende Mitteilungen gemacht, in denen zum Ausdruck kam, daß sich der Mitgliederbestand durch den Beitritt mehrerer bis­her selbständiger Organisationen erhöht habe. Der Kassenbericht wies durchaus günstige Verhältnisse des 23erbandes im letzten Geschäftsjahr auf.

Der zweite Verhandlungstag wurde mit einer Sondertagung rheinischer Krieger­hinterbliebener eingeleitet. 3n der im An­schluß hieran erfolgten Beratung der zahlreichen Anträge kam u. a. immer wieder die

große (Empörung der Kriegerhinterbliebenen und Kriegsbeschädigten über die dauernde Ge­fährdung ihrer Existenz durch den Abbau der Versorgung und der Fürsorge

zum Ausdruck. 3n mehreren Entschließungen wird die Reichsregierung ersucht, baldigst Maßnahmen zur Beseitigung der wirtschaftlichen und gesundheitlichen Gefährdung der Kriegerhinterbliebenen zu er­greifen. Weiter wird gegen die noch immer aufrecht erhaltene Lüge von der Alleinschuld Deutschlands am Weltkriege Protest erhoben und die Regierung ersucht, endlich ent­scheidende Schritte hinsichtlich der Reparations­frage zu unternehmen.

Der dritte Derhandlungstag begann mit einer Gedenkfeier für die Gefallenen des Weltkrieges auf dem Ehrenfriedhof der Stadt Koblenz. Es folgte eine große öffentliche Kund­gebung im großen Saal der Stadthalle, wo Oberbürgermeister Dr. Russell die Kriegs- opferorganisatton begrüßte. Als Vertreter der Reichsregierung und des Reichsarbeitsministe­riums sprach Ministerialrat Sieler, Berlin, der die Bereitwilligkeit der Behörden zur Hilfe im Rahmen des Möglichen betonte. Das Haupt­thema der KundgebungR 0 t z e i t und Reichsversorgung" behandelten Max 3oses Wuttke, Berlin, und Reichstagsabgeordneter Otto Thiel, Berlin. Beide Redner forderten

Berliner

Gefattenen-Ehrenmal.

Oie umgeboute Schinkel-Wache.

Berlin, Anfang 3uni.

Rachdem die Regierung im vorigen Frühling aus einem Preisausschreiben ziemlich über­raschend und diktatorisch den Entwurf Professor Heinrich T e s s e n v w s zur Umgestaltung der Berliner Reuen Wache in eine Gedäch t- nisstättefür die Weltkriegstvten angenommen und mit der Ausführung begonnen hatte, wurde angezeigt, daß das Ehrenmal am Totensonntag vorigen Jahres eingeweiht werden sollte. Aber es ist nun Frühjahr geworden, und bis zum letzten Augenblick schaffen die Arbeiter noch hinter dem Bauzaun, aber jetzt liegt die Einweihungsfeier nun doch in der Rähe eines anderen bedeutsamen Tages: Skagerrak....

Die Reue Wache, 1819 von Schinkel erbaut, liegt bekanntlich Unter den Linden zwischen zwei baulichen Kolossen, der Universität und dem Zeug­haus, ohne selbst ein fester gedrungener Ku­bus von diesen mächtigen Rachbarn erdrückt zu werden oder neben ihnen winzig zu wirken; das erreicht zu haben, ist ein Teil Schinkel-Kunst. Der andere: die streng klassifizistische Form mit den dorischen Säulen und den links und rechts vorspringenden Pylonen, die der Front ihre wuch­tige, einfache Schönheit geben. Diese berühmte Säulenhalle nebst Fries und Stufen ist in keiner Weise angetastet, sie ist sogar bis in Einzelheiten überängstlich geschont worden. Der Eisenzaun, hinter dem sich früher das eigentlich Soldatische des alten Wachtlokals abspielte, ist als über­flüssig entfernt, das Gebäude so der Straße etwas angenähert, aber es tritt noch immer etwas hin­ter der Front des Zeughauses und der Universi­tät zurück, und scheint so, der Straßenflucht etwas entrückt, ganz zu einer Stätte der Sammlung be­stimmt zu lein. 3hr einziges Zeichen, das äußer­lich neu hinzukam, ist über dem mittleren der drei rechteckigen schmalen Eingänge das eingelassene große Eiserne Kreuz ohne Inschrift.

Wenn man unter der Doppelreihe dorischer Säulen durch diesen mittleren Eingang e in tritt, hat man den Raum vor sich, der früher ein un­

gedeckter Hof war: heute der Chrenraum für die Gefallenen. Zur Umgestaltung dieses Raums lagen damals hauptsächlich drei Projekte vor. Davon muhte man zwei ablehnen, soweit ein Urteil nach den ausgestellten Modellen und Zeichnungen möglich war; das eine, weil es durch schwärzlich-grünen Marmor den Hof in eine düst er-beengte Grabkammer verwandelt hätte: das andere, weil es in dem merkwürdigen Ein­fall gipfelte, inmitten dieses Baues einnatür­liches Heldengrab" mit Hügel, Rasen und Holz­kreuz zu rekonstruieren: und man konnte über­zeugt dem Tessenow-Cntwurf zustimmen, weil et mit einfachsten Mitteln die größte Wirkung ver­hieß. Und diese ist wirklich überraschend erreicht worden.

Der Besucher steht eine Stufe über dem frühe­ren Hof, in dem sich so wenig wie möglich be­findet und der trotzdem oder deshalb so stark wirkt. Man hat einen Raum von acht Me­ter Höhe und sechzehn zu zwanzig Metern im Umfang vor sich. Sein Boden ist schwarz: er besteht aus zahllosen kleinen schwarzen Basalt- Würfeln, die mit Blei vergossen sind und ein un­auffälliges Muster bilden, das den Boden eben nur soviel belebt, daß er nicht ganz tot und falt wirke. Die Wände sind aus rechteckigen Sand­steinquadern gefügt, deren mattes Weih-Grau wohltätig gegen das Dunkel absticht, darüber schwebt die Decke, in wolkigem Rebelgrau gehal­ten und in der Mitte kreisförmig durchbrochen und hier mit einem niedrigen Schacht überhöht. Durch diese Rotunde fällt ein Streifen Licht auf den Mittelpunkt des Raumes, den etwa 1,60 Me­ter hohen und 1,40 Meter breiten, mächtigen schwarzen Dasaltblock, auf dem ein runder, monu­mental stilisierter, silberner Cichenkranz ruht, dessen Geflecht etwa ein halber Meter hoch sein mag. Dor dem Altar ruht, wie aus dem Boden gewachsen, ein niedriger Block aus schwarzem Gra­nit, in den die Zahlen 19141918 in geschwärz­tem Kupfer eingelassen sind. Links und rechts in den Hinteren Ecken erheben sich, ziemlich ge­gen den Hintergrund gerückt, zwei Kandela­ber, etwa zweieinhalb Meter hoch, sehr schlanke Röhren aus dunkel ba liniertem Metall, auf denen kleine Flammen wehen. Das Licht fließt durch das Dach und spiegelt sich in den Silberblättchen des Kranzes, und die roten Flammen flackern die einzigen Zeichen des Lebens und der Ewig­keit in diesem stillen, geschlossenen und toten

daß die von verschiedenen Seiten betriebene neue Gehaltskürzung, die dritte seit Jahres­frist. trotz em ft et Warnung der Wirtschaft und im Widerspruch mit den öffentlichen Erklärungen von Mitgliedern der Reichsregierung vom Kabinett noch nicht aufgegeben ist. Wie jede Gehaltskür­zung, gleichgültig in welcher Form, von uns im Verein mit der übrigen Beamtenschaft abgelehnt wird, so wenden wir uns besonders gegen den Gedanken einer Staffelung. Diese würde ge­rade diejenigen Beamten, die die größte Einbuße an ihrem Friedensreatgehalt erlitten haben, am schwersten belasten. Der Derbandstag erwartet von ber Reichsregierung, daß sie die äußere Belastung, den eigentlichen Grund unserer Finanz- und Wirtschaftslage, auf ein tragbares Maß zurückführt oder betätigt".

Oderheffen.

Vürgermeisterwahl in Friedberg.

WSR. Friedberg, 3. 3uni. 3n der heu­tigen öffentlichen Stadtratssihung wurde Bürger­meister Dr. S e y d auf weitere zwölf Jahre zum Bürgermeister von Friedberg gewählt. Don 26 anwesenden Stadtratsmit- gliedern gaben 19 ihre Stimme für Dr. Seyd ab. Sechs Stimmzettel waren unbeschrieben, einer lau­tete auf Beigeordneten Dr. Leuchtgens.

Tagung

der Freiwilligen Sanitätskolonnen.

5 Schotten, 4. 3uni. Rächsten Sonntag hal­ten hier die Freiwilligen Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz in Oberhessen den 4. oberhessischen Aerzte- und Führertag ab. Die Tagung, die von Provinzicllinspekteur Danitätsrat Dr. Hahn (Dad-Rauheim) geleitet wird und im Posthäuschen" stattfindet, hat eine umfangreiche Tagesordnung zu erledigen. Einen Lichtbilder­vortrag überGas- und Wasserrettungsdienst und Wiederbelebung" hält Fabrikant 3. G. Frankl (Offenbach a. M.). Ein zweites Referat behandeltDie für die Sanitätsmannschaften in Hessen gültigen Bestimmungen über Haftpflicht und Unfall". Anschließend findet eine Aussprache statt über die Frage, wie die einzelnen Kolonnen die Beträge für verbrauchtes Material und. für Transporte einbringen, und wie sie sich zu dieser Frage stellen. Rachmittags findet am Steinbruch Lind an der Gederner Straße eine Uebung der Kolonne Schotten statt.

Landkreis Gießen.

ck. Heuchelheim, 3. Juni. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats wurde der für den aus dem Gemeinderat ausgeschiedenen Beigeord­neten Ludwig Sack VII. neu eingetretene Philipp Rinn I. eingeführt und verpflichtet. Für eine im Schulvorstand freigcwordene Stelle wurde Gemeinde, ratsmitglied Otto Kreiling I. gewählt. Als Ge­meindevertreter für die Bezirkssparkasse in Gießen wählte der Gemeinderat Bürgermeister Rinn und Beigeordneten L. Sack. Zum Schutze des einhei­mischen Gewerbes wurde ein Zuschlag zur Wanderlagersteuer beschlossen. Die Arbeiten zur Reüberstellung der Kanalstrecke in der verlänger­ten Wilyelmstraße wurden dem wenigstnehmenden Bauunternehmer Ludwig Schneider II. zuge- schlagen. Die hierzu erforderlichen Rohre liefert die Firma Sack & Jughardt. Die zum Ausbau der Fahr- bahn und des Bürgersteigs erforderlichen Arbeiten in der Wilhelmstraße wurden wie folgt vergeben: Die Chaussierungsarbeiten mit Lieferung des dazu gehörigen Materials wurden der Firma Ludwig Schneider II. übertragen; die Kieslieferung und die Lieferung der erforderlichen Zementrohre hat die Firma Wilhelm Rinn VIII.; die Pflasterarbeiten wer­den gemeinsam von den Pflastermeistern Ludwig Sack VI. und Ludwig Kreiling II. ausgesührt; die Lieferung der Pflastersteine erhielt die Firma Schmidt & Mandler. Der endgültige Steuer- a us sch lag wurde wie folgt beschlossen: für Ge­bäude 22 Pf. pro 100 RM. Kapital, für Grundstücke 44 Pf. pro 100 RM., für Gewerbekapital 66 Pf. pro 100 RM. und vom Gewerbeertrag 230 Pf. pro 100 Reichsmark.

Raum, von dem eine sehr starke Wirkung aus­strömt: Ruhe, Trauer, Würde.

Man kann mit sehr wenigen Dingen so starke Wirkungen erzielen, wenn sie richtig verteilt und aufeinander abgestimmt sind; es wirken die Pro­portionen der Masse und der Farben, es wirkt endlich der Gesamtentwurf, an dessen Einzelheiten sorgsam und lange geprobt wurde. So sind etwa die Blätter des Eichenkranzes aus Silber mit goldenen Schattierungen belegt, die Eicheln aber sind vielfach geschwärzt. Die wolkig-graue Fär­bung der Decke gelang erst nach etlichen Der- suchen, urkd die Kerzen flackerten nicht immer in einer so natürlichen Ruhe. Man hat sie zunächst mit Gas speisen wollen, aber diese Gaslichter er­wiesen sich als zu hoch, zu unruhig, zu flackernd. 3eht befinden sich tatsächlich in den Lichthaltern ein Meter lange Kerzen, die mit Federn nach­geschoben werden.

Aber von diesen Einzelheiten wird der Besucher wenig bemerken; er soll nur den Gesamteindruck der Sammlung, Stille und Andacht, mitnehmen, und darum will man ihn überhaupt nicht über die Schwelle lassen, er soll sich nur unter den dorischen Säulen aufhalten dürfen, um von hier aus in das Innere zu schauen, das durch massive Eisengitter abgesperrt werden soll. Er darf nur in den Raum hineinsehen wie in eine Kirche vdeu in ein Mausoleum: das ist wenigstens die Absicht' Professor Tessenows, der den stillen Raum nicht durch Reugierige verkleinert sehen möchte, die die einzelnen Dinge betasten.... So richtig es ist, daß durch Besucher der Raum tatsächlichverkleinert" wird, so bedenklich mutet es an, daß man den Besucher nicht einmal über die Schwelle lassen will, daß er ausgeschlossen bleiben soll unter den Säulen, von wo er stets nur einen Teileindruck des Gesamtbildes empfangen wird. So erhält die­ses Ehrenmal, das mittenim Derkehr" liLgt, noch mehr das Abseitige, das Abgeschlossene, das Ruhende und Passive. Paris hat das lodernde Feuer desHnbctannten Soldaten" unter dem Triumphbogen, an dem niemand vorbei geht, ohne zu grüßen, zu beten, Blumen niederzulegen. Lon­don besitzt in seiner verkehrsreichsten Straße den großen, trotzigen Block, der alle Dorübergehen­den zu steter Erinnerung zwingt. Dieses Gewalt­sam-Zwingende aber wird diese Gedächtnisstätte nicht haben. Sie ist eine Kapelle, die man nach Belieben beachten oder vernachlässigen kann. Sie zwingt nicht, sie reißt nicht empor.

e Odenhausen, 3.Juni. Der hiesige Str ie- geroerein veranstaltete am Sonntag einen Dor- tragsabend. Schriftsteller Reuter (Dornholz- Hausen) sprach über seine Eindrücke von feinen Reisen nach Rordsrankreich und seinem Besuch an deutschen Kriegergräbern. Eine Tellersammlung zugunsten der Kriegsgräberfürsorge erbrachte einen ansehnlichen Betrag.

Kreis Friedberg.

* Friedberg, 3.Juni. Am kommenden Son- tagnadjmittag findet auf der Capers bu r g ein evangelisches Jugendtreffen statt. Zuerst ist eine gottesdienstliche Feier, bei der der Landes­jugendpfarrer Lic. v. d. 21 u die Predigt halten wird. Die Mitwirkung mehrerer Iugendchöre ist vorge­sehen. Im Anschluß daran findet fröhliches Treiben statt. Es sind verschiedene Aufführungen angemeldet, jugendliche Spiele, Sing, und Sprechchöre.

# Butzbach. 2. 3uni. Die Generalversamm­lung der Viehverwertungsgenosse n- schäft Butzbach war gut besucht. Der Dor- sitzende des Aufsichtsrats, Dr. Dien st, führte u. a. aus: Die Zahl der Mitglieder sei von 245 (seit der Gründung im Oktober 1930) auf 550 ge­stiegen, das genüge jedoch noch nicht. Die Selbst- Hilfe-Organisatton müsse noch in viel stärkerem Maße ausgebaut Werdern Der Vorsitzende der Genossenschaft, Landwirt Hildebrand. Rce- der-Weisel. erstattete den Geschäftsbericht und trug die Bilanz für die drei Monate des Jahres 1930 vor. Der genofsenschastlichen Diehverwertung schenke man jetzt, so führte er aus. überall große Beachtung. Rach der Bilanz für die ersten drei Monate (Oktober, Rovember, Dezember) betrug der Gesamtumsatz an Schweinen, Kälbern. Scha­fen und Großvieh 454 Tiere im Werte von 74 488,83 Mk. Dem Dorstand und dem Geschäfts­führer wurde Entlastung erteilt. Der Geschäfts­führer Pfeifer. Gießen, gab einen Lieber­blick über die Tätigkeit der Genofsenschaft un 3ahre 1931, nach dem das erste Vierteljahr 1931 mit einem Ämsahe von 90 552 Mk. abschlieht. Der Llmsah hat sich zwar in der Stückzahl verdoppelt, nicht aber im Geldwert, da die Preisgestaltung rückläufige Bewegung zeigte. 3n der Aussprache wurde noch auf die Zuchtviehvermitt­lung hingewiesen.

Kirch-Göns, 2 3uni. Einen seltenen Ge­nuß bereitete der Posaunenchor von Gro- Hen-Buseck der hiesigen Gemeinde, als er fei­nem Gründer, Pfarrer Kalbhenn, einen Be­such abstattete. 3m Mittagsgottesdienste wirkte der Posaunenchor in der vollbesetzten Kirche mit unö erfreute die Gemeinde durch den Dortrag von zwei zart und weich gespielten Motetten. Don 16 bis 17 Llhr konnte man noch ein wohlgelungenes Konzert hören. Dolkslieder, Motetten und einige flott gespielte Märsche zeigten den unter den schat­tenspendenden Bäumen stark versammelten Zu­hörern, daß der Posaunenchvr mit feinem Ver­ständnis und guter Schulung seine Vorträge be­herrschte. Pfarrer Kalbhenn hielt einen kurzen Vortrag über Heimweh, Heimat und Freund­schaft. Dem Posaunenchor weiß die Gemeinde herz­lichen Dank. Ihre guten Wünsche gelten seinem ferneren Blühen und Gedeihen.

Kreis Büdingen.

X R i d d a. 4. Juni. Hier geriet ein mit Zucker schwer belabencä Lastauto aus Frank­furt am Ausgang der Stadt in der Dismarck- straße plötzlich von der Straße ab, riß eme Delegraphenstange um und blieb im Straßen­graben und dem angrenzenden Garten stecken. Zum Glück fiel der stark zur Seite geneigte Wagen nicht um und die mitfahrenden Personen konnten abspringen. Verletzungen hat niemand er­litte i. Angeblich soll der Llnfall durch das Ver­sagen der Steuerung zustande gekommen sein. Die für einen Kaufmann in Schotten bestimmten 100 Sack Zucker mußten umgeladen werden.

Kreis Alsfeld.

---er. Homberg, 2. Juni. Im Saale von Gastwirt L. Helm fand die 74. Hauptversamm­lung des Spar- und Dorschuhvereins Homberg statt. Der Dorsihende, Pfarrer Prä­tor i u s, begrüßte die Mitglieder. Rach dem Jahresbericht beträgt der Altbestand an Ein­lagen 189 000 Mark, neue Einlagen 72 280 Mark,

Aber sie soll dafür verschwiegene Reize haben, die mehr ästhetischer Art sind. Sehr schön soll der Raum in der Rächt wirken, wenn das Licht der Bogenlampen von der Straße her einfällt und die rötlichen Flammen noch stärker zur Gel­tung kommen. Sehr schön soll es auch sein, wenn durch die offene Rotunde Schnee oder Regen ein­bricht. Als wir die Stätte besahen, war der Him­mel verhängt, aber es hatte am Morgen gereg­net und die Silbereichenblätter schimmerten von der Rässe, als seien sie betaut worden... G. B.

Das Telephon-Spiel.

In der Kunst ihre Kinder zu amüsieren, sind fron» zösische Eltern besonders erfinderisch. Ein neuer Be­weis ist ein etwas eigenartiger Zeitvertreib für die Jugend, der jetzt in Paris aufgekommen ist und das Telephon-Spiel" genannt wird. Die Pariser haben vor kurzem die ersten automatischen Fernfprech- anschlüsse erhalten, und auch Erwachsene wissen mit den schwierigen Hantierungen an der Scheibe, die zur Herstellung des Anschlusses notwendig sind, noch nicht genau Bescheid. Die Kinder müssen aber diese Kunst auch schon lernen, und so üben die Eltern mit ihnen an der Scheibe, bis die richtige Verbindung zustande kommt. Eine große Pariser Zeitung hat für ihre Leser Preise ausgesetzt, um den Eifer bei diesem Spiel zu ermutigen. Die Kinder des Lesepublikums werden eingeladen, die Zeit vorauszusagen, die es beanspruchen wird, sechs Nummern am automatischen Telephon zu bekommen. Die Aufgabe ist durchaus nicht leicht, denn man muß die falschen Verbin­dungen in Betracht ziehen, die bei der Erlangung der sechs Nummern mit unterlaufen werden, und diese dürften zahlreich sein, da nach den Behaup­tungen der Blätter die falschen Veroindungen häu­figer Vorkommen sollen als die richtigen. Die Be­werber werden aufgefordert, vorher an den Tele­phonanlagen ihrer Eltern noch recht tüchtig zu üben. Die Gefahr, daß sie bei diesen Versuchen zweimal an denselben Teilnehmer geraten, ist nicht sehr groß, da bisher schon mehr als 60 000 Personen automatisch angeschlossen sind. Die Kleinen können sich also ge­trost diesem Spaß hingeben. Allerdings dürften die Empfindungen der fälschlich Angerufenen sehr ent­gegengesetzter Natur fein, und mir wollen im Inter­esse der deutschen Besitzer automatischer Telephone dringend hoffen, daß sich diesesSpiel" nicht auch bei uns einbürgert.